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89
4,2 von 5 Sternen
Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam: Roman
Format: TaschenbuchÄndern
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am 17. Mai 2015
Im kleinen Dörfchen St. Peter in den österreichischen Alpen ticken die Uhren anders; sie scheinen sogar rückwärts zu gehen. Das Leben verläuft in geordneten Bahnen, jeder hat seinen festen Platz in der Gemeinschaft, und der Lauf der Geschichte zieht seit dem Mittelalter an den St. Petrianern vorbei – bis im Jahre 1959 die Geschichte ins Rollen kommt. Genauer gesagt, es gerät ein Baumstamm ins Rollen, der den jungen Johannes an der Schulter trifft, der daraufhin nicht mehr Holzfällen kann. Johannes beginnt, die wenigen wissenschaftlichen Bücher aus der Dorfbibliothek zu lesen. Als er auch noch einen Bandwurm bekommt und seine neugeborene Tochter dem ungehobelten Nachbarn verdächtig ähnlich sieht, steht für Johannes fest: er will weg aus St. Peter, um Medizin zu studieren und Arzt werden.
Jahre später kehrt er zurück und eröffnet eine Praxis, bleibt jedoch als kritischer Geist ein Außenseiter. Er beginnt, eine ausführliche Dorfchronik zu schreiben.
Seine inzwischen erwachsene und verheiratete Tochter Ilse dagegen wünscht sich nichts mehr, als in der dörflichen Gemeinschaft ihren Platz zu finden. Doch ihr kleiner Sohn – ebenfalls Johannes genannt – ist ganz anders als die anderen Dorfjungs. Anstatt sich auf dem Fußballfeld zu behaupten, interessiert er sich für Bücher. Ilse ist verzweifelt: was soll aus dem seltsamen Bub nur werden??
Viele leidvolle und amüsante Episoden führen dazu, dass Johannes seinen eigenen Weg findet – und dem Dorf einen gehörigen Schubs in die Moderne gibt…
Vea Kaiser ist eine junge Autorin aus Österreich, die für ihren Roman „Blasmusikpop“ lange die österreichischen Bestsellerlisten anführte und einen Wiener Literaturpreis erhielt. Sie studiert u.a. Altgriechisch und interessiert sich für alle möglichen Wissenschaften.
Mich hat diese außergewöhnliche Dorf- und Familiengeschichte von Anfang bis Ende ganz wunderbar unterhalten! Die Geschichte des kleinen Johannes, der mich ein bisschen an Hanno Buddenbrook erinnerte, hat mich richtig berührt, besonders als die Dorfbewohner mit allen Mitteln versuchen, ihn in ihre Gemeinschaft zu „integrieren“. Aber er lässt sich nicht unterkriegen – und bringt die Ordnung im Dorf ganz schön durcheinander.
Am Ende stellt sich heraus, dass in (fast) jedem St. Petrianer ein neugieriger Geist steckt, der geweckt werden will. Durch diese positive Botschaft hat mit das Lesen sehr viel Spaß gemacht, besonders gegen Ende hin.
Die (fiktive) Dorfchronik, die jedem Kapitel vorangeht, steckt voller witziger Details, z.B. floriert unter den ehrenwerten Dorfbewohnern und der verpönten Außenwelt der Schwarzhandel mit den seltenen Adlitzbeeren, die Pest und der Zweite Weltkrieg ziehen unbemerkt am Dörfchen vorbei, usw….
Fazit: ein witziges, scharfsinnig beobachtetes Buch, das mit sehr viel Liebe zu Details und zu seinen Figuren geschrieben wurde. Ich freue mich schon auf mehr von dieser talentierten jungen Autorin und vergebe gerne 5 von 5 Sternen!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. September 2014
Der Roman ist ein Bestseller und trotzdem gut. Wie geht das? So: St. Peter, ein Bergdorf irgendwo zwischen Österreich und Deutschland. Hier kennt man sich, hier pflegt man Traditionen und die Abgeschiedenheit von der übrigen Welt. In dieser alpenländischen Harmonie, man könnte auch sagen, in dieser geistigen Ödnis, entdeckt Johannes Irrwein, vormals Schnitzer, sein Interesse an der Wissenschaft – ausgelöst durch einen Bandwurm im eigenen Gedärm. Da es mit der Zuverlässigkeit des Arztes aus der nächsten Kleinstadt nicht weit her ist und das Tier bald zu Irrweins Obsession mutiert, begibt er sich in die Tiefebene, um nach einem Medizinstudium in die Heimat zurückzukehren. Nach anfänglichem Fremdeln beim Rückkehrer, als auch bei den Daheimgebliebenen, nimmt man Irrwein wie er ist: merkwürdig und mit der hochdeutschen Sprache versehen. Er seinerseits wird seine Position – leicht von oben herab – zwar beibehalten, aber man arrangiert sich halt irgendwie. Einzig Enkel Johannes A. Irrwein versüßt Irrwein Senior das Leben in der Provinz. Der Junge gerät ganz im Sinne des Alten: wissenschaftsaffin, sportuntauglich und anhänglich wie ein Bandwurm.

Ist man als Leser zunächst geneigt, dem jungen Irrwein das Verständnis entgegen zu bringen, das ihm die Mitdörfler hartnäckig verweigern, versteht es Kaiser mit dem Fortschreiten des Romans, die Überheblichkeit des Jungspunds herauszuarbeiten und die Sympathien wieder gerechter auf die Dorfbewohner zu verteilen. Die Wissenschaft ist eben auch nicht der Weisheit letzter Schluss, sie hilft allerdings bei der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Diese Erkenntnis werden gleichermaßen Irrwein Junior und die Dorfbewohner im Lauf des Romans gewinnen. Autorin Kaiser legt ihren Dörfler einen (Kunst-) Dialekt in den Mund, der nur zu Beginn des Buches stutzen lässt. Die Geschichte ist eingebettet in den Bericht von Johannes A. Irrwein, der, seinem großen Vorbild Herodot gleich, die alpenländische Historie „inmitten der Eingeborenen“ schildert.

Kaisers große Kunst in ihrem Debütroman ist es, intelligenten Humor, Wissen um „ihren“ antiken Geschichtsschreiber Herodot und das Menschliche allzu Menschliche organisch miteinander zu verknüpfen. Wer Dorfleben aus eigener Biografie kennt, wird sich hier wiederfinden. Wer kleine und große Misserfolge und Siege erlebt, wird dem Text gerne folgen. Und wer Freude aus einer besonderen Geschichte zieht – auch der wird mit diesem Roman gut bedient. Fußballfans der 2. Liga aufgepasst: Am Ende Buches präsentiert Kaiser ein herrliches Kapitel über St. Pauli. Bandwurm, Alpenglühen und Fußball in einem Roman: Vea Kaiser hat wirklich einen Preis für Originalität verdient.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Mai 2013
Mit der Zeit entwickelt ein erfahrener Leser ein gutes und zuverlässiges Gespür dafür, welches Buch "das richtige" ist.
Cover, Klappentext, Autor können ein Hinweis dafür sein, aber oft erlebt man Enttäuschungen, wenn man sich immer nur darauf verlässt.
Das Gespür aber lässt sich selten täuschen.
Der erfahrene Leser weiß auch, ob ein Buch mit Liebe und Hingabe geschrieben wurde. Das sind Gefühle und Eigenschaften, die sich auf den Leser übertragen.
"Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam" ist genau so ein Buch: Es ist das richtige für mich, und dass Vea Kaiser es mit viel Liebe geschrieben hat, habe ich deutlich gespürt.

Vea Kaiser hat mit "Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam" ein Epos geschrieben, ein Alpen-Epos. Durch die Augen zweier außergewöhnlicher Männer sehen wir das Leben eines kleinen alpinen Dorfes in einer Alpenrepublik (der aufmerksame Leser wird sofort Ähnlichkeiten zu einem bestimmten europäischen Staat feststellen), das sich seit dem Mittelalter heldenhaft gegen die Wirkung und den Einfluss der Außenwelt wehrt. Das ist größtenteils durch die schwer erreichbare alpine Lage möglich. Aber auch die Charaktereigenschaften der Bewohner dieses Dorfes, das sehr stark dem einen berühmten "kleinen gallischen Dorf" ähnelt, tragen dazu bei, dass diese alpine Gemeinschaft eine Art Mini-Nation bildet, die das Schicksal und die Geschichte der Alpenrepublik nicht teilt, zu der es offiziell gehört. Das bringt große und kleine Vorteile mit sich, aber auch manche Nachteile. Und von diesen Vorteilen und Nachteilen lässt uns Vea Kaiser wissen, und meistens aus der Sicht ihrer Hauptfiguren.

Vea Kaiser ist eine 24 Jahre alte österreichische Studentin, die mit ihrem Erstlingswerk "Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam" eine große schriftstellerische Begabung aufweist. Während der Lektüre habe ich diesem jungen Talent einen großen Respekt gezollt.
Vea Kaiser beschreibt das Leben und die Bewohner in diesem kleinen Dorf und dabei zeigt sie besondere erzählerische Fähigkeiten und große Menschenkenntnis. Ihre Geschichten um diese alpinen "Barbaren" sind Geschichten zum Fühlen, zum Lachen, zum Nachdenken. Die Figuren sind sehr authentisch und fast alle liebenswert. Denen, die nicht so liebenswert sind, wünscht man sogar eine wohlverdiente Strafe, um danach gleich ein schlechtes Gewissen zu haben, weil sie letztendlich auch irgendwie entzückend sind. Aber schließlich bekommt jeder, was er möchte (oder was er verdient) und wie am Ende jedes "kleinen-gallischen-Dorf"-Heftes gibt es eine große Party... Aber ich denke, ich verrate hier viel zu viel!

"Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam" gehört zu dieser Art Bücher, die man nie vergisst. Das spüre ich. Genauso spüre ich die Liebe, mit der Vea Kaiser jede Szene gestaltet und jede einzelne ihrer Romanfiguren ins Leben gerufen hat. Und ein paar dieser Figuren haben eine deutliche Extraportion Liebe bekommen. Das waren wahrscheinlich meine Lieblingsfiguren.

Als ich auf der letzten Seite dieses Buches angekommen bin, habe ich den Wunsch empfunden, mehr Blasmusikpop in meinem Leben zu haben, und seitdem beschäftigt mich dieser Gedanke.
Ich bin sicher, ich würde dadurch fröhlicher und gelassener durch die Welt gehen.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
KLAPPENTEXT:
Gegen die Engstirnigkeit und den unreflektierten Traditionssinn der St. Petrianer hegt Johannes A. Irrwein - geschult an seinem Großvater, dem Bandwurmforscher Johannes Gerlitzen - seit frühester Kindheit eine starke Abneigung. Bildungshungrig und aufgeweckt wie er ist, sehnt er sich nach jener aufgeklärten Welt, die er hinter den Alpenmassiven vermutet. Als der Musterschüler jedoch unerwartet durch die Matura fällt, beginnt er, sich mit seinem Dorf auseinanderzusetzen. Seinem Lieblingsautor Herodot, dem Vater der Geschichtsschreibung, nacheifernd, macht er sich daran, die Chroniken seines Dorfes zu verfassen - und verursacht dabei ungewollt das größte Ereignis in der Geschichte St. Peters, das das Bergdorf auf immer verändern wird.

Ein 14,8 Meter langer Fischbandwurm, eine Seifenkiste mit Kurs auf den Mond, ein ungeahnt attraktiver Mönch im Jaguar, eine schwangere Dorfprinzessin, eine altphilologische Geheimgesellschaft, eine nordicwalkende Mütterrunde, ein Jungfußballer mit dem Herz am rechten Fleck, eine sinistre Verschwörung der Dorfältesten sowie jede Menge poppige Blasmusik gehören zum einzigartigen Mikrokosmos dieses Romans, der durch seine Liebe für leuchtende Details und skurrile Begebenheiten, durch seinen erzählerischen Furor und seine Vielstimmigkeit besticht. Vea Kaiser gelingt mit dreiundzwanzig Jahren ein wagemutiges, herausragendes Debüt. Dieser Roman wird Sie verzaubern.

AUTORIN:
(Quelle: Kiepenheuer & Witsch)
Vea Kaiser, geb. 1988 in Österreich, veröffentlichte 2012 ihren Debütroman «Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam», der Platz 1 der ORF-Bestenliste erreichte und Leser wie Presse gleichermaßen begeisterte. Übersetzungen ins Tschechische, Niederländische sowie eine Verfilmung sind in Arbeit. Nach ihrer Lesereise in 75 Städte und 5 Länder studiert sie nun in Wien Altgriechisch und arbeitet an ihrem zweiten Roman.

EIGENE MEINUNG:
Manchmal sind die Wege des Schicksals verworren und seltsam, doch es gibt einfach Menschen und Geschichten, die zusammengehören und deswegen auch zueinander finden. So auch Vea Kaisers "Blasmusikpop" und ich. Eine Weile schon schlich ich um das Buch herum, konnte jedoch weder mit dem volkstümlichen Titel, noch mit dem Bandwurmforscher Johannes Gerlitzen etwas anfangen. Dachte ich zumindest. Bis jedoch Sat.1 Literaturexperte Peter Hetzel diesen Debütroman vorstellte und sich einen Vergleich mit Schriftstellerlegende John Irving erdreistete. Unvorstellbar, dass es ausgerechnet einer deutschsprachigen Debütantin gelingen sollte dem Meister das Wasser zu reichen. Dies musste dringend von mir überprüft werden. Gesagt, getan: "Blasmusikpop" zog ins Regal ein. Nach dem Lesen kann ich nur sagen: "Hut ab vor der Leistung dieser jungen Frau! Sie kann sich definitiv mit den ganz Großen messen!!"
Nun stellt sich die Frage: Wie kann eine Rezension solch einem grandiosen Roman gerecht werden? Die Worte: Lest dieses Buch!!! Es ist grandios!!! - entsprechen zwar der Wahrheit, sind aber keineswegs ausreichend um den besonderen Flair des Romans oder die Dickschädeligkeit der St. Petrianer darzustellen.
Die Welt der Bewohner des kleinen Örtchens St. Peter am Anger ist eine ganz eigene. Es ist schwer sie zu beschreiben, denn dort folgt man jahrelang ausgearbeiteten Gesetzen, die nirgendwo aufgeschrieben, scheinbar über die Muttermilch aufgenommen und verinnerlicht werden. Es ist also kein Wunder, dass Johannes Gerlitzen von den Bewohner des kleinen Bergsorfes als "nicht ganz richtig" angesehen wird, als er nach einem Bandwurmbefall und der Entdeckung, dass seine neugeborene Tochter die gleiche Haarfarbe wie der ruppige Nachbar hat, in die Stadt zieht um zu studieren, statt wie jeder normale Mensch weiter seinem Handwerksberuf nach zu gehen.
Als etliche Jahre später sein Enkel Johannes A. Gerlitzen in die Fußstapfen des "Doktor Opas" tritt, ist nicht nur er den St. Petrianer suspekt, sondern auch er empfindet das "Barbarendorf" als sehr obskur. Sowohl das Jungscharcamp, als auch der Fußballverein sind für ihn Orte der seltsamsten Freizeitvergnügen, zu denen ein Forscher wie er keinerlei Bezug hat. Erst sehr viel später, nachdem er seine Forschungen auf die Bewohner des Dörfchens ausgedehnt und mit diesen ein schier unmögliches Ereignis auf die Beine gestellt hat, findet er den Weg ins "echte" Leben.
Vea Kaisers Schreibe ist wirklich beeindruckend. Perfekt durchdachte, komplexe Gedankengänge fügen sich zu einem Roman zusammen, wie ich ihn zuvor noch nicht erlebt habe. Lebhaft und lebendig erzählt sie die Geschichte eines kleinen Dorfes, das vielleicht ein klein wenig an ihre eigenen Erlebnisse mit den Eigensinnigkeiten der Heimat erinnern. Um jedoch keine Gemeinsamkeiten aufkommen zu lassen hat sie mit einem Sprachwissenschaftler einen eigenen Dialekt für die St. Petrianer, die mich ein kleines bisschen an Asterix, Obelix und die Gallier erinnern, entworfen.
Blasmusikpop" ist eine gekonnte Mischung aus Kritik und Ironie, die jedoch immer mit einem Augenzwinkern zu sehen ist und dem Leser eine gewisse Heimatverbundenheit der Autorin vermittelt. Dadurch entsteht eine Herzlichkeit, die sich problemlos auf das Miteinander von Leser und Romanfiguren übertragen lässt. Selten habe ich Charaktere wie diese erlebt, die auf der einen Seite eine sehr eingeschränkte Sichtweise haben, auf der anderen aber über so viel Facettenreichtum verfügen.
Wie gesagt, ich kann einfach nicht die passenden Worte für meine Begeisterung finden. Vea Kaiser hat mich definititiv so beeindruckt, dass ich es jetzt schon kaum erwarten kann weitere Romane von ihr in die Hand zu kriegen.
FAZIT:
Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam" ist eine beeindruckende Gesellschaftsposse der besonderen Art. Beeindruckend, sprachgewaltig, komplex, charaktervoll und mit einer ordentlichen Portion Ironie, hat Vea Kaiser einen Roman kreiert, der mich nicht nur zum schmunzeln gebracht hat, sondern auf jeder einzelnen Seite fesseln konnte. Mir fehlen die Worte dieses Buch in angebrachtem Maße zu würdigen und so kann ich nur empfehlen es selbst zu lesen.
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am 21. Juli 2015
Der Grundgedanke ist ja herrlich und böte so viele Möglichkeiten: Ein Außenseiter mit altphilologischen Interessen trifft auf die schroffe, intellektuell bescheiden daherkommende Schroffheit der ländlichen Lebenswelt. Das ist der Stoff, der nach einer Behandlung durch ein literarisches Kaliber wie Thomas Bernhard oder Arno Schmidt schreien würde (jeder auf seine Art). Was erhalten wir statt dessen? Den bemühten Literaturversuch einer Germanistin, hübsch harmlos und artig wie das Geschreibsel einer typischen Gymnasiastin. Das gesamte Buch liest sich wie ein verkrampftes Bemühen um die Zustimmung der Damen und Herren Professoren in den verstaubten Schul- und Uniräumen. Schade, mit einem lockeren Zugang wäre sicher mehr daraus geworden, die Ansätze waren vorhanden. Zwar wurden Werk und Autorin, wie es sich im heutigen Literaturbetrieb gehört, ordentlich hochgelobt, aber hier liegt weder eine Entdeckung noch eine Neubelebung der Gattung Heimatroman vor. Ein paar dutzend Seiten am Anfang sind ganz amüsant; noch vor der Mitte wird es (insbesondere im kriecherischen und teilweise schon lächerlich anbiedernden Tonfall, mit dem die katholische Internatswelt dargestellt wird) ein wenig ärgerlich, am Ende war es nur noch langweilig. Einigermaßen vorsichtig habe ich das Buch gebraucht erworben - selbst der dadurch niedrige Preis war noch zu viel.
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am 8. März 2015
Eine wunderbare Geschichte über die Alpen, das Glück und die Tage voller Mückenspray. Herrlich zarte Urlaubslektüre, die ich immer wieder verschlinge wie einen Faschingskrapfen. Schwierig war es daher für mich nicht, die versteckten kleinen Botschaften zwischen den Zeilen zu lesen, die der Autor mit Witz und und einem zarten Augenzwinkern immer wieder hineinfetzt. Der Mord im sechsten Kapitel passiert dennoch unerwartet. Rotkäppchengleich stürzt Maria sich in ihr Unglück, und niemand vermag es, sie zu retten. Doch am Ende wird alles gut und die Familie findet endlich zusammen. Alles möchte ich hier aber nicht verraten, das wäre zu viel des Guten. Spaßig ist auch die gelungene Stickersammlung als extra Extra für die lieben Kinder, die in diesem Buch wohl sonst keine Zerstreuung finden. Fazit: Schön auch am Abend vor dem Kamin zu lesen
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Februar 2013
Dieser Krimi zeugt von einem großen Talent sowohl inhaltlich als auch sprachlich und strukturell - allerdings mit der Einschränkung, dass der im Nachwort so gelobte Helfer in Dialektsachen dieses Lob ganz einfach nicht verdient. Auch wenn definitiv auf eine Kunstsprache hingewiesen wird, so fehlt dieser Person jegliches phonologisches Gespür!
PA
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Juli 2015
... und das ist ja eigentlich nichts Verkehrtes. Vea Kaisers Roman lässt sich auch gar nicht schlecht an mit den Ereignissen in einem abgelegenen Alpendorf, die Sprache liest sich flüssig, leicht und locker, man freut sich als Leser auf eine unterhaltsame Lektüre einer Geschichte mit grotesk-skurrilen Einfällen. Spätestens nach hundert Seiten stellte sich bei mir jedoch Skepsis ein, die sich im weiteren Verlauf der Lektüre auch bestätigte: Der Handlung fehlen sehr schnell die originellen Einfälle; die Sprache ist zwar flott, aber auch völlig gesichtslos; das Skurrilste am Buch sind die Rezensions-Zitate auf dem Backcover. Hauptproblem: Die Figuren bleiben Stereotypen und reine Ansammlungen von Eigenschaften, sie werden nie zu runden Personen und haben mich durchweg kalt gelassen. Dazu trägt auch bei, dass immer wieder Figuren als wichtige Handlungselemente eingeführt werden, dann aber plötzlich aus dem Roman verschwinden. Auch weitere Schwächen sind typische Kennzeichen eines jugendlichen Debütromans; vor diesem Hintergrund ist der Dank der Autorin an ihre "Power-Lektorin" (!!!) sehr fragwürdig, denn die Aufgabe des Lektorats wäre es doch gerade gewesen, auf solche Schwächen hinzuweisen.
Übrigens wäre hier eigentlich eine Drei-Sterne-Rezension für einen doch recht nett und harmlos geschriebenen Roman angebracht. Leider muss man aber auch den Literatur-Rummel mitbewerten, der um "Blasmusikpop" veranstaltet wird und den die Autorin offenkundig in bestürzender Naivität mitmacht. Wenn man wissen will, wie der Hype entstanden ist und warum gerade männliche Kritiker fortgeschrittenen Alters jegliche kritische Distanz verlieren, der schaue sich (wie schon in einer sehr treffenden Rezension hier empfohlen) den Vea Kaiser-Beitrag in "druckfrisch" (ARD) an.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Januar 2013
Der ungewöhnliche Titel des Buchs reizt schon ein wenig: Blasmusikpop. Zwei Welten treffen aufeinander und vereinen sich doch. Die Geschichte wird von der jungen Autorin mit einem Schmunzeln erzählt und ist durchaus als Satire zu sehen. Vorurteile werden aufgenommen und Klischees gepflegt, alles mit dem passenden ironischen Unterton.

Die Geschichte erzählt chronologisch die Ereignisse in einem einsamen Bergdorf, welches sich quasi von der Außenwelt abschottet. (Nicht so ganz, denn moderne Errungenschaften erreichen das Dorf schon - früher oder später.) Zwei Erzählstränge laufen gleichsam aufeinander zu, das "echte" Leben und eine geschichtliche Betrachtung, frei nach dem Motto "Es war schon immer so."

Zugegeben, nach der Hälfte des Buchs befand man sich bereits im Jahr 2010 und kannte rund 40 Jahre der Dorfgeschichte. Man rätselt, was nun noch kommt, aber das Weiterlesen lohnt sich nicht nur, sondern fesselt einen an das Buch. Es ist spannend und kurzweilig und lustig geschrieben. Durch die (verständlichen) Mundarteinlagen wirkt es authentisch. Aus dem Inhalt soll sicherheitshalber hier nichts angegeben werden, man muss es einfach selbst lesen.

Auch wenn das Buch nicht unbedingt zu meinem üblichen Genre gehört, es ist absolut lesenswert. Eine Schmunzelsatire wäre vielleicht eine bezeichnende Gattung.

Das Buch kann durchweg empfohlen werden!
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am 24. Juli 2015
Das ist mal wieder ein Buch bei dem man am Schluss denkt: schade, das hätte noch ganz lange so weiter gehen können. In diesem Buch "wohnen" jede Menge liebenswerter Individuen. Wir begleiten die Hauptperson, Johannes A. Irrwein durch Kindheit und Schulzeit bis zum Abitur und lernen dabei sehr skurrile Typen kennen, die es ihm, dem Außenseiter, teilweise recht schwer machen. Er passt nicht so recht in diesen abgelegenen Ort in den Bergen. Wir erleben aber wie er sich langsam durchsetzt und auf seine Art heimisch wird. Das Buch ist mit viel Humor und einem tiefen Blick in menschliche Schwächen ausgestattet.
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