Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug b2s Cloud Drive Photos Microsoft Surface Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
55
3,7 von 5 Sternen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:19,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

„Was liest Du denn da? Ein Frauenbuch?“ fragte ausgerechnet meine Frau, als sie mich zum ersten mal mit diesem pink-rot gemusterten Buch auf dem Sofa sitzen sah. Und wenn das nicht auch mein erster Gedanke gewesen wäre, als ich Titel, Autorennamen und Bucheinband vor einigen Monaten im Handel erblickte, hätte ich bestimmt widersprochen. Aber sie hat nicht Unrecht. Das Buch zielt schon eindeutig auf die weibliche Leserin. Der Titel hat etwas von der verträumten Esoterik eines „Glasperlenspiels“. Und Kristalle - ob nun quasi oder in ihrer wertvollsten Form – sind ja bekannterweise nun einmal „Girl's - und nicht Boy's - best friends“.

Das sind alles subjektive, oberflächliche Eindrücke. Ich erwähne das aber, weil mich dieser wunderbare Roman aufgrund von Aufmachung und Titel beinahe nicht erreicht hätte. Denn wie alle Menschen sortiere ich Produkte unwillkürlich aus. Es gibt bestimmte Buchcover, da sehe ich schon von weitem, dass es sich um trivialen Unterhaltungsschund, Fantasyromane, Krimis oder eben Frauenbücher handelt. Alles Topics, die mich normalerweise nicht interessieren. Aber genug davon. Kommen wir zum Inhalt.

Da kann ich voll in die allgemeinen Lobeshymnen mit einstimmen. Quasikristalle ist ein wunderbar konstruierter, spannender und literarisch anspruchsvoller Roman. Die verschiedenen Erzählperspektiven auf die weibliche Heldin geben dem Buch seinen ganz eigenen Charme. Es hat mir insgesamt sehr viel Freude gemacht, es zu lesen.

Und trotzdem - mein erster Eindruck hat mich nicht getäuscht. Es ist ein Frauenbuch. Aber eines, das jeder Mann mit Interesse lesen sollte. Denn wenn Männer auch nicht immer interessiert, was Frauen denken, so kann es von unschätzbaren Vorteil sein zu wissen, wie Frauen denken. Eva Menasse weiß es. Und ich jetzt auch. Zumindest ein ganz klein wenig.
0Kommentar| 18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 18. Februar 2013
Manche Bücher liest man, weil man wissen will, was drin steht. Andere, weil sie so großartig geschrieben sind. Eva Menasses neuer Roman "Quasikristalle" gehört zu beiden.

Das Konzept des Romans ist einzigartig: In dreizehn Kapiteln begleiten wir die Protagonistin Xane Molin durch fast ihr ganzes Leben. Aus der Schülerin wird eine rebellische Filmemacherin und schließlich die Chefin einer avantgardistischen Film- und Werbefirma, aus der Tochter wird eine Großmutter. Aber, und das ist das Raffinierte, in jeder dieser Episoden ist die zentrale Person eine andere: Familienangehörige wie ihr Vater oder ihre Kinder, Freunde und Freundinnen, ein Vermieter, ein Mitarbeiter und sogar eine Kinderwunsch-Ärztin. Nur das siebte, mittlere Kapitel gehört ihr selbst. Es ist das einzige mit einer Ich-Erzählerin, und Xane zieht hier eine Zwischenbilanz ihres Lebens. Fast immer geht es um Xanes Beziehung zur jeweiligen Hauptperson, aber in manchen Kapiteln huscht sie auch nur so eben durchs Bild. So entwickelt sich aus diesem Netzwerk von Beziehungen und Begegnungen ein Leben aus dreizehn Perspektiven, und die Person Xane Molin wird uns quasi (hm...) als Schnittmenge der einzelnen Bilder präsentiert.

Quasikristalle ist ein Sprachkunstwerk und ein unglaubliches Lesevergnügen. Eva Menasse trifft mit traumwandlerischer Sicherheit den jeweils perfekten Tonfall. Wunderbar zum Beispiel, wie ihr Vermieter, ein Wiener Doktoringenieur, in nachgerade Ulrich Seidlscher Manier dabei beobachtet wird, wie er wiederum seiner Mieterin nachspioniert. Aber auch Berlin, wo Xane die zweite Hälfte ihres Lebens verbringt, bekommt sein Fett weg. Man sollte auf jeden Fall sehr gut aufpassen, schnell lesen darf man nicht, sonst verpasst man vielleicht Wichtiges, und manche Kostbarkeiten finden sich versteckt in kleinen Nebensätzen.

Da Xane schätzungsweise 1970 geboren wurde, befinden wir uns am Schluss des Romans bereits in der Mitte dieses Jahrhunderts, und es ist sehr interessant, wie Eva Menasse die beiden wesentlichen, weil wohl nicht mehr lösbaren Probleme der Menschheit aufgreift, die Erderwärmung und die Überalterung der Bevölkerung. (Schade übrigens, dass Eva Menasse nicht verraten hat, von welchem Berliner Flughafen Xane am Ende zurück nach Wien geflogen ist...)

Am Ende bleibt die Frage, ob wir tatsächlich die Person sind, für den wir uns halten, oder vielleicht doch nur die, als die uns andere sehen, eine Summe unserer Beziehungen und unserer Wirkung auf andere. Eine Frage, die sich zwar spätestens mit unserem Ableben entscheidet, aber über die nachzudenken sich auch schon davor lohnt.
1717 Kommentare| 95 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 16. September 2013
Eva Menasse versucht in dem vorliegenden Roman die Biografie einer Frau nicht konventionell, sondern multiperspektivisch zu erzählen. In 13 Kapiteln kommen nacheinander und zu unterschiedlichen Gelegenheiten Menschen ihres Umfeldes zu Wort, sodass sich am Ende ein Gesamtbild ergibt, das ebenso ungeordnet und unsymmetrisch ist wie bei den sogenannten "Quasikristallen".

Was sind das für Geschichten, die in den 13 Kapiteln erzählt werden? Das erste Kapitel stellt Xane als junges Mädchen im Rahmen einer Freudinnengeschichte vor. Dann erscheint sie zweitens als junge Frau, die an einer Auschwitz Exkursion teilnimmt, und schließlich als junge Zeichnerin, die bei einem österreichischen Vermieter wohnt, den sie als Kryptofaschisten enttarnt. Verheiratet und als "geborene Chefin" treffen wir sie wieder in der vierten Geschichte, in deren Mittelpunkt die alleinerziehende Sally steht. In der fünften Geschichte blicken wir mit den Augen einer Ärztin auf Xane, die sich einer erfolgreichen In-vitro-Fertilisation unterzieht. Im sechsten Kapitel, in dem sie schon Mutter ist, erlebt sie eine unschuldige Liaison mit einem älteren Herrn. Im siebten Kapitel (genau in der Mitte!) kommt Xane selbst zu Wort, eine dominante und gehetzte Frau, die sich mit ihrer pubertierenden Stieftochter Viola herumschlägt, die ihrerseits in der achten Geschichte die Erzählperspektive bestimmt. Martin, ein nörgelnder Mitarbeiter in ihrer Agentur, und der alte Vater Kurt erzählen ihren Teil in der neunten und zehnten Geschichte, während im elften Kapitel die Freundin Krystina davon berichtet, wie es zur Entfremdung mit dem Wiener Freundeskreis kommt. Die zwölfte Geschichte hat überhaupt nichts mit Xane Molin zu tun, während wir im 13. Kapitel von Xanes Sohn Amos in einer Abfolge von Briefen und EMails erfahren, dass Xanes Ehemann gestorben ist und sich die alte Xane mit einem neuen Partner in eine Wiener Jugendstilvilla zurückziehen will.

Soweit der Abriss der Kapitel, die dem Leser zunächst einmal als Kurzgeschichten entgegentreten. Der Stil gut lesbar, routiniert, glatt, eine Mischung aus Peppigkeit und Umgangssprache, wie man sie aus Frauenmagazinen kennt. Auf die Idee, die unterschiedlichen Perspektiven auch durch den Gebrauch unterschiedlicher Sprache glaubhafter und unterscheidbarer zu machen, kommt die Autorin nicht. Aber immerhin: dieser Stil funktioniert ganz gut bei den Geschichten von Sally und Viola, und auch in dem Kapitel, in dem Xane selbst zu Wort kommt. Ob diese Schnoddrigkeit der Erzählhaltung aber die richtige Form ist, um sich Auschwitz zu nähern, habe ich meine Zweifel. Den Rest der Geschichten sind durchweg bemüht, zum Teil aber merkwürdig langweilig oder unverständlich, weil sich die erzählenden Personen ( etwa Nelson) verhüllen und man dann gleich doppelt im Dunklen tappt. Die in den Text eingestreuten Wertungen sind allerdings politisch korrekt bis zum Umfallen - natürlich ist Xane die Patentochter eines Holocaustopfers und heiratet in zweiter Ehe ein Bürgerkriegsopfer. Gleichsam nebenbei entlarvt sie einen österreichische Kryptofaschisten, der sich nichts anderes zu schulden kommen ließ, als sich Frettchen zu halten, seine Rosen zu pflegen und religiös zu sein. Die denunziatorische Lauerstellung, mit der angehende Gutmenschen das Alltagstreiben ganz normaler Menschen belauschen und bewerten, wird hier übrigens unfreiwillig aber eindrucksvoll dekuvriert.

Wie aber steh es mit dem Gesamtbild? Welche dauerhaften biografischen oder psychologischen Konturen Xane Molins schälen sich für den Leser heraus, der alle 13 Kapitel gelesen hat? Zunächst ist es die Kontur einer literarischen Litfaßsäule, die unter dem Namen Xane Molin alle Stereotypen der modernen Frau vereinigt: die emanzipatorische Grundhaltung, einen gluckenhaften Kinderwunsch, Stutenbissigkeit im Kampf gegen die "jüngere Frau", die Sehnsucht nach außerehelichen Affären, zu denen man sich dann doch nicht traut, die Angst vor dem Altwerden, Kontrollzwang, Dominanz und Perfektionismus sowie der eine oder andere Nervenzusammenbruch. Das hört sich in dieser Aneinanderreihung bunt, dramatisch und facettenreich an, ist es aber nicht, denn dieses Bild ergibt sich wie die Nacherzählung einer Soap-Opera einfach aus der Summe von Belanglosigkeiten, die zwar insgesamt den Umriss einer Biografie umreißen, aber jede Tiefe und jeden Spannungsbogen vermissen lassen, so dass es gänzlich unmöglich ist, für die Hauptperson Xane Molin ein intensiveres Interesse zu entwickeln.
Das ist schade, denn die von der Autorin angerissenen Problemstellungen gehören sicher zu den enervierenden Belastungen, denen sich die moderne Frau im Schnittpunkt von Familie und Karriere unterworfen sieht. Auf eine undeutliche Weise wird immerhin ein biografisches Gesamtpanorama sichtbar, auch wenn man wie bei einem weit entfernten Bild die wirklich interessanten Details nicht erkennen kann. Als ich die Kapitel des Buches, vor allem die Geschichten von Sally, Xane und Viola las, mutmaßte ich sogar einen Augenblick lang, es ginge im Kern vielleicht gar nicht in erster Linie um Xane Molin, sondern um ein Potpourri von Kurzgeschichten, in denen exemplarische Bruchstellen moderner Frauenbiografien beschrieben werden. Dann aber hätte man stärker die Figuren Krystinas oder Judiths herausarbeiten müssen, und die ohnehin wenig ertragreichen Kapitel über Martin, Kurt oder den rothaarigen Holocaustforscher Bernays hätte man sich sparen können.

Vielleicht aber entstand der Roman aber auch nur aus dem Fundus einiger Kurzgeschichten, die in den Schreibtischschubladen der Autorin auf die richtige Gelegenheit zur Veröffentlichung warteten und die nun, verbunden durch die Zentralgestalt einer Xane Molin, zu einem Roman verwurstet wurden. Nur so kann ich mir erklären, dass im 12. Kapitel eine "Shanti" in einer abstrusen Geschichte auftritt, die mit Xane Molin überhaupt nichts zu tun hat.

Alles in allem kein wirklich schlechtes Buch, aber den hymnischen Lobgesängen des Rezensionskartelles in unseren Qualitätsmedien wird es bei weitem nicht gerecht. Da liegen die Bewertungen der Amazonrezensenten schon besser, denn sie ergeben insgesamt zu Recht ein sehr gemischtes Bild.
33 Kommentare| 30 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. März 2013
Eva Menasses „kleiner Stern“ (laut Wikipedia die Übersetzung von „Roxane“) ist eigentlich ein großer Stern, von der Natur reichlich beschenkt, mit begehrten Eigenschaften ausgestattet – eine attraktive Frau, die „Berge gebrochener Herzen“ hinterläßt, außerdem erfolgreich im Beruf und in der Ehe, ehrgeizig, „100%ig“, mütterlich und von ihren Freundinnen beneidet, kurzum, irgendwie unwiderstehlich. Sie taucht als Xane in allen 13 Kapiteln auf, manchmal überraschend, manchmal vorhersehbar. Jedes der Kapitel kommt mit einer etwas anderen Sicht auf Xane, jedes für sich leicht lesbar, weil die Verknüpfungen mit den anderen eher lose sind. Aber auch lesenswert? Ich finde ja, fünf davon auf jeden Fall, nämlich 3,4,5,10 und mit Einschränkung auch 11, interessanterweise sind es diese, in denen Xane nicht die beherrschende Figur ist. Am stärksten beeindruckt hat mich Kapitel 5, in dem eine der inzwischen so zahlreichen Reproduktionsfabriken im Mittelpunkt steht. Das Wunschkind lässt auf sich warten, der Gang zur Reproduktion wird dann für viele zur Qual der Wahl; für die eine ist er Endstation Sehnsucht, für die andere das Tor zum Paradies. Frau Menasse erzählt über beide Möglichkeiten, und sie tut es, so scheint mir, mit großer Detailkenntnis und Meisterschaft.

Kapitel 2 fand ich dagegen richtig schlecht, die Hinrichtungsstätte der Juden und das Turteln von Xane und dem Reiseführer (der natürlich Professor ist, es gibt zu viele Professoren in diesem Buch) passen nicht gut zusammen; ich finde, entweder das eine oder das andere, auch wenn es im Leben die absonderlichsten Verbindungen gibt.

Tatsächlich geht es in allen Kapiteln um die Beziehung zwischen Mann und Frau, also vor allem um Xane und ihre Männer, aber auch um Viola, Sally, Krystyna etc. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich vieles davon schon einmal oder mehrmals woanders gelesen habe. Das ist nicht schlimm, angesichts des Allerwelts-Themas. Dennoch: Frau Menasse regt an, die jeweilige Szene nochmals vor dem eigenen Hintergrund zu überdenken. Es ist trotzdem nicht der Inhalt, der das Buch heraushebt, sondern es ist ihre Formulierungskunst: die überraschenden Wortzusammenstellungen, ihr spielerischer Umgang mit der deutschen Sprache. Aber hat sie dabei gelegentlich nicht doch etwas übertrieben? Was zum Beispiel ist ein milchiger Blick? ein verrutschtes Lachen? eine übergriffige Hilfsbereitschaft? ein Ich-Ich Geschrei? usw.

Was den Titel betrifft: auf „Quasikristalle“ muß man erst mal kommen, sie war sicher stolz auf ihren ungewöhnlichen Einfall; aber ich finde ihn nicht sonderlich passend, Xanes Leben hat nichts mit Kristallen zu tun, auch nicht im übertragenen Sinn, wie der Klappentext mit zehn Zeilen Text zu suggerieren versucht; der Kristall, egal wie ungeordnet, ist geronnene Substanz, enthält gerade nicht die Dynamik, auf die es Frau Menasse ankommt; die sich etwa in den Abweichungen des Lebens von der Geradlinigkeit manifestiert. Ein bisschen verrutscht, der Kristall. Dennoch: vier Sterne allemal für den kleinen Stern, auch weil mir Evas Portrait so gut gefallen hat.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Mai 2013
Die Buchidee ist ebenso einfach wie brilliant: Die Hauptperson Xane wird über 13 chronologisch angeordnete Kapitel – von der Jugend bis ins Alter – in verschiedenen Lebenssituationen und somit verschiedenen Lebensrollen gezeigt:
1) Xane als Jugendfreundin (von Judith)
2) Xane als Teilnehmerin einer Auschwitz-Exkursion
3) Xane als junge, berufstätige Single-Mieterin
4) etc.

Die Sprache der Autorin ist flüssig, ansprechend und man kann sich schnell in die Situation des jeweiligen Kapitels eindenken. Die beschriebenen Lebensumstände wirken authentisch, manchmal etwas banal-normal, aber immer unterhaltend. Einige österreichische Worteinsprengsel mögen dem deutschen Leser gewöhnungsbedürftig erscheinen, passen aber zum Kolorit der Hauptdarstellerin.

Der Titel des Buches, der mich eine Geschichte mit naturwissenschaftlichem Bezug erwarten ließ, steht losgelöst neben dem Geschehen, wird in der Geschichte nicht erwähnt, nicht in sie eingeflochten und bliebe dem Leser ein Rätsel, hätte der Verlag nicht fürsorglich im Klappentext erläutert: „ ... erst kürzlich wurde entdeckt, dass es nicht nur Kristalle mit klar symmetrischer, sondern auch mit scheinbar ungeordneter Struktur gibt. Genauso verhält es sich mit dem Lebensweg: Er ist verschlungen und schwer berechenbar und nur aus der Ferne als Ganzes erkennbar.“

Und genau an diesem Punkt hat das Buch meines Erachtens deutliche handwerkliche Schwächen: Die einzelnen Kapitel stehen wie Fragmente nebeneinander, ohne dass sich daraus – auch nicht aus der Ferne - ein wirklich beeindruckendes Ganzes ergibt:

- Allein die Wahl der Erzählperspektive erscheint unklar: Kap. 1-6 und 8-12 „allwissender Erzähler“, Kap. 7 „Ich-Erzähler“ aus der Sicht von Xane, Kap. 13 in Briefform bzw. e-mail-Form aus der Sicht von Xanes Sohn. Helfen diese Perspektivwechsel den Inhalt zu vermitteln? War es erforderlich im letzten Kapitel noch ein völlig neues Erzählmittel, nämlich die Briefform, einzuführen?
- Über Xane und ihr Umfeld wird auf über 400 Seiten berichtet und dennoch bleibt diese Frau ungreifbar, fehlt ihr ein unverwechselbarer Charakter. Der Leser weiß, dass es in allen Kapiteln um dieselbe Frau geht, aber er spürt das nicht. Die Episoden hätten ebensogut aus dem Leben verschiedener Frauen stammen können. Auch wenn sich ein Mensch im Laufe seines Lebens verändert oder in verschiedenen Situationen bestimmte Facetten seiner Persönlichkeit zum Vorschein kommen, so ist es doch immer dieselbe Person mit Charakterzügen, die sie kennzeichnen und ein Leben lang begleiten. Diese Züge - quasi als Erkennungsmerkmale der Hauptdarstellerin - konnte ich nicht finden. Sie wären für mich der rote Faden, der die Fragmente verbindet und der Erzählung Ganzheit verleiht.
- Ähnlich ging es mir mit Salome, der Schwester der Jugendfreundin Judith, die später als „Sally“ in einem eigenen Kapitel auftaucht. Mir ist es nicht gelungen, in Sally die kleine Salome auch nur ansatzweise wiederzuerkennen – sie blieb mir als „Sally“ eine fremde Person.
- Ein späteres Kapitel ist dem (alten) Vater von Xane gewidmet. Warum wurde der Vater in früheren Kapiteln – z.B. in Kapitel 1, wo es problemlos möglich gewesen wäre – nicht schon „sichtbarer“, so dass man als Leser an dieses Bild hätte anknüpfen können. Mich hat es gestört, dass Personen, die Xane in irgendeiner Weise durchs ganze Leben begleiten, schlaglichtartig beleuchtet und durchaus liebevoll gezeichnet werden, aber dann, wenn man sie als Leser „ins Herz geschlossen“ hat, ohne Erklärung wieder im Dunkel „versinken“ und allenfalls noch am Rande erwähnt werden. Hier hätte ich mir eine stärkere Verwebung der Handlungen der Einzelepisoden gewünscht.
- Kapitel 12 ist ein Fremdkörper. Man fühlt sich plötzlich in einen Kriminalroman versetzt. Sehr ansprechend geschrieben und Shanti, die Hauptperson dieser Episode, erscheint mir nach wenigen Seiten greifbarer und lebendiger als Xane nach mehr als 300 Seiten ...
- Die Briefe von Xanes Sohn im letzten Kapitel lesen sich, als wenn seine Mutter sie selbst geschrieben hätte. An der gewählten Sprache ist nicht erkennbar, dass hier der Sohn denkt und fühlt.

Fazit: Viele schöne Kristallisationskeime, doch die nur unzulängliche handwerkliche Herausarbeitung der Figuren mit einem wiedererkennbaren Charakter, eigenem Stil und eigener Sprache läßt keinen perfekten Kristall im Lichte erstrahlen – sondern eben (nur): Quasikristalle.
11 Kommentar| 15 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. März 2014
Die Hauptfigur Xane Molin bleibt seltsam hohl, wird nicht fassbar. Nun mag das ein Motiv der Autorin gewesen sein, auf 400 Seiten ist es jedoch irgendwann langweilig. Über manche Protagonisten hätte man gern mehr erfahren, die tauchen einmal auf und dann nie wieder - das ist unbefriedigend. Mir fehlt der Kern, eine zentrale Aussage...zudem tauchen plötzlich Charaktere auf, über die nicht zu Ende erzählt wird, das Buch bleibt ein Sammelsurium von Kurzgeschichten über Leute, deren Leben nur am Rande geschnitten wird. Kann mir jemand erklären, wer "Shanti" in Kapitel 12 ist ist?? Für mich taucht die völlig unvermittelt auf und - das schlimmste - ihre Geschichte wird überhaupt nicht fertig erzählt, wie so einige andere in dem Buch - dann das offene Ende - ist wie coitus interruptus. War nach dem Lesen total enttäuscht, weil der Beginn gut war, Frau Menasse dann aber offenbar zum Abgabetermin gepfuscht hat und das Buch irgendwie krampfhaft fertigbekommen wollte mit irgendwelchen unvermittelten Charakteren... einfach nur schade!
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. Mai 2013
Auf Eva Menasses neues Buch bin ich aufgrund eines Artikels in der NZZ vom Donnerstag, den 21.02.2012, gestossen. Die Autorin des Artikels - Hannelore Schlaffer - schreibt dort:

"Die [...] Österreicherin wählt den naturwissenschaftlichen Begriff, der neue Formen der Kristallisation beschreibt, um eine neue Methode der literarischen Komposition anzukündigen. Die dreizehn Kapitel des Buches sind wie dreizehn frei stehende Häuser, in denen Personen wohnen, die sich nur teilweise kennen, von denen manche sich sogar überhaupt nie zu Gesicht bekommen werden."

Ob Menasses Buch tatsächlich deswegen "Quasikristalle" heisst, kann ich nicht sagen. Die Beschreibung trifft den Nagel aber auf den Kopf. Vielleicht nennt sich das Buch aber auch Quasikristalle, weil die an und für sich kristallinen und glänzenden Protagonisten der 13 Kapitel eben doch nicht ganz so fehlerfrei sind - also nur "quasi Kristalle."

Inhalt
*************
„Quasikritalle“ erzählt – neben vielem anderem – die Geschichte von Xane Molin, und zwar von ihren frühen Jugendjahren bis in’s hohe Erwachsenenalter. Xanes Leben in groben Zügen zu beschreiben ist nicht ganz einfach, da wir nur indirekt erfahren, wo im Leben Xane gerade steht. Denn: Eva Menasse heftet den Leser nicht an Xanes Fersen und erzählt aus der "Ich-Perspektive", sondern wir blicken in 13 Kapiteln aus der Sicht 12 anderer Menschen in ihr Leben. Einmal z.B. blicken wir – im wahrsten Sinne des Wortes – mit den Augen des lüsternen Wohnblockbesitzers Ludwig auf Xanes Balkon, wenn Xane sich freizügig bei einem Glas Wein, Musik und offenen Flügeltüren auf dem Balkon sonnt. Ein andermal begegnen wir Xane in der Praxis der Frauenärztin Frau Dr. Guttmann. Einmal sitzen wir Xane als beste Freundin gegenüber und wieder ein andermal begegnen wir Xane im Zuge eines Abgeordneten, der sie im Bus nach dem Weg fragt, worauf sie sich heimlich zu treffen beginnen.
Zum einen erfahren wir damit von Kapitel zu Kapitel mehr über Xane, zum anderen haben wir es in den 12 Kapiteln mit den Leben der unterschiedlichsten Personen zu tun, die sich auch untereinander gar nicht oder nur per Zufall kennen. Lediglich ein Kapitel - in der Mitte des Buches - ist Xane selbst gewidmet und dementsprechend in der "Ich-Perspektive" geschrieben. Anders ausgedrückt könnte man sagen, dass "Quasikristalle" eine Sammlung von Kurzgeschichten ist, die wiederum eine ganze Geschichte ergeben.

Jede dieser (Kurz-)Geschichten ist in sich geschlossen, sowohl thematisch als auch vom Aufbau her. Und dennoch ist jedes einzelne Kapitel ein Mosaikstein, der uns das Bild von Xanes Leben Stück für Stück vervollständigt. Die Reihenfolge der Kapitel könnte man - rein theoretisch - beliebig variieren, sind an und für sich aber chronologisch geordnet (Im ersten Kapitel ist Xane am jüngsten, im letzten am ältesten). Nach und nach entsteht ein zwar nicht vollständig ineinandergreifender, aber dennoch zusammenhängender Erzählstrang mit unterschiedlichen Brennpunkte in Xanes Leben. Brennpunkte frisch aus dem Leben: Fremdgehen, Älterwerden, Kinderwunsch, Erziehung, Pubertät der eigenen Kinder, Selbstverwirklichung, unerfüllte Träume, Männer, Ehebruch, Midlife-Crisis, Immigration und vieles mehr. Ein wilder und sehr ergiebiger Mix!

Das Buch & Ich
*******************
Die Romanidee, quasi "von aussen" auf die eigentliche Geschichte der Protagonistin zu blicken, fand ich erfrischend und ziemlich cool. Der eigentliche Schauplatz ist somit nicht wirklich Xane, sondern es sind die 12 Ausschnitte der übrigen Biografien. Dabei merkt man, dass die Autorin freie Hand hatte, was für Geschichten sie sich ausdenken will. Und so nehme ich an, dass sie sich jene Personen ausgedacht hat, von welchen sie auch aus dem eigenen Leben viel zu erzählen wüsste. Das kommt dem Humor, der Handlung und schlussendlich dem gesamten Roman sehr zugute. Man merkt das nicht nur anhand des sehr ansprechenden Schreibstils, sondern auch anhand der grossartigen Überlegungen, Schicksale, Wendungen, Dialoge und Szenenbeschreibungen.
Mich hat dabei sehr erstaunt, wie gut sich Eva Menasse in diese Menschen hineinfühlen konnte. Sei es der Nachbar Xanes, der peinlich genau darauf achtet, dass die neuen Mieter ihre Namensschilder korrekt beschriften oder auch die Frauenärztin, deren alltäglicher Job es ist, unglückliche Paare zu beruhigen und ihnen gut zuzusprechen, während sie in Wahrheit darüber nachdenkt, ob die Nanny an den Fussballmatch des Sohnes gedacht hat. Oder die junge Mutter, die - auf den ersten Blick glücklich - ihre beste Kollegin um ihre neue, heimliche Liebschaft und den Nervenkitzel in ihrem Leben beneidet, während ihr eigenes Leben bereits in festen Bahnen verläuft. Auch das Leben durch die Augen eines alten Mannes, der zunehmend den Anschluss an seine Familie und die schnelllebige Welt verliert, hat vor Eva Menasse in meinen Augen noch kein anderer Autor so rührend beschrieben. Grosses Lob hierfür und für die Wandelbarkeit in den Erzählungen der Autorin!

Es sind ingesamt viele grossartige Eindrücke aus sehr unterschiedlichen Leben und somit "Geschichten aus dem Leben", die einem als Leser ziemlich unverblümt vor Augen führen, dass wir eben alle nur Menschen mit Träumen, Hoffnungen und Bedürfnissen sind. Dabei bringt Eva Menasse eine Fülle zynischer, teilweise gar richtig übler Vorurteile, Ideen, Gedankengänge und Überlegungen mit rein. Während dem Lesen hab ich oft schmunzeln und gar lachen müssen, während ich dachte: "Boah, wie böse!" Man ertappt sich aber dabei, eben solches selbst schon einmal überlegt, gedacht oder gewünscht zu haben. Eva Menasse bringt auf sehr lockere Art und Weise das zu Papier, was wir alle schon einmal unserer besten Freundin sagen oder laut in die Welt hinaus schreien wollten.
Müsste ich "Quasikristalle" mit einem mehr oder weniger treffenden Vergleich beschreiben, hätte ich gesagt, wir lesen in einem tabulosen, offenherzigen und ehrlichen Tagebuch einer flippigen Berlinerin oder Wienerin mit unglaublichem Scharfblick für menschliche, politische und gesellschaftliche Themen, die nicht nur erstaunlich genau beobachtet, sondern auch vortrefflich zu Papier gebracht wurden. In diesem fiktiven Tagebuch hätte die Autorin 12 Männer und Frauen festgehalten, die ihr irgendwann im Leben einmal über den Weg glaufen und (warum auch immer) prägend im Gedächtnis geblieben sind. Eine wahre Freude! Sehr unterhaltsam und sehr empfehlenswert!

Warum "nur" drei Sterne?
**************************
1. So sehr ich beim Lesen habe lachen müssen und so häufig ich Passagen, Zitate und Überlegungen mit Bleistift unterstrichen habe: Zuletzt hat mir irgendwie ein "Fazit" und ein "Abschluss" gefehlt. Immerhin ist es ein Roman, in welchem es trotz allem irgendwie um Xane gehen soll. Aufgrund der Buchidee scheint klar, dass Xane zum Nebenschauplatz werden könnte. "Der Weg ist das Ziel" wäre daher eine wohl treffende Beschreibung dafür, da die Kapitel an sich schon sehr unterhaltsam sind. Gleichzeitig scheint das aber genau das Problem des Romans zu sein. Nach dem letzten Kapitel, also quasi am "Ziel des Weges", klappt man das Buch zu und denkt sich: "So, das war jetzt die letzte Kurzgeschichte. Und nun?" Es fehlt ein Fazit. Ein Abschluss. Oder etwas, das im Gedächtnis bleibt. Schade!

2. Die letzten beiden Kapitel haben mit dem Rest des Buches praktisch gar nichts zu tun. Nicht nur die Protagonisten sind sehr eigenwillig, sondern auch der ohnehin schon wage Bezug zu Xane geht vollends verloren. Warum Eva Menasse einen solchen Abschluss gewählt hat und wieso sie genau diese beiden Kapitel an den Schluss gesetzt hat, ist mir unklar. Leider sind sie auch inhaltlich am schwächsten und bekräftigen somit zusätzlich das etwas schal auslaufende Ende.

Eine Mögliche Idee, diese Einschränkungen etwas abzumildern, hätte m.M.n. darin bestanden, die 12 Geschichten knackiger, mit mehr Humor/Zynismus/Gehalt und insgesamt eigenwilliger zu gestalten. Im Zusammenhang damit hätte ich an dieser Stelle daher gerne ein Buch erwähnt, wo dies besser zu funktionieren scheint: Meine 500 besten Freunde. Dieses Buch setzt konsequenterweise um, was "Quasikristalle" in seiner etwas heterogenen Mischung ein wenig vermasselt. Denn "Meine 500 besten Freunde" sind (zufälligerweise ebenfalls) 13 Kurzgeschichten, die völlig eigenständig, aber mit mehr "Fleisch am Knochen" daher kommen. Schreibstil, Ideenvielfalt, Beobachtungsgabe und Humor sind jenem von "Quasikristalle" ziemlich ähnlich. Die Autorin verzichtet im Vergleich zu Menasse aber auf eine Handlung, die sich halbpatzig durch den Roman zieht und am Schluss mehr Fragen als Antworten liefert. Wer neugierig geworden ist, möge sich doch auch meine Rezension dort durchlesen.
22 Kommentare| 14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. März 2013
In den Achtzigern entdeckte der Chemiker Daniel Shechtmann Legierungen, die auf molekularer Ebene geordnete, aber aperiodische Strukturen aufwiesen, vereinfacht gesagt also aus der mikroskopischen Nähe Kristallen ähnelten, aus der nur geringfügig größeren Distanz aber nicht mehr. Diese strukturelle Eigenart ist die Metapher, die als Klammer Eva Menasses eigenwilligen, wirklich großartig geschriebenen Roman umschließt. Die Muster, die wir zu erkennen glauben, verlieren sich mit dem größer werdenden Abstand. Es sind nur Quasimuster; die Distanz ist nötig, um den Trugschluss zu erkennen - den wir jedoch oft nicht wahrhaben wollen.

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte der gebürtigen Wienerin Roxane Molin, genannt Xane. Die Eigenart von lebensumspannenden Erzählungen besteht häufig darin, sich zu sehr auf die Hauptfiguren einzulassen; die subjektive Perspektive wird zum Zwang, nicht selten gar zum verklärenden Kitt, der etwas zusammenhält, dessen Zusammenhalt bereits verlorengeht, wenn man einen Schritt beiseite, zurück, gar nach vorn macht.
Deshalb wird "Quasikristalle" nur an einer Stelle - im mittleren Kapitel, Nummer 7 von 13 - aus der Sicht von Roxane Molin geschildert, alle anderen sind aus der Perspektive jeweils einer anderen Figur erzählt, wobei es sich etwa um ihren voyeuristischen, etwas zwanghaften, reaktionären Vermieter in Wien handelt, oder die Schwester einer Jugendfreundin, die Ärztin einer gynäkologischen Klinik, einen prominenten Menschenrechtler, der selbst Opfer von Verfolgungen war, nun an einem Prozess als Beobachter teilnimmt, und fälschlich hinter der empathischen Begegnung eine Romanze vermutet. Roxane Molin wird Mutter, später Großmutter, gründet eine erfolgreiche, avantgardistische Werbeagentur, geistert aber vor allem durch die Biografien der Nebenfiguren, die sie kurz berührt oder intensiver beeinflusst, manchmal auch verliert - die Folgen der Begegnungen bleiben oft spekulativ, setzen sich aber im Kopf des Lesers fest. Der Roman hat einen starken politischen Kontext, thematisiert den Holocaust, aber auch die amüsierte Xenophobie der Berliner, auf die Xane als ewiger Gast trifft. Über allem stehen die schlichten, aber wesentlichen Fragen: Wer bin ich, wer will ich sein, wie werde ich wahrgenommen. Die ungewöhnliche Perspektive schärft den Blick hierfür, presst den Leser aus der gewohnten Wahrnehmung, deren trügerische Verlässlichkeit auf diese Weise entlarvt wird. Die Monokausalitäten, mit denen nicht nur die Literatur oft hantiert, sind ebenso fiktiv wie die Bilder, die wir uns von anderen Menschen machen - selbst jenen, die unser Leben intensiv teilen.

Das literarische Experiment verliert sich am Ende etwas, wie sich auch unsere Lebensgeschichten verlieren, wenn die Vergangenheit größer wird als die Zukunft noch sein kann. Auch hierauf muss man sich einlassen, um dieses beeindruckende, spektakuläre Buch genießen zu können.

"Quasikristalle" verblüfft durch den stetigen Sichtenwechsel, der niemals misslingt, ganz im Gegenteil, beeindruckt durch sprachliche Brillanz, den unaufdringlichen Wissensreichtum, seine, ja, Weisheit. Ein ganz und gar großartiger Roman.
0Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 6. Juni 2013
Büchern können einen dann ärgern, wenn sie bedeutungslos, langweilig, und fade bzw. zäh geschrieben und daher auch so zu lesen sind. Eine zähe und langweilige Lektüre, bei der die Lobeshymnen kaum nachzuvollziehen sind. Die Lesezeit ist im Grunde viel zu kostbar, als sich mit solch' bedeutungslosen Büchern zu beschäftigen und seine Zeit damit zu verbringen. (Es gibt Bessere glauben Sie mir.) Von Lesefreude oder gar Genuss, keine Spur. Keine Tiefe, keine Emotionalität, keine Figur zur Identifizierung, keine Spannung, kein Thema das einen packen könnte, nichts was einen im Grunde packen könnte, eine gähnende nichtssagende Leere. Bevor hier wirklich etwas auferstehen könnte, scheint es schon wieder in sich selbst zu versinken oder zu verschwinden...Eine versuchte "Extra-Biographie", in dem die Protagonisten Xane Molin wie eine Nebenfigur verblasst, und eine in mosaikform abgespeckte Diät-Biographie, die gerade mal punktuell andeutet und verrät, sodass sich der Leser selbst seinen Reim machen kann, nur ist dieser Roman alles andere als durchgängig...

Die Idee, die Hauptprotagonistin (Xane) aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und dadurch dem Leser auch verschiedenen Perspektiven zu ermöglichen, mag zwar eine interessante Idee sein, doch Mensasses Umsetzung ist dürftig bis fraglich. Gibt es hier einen roten Faden, sind die Geschichten wirklich sinnvoll miteinander verbunden, oder mäandern die einzelnen 13 Kapitel anonym aneinander einfach so vorbei, dass ein Zusammenhang nur noch kaum bis gar nicht erkannt werden kann? Diese Lektüre macht es einem schwer noch dran zu bleiben oder überhaupt noch durchzuhalten. Auch die Sprache dieser Autorin ist dürftig. Ein paar Wiener Ausdrücke (ich liebe sie!) , ein paar tolle Fremdwörter, ein paar kleine Wortkreationen, ein bisschen Erot*k da und dort schön dosiert verteilt und das wars dann. Mein Gott, wie enttäuschend. Und dann glaubt diese Autorin auch noch, ihre Berufung gefunden zu haben. Dieses Buch hat alle Voraussetzungen, um ihre Leserschaft zu enttäuschen, zu nerven und zu langweilen. Für mich eine stümperhafte und ätzende Umsetzung, das Leben einer Frau über einen ganzen lebenslangen Zeitbogen hinweg, über die Perspektiven aussenstehender Personen zu beschreiben, wenn man mal von dem Kapitel absieht, in dem Xane selbst zu Wort kommt. (7. Kapitel, das wohl am Stärksten ist)

Menasses Stil lebt davon, nur kleine Informationstupfer zu verstreuen, nur kleine Versatzstücke über Ihre Protagonistin Xane Molin preiszugeben. Dieses Buch atmet Belanglosigkeit und Nichtigkeit, wer jedoch das Ganze irgendwie auf den Punkt bringen möchte, dürfte damit seine Mühe bekommen. Um was um Gottes Willen, geht es überhaupt in diesem Buch??? Es geht um künstliche Befruchtung, und Kinderwunsch, wenn die Natur nicht will, und es geht u.a. um Sterbehilfe, die sozusagen gegen Ende des Buches konträr dagegen steht. Schon alleine, die Frage danach um was es in diesem Buch geht, zeugt schon von meiner grossen Enttäuschung und auch Frustration über dieses Buch. Wie man aus solchen gar eine Quintessenz herausziehen kann, entzieht sich jeglicher Nachvollziehbarkeit. Selbst der Hintergrund jenes Nobelpreisträgers, der erst nach 30 Jahren seine Anerkennung für seine Entdeckung der Quasikristalle bekommen hat, kann mich nicht wirklich ansprechen. (Ordnung innerhalb der Unordnung) Dass hier Ordnung und Unordnung nebeneinander her sein können, mag vielleicht für wissenschaftlich interessierte Menschen, zu denen auch die Autorin offenbar gehört, von Bedeutung sein, doch gibt es diesem enttäuschenden Werk keinerlei Rückenwind, um ihn auch nur annähernd aus seiner blutleeren Sackgasse auch nur ansatzweise wieder heraus zu holen....

Zitat: "Jahrelang vög*ln nach dem Eisprungkalender, und kein Ergebnis, nicht das mindeste."
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. März 2013
Die Idee, das Leben einer Person aus der Sicht anderer zu erzählen, klingt vielversprechend. Allerdings hat Eva Menasse aus gutem Stoff ein eher zäh zu lesendes Buch geschrieben. Das erste Kapitel fängt recht gut an, der Schreibstil ist flüssig und unterhaltsam zu lesen, auch der Inhalt dieses Kapitels hat noch genug Fesselndes. Allerdings geht es schon mit dem zweiten Kapitel bergab und von da an ist das ganze eher eine langweilige, unschlüssige Geschichte. Von der Hauptdarstellerin Xane bekommt man eher wenig mit, sie erscheint, obwohl alle erzählenden Figuren mehr oder weniger mit ihr vernetzt sind, eher eine Nebendarstellerin zu sein. Es reicht eben nicht, nur so wenige Menschen, die mit ihr tatsächlich eng verbunden sind, zu Wort kommen zu lassen.
Vor allem unzusammenhängende Informationsfetzen und nur einen bruchteilhaften Blick von außen auf die Gefühle und Gedanken der Hauptperson zu bekommen, macht keinen flüssig zu lesenden, stimmigen Roman, sondern eher einen Fleckenteppich aus kurzen Aufsätzen, der als Ganzes betrachtet nicht besonders schön ist. Deshalb hat sich wohl sogar die Autorin selbst in der Mitte bemüßigt gefühlt, noch ein Kapitel einzufügen, in dem Xane selbst zu Wort kommt.
Die Eigenheit der Autorin, vieles nur anzudeuten und mit Fragezeichen im Raum stehen zu lassen, ist anfangs recht interessant, allerdings wird sie über 400 Seiten einfach nur nervtötend. Im letzten Kapitel will man rufen:"Ach, komm doch endlich zum Punkt!" Man hat das Gefühl, man liest durch eine angelaufene Scheibe, weil ständig irgendetwas offenbleibt oder man sich etwas Ungesagtes aus dem Text zusammenreimen muss. Ist in geringem Maß ganz spannend, aber hier bis zum Erbrechen eingesetzt.
Ein Buch, das mich definitiv abgeschreckt hat, etwas anderes aus der Feder Eva Menasses zu lesen.
0Kommentar| 30 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden