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Kundenrezensionen

24
3,7 von 5 Sternen
Nenn mich einfach Superheld: Roman
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 8. November 2013
Nachdem ich um die ersten beiden Romane von Alina Bronsky noch einen Bogen gemacht hatte, allerdings nur aus Zeitmangel, nicht mangels Interesse, habe ich nun dem dritten Roman nicht mehr aus dem Weg gehen können. Die Vorschusslorbeeren, die man ihr widmete, unter anderem für das Romandebüt Scherbenpark", schlugen sich auch in den Besprechungen zu ihrem nunmehr dritten Roman, dem vorliegenden, nieder. Und: die Lektüre begann vielversprechend, ansprechend und mitreißend. Die Sprache des Buches ist hervorragend, die Dialoge passen wunderbar zu Charakteren und Situationen, es gibt keine gekünstelte Sprache, sondern es passt einfach alles. Das betrifft vor allem die immer wieder zwischendurch eingestreuten Metaphern und Wendungen, die dem Leser wie kleine Feuerwerke klarmachen, dass Alina Bronsky eine hervorragende Sprachhandwerkerin ist und sich zwischen den Niveauebenen eines derben Dialogs und der subtilen Beschreibung, fast schon Kommentierung eines Geschehens fließend bewegt. Und sie transportiert im Laufe des Buches nicht nur eine Botschaft, sondern viele kleine Erkenntnisse, die sich am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild fügen. So weit, so gut.
Die Geschichte handelt vom siebzehnjährigen Marek, der gut aussah und prominent in einem Schultheater spielte, bis er in eine Auseinandersetzung mit einem Rottweiler geriet, die sein Gesicht glatt verlor. Seitdem ist er von Narben gekennzeichnet, in sich gekehrt, feindlich der Welt gegenüber eingestellt und im abgedunkelten Zimmer von Selbstmitleid zerfressen. Aus irgendeinem Grund schafft es seine Mutter Claudia, eine bekannte Scheidungsanwältin, ihn zur Teilnahme an einer Art von Selbsthilfegruppe zu bewegen. Dort trifft er auf eine bunte Mischung von anderen Krüppeln", einen coolen und gut aussehenden Blinden Marlon, den Beinamputierten Richard, den an einer Antiimmunschwäche leidenden Friedrich, den überdreht exaltierten Schwulen Kevin und die im Rollstuhl sitzende Janne, eine blasse Schönheit, der Marek sofort verfällt. Der Leiter der Gruppe, fortan Guru" genannt, scheint zunächst keinen wirklichen Plan für die Gruppe zu haben, wohl aber den Ansatz, das Ganze zu filmen, wobei der Zweck unklar bleibt. Es scheint eine Mutmachaktion für Behinderte zu sein, jedenfalls reden sich das alle zunächst ein. Die Gruppe begibt sich auf einen Wochenausflug in die mecklenburgische Einsamkeit, in eine behindertengerechte Villa. Da müssen sie auf einmal zusammen funktionieren, sich ihren Schwächen stellen, ihre Stärken definieren und sich selbst und einander aushalten, aber auch finden. Schon das hätte bei richtiger sprachlicher Untermalung Stoff für ein ganzes Buch werden können, zumal dank der sich anbahnenden Dreiecksproblematik Marek-Marlon-Janne. Doch Alina Bronsky setzt noch eins drauf und Mareks weitab lebender Vater verstirbt. Die Aufspaltung der Familie geschah in Mareks jungen Jahren, als der Vater das Au-Pair-Mädchen Tamara schwängerte und diese dann heiratete. Marek setzt sich also in den Zug nach Frankfurt und wird voll mit seiner Patchworkfamilie konfrontiert - und diese mit ihm und seinem Aussehen. Die Mutter der angeheirateten Tamara kommt noch aus der Ukraine hinzu, die Beerdigungsvorbereitungen, das Begräbnis und der Leichenschmaus stressen die Familie und schweißen sie doch auch zusammen. Als dann auch noch der Guru" samt Therapiegruppe auftaucht, um Marek seelisch zu unterstützen, ist das Chaos perfekt. Alkoholselig erfährt Marek dann am Abende des Begräbnisses zunächst von einem Gruppenmitglied, am Folgetag dann durch Einblick in den bisherigen Film des Gurus", was mir das Buch am Ende verleidet hat: angeblich ist der Guru" der Vater all der Behinderten", die aus ebendiesem Grund zu der Gruppe zusammengetrommelt wurden. Völlig offen bleibt nun, warum er der Vater ist, wie es dazu kam, ob Mareks Vater dann der wirkliche Vater seines kleinen Halbbruders ist und wie Marek und seine zahlreichen Halbgeschwister fortan mit der Lage umgehen. Unbefriedigend! Stattdessen besorgt Marek seinem kleinen Halbbruder wie zuvor versprochen einen Welpen und auch einen für Janne und setzt sich mit diesem in den Zug nach Hause, zu Claudia nach Berlin.
Diese Schlusswendung war für mich der Tick zu viel. Das machte aus einem bis dahin spannenden und lebhaft geschriebenen Buch ein merkwürdiges Buch. So einen Knaller kann man nicht zünden, wenn zu der Handlung davor eigentlich kein Konnex bestand und er auch nicht zu einer weiteren Auflösung führt. Denn die Wiedergewinnung von Mareks Selbstwertgefühl und vor allem das Aufkeimen von Gefühlen für seine Familie und seine Umwelt hätte man auch ohne diese Zeugungsnachricht glaubhaft machen können. So aber werden die im Buch transportierten Botschaften vom schwierigen, aber belebenden Miteinander verschiedener Charaktere letztlich unnötigerweise abgewertet. Wer den Schwenk nicht so dramatisch schlecht findet wie ich, wird von dem Buch vollends begeistert sein, ich jedoch bin es nur noch zur Hälfte.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. September 2013
In ihrem neuen Roman "Nenn mich einfach Superheld" erzählt Alina Bronsky Mareks Geschichte – eine Geschichte voller Gegensätze, tiefgründig und doch federleicht.

In Mareks Leben ist seit einem Jahr nichts mehr wie vorher: Nach einer Kampfhund-Attacke auf sein Gesicht versteckt er dieses hinter einer dunklen Sonnenbrille, verbannt Freunde, Spaß und jede Normalität aus seinem Alltag. Doch dann landet er wider Willen in einer Selbsthilfegruppe: Sechs versehrte Jugendliche und ein unkonventioneller Guru. Sechs Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein können. Und obwohl er eigentlich sofort wieder weglaufen möchte, bleibt er. Denn da ist Janne, wunderschön, unberechenbar und im Rollstuhl. Eine gemeinsame Reise. Ein gemeinsames WIR?

Ein plötzlicher Todesfall bringt dann abrupt alles durcheinander...

Der neue Roman von Alina Bronsky hält in jedem Moment, in jeder Zeile, die schwierige Balance zwischen tiefer Traurigkeit und schonungsloser Komik. Ihr Schreibstil berührt, ohne je sentimental zu werden. Er bringt zum Lachen, ohne dass man dafür ein schlechtes Gewissen haben muss. Da ich das Ende sehr abrupt und nicht in allen Punkten nachvollziehbar fand, habe ich einen Punkt in der Gesamtbewertung abgezogen. Trotzdem hat das Buch in weiten Teilen die volle Punktzahl verdient. Es lohnt sich, Marek kennenzulernen – unbedingt!
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. September 2013
Sind wir nicht alle in irgendeiner Form beschädigte Ware? Nur können die meisten von uns ihre Handikaps gut verstecken, weil sie innen liegen. Blöd also, wenn sie wie bei Marek körperlicher Natur sind und für alle sofort sichtbar. In dieser superschrägen Außenseiterkomödie hat ein Rottweiler dem Romanhelden nämlich das Gesicht zerbissen und seitdem ist er entstellt. Kinder spielen das berühmte Munch-Gemälde “Der Schrei” nach, wenn sie ihn sehen, und die Mädchen stehen auch nicht mehr gerade Schlange. Dabei war Marek bis zu der Kampfhundattacke der Star einer Theatergruppe. Jetzt bleibt er lieber bei geschlossenen Vorhängen zu Hause, um in seinem Pschyrembel eklige Krankheiten nachzuschlagen.

Bis zu dem Tag an dem seine genervte Mutter (“Wenn du so destruktiv drauf bist, dann werde Profikiller. Das ist wenigstens eine gut bezahlte Tätigkeit.”) ihren Sohn zu einer Selbsthilfegruppe für behinderte Jugendliche schickt. In der “Krüppeltruppe” trifft Marek unter anderem auf eine Tunte namens Kevin, den fetten Friedrich, dessen Organe sich von innen auflösen, den blinden Schönling Marlon und Janne, die im Rollstuhl sitzt. Sofort ist Marek hin und weg von Janne. Doch die ist “ein Rasiermesser in Blümchen und Rüschen”, die Marek geschickt gegen seinen Konkurrenten Marlon ausspielt, der zwar nichts sieht, aber angeblich eine so feine Nase hat, dass er riechen kann, was andere gestern zum Frühstück gegessen haben. Janne zu Liebe lässt sich Marek darauf ein, auf eine gemeinsame Landfreizeit mit den anderen zu fahren.

Alina Bronsky hätte jetzt etwas ganz Naheliegendes machen und eine Coming-of-Age-on the road-Story stricken können über plötzlichen Zusammenhalt in Schullandheimkulisse und nächtliche Geständnisse am Lagerfeuer bei Stockbrot. Sie macht aber etwas viel Cooleres und versetzt ihrer Handlung eine 180-Grad-Wende, die den Roman fast noch einmal von vorne beginnen lässt. Denn Marek bekommt eine SMS von seinem sechsjährigen Bruder, dem er vorher noch nie begegnet ist: “Marek unser Papa ist tod bitte kom schnel. Ferdi”. Mit diesem Cut verarbeitet Alina Bronsky übrigens Selbsterlebtes: Der Vater ihres Protagonisten verunglückt auf ebenso tragische Weise tödlich in den Bergen wie der Vater ihrer eigenen Kinder im Jahr 2012.

Im zweiten Teil der Geschichte findet sich Marek daher plötzlich in einem spießig-schnieken Frankfurter Vorort wieder, in einer Trauergesellschaft bestehend aus seiner ukrainischen Stiefmutter Tamara – blutjung, sexy und heillos überfordert -, seiner eigenen Mutter, einer toughen, ausgezehrten Scheidungsanwältin, und natürlich dem kleinen Ferdi, der irgendwie griesbreiseelig nebenher läuft, und in dem Marek sein eigene Kindheit wiedererkennt, die gar nicht so schlecht war, wie er sich immer eingeredet hat. So wie sein ganzes Leben eigentlich gar nicht so schlecht ist. Aber bis zu dieser Erkenntnis dauert es noch ein Weilchen.

Ich habe diesen All-Age-Roman von der ersten Seite an ins Herz geschlossen und würde ihn am liebsten jedem unaufgefordert unter die Nase und zwischen die Augen reiben, weil er so toll ist. Alina Bronsky ist eine charmant-ätzende Gradwanderung aus John Greens “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” und Wolfgang Herrndorfs “Tschick” gelungen. Witzig, aber nicht plump, nachdenklich, aber nicht kitschig. Die Idee ist zwar nicht ganz brandneu, aber jede Pointe sitzt und wirklich jede der Figuren bleibt in ihrer liebenswerten Schrulligkeit lebhaft im Gedächtnis. Dabei umgeht Bronsky die Klippen des Klamaukhaften und Überdrehten, ohne allzu routiniert dabei zu wirken. Immer wenn man Sorge hat, jetzt übertreibt sie es, rettet der knarztrockene Humor oder eine überraschende Wendung die Story.

Hinzu kommen ein paar genial fies gesetzte Leerstellen, die mich als Leser fast verrückt-entzückt gemacht haben. Beispielsweise wird nicht ganz klar, ob Marek sich seine Entstellung nur einbildet oder sie wirklich da ist. Dieser Gedanke ist verstörend, aber wunderschön zugleich. Normalerweise würde mich so eine Offenheit schnell nerven, hier ist sie aber ein absoluter Gewinn, der dem Roman mehr Tiefe verleiht und absolut Sinn macht. Denn es ist völlig egal, ob wir unsere Narben innen oder außen tragen. Wenn wir uns selbst nicht so mögen wie wir sind, tut es auch kein anderer.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. September 2013
Ach, wie lange habe ich schon auf die neue Bronsky gewartet und war ganz begeistert, als ich den "Superhelden" in den Händen hielt. Das ist mal wieder ein Buch, in dem alles stimmt. Von Titel über Cover bis hin zu einem Leseerlebnis, das mich wahrhaftig mitgerissen hat. Die Grundidee: Ein Jugendlicher landet nach einer Kampfhund-Attacke und der daraus folgenden Entstellung in einer Selbsthilfegruppe, die sein Leben ändern wird.

Mir geht es bei solchen Büchern immer so, dass die ersten Zeilen entscheiden. Solche Roman können unerträglich, aber auch ganz, ganz großes Kino sein, und letzteres trifft definitiv auf Alina Bronskys Superhelden zu. Ich habe keine Ahnung, wie sie das macht, aber mit ihrer sehr klaren, nüchternen Sprache zeichnet sie auf Anhieb so lebendige Figuren, dass der Leser sie förmlich vor sich sieht. Und zwar nicht nur Erzähler Marek, sondern alle Figuren treten da aus den Seiten heraus, bis hin zur kleinsten Nebenrolle (die gruseligste Kindergärtnerin aller Zeiten). Spannend, traurig, anrührend, sehr komisch ... all das trifft zu.

Alles in einem bis jetzt vielleicht der beste Roman von Alina Bronsky, und ich hab sie alle seit Scherbenpark gelesen. Und jedem würde ich auch heute noch fünf Sterne geben - dem hier, wenn ich könnte, sechs!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. September 2013
Über den Inhalt wurde schon so viel geschrieben, dass ich hier einfach nur meinen persönlichen Eindruck schildern möchte.

Warum lese ich ein Buch?
Ich möchte unterhalten werden mit Niveau.
Dieses Bedürfnis hat „Superheld“ voll erfüllt!

Einen Roman zu schreiben in dem es um Behinderung, Aussehen und Isolation von Jugendlichen geht und ich als Leserin das Buch nicht eher aus den Händen lege, bis ich es fertig gelesen habe ist ein gutes Buch!

Das Ende kommt abrupt, denn es gibt noch offene Fragen um Marek und ich würde gerne noch mehr Zeit mit ihm verbringen. Damit wirkt das Buch noch lange nach…

Danke Alina Bronsky, ich hatte wieder viel Spaß beim Lesen!

Nenn mich einfach Superheld ist nicht ausschließlich für Erwachsene empfehlenswert, auch für Jugendliche, denn das eigene Aussehen und Partizipation sind zentrale Themen aller Jugendlichen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Dezember 2013
Es ist ein unbedingtes MUSS für Leseratten! Super witzig und dabei unendlich ehrlich und stellenweise sehr traurig! Ich kann es nur weiterempfehlen!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. September 2013
Die Geschichte vom Jungen, der sein Gesicht verlor

Zum Inhalt:

Als Marek den Gruppenraum im Familienzentrum betritt und sich umsieht, möchte er sich am liebsten auf dem Absatz umdrehen und sofort wieder gehen. Seine Mutter hat ihn ausgetrickst. Das hier ist keine Lerngruppe fürs externe Abitur, wie er angenommen hatte, sondern eine Selbsthilfegruppe für Jugendliche mit einem schweren Schicksal und zu allem Überfluss wird diese Gruppe auch noch von einem Guru geleitet.

Doch zuerst einmal bleibt er dann doch, weil das Mädchen im Rollstuhl ihm irgendwie zu gefallen scheint. So lernt Marek nach und nach alle in der Gruppe kennen, nicht nur die schöne Janne sondern ebenso die vier anderen Jugendlichen. Alina Bronsky erzählt in diesem Buch wie diese grundverschiedenen Heranwachsenden sich langsam zusammenraufen und es so vielleicht ein kleines Stück schaffen, sich mit ihrem Schicksal auseinander zu setzen.

Meine Meinung:

Bekannt war mir die Autorin Alina Bronsky bereits dem Hörensagen nach durch ihre beiden Spiegelwelt – Romane, allerdings ist dies das erste Buch das ich nun von ihr gelesen habe. Ich muss aber leider auch sagen, dass ich mit diesem Buch leider nicht wirklich warm geworden bin. Der Hauptprotagonist macht zwar einiges an Entwicklung in diesem Buch durch und wird dadurch auch nach und nach symphatischer, aber der wirkliche Symphatieträger wird er für mich durch das ganze Buch hindurch nicht. Ebenso wie keiner der anderen Protagonisten.

Es war mir alles etwas zu oberflächlich. Manches Mal hatte ich das Gefühl es kratzt einfach nur an der Oberfläche aber bekommt keine wirklich Tiefe.

Fazit:

Die Idee um Marek und die "Gruppe" finde ich ja nicht schlecht. Es gibt einige wirklich gute Ansätze in dem Buch und auch Mareks Entwicklung ist nicht nur schlecht. Aber im Großen und Ganzen kommt das Buch für mich eher unfertig rüber. Mir fehlt am Ende einfach zu Vieles. Es bleibt zuviel offen, Fragen unbeantwortet, Dinge unausgesprochen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. September 2013
Man könnte meinen, dass es in dem Buch um die Verarbeitung von Mareks Trauma geht. Die Selbsthilfegruppe heilt seine inneren Wunden. Doch genau so ist dieses Buch überhaupt nicht. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es wird sehr viel anders als erwartet.

Den Schreibstil der Autorin fand ich großartig. Man ist sofort mitten in der Geschichte. Es war immer spannend. Ich-Erzähler Mareks bissige Kommentare haben mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht. Die anderen Charaktere blieben allerdings ziemlich blass. Das fand ich sehr schade. Ich hätte wirklich gerne mehr über sie erfahren. Selbst seine Mutter Claudia ist ziemlich undurchsichtig. Bei keinem der Protagonisten war mir klar, was in ihren Köpfen vor sich geht. Selbst bei Marek, in dessen Kopf man ja unterwegs war, blieb dies ziemlich unklar - auch bis zum Schluss. Ich denke, dass der Leser sich hier eine eigene Meinung bilden sollte. Gerade darüber, wie Marek mit seinem entstellten Gesicht umgeht und wie er sich tatsächlich damit fühlt.

Am Anfang lief alles so, wie ich vermutet hatte. Der hat mir wahnsinnig gut gefallen - fünf Sterne. Dann passierte etwas, das mit der eigentlichen (also für mich eigentlichen) Handlung nichts zu tun hatte. Alles änderte sich. Merkwürdig, dachte ich, aber das wird schon. Das Ende hat mich dann komplett geschockt. Wirklich nichts war so, wie ich vermutet hätte. Irgendwann hatte ich zwar eine Ahnung, aber Anhaltspunkte gab es dafür eigentlich nicht.

Ein ziemlich außergewöhnliches Buch. Es hat mich wirklich sehr überrascht. Ich wollte immer wissen, wie es weitergeht. So etwas liebe ich an Büchern. Habe aber auch einige Kritikpunkte - daher nicht die volle Punktzahl. Es hat mir gut gefallen und mich gut unterhalten.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 15. September 2013
„...Was wussten wir alle hier überhaupt voneinander...“

Marek wird von seiner Mutter ins Familienbildungszentrum geschickt. Im Meditationsraum trifft er auf eine Selbsthilfegruppe für Behinderte. Das hatte er nicht erwartet. Eigentlich will er wieder gehen, als er Janne sieht. Sie sitzt im Rollstuhl und ist das einzige Mädchen im Stuhlkreis mit sechs Jungen.
Marek erzählt die Geschichte selbst. Nach einer Biss-Attacke eines Rottweilers blieben ihn Narben im Gesicht. Wer ihn ansieht, erschrickt. Marek hat sich seitdem von allen zurückgezogen und zu Hause eingeigelt. Seine alleinerziehende Mutter, eine Anwältin, versucht alles, um Marek ins normale Leben zurückzuholen. Deshalb auch schickt sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Familienbildungszentrum.
Das Vorgehen des Leiters der Selbsthilfegruppe, den Marek Guru nennt, scheint ohne Programm und Ziel. Die Mitglieder der Gruppe definieren sich über ihre Behinderung. Jannes Verhalten ist am wenigsten zu verstehen. Mal sucht sie die Nähe von Marek, mal von Marlon, der blind ist. Kurzfristig entscheidet der Guru, mit der Gruppe eine Reise zu unternehmen. Erstaunlicherweise fahren alle mit.
Das Zusammensein beschreibt Marek voller Sarkasmus. Manches klingt bitterböse. Und doch ist nach und nach eine Entwicklung spürbar. Die anderen beurteilen ihn nicht nach seinem Aussehen, sondern nach seinem Verhalten. Das aber ist wenig liebenswürdig. Sein Schicksal hat ihn verbittert. Warum das so ist, erfahre ich als Leser nach und nach aus Mareks Erinnerungen. Dazu gehört auch, dass er in einem Telefongespräch den Unfall rekapituliert.
Dann reißt ihn ein Anruf aus der Gruppe. Er kehrt zurück in den Ort, wo er die ersten Jahre seines Lebens verbracht hat. Plötzlich übernimmt er Verantwortung und zeigt Gefühle.
Das Buch lässt sich zügig lesen. Das Verhalten der Jugendlichen ist nachvollziehbar. Der Guru blieb mir bis zum Schluss ein Rätsel, obwohl er es geschafft hat, die Jugendlichen aufzubauen und ihnen ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben. Zwar bleiben am Ende einige Fragen offen, doch Marek wird seinen Weg gehen.
Wenn ich während des Lesens Mitleid empfinden wollte, verbot es der Ton des Romans. Marek und die anderen wollen kein Mitleid. Sie wollen so genommen werden, wie sie sind. Wie alle Jugendlichen spielen Liebe und Freundschaft, Abneigung und Anziehung, Eifersucht und der Wunsch nach Anerkennung für sie eine wichtige Rolle im Leben. Als Marek feststellte, „...dass der Mensch mehr war als seine Hülle...“, hatte er eine entscheidende Hürde genommen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist sprachlich ausgefeilt.
Der Auslöser aller Probleme, der Hund, findet sich nicht nur auf den Cover, sondern als verkleinerte Form auch zu Beginn jedes Kapitels.
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am 8. April 2015
Marek ist nach einem Rottweiler-Angriff entstellt und hat sich von der Welt zurückgezogen. In der Selbsthilfegruppe, in die ihn seine Mutter mittels einer Täuschung gebracht hat, lernt er Janne, eine Schneewittchen-Schönheit im Rollstuhl, und weitere Jugendliche mit Handicaps kennen. Mit dieser „Krüppeltruppe“ will er eigentlich nichts zu tun haben. Eine Gruppenfreizeit und ein plötzlicher Todesfall belehren ihn eines Besseren.
Dieses Buch hatte ich in ein paar Stunden ausgelesen. Nicht nur, weil es „nur“ 238 Seiten hatte, sondern auch weil ich die Figuren, die Sprache, die Story mochte. Die Geschichte ist nicht eine von diesen kitschig-romantisch-triefenden sick-lits. Sie ist härter und witziger. Sie wird aus der Perspektive von Marek erzählt. Folgerichtig ist die Sprache schnoddrig jugendlich, aber auch selbstironisch und witzig. Die Autorin findet wunderbare Vergleiche und Metaphern. Ein Beispiel (Marek beobachtet von außen eine „Party“): „Das Stimmengewirr verdichtete sich zu einer undefinierbaren Wolke, die immer wieder Gewitterblitze von schallendem Gelächter aussendete.“ Marek darf sich entwickeln, seine Handlungen sind auf den ersten Blick nicht immer verständlich, aber dann doch nachvollziehbar.
Das große Geheimnis, das zum Schluss aufgedeckt wird, habe ich allerdings nicht verstanden. Zu kurz wurde es angerissen und auch nicht erklärt. Das Buch hätte es auch nicht gebraucht, finde ich. Daher nur 4 Sterne.
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