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Brokeland ist die leicht ramponierte Gegend, wo Oakland in Berkeley übergeht, und Brokeland Records heißt der Laden an der Telegraph Ave., in dem Nat und Archie eine kleine, aber treue Kundschaft mit gebrauchten Jazzplatten versorgen. Auch ihre Frauen, Aviva und die hochschwangere Gwen, sind in einem aussterbendem Metier geschäftlich verbunden, nämlich als selbstständige, auf Hausgeburten spezialisierte Hebammen.

An den jeweiligen Geschäftshorizonten ziehen düstere Wolken auf: In Brokeland Records' ohnehin prekärer Situation droht das endgültige Aus, weil in der Nachbarschaft ein Medien-Superstore geplant ist, und auch das Baby-Business bekommt scharfen Gegenwind, als eine Geburt unverschuldet aus dem Ruder läuft und Gwen dem Krankenhausarzt, der die Sache zu Ende bringen muss, dann nicht mit der Unterwürfigkeit gegenübertritt, die dieser von einer schwarzen Freiberuflerin offenbar erwartet.

Michael Chabon macht in seinem Roman eine Menge Fässer auf. Als wäre es mit dem beruflichen Stress nicht genug, wird Archie von zahlreichen weiteren Heimsuchungen geplagt: Ein Tunichgut von Vater, der sich wieder mal tief in den Schlamm geritten hat, ein plötzlich auf der Bildfläche erscheinender Sohn aus vorehelicher Zeit, den er Gwen aber verheimlicht hatte, der Tod eines väterlichen Freundes, den es stilvoll unter die Erde zu bringen gilt, und schließlich eine fatale Neigung, sein agiles Reproduktionsorgan auch außer Haus zum Einsatz zu bringen.

Der Autor schafft es mit viel Humor und Sprachwitz, seinen zahlreichen Haupt- und Nebendarstellern ordentlich Leben einzuhauchen. Irgendwie wachsen einem alle ans Herz, ihren teilweise himmelschreienden Schwächen zum Trotz. Und es macht Spaß zu lesen, wie die Davids den Goliaths die Stirn bieten, vor allem bei Gwens furiosem Kampf um ihre berufliche Reputation. Dagegen erschwert es das beträchtliche Personalaufkommen in Archies und Nats Umfeld, der etwas versponnenen Story um den Plattenladen zu folgen, die gleichzeitig Lob- und Abgesang auf das analoge Zeitalter ist. Da muss man sich seitenlang ganz schön durchbeißen, um dann am Ende aber doch das Buch zufrieden zuzuklappen.
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am 7. Juli 2014
In Oakland, das man auch als "O-Town" kennt, der ehemaligen Industriestadt in der Bucht von San Francisco, betreiben Archie Stallings und Nat Jaffe einen Plattenladen, in dem es vor allem Vinyl gibt, Jazz-Vinyl, gebrauchte Raritäten aus den vergangenen Jahrzehnten, Ramschware aus Nachlässen und solches Zeug. Der Laden läuft nicht gut, wir schreiben das Jahr 2003 oder 2004, ganz klar wird das nicht. Barack Obama, der ein kurzes Gastspiel im Roman hat, kandidiert soeben für den US-Senat. "Brokeland Records" wird von Stammkunden frequentiert, ist aber zugleich Dreh- und Angelpunkt des Quartiers rund um die Telegraph Avenue, wo der schwerreiche Gibson Goode demnächst ein riesiges Multimediamonster eröffnen will, einschließlich gut sortierter Second-Hand-Abteilung, was mit ziemlicher Sicherheit das Aus für den betulichen, etwas angestaubten Plattenladen wäre.

Archie ist schwarz und etwas jünger als sein weißer Partner Nat. Archies Frau Gwen, selbst hochschwanger, ist Hebamme, und ihre Partnerin Aviva ist die Frau von Nat. Während die Männer etwas unentschlossen auf die Bedrohung ihrer Existenz reagieren, kämpft die resolute Gwen gegen machtgierige Ärzte und den Niedergang ihrer Zunft, gegen Vorurteile und Rassismus, vermuteten wie latenten. Außerdem tritt Titus auf den Plan, ein unehelicher Sohn von Archie, der es mit der Treue ohnehin nicht so genau nimmt. Und auch Titus' Großvater, Archies Erzeuger Luther Stallings, ehemaliger Blaxploitation-Darsteller, Kampfsportler und Junkie, spielt eine Rolle, aber nicht jene, die er sich erträumt, nämlich das späte Comeback in einer Fortsetzung seiner jahrzehntealten Erfolgsfilme.

Um nur die Ausgangssituation kurz zu skizzieren.

"Telegraph Avenue" ist mit Personal nachgerade geflutet, und es ist vor allem am Anfang nicht leicht, einen Überblick zu bekommen und auch zu behalten. Auf überraschend angenehme Weise erschwert wird das durch Chabons Sprache und Erzählstil, denn dieser Roman ist ganz und gar ein Roman des Wortes; Handlung und Personal stehen zwar nicht im Hintergrund, aber auch längst nicht dort, wo man sie in den Geschichten der amerikanischen Erzähler von Updike bis DeLillo findet. Dieses in jeder Hinsicht bemerkenswerte Buch macht den sprichwörtlichen Weg zum Ziel. Dazu gehören - selbstverständlich - seitenlange Abhandlungen über den Jazz, die akribische Beschreibung einer häuslichen Kochszene, oder ein fast fünfzehn Seiten langes Kapitel, das aus einem einzigen Satz besteht, erzählt aus der Sicht eines Papageis, dessen Besitzer gestorben ist. Vor allem aber sind es Chabons hinreißende Metaphern und Sätze wie sanft hinschmelzendes Vanilleeis, die die Lektüre dieses fraglos etwas schwergängigen Romans zum Genuss machen. Vorausgesetzt, man lässt sich darauf ein.

Es geht um Liebe und Träume, um Treue und Verlässlichkeit, um Wandel und Nostalgie, um Kunst und Kultur, Zukunft und Vergangenheit - um das Menschsein. "Telegraph Avenue" ist aber auch eine Milieustudie - und ein sehr politisches Buch, ohne seine Themen plakativ aufzubereiten. Schwarz und weiß - metaphorisch wie faktisch - sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, vermischen sich zu einem fröhlichen Grau; die Probleme werden auf menschlicher Ebene geerdet, und Klischees gibt es keine. Der vielschichtige, unglaublich kluge und fraglos äußerst sprachverliebte Roman gibt sich selten wertend, Chabon fokussiert auch in kritischen Momenten auf die liebenswürdigen Eigenheiten seiner mächtigen Figuren, die er so scharf und detailliert zeichnet, das man zuweilen glaubt, geblendet zu werden.

Eine Literaturkritikerin sagte kürzlich sinngemäß, "Telegraph Avenue" wäre ein "großes Jungsbuch", dessen Lektüre, wie sie meinte, stark von der Stimmung abhängen würde, in der man sich währenddessen befindet. Dem würde ich nur teilweise zustimmen; tatsächlich generiert das Buch eine Stimmung, und zwar eine ganz eigen-, einzigartige. Wie es endet - was also aus dem Laden wird, aus Archies und Gwens Beziehung, ob der "Dogpile Thang" eröffnet wird und diese Dinge -, spielt letztlich keine wesentliche Rolle, denn dieses Meisterwerk zeigt vor allem eines: Dass längst noch nicht in Stein gemeißelt ist, was einen großen Roman ausmacht. Chabon wirft sämtliche Regeln einfach über Bord, bricht sie, vergeht sich an ihnen, igelt ein Häppchen Information in einem meterlangen Satz ein, der aber so viel Vergnügen bereitet, dass man ihn gerne ein zweites Mal liest, um an das Häppchen zu kommen. Garniert mit Metaphern zum Niederknien, klugen Wahrheiten und wahren Klugheiten. Als ich das Buch beendet hatte, habe ich umgehend vermisst, was es zuvor mit mir getan hat. Angerichtet. Im besten Sinne des Wortes.
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am 20. August 2014
lass nicht locker, bleib dran ...

Kämpfen oder nicht, diese Frage wird sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal stellen müssen. Wofür wir ins Feld ziehen, das ist ebenso individuell wie wir selbst es sind. Sinn muss es machen, die Aussicht auf Erfolg ist nicht ausschlaggebend, genau so wenig wie für wen oder was wir uns stark machen oder ob der Gegner uns überlegen ist.

"Tu, was Du tun musst und bleib locker"

Aber bis man begreift, was einem wichtig ist, wofür es sich lohnt, in den Kampf zu ziehen, ist es manchmal ein langer Weg.

Archy Stallings und Nat Jaffe sind mehr als Geschäftspartner. Seit Jahren betreiben sie gemeinsam einen dieser Plattenläden, die wir alle lieben, weil es hier nicht darum geht, Geschäfte zu machen, sondern die Sonne der musikalischen Kultur hochzuhalten, damit nicht auch Zwerge große Schatten werfen, in einem Bereich, der ebenso wie viele andere immer kommerzialisiertere Züge trägt. Brokeland Records ist einer dieser Treffpunkte, der die Gemeinschaft in der Telegraph Avenue zusammenführt. Egal welche Hautfarbe, egal welches Alter, hier sitzt man zusammen und lauscht den Klängen von R&B , Soul, Funk, Jazz, Blues auf Vinyl und tauscht sich aus.

In der Telegraph Avenue ticken die Uhren noch anders, hier geht es nicht darum, das große Geld zu machen. Doch das wird sich für Brokeland Records bald ändern, soll doch in nächster Nähe zu dieser wunderbaren Oase für die nach wahrhafter Musik Dürstenden ein Tempel der Massenware eröffnet werden ...

Michael Chabon ist seit seinem Debütroman Die Geheimnisse von Pittsburgh (1988) einer der verlässlichsten und gleichzeitig überraschendsten Erzähler äußerst unterhaltsamer und klug aufgebauter Geschichten, die die großen Fragen des Lebens - Liebe, Freundschaft, Verlust, Vergebung - mit einem ganz eigenen erfrischenden Witz beleuchten.

Auch wenn es Chabon dem Leser anfänglich nicht ganz leicht macht, wirft er ihn doch mitten hinein in die Geschichte und zwischen das zahlreiche Personal, das er aus vergessenen Musikergrößen und Blaxploitation - Stars der 70er, offensichtlich nicht ganz gesetzestreuen Beerdigungsunternehmern, dem King of Bling und so manch anderen Individualisten rekrutiert. Ein wenig muss man schon dranbleiben, darf nicht locker lassen, will man die Verbindungen erfolgreich entwirren. Doch lohnt es sich in jedem Moment, dieser fulminant und witzig erzählten Geschichte zu folgen.

Chabon erweist sich aufs Neue als Meister der Querverweise und Situationen, die uns die breite Palette der Freude von einem warmen Lächeln auf den Lippen bis hin zu einem aus tiefstem Herzen kommenden Lachen entlockt, ohne das Quäntchen an Coolness zu entbehren, das uns beim Fallen des Vorhanges nach 585 Seiten Kopfkino ein ehrfürchtiges WOW entfahren lässt, wenn wir erkennen, wie weit und vollendet Chabon auch dieses Mal wieder den Bogen gespannt hat.

Die Figuren, die die Telegraph Avenue bevölkern, sind ausgefeilt, authentisch und einige Male exzentrisch schillernd, zumindest was ihr äußeres Auftreten angeht. Die Bilder, die Chabon für ihre Beschreibung findet, sind ungewöhnlich ideenreich und niemals abgegriffen.

Wer es schafft, ein Kapitel über 15 Seiten aus der Sicht eines Vogels mit großer Erfahrung in einem einzigen, sinnergebenden Satz zu schreiben, vor dem kann man sich als Literaturbesessener nur demütig und dankbar verneigen.

Mehr ist zu diesem außergewöhnlichen Buch und seinem brillanten Autor nicht zu sagen. Oder vielleicht doch: Wer amerikanische Literatur mag und Michael Chabon noch nicht kennt, der hat einiges nachzuholen - und damit meine ich nicht alleine einen Besuch in der Telegraph Avenue, Berkeley, Kalifornien.
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am 12. Mai 2014
Ein tolles Buch. Es fühlt sich nicht nur gut an, es hat auch sehr viele Wörter, um nicht zu sagen ganze Sätze. Und tolle Farben hat der Umschlag. Schwarz, rot, sehr sehr schön. Eine tolle Typo, auch wirklich schön. Dafür ist das Buch nicht ganz so leicht wie man es vielleicht erwartet, aber das liegt wohl daran, dass die Abbildung Zweidimensional ist. Im Großen und Ganzen gefällt mir das Buch wirklich gut. Es steht jetzt im Schrank neben den anderen Büchern und macht sich auch da ganz hervorragend. Ich freue mich immer wieder für Amazon Bewertungen abzugeben - das macht wirklich unglaublich viel Spaß.
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