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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schonungslose Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse!, 4. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen (Broschiert)
Der Autor beschreibt in einer überraschend detaillierten Art, was sich tatsächlich für Machenschaften, Lügen und Illusionen im Zusammenhang mit Arzneimitteltherapien, unter den Augen aller Beteiligten, u.a. auch der Politik und Regulierungsbehörden, abspielen. Leider klingt es für viele Außenstehende manchmal so unglaubwürdig, weil es nicht sein darf, was da passiert, dass vieles als übertriebenes Horrorszenario abgetan werden wird. Nur wenn auch "neutrale" Politiker und Vertreter von Regulierungsbehörden (gibt es die?) sich durch die Lektüre dieses Buches dieser Realität bewusst werden und danach handeln würden, wäre es mehr als nur ein spannender Roman mit Verschwörungstheorien.
Fazit: selten so eine reale Auflistung von Fakten gelesen, die leider, obwohl im Vorwort als mit abgedeckt gesehen, für viele Nicht-Fachleute zu abgehoben sein werden.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fundierte und verständliche Erklärung des Themas, 20. September 2013
Von 
Johannes Link (Heidelberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen (Broschiert)
Der Autor (und der Übersetzer) verstehen es, die Problematik deutlich zu machen ohne zu sehr in statistische Details abzudriften. Für meinen Geschmack werden manche Punkte zu oft wiederholt, aber dann vergisst man sie schon nicht. Wer sich über die Lobby der Homöopathie aufregt, muss sich nach diesem Buch mindestens so sehr über Pharma-Industrie und Pharma-nahe Ärzte und öffentliche Einrichtungen empören.
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, 9. August 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen (Broschiert)
Mit der "Wissenschaftslüge" hatte Ben Goldacre 2009 das Licht der Literaturwelt erblickt. Damals hatte er vor allem Quacksalber, Pillendreher und sonstige Pseudowissenschaftler unterhaltsam aufs Korn genommen und eine Lanze für die evidenzbasierte Medizin gebrochen.

In der "Pharma-Lüge" lernen wir nun, dass auch in dieser vieles, sehr vieles im Argen liegt. Ben Goldacre führt uns ein Gesundheitswesen vor, das von den Geschäftsinteressen der Pharmaindustrie gesteuert wird und das Wohl der Patienten weitgehend aus den Augen verloren hat. Hier einige Gründe für dieses Desaster:

Die medizinischen Testreihen, in denen neue Medikamente an Versuchspersonen und Patienten ausprobiert werden, werden ganz überwiegend von der Pharmaindustrie finanziert und kontrolliert. Das führt nicht nur dazu, dass systematischen und statistischen Manipulationen, die gewünschte Effekte übertreiben und unerwünschte Nebenwirkungen herunterspielen, Tür und Tor geöffnet wird, sondern dass ganze, für das betreffende Medikament weniger schmeichelhafte Testreihen überhaupt nicht veröffentlicht werden. Es fehlen daher die Erkenntnisse aus mindestens der Hälfte aller Untersuchungen, Erkenntnisse, für die Versuchspersonen und Patienten ihre Gesundheit, wenn nicht gar ihr Leben riskiert hatten.

Auch die Fachzeitschriften, in denen diese Testreihen veröffentlicht werden, sind finanziell von der Pharmaindustrie abhängig: Ein Unternehmen, dass teure Anzeigen schaltet, wird man tunlichst nicht mit Artikeln verprellen, die unschöne Nebenwirkungen eines seiner Superprodukte zum Thema haben. Und die Zeitschriften tolerieren weiterhin stillschweigend das Ghostwriterunwesen, bei dem die Koryphäen von den Unikliniken zu den veröffentlichten Artikeln kaum mehr als ihren Namen beitragen.

Für Marketing gibt die Pharmaindustrie etwa doppelt so viel aus wie für Forschung und Entwicklung. Dabei handelt es sich z. B. die "Weiterbildung" von Ärzten in 5-Sterne-Resorts an den schönsten Orten dieser Welt, aber auch um die Heerscharen von Pharmavertretern, die Ärzte mehr oder weniger nachdrücklich (und nachgewiesenermaßen sehr erfolgreich) von den Vorzügen ihres Sortiments überzeugen. Hier steht das Ziel der Industrie, ihre Produkte möglichst teuer zu verkaufen und ihren Aktionären Freude zu machen, in klarem Konflikt mit dem Interesse des Patienten, die beste Behandlung zu bekommen, und auch mit dem Interesse der Krankenkassen, das Geld der Versicherten nicht für neue, teurere Medikamente zu verschleudern, die nicht besser sind als die Generika, die sie ersetzen sollen.

Es gibt inzwischen in vielen Ländern halbherzige Ansätze, all diese Praktiken durch geeignete Regelungen zu einzudämmen, aber selbst diese werden von den zuständigen Behörden bisher kaum oder gar nicht nicht umgesetzt.

Das Beunruhigendste ist aber, dass praktisch alle Medikamente, die heute verschrieben werden, mit diesen höchst evidenzverfälschenden Methoden auf den Markt gebracht wurden. Es wäre für die Beteiligten also nicht damit getan, sich ab sofort ethisch und juristisch korrekt zu verhalten, sondern es muss alle Evidenz der Vergangenheit auf den Tisch, die jetzt noch unter Verschluss gehalten wird. Überhaupt ist die "Pharmalüge" voller Vorschläge, wie Abhilfe geschaffen werden kann, und auch uns Lesern, ob wir nun Ärzte und Patienten oder Verantwortliche der Pharmaindustrie sind, gibt Goldacre zu jedem Thema konkrete Ratschläge, wie wir dazu beitragen können, diesen übelriechenden Sumpf trockenzulegen: Wenn wir nichts tun, werden sich "die da oben" nicht bewegen.

Für den leidlich informierten Leser ist nicht alles, was hier zusammengetragen wurde, neu und überraschend, aber als hervorragend recherchiertes und vorzüglich geschriebenes Kompendium für die Missstände bei Entwicklung und Anwendung von Medikamenten ist die "Pharmalüge" wohl einzigartig. Ohnehin macht die Tatsache, dass so vieles allgemein bekannt ist, sich aber trotzdem kaum etwas ändert, alles eigentlich noch viel schlimmer.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ungeschminkte Betrachtung, 26. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen (Broschiert)
„Trotz der vielen Reformen im Gesundheitssektor: Es ist alles im Kern, wie es immer war, auch wenn man uns weismachen will, dass die Missstände überwunden und Geschichte sind.“

Missstände, die Ben Goldacre zum Thema seines Buches macht, allerdings nicht einfach in polemischer Form und nicht mit der Absicht, die Pharmaindustrie „auszutilgen“. Eher kann man Goldacre als einen konstruktiven Kritiker betrachten, der die Pharmaindustrie gerne in guter Weise an der Seite der Menschen wüsste (ohne dass dabei kein Geld mehr verdient werden würde, dieses unternehmerische Ziel behält Goldacre durchaus mit im Blick).

Aber, so könnte man sagen, nicht auf dem gängigen Weg, der sich in weiten Teilen nicht vor den Augen der Menschen abspielt und sich, wenn überhaupt ein Statement zu erhaschen ist, hinter komplexer Sprache und für Laien unverständliche Erläuterungen verbirgt.

Hier hat das Buch eine seiner großen Stärken. Goldacre als Mediziner versteht es, in sehr verständlicher Form, dem Leser vor Augen zu führen, dass es der und in der Pharmaindustrie reinweg ums Geschäft geht. Das Wohl der Menschen, der Patienten spielt da nur eine Nebenrolle. Neue Medikamente, neue „Goldgruben“, das alles unterstützt durch wohlklingende Forschungsergebnisse, vielfach Lüge, wie Goldacre sorgfältig recherchiert und in vielen seiner Darstellungen nachprüfbar darlegt.

Das alles unter der Prämisse Goldacres, „dass eine bessere Medizin erreicht werden kann – wenn wir nur wollen“. Und damit den Duktus seines Buches bereits vorgibt. Dass nämlich eine „gute Medizin“ durch die aktuelle Form der Arbeit und des Verhaltens der Pharmaindustrie nicht gegeben ist. Und das nicht nur in Ausnahmen nicht, sondern fast als „Geschäftsmodell“, wie Goldacre nicht müde wird, an vielfachen Beispielen zu belegen.

„Warum zwingen uns einerseits die Gesetze, uns anzuschnallen, nicht passiv zu rauchen ......... und warum kümmern sie sich andererseits so wenig um unsere Sicherheit, wenn wir Medikamente einnehmen“? Hinter dieser Frage verbirgt sich der eigentliche Adressat Goldacres (neben dem „normalen“ Bürger und Leser). Gesetzliche Regelungen sind es, die er vermisst und die der Pharmaindustrie weitgehend freie Hand lassen für ihr „schmutziges Spiel“ mit der Gesundheit im Dienste der Rendite.

Ärzte beeinflussen, Studien manipulieren, den Nutzen übertreiben, Nebenwirkungen glattweg verschweigen oder mit einer passenden Studie „aus dem Weg räumen“, dieses System der Pharmaindustrie prangert Goldacre an und führt auf den knapp 450 Seiten des Buches mannigfaltige, konkrete Beispiele auf, aus denen er die zu Grunde legende Linie und Haltung ableitet und beschreibt. Wobei Goldacre ebenso den Finger in die Wunde der Rendite legt und durchaus auch Verständnis (nicht für die Handlungen, aber die Haltung) bekundet. Da Pharmaunternehmen keine karitativen Einrichtungen sind, sondern in der Mehrzahl Aktiengesellschaften, wird die einseitig rein wirtschaftliche Ausrichtung verständlich (wenn auch nicht in ihren Folgen tolerierbar). Nur ein klarer, gesetzlicher Rahmen bietet hier in den Augen Goldacres einen „Weg aus der Krise“. Vor allem eine Trennung von Pharmaindustrie und Studienbeauftragung. Es kann ja nicht sein, dass die Durchführung von Studien just von jenen Firmen verantwortlich durchgeführt wird, die ein hohes wirtschaftliches Interesse an Ergebnissen der Studien in eine ihnen genehme Richtung haben.

Insgesamt ein aufrüttelndes, sehr fachkundiges und klares Buch, das ein wichtiger Schritt hin zum mündigen Bürger gegenüber der Pharmaindustrie darstellt. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch nicht, wie so viele andere, nur kurzfristig wirkt, sondern gerade an verantwortlichen politischen Stellen Lehren aus dieser überzeugenden Darstellung gezogen werden.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bad Pharma, 17. November 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen (Broschiert)
Seit kurzem ist der 13. ACE-Hemmer auf dem Markt, ohne erkennbaren Zusatznutzen im Vergleich zu den 12 anderen. Hierbei mögen sich Viele fragen, warum nicht sinnvollere neue Arzneimittel entwickelt werden. Ärzte treffen täglich Therapieentscheidungen und Apotheker sollen Kunden und Patienten kompetent beraten, während sie ständig mit beschönigenden „Informationen“ aus den Marketingabteilungen der Pharma-Firmen überhäuft werden. Ganzseitige Anzeigen in der Fachpresse wie der Dt. Apotheker Zeitung werben mit Versprechungen für Produkte, die bei genauerem Hinsehen sehr fragwürdig sind. Beispiel Endwarts®, ein Warzenmittel: „92% Wirksamkeit bei 1x wöchentlichem Betupfen“, so das großformatige Versprechen. Schaut man sich die in der Anzeige zitierte indische Studie aus dem Jahr 2001 näher an, so stellt man fest, dass sie von äußerst schlechter Qualität war und die Warzen beispielsweise nicht nur betupft wurden, sondern die Substanz mehrheitlich in die Warze gespritzt wurde! Eine neuere, ähnlich dubiose persische Studie von 2010 wird gar nicht erst als Wirksamkeitsbeweis herangezogen. Durch die Zulassung des Mittels als Medizinprodukt umging der Hersteller bewusst die strengeren Anforderungen des AMG zum Wirksamkeitsnachweis. Wieder mögen sich Manche fragen, nach welchen Kriterien die Zulassungsbehörden eigentlich arbeiten oder die Aufsichtsbehörden, die die Arzneimittel- und Medizinprodukte-Werbung überwachen. Wie (un-)effektiv setzen wir unsere intellektuellen und finanziellen Ressourcen für unsere Gesundheit ein?
Diesen Fragen geht der Arzt und Wissenschaftsjournalist Ben Goldacre neben anderen in seinem neuen Buch „Die Pharma-Lüge“ nach. Wie in seinem letzten Buch „Die Wissenschaftslüge“ setzt er sich auch hier wieder entschieden, fundiert und doch leseleicht für eine wirksame, transparente und wirtschaftliche Arzneimitteltherapie ein, die auf wissenschaftlichen Füssen steht. Während er jedoch mit seinem vorigen Buch vorwiegend die alternative Therapieszene wie die Homöopathie aufs Korn nahm, so hat er jetzt den gesamten medizinisch-industriellen Komplex im Visier. Aber anders als der Titel suggerieren mag richtet sich sein Augenmerk nicht ausschließlich auf die Pharmaindustrie als den Bösewicht und die Urheberin einer unzulänglichen und überteuerten Arzneimitteltherapie. Dies wird schon im ersten großen Thema des Buches deutlich, bei dem es um die öffentliche (Un-)zugänglichkeit von Daten aus klinischen Studien geht. Möchte ein Arzt oder Apotheker sich ein umfassendes Bild über die Wirksamkeit, Sicherheit und Unbedenklichkeit einer bestimmten Therapie machen, so stellen sich ihm nicht wenige Hürden in den Weg. Angefangen bei Wissenschaftlern, die aus vielerlei Gründen ihre Ergebnisse nicht vollständig in Fachzeitschriften publizieren über Ethik-Kommissionen, die nicht jeder sinnvolle Studie ihren Segen geben, über die Fachzeitschriften, die nach wie vor lieber positive und bahnbrechende Ergebnisse publizieren bis hin zu den Zulassungsbehörden, die die ihnen zur Verfügung stehenden Studiendaten nicht in ausreichendem Maße zugänglich machen und deren Entscheidungsprozesse nicht transparent sind. Und da sind natürlich noch die pharmazeutischen Hersteller, die es sehr gut verstehen, ihre Produkte im bestmöglichen Licht erscheinen zu lassen bzw. unerwünschte Ergebnisse unter Verschluss zu halten. All dies führt laut Goldacre dazu, dass nur etwa die Hälfte aller klinischen Studien überhaupt publiziert werden und diejenigen mit negativem Ergebnis nur halb so oft wie diejenigen mit erwünschten Resultaten. Letzteres trifft – wenig überraschend - insbesondere auf Studien zu, die von den jeweiligen Herstellern der untersuchten Präparate gesponsert sind.
All diese Hürden, wie wir zu dem Wissen gelangen, was denn nun die beste Therapie für ein bestimmtes Leiden darstellt, beschreibt Goldacre nicht zum ersten Mal. Aber zum einen kann er sehr unterhaltsam und fesselnd beschreiben, ohne die Fakten aus dem Blick zu verlieren. Zum anderen zeigt er auf, was zur Lösung dieser Probleme schon getan wurde, und vor allem noch getan werden müsste. Er führt beispielsweise aus, dass der US-amerikanische Gesetzgeber 2007 beschlossen hat, jede Studie mit Arzneimitteln an Menschen müsse in einer Datenbank (clinicaltrials.gov) registriert und innerhalb eines Jahres publiziert sein, andernfalls drohten Strafgebühren. 5 Jahre später wollte eine Forschergruppe wissen, ob diese an sich hehren Ziele umgesetzt wurden und fand, dass bis dahin lediglich eine von 5 Studien diese Kriterien erfüllte. Goldacre begrüßt solche Ansätze trotz ihrer Unzulänglichkeiten und Halbherzigkeiten, denn eines ist für ihn absolut unabdingbar, um zu einer wirklich evidenzbasierten Medizin zu gelangen: Transparenz. Dieser Begriff zieht sich durch sein Buch wie ein roter Faden ebenso wie ein zweites Thema, die Interessenskonflikte. Interessenskonflikte verhindern Transparenz und damit die Aneignung und Umsetzung unseres im Prinzip vorhandenen, gesamten medizinischen Wissens. Interessenskonflikte werden nach wie vor zu wenig deklariert– etwa von Herausgebern medizinischer Fachzeitschriften, Ärzten in Praxis und Klinik, universitären Einrichtungen und natürlich der pharmazeutischen Industrie. Gerade der Einfluss letzterer nimmt wie nicht anders zu erwarten einen Gutteil des Buches ein. Beim Lesen der vielen, häufig durch Gerichtsverfahren wie etwa zu den unlauteren Marketing-Methoden von Neurontin® zwangsweise ans Licht der Öffentlichkeit gelangten Details kann einem Angst und Bange werden angesichts der Macht und den daraus folgenden Manipulationsmöglichkeiten der Arzneimittelhersteller. Allein, dass die Pharmaindustrie etwa doppelt so viel für Marketing wie für Forschung und Entwicklung ausgebe, zeige, so Goldacre, wie ständig unser Wissen über Therapiemöglichkeiten verzerrt werde. Dass dies auch die Preise in die Höhe treibt, beschreibt der Autor in seinem Buch in einem seiner Kernaussagen. Demnach enthalte der Preis eines Arzneimittels etwa 25% Marketing-Kosten. Wir bzw. die Krankenkassen bezahlten diese mit und also einen überhöhten Preis, um die Werbung der Pharma-Firmen zu finanzieren. Dieses Geld werde dann dazu verwendet, evidenzbasierte Therapieentscheidungen durch eben diese Werbung zu hintergehen, was die Arzneimittel wiederum teurer und uneffektiver mache.
Sir Iain Chalmers, Mitbegründer der angesehenen Cochrane Collaboration, erteilte Ben Goldacre bereits für sein letztes Buch seinen Segen. Das Urgestein der evidenzbasierten Medizin Chalmers spart auch nicht mit Lob für Goldacres neues Buch. Und dies, obwohl schon andere namhafte und kompetente Autoren wie beispielsweise Jerry Avorn, Professor für Medizin an der Harvard Medical School und die ehemalige Herausgeberin des renommierten New England Journal of Medicine, Marcia Angell, aufrüttelnde Bücher zum Thema verfasst haben („Powerful Medicines“, erschienen 2005 nur auf Englisch und „Der Pharma Bluff“, erschienen auf Deutsch 2005). Dem Leser oder der Leserin mag im Unterschied zu diesen die Entschlossenheit und die aufrichtige Kampfeslust Goldacres auffallen, die ein Kritiker des Buches im British Medical Journal so beschreibt: „So eindrücklich „Bad Pharma“ ist, es ist lediglich das neueste Buch über das Fehlverhalten der Industrie, wobei alle Bücher es bisher geschafft haben, bei ihrem Leserkreis eine gewisse Empörung hervorzurufen. Aber keines hatte eine größere Reform zur Folge. Das ist es, wo Goldacre einen bedeutenden Unterschied machen könnte“. Dies ist Goldacre und seinem Buch unbedingt zu wünschen, und zwar am besten, bevor der 14. ACE-Hemmer auf den Markt kommt und auch damit solch irreführende Werbeanzeigen wie eingangs erwähnt der Vergangenheit angehören.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Realistisches Bild der Branche, 13. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen (Broschiert)
Ich habe das Orginal "Bad Pharma" gelesen und nun erfahren, dass es auch auf Deutsch erscheint.

Das Buch gehört zu den Besten, die ich im letzten Jahr in den Händen hielt. Goldacre schreibt sehr erfrischend und manchmal sogar erheiternd satirisch, wobei er immer darauf bedacht ist seine Aussagen mit wissenschaftlichen Quellen zu belegen.

Dieses Buch ist angenehm frei von linker Polemik, die sich leider immer wieder bei kritischen Büchern & Sendungen findet. Es eignet sich für die leichte Urlaubslektüre ebenso wie als Faktenbuch für Branchenkenner.

Ein "must-read"!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ausgezeichnetes Buch!, 29. Dezember 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen (Broschiert)
Von einem Arzt aus England geschrieben, sehr solide und gründlich recherchiert.
Das Buch deckt fast die ganze Problematik: Fehlende oder geheimgehaltene Daten und Studien über Nebenwirkungen, ungünstige Ergebnisse, usw., mehr oder weniger rafiniert frisierte Studien (mit den konkreten Methoden dazu!), Finanzierung von Ärtze-Fortbildungen und Patientengruppen-Organisationen, Verbreitung von falschen Infos über die Produkte in den Fachmedien, Ghostwriting, "Kauf" von Ärzten, die als "Hauptmeinungsbildner" gelten, damit diese übertrieben günstige Vorträge über einen bestimmten Produkt halten und einige Skandale und Prozesse, vorwiegend in der USA. Warum das alles? Mehr Profit!

Fakten, Fakten, Fakten. Und ein grausames, tief beunruhigendes Bild der ganzen Gesundheitsbranche. Was nicht heißt, dass alle Ärzte koruppt und alle Pharma-Mitarbeiter "schlecht" wären. Nein, das nicht, aber viel schlimmer: Durch dieses System, das mehr oder weniger rund um den Globus so funktioniert, werden auch die "Guten" weitgehend hilflos und in die Irre geführt. Viele, ohne das mindestens zu wissen.

Das Buch ist ein Muss für jeden Medizinstudenten! Sehr interessant ist es für alle Menschen, je mehr Leute das wissen, desto besser für uns alle.
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4.0 von 5 Sternen Sehr aufschlußreich, 2. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Pharma-Lüge: Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen (Broschiert)
Der Autor (Ben Goldacre) hat sich bei den Recherchen viel Mühe gegeben, aber muss er in den ersten 3 Kapiteln immer wiederholen, befor er die Fakten auf den Tisch legt?
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