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am 21. Juli 2014
Sofort ist man als Leser wieder in der Geschichte des „Mädchens“ gefangen. Sie nennt sich nun April, nach einem Song von Deep Purple. Ihr Start ins Leben könnte härter nicht gewesen sein und es scheint sich wie ein roter Faden durch die Biografie der Protagonistin zu ziehen, dass ihre eigene Existenz immer wieder aufs Neue ins Wanken gerät. Es sind nun einige Jahre seit ihrer traurigen Kindheit vergangen und die junge Frau findet mehr schlecht als recht ihr Auskommen in einer Gesellschaft, die trostloser nicht sein könnte. Inneren Halt erhält sie selbst durch ihren Sohn sowie dessen Vater nicht. Sie kämpft mit ihrer inneren Zerrissenheit und den Ängsten, die sie aus frühen Tagen kennt.

Im Gegensatz zum ersten Roman konnte ich die ehemalige DDR in dieser Erzählung sehr gut erkennen. Was es heisst, keinerlei Freiheiten zu haben und eine grosse Sehnsucht nach einer offeneren Welt zu verspüren, kommt sehr stark zum Ausdruck. Viele abgelehnte Ausreiseanträge für April selbst wie auch für ihre Bekannten machen die junge Frau umso mutloser. Endlich gelingt jedoch die Übersiedlung in den Westen. Ob sie ihr Glück findet ? Ich bin gespannt, ob die Geschichte eines Tages weitergeht.

Es ist wieder ein sehr eindringlicher Roman, den ich nicht unbedingt als Lese-Vergnügen bezeichnen kann. Es ist eine Geschichte von grosser Ausstrahlungskraft, deren Ausgang man gebannt und mit Hoffnung entgegen sieht. Für mich einmal mehr ein sehr lesenswertes, klares Buch einer klugen, sachlichen Autorin, das mich begeistert hat.
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TOP 500 REZENSENTam 3. März 2014
Als vor 2 Jahren Das Mädchen: Roman erschien, war ich begeistert von dieser Stehaufbiographie eines Mädchens, das trotz Tiefschlägen den Drang nach Leben in sich hatte. Obwohl es zwei völlig verschiedene Bücher sind, gibt es auch Parallelen. Wir sind in den 70/80 er Jahren, wir sind zunächst in der DDR, die junge Frau "April" steht im Mittelpunkt dieser Geschichte, zerrüttete kaputte Familie, Heimaufenthalt, April bringt keine guten Starteigenschaften mit, emotional ist es karg, kalt, ungemütlich, einsam, herb. Als Kind wurde sie u.a. in den Kohlekeller gesperrt. Dort liest sie und beginnt sich für Literatur zu interessieren, ein nicht ganz unwichtiges Detail. Von der Jugendhilfe bekommt sie ein Zimmer zugewiesen und einen Job, der ihr jedoch nicht entspricht. Unter einer zerrütteten Vergangenheit, versucht April das Leben zu bewältigen, oft völlig orientierungslos. Männerbekanntschaften, April zieht die unmöglichsten Typen an , Alkohol, Drogen, Zurückgewiesen werden von der Mutter, Suizidversuch, Abstürze, Verlust des Lebenswillens, Psychiatrie, Klüssendorf bringt das volle Programm, das auch eine gewisse Schwere und beklemmende Atmosphäre über weite Strecken erzeugt.

Eine junge Frau die von einer kaputten Welt kommt und auf gewisse Weise in eine kaputte Welt geht. In ihr selbst ist eben auch etwas kaputt gegangen, dessen sie sich bewusst ist und trotzdem irgendwie versucht zu leben. Keine leicht-feucht-fröhliche Wohlfühlliteratur also. Trotzdem schafft es die Autorin, trotz bedrückender Situationen und Verhältnisse, sich als Leser mit April sehr nahe und verbunden zu fühlen, mit all ihren Mankos, Abgründen, Unsicherheiten, und auch manchmal dieser stillen Verzweiflung gegenüber. Demgegenüber stellt Klüssendorf, die Ehrlichkeit ihrer Protagonistin und ihre ganz eigenwillig aber auch sogerzeugende Sprache, die einfach etwas hat, das man gar nicht so einfach erklären kann. Manchmal hatte ich ein wenig mit dem völlig Sprunghaften meine Mühe, aber vielleicht gehört das eben genau zu so einer jungen Frau, deren Mutter ihr sagt, nachdem sie ihren schwangeren Bauch sieht: "Warum hast Du nicht abgetrieben, fragt sie und deutet auf ihren Bauch, wird doch sowieso nur ein Krüppel."

Und doch gibt es trotzdem kleine Hoffnungsschimmer, kleine Schritte in positive Erfahrungen. April stellt einen Ausreiseantrag nach Westdeutschland, sie bewirbt sich für ein Literaturstipendium. Sie lernt Hans kennen, eine langjährige Beziehung entsteht daraus, aus der dann auch Julius ihr Sohn hervorgeht. Doch daneben sind es eben auch Erfahrungen mit anderen Männern, anderen Menschen. Dort finden wir abstossende wie berührende Momente fast im Gleichgewicht. Als April schlussendlich nach Sizilien auf ein Reise eingeladen wird, wird ihr vieles klarer und bewusster, welche Menschen sie geliebt hat oder noch liebt, was sie für ein Leben gelebt hat und was vielleicht noch möglich sein könnte. April fühlt sich oft hin- und hergerissen, zwischen Leben und Tod, Liebe und Einsamkeit, Freiheit und Unfreiheit, sowie zwischen ihrer Heimat und ihrer neuen Lebensumgebung. Doch die Jahre, die wir sie begleiten, lässt sie auch ein Stück mehr Frau werden, reifer werden, trotz Rückschlägen, Enttäuschen, Beziehungen die sie im Grunde verlassen will um in neue Erfahrungen aufzubrechen. Doch trotz wechselnder Liebschaften die April unterhält, scheint sie auch immer wieder heimatlos, verloren und auch ein wenig orientierungslos.

Angelika Klüssendorf schafft im Grunde eine sehr reale und hoffnungslose Plotatmosphäre, in die sie ihre Protagonistin in einem kleinen Samenpflänzchen Hoffnung für Leben ausstattet und nun alle Leser bangen lässt, ob denn nun April ihr Leben packen wird oder eher davor zusammenbrechen wird. Klar muss diese Geschichte mit einer kleinen Hoffnungsternschnuppe, wenn auch offen, enden. Sonst wäre es kein Roman von Angelika Klüssendorf. Denn als April von Sizilien zurückkehrt, wird die einen Brief öffnen, der ihr Hoffnungsvolles verspricht...Dieser Roman der nicht ganz einfach zu lesen ist, sei Menschen empfohlen, die sich zu einem dafür interessieren, wie es für Menschen war, der damaligen DDR nach Westdeutschland auszureisen. Zum Anderen rein von der Biographie her gesehen, wer eine Geschichte lesen möchte, wie eine junge Frau trotz ihrer kaputten Vergangenheit trotzdem ein würdiges Leben für sich sucht, mit all seinen Abgründen, dem sei Angelika Klüssendorf wärmstens empfohlen, auch wenn mir ihr Vorgänger siehe Empfehlung (5* von mir gegeben) besser gefallen hat. Ein etwas schweres aber sehr lesenswertes Buch.

Empfehlung: Das Mädchen: Roman
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am 22. Februar 2014
Das Mädchen April ist ein armer und einsamer Mensch.
Sie kommt aus einem Heim, wohnt zur Untermiete und vertreibt sich ihre Zeit mit allerhand Bekanntschaften und einem ungeliebten Job. Die Mutter ist Kellnerin, der Vater Säufer: Prägungen in der frühen Kindheit können schädigend sein und sind es hier wohl auch gewesen.
In einem Heim in der DDR aufgewachsen wurde sie heimatlos und allein gelassen, als sie in den selbständigen Alltag aufbricht.

Nach einem Selbstmordversuch landet April, wie sie sich nach einem Song von Deep Purple nennt, in der Psychiatrie. Hier trifft sie wie überall Menschen, für die sie sich zu interessieren beginnt.
Doch genau genommen weiß sie nicht woher und wohin und ihr Leben verläuft ziellos und leer.

Angelika Klüssendorf nimmt das Schicksal ihrer Heldin, um an ihrem Beispiel das Dasein Ende der siebziger Jahre in Leipzig und zu Beginn der achtziger Jahre in Berlin zu beschreiben. Im Leben von April wechseln die traurigen mit den glücklichen Momenten, wobei letztere in der Minderzahl sind. Insgesamt lesen sich Klüssendorfs Ausführungen deprimierend und anrührend zugleich. Dieses rastlose Umherirren, einmal mit Drogen und einmal mit Alkoholexzessen, zeigt eine hoffnungslose Protagonistin, die nur selten weiß, wohin ihr weiterer Weg sie führen wird. Sie hat Freunde vom politischen Häftling bis zum Choreographen; doch ihr wahres Glück findet sie nicht. Ihre Kindheit war seelisch und materiell so entbehrungsreich, dass sie heute zwar die Nähe zu anderen sucht sie aber gleichzeitig fürchtet. Denn was könnt schlimmer sein als neue Abhängigkeiten?

Das Leben am Rande der Gesellschaft wird von den zahlreichen Ausfällen der Protagonistin begleitet. Schlechte Unterkünfte und wechselnde Lebenspartner sind Teil ihrer Geschichte.
Literatur wird ihr Hobby und soll auch das Ziel ihrer Bemühungen um einen Studienplatz bleiben.

Ein Entwicklungsroman voller Widersprüche ist hier entstanden.
Fröhlich stimmt er nicht und unterhaltsam ist er auch nur in Grenzen. Sprachlich aber ist er hervorragend!
Zu trostlos ist das Sujet und zu hoffnungslos das Geschick des rebellischen Mädchens. Dennoch interessiert man sich für das Buch, weil man die Hoffnung nicht aufgeben möchte, dass es doch eines Tages besser werden könnte mit ihr. Ob sie ihr Leben bewältigen wird?
Angelika Klüssendorf wird als Autorin hoch gelobt. Ihr schnörkelloser Stil wird bewundert, und ihre stringente Erzählweise ebenso.
Nicht für jeden Leser aber mag das die wahre Kost sein!
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am 22. März 2015
„Das Mädchen“ ist jetzt achtzehn und soll sich in der Welt der Erwachsenen behaupten. Sie bekommt von der Jugendhilfe ein Zimmer zur Untermiete zugewiesen und erhält eine Stelle als Bürohilfskraft im VEB Starkstromanlagenbau in Leipzig. April nennt sie sich jetzt, nicht nach dem Monat, sondern nach einem Song von Deep Purple. Aber so unstet und wechselhaft wie das Wetter im April, so ist auch sie. Vor allem aber ist sei eines: einsam. Beinahe verzweifelt sucht sie Freundschaften, ist aber nicht beziehungsfähig. Auf Alkoholexzesse folgen selbstzerstörerische Abstürze und schließlich die Psychiatrie. Dann lernt sie Hans kennen. Mit ihm hat sie eine länger dauernde Beziehung und, nach der Geburt ihres Jungen, so etwas wie Familienleben. Ihr Ausreiseantrag wird endlich genehmigt, sie ziehen nach Westberlin. Auch dort ist April unzufrieden und sehnt sich wieder zurück. Auch gelingt es ihr nicht, zu ihrem Kind eine innere Beziehung aufzubauen. Sie bricht wieder aus, verbringt die Nächte in Bars mit Alkohol und Drogen, hat flüchtige Männerbekanntschaften. Von einem Freund wird sie zu einer Reise nach Sizilien eingeladen. Dort, weitab von allem, scheint sie eine Wandlung durchzumachen. Sie ist zeitweise sogar glücklich und mit sich selbst im reinen. Nach ihrer Rückkehr erwartet sie ein Brief, der ihr Leben verändern könnte. Wird sie die Chance ergreifen? …

„April“ ist die Fortsetzung des 2011 erschienenen Romans „Das Mädchen“. Auch hier hat die Autorin Angelika Klüssendorf wieder einige autobiografische Begebenheiten eingearbeitet. Sechs Jahre lang begleitet der Leser die junge Frau, die bereits in ihrer Kindheit traumatisiert wurde und sich nun nicht anpassen kann. Der Schreibstil ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig: Alles im Präsens, ohne wörtliche Rede. Kurze, oft sogar abgehackte Sätze in klarer, nüchterner Sprache. Hat man sich aber erst mal eingelesen, empfindet man diesen Stil sogar als Vorteil. Man spürt auf diese Art hautnah, wie sich April fühlt, ihre Zerrissenheit, ihre Unruhe. Sie möchte so gerne überall dazu gehören – und eckt doch überall an. Sie möchte ihre Vergangenheit, ihre Erinnerungen an die Kindheit, abstreifen - und wird doch immer wieder davon eingeholt. Berührende und hoffnungsvolle Momente wechseln rasch mit Unverständnis und Abscheu – man kann die Handlungsweise dieser verletzten Seele verstehen und ist doch immer wieder davon geschockt. Am Ende bleibt der Leser nachdenklich, ja beinahe ratlos zurück.

Fazit: Kein einfaches Buch, dennoch ein empfehlenswertes Werk moderner Literatur.
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am 1. Mai 2016
Da ist sie also wieder, die verhaltensauffällige Jugendliche mit dem Spitznamen "Gerippe", die wir am Ende des Romans Das Mädchen als Siebzehnjährige in die Lehrzeit entlassen mussten. Im Stil des Vorgängers geht es weiter: kühl-distanziert und summarisch in der Darstellung, dennoch immer nah an der Hauptfigur, die sich in diesem Roman den Namen April zulegt und weiter durch die Wirrnisse und Unwägbarkeiten des Lebens taumelt, das sie am belastenden Erbe einer total verkorksten Kindheit schwer tragen lässt. Denn natürlich hat April die Misshandlungen ihrer Mutter und die ständige Abwesenheit ihres Vaters nicht einfach so weggesteckt, sie ist psychisch labil, reizbar, eine ständig tickende Zeitbombe. Diagnosen schwanken zwischen Borderlinerin und Hysterikerin. Ihre erste Arbeitsstelle als Bürohilfskraft im Starkstromanlagenbau ist schon daher zum Scheitern verurteilt. Sie sagt ihr auch nicht sonderlich zu. April eckt beim Chef an, weil sie Blödsinn treibt. Ein angeblicher Kumpel ihres Vaters aus dem Gefängnis zieht bei ihr ein, nur um Fräulein Jungnickel, ihre Vermieterin, zu berauben; April gerät in den Verdacht der Mittäterschaft. Privat gerät sie an Sven. Er wird ihr neuer Freund. Doch als sie feststellt, dass ihm eine Ménage à trois vorschwebt, weil Sven gleichzeitig mit einem homophilen Dichter zusammen ist, schüttet sie in einer ihrer typischen pathologischen Überreaktionen irgendein Gift in die Zuckerdose und hinterlässt Chaos in der Küche, ehe sie das Weite sucht. Nach einem Selbstmordversuch am Gasherd der Gemeinschaftsküche, wo das etwas absonderliche Fräulein Jungnickel sie findet und ihr so das Leben rettet, ist April dann ein Fall für die Psychiatrie. Dort lernt sie den manisch-depressiven David kennen, der später zu Aprils Entsetzen in der "Geschlossenen" landet. Nach ihrer Entlassung bekommt April eine überschaubare Arbeit im Museum für Völkerkunde zugewiesen. Sie wird weiter psychologisch betreut und damit sie die Stelle behalten kann, führt sie sich beim Besuch der Betreuerin so verrückt auf, dass sie nicht in den Alltag zurückkehren muss.
Mit den Jungs bleibt es schwierig. Sie führt ein reichlich unsolides Leben, erweist sich in Sachen Sex auch als typisches Kind der 70er-Jahre-Befreiung, für die Treue und Verbindlichkeit Schnee von gestern ist. In dem Choreografie-Studenten Hans findet sie einen Partner, der verlässlich erscheint, den sie jedoch nach Strich und Faden mit dem Theologie-Studenten Silvester, der vor dem Studium ihr Kollege im Museum war, und dem durchgeknallten Punker, Sänger der Punkband Augustapril, betrügt. Sie gerät in regimekritische Boheme-Kreise, freundet sich mit der Künstlerin Irma an und ist völlig perplex, als ihr Ausreiseantrag schließlich genehmigt wird.
In Berlin beginnt schließlich ein neues Leben, doch obwohl der Aufbruch in den Westen die kriselnde Beziehung zu Hans noch einmal belebt hat, wird April rasch klar, dass Hans nicht der Mann ist, an dessen Seite sie glücklich werden kann. "Sie kann weder ihre Liebe noch seine mehr fühlen. Am liebsten würde sie die Liebe in Flaschen abfüllen, um bei Bedarf Tropfen für Tropfen parat zu haben" (S. 163), ist so ein typischer Klüssendorf-Satz, der zeigt: Diese Autorin bedarf nicht unbedingt vieler schwieriger Worte, um komplexe emotionale Zustände zu veranschaulichen. In Berlin findet Hans Arbeit in einem Buchclub, April arbeitet als Putzfrau. Sie freundet sich mit der Mutter eines Spielkameradin von Julius an, die von ihrem Mann verprügelt wird. Vor allem aber dockt April auch in West-Berlin an Boheme-Kreise an. Sie kocht für Avantgarde-Musiker, bewirbt sich mit einem Gedicht über einen Obdachlosen erfolgreich um ein Literaturstipendium und gerät an einen hypochondrischen Maler, der zu Silvester einen Asteroiden-Einschlag erwartet. Er wird ihr neuer Partner, sie lernt Akupunktur für ihn, fährt mit ihm nach Sizilien, geht gemeinsam mit Michaels Freund Marco, einem Chirurgen, auf Entdeckungsreisen, fühlt sich in dem Sommerwetter pudelwohl, erlebt dann jedoch einen jähen Zusammenbruch, nachdem sie zu viel getrunken hat. Mit einer Fieberattacke kommt sie ins Krankenhaus. Als sie wieder daheim ist, erreicht sie eine Mitteilung aus dem Osten. Etwas ist mir ihrem Vater passiert...

Was auffällt an dem Bild der "DDR", das dieser Roman vermittelt, ist sein vergleichsweise menschliches Antlitz. In anderen totalitären Regimen hätte man behördlicherseits vermutlich weniger Rücksicht auf April genommen, die für ihre vielen Fehltritte am Ende mit einer Ausreisegenehmigung gleichsam belohnt wird. Lediglich die Reaktion auf einen Sitzstreik mit Kerzen (Kapitel 12), der zu Verhaftungen und langen Haftstrafen für die beteiligten Künstler und Intellektuellen führt, zeigt das im Westen bekannte "DDR"-Bild. So trägt dieser Roman möglicherweise auch zu einer gewissen Differenzierung in der Auseinandersetzung mit der "DDR" bei und sogar manches "Ostalgie"-Gefühl mag er bedienen. Die radikal subjektive Sicht der Dinge aus den Augen der Protagonistin macht zugleich klar, dass hier kein repräsentatives Gesellschaftsbild entworfen wird. Klüssendorf geht es immer um ihre Hauptfigur und darum, wie sie ihre Welt wahrnimmt. Unverkennbar hat dabei die eigene Biografie der Autorin Pate gestanden, woraus sich auch die kleinen Schwächen des Romans ergeben: Er steuert nie auf einen dramaturgischen Höhe- oder Wendepunkt zu, sondern die Ereignisse folgen relativ unverbunden aufeinander, eben so, wie das Leben sie serviert, nicht wie ein Filmdrehbuch oder ein Romankonzept es vorsieht. Mitunter erweckt das den Anschein einer fiktionalisierten Autobiografie. Figuren tauchen auf und verschwinden, wie man es aus seinem eigenen Leben kennt. Sie sind Wegbegleiter wie Tapeten an den Wänden, die irgendwann verschwinden, weil sie nicht mehr in die Zeit passen. Kaum eine Figur übt eine dramaturgische Funktion aus, die die Handlung einem Höhepunkt oder zumindest einem vorläufigen Höhepunkt entgegenführen könnte. Fast alle sind austauschbar, weglassbar wie die Jugendfreunde Sputnik, Frieder und Schwarze Paul, die bald nur noch ferne Erinnerungen sind, für den Leser noch mehr als für April, weil er sich zu viele Namen merken muss, mit denen er zu wenig Inhalt verbinden kann. Konstanten bilden nur Aprils Affinität zur Literatur, die sich auch im Westen in Künstlerkreise zieht, und die Menschen, mit denen das Leben April zusammengeschweißt hat: Hans, ihr Lebenspartner, und Julius, das Kind, das daraus entstanden ist, beides eher zufällig und ohne klare Planung dahinter.

"Meine Dramaturgie ist das Leben", scheint die Autorin uns sagen zu wollen. Normalerweise ist das freilich kein Rezept für einen Roman. Es klappt hier nur, weil April eben April ist, die One-Woman-Show sozusagen. Dass aus den vermeintlichen Banalitäten des Alltags eine fesselnde Lektüre entsteht, ist einzig dem Umstand geschuldet, dass April eine so extreme und extravagante Figur ist, dass alles, was sie macht oder unterlässt, an sich immer dramatisch genug ist, um das Interesse des Lesers wachzuhalten. Und immerhin muss das einem Autor ja auch erst mal gelingen.
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Eigentlich sind Romane nicht nur die einzigen, sondern darüber hinaus großartige Zeitmaschinen. Vor drei Jahren hat uns Angelika Klüssendorf mit dem bewegenden, ohne jede Spur von Sensibilität, in lakonischer Prosa erzählten hochgelobten Adoleszenzroman "Mädchen" in die Welt eines Kindes entführt, deren furchtbare Kindheit mit einer terrorisierenden und schlagenden Mutter und einem Alkohol kranken Vater am Rand der totalen Verwahrlosung angesielt war. Der Roman war auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und auf Platz 1 der SWR - Bestenliste. Punktum saliens war, dass es eigentlich gar keine Rolle spielte ob die Geschichte nun im Osten oder Westen Deutschland spielte.

Jetzt hat Angelika Klüssendorf mit "April", wenn man so möchte, eine Fortsetzungsgeschichte geschrieben. Das "Mädchen" mit einer Jugend ohne Jugend wird erwachsen und nennt sich "April", nach einem Song der britischen Hard-Rock-Band Deep Purple, der erstmals 1969 veröffentlicht wurde, wobei die Band den Versuch wagte Klassik mund Hard Rock miteinander zu verbinden,

April ist ja nicht eigentlich in der DDR erwachsen geworden, sondern erst nachdem sie einen Ausreisantrag stellt und nach West Berlin übersiedelt. Bis dahin ist sie faktisch ein kindliches Wesen geblieben, sie engagiert sich nicht wirklich politisch, sondern macht das nur um ihre Langeweile zu überbrücken, ohne Rücksicht auf Grenzen die eigentlich nicht überschritten werden sollten. Sie entwickelt einen Spieltrieb, in der Hoffnung so der endlosen Öde entfliehen zu können. In dieser ersten Hälfte des Romans beschreibt die Autorin genau genommen eine Milieugeschichte, nämlich wie ein Leben unter den niederdrückenden Verhältnisse - Koma saufen, Grenzbereich in sexueller Hinsicht, Filmriss - beginnt. Wir begleiten April darüber hinaus an solche Orte, wo sich die staatliche Gewalt schonungslos zeigt, in den Betrieb VEB Kombinat Starkstromanlagen Bau Leipzig (H)alle, in Krankenhäuser, in die Psychiatrie. April unternimmt einen Suizidversuch. Jedem erfolgreichen Milieuausbruch erfolgt ein Rückfall, jedem zarten Pflänzchen Glückseligkeit eine Apokalypse. Immer wird sie auf der Suche nach einem Weg aus der trostlosen Kindheitsvergangenheit von den Prägemustern ihrer verantwortungslosen Mutter eingeholt.

April lernt Hans kennen, verliebt sich nach anfänglichen Eskapaden in ihn und wird Mutter. Nach und nach entwickelt die junge Frau mehr und mehr Eigenverantwortlichkeit, erobert nach und nach die Literatur, beginnt zu Schreiben, wird aus Langeweile Herausgeberin einer kleinen Literaturzeitschrift. Ihr Lieblingsroman ist der "Graf von Monte Christo", bezeichnenderweise eine Rachegeschichte. Ihr Lieblingsmärchen ist "Das kluge Gretel".

April, die als "Mädchen" ohne Familie im Kinderheim keine moralischen Instanzen kannte, liest nun alles was sie in die Hände bekommt, um die Welt zu verstehen und auch um die Rolle als Mutter ausfüllen zu können. Literatur wird für sie zu einem Rettungsring.

Alles ist der sozialen Wirklichkeit in der DDR geschuldet. Das "Mädchen" war im Kinderheim und Angelika Klüssendorf hat die DDR einmal, als großes Kinderheim bezeichnet, weil es dort immense Reglementierungen gegeben hat, bei denen alle wichtigen Lebensdaten, von der Geburt bis zum Tod, in einem Büchlein festgeschrieben waren. Das hatte zur Folge, dass April als sie im Westen ankam, von der Bürokratie regelrecht erschlagen wurde. Jetzt musste sie alles selbst entscheiden. Bei ihrem ersten Weg in die Buchhandlung kauft sie einen Roman von Samuel Bekket. Diese im Suhrkamp erschienene Gesamtausgabe von Bekket hat 1985 auch die Autorin Angelika Klüssendorf gekauft. Und so gibt es in diesem Roman, wie die Autorin in einem Interview erklärte, verschiedene biographische Schnittpunkte.

Mit „April“ hat Angelika Klüssendorf wieder einen grandiosen Roman darüber geschrieben wie eine starke, junge Frau in Zeiten der Diktatur in der DDR Contenance bewahrt und sich Unabhängigkeit verschafft mit einer Spiegelung der sozialen und gesellschaftlichen Zustände im gescheiterten real existierenden Sozialismus in Leipzig Ende der 70 er Jahre und die verlockenden Verheißungen in West - Berlin der frühen 80 er Jahre.

Ein wunderbares Buch, rasant geschrieben, von unglaublicher Sogkraft, nüchtern ohne Pathos, in einer Klarheit der Sprache, die geradezu phantastisch ist. Ein exzellentes literarisches Ereignis das zu den herausragenden Leseerlebnissen dieses Frühjahrs gehört und nach der Lektüre lange nachwirkt. Meine emphatische Leseempfehlung.
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am 29. März 2016
Wunderbare Prosa. Lakonisch und leicht depressiv erscheint das Leben von April. Von zu Hause weg, versucht sie, sich durchzuschlagen, besser zu sein als ihre Mutter. Als Leser möchte man ihr gerne helfen. Wunderbar geschrieben. Das Buch legt man nicht beiseite. Ich hoffe, davon gibt es noch eine Fortsetzung!
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am 10. Oktober 2014
Mir hat das Buch ausgezeichnet gefallen! Die Autorin stellt ihre Schreibkunst nicht zur Schau sondern ganz in den Dienst ihrer Geschichte, was in diesem Fall heißt: ihrer Hauptfigur. Zunächst wünschte ich mir die eine oder andere Szene mehr ausgemalt, bis mir klar wurde, dass diese "Flüchtigkeit" hier eine richtige Art zu erzählen ist. Die Autorin kennt und liebt ihre "April", das spürt man in jedem Wort. Das Zerrissene, Schwierige, auch das Unverständliche der jungen Frau zeigt sie klar und einfach. Das ist nicht einfach. Die Gegenwelt - Amtspersonen, Vorgesetzte - steht auf keiner alten Rechnung, die die Autorin noch mit der DDR zu begleichen hätte, was sehr wohltuend ist; sondern es sind, obwohl konkret in der DDR verortet, jene "Alten", mit denen auch eine Christiane F. und ein Alex DeLarge sich einst rumzuschlagen hatte. Das gibt der Geschichte Größe. Es entsteht mehr und mehr eine Spannung, die um die Frage kreist, warum es eigentlich so schwierig ist, zu leben. Die von ihren Gefühlen Abgeschnittenen merken es vielleicht nicht, denn sie tun ja nur so, als ob sie lebten. Doch für solche, die sich ihren Gefühlen aussetzen, wie April... Gegen Ende war's mir eine zufällige Männerbekanntschaft zu viel, aber das ist reine Geschmacksache.
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am 11. Mai 2014
Eine wirklich tolle Geschichte, mit vielen feinen Details, was in einer verletzten Seele so vor sich geht, Gefühlsvoll und emotional, die ständige Suche nach einem Ausweg aus der Vergangenheit, welche die junge Frau jede Minute ihres Lebens begleitet, betäubt und lähmt. Sie kann es kaum begreifen für jemand Wertvoll zu sein, wenn doch die Mutter sie von klein auf nur als ein Nichts beschimpfte. Sehr lebensnah, realistisch und psychologisch gut verständlich. Hatte vorher "DAs Mädchen" gelesen, wo die Kindheit der April beschrieben wird, in diesem Buch der Übergang in eine Selbständigkeit und das Erwachsen werden.
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am 31. Oktober 2014
Der Roman - insbesondere im Zusammenhang mit seinem Vorgänger "Das Mädchen" - gibt Einblick in den Lebensweg eines ungeliebten Mädchens mit trostloser Kindheit in der Ex-DDR und dem langsamen Hineinwachsen in eine differenzierte Gefühlswelt und eine selbständige Wahrnehmung und Einordnung der individuellen Umwelt und des eigenen Ich.
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