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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben schreibt die unglaublichsten Geschichten
Ich kann und möchte dieses Buch nicht rezensieren, als sei es ein Roman. Es wurde nicht zu meiner Unterhaltung geschrieben; es ist das ungeschminkte Spiegelbild einer erschreckenden Realität.

Die meisten Menschen werden die Geschichte zumindest in groben Umrissen aus den Nachrichten kennen: ein 10-jähriges Mädchen wird von einem Fremden in...
Vor 2 Monaten von Alexandra Gottstein veröffentlicht

versus
48 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ...und doch bleiben Fragen zurück!
Ich habe mir diese Rezension nicht leicht gemacht und lange überlegt ob ich sie schreiben soll.
Ich gebe hier keine persönliche Meinung zu Natascha Kampusch ab, es ist lediglich das Buch, welches ich rezensiere...
N. Kampusch schreibt ihre Biografie (bzw. lässt schreiben) wie sie ihre Interviews spricht; teilweise in trivialen Worten, dann wieder...
Veröffentlicht am 17. Mai 2011 von Bücherwurm


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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben schreibt die unglaublichsten Geschichten, 21. Februar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Gebundene Ausgabe)
Ich kann und möchte dieses Buch nicht rezensieren, als sei es ein Roman. Es wurde nicht zu meiner Unterhaltung geschrieben; es ist das ungeschminkte Spiegelbild einer erschreckenden Realität.

Die meisten Menschen werden die Geschichte zumindest in groben Umrissen aus den Nachrichten kennen: ein 10-jähriges Mädchen wird von einem Fremden in einen weißen Lieferwagen gezerrt - und verbringt dann den Rest ihrer Kindheit und Jugend als seine Gefangene, nein, seine Sklavin, in einem ausgeklügelt versteckten, winzigen Kellerverlies. Sie muss Einiges ertragen; die Schraube der Gewalt dreht sich immer enger. Isolationshaft, Demütigungen, Tritte und Schläge, Hunger, sexuelle Übergriffe. Die meisten Menschen wären wohl daran zerbrochen.

Umso unglaublicher ist es, das Geschehene aus Sicht von Natascha Kampusch zu lesen. Man gewinnt den Eindruck, dass hier eine unglaublich starke, intelligente und geradezu weise Persönlichkeit spricht. Manche Menschen mögen Natascha übelnehmen, dass sie sich nicht in der Opferrolle einsperren lässt, dass sie sich nicht verhält, wie Viele es von einem Opfer erwarten... Man nimmt ihr übel, dass sie dem Täter verzeiht; man reagiert mit Befremden auf die Schilderungen kleiner gestohlener Momente der Normalität, vielleicht sogar des Glücks.

Wer sind wir, wir Außenstehenden, wir Voyeuere ihres Lebens, dass wir uns anmaßen können, über die Überlebensstrategien eines mutigen Kindes zu urteilen?
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55 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 'Ein Ruck ging durch meine Welt, die Realität verschob sich um ein kleines Stück.', 23. Januar 2012
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Im Alter von 10 Jahren wird Natascha Kampusch von Wolfgang Priklopil entführt und verbringt die nächsten 3096 Tage ihres Lebens größtenteils in einem Keller, in dem es kein Tageslicht, keine Privatsphäre, keine Hoffnung auf Entkommen gibt. Sie lebt unter ständiger Kontrolle und Beobachtung, wird wegen Nichtigkeiten bestraft, wird misshandelt und gedemütigt. Nach 8 1/2 Jahren gelingt ihr die Flucht, und sie versucht, ihre unvorstellbaren Erlebnisse zu verarbeiten und ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Mein Eindruck:
Natascha Kampuschs Geschichte ist ebenso erschütternd wie beeindruckend. Mit unglaublicher Energie und Entschlossenheit hat sie es geschafft, ihre entsetzliche Zeit in Priklopils Keller in Worte zu fassen und auf Papier zu bringen. Ihr Bericht ist sprachlich einfach gehalten, doch psychologisch sehr authentisch und sehr komplex. Sie vermochte es, dass ich auf jeder Seite ihres Buches mit ihr sympathisieren konnte, denn ihre Sichtweise auf ihre Erlebnisse ist sehr reif, nie oberflächlich oder vereinfachend. Sie sieht ihren Peiniger als komplexe Person mit guten und schlechten Eigenschaften, ihre Zeit bei ihm unter positiven und negativen Gesichtspunkten. Dabei werden psychische Phänomene wie dissoziative Zustände sehr glaubhaft geschildert und stimmig beschrieben, und von ihren Erfahrungen wird eher sachlich und nie reißerisch oder weinerlich erzählt.

Mein Resümee:
Natascha Kampusch gehört meine aufrichtigste Bewunderung und mein tiefster Respekt.

'Nichts ist nur schwarz und nur weiß. Und niemand ist nur gut und nur böse. Das gilt auch für den Entführer. Das sind Sätze, die man von einem Entführungsopfer nicht gerne hört. Denn hier kippt das klar definierte Schema von Gut und Böse, dem die Menschen nur zu bereitwillig folgen, um in einer Welt voller Grauschattierungen nicht die Orientierung zu verlieren.'
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370 von 414 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ehrfurcht, 8. September 2010
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich darf so ein Buch gar nicht rezensiert werden. Es geht hier um persönliche, furchtbare Erlebnisse. Wie soll man die werten? Auch wenn einige schreiben, dass das Buch nicht wirklich Neues bringt. Man darf nicht vergessen, dass es hier nicht um die Unterhaltung des Lesers geht. Ein Betroffener teilt sich mit. Wenn ich so einen Bericht lesen will, darf ich nicht unbedingt reißerische Enthüllungen erwarten.

Und Natascha Kampusch teilt sich mit. Sie (?) beschreibt ihr Martyrium deutlich und eindringlich. Sensationslüsterne Szenen bleiben dem Leser, bis auf einen kurzen Tagebuchausschnitt, allerdings erspart. Ich finde das ehrlich. Natascha Kampusch schließt ab. Wer daran teil haben möchte, ja vielleicht auch versuchen möchte, diesen ganzen Wahnsinn irgendwie zu verstehen und eben auch ihre Sicht kennenlernen möchte, dem sei das Buch empfohlen.

Einen Stern Abzug möchte ich dennoch vergeben: Die Sprache, ja der ganze Stil, scheinen nicht zu der jungen Frau zu passen. Passagenweise meint man die Stellungnahme eines Psychologen vor sich zu haben. Auch das ein 10-jähriges Mädchen sich damals, vor zwölf Jahren, ernsthaft Gedanken darüber macht, möglicher Weise gutes DNS-Material hinterlassen zu haben oder von dem Entführer "Nessesaires" wie im Hotel zu bekommen, wirkt fremd.

Das haben wir wohl den Co-Autorinnen zu verdanken. Persönlich hätte es mir besser gefallen, die wirkliche, echte Natascha Kampusch zu hören, auch wenn es möglicher Weise etwas holprig geklungen hätte. Es wäre authentischer.

Nichtsdestotrotz ziehe ich meinen Hut vor der mutigen jungen Frau, die so eine innere Stärke aufbrachte. Nicht nur dem Täter gegenüber, sondern auch den Medien. Auch wenn sie mit diesem Buch die Tatsachen richtigstellte, wilde Spekulationen und Gerüchte werden wohl leider trotzdem nicht abebben. Pauschale Wertungen auch nicht.

Für jeden, der wissen will, wie es wirklich war: äußerst lesenswert. Für jeden, der zu Selbstmitleid neigt, ebenso. Das ein Mensch so ein Schicksal meistert, macht mich ehrfürchtig.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Danke für dieses Buch, 22. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Taschenbuch)
Als sich Natascha Kampusch 2006 aus ihrer Gefangenschaft befreien konnte und ihre tragische Geschichte ans Tageslicht kam war ich zutiefst berührt und schockiert.

Die späteren Medienauftritte und ihr oft merkwürdiges Verhalten konnte ich später nicht immer ganz nachvollziehen und ich verstand nicht warum sich diese junge Frau nicht einfach zurückzieht und sich Ruhe gönnt.

Hiermit möchte ich mich für solche Gedanken entschuldigen! Nachdem ich das Buch gelesen habe, ist so vieles im Verhalten von Frau Kampusch nachvollziehbar. Niemand hat das Recht über diese Frau und ihre Persönlichkeit zu urteilen. Was sie als Kind, als junge Heranwachsende durchmachen musste ist einfach furchtbar. Der Lebenswille, den sie sich selbst zurechtgebastelt hat ' einfach bewundernswert! Was für eine starke Frau!

Ich finde es gut, dass sie ihre Geschichte jetzt zu Papier gebracht hat und man diese nachlesen kann um sie vielleicht danach besser zu verstehen. Bei mir hat es jedenfalls gewirkt.

Ich bringe Frau Kampusch nur noch Bewunderung und große Wertschätzung entgegen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berührt sehr, vor allem wenn man selbst Kinder hat, 18. Februar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Taschenbuch)
Ich war überrascht wie gut das Buch geschrieben ist. Häufig lesen sich solche Art Bücher eher schlecht.Inhaltlich ist das Erlebte von Frau Kampusch natürlich harte Kost. Ich habe immer wieder Lesepausen von einigen Tagen gebraucht und konnte das Buch auch nicht in allen Stimmungslagen lesen. Allerdings gibt es auch einen Einblick darüber, wieviel ein Mensch ertragen kann und doch den Willen fürs Überleben nicht verliert.
Letztendlich hinterlässt das Buch bei mir ein Gefühl von Bewunderung und Hoffnung. Es ist unglaublich, dass Frau Kampusch die Stärke aufbringt ihre Geschichte so detailiert in der Öffentlichkeit zu teilen.
Und ich habe keinerlei Verständnis für Menschen, die in Bezug auf Frau Kampusch negative Gefühle entwickeln und sie beleidigen oder behelligen. Das ist laut Autorin wohl häufig der Fall gewesen und es bestürzt mich sehr.
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80 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen A victim's perspective, 1. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Gebundene Ausgabe)
I'm writing this in English, as my written German is not sufficient to express my tremendous admiration and deep, deep respect for Miss Kampusch's bravery. I'm a former victim of kidnapping, torture and sexual molestation, and this book, and most notably, her spirit, made me feel glad to be alive for the first time in years.

It's her deep commitment to her own truth and her own fight that makes this book a godsend. She doesn't back down ever--she tells the truth about her parents, her fears and how she fought to keep her heart alive all those years. As someone who was always told to keep my mouth shut about the horrors I've lived through, this book was like finding a true friend. A young woman who refuses to hide. Someone who's not afraid to present helplessness and trauma exactly as they are.

A tremendous service to the human race. Thank you Natascha.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Verrat am Menschen. ..., 29. März 2013
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Taschenbuch)
Ich schreibe hier nur ein paar mir wichtig erscheinende ganz persönliche Gedanken zu den Erfahrungen von Natascha Kampusch auf, denn bei einem Buch wie diesem wirkt ein klassisches "Produktbewertungssystem" geradezu absurd und schnell mal wie Hohn. Wer will sich denn bitte auch anmaßen, die Erfahrungen von Natascha Kampusch zu ''bewerten''! Ein derartiges Buch nimmt man - vorausgesetzt man hat eine lebendige Seele im Leib - erschüttert zur Kenntnis oder eben auch nicht, aber sich zu versteigen, hier ernsthaft ''werten'' zu wollen oder gar etwas anzuzweifeln, erscheint mir als Inbegriff von Vermessenheit und Herzlosigkeit. Natürlich kann man über den Schreibstil (der sehr gut ist), die Aufmachung des Buches und Ähnliches sprechen, wenn man dies wirklich für wichtig hierbei hält, aber so ein Buch ist sicher nicht zu unserer ''Unterhaltung'' geschrieben. Auch wenn es offensichtlich Menschen gibt, die leider nichts weiter mehr wahrnehmen können, als sich selbst, und deshalb genau dieses irrtümlicherweise wohl meinen und damit alles noch viel schlimmer machen, als es eh schon ist. Die unerhörten Reaktionen mancher Menschen auf die Erfahrungen von Frau Kampusch belegen, in was für einer kranken und vor allem lieblosen Gesellschaft wir tatsächlich leben. Damit bringt dieses Buch sehr viel mehr ans Licht, als ein einzelnes Verbrechen an einem Individuum. Es macht die Entmenschung unserer materialistischen und gottlosen Zeit erkennbar. Es ist wirklich traurig, zu sehen, auf was für blöde Fragen Frau Kampusch in Interviews oft antworten soll und wie oft von ihr erwartet wird, dass sie sich rechtfertigt für Unsinn, der in der Regel nur in den hohlen Köpfen gewisser so genannter Journalisten herumspukt. Die Geschichte von Frau Kampusch ist unglaublich lehrreich auch durch alles das, was sie jetzt für Reaktionen nach sich zieht. Mit solch einem Buch gehen wir alle auf unterschiedliche Weise um, je nach Charakteranlage und Menschenbild. Verbrechen wie diese in einem Buch erzählt offenbaren viel Heuchelei, aber wecken auch wache Herzen zur aufrichtigen Anteilnahme und zum Nachdenken. Unsere Gesellschaft bekommt den Spiegel vorgehalten, und damit können und wollen viele nicht wirklich ehrlich umgehen. So kommen die drolligsten Reaktionen zu Stande, bis hin zu der absurden Behauptung, Frau Kampusch - damals 10 Jahre alt - hätte sich alles nur ausgedacht und ähnliche Späße. Und selbst wenn es Gestalten gibt, die es lautstark kritisieren, dass die Erlebnisse von Frau Kampusch in einem Buch oder Film den Menschen erzählt werden, ist es meines Erachtens unendlich wichtig, dass diese Geschichte uns allen zugänglich gemacht wird, auf dass wir hinschauen und erkennen, was Menschen im Stande sind, anderen anzutun, und dass hinter den hübschen modernen Fassaden unserer Zeit sich allzu oft eine scheußliche Fratze der Unmenschlichkeit versteckt. Auch weil der Entführer von Frau Kampusch ihr über Jahre hinweg einhämmerte, dass sie niemand suchen würde, niemand sie liebt, dass keiner sie vermissen würde, nicht einmal ihre Eltern usw., soll die Welt jetzt wahrnehmen, was passiert ist. Auch dies ist ein wichtiger Teil für die Heilung der Wunden am Seelenleben. Das charakterliche Muster von Wolfgang Priklopil ist so selten leider nicht in unserer Gesellschaft. Auch wenn es nicht immer dermaßen kranke Ausmaße annehmen muss, ist so mancher gewalttätige Ehemann, der seine Frau oder Kinder misshandelt und erniedrigt, moralisch auf ganz ähnlichem Niveau. Es gibt erschreckend viele Menschen ohne jegliche Liebe oder Respekt vor dem menschlichen Individuum. Es gehört ein unglaubliches Ausmaß an Selbstsucht und Gewissenlosigkeit dazu, ein Kind von 10 Jahren zu entführen und über 8 1/2 Jahre zu diskriminieren und zu quälen, nur um irgendwelchen egoistischen Wahnvorstellungen zu genügen. Dies setzt völlige Selbstzerfressenheit, die nur noch sich selbst als real wahrnimmt voraus. Herr Priklopil wollte die Persönlichkeit seines Opfers systematisch auslöschen, um eine neue nach seinen kranken Vorstellungen quasi neu zu erschaffen. Mit dem bloßen Bedürfnis nach "Liebe" ist so etwas ganz bestimmt nicht begründbar. Nach Liebe suchen viele, aber nur ganz wenige kommen dabei auf solch grausame Ideen. Unser Leben hat einen tiefen moralischen Ernst, den ganz viele heute bloß versuchen hinweg zu reden mit intellektuellen Konstrukten oder Vorurteilen, damit sie sich nicht damit befassen müssen. Der Mensch ist natürlich kompliziert und vielschichtig, nicht bloß schwarz oder weiß. Allerdings sind wir ganz bestimmt auch nicht alle gleich; es gibt große Unterschiede in der moralischen Ausrichtung und dem Ton der Herzen. Und selbst wenn es vielen heute als "überholt" gilt und manche sich einbilden, längst "darüber hinaus zu sein" oder "aufgeklärt" usw., ist das Moralische, die Frage nach Gut und Böse in Wahrheit die Essenz unserer menschlichen Existenz. Moralische Fragen sind es, die unser tägliches Leben bewegen und bestimmen, und deshalb interessieren sich die Menschen auch für solche Bücher und Ereignisse. Mit Psychologie und materialistischer Menschenkunde wird man niemals die Abgründe einer Seele, wie die Wolfgang Priklopils begreifen können. Eine materialistische Psychologie macht aus dem Bösen im Menschen am Ende ja doch nicht viel mehr, als ein gestörtes Mischverhältnis gewisser Chemikalien im Körper oder eine genetische Determinierung, für die der arme Mensch am Ende ja doch nichts kann usw. Die Seele und der Geist des Menschen sind vielen längst nur noch die Summe chemikalischer Reaktionen im Leibe. Es bleibt so letztendlich keine moralische Verantwortung des Menschen mehr übrig. Der Materialismus macht alles so nur noch unverständlicher und finsterer und führt unsere Gesellschaft ganz notwenig immer weiter in faschistoide Gefilde hinein. In Wahrheit ist nämlich gerade dieser Materialismus der eigentliche Grund unserer Entmenschung. Er ist der eigentliche Verrat am Menschen! Leerem Intellekt mag er ja zeitweilig genügen, dem lebendigen Herzen genügt er nie. In einem geistlosen mechanischen Weltbild haben der Mensch und die Menschlichkeit keinen realen Platz, und es gibt viele, die daraus dann irgendwann praktische Konsequenzen ziehen und sich entsprechend entwickeln. Nur mit tiefer innerer Unwahrhaftigkeit und Heuchelei kann man den Weltanschauungsmaterialismus und Sozialdarwinismus mit menschlicher Moral zusammenleimen. Ich bin bestimmt kein Freund von traditionellen Religionen, aber ich glaube an den Geist und an den moralischen Sinn des Lebens. Der Mensch ist nicht bloß ein mechanisch-chemischer Leib, der wie ein Roboter programmiert und durch Gene und Erbanlagen determiniert durchs Leben rollt, sondern er ist eine moralisch verantwortliche geistige Individualität, dessen Existenz weit über Geburt und Tod hinausreichen. Vieles ist dabei in unsere Freiheit gelegt, und es ist nicht unwichtig, mit was für Ideen wir unseren Geist und unsere Seele bilden und unseren inneren Menschen ernähren. Wir haben es durchaus längerfristig in der Hand, was wir aus uns machen. Deshalb sind wir für unsere Sünden sehr wohl auch verantwortlich. Jedenfalls spielt auch die Weltanschauung, die wir haben, eine große Rolle dabei, wie wir mit diesem Buch oder solchen Erscheinungen innerhalb der Gesellschaft umgehen. –

Die Würde und Stärke, mit der Frau Kampusch diese 8 1/2 Jahre Hölle überstanden hat, ist unendlich bewundernswert. Sie hat mich persönlich sehr beeindruckt mit ihrer Ehrlichkeit, Tapferkeit, Intelligenz und Tiefgründigkeit, die von Anfang an in ihrem Buch durchkommen. Sie ist eine schöne und große Seele; und aus mir spricht hier jetzt sicher nicht bloß Mitleid. Sie zeigt Gedanken in ihrem Buch, die moralische Größe und Stärke beweisen. Frau Kampusch hat sich in diesem Leben sehr viel vorgenommen. Sie trägt ein mächtiges Kreuz für uns alle, unter dem viele andere schnell zusammengebrochen wären. Es gibt nur wenige, die solche Erlebnisse überhaupt überstanden hätten, ohne als Individuen komplett zu zerbrechen. Natascha Kampusch war stärker als ihr Peiniger; sie wird auch stärker sein als ihre Kritiker. Wenn ich sie heute in Interviews sehe, freut es mich sehr, wahrzunehmen, wie gut sie alles bisher verarbeitet hat. Sie wirkt viel gefasster und stärker, als noch zu Beginn. Sie ist sanft und ihr Ton ist liebevoll. Sie spricht klar und deutlich, kann sich gut ausdrücken und schaut ihrem Gegenüber selbstbewusst in die Augen. Da ist viel passiert seit ihrer Flucht, und ich hoffe, das es den Böswilligen in unserer Zeit nicht gelingt, sie zu sehr zu verunsichern und zu verhindern, dass Natascha Kampusch irgendwann vielleicht wieder ganz vertrauen kann. Ich wünsche ihr von Herzen, dass viele gute Menschen ihren Weg kreuzen mögen. Der Täter soll auf ganzer Linie gescheitert sein und sie sogar am Ende stärker gemacht haben, als sie es vorher war, was das Gegenteil dessen ist, was er bezweckte. Dann hat die freie Persönlichkeit und Menschlichkeit in Frau Kampusch wirklich gesiegt. Wir können Gewalt und Lieblosigkeit, die wir erfahren, oft nicht ändern, aber was wir daraus machen und wie wir damit umgehen, dass liegt in unserer Hand. Hier liegt das eigentliche Mysterium unserer Freiheit. Nur deshalb, weil Freiheit sein soll, da sie die notwendige Grundlage ist zur Menschwerdung, zu wahrer Liebe und Menschlichkeit, existiert ein Raum für das Böse auf Erden. Aber Gottes Gerechtigkeit hat einen langen Atem, viel länger, als es materialistische Vorurteile und menschlicher Intellekt überschauen können, weshalb viele nicht mehr an Gerechtigkeit glauben möchten. Es gibt moralische Naturgesetze, denen sich niemand entziehen kann, auch durch Selbstmord nicht. Jeder Mensch, jede Seele wird sich den eigenen Sünden und Taten irgendwann stellen müssen. In einem Interview vor einigen Jahren sagte Frau Kampusch sinngemäß: "Ich weiß nicht woher ich dies weiß, aber ich weiß ganz sicher, dass alles Böse und Lieblose, das Menschen tun, irgendwann auf sie zurückfällt." Davon bin auch ich überzeugt. Der feige Selbstmord von Herrn Priklopil wird ihn nicht vor den Konsequenzen seines Lebens retten können; da täuschen sich viele ganz gewaltig gerade in unserer Zeit. ...

Ich möchte zum Schluss noch etwas sagen zu denen, die seltsamerweise tatsächlich meinen, dass Frau Kampusch kein Geld verdienen darf mit ihrer Geschichte: Besonders in unserer hohlen Zeit verhuren sich so viele Menschen bereitwillig restlos des Geldes wegen und mit absoluten Sinnlosigkeiten, die die Welt nicht braucht. Kaum etwas ist zu billig als Mittel zur Bereicherung. Das Martyrium von Frau Kampusch hingegen muss erzählt werden, und wieso soll sie dabei nicht ebenso Anteil haben und Geld verdienen? Es ist wichtig, dass ihr Buch und Film existieren. Neben dieser Geschichte wirkt so vieles heute doch völlig wertlos, was gedruckt und gekauft oder verfilmt wird. Ihr wurden außerdem kostbare Jahre des Lebens brutal geraubt; Jahre, in denen andere junge Menschen Zeit haben, sich eine Existenz aufzubauen. Diese Möglichkeit hatte Frau Kampusch nicht. Umso mehr hat sie jetzt das Recht, Geld zu bekommen für das Erzählen ihrer Geschichte. Daran ist absolut nichts Verwerfliches oder Unanständiges. Viel mehr ist Kritik daran unanständig und himmelschreiende Heuchelei. Ich persönlich hoffe, dass sie Millionen und Abermillionen verdient, sodass sie sich so frei und unabhängig wie irgend möglich den Rest ihres Lebens gestalten kann. Wer hätte sich dies bitte mehr verdient, als Frau Kampusch!? Wer durch die Hölle geht, verdient alles, was im Himmel und auf Erden Freiheit, Ruhe und Trost geben kann. Ich wünsche ihr aber vor allem das, was Geld eben nicht geben kann: ganz viel Licht, Kraft und Liebe. Sie hat sehr jung viel Unmenschlichkeit erfahren; jetzt sollte sie vor allem Menschlichkeit erfahren. –

Michael Kiske
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswert, 24. September 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Kindle Edition)
Ursprünglich war ich sehr skeptisch, da ich nach der endlosen medialen Aufbereitung des Themas schon genug hatte, und mir von dem Buch nicht allzu viel versprochen habe. Schon nach den ersten Seiten wurde mir jedoch klar, dass die Lektüre dieses Buches meinen Horizont erweitern würde. Selbst wenn ich ein ausführliches Lektorat unterstelle, so ist es trotzdem faszinierend, wie differenziert und reflektiert Frau Kampusch Ihr Leben bis zur Flucht beschreibt. Ohne Voyeurismen zu befriedigen verschafft Frau Kampusch dem Leser/der Leserin eine Ahnung vom Unvorstellbaren. Seitdem ich dieses Buch gelesen habe, ertappe ich mich immer wieder dabei, eigene Unpässlichkeiten oder mein persönliches Zeitempfinden in Relation zu den 3096 Tagen von Frau Kampusch zu sehen; ein wertvolles Korrektiv!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gehe niemals im Streit auseiander..., 29. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Taschenbuch)
Eigentlich fragt man sich während des Lesens die ganze Zeit wie es ein anfangs 10-jähriges Mädchen das zu einer erwachsenen Frau heranwächst es schaftt,dieses Leid zu ertragen. Es ist eigentlich für den Leser als außenstehende Person nicht fassbar was Natascha Kampusch in den vielen Jahren der Gefangenschaft widerfahren ist.

In all den anderen Rezensionen bereits alles gesagt und ich würde mich sicher wiederholen. Fakt ist dass ich ihre Geschichte als so lesenswert empfand, dass ich sie in geradeeinmal 2 Tagen gelesen hatte. Das Buch ist von vorne nach hinten interessant geschrieben, es wird nichts beschöntigt aber nicht zu utopisch ausgeschmückt. Man fiebert im Grunde die ganze Zeit ihrer Flucht entgegegen.

Fakt ist dass niemand das Grauen was Natascha Kampusch erlebt hat nachvollziehen kann und sicher werden nicht alle verstehen warum sie in ihrer Situation gehandelt hat wie sie gehandelt hat. Dennoch bekommt man am Ende alles aus ihrere eigenen Sicht geschildert und weiß warum die Dinge so passiert sind.

Absolute Empfehlung und 5 Sterne.
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122 von 153 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine bewegende Geschichte, die einem die Augen öffnet, 8. September 2010
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Gebundene Ausgabe)
Würden Sie nicht bereits wissen, dass die Geschichte wahr ist, würden Sie sie nicht glauben - so unvorstellbar ist das, was Natascha Kampusch in der Zeit ihrer Gefangenschaft durchmachen musste. Doch Sie würden das Buch dennoch nicht zur Seite legen. Denn Natascha Kampusch schafft es, den Leser in ihre Welt mitzunehmen. Ihre Sprache macht die Szenen lebendig, man ist plötzlich das kleine Kind in der düsteren Atmosphäre der Rennbahn-Siedlung, sehnt sich nach der Zuneigung der Mutter, der Anerkennung des Vaters, fühlt die kindliche Ohnmacht. Und dann die Ereignisse am frühen Morgen des 2. März 1998, die ihr junges Leben auseinanderreißen...
Seite für Seite gewährt Kampusch einem einen Einblick in die Qualen, die sie erlitten hat. Doch es ist nicht die Geschichte eines Opfers, es ist die Geschichte einer jungen Frau, die immer stärker wird und schließlich enormen Mut beweist und sich selbst aus den Fängen ihres Entführers befreit. Und es ist ein berührender Aufruf, die Welt nicht nur als schwarz oder weiß zu sehen, sondern mit all ihren Schattierungen zu akzeptieren. Doch wahrscheinlich kann Natascha Kampusch das mit wenigen Sätzen weit besser beschreiben, als ich mit allen Worten der Welt je könnte:

>> Auch ich war ein Kind, als meine Gefangenschaft begann. Der Täter hatte mich aus meiner Welt gerissen und in seine eigene gesteckt. Der Mensch, der mich geraubt hatte, der mir meine Familie und meine Identität genommen hatte, wurde zu meiner Familie. Ich hatte keine andere Chance, als ihn als solche zu akzeptieren, und lernte, mich an den Zuwendungen zu freuen und alles Negative zu verdrängen. Wie jedes Kind, das in gestörten Familienverhältnissen aufwächst.
Ich war anfangs erstaunt, dass ich als Opfer zu dieser Differenzierung fähig bin, aber die Gesellschaft, in der ich nach meiner Gefangenschaft gelandet bin, nicht die kleinste Nuancierung zulassen kann. Sie gesteht mir nicht zu, über einen Menschen, der achteinhalb Jahre der einzige in meinem Leben war, auch nur nachzudenken. Ich könnte nicht einmal leise andeuten, dass ich die Gelegenheit der Aufarbeitung vermisse, ohne Unverständnis zu wecken.
Inzwischen habe ich gelernt, dass ich diese Gesellschaft ein Stück weit idealisiert habe. Wir leben in einer Welt, in der Frauen geschlagen werden und nicht vor den prügelnden Männern fliehen können, obwohl ihnen die Tür theoretisch weit offensteht. Jede vierte Frau wird Opfer von schwerer Gewalt. Jede zweite macht im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit sexueller Belästigung. Diese Verbrechen sind überall, sie können hinter jeder Wohnungstür dieses Landes stattfinden, jeden Tag, und kaum jemanden ringen sie mehr ab als schulterzuckendes, oberflächliches Bedauern.
Diese Gesellschaft braucht Täter wie Wolfgang Priklopil, um dem Bösen, das in ihr wohnt, ein Gesicht zu geben und es von sich selbst abzuspalten. Sie benötigt die Bilder von Kellerverliesen, um nicht auf die vielen Wohnungen und Vorgärten sehen zu müssen, in denen die Gewalt ihr spießiges, bürgerliches Antlitz zeigt. Sie benutzt die Opfer spektakulärer Fälle wie mich, um sich der Verantwortung für die vielen namenlosen Opfer der alltäglichen Verbrechen zu entledigen, denen man nicht hilft - selbst wenn sie um Hilfe bitten.
Verbrechen wie jenes, das an mir begangen wurde, bilden das grelle, schwarzweiße Gerüst für die Kategorien von Gut und Böse, an dem sich die Gesellschaft aufrecht hält. Der Täter muss eine Bestie sein, damit man selbst auf der guten Seite stehen bleiben kann. Man muss sein Verbrechen ausschmücken mit Sado-Maso-Phantasien und wilden Orgien, bis es so weit entrückt ist, dass es mit dem eigenen Leben nichts mehr zu tun hat.
Und das Opfer muss gebrochen sein und es auch bleiben, damit die Externalisierung des Bösen funktioniert. Ein Opfer, das diese Rollen nicht annimmt, personifiziert den Widerspruch in der Gesellschaft. Man will das nicht sehen. Man müsste sich mit sich selbst beschäftigen.
Deshalb löse ich in manchen Menschen unbewusst Aggressionen aus. Vielleicht, weil die Tat und alles, was mir zugestoßen ist, Aggressionen auslösen. Da ich die Einzige bin, die nach dem Selbstmord des Täters greifbar ist, treffen sie mich. Besonders heftig, wenn ich die Gesellschaft zum Hinsehen bewegen will. Dass der Täter, der mich entführt hat, auch ein Mensch war. Einer, der mitten unter ihnen gelebt hat. Wer anonym in Internetpostings reagieren kann, lädt seinen Hass direkt auf mir ab. Es ist der Selbsthass einer Gesellschaft, die auf sich selbst zurückgeworfen wird und sich fragen lassen muss, warum sie so etwas zulässt. Warum Menschen mitten unter uns so entgleiten können, ohne dass es jemand merkt. Über acht Jahre lang. Jene, die mir bei Interviews und Veranstaltungen gegenüberstehen, gehen subtiler vor: Sie machen mich - der einzigen Person, die die Gefangenschaft erlebt hat - mit einem kleinen Wort zum zweiten Mal zum Opfer. Sie sagen nur "Stockholm-Syndrom". <<

Fazit: Kaufen, kaufen, kaufen! Nicht, weil Sie Mitleid mit Natascha Kampusch haben und die Tantiemen als eine Art Spende sehen. Auch nicht, weil Sie sich an Unaussprechlichem ergötzen wollen, denn wie Sie bereits aus den Medien erfahren konnten, beschreibt Kampusch nicht alle Gräueltaten ins Detail - wozu auch, das, worüber sie schreibt, ist ohnehin schwer genug nachzuvollziehen. Kaufen Sie das Buch, weil es Ihnen die Augen ein wenig mehr öffnen kann. Und mit ein wenig Glück hilft es Ihnen auch dabei, aus einer kleinkarierten Welt auszubrechen, in der sich Menschen aufbrüsten, sie hätte sich von Ghostwritern helfen lassen. Oder dass die Kampusch undankbar sei, weil sie nicht in ihrer Opferrolle verharren will. Nichts ist nur schwarz und nur weiß.
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3096 Tage
3096 Tage von Natascha Kampusch (Gebundene Ausgabe - 8. September 2010)
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