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97 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Hommage an H. G. Wells - phantasiereich, humorvoll und meisterlich geschrieben
Nach der Lektüre des Klappentextes konnte ich es kaum erwarten, Félix J. Palmas Roman "Die Landkarte der Zeit", im spanischen Original unter dem Titel El mapa del tiempo" erschienen, auszupacken und mich gemütlich damit zum Lesen zurückzuziehen; erschien mir doch die Kombination einer Kriminalhandlung im viktorianischen London verknüpft mit dem...
Veröffentlicht am 18. September 2010 von Galarina

versus
65 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen mittelprächtig
Palmas Werk lässt sich m.E. am besten wie folgt beschreiben: Durchaus ideenreiche, manchmal zum Nachdenken anregende, manchmal auch zum Schmunzeln anregende, Science-Fiction- Satire, die sich niemals selbst ernst nimmt, im zweiten Teil des auf 3 ineinander verwobene Abschnitte des Gesamtwerkes ihren Höhepunkt erreicht und zum Ende hin, nachdem der Autor in...
Veröffentlicht am 20. Februar 2011 von Dr. J. Teumer


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65 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen mittelprächtig, 20. Februar 2011
Von 
Dr. J. Teumer (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
Palmas Werk lässt sich m.E. am besten wie folgt beschreiben: Durchaus ideenreiche, manchmal zum Nachdenken anregende, manchmal auch zum Schmunzeln anregende, Science-Fiction- Satire, die sich niemals selbst ernst nimmt, im zweiten Teil des auf 3 ineinander verwobene Abschnitte des Gesamtwerkes ihren Höhepunkt erreicht und zum Ende hin, nachdem der Autor in seinen eigens geschaffenen Wirrungen den Überblick verliert, deutlich nachlässt und die letztlich irgendwie nichtssagend ist.

Ob es sich bei diesem Buch um eine "großartige Hommage" an den Zweitvater der utopischen Literatur H.G. Wells (der Vater dieses Genres ist ohne Zweifel Jules Verne) handelt oder ob sich dieser "im Grabe umdrehen" würde, angesichts dieses vermeintlichen Unsinns - wie ein anderer Rezenzent meint - möge der Leser entscheiden.

Vielleicht wäre Wells aber auch nur wie ich der Meinung gewesen, dass das ganze Werk nicht Fisch noch Fleisch ist und auch nur dem Durchschnitt entspricht, den der Autor im Verlaufe seiner Geschichte zitiert...

Wie man bei der Rezension dieses Werkes zu dem Ergebnis kommen kann, dass Palma hier Großes geschaffen hat, gar ein Meisterwerk, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Sicherlich ist Palma sprachlich äußerst gewandt. Aber für ein Meisterwerk der Science-Fiction-Literatur bedürfte es sicher mehr als den Versuch, halblogische Handlungsstränge zu fabrizieren, keinerlei weiterführende Zukunftsideen zu entwickeln und den Rest bei "Zurück in die Zukunft" und "Terminator" zu klauen.

Ich habe jedenfalls mehr erwartet.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich fühlte mich z.T. an der Nase herumgeführt, denn was nutzt Kunst, wenn sie das Herz nicht berührt?, 21. Juli 2011
Von 
Ela Flury (Rastatt, Baden-Württemberg Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
"Ja, Literatur war mehr; viel mehr. Wahre Literatur musste den Leser rühren, schmerzen, seine Wahrnehmung der Dinge verändern, ihn mit hartem Wurf in den Abgrund der Hellsichtigkeit stürzen." (S. 698) Dieses Zitat spricht bestimmt jedem Leser aus dem Herzen!
Leider kann Palma die Messlatte, die er mit diesem Zitat in seinem Buch selbst angelegt hat, nicht erreichen.
Zunächst fängt die Geschichte ja wirklich interessant an, man liest gespannt und gleichzeitig erfreut, ob der wunderbaren Sprache, die sich vor einem entfaltet, aber dann...
Plötzlich kommt eine Wendung in der Geschichte, ich fühle mich an der Nase herumgeführt und will schon widerwillig das Buch zur Seite legen, dann wieder eine Wendung - okay, also dranbleiben, denke ich und so zieht sich dieses Hin- und Her durch den ganzen Roman.
Ich war wirklich zwischendurch empört über die (sicherlich kunstvoll) erdachte Geschichte, aber was nützt einem die Kunst, wenn sie das Herz nicht berührt?
Man könnte einwenden, eine Zeitreisegeschichte müsse eben auch in den Zeiten springen, aber das ist gar nicht das Problem, sondern die teilweise haarsträubenden Ideen, die darin Raum finden und nicht im mindesten Identifikationsmöglichkeiten bieten, dabei sind durchaus gut angelegte Personenkonstellationen vorhanden, die sich dafür angeboten hätten, aber diese werden leider allzu schnell wieder unterbrochen oder verlaufen völlig unbefriedigend.
Was mich besonders traurig macht, ist, dass der Autor sprachlich sooooooooo schön schreibt, ich mich als Leser fast in einer anderen Welt fühle und ich den Roman so gerne nur loben würde, ich es aber zu meinem großen Bedauern aufgrund der oben aufgeführten Gründen nicht rundheraus kann, das finde ich schade.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Zeitreise ..., 12. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
... die nicht immer eine ist.

Aus unterschiedlichen Gründen unternehmen Bürger des 19.Jahrhunderts eine Zeitreise, die ihrem Leben eine neue Richtung weisen wird.
Das Buch überzeugt in erster Linie durch gute Vergleiche, schöne Metaphern und eine Art zu schreiben, die wirklich spitze ist. Das London des 19.Jahrhunderts ist sehr gut dargestellt, weil seine weniger erfreuliche Seite gezeigt wird. Überraschungsmomente halten bei Laune. F. J. P. zeigt, dass nicht alles ist, wie es scheint. Die Helden kommen sympathisch rüber und machen neugierig auf ihre Geschichte; auf die des wohlhabenden Andrew, der seine Geliebte Marie retten will, auf die der jungen Claire, die sich in ihrer Zeit unwohl fühlt, auf die des Inspektor Garrett, der den Mörder aus der Zukunft fassen will. Sehr gut hat mir auch die Auseinandersetzung mit dem Gedanken der Zeitreise, mit deren Folgen und die Theorie bezüglich des Paralleluniverums gefallen.
Doch mich störte, dass F. J. P. sich manchmal zu viel Zeit lässt, um seine Helden vorzustellen, oder zwischen Handlungen Ereignisse schiebt, die zwar ihren Reiz haben, die aber dem Roman zu viel Spannung rauben. Indem er mehr beschreibt und erzählt, denn Handlungen der Helden für sich sprechen lässt, kam bei mir immer wieder Langeweile auf. Deswegen hatte ich eher selten das Gefühl, "dabei" zu sein. Befremdlich ist für mich die Idee, Personen, die einst existiert haben, in einen fiktiven Rahmen zu setzen. H.G. Wells als potentiellen Zeitreisenden darzustellen, finde ich seltsam. Von Félix J. Palmas Art zu schreiben berauscht, fing ich mit großer Erwartung an, "Die Landkarte der Zeit" zu lesen, und wurde etwas enttäuscht. Der Roman wusste ab und zu zu überraschen, doch im Großen und Ganzen zählt er zum guten Durchschnitt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich habe mehr erwartet, 3. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Taschenbuch)
Ich habe mir das Buch gekauft, weil mich der Titel sehr angesprochen hat. Ich bin ohne Erwartungen an das Buch herangegangen. Zu Beginn hat es mir sehr gut gefallen, aber irgendwann wurde es einfach absurd. Alles ist irgendwie miteinander verwoben und wirkt beim Lesen irgendwann einfach absolut komisch, als ob der Autor versuchen würde, zwanghaft drei unabhängige Geschichten miteinander zu verweben. Als ich beim dritten Teil des Buches angelagt war, habe ich es nur noch halbherzig gelesen, um endlich damit fertig zu werden.
Fazit: Zu Beginn wirklich gut, aber im Laufe des Lesens nimmt das Interesse am Buch stetig ab, sodass man irgendwann froh ist, es fertig gelesen zu haben. Ich habe eindeutig schon Besseres gelesen.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zurück in die Zukunft auf viktorianisch, 26. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
London, 1896: Die ganze Stadt kennt nur ein Thema: Zeitreisen. Auslöser dafür ist der neue Roman von H.G. Wells - "Die Zeitmaschine". Und eine kleine Firma, die Zeitreisen anbietet. Zeitreisen Murray wirbt damit, eine Reise ins Jahr 2000 zu organisieren, wo man Zeuge eines atemberaubenden Kampfes werden kann: dem Kampf zwischen Mensch und Maschine, der darüber entscheidet, wie es mit der Menschheit weitergeht.
Nur einer interessiert sich nicht dafür. Andrew Harrington trauert immer noch um seine Geliebte, Mary Kelly - das letzte Opfer von Jack the Ripper. Er macht sich Vorwürfe, dass er nie den Mut besessen hat, zu ihr zu stehen. Aber eine Prostituierte und der Sohn eines reichen Fabrikanten - dass ging einfach nicht. Und als er sich dazu durchgerungen hatte, auf alle Konventionen zu pfeifen und mit ihr durchzubrennen, war es zu spät. Nun, 8 Jahre später, möchte er seiner Geliebten folgen und im Tode mit ihr vereint sein. Andrews Cousin Charles will ihn davon abhalten, mit Hilfe der Firma Zeitreisen Murray. Denn wenn man in die Zukunft reisen kann, dann doch wohl auch in die Vergangenheit...
Claire Haggerty, eine junge wohlerzogene Dame, hat andere Zukunftspläne als ihre Eltern. Sie möchte nicht irgendeinen ihrer Verehrer heiraten, Kinder bekommen und über Dienstpersonal wachen. Sie möchte Abenteuer erleben, selbst über ihr Leben bestimmen. Und am liebsten wäre sie in einer anderen Zeit geboren. Warum also nicht einfach in die Zukunft reisen und dort bleiben? Gemeinsam mit ihrer Freundin Lucy nimmt sie an einer Zeitreise ins Jahr 2000 teil. Nachdem alle Expeditionsteilnehmer den Kampf Mensch gegen Maschine erlebt haben und sich auf den Rückweg zu ihrem Gefährt machen, dass sie in die Zukunft gebracht hat, gelingt es Claire, sich heimlich abzusetzen. Nach ein paar Metern trifft sie auf Hauptmann Derek Shackleton, den sie in einer etwas peinlichen Situation überrascht. Obwohl sie nicht mehr als ein paar Worte wechseln können, bevor Claire von den anderen gefunden und zurückgebracht wird, ist sie von ihm hingerissen. Doch sie muss zurück ins viktorianische London. Um so erstaunter ist sie, als ein paar Tage später Hauptmann Shackleton vor ihr steht und behauptet, sie beide seien seit einiger Zeit ein Liebespaar - über alle Zeitgrenzen hinweg...
Scotland-Yard-Inspektor Colin Garett steht vor einem Rätsel. Innerhalb weniger Tage wurden in London 3 Leichen gefunden, ermordet durch eine Waffe, die in der viktorianischen Zeit nicht bekannt war. Ist etwa jemand aus der Zukunft gekommen, um diese Menschen umzubringen? Aber warum? Und wie? Ihm fällt nur einer ein: Hauptmann Derek Shackleton, der Held der Zukunft. Und so beschließt Garett, in die Zukunft zu reisen und Shackelton festzunehmen, bevor er seine Taten verüben kann...

Nach Beendigung des Buches weiß ich eigentlich nicht so recht, was ich davon halten soll. Es hat mich nicht wirklich überzeugt, aber es war auch nicht schlecht.
Das Buch ist in drei Handlungsstränge geteilt, bei denen der Schriftsteller H.G. Wells jeweils eine wichtige Rolle spielt. Felix J. Palma lässt in den 3 Geschichten die Vergangenheit lebendig werden, schildert eine aus damaliger Sicht grausame Zukunft ( da wir jetzt bereits im Jahre 2010 leben, wissen wir, dass es noch keinen Kampf gegen Maschinenmenschen gegeben hat) und verknüpft alles sehr gekonnt zum Schluss miteinander. Allerdings fand ich das Ende der Geschichte nicht wirklich gelungen, auch wenn es wahrscheinlich die einzige Möglichkeit war, einen halbwegs plausiblen Schluss hinzubekommen.
An den Schreibstil des Autors musste man sich auch erst mal gewöhnen. Sehr nett fand ich, dass der Leser auch mal hier und da vom Erzähler mit angesprochen wird, als sei man selbst Teil der Geschichte. Auch kann er sehr poetisch erzählen, vorallem bei Beschreibungen. Aber dies auch sehr ausschweifend. So wird zum Beispiel die Augenfarbe eines Protagonisten beschrieben - eine Viertelseite lang. So wird man als Leser rausgebracht aus dem eigentlichen Thema und auf die Dauer ist das sehr ermüdend. Es bremst den Lesefluss, ohne dass dies nötig wäre, denn so aufregend fand ich das Ganze nicht. Ich wollte zwar schon wissen, wie es mit den einzelnen Protagonisten weitergeht und wie sich alles fügt, hatte aber auch keine Probleme, das Buch für längere Zeit aus der Hand zu legen. Und nach der Lektüre bin ich auch nicht glücklicher als vorher, wie der Klappentext verspricht.
Kann ich es empfehlen oder sollte ich vom Lesen abraten? Das kann ich so gar nicht sagen. Für mich scheint es da falsche Buch zu falschen Zeit gewesen zu sein. Aber dies sollte jeder potenzielle Leser selbst herausfinden.
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97 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Hommage an H. G. Wells - phantasiereich, humorvoll und meisterlich geschrieben, 18. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
Nach der Lektüre des Klappentextes konnte ich es kaum erwarten, Félix J. Palmas Roman "Die Landkarte der Zeit", im spanischen Original unter dem Titel El mapa del tiempo" erschienen, auszupacken und mich gemütlich damit zum Lesen zurückzuziehen; erschien mir doch die Kombination einer Kriminalhandlung im viktorianischen London verknüpft mit dem phantastischen, abenteuerlichen Element der Zeitreisen nahezu unwiderstehlich. Um es vorweg zu nehmen: meine hohen Erwartungen wurden nicht nur reich belohnt sondern sogar weit übertroffen. Félix J. Palma versteht es seine Leser in einem wunderbar phantasiereichen Verwirrspiel immer wieder zu überraschen, staunen zu lassen, köstlich zu amüsieren und sie auf eine abenteuerliche, teilweise atemberaubende Reise mitzunehmen. Den Roman "Die Landkarte der Zeit" zu lesen, kommt dabei fast der Vielfalt der Eindrücke nostalgischer Jahrmarktbesuche gleich; der Roman wirkt, als führe uns der Autor durch Irrgärten, über die Achterbahn, in die dämonische Geisterbahn und liesse uns durch Kaleidoskope schauen.

Bereits die ersten Sätze des Romans "Die Landkarte der Zeit" haben mich für den Autor Félix J. Palma eingenommen, zeigen sie doch, dass er es versteht, die Möglichkeiten, die Sprache bietet, auszuschöpfen. Sein Erzählstil erinnert an eine Mischung aus Charles Dickens und Carlos Ruiz Zafón, mit denen er die wundervolle Schilderung auch düsterer Atmosphären gemeinsam hat. Sein allwissender Erzähler blendet sich mal mehr, mal weniger in die erzählte Handlung ein und würzt die Geschichte mit einer ordentlichen Portion eines herrlich ironischen Untertons. Insbesondere in handlungsarmen Passagen greift der allwissende Erzähler ein und verkürzt diese mit zunächst wenig relevant erscheinenden amüsanten Einschüben zur Vergangenheit handelnder Personen in Dickensscher Ausführlichkeit. Auch wenn der Leser auf den ersten hundert Seiten scheinbar nichts Neues erfährt, da sie ja lediglich die Geschichte von Jack the Ripper aus anderer Sicht neu erzählen, ist auch dieser Teil so gut erzählt, dass er nicht nur auf das Folgende vorbereitet sondern auch gut unterhält. Ein Schwachpunkt des Romans ist zweifellos, dass der Leser sehr lange im Dunkeln tappt, wozu er das, was er erzählt bekommt, überhaupt erfährt und wo ihn dies überhaupt hinführen könnte, weshalb sich auch einige Längen einstellen. Dieser Schwachpunkt wird aber mehr als wett gemacht, wenn man sich auf das Geheimnisvolle und Rätselhafte einlässt, bis im dritten Teil das furiose Finale erreicht wird. Vieles was in den ersten beiden Teilen als nebensächlich oder gar überflüssig erscheint, erschließt sich erst im dritten Teil und führt dort zu unglaublichem Lesevergnügen.

"Die Landkarte der Zeit" ist eine phantastische, humorvolle Hommage an H. G. Wells und den Beginn des literarischen Genres der Zukunftsromane, später irgendwann Science Fiction genannt, und an die Kraft der Liebe. Félix J. Palma überzeugt in seinem Roman mit intelligenter Konzeption, sprachlicher Versiertheit und phantasievoller Verwendung von Elementen aus Abenteuerroman und Steamfantasy, und lässt dabei Raum für tiefgründige Gedanken. Schon lange hat mir kein Roman ein derartiges Lesevergnügen beschert, schon lange wurde ich nicht mehr so sehr vom Zauber einer Geschichte und deren Welt eingehüllt, dass ich mich in ihrem Labyrinth hätte verlieren können. Um den spitzohrigen Helden einer Science Fiction - Reihe des 20. Jahrhunderts zu zitieren: "Faszinierend".
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Landkarte der Zeit, 9. Oktober 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
Achtung: Enthält Spoiler!

"Die Landkarte der Zeit" besteht aus 3 Teilen, die von einander unabhängige Erzählungen darstellen, jedoch trotzdem durch die handelnden Personen miteinander verwoben sind. Angesiedelt sind die Geschichten am Ende des 19. Jahrhunderts in London. Die Welt war damals im Technisierungs- und Erfindungsaufbruch. Die ersten Autos kamen auf den Markt und in London wurde die allererste Rolltreppe im Kaufhaus Harrod's in Betrieb genommen.
Es war die Zeit der großen Wissenschaftsromane, z. B. von Jules Verne mit seinen Reisen zum Mittelpunkt der Erde oder zum Mond. Und auch H. G. Wells' "Die Zeitmaschine" erschien in diesem Zeitraum. Und dieses Buch bildet die Basis für alle Erzählung von Félix J. Palma.

1. Teil - Andrew
Wir beginnen im Jahr 1888. Andrew ist ein Spross aus gutem Hause, der sich in das Bildnis der billigen Straßenprostituierten Mary verliebt. Er sucht sie in ihrem "Revier" auf und aus einer schnellen Nummer in einem Hinterhof entwickeln sich Liebe und Leidenschaft. Doch Mary schwebt in Gefahr, denn Jack The Ripper treibt sein Unwesen. Und Mary ist sein letztes Opfer bevor er verschwindet. Andrew kann diesen Verlust jahrelang nicht verkraften und will sich schließlich das Leben nehmen. Nur sein Cousin und bester Freund schafft es, ihn aus diesem Tief zu holen. Er arrangiert mit Hilfe von H. G. Wells eine Zeitreise. Andrew meint, in die Vergangenheit zu reisen, den Ripper zu töten, bevor dieser sich an Mary vergehen kann, und sie somit zu retten. Natürlich ist das alles nur gestellt und bei der vermeindlichen Rückkehr ist Mary trotzdem tot. Wells erklärt es so, dass sich durch die Rettung ein Paralleluniversum gebildet hat, in dem Andrew und Mary nun glücklich miteinander leben.
Andrew stellt das zufrieden und er fängt endlich wieder ein Leben an, in dem er glücklich wird.

2. Teil - Claire
Claire ist ein Mädchen in gutem Hause, das seine Zeit entsetzlich langweilig findet. Sie sucht nach der Aufregung der großen Liebe und findet sie, als sie mit der Firma "Zeitreisen Murray" eine Reise in das Jahr 2000 macht, wo sie der letzten, entscheidenden Schlacht zwischen Menschen und Maschinen beiwohnt. Dort verliebt sie sich in den beeindruckenden, attraktiven Hauptmann Derek Shackleton. Sie hatte geplant, dort zu bleiben, wird jedoch entdeckt und reist wieder mit nach Hause. Der Firmeninhaber von "Zeitreisen Murray" hätte einiges zu verlieren gehabt, wenn Claire in seinem Jahr 2000 geblieben wäre. Denn dann hätte sie entdeckt, dass das alles nichts weiter als eine riesige Theaterkulisse ist und Murray ein Scharlatan.
Tom Blunt ist ein armer Schlucker, der sich gutes Geld mit der Darstellung des Hauptmannes verdient. Eigentlich ist er zur Verschwiegenheit bzgl. dieses Betrugs verpflichtet, doch Claire geht ihm nicht aus dem Kopf. Und noch dazu hat sie ihren Sonnenschirm vergessen in den Kulissen. Es kommt also wie es kommen muss: Die Beiden begegnen sich in London. Toms Verstand ist ausgeschaltet und seine Triebe haben die Kontrolle übernommen. Er tischt Claire eine verworrene Geschichte über Zeitreisen auf und darüber, dass sie ein Liebespaar wären, um Claire ins Bett zu bekommen, was schließlich auch klappt. Sie beginnen einen kurzen Briefverkehr. Da Tom grade so lesen und kaum schreiben kann, wendet er sich an H. G. Wells. "Die Zeitmaschine" ist das einzige Buch, das Tom je gelesen und besessen hat. Er überredet Wells, die wenigen Briefe für ihn zu verfassen. Am Ende kann er nicht mehr anders, als doch wieder zu Claire zu gehen, denn er hat sich verliebt und befürchtet, dass Claire am Schmerz über die eigentlich für immer andauernde Trennung vom Hauptmann zerbrechen könnte.

3. Teil - H. G. Wells
Wells wird in die Aufklärung von merkwürdigen Morden einbezogen. Die Opfer haben riesige Löcher von 30 cm Durchmesser in der Brust. Und an den 3 Tatorten werden kurze Textpassagen zitiert. Direkt der Erste stammt von Wells neuestem Roman, den er allerdings noch nicht mal seinem Verleger gezeigt hat. Er wird, zusammen mit 2 anderen namhaften Autoren, in ein Spukhaus eingeladen, wo sich ein Mann als Zeitreisenwächter vorstellt. Er erklärt den Männern, dass ein Zeitreisender auf dem Weg zu ihnen ist, um sich ihre Manuskripte anzueignen und sie zu ermorden. Er fordert sie dazu auf, ihm die Manuskripte zu bringen, damit er sie sicher verwahren kann. Jedoch erhält Wells einen Brief von seinem eigenen, zukünftigen Ich, in dem es ihm schildert, dass dieser Zeitreisende ein Betrüger ist und er selbst die 3 Autoren töten will. In diesem Moment, in dem er Wells' Leben auslöschen will, offenbart sich eine Eigenschaft, von der er bisher nichts wusste. Mit der puren Kraft seiner Gedanken kann Wells durch die Zeit reisen. Und das rettet ihm das Leben. Er reist in verschiedene Zeiten der Zukunft und baut sich dort ein unbedeutendes, aber friedliches Leben auf und sorgt schließlich dafür, dass dieser Brief in der Vergangenheit landet. Nun hat Wells die Wahl: Was und wem glaubt er? Er fasst einen Plan und sorgt für eine Absicherung aus dem Hintergrund mit Hilfe von Hauptmann Derek Shackleton und der Polizei. Und tatsächlich stimmt es, was in dem Brief stand. Doch der Plan kann vereitelt werden und Wells kann in seiner Zeit bleiben.
Es bleibt die Frage: Wäre es wirklich so gekommen, oder hat jemand anderes für Wells das alles arrangiert, damit er sein eigenes Abenteuer erleben kann?

Meine Einschätzung:
Der Einstieg in das Buch ist relativ schwer, da der Autor sehr ausgewalzt schreibt. Es geht nur langsam und schrittchenweise vorwärts. Fast schon zu zäh wird vor dem Leser ausgebreitet, warum Andrew sich umbringen will und wie sein Cousin es schafft, ihn davon abzubringen. Trotzdem konnte mich das Buch bei der Stange halten, denn es war überaus interessant und sprachlich sehr schön gemacht. Wesentlich besser wurde es bei Claires Geschichte, die mir auch am besten gefallen hat. Es ging ein wenig schneller voran und natürlich kommt hier die meiste Romantik vor. Der 3. Teil war auch recht gut, da hier wesentlich mehr Spannung durch die Mordserie aufkam. Doch zum Ende hin flacht es dann wieder stark ab, da Palma H. G. Wells sich in philosophischen Gedankengängen verlieren lässt, die relativ ermüdend sind. Ich bin dann gedanklich häufiger abgedriftet und muss gestehen, dass ich dann dadurch manche verworrene Theorie einfach nicht verstehen konnte, aber auch keine Lust hatte, die Passagen nochmals zu lesen.
Insgesamt ist es ein gutes, lesenswertes Buch, das auf angenehme Weise eine Entschleunigung im Alltag darstellt. Eine halbe Stunde darin zu lesen ist wie ein Kurzurlaub. Das ist aber auch gleichzeitig die Schwäche des Machwerks. Viele Passagen waren zwar seitenfüllend und ganz nett zu lesen, hatten aber im Endeffekt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun und hätten somit weg bleiben können. Dieser Roman ist keiner, den man mit eigentlich unnötigen Details schmücken muss, wie es z. B. bei historischen Romanen nötig ist, um sie mit Leben zu füllen. Es geht hier nicht um die Epoche und das Darstellen des Lebens und der Gepflogenheiten der damaligen Zeit, sondern es ist wohl eine Hommage an diese Zeit und an die großen Wissenschafts-Autoren. Daher wäre ein wenig Kompaktheit angebrachter gewesen. Und durch diesen ausufernden Umfang ist es auch kein Buch, das ich ein weiteres Mal lesen würde, da mir dann die Geduld fehlen würde.
Mein Fazit: Wer Wissenschaftsromane mag, kann hiermit vielleicht etwas anfangen. Wer sich eine Zeitreisengeschichte à la Diana Gabaldon erhofft, sollte die Finger davon lassen. Es ist gut gemacht, aber nichts, was man lesen muss.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es gibt definitiv bessere Bücher!, 25. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
Nachdem ich lange mit mir gehadert habe, ob ich dieses Buch kaufen soll (In sämtlichen Buchläden und auf der Buchmesse drängte sich der ansprechende Buchumschlag auf.), bin ich doch schwach geworden. Ich finde den Preis des Buches im Vergleich zum Inhalt sehr teuer. Der Klappentext versprach viel. Leider bereue ich, das Geld dafür ausgegeben zu haben, denn ich habe mehr erwartet.

Das Buch ist in drei Teile geteilt. Während ich die ersten beiden Teile noch ganz interessant fand, war der dritte eher enttäuschend sinnlos. In den ersten beiden Teilen wird man als Leser doch einigermaßen überrascht, dass es sich bei den Zeitreisen eigentlich nur um Theater handelt. Hätte ich nicht vermutet. Auch finde ich ganz witzig, wie sich der Autor vorwitzig einmischt. Leider sind die langen Redeergüsse zeitweilig recht langatmig und uninteressant. Es drängt sich einem das Gefühl endloser Schachtelsätze auf, bei denen man am Ende nicht mehr weiß, was am Anfang geschrieben wurde. Mag auch an der deutschen Übersetzung liegen!? Passagenweise habe ich Absätze übersprungen, weil sie weder für die Handlung noch für den Leser irgendwie von Bedeutung wären.

Der dritte Teil des Buches ist einfach nur grottenschlecht und tödlich langweilig. Der Leser gewinnt den Eindruck, dass hier nichts richtig zu Ende gedacht wurde. In den Rezensionen ist von einer Hommage an Wells die Rede. Das kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil, Wells kommt dem Leser zeitweise als recht merkwürdig vor und ich weiß nicht, ob er sich darüber gefreut hätte.

Der Herr Palma hat meines Erachtens eine nicht wirklich nachvollziehbare blühende Fantasie und verwirrt den Leser eher, als dass er ihn an literarischem Hochgenuss teilhaben lässt.

Prädikat: nicht besonders empfehlenswert!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut - aber etwas langatmig!, 7. Dezember 2010
Von 
Stefan Erlemann (Witten) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Audio CD)
Andrew Harrington will seinem Leben ein Ende setzen. Er wählt dafür den einzig möglichen Ort, das Zimmer, in dem seine geliebte Marie vor acht Jahren von Jack the Ripper zerstückelt wurde. Die Waffe seines Vaters als letztes Symbol der Auflehnung gegen ihn unter das Kinn haltend, schaut sich Andrew ein letztes Mal in dem kleinen Raum um, der ihm, dem reichen und verwöhnten Sohn aus bestem Hause und der Hure aus Whitechapel, eine kurze Zeit des Glücks zu geben vermochte.
Doch das Schicksal meint es gut mit ihm. Sein Cousin Charles Winslow hält ihn zurück und erzählt ihm von Gilliam F. Murray und seinem erstaunlichen Unternehmen. Denn seit kurzem bietet dieser Mann für ein kleines Vermögen die Möglichkeit an, in das Jahr 2000 zu reisen und der Entscheidungsschlacht zwischen Maschinen und Menschen beizuwohnen. Charles hatte an der ersten Zeitreise teilgenommen und dem heldenhaften Hauptmann Derek Shackelton dabei zugesehen, wie er Salomon, den grausamen Herr der Maschinen, in einem Schwertduell besiegte und der Menschheit neue Hoffnung gab.
Andrew bezweifelt zwar, dass ihm noch zu helfen ist, doch Charles gelingt es mit seinem verrückten Plan, den Cousin erst einmal von seinen Selbstmordabsichten abzubringen. Er plant, den Freund mit Hilfe von Gilliam Murray ins Jahr 1888 zu schicken und dort den Mord an Marie Kelly zu verhindern - möglichst indem Andrew Jack the Ripper wenige Minuten vor seiner schrecklichen Tat tötet.
Leider muss Murray ablehnen. Er könne nur wenige Zeiten ansteuern und keinesfalls das genaue Datum, welches Andrew und Charles ihm angegeben haben, erreichen. Doch er macht den beiden jungen Männern einen überraschenden Vorschlag. Sie sollen sich zu dem Schriftsteller und Autor des Romans "Die Zeitmaschine" H. G. Wells begeben und just die im Roman beschriebene und wirklich auf dem Dachboden des Wells'schen Hauses stehende Zeitmaschine benutzen, um Jack the Ripper aufzuhalten.

Mehr als fünfzig Charaktere, zehn Stunden vierzig Minuten Laufzeit und eine Handlung, die verschachtelter und komplizierter nicht sein kann - da hat sich Sprecher Andreas Fröhlich wahrlich eine Herkulesaufgabe ausgesucht. Der Roman des Spaniers Félix J. Palma - hier in der autorisierten Lesefassung - ist eine absolute Herausforderung. Bereits der Leser hat es nicht einfach der vielschichtigen, zahllose Zeit-Paradoxien genüsslich zelebrierenden Handlung zu folgen, noch schwieriger ist dies für den Hörer, kann er doch kaum Textstellen nachblättern oder sich noch einmal vergegenwärtigen, was im vorangegangenen Kapitel geschah.
Da kommt ein so versierter Sprecher wie es Andreas Fröhlich ist gerade recht. Er schafft es nicht nur, den Rahmen deutlich herauszuarbeiten, ihm gelingt es auch, die vielen Handlungsträger unterscheidbar zu gestalten und das oft in langen Erklärungen ausufernde Buch, mit der nötigen Verve und emotionalen Grundstimmung zu versehen. Trotzdem vergeht dem Hörer buchstäblich hören und sehen, so schwierig ist dieser Roman aufgebaut.

Dennoch nimmt den Leser wie den Hörer dieses glänzende Stück Literatur von der ersten Minute an gefangen. Nicht nur die scheinbar ausweglose Situation, in der sich Andrew Harrington und später auch Claire Haggerty und H.G. Wells befinden, faszinieren und fesseln den Hörer, auch die brillant inszenierte Hommage an die unsterblich gewordenen Romane von H. G. Wells, dem Begründer der Science Fiction Literatur, begeistern nachhaltig.

"Die Landkarte der Zeit" ist ein intelligent konzipiertes, stilistisch grandioses, spannend und gleichzeitig nachdenkenswert komponiertes Stück Literatur. Dank der perfekten Leistung von Andreas Fröhlich ist es auch ein Musterbeispiel eines empfehlenswerten Hörbuches, das einzigartig auf dem Markt der Science Fiction ist. Obwohl das Buch eher ein Krimi und ein Gesellschaftsroman ist, vor allem, wenn man zum Ende gekommen ist und eigentlich gar nichts passiert ist, was den Roman zur Fiktion machen könnte.

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Stefan Erlemann
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35 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Leider grauenhaft, 16. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Zeit (Gebundene Ausgabe)
Die Landkarte der Zeit ist der schlechteste Roman, den ich seit geraumer Zeit gelesen habe. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Aus Prinzip - um mir eine angemessene Einschätzung erlauben zu können - habe ich ihn dennoch durchgelesen.

Die Geschichte ist von Beginn an vorhersehbar, langweilig und belanglos. Allenfalls auf den ersten 80 der letzten 100 Seiten gibt es kleine Lichtblicke. Überraschungen oder Spannung sucht man insgesamt vergebens. Das Buch ist also nichts für Freunde spannender Unterhaltung. Leser, die komplexe Fragestellungen, intellektuelle Herausforderung oder große Romantik suchen, sind ebenfalls fehl am Platz. Und auch der Aspekt der Zeitreise ist mehr als enttäuschend. Obwohl Zeitreisen auf den ersten Blick ein zentrales Thema des Romans sind, finden darin lediglich oberflächliche Gedankenspiele statt, die weder neu noch konsequent durchdacht oder logisch schlüssig sind. All dies haben zahllose andere Romane und Filme schon wesentlich besser behandelt. Das Thema Zeitreise dient einzig und allein dem Zweck, der schwachen Handlung einen Rahmen zu bieten. Der Autor möchte uns eine packende Abenteuergeschichte, eine mitreißende Liebesgeschichte und eine komplexe Zeitreisegeschichte liefern - und scheitert grandios an allen Fronten.

Das Schlimmste an diesem Buch ist allerdings seine Gestaltung. Während der Inhalt schlicht langweilig und belanglos ist, ist der Stil grauenhaft. Neben der aufgebauschten Sprache mit einer endlosen Zahl überladener, klischeebesetzter Adjektive, die dem Leser jede protagonistische Emotion plump ins Gesicht pressen, liegt dies vor allem an der peinlichen Art und Weise, wie Palma hier einen seiner Selbst bewussten Roman schaffen möchte. Immer wieder spricht er den Leser direkt an und betont seine Rolle als allwissender Erzähler, mit dessen großartigem Werk wir uns in diesem Moment auseinandersetzen. Textabschnitte wie "Du hast allein durch die Kraft deiner Phantasie das Leben eines Mannes gerettet. Ein Satz, der ihn vor Jane in neuem Glanz erstrahlen ließ und den Sie, wie ich hoffe, auch nicht vergessen haben werden, dient er doch als Brücke zwischen dieser Szene und Wells' erstem Auftritt in unserer Geschichte, der auch nicht der letzte sein soll." sorgten bei mir regelmäßig für starke Gefühle des Fremdschämens. Überdies veranschaulicht dieses Beispiel einen weiteren Schwachpunkt: Denn obwohl sich die Handlung nicht durch Komplexizität und Anspruch auszeichnet, ist die Erzählweise absolut idiotensicher. Laufend werden Erklärungen der simpelsten Zusammenhänge und Erinnerungen an zurückliegende Geschehnisse untergebracht. Und als wäre dies nicht genug, erhalten wir am Ende auch noch einen Bonus: Der Autor traut seinen Lesern scheinbar keinerlei geistige Fähigkeiten zu und ist gleichzeitig so darauf bedacht, uns die Genialität seines Werkes zu vermitteln, dass er abschließend eine komplette Zusammenfassung, Erklärung und Einordnung des Buches mitliefert.

Insgesamt habe ich mich also gelangweilt, war peinlich berührt, kam mir intellektuell regelrecht beleidigt vor und fühlte mich betrogen - um das angekündigte Lesevergnügen und um meine Zeit. Von der Lektüre dieses Romans muss ich daher dringend abraten.
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Die Landkarte der Zeit
Die Landkarte der Zeit von Félix J. Palma (Gebundene Ausgabe - 17. September 2010)
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