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am 12. März 2014
Ernste Töne von David Safier? Ungewohnt, ja. Aber nach den letzten Klamaukbüchern „Muh“ und „Happy Family“ war es für ihn vielleicht an der Zeit, sich neu erfinden.
Jetzt also dieses Buch; mit einem Thema, das an Ernst kaum zu übertreffen ist.
In Gedenken an seine Großeltern, die in Buchenwald und Lodz umgekommen sind und geschrieben für Eltern und Schwester widmet sich Safier dem Warschauer Ghettoalltag und dem Widerstand jüdischer Jugendgruppen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Mira, ein sechzehnjähriges Mädchen, das die eigene Mutter und die jüngere Schwester durchbringt, indem sie Lebensmittel von der polnischen Seite ins Warschauer Ghetto schmuggelt.
Die Ereignisse, die folgen, sind chronologisch fast penibel den realen Gegebenheiten angepasst – Safier hat (sofern ich das beurteilen kann) versucht, die letzten Wochen im Ghetto möglichst genau in ihrem Ablauf wiederzugeben und hat sogar Nebenfiguren realen Menschen entlehnt.

„28 Tage lang“ ist daher alles andere als heiter. Hier lässt der Klappentext vielleicht etwas anderes erwarten. „28 Tage, um die wahre Liebe zu finden, 28 Tage um zur Legende zu werden“, so steht es auf dem Umschlag.
Okay, dachte ich. Das wird nicht ganz so schlimm. Da versucht Safier, soviel Leichtigkeit wie möglich unterzubringen; das wird eine Heldengeschichte, eine Liebesgeschichte.
Von wegen.

Die Geschichte ist wie sie ist. Und Safier beschönigt nichts. Allenfalls hält er jeweils rechtzeitig inne, lässt den Blick nicht allzu lange verweilen, lässt seine Protagonistin zwar reflektieren aber auch immer wieder schnell zur nächsten Tat übergehen.
Eine Heldengeschichte also?
Eher eine Betrachtung – verschiedener Anschauungen und Entscheidungen; keine davon ist richtig, keine falsch.
Miras Entscheidung fällt für den Widerstand – mehr zwangsläufig denn geplant und als Folge einer ganzen Kette von Ereignissen.

Safier hat sich bemüht, die schwere Kost möglichst verdaulich zu machen. Oder wie er selbst sagt: Man soll das Buch trotz all des Fürchterlichen gerne lesen.
So bietet der Blick auf den jugendlichen Widerstand mit zahlreichen Flucht- und Angriffsszenen viel Spannung und mit der Liebesgeschichte, die zwar als weiterer Aufhänger dient, die aber keineswegs vereinnahmend ist und erstaunlicherweise niemals kitschig, einen wohltuenden Lichtblick.

Mir persönlich hat das Buch gut gefallen.
Ich habe es gerne gelesen und einiges gelernt.
Mein Kritikpunkt gilt der Sprache. Hätte mir jemand das Buch gegeben und nicht gesagt, von wem es geschrieben wurde….ich hätte nach zehn Seiten Safier hindurchschimmern sehen.
Die Sprache ist - wie immer - schlicht und leicht, etwas distanziert, mit der gewohnten Vorliebe für das Wörtchen „doch“ und der Tendenz, die Dinge allzu sehr zu erklären.
Ab und zu schimmert auch Safiers Flapsigkeit durch, d o c h ;-) eher selten.
So trägt die Sprache – das muss man zugeben - andererseits dazu bei, den finsteren Abgrund der Ereignisse etwas weniger tief erscheinen zu lassen. Außerdem bietet sich das Buch damit hervorragend als Jugendbuch an.

Fazit: Lebendige Geschichtsstunde. Safier in neuem Gewand – steht ihm gut!
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TOP 500 REZENSENTam 29. Mai 2014
Inhalt:
1942/1943, Polen. Die 16-jährige Mira lebt mit ihrer Mutter und ihrer 12-jährigen Schwester Hannah im Warschauer Ghetto. Seit dem Tod des Vaters ist die Mutter depressiv und apathisch. So bleibt Mira nichts anderes übrig, als selbst Lebensmittel für ihre kleine Familie zu besorgen. Besorgen - das heißt für Mira schmuggeln. Dabei begibt sie sich täglich in Lebensgefahr. Doch damit nicht genug. Als die Deutschen die Räumung des Ghettos und den Abtransport aller Juden anordnen, gibt es kaum noch Hoffnung am Leben zu bleiben. Letztendlich schließt Mira sich den Aufständischen an.

Meine Meinung:
David Safier hat nach fünf humorvollen Romanen (u. a. „Mieses Karma“, „Plötzlich Shakespeare“) etwas Neues gewagt. Schon seit vielen Jahren hatte er den Wunsch, dieses Buch zu schreiben, und ich bin sehr froh darüber, dass er es endlich getan hat. Denn es ist einfach rundherum gut gelungen! Das Thema liegt dem Autor sehr am Herzen, sind doch seine Großeltern in Buchenwald bzw. im Ghetto von Lodz umgekommen. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, dass er genau weiß, wovon er hier schreibt.

Zwar sind die Protagonisten fiktive Personen, doch ist alles, was sie erleben, tatsächlich irgendjemandem damals passiert oder hätte genau so passieren können. Teilweise spielen auch reale Personen eine Rolle wie zum Beispiel Janusz Korczak, der tatsächlich ein Waisenhaus geleitet hat und mit „seinen“ Kindern in den Tod ging.

Trotz des „schweren“ Themas besticht das Buch durch eine gewisse Leichtigkeit im Erzählstil. Das ist sicherlich auch der jugendlichen Ich-Erzählerin Mira geschuldet und hat mir ausgesprochen gut gefallen. So lässt sich das Buch locker lesen, ohne dass man in Depressionen verfällt, obwohl das angesichts des Erzählten zu erwarten wäre. Der Ernst der Lage kommt dabei trotzdem immer zur Geltung. Diese Gratwanderung hat David Safier in meinen Augen hervorragend bewältigt.

Mira ist eine tolle Heldin. Sie ist mutig und hat einen starken Überlebenswillen, doch alles im realistischen Rahmen. Sie hat Schwächen und Fehler. Das macht es so einfach, sich mit ihr zu identifizieren und mit ihr zu leiden, zu bangen und zu hoffen. Ihre Entwicklung von einem jungen Mädchen zur Kämpferin wird plausibel dargestellt.

Mira zur Seite stehen zwei junge Männer, Daniel und Amos. Beide sind ihre Freunde, und ein bisschen spielt auch die Liebe mit. Doch nimmt sie hier zum Glück nicht überhand, zeigt aber, dass auch im Ghetto das Leben zumindest teilweise in gewohnten Bahnen ablaufen kann.

Die Atmosphäre im Ghetto kann man sich sehr gut vorstellen, die Beschreibungen wirken sehr plastisch und lebendig. Die Straßen und Häuser konnte ich beim Lesen direkt vor mir sehen, ebenso die Personen, ob es nun Mira und ihre Familie waren oder die SS-Soldaten, die jüdischen Polizisten… Sie alle erwachten in meinem Kopf zum Leben.

Besonders wichtig erscheint mir die Aussage des „verrückten“ Rubinstein: „Jeder ist frei zu entscheiden, was für ein Mensch er sein möchte.“ (S. 45) Und so zieht sich wie ein roter Faden eine Frage durch den Roman: Was für ein Mensch möchtest du sein? In vielen verschiedenen Situation muss Mira sich entscheiden. Und so sollte man als Leser gleich mit nachdenken und sich fragen: Wie hätte ich gehandelt? Was würde ich in einer solchen Lage tun? Was für ein Mensch will ich sein?

Fazit:
Ein tolles Buch, ein wichtiges Buch, das die Tage des Widerstands im Warschauer Ghetto lebendig werden lässt und dafür sorgt, dass die Gräuel nicht so schnell vergessen werden.

Ich möchte dieses Buch uneingeschränkt allen Lesern ab etwa 14 Jahren empfehlen. Auch als Schullektüre könnte ich es mir gut vorstellen.
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am 15. August 2014
Selten hat mich ein Buch in den letzten Jahren derart fasziniert, berührt und betroffen gemacht. Es wird in die Reihe meiner Lieblingsbücher eingereiht. Die Geschichte liest sich flüssig und spannend und der realistische Hintergrund des Warschauer Ghettos hinterläßt mich sprachlos. Unbedingt lesen!
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Die sechszehnjährige Mira lebt mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Hannah im Warschauer Ghetto. Um sich über Wasser zu halten, schmuggelt Mira Lebensmittel ins Ghetto. Als die SS beschließt, die Bewohner des Ghettos zu ermorden, schließt sich Mira dem Widerstand an. 28 Tage. Länger als jeder andere Widerstand, können die Bewohner den Schergen der Nazis trotzen. 28 Tage, in denen Mira ganz unterschiedliche Erfahrungen machen muss. Diese reichen von Verrat über Leid bis hin zu Glück, denn so schwer die Zeiten auch sind, erfährt Mira auch was Liebe ist. Denn in diesen 28 Tagen klärt sich, ob ihr Herz zu Daniel oder Amos gehört.

Mit fünf humorvollen Romanen wie MIESES KARMA oder HAPPY FAMILY hat sich David Safier eine große Fangemeinde erschrieben und gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Autoren der Gegenwart. Für seinen neuen Roman hat er sich ein Thema ausgesucht, welches sich gänzlich von seinen bisherigen Werken unterscheidet. Der Widerstand der jüdischen Bevölkerung im Warschauer Ghetto. Als Autor von Unterhaltungsromanen begibt man sich bei dieser Thematik auf eine schmale Gratwanderung. Auf der einen Seite stehen die Schrecken der tatsächlichen Begebenheiten, auf der anderen Seite die Frage, wie man das Thema so aufbereiten kann, das es einen Leser fesselt. Legt man den Klappentext und David Safiers bisherige Romane zu Grunde, kommt man schnell zu der Ansicht, das er, so weit es geht, die Leichtigkeit seiner Geschichte herausstellen wird.

Doch weit gefehlt. Schon die ersten Seiten machen deutlich, dass von der leichten Erzählweise seiner ersten Romane nicht viel übrig ist. Sehr gewissenhaft hält sich David Safier an die Ereignisse im Mai 1943 und verknüpft reale Personen der Zeitgeschichte, wie Janusz Korczak mit seiner fiktiven Heldin. Dabei nimmt er den Leser auf eine spannende Geschichte mit, in der die Liebesgeschichte nicht den Mittelpunkt darstellt, sondern eher als Katalysator dient, die schrecklichen Ereignisse der damaligen Zeit für den Leser erträglicher zu machen.

Mit Mira hat David Safier eine Protagonistin erschaffen, die (auch bedingt durch das Thema) deutlich mehr Tiefe besitzt, als seine früheren Romanfiguren. Eher durch die Ereignisse bestimmt, als aus eigener Überzeugung schließt sie sich dem Widerstand an. Durch ihre Augen erlebt der Leser jetzt mit, was sich in den Tagen des Aufstandes abgespielt hat.

Das bringt mich sui meinen einzigen Kritikpunkt. Auch wenn es David Safier ganz hervorragend gelungen ist, die Menschen und die damaligen Ereignisse zu beschreiben, konnte ich nicht wirklich eine emotionale Bindung zu Mira herstellen. Zwar liest sich der Roman sehr gut, doch das Mitleiden und Mitfiebern hat sich bei mir bis zum Schluss nicht einstellen wollen.

28 TAGE LANG ist ein lesenswerter Roman für alle Altersschichten. Gerade Jugendlichen sei die Lektüre empfohlen, da sie aus der Perspektive einer Altersgenossin viel über die Vergangenheit erfahren, die zwar abgeschlossen ist, aber nicht vergessen werden darf. Ist man vor der Lektüre skeptisch, ob David Safier auch die Klaviatur der leisen Töne beherrscht, kann man nach der Lektüre von 28 TAGE LANG sagen, dass es ihm gelungen ist. Die Geschichte regt zum Nachdenken an und zählt mit Sicherheit zu den Buchhighlights dieses Frühlings!
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am 21. April 2014
Meine Meinung:

David Safier kennt man eigentlich ganz anders. "Mieses Karma" z.b. habe ich vor einiger Zeit gelesen. "Jesus liebt mich" oder "Muh", ist vielen sicher auch ein Begriff. Witzig, ironisch, chaotisch - so kannte man Safier.
Als ich gesehen habe, das er ein Buch über das Warschauer Ghetto geschrieben hat, konnte ich es erst nicht glauben, war aber sofort interessiert, da mich diese Thematik schon immer sehr beschäftigt hat.

Was kann ich also nach beenden des Buches dazu sagen?
Ein Urteil über diese Geschichte zu fällen, finde ich unheimlich schwer.
Die Hauptfigur Mira, ein sechzehnjähriges jüdisches Mädchen, ist Fiktion.
Doch alles was sie 1942/43 im Warschauer Ghetto erlebt hat, ist wirklich so passiert. David Safier hat Erzählungen von Überlebenden zusammengesetzt
und daraus eine eigene Geschichte gemacht. Wie sagt er so schön im Nachwort: "Es ist wie bei Titanic. Rose und Jack sind Fiktion, doch das Geschehen gab es wirklich...!

Mira mochte ich sofort und ihre Wandlung war beeindruckend.
Doch steht sie nicht als absolute Heldin oder Märtyrerin da, das wäre auch einfach unrealistisch gewesen. Nein, der Autor hat ihr bewusst einige (nachvollziehbare) Schwächen mit auf den Weg gegeben, aber auch ganz viel Sympathie und Stärke.

Mich hat das Buch jedenfalls sehr überwältigt, erschüttert, emotional aufgewühlt, geschockt und mich die Nationalsozialisten noch mehr hassen lassen. Aber die Geschichte spiegelt noch so vieles mehr wieder : Mut, Kampfgeist, Kamerad- und Freundschaft, (Nächsten)Liebe und immer wieder die Frage : "Was für ein Mensch willst du sein?"
Denn Mira muss sich auch eines Tages die Frage stellen und sich nach vielen grausamen Erfahrungen entscheiden, welche Art von Mensch sie sein möchte. Ein Opfer oder eine Kämpferin?

Der Schreib - und Erzählstil gefiel mir sehr gut. Ja und auch wenn das Thema absolut kein leichtes ist, kam an einigen Stellen Safiers schwarzer Humor sehr deutlich durch. Man darf auch nicht denken, das das Buch von vorne bis hinten tief traurig ist. Natürlich, das ist es, keine Frage. Man weiß um was es geht...! Aber Safier schreibt so schonungslos ehrlich, treffend und emotional, das es einen tief im Herzen berührt. Die Traurigkeit ebenso wie die Hoffnung und Liebe.

Fazit:

Eine perfekt umgesetzte Zeitgeschichte der wohl schwärzesten Zeit des
20. Jahrhunderts.
Für mich persönlich hat das Buch das Prädikat "Sehr sehr wertvoll" bekommen.
David Safier, ihre Herzensangelegenheit ist mehr als geglückt! Danke!
Absolute Leseempfehlung!
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am 9. Juli 2014
Da sitzen wir also: David Safier und ich. Also vielmehr sein neuer Roman "28 Tage lang" und ich. Ich habe dieses Buch im Rahmen von Blogger schenken Lesefreude 2014 bekommen. Davor schon habe ich das Buch schon lange beliebäugelt.
Dabei haben David Safier und ich ein eher gespaltenes Verhältnis. Ich habe alle seine Romane gelesen. Die Ideen haben mir immer gefallen. Leider war ich am Ende des jeweiligen Romans immer enttäuscht. Das lag am Umgang mit der (lustigen/skurrilen) Idee und ihrere Auflösung. Daher bin auch dieses Mal ziemlich aufgeregt, was diese Lektüre betrifft. Wird er mich wider enttäuschen? Kann er mich (endlich) versöhnen, wo ich doch so viel von ihm halte? Und gibt es überhaupt etwas, das ich noch nicht über den Holocaust gelesen habe?
Gleich, nachdem ich das Buch ausgepackt und rituell daran gerochen habe (Ja, ich rieche immer an neuen Büchern!), begann es zu unwettern. Stürmischer Wind, Regen, schwarze Wolken. Ein klares Zeichen: Nimm ein Buch in die Hand, eine Decke über die Knie, mach Dir einen Kaffee und dann mach es Dir gemütlich. Gesagt, getan.
00:45 Uhr ich lege dann mal das Buch schweren Herzens und mit ebenso schweren Augen beiseite.
Tag 1, also der Tag, an dem das Buch ankam, habe ich lesend verbracht.
Gleich am Morgen des nächsten Tages weiterlesen zu können- welch ein Luxus.
Ich muss immer wieder an den wunderbaren Vortrag von Bernhard Schlink denken, in dem er sich der Frage widmet, wie schreiben/wie über den Holocaust schreiben. [Eine Besprechung dazu muss separat erfolgen].
Tag 2, den nachfolgenden, ebenfalls.
Unterbrechungen nur durch die Erinnerung an unseren Schulbesuch im KZ Buchenwald.
Kurzes googlen und auffrischen meiner Kenntnisse über das Warschauer Ghetto.
Weiter googlen, um mich über den Aufstand im Warschauer Ghetto zu informieren.
Ich weine mit Mira um die Toten, die sie zu beklagen hat.
Heute möchte ich nicht ins Bett gehen und weiter im Buch lesen. Ich befürchte, dass es mich im Schlaf verfolgen könnte.
Bleibe standhaft am Küchentisch sitzen und lese!
Tag 2 der Lektüre, 23:43 Uhr. Ich schlage betrübt das Buch zu. Ich habe alles gelesen. Fühle mich niedergeschlagen.
Fühle mich niedergeschlagen, weil ich wieder etwas mehr gelernt habe über Nazi-Deutschland und sein Grauen, das es über die Welt gebracht hat.
Bin entsetzt und schäme mich nachträglich. Über den 2. Weltkrieg haben meine Großeltern nie gesprochen.
Fühle mich niedergeschlagen, weil ich hoffe, dass die Geschichte um die 16-jährige Mira ein gutes Ende nimmt.
Fühle mich endlich versöhnt mit David Safier.
Ein großartiges Buch. Ich muss es einreihen in die Bestenliste aller Bücher.
Wenn die Bücherdiebin keine Bücher gestohlen hätte, sie wäre sicherlich eine Widerstandskämpferin gewesen. Beide Bücher sind ein wunderbares und respektvolles Denkmal für die vielen Opfer des Holocaust.
Eine Geschichte, die auch als Schullektüre taugen würde. Hätten wir damals im Geschichtsunterricht solche Bücher zur Hand gehabt, unsere Beschäftigung mit diesem (allgegenwärtigen) Thema hätte nicht interessierter erfolgen können!
Stelle fest, dass definitiv noch nicht alle Geschichten über den Holocaust erzählt worden sind.
Tag X, nach der Lektüre des Romans. Heute bin ich noch gefesselter als gestern. Die Geschichte lässt mich nicht los.
Bitte an den Autor: Schreiben Sie mehr Bücher dieser Art!
Dank an den Autor: Ich wusste, meine hohe Meinung von Ihnen ist begründet. Danke, dass Sie mich versöhnt haben.
Einige Artikel, die ich sehr hilfreich finde: [...] und [...]
Es bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: Schade, dass ich es schon ausgelesen habe! Ach ja, eines noch: Kaufen! Aber das ist so selbstverständlich, dass es keinen Extrapunkt auf meiner Lesetagebuch-Liste benötigt!
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am 22. Mai 2016
© everydayliz.de

Wow, wow, wow!

Im Buch geht es um die universelle Frage:
„Was für ein Mensch willst du sein, wie würdest du dich verhalten in so einer Situation? Würdest du töten, würdest du Leben retten, würdest du dein eigenes Leben einsetzen für andere?„

Mira, die mit ihren Schmuggeleien jedes Mal auf’s Neue ihr Leben auf’s Spiel setzt um sich und ihre kleine Familie durchzubringen, lernt im Laufe der Geschichte das Schlechteste in den Menschen kennen, aber auch das Beste. Was ist richtig und falsch? Wer will ich sein? Was will ich tun? Was MUSS ich tun?

Mira ist eine mutige 16-jährige, die immer wieder Köpfchen zeigt. Doch gleichzeitig steckt sie, obwohl alles um sie herum zerfällt, in einem Liebesdilemma.
Mir ist die Protagonistin sehr sympathisch, ich mochte sie sehr.
Es wirkte ein wenig so, als könnte sie überall dahinter blicken – da kam wohl David Safier ein wenig zum Vorschein ;)
Aber tatsächlich begreift sie schnell worum es geht und findet immer wieder Lösungen.
Sie steht oft vor Verzweigungen an denen sie wichtige Entscheidungen treffen muss. Welches Leben ist lebenswert?

Neben Mira gibt es ihre kleine Schwester, für die sie alles macht. Die fängt natürlich auch an sich selbst zu entdecken, wie auch die Jungs ;) Obwohl alles drumherum zerfällt und einfach nur grausam ist. Trotz allem gibt es noch Liebe! Hannah erzählt immer wieder aus ihrer Fantasie heraus von ihren „777 magischen Inseln“ und deren Abenteuer – das ist das, was ihnen Trost spendet, wenn alles andere zerfällt. Sie ist frech aber auch schlagfertig.

Daniel, Miras Freund, lebt im Waisenhaus bei Korczak und würde genau wie er die Kinder niemals verlassen – nicht einmal für Mira. Natürlich ein Streitpunkt zwischen ihnen! Und wie Mira das löst… ich war sprachlos, erstaunt, begeistert! ;)

In der Widerstandsbewegung gibt es noch Amos, der Mira nicht nur einmal das Leben rettet! Für diesen stehen die Widerstandskämpfer an erster Stelle.

Nebenbei gibt es noch Miras Mutter, die in ihrer Welt der Erinnerungen an ihren Mann lebt, sich also um nichts kümmert und einfach nur traumatisiert in der Ecke sitzt. Von ihr wusste ich bis zum Schluss nicht so recht, was ich von ihr halten soll.

Simon, ihr Bruder, ist bei der Judenpolizei und ein richtiges egoistisches Kerlchen der sich scheinbar so gar nicht um seine Familie sorgt.

Die Charaktere insgesamt hätten natürlich alle ein wenig tiefer werden können, doch so wie sie waren, reichte es für die Geschichte auch völlig aus.

Safiers Schreibstil ist leicht und modern, gut beschrieben. Er führt den Leser behutsam an die schrecklichen Taten heran, die dadurch natürlich nicht weniger schlimm sind. Teilweise sehr schockierend und unfassbar! Man könnte meinen, er habe sich vieles ausgedacht. Doch dem ist nicht so!
Alles, was in diesem Buch steht – abgesehen von Mira, die er als Figur gebraucht hat um alles aufzubauen – ist wahr. David Safier hat viel recherchiert und einiges in Memoiren und Erinnerungen von Überlebenden gefunden.

Beispielsweise auch eine Szene die ich aus dem Schlussteil „Wahrheit und Fiktion“ zitiere:

„Einige Juden haben Marken bekommen – also immer wieder dieses perfide System: Einige von euch überleben, wenn ihr die Kriterien erfüllt. Es gab Mütter, die Marken hatten, aber trotzdem darum gekämpft haben, bei ihren Kindern zu bleiben, obwohl das bedeutet hat, in den Tod zu gehen. Aber es gab auch eine Frau, die so eine Marke trug und ihr Baby abgab mit der Bemerkung, man kann doch immer noch ein neues Leben in die Welt setzen. Ob sie überlebt hat, weiß man nicht, aber an diesem Tag konnte sie weiterleben, und dafür opferte sie ihr Kind.„

Und diese Szene ist dermaßen erschütternd im Buch zu lesen! Diese Frau drückt Mira ihr Baby in die Hand und sie soll dann entscheiden, was sie damit macht und wird damit schon wieder vor die Frage gestellt „Was für ein Mensch möchte ich sein?“

Janusz Korczak ist natürlich nicht fiktiv, dieser ist tatsächlich mit seinen 200 Waisenkindern in den Tod gegangen, obwohl er mehrfach Angebote bekommen hat sich zu befreien.

Auch der Ghetto-Clown Rubinstein, den gab es tatsächlich. Dazu hier mehr:

„Er hat sich wirklich vor Läden gestellt und über Hitler geschimpft, bis der Ladenbesitzer raus kam: Halt deine Klappe, hier hast du, was haben möchtest, aber halt bloß deine Klappe. Rubinstein hat immer Jokes gemacht und ist durchs Ghetto gehüpft mit dem Spruch: Alle gleich, alle gleich! Darüber haben selbst die deutschen Soldaten gelacht.
Vieles von dem Wahnsinn, der Größe, aber auch von dem Schrecken wirkt wie ausgedacht, ist aber real.„

Das war seine Art an Essen zu kommen – ein schlauer Fuchs, wie ich finde!

Ich könnte noch einiges mehr erzählen und ihr könnt euch dazu auch mein Video ansehen, wenn es euch interessiert.
Hier musste ich allerdings extrem viel rausschneiden, weil es sonst vieeeel zu lang geworden wäre.

Ihr merkt, über das Buch kann ich stundenlang reden – was ich tatsächlich auch getan habe. Hier eine Entschuldigung an mein Umfeld ;)

© everydayliz.de
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am 24. April 2016
Warschau 1943. Die Juden wurden von den Nazis im Ghetto zusammengedrängt und allmählich lüften sich die Reihen, weil die „Umsiedelung“ begonnen hat. Mira lebt mit ihrer Familie im Ghetto und schließt sich dem Widerstand gegen die SS an. Und sie trotzen der Besatzung länger als sie es selbst je vermutet hat: 28 Tage lang.

David Safier erzählt die sehr wichtige Geschichte des Aufstands im Warschauer Ghetto, der tatsächlich statt gefunden hat. Man liest leider nur selten davon, umso bemerkenswerter ist es, dass sich Safier damit auseinandersetzt, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Beachtlich ist die Botschaft, die immer wieder in den Vordergrund rückt: „Was für ein Mensch möchtest du sein?“ Das hat mir besonders gut gefallen, weil gerade diese Frage niemals an Aktualität einbüßen wird. Sie sollte laufend einen Weg in unser Bewusstsein finden und ständig auf’s Neue von jedem Menschen für sich beantwortet werden.

Noch besonderer ist die Art und Weise wie der Autor davon erzählt. In einer sehr modernen Sprache, ausgestattet mit einer jugendlichen Protagonistin geht er den Widerstand gegen die Nazis an.

Dieser Punkt ist meiner Meinung nach Vor- und Nachteil zugleich. Ohne jeden Zweifel wird damit eine jugendliche Leserschaft angesprochen, die sich dadurch mit dem Holocaust und dem Verbrechen an den Juden auseinandersetzt. Hier wird ein sehr behutsamer Einblick ins Ghettoleben gegeben, der sehr realistisch von den damaligen Zuständen berichtet, mit der Wucht der Wahrheit konfrontiert, aber gleichzeitig nicht zu sehr schockiert, um jüngere Leser nicht allzu überfordern. Trotzdem bleibt nichts ausgespart, aber Safier hat ein bemerkenswertes Talent gezeigt, den Leser auf eine einfühlsame Weise an vielem teilhaben zu lassen und ihn zum Nachdenken anzuregen:

„Woran glaubst du denn noch, Jurek?“
„Ich glaube an Marmelade.“
„An was?“ Ich war völlig verblüfft.
„Wenn ich schon sterbe, dann wenigstens mit Marmelade“
(S. 167)

Andrerseits ging mit durch den modernen Anstrich zu viel der damaligen Zeit verloren. Es ist nicht nur die Wortwahl, die dieser häufig nicht entspricht, sondern auch Gesten, Handlungen und Gedanken, die es in den 1940er-Jahren - auch nicht im Warschauer Ghetto - so gegeben hat.

Protagonistin Mira ist meiner Meinung nach eine Superheldin, die man als Leser eher in einer Dystopie anzutreffen erwartet und kein Mädchen, das heute schon um die 90 Jahre alt sein müsste. Obwohl diese dystopische, actiongeladene Handlung auf der einen Seite sehr ansprechend ist, gab sie mir andrerseits das Gefühl, eine komplett fiktionale Geschichte zu lesen und hier weiß ich nicht, ob das im Endeffekt tatsächlich so gut sein kann.

Abgesehen von dieser Kritik, sei sie nun angebracht oder nicht, habe ich dieses Buch sehr gern gelesen, mit dem jüdischen Widerstand im Ghetto gekämpft, gelitten und gelacht, und hatte dabei ständig all die Menschen vor Augen, die nicht die Chance hatten, dem Holocaust die Stirn zu bieten.

© NiWa
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am 13. April 2016
»Was für ein Mensch willst du sein?« - Diese Frage taucht hier immer wieder auf die eine oder andere Weise - entweder direkt, oder in Form von Entscheidungen der Protagonisten - auf. Die Frage, was du alles dafür tun würdest, um zu überleben, zieht sich durch das gesamte Buch. Und die Antworten darauf sind nicht immer leicht zu verkraften - weder für den Leser, noch für die Protagonisten selbst.

~ Ich konnte es immer noch nicht glauben. In einer Welt, in der jeder nur an sich dachte, hatte jemand alles für mich aufs Spiel gesetzt. ~
(S. 22)

»28 Tage lang« war nun mein zweites Buch, in dem der Holocaust thematisiert wurde. Und wie auch schon bei »Bis ans Ende der Geschichte« von Jodi Picoult wurde ich auch hier in David Safiers (allererstem ernsten) Roman einfach nur überwältigt - emotional gesehen. Die sinnlosen Gräueltaten, die Verbrechen und unzähligen Morde an den Juden im Warschauer Ghetto ... all das lesen zu müssen, ist schon echt harter Tobak. Oft musste ich schlucken und dann wieder tief Luftholen nachdem ich ein Kapitel beendet hatte. Gleichzeitig wurde ich von der Geschichte enorm gefesselt und mitgerissen, sodass ich am liebsten alles in einem Rutsch gelesen hätte.

~ Hannah wäre lieber unsichtbar gewesen als stark. Der Unsichtbare überlebte im Ghetto eher als der Starke. ~
(S. 50)

Dies ist eine Geschichte, deren Charaktere zwar fiktiv sind, die Handlung so aber tatsächlich stattgefunden hat. Das hat dem Autor ermöglicht, den Protagonisten eigene Emotionen und Gedanken zu geben. Wären seine Charaktere echte gewesen, hätte er nicht so frei schreiben können.
Ich persönlich finde, dass Safier hier ein wirklich grandioses Buch gelungen ist! - Ein Buch, in dem er uns einen kleinen Teil dieser fürchterlichen Menschheitsgeschichte durch die Augen von Mira, einer Jugendlichen, die mit allen Mitteln um ihr Leben und das ihrer Schwester Hannah kämpft, sehen und auch miterleben lässt. Das ist tragisch und unglaublich erschütternd, aber es gibt glücklicherweise auch immer wieder Momente, in denen die Hoffnung Mira am Laufen hält.

~ Außer Leuten wie Amos glaubte niemand an die Vernichtung.
Weil es einfacher zu ertragen war, nicht an sie zu glauben? Oder weil die in Wahrheit nur ein Hirngespinst war? Menschen in Lastwagen sperren und sie mit Abgasen zu ersticken ... so krank konnten doch nicht mal die Deutschen sein. ~
(S. 128)

Eine Geschichte voller Angst, Furcht, Hass und Erschöpfung, aber auch voller Hoffnung, Fürsorge und Liebe. Alles kann einem Menschen dann doch nicht genommen werden, selbst in noch so aussichtslosen Situationen. Und das zeigt sich in diesem Buch zwischen den Zeilen immer wieder.
Ein Buch, das während dem Lesen und nach dem Beenden sehr nachdenklich stimmt und mir wieder aufs Neue bewusst gemacht hat, dass Freiheit in unserer Welt nicht immer selbstverständlich ist und theoretisch jederzeit vorbei sein kann.
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am 14. Juni 2014
Das Warschauer Ghetto ist nicht gerade häufig Thema eines Romans und dabei ist der mehrere Wochen andauernde Aufstand ein sehr wichtiges historisches Ereignis, ein in dieser Form einzigartiger Widerstand gegen die äußerst grausame und unmenschliche Besatzung der Nazis und die Deportationen in Konzentrationslager. Da die Frauen und Männer völlig unzureichend bewaffnet waren, war ihre Aussicht auf Erfolg relativ gering, deshalb ist es umso überraschender, wie lange sie sich gegen die drückende und bestens bewaffnete Übermacht zur Wehr setzen konnten… Es war wohl der Mut der absoluten Verzweiflung und das Wissen darum, was die Nazis mit ihnen planten.
Dieses Thema hat mich jedenfalls nicht lange überlegen lassen: ich musste "28 Tage lang" unbedingt lesen, denn auch wenn man die Erzählungen von Marcel Reich Ranicki und seiner Frau und den Bericht von Jan Karski, einem polnischen Widerstandskämpfer, der auch im Warschauer Ghetto war um zu sehen, wie es den Juden dort erging, kennt, so ist auch ein Roman interessant.
Der Autor David Safier lässt ein 16jähriges Mädchen erzählen, Mira, die mit ihrer Mutter und ihrer kleineren Schwester Hannah im Ghetto lebt. Ihr Vater, ein angesehener Arzt, hat sich einige Zeit zuvor das Leben genommen und die Mutter ist darüber so verzweifelt, dass sich nun Mira um die kleine Familie kümmert. Sie schmuggelt Lebensmittel von der polnischen Seite ins Ghetto und erledigt damit einen lebensgefährlichen Job nach dem anderen. Einziger Lichtblick ist ihr Freund Daniel, der - selbst Waise - im Waisenhaus von Janusz Korczak lebt und mithilft. Doch natürlich bleibt in diesen Zeiten kaum eine Sekunde für einen normalen Moment…
Doch die Repressionen gegen die schon sehr schwer hungernde Bevölkerung des Ghettos nimmt noch mehr zu und dann gibt es plötzlich ein Gerücht: alle Juden sollen an einem Sammelplatz zusammengetrieben und nach Treblinka deportiert werden. Und so wird die Frage des Überlebenskünstlers Rubinstein "Was für ein Mensch möchtest du sein?" für Mira erst recht eine Überlebensfrage. Sie schließt sich dem Widerstand an und kämpft nun an der Seite von Amos, dem jungen Mann, der ihr zu Beginn schon einmal das Leben gerettet hat. Dabei lädt sie unweigerlich Schuld auf sich - ob nun bei der Beobachtung der Räumung des Kinderheims oder aber beim Töten. Aber es ist keine freiwillige Entscheidung sondern eine, zu der sie fortwährend durch die Umstände im Ghetto gezwungen wird und die sie nicht leichten Herzens trifft.
Die Tage und Wochen des Aufstandes aus den Augen dieses Mädchens zu sehen, ist beeindruckend und macht nicht nur gelegentlich nachdenklich. Die Frage danach, welcher Mensch man sein möchte, stellt sich auch mir als Leserin immer wieder - was hätte ich getan? Hätte ich mich einfach zur Schlachtbank führen lassen? Hätte ich kämpfen können? Dazu die Schilderungen der beständig sterbenden jüdischen Bevölkerung, die Toten überall, die Verzweiflung, der Hunger, die absolute Todesangst… Auch heute, nach vielen Dokumentationen und Büchern, nach Geschichtsunterrichten und Besuchen von Gedenkstätten und Museen, bleibt die Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten für mich unvorstellbar. Wie konnten Menschen nur so mit anderen Menschen umgehen?
Die Konfrontation mit Leid und Tod, mit Resignation und Überlebenswille gelingt David Safier sehr gut - gerade deshalb denke ich, dass dieses Buch auch für Jugendliche und als Schullektüre perfekt geeignet ist. Dabei ist das Buch spannend, denn natürlich ist Mira die Heldin des Buches, von der man natürlich unbedingt wissen möchte, ob sie und ihre Freunde und ihre Familie es schaffen, zu überleben.
Aber - und da liegt leider auch die Krux - Mira ist auch ein wenig zu superheldenhaft ausgestattet. Sie wirkt mir einen Tick zu modern und das liegt nicht nur an der Sprache des Buches. Sie ist der Rettungsanker der Familie und diejenige, die über die kleine Schwester wacht, Schmugglerin, später Widerstandskämpferin, aber zugleich auch ein ganz normaler Teenie, der mich eher an meine Jugend erinnert. Diese Figur ist mir schlicht und ergreifend zu überfrachtet… Das passt wiederum zu der sehr schnellen Geschichte, die zum Ende beinahe Schlag auf Schlag voran getrieben wird. So ist "28 Tage lang" sicherlich ein packendes Buch, aber an der ein oder anderen Stelle finde ich Mira dann doch wenig glaubhaft, zu viel wird in sie projiziert.
Bleibt festzuhalten, dass dem Autoren ein spannendes Buch geglückt ist, das vor allem durch seine gut recherchierten historischen Fakten und Figuren überzeugt und durch den wirklich sehr bewegenden Blick auf die menschlichen Zustände im Ghetto überzeugt. Noch besser wäre das Buch allerdings, wenn die Sprache zeitgemäßer und die Hauptfigur nicht zu filmreifen Superheldin stilisiert wäre!
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