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116 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irre gut
Was kann es Spannenderes geben als auf dem Gelände einer riesigen Jugendpsychiatrie aufzuwachsen, nicht als Patient, sondern als Sohn des Direktors? Von klein auf lernt man, die Abweichung von der Norm als ganz normal zu empfinden, zumal dann, wenn auch in der eigenen Familie einiges aus dem gutbürgerlichen Ruder läuft. Und auch der Erzähler war ein...
Vor 22 Monaten von Felix Richter veröffentlicht

versus
22 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht so begeistert
Ich-Erzähler Joachim wächst auf dem Gelände der Jugendpsychiatrie von Schleswig auf, sein Vater ist der Direktor der Anstalt. Joachim erzählt vom täglichen Kampf mit seinen beiden älteren Brüdern, von seinem als Vorbild dienenden Vater und von seinem naiv-freundlichen Beziehung zu den Insassen der Anstalt. Mit zunehmenden Alter entpuppt...
Vor 21 Monaten von koanmi veröffentlicht


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116 von 122 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irre gut, 16. Februar 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
Was kann es Spannenderes geben als auf dem Gelände einer riesigen Jugendpsychiatrie aufzuwachsen, nicht als Patient, sondern als Sohn des Direktors? Von klein auf lernt man, die Abweichung von der Norm als ganz normal zu empfinden, zumal dann, wenn auch in der eigenen Familie einiges aus dem gutbürgerlichen Ruder läuft. Und auch der Erzähler war ein Intensivkind, das weder stillsitzen noch seine Emotionen kontrollieren konnte und damit heute ein heißer Ritalinkandidat wäre.

Joachim Meyerhoffs sprachgewaltiger Roman steht unter dem Motto "Erfinden heißt Erinnern". Der kleine Joachim begreift schon sehr früh, dass ein Erlebnis beim Erzählen immer neue Formen annimmt und dass dabei manchmal auch längst Verschüttetes wieder zum Vorschein kommt, und so ist auch eine Autobiographie durchaus formbar.

Es gelingt dem Autor mit genialer Leichtigkeit, in die Rolle des Kindes zurückzuschlüpfen und uns an seinem Vergnügen und seinen Ängsten teilhaben zu lassen. Wir leiden mit ihm, wenn er von seinen großen Brüdern drangsaliert wird, und wundern uns, dass die Eltern dies einfach geschehen lassen, und trotzdem müssen wir immer wieder laut lachen. Nicht nur die Irren können rasend komisch sein (wie anders als respektlos kann man das aus Kindersicht auch beschreiben?), auch die Nichtirren haben ihre Eigenheiten. Und manches geht derart unter die Haut, dass es eigentlich weder erfunden (wie kann man jemandem sowas andichten??) noch wahr sein kann (wie kann man sowas ausplaudern??).

Zwischen all der spielerischen Heiterkeit deutet sich schon bald eine tragische Entwicklung an. Erst trifft es andere wie die asoziale Nachbarsfamilie, die jämmerlich zugrunde geht, dann die eigene Familie. Die Ehe der Eltern zerbricht, was die Kinder nur als hilf- und fassungslose Zeugen erleben, und am Ende "fliegen alle Toten hoch". (So wie Joachim Meyerhoff das Sterben seines Vaters beschreibt, ist dringend davon abzuraten, das Buch jemals einem Krebskranken in die Hände zu geben.) Trotzdem ist das Ende eher versöhnlich. Die tragischen Ereignisse führen zu einer vorsichtigen Annäherung innerhalb der Familie, und wir legen das Buch in der Hoffnung aus der Hand, dass alles wieder so werden könnte, wie es nie war.

P.S. Ich habe übrigens "Alle Toten fliegen hoch: Amerika" noch nicht gelesen, hatte aber bei der Lektüre von "Wann wird es endlich..." nicht das Gefühl, dass das zum Verständnis nötig gewesen wäre.
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63 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen heiter ... aber nicht nur, 7. März 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe den ersten Roman von Meyerhoff "Alle Toten fliegen hoch" noch gut in Erinnerung. Soviel Komik und Tragik und so nahe bei einander. Als ich den Nachfolger "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" entdeckte, griff ich sofort zu und tauchte ein in Josses Welt auf dem Gelände der "Irrenanstalt". Joachim Meyerhoff ist ein glänzender Unterhalter mit enormen Sprachwitz. Der Erstling erschien mir etwas geschlossener von der Rahmenhandlung, während der Nachfolger assoziativer erscheint. Auch der Spannungsbogen des Romans erschien mir bei "Alle Toten" gekonnter. Dennoch entfaltet der neue Roman einen Sog und man folgt amüsiert von Seite zu Seite und von Kapitel zu Kapitel. Ich mag die Gliederung in Kapitel mit Überschriften. Viele kleine Dramen, manchmal auch größere, die immer auch eine heitere Seite haben. Zum Schluss, wenn es ans Sterben geht, wird es deutlich ernster. Beeindruckend ist der liebevolle Ton, ohne je kitschig pathetisch zu werden. Beeindruckend ist auch, dass der Erzähler trotz allem eine kritische Distanz wahren kann und dass jeder trotz gravierender Schwächen nie seiner Würde beraubt wird. Das ist die eigentliche Kunst dieses Autors. Ich frage mich immer mal, wie viel ist Autobiographie und wieviel ist Fiktion, aber eigentlich ist es unerheblich. Ich freu mich schon jetzt auf das nächste Buch. Das wird vermutlich ganz anders als die beiden Vorgänger, die irgendwie wie aus einem Guss erscheinen. Ich bin schon sehr gespannt.

PS: Man kann m.E. beide Bücher unabhängig voneinander oder in beliebiger Reihenfolge lesen.
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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glückliche Kindheit trotz Widrigkeiten aller Art, 13. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
Joachim Meyerhoff hat ein Erinnerungsbuch der ganz besonderen Art geschrieben.
Er ist als Sohn des Anstaltsdirektors eines Landeskrankenhauses für Kinder –und Jugendpsychiatrie in Schleswig aufgewachsen.
Das Krankenhaus war Mitte der siebziger Jahre noch neu und wurde vom damaligen Schleswig - Holsteinischen Ministerpräsidenten Stoltenberg besucht. Alleine die Schilderung dieses Besuchs ist eine zum Lachen komische Geschichte.

Der muntere Icherzähler, zu Beginn ein kleiner Junge, weiß die schönsten und sehr anrührenden Geschichten von den Kranken, von seinem Vater, den zwei Brüdern und sich selbst zu erzählen. Die Mutter gilt als Medium ausgleichender Gerechtigkeit und Güte und spielt eine ebenso große Rolle wie der freundliche Vater, der an seinem eigenen Gewicht und seinen Gesundheitsbemühungen im buchstäblichen Sinne schwer zu tragen hat.

Die ganze Geschichte wird in einem drolligen Tonfall mit vielen skurrilen Einzelheiten erzählt.

Bubenstreiche, Querelen unter den drei Brüdern und der liebenswerte Hund der Familie bieten in ihrem lockeren Umgangston Anlass, sich wirklich zu amüsieren. Auch die selbstironischen Betrachtungen sind allemal ein Schmunzeln wert. Die beiden älteren Jungs sind immer schon ein Stück voraus und lassen den Kleinen zuweilen frustriert zurück. Letzterer allerdings neigt zu unwahrscheinlichen Wutausbrüchen, wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht.

Vier Jugendlich Anstaltsbewohner dürfen zum Geburtstag des Vaters erscheinen. Das enttäuscht die Mutter sehr, die überhaupt reichlich zurückstecken muss hinter den Wünschen ihres Mannes. Sie hätte doch so gerne einmal "richtigen" Besuch! Aber man macht das Beste draus, spielt, amüsiert sich und neckt einander.

Eine nette Familie ist da notgedrungen Mitbewohner in der psychiatrischen Anstalt. Der Vater ist ganz offensichtlich ein guter Anstaltsdirektors und zu Hause auch ein liebevoller Vater. Dass er es mit der Treue zu seiner Frau nicht so ganz genau nimmt, spielt erst im Verlauf der Geschichte eine ernsthafte Bedrohung für das glückliche Familienleben.

Über weite Teile ist die Geschichte locker und leicht erzählt und immer eine Spur humorvoll verbrämt. Erst zuletzt wechseln die fröhlichen Zeiten, und heftige Familienereignisse führen zur Auflösung einer in Ansätzen glücklichen Kindheit und Jugend.

Während der längere erste Teil des Romans durchaus als Jugendbuch durchgehen könnte, wird es im zweiten und ernsten Teil schicksalhaft bis traurig. Es folgen Einbrüche in den Familienalltag, die nicht zu erwarten waren. Sie haben tragische Folgen und zeigen, wie das Leben mit zunehmendem Alter und mit den Wechselfällen des Lebens seine Unbeschwertheit und die heitere Zuversicht verliert. Joachim Meyerhoff kann die Fröhlichkeit und den Ernst in einer unnachahmlich natürlichen Weise zum Klingen bringen. Sehr deutlich, Anteil nehmend und betroffen beschreibt er den Tod seines Vaters. Der in weitem Bogen ausholende Lebenskreis erschließt sich einem witzig, fröhlich, traurig, melancholisch und liebevoll zugleich.

„Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war!“
Damit ist treffend beschrieben, wie es wohl so manchem in der Rückerinnerung vorkommen mag: denn oft täuscht die Erinnerung und blendet aus, was schon viel früher hätte spürbar sein können!

Joachim Meyerhoff ist Schauspieler und wurde mit zahlreichen Preisen bedacht.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überraschend, 20. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
Joachim Meyerhoff ist ein nicht unbekannter Theaterschauspieler. Seine Kindheitserlebnisse verarbeitete er in einem 6-teiligen Theaterzyklus, der großen Anklang beim Publikum fand. Der erste Teil dieser Reihe „Alle Toten fliegen hoch“ erschien 2011 bei Kiepenheuer & Witsch. „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ ist der zweite Teil und erschien 2013 in Buchform.

Vorab muss ich anmerken, dass ich den ersten Teil nicht gelesen habe, dies aber meiner Meinung nach auch nicht notwendig ist. Ich habe nicht das Gefühl gehabt, etwas nicht zu verstehen oder Vorwissen zu benötigen.

In „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ erzählt Meyerhoff die Erlebnisse seiner frühen Kindheit sehr ausführlich und stärker zusammengefasst auch die Erinnerungen an seine Jugend und das junge Erwachsenenalter. Aufgewachsen als jüngster von drei Söhnen lebt er mit seinen Eltern auf dem Gelände der Psychiatrie „Hesterberg“ in Schleswig. Sein Vater ist der dortige Leiter und – wie Meyerhoff es beschreibt – ein wirklich ausgezeichneter Psychiater. Doch es wird schnell klar, dass seine Defizite im Umgang mit der Familie liegen, wobei der kleine Joachim das noch am wenigsten von allen Familienmitgliedern spürt.

Meyerhoff beschreibt in seinem Roman sowohl das Leben auf dem Klinikgelände – wobei er mit den Patienten vergleichsweise sehr wenig Kontakt hatte – aber auch das „ganz normale“ Leben innerhalb der Familie. Dabei vermischen sich die Erzählungen einer ungewöhnlichen Kindheit, die unter dem Eindruck eines ganz anderen Verständnisses von „normal“ steht und die viele ungewöhnliche Ereignisse in sich birgt, und die Erzählungen ganz normaler Pubertäts- Erlebnisse, die jeder Junge so erlebt haben könnte, auch wenn er in einem anderen Umfeld aufgewachsen wäre.

Dadurch hat mir ein wenig der rote Faden im Buch gefehlt. Es war keine klare Struktur in den Erzählungen zu finden, mir war teilweise nicht klar, warum er einige Szenen mit in das Buch eingebunden hat, da sie mir fast belanglos erschienen und auf der anderen Seite die Erfahrungen mit den Patienten im zweiten Teil des Buches doch sehr kurz abgehandelt wurden. Dadurch wirkte der ganze Roman doch eher wie ein Kurzgeschichtenband mit Geschichten, die alle lose zusammenhingen – mal mehr, mal weniger.

Ich nehme an, dass es so gedacht war, dass in etwa der ersten Hälfte die Erlebnisse der Kindheit berichtet werden sollten und anschließend aufgezeigt werden sollte, was er aus diesen Erlebnissen gelernt hat und wie sie sein weiteres Leben beeinflussten, aber das kam für mich nicht wirklich rüber. Die zweite Hälfte konzentriert sich sehr auf die Familie und das war zwar toll zu lesen, hätte für mich aber auch der Inhalt eines anderen Buches sein können. Der Verlust des Bruders und schließlich des Vaters ist so gut erzählt, dass ich gerne mehr darüber gelesen hätte. Vor allem hätte die Aussöhnung mit dem Vater, die stattfinden musste, obwohl es zuvor gar keinen Streit, lediglich eine Belastung der Seele, gegeben hatte, einen größeren Raum einnehmen können. Ich hätte aber auch gerne mehr über den direkten Kontakt mit den Patienten gelesen. In dem Buch werden im Prinzip nur zwei „Spotlights“ auf zwei bestimmte Patienten geworfen, zu denen der junge Joachim („Josse“) Kontakt hatte, aber eben solche Erinnerungen hätte ich in der Breite des Buchs erwartet.

Die Perspektive des kleinen Jungen war auf jeden Fall gut gewählt. Der eigentlich sehr voyeuristische Blick auf die Patienten des Vater wurde so abgemildert und in dieser Perspektive wirkt auch der „political correctness“ entgegen und es darf durchaus auch Negatives über die Psychiatrieinsassen gesagt werden, was in dieser Form aus Erwachsenensicht vielleicht möglich gewesen wäre. Trotzdem werden die Erlebnisse recht distanziert beobachtet, was aber auch daher kommen kann, dass Josse eben alles als gar nicht weiter erwähnenswert und normal wahrnimmt.

Das Buch bleibt somit hinter meinen Erwartungen zurück – erfüllt aber mit der eigentlich recht traurigen, aber auch schönen Familiengeschichte andere, die ich gar nicht hatte. Ich spiele mit dem Gedanken, mir den ersten Teil vielleicht auch noch zu kaufen, um die Perspektive auf die Geschichte noch zu erweitern.

Auf jeden Fall ein interessantes Buch, das ich mir auf einer Theaterbühne auf Grund der fehlenden Struktur in der Handlung aber kaum vorstellen kann. Da das Buch ja aber auf dem Theaterstück basiert, muss es wohl irgendwie gehen und ich wäre sehr neugierig darauf, es irgendwann einmal inszeniert zu sehen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Durch die glückliche und wohlbehütete Kindheit hat ein Mensch Kraft und Empathie geschöpft für sein ganzes weiteres Leben, 5. September 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe schon lange nicht mehr ein solch gutes autobiographisch geprägtes Buch gelesen wie den hier vorliegenden für den Deutschen Buchpreis 2013 nominierten Roman des Schauspielers und Schriftstellers Joachim Meyerhoff über seine Kindheit als Sohn des Psychiatriedirektors der Schleswiger Psychiatrie in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Es ist die ungewöhnliche Geschichte einer Familie, die in einem Dienstgebäude mitten auf dem weitläufigen Gelände einer schon einhundert Jahre alten Psychiatrie steht. Einer Familie, in der der kleine Joachim, der sich in einem durchweg leichten und locker erzählten Stil erinnert, der jüngste ist. Es gibt noch zwei ältere Brüder, einen sympathischen Vater und eine liebevolle, ausgleichende Mutter.

Unzählige drollige Geschichten erzählt Joachim Meyerhoff aus einer glücklichen Kindheit inmitten von kranken und besonderen Menschen, die teilweise seine Freunde werden. Erst ab der Mitte des Buches, wenn auch Joachim so alt geworden ist, dass er gelernt hat, Zwischentöne wahrzunehmen, geraten Risse in das harmonische Familienbild, als er herausfindet, dass sein Vater wechselnde außereheliche Beziehungen unterhält.

Doch wie auch immer, man hat bis zum Ende, als der erwachsene Joachim noch einmal auf das völlig veränderte Gelände der Anstalt zurückkehrt und durch eine Scheibe des alten Wohnhauses sich als Siebenjährigen sieht und somit den Kreis der Erzählung schließt, immer den Eindruck, durch die glückliche und wohlbehütete Kindheit hat ein Mensch Kraft und Empathie geschöpft für sein ganzes weiteres Leben.

Das Buch steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und ich kann es als bewegende lebenskluge Lektüre nur empfehlen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen sehr offfen und ungeschminkt ehrlich erzählte autobiografische Kindheits- und Familienerlebnisse, 27. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch beginnt mit einer schlichten, manchmal banalen, leichten Erzählweise über lustige, unterhaltsame Kindheitserinnerungen als spaßige Kurzanekdoten und es gelingt zum Ende ein gewisses literarisches Niveau mit tragischen Resümee der Familiengeschichte. Erstaunlich ist die sorglose Offenheit über die familiären und lokalen Verhältnisse, über die der Autor autobiographisch berichtet. Die Situation in der psychiatrischen Anstalt spielt nur zu Beginn und am Rande eine Rolle, fragwürdig sind die humorvoll und grotesk aufgepeppten Einzelgeschichten.- Endlich ging die geschlossenen Faust, in der ich so viele Jahre gelebt hatte, wieder auf - das Fazit eines Familientrugbildes, oder auch nicht?
Der Hinweis zum frühzeitigen Einsatz von Morphium bei Krebs-Schmerzpatienten ist bemerkenswert.
Ansonsten fehlen wirkliche Tiefe und Hintergründe, es ist mehr ein Buch der oberflächlichen kurzweiligen Unterhaltung mit lustigen Pointen, aber mit persönlichen Lebensbekenntnissen eines kleinen Eulenspiegels. Man muss deshalb das Buch nicht in Grund und Boden kritisieren. Im Fazit wird eine wichtige Botschaft, ehr unbewusst, reflektiert: der Mensch sehnt sich nach Familie und wenn sie noch so brüchig ist.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wandern ohne Ziel, 7. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
Lange glaubte ich, wir müssen unbedingt ein Ziel vor Augen haben, um tatsächlich wo anzukommen.

Seitdem ich Herrn Meyerhoff lese, habe ich mich daran erinnerst, dass es anders ist: Aufwachen, umschauen und die Wunder einer einzigartigen Umgebung wahrnehmen und beschreiben. Auch wenn der Vergleich hinkt - wohin Haruki Murakami seine einzigartigen 30 - 40 Jährigen führt, dorthin entführt Meyerhoff seine Kindheitserinnerung: Kaum aufgewacht steuert die Welt auf einen zu. Im Grunde passiert nicht viel und trotzdem ist jeder einzige Moment bedeutungsvoll und intensiv. Als Kind ist man ja Zuseher der Welt, die sich um einen dreht. Dieses Wunder als Erwachsener aufs Papier zu bringen gelingt dem Schriftsteller in jedem Augenblick.

Meyerhoff sagt nie, dass früher alles besser, schöner oder entspannter war, er - und jetzt kommt das Klischee - er malt einfach das Bild jeden einzelnen Tages ohne zu dick aufzutragen: Das Bild wird nicht besonders bunt, intensiv oder extrem ausgeschmückt, das Bild wird einfach gemalt. Gleiches Gefühl wie bei einem alten Filmvideo einer Familie, deren Figuren verschwimmen, aber dabei so echt sind, dass es kein Hollywoodfilm nur annähernd schaffen würde, die Figuren intensiver in irgendein Zentrum zu stellen. Das Zentrum ist immer da. Murakami wagt sich irgendwann aus der Beschreibung eine Spur tiefer, er dreht die Wirklichkeit in ein anderes Stockwerk und verschiebt das Spektrum um eine Nuance: Das einfache Leben seines Hauptdarstellers wird erschüttert und aus seinen gewohnten Bahnen geworfen. Meyerhoff macht das nicht, braucht das auch nicht. Die Einfachheit darf bis zum Schluss bleiben: Ein Schriftsteller, der einen Pop-Song von Georg Danzer schreibt, ein Pop Song, der keine Ende nehmen muss. Da darf man am Ende auch sentimental über die Vergangenheit denken, wenn sie so intensiv in aller ihrer Einfachheit aufs Papier gebracht wurde.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen der raue wind des nordens, 24. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
meyerhoff ist eine aussergewöhnliche persönlichkeit (auch und besonders am theater, schade für die wiener theaterbesucher, dass er nun das burgtheater wien verlässt) - und das muss einem bei dem aussergewöhnlichen setting, in dem sich seine kindheit abgespielt hat, auch nicht weiter verwundern. inmitten einer psychiatrischen - ja, mehr verwahr- als heilanstalt im flachen norden deutschlands, deren leiter sein vater war, lebte seine familie. dementsprechend sind die ersten kapitel des buches auch gefüllt mit geschichten über die dort verbrachten menschen, deren existenz man als nicht-betroffener mehr ahnt als man davon weiss. für den jungen meyerhoff sind sie alltag, werden aber schon als speziell wahrgenommen. der vater ist die grosse bezugsperson, die beiden brüder die kanten, an denen man sich zu schleifen hat und die mutter die pragmatikerin, die die träume des schon auch speziellen ehemannes zu realisieren weiss. man lebt ein geordnetes, sorgenfreies familienleben im schein des deutschen wirtschaftswunders. doch dann weht der raue wind des nordens auch im hause meyerhoff stärker: die mit kinderaugen betrachtete sicherheit der fürsorglichen ehe der eltern zerbricht, später dann stirbt der vater inmitten seiner früheren arbeitswelt.

meyerhoff gelingt es in seinem buch mit dem symphatischen titel, das gefühl seiner sorgenfreien, unbelasteten kindheit ebenso zu transportieren wie den schrecken und die trauer seiner späteren jahre, ohne dabei sentimental-kitschig zu werden. so, wie er körperlich wächst, wächst auch sein sehfeld und seine wahrnehmung der umwelt. damit trifft er genau das, was mit allen menschen geschieht: sie werden aus ihrer kindheit hinausgestossen in das, was man das wahre leben nennt.

fazit: keine grosse weltliteratur, aber sehr schön erzählt!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im wahrsten Sinne des Wortes irre, 4. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman (Gebundene Ausgabe)
Mir wurde das Buch von einer Freundin geschenkt.
Bereits nach den ersten Seiten war ich gefangen.
Josse wächst mit seinen 2 Brüdern auf dem Gelände einer psychiatrischen Einrichtung, in der sein Vater Direktor ist, auf. Er erzählt anhand einzelner Ereignisse aus seinem Leben, über die Einrichtung, seinen Umgang mit den dort Untergebrachten, die Ehe seiner Eltern und natürlich seinem Heranwachen vom Kind zum Erwachsenen. Und das tut er so amüsant, dass man mit dem Lachen manchmal nicht aufhören kann. Manchmal lustig, manchmal traurig, immer lesenswert. Drei Geschichten konnten mich nicht erreichen, da aber die übrigen Erzählungen einfach so überzeugend waren, hat das meine positive Beurteilung dieses Buches nicht geschmälert. Manchmal findet man sich selbst in den Geschichten wieder.....
Ganz toll und unbedingt 5 Sterne wert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Berührend, witzig, nachhaltig, 13. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Protagonist wächst als jüngster Sohn des Direktors einer psychiatrischen Anstalt auf dem Klinikgelände auf. Dem Autor gelingt der Balanceakt zwischen Verklärung der Kindheit und einer späteren kritischen Reflexion dieses Aufwachsens. Berührend ist die Schilderung des Kleinkosmos Familie in diesem besonderen Umfeld: die Mutter, die wohl gerne ausbrechen würde (und es später auch tut), der Vater, der sich ganz in diese Welt zurückzieht (und dennoch Affären pflegt), die drei Kinder, deren Eigenheiten in der Welt der "Verrückten" nicht weiter auffallen (insbesondere der jüngste Sohn bekäme heute wahrscheinlich ein ADS-Diagnose); es ist auch ein leicht melancholisches Buch, aber in dieser Melancholie findet sich das Lesepublikum wahrscheinlich wieder: in welchem Leben gibt es nicht die verpassten Möglichkeiten, die unausgesprochenen Verletzungen - und dennoch ist es gut.
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Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman
Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Roman von Joachim Meyerhoff (Gebundene Ausgabe - 14. Februar 2013)
EUR 19,99
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