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Kundenrezensionen

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am 30. September 2012
In "Geheime Tochter" von Shilpi Somaya Gowda tauchen wir in zwei Welten ab, die doch einiges gemeinsam haben. Während die eine Welt exotisch, andersartig und fremd anmutet, ist die zweite dem Leser dann doch eher vertrauter und "näher". Wie diese zwei Welten miteinander verwoben sind, das erzählt diese berührende Familiengeschichte.

Kavita und Jasu sind ein indisches Ehepaar, die Eltern werden. Allerdings ist das Kind ein Mädchen, die Familie ist arm und könnte niemals eine Mitgift aufbringen. Schweren Herzens beschließt die Mutter, das Kind in ein Waisenhaus zu bringen, denn nur so kann das Mädchen überleben.

In den USA erfahren der indischstämmige Kris und seine Frau Somer, dass sie keine Kinder bekommen können. Somer leidet an der vorzeitigen Menopause - es ist ein herber Schlag für das ansonsten so glückliche Ärztepaar. Sie entschließen sich für eine Adoption in Indien.

Wie das Ganze sich nun verbindet - man braucht kein Hellseher zu sein, um den weiteren Verlauf der Story zu ahnen, denn die Versatzstücke dazu sind wohlbekannt. Eine Adoption, ein Kind, das erfährt, dass es adoptiert ist und seine wahren Eltern kennenlernen will, eine Mutter, die nie verkraftet hat, dass sie ihr Kind weggeben musste, das alles auch noch kulturübergreifend - wahrlich nichts Neues.

Warum dieses Buch trotzdem eine sehr gute Wertung von mir erhält? Ganz einfach, weil es sehr berührend und dennoch frei von Kitsch die einzelnen Schicksale beschreibt. Die Entwicklung der Menschen, die Denkweisen, der Umgang mit dem Leben und seinen Verwicklungen wirkte auf mich zu jeder Zeit glaubhaft und echt. Sei es Somer, die von der selbstbewußten Ärztin zur traurigen und ängstlichen Frau mutiert, seien es die indischen Eltern, die versuchen, für sich und ihren später geborenen Sohn ein besseres Leben zu erarbeiten. Ich kann mir ansatzweise vorstellen, wie Asha sich fühlen muss unter den ganzen blonden US-Beauties, sie mit ihrem exotischen Aussehen. Dass Kris immer kompromissloser und härter wird, in diesem Land, was nicht seine Heimat ist, mit einer Frau, die sich so verändert, wie er es nie für möglich gehalten hätte.

Würde ich das Buch als kulturelles Kaleidoskop sehen, hätte ich in meiner Wertung durchaus Abzüge vornehmen müssen. Das Buch legt weitaus mehr Augenmerk auf die amerikanische Seite, beschreibt in Indien nur das Nötigste, auch wenn eine farbenprächtige Welt entsteht. Aber Indien ist eben genau das nicht, eine nur farbenprächtige, exotische Welt. Die Schattenseiten werden im Buch fast komplett außer Acht gelassen. Klar, durchaus ein Kritikpunkt, betrachtet man das Buch wie gesagt als Spiegelbild einer Kultur.

Da für mich aber die Familiengeschichte wichtig war, die genauso oder ähnlich auch in Deutschland und Äthiopien oder einer anderen Konstellation hätte spielen können, sehe ich das Buch eher losgelöst von seinen Handlungsorten. Und die Geschichte, die erzählt wird, hat mich zutiefst bewegt, die Charaktere, die alle so sehr nach ihrem Platz im Leben suchen, nach Glück streben, das nicht immer gelingt, haben mich wirklich für sich eingenommen. Da ich rein diese Geschichte bewerte, kann ich nicht anders als die Höchstnote ziehen. Denn diese ganzen Schicksalsverwicklungen so wohltuend kitschfrei zu erzählen, noch dazu mit einer Art Happy-End, die aber doch vieles offenlässt, das schafft nicht jede Autorin. Für mich ein kleines, gefühlvolles Highlight des beginnenden Leseherbstes!
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am 22. September 2012
Zum Inhalt muss ich nichts mehr sagen. Mir hat das Buch gefallen, aber vieles war mir zu oberflächlich, es blieben zu viele Fragen offen. Die Zeit mit Asha als Kind wird nur gestreift, obwohl es hier sicher einige Probleme gegeben hat, es sind so viele Themen in ein Buch gepackt, dass der Leser kaum die Möglichkeit erhält sich in ein Thema wirklich hineinzudenken. Dadurch bleiben auch die Akteure blass und nicht zur Identifikation geeignet. Der Umgang mit dem drogendealenden Sohn zB: Der Junge hat gesehen wie sich seine Eltern schinden mussten, um ein einigermaßen erträgliches Leben zu führen und hat versucht es ihnen leichter zu machen. Aber es bleibt bei der Aussage "Böser Junge - gutes Mädchen". Warum geht Somer, die sich so sehr nach der Mutterschaft gesehnt hat, gleich wieder arbeiten und überlässt Asha einem Kindermädchen ? Gibt es in der Familie von Ashas Adoptivvater denn gar keine Bedenken gegen ein nicht eigenes Kind ihres Sohnes ? Fragen über Fragen, Anrisse über Anrisse.
Vielleicht ist das Thema einfach zu umfangreich und vielschichtig, um es in ein Buch hineinzupacken...
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am 13. September 2012
Ich habe selten so ein Buch gelesen, was mich vergleichbar emotional gepackt wie Shilpi Somaya Gowdas Weltbestseller »Geheime Tochter«. Das Debüt der Autorin, dessen Originalausgabe bereits im März 2010 bei William Morrow erschienen ist und in den USA & Kanada große Erfolge zu feiern hatte, steht nun seit dem 1. August auch in unseren Buchhandlungen in Deutschland. Renommierten Tageszeitungen auf der ganzen Welt überschlagen sich geradezu vor Lob und ich muss ehrlich zugeben, nachdem ich das Buch nun fertig gelesen habe, komme ich zu dem Schluss, dass es dieses Lob voll verdient hat!

Worum geht es?

Indien 1984. Ein kleines Mädchen mit haselnussbraunen Augen namens Usha – Morgendämmerung – erblickt in einem kleinen Dorf das Licht der Welt. Doch diese Welt ist von Armut, Entbehrung & dem nackten Kampf ums Überleben geprägt. Mädchen sind nicht erwünscht, sie können nichts für die Erhaltung der familiären Existenz beitragen. Schweren Herzens entschließt sich ihre Mutter Kavita, ihr Kind in ein Waisenhaus zu geben, um es vor dem sicheren Tod zu bewahren. Zeitgleich, am anderen Ende des Erdballs, in San Francisco, mitten im Land des Überflusses, das nicht gegensätzlicher sein kann, erleidet eine junge Ärztin eine Fehlgeburt. Verzweiflung breitet sich in Somer Thakkar aus, sie wünscht sich doch so sehnlichst ein Kind. Als das Ehepaar feststellt, dass Somer keine eigenen Kinder bekommen kann, entschließen sie sich, ein Kind aus Indien zu adoptieren und ihm damit die Chance auf ein neues Leben zu geben. Doch ist Liebe allein genug, um die Grenzen zwischen den beiden Kulturen zu überwinden?

Aufbau und mein Eindruck

Shilpi Somayas Roman ist in zwei Handlungsstränge aufgeteilt, die zeitlich parallel laufen und zugleich zwei völlig verschiedene Welten gegeneinander setzen. Arm & reich werden jedoch vereint durch den gemeinsamen Gedanken der Mutterliebe, den Kampf um das Familiengefüge, Zusammenhalt und um einen geliebten Menschen: Usha, oder Asha das Mädchen aus dem Waisenhaus im indischen Mumbai. Man merkt sofort, dass die Autorin eigene Erfahrungen in solch einer Einrichtung gesammelt hat, dass sie selbst in Indien war und dort die Lebensumstände mit eigenen Augen gesehen hat. Diese Erfahrungen hat sie in ihr Buch einfließen lassen.

In insgesamt 60 Kapiteln wird mir als Leser äußerst gefühlvoll, emotional aufwühlend und tiefgründig das Bild zweier Schicksale im Laufe von zwei Jahrzehnten gezeichnet, deren Verbindung ein kleines Mädchen darstellt, dessen sehr junges Leben tragisch beginnt. Eine Mutter muss ihr Kind abgeben, es zerreißt ihr das Herz, doch sie ist sich bewusst. dass es keinen Ausweg gibt. Die Geburtenrate von Mädchen in Indien ist in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen, denn Mädchen sind eine Belastung. Das muss man sich mal vorstellen, wir leben hier in einer Gesellschaft, in der so etwas undenkbar ist. Doch viele Familien in Indien sehen in der Tötung die einzige Chance zu überleben. Brautverbrennung und geschlechtspezifische Abtreibung gehören zum Alltag. Das ist grausame Realität, die Frau Gowda mit einem unglaublich intensiven Erzählstil näher bringt. Man leidet mit, die Emotionen kochen, das Herz pocht bei dem Gedanken, wie schrecklich das Leben in den Slums Dharavis sein muss. Nicht jeder schafft den Sprung ins normale Leben, mit einem Dach über dem Kopf.

Ich kann in diesem Zusammenhang den Artikel von National Geographic Deutschland von 2007 empfehlen, Titel des Artikels: Dharavi, die Schattenstadt.

Ich bin restlos begeistert von diesem Buch. Das einzige Manko, was ich anführen könnte wäre das Verhalten Ashas. Ab einem gewissen Punkt im Buch hat mich die junge Frau wirklich wütend gemacht, warum kann ich jetzt hier eigentlich schwer sagen, weil ich nicht spoilern möchte. Nur soviel, sie verhält sich ihrer Adoptivmutter gegenüber völlig unangemessen, das hat Somer schlicht und einfach nicht verdient. Man muss Shilpi Somaya Gowda zu Gute halten, dass sie das pubertäre Verhalten der jungen Dame ausschmückend und überzeugend darstellt. So überzeugend, dass ich einmal aufstand, erstmal durchatmen musste und vor mich hinschimpfen musste! Genauso packten mich aber auch die traurigen Szenen, Szenen die Mitgefühl hervorriefen, Textstellen die mich sehr zum Nachdenken brachten. Rückblickend betrachtet ist dieser Roman einer der gefühlvollsten, die ich bisher gelesen habe…

Ein Blick zur Autorin

Ich habe bisher in meinen Rezensionen nichts zu den Autoren geschrieben, die Biografien sind überall zu lesen und ich möchte nicht einfach copy & paste drücken. Doch zu Frau Gowda möchte ich ein wenig schreiben, weil sie ein Buch geschrieben hat, das mich schlichtweg aus den Socken gehauen hat. Sie hat ihre persönlichen Erfahrungen in ihr Buch mitgenommen, da ihre Eltern, wie ich ihrer Biografie entnahm, aus Mumbai stammen, dem Ort, in dem auch die kleine Usha ins Waisenhaus gebracht wird. Während ihrer Studienzeit hat die aus Toronto stammende Autorin auch in einem Kinderheim in Indien gearbeitet, was sich ebenfalls in ihrem Schreiben widerspiegelt. Das war nicht nur einfaches Recherchieren, das man eben erledigen muss wenn man ein lebendiges Buch schreiben möchte, das spürte ich deutlich während des Lesens. Frau Gowda hegte mit Sicherheit ebenfalls den Wunsch, die Heimat, den Geburtsort ihrer Eltern mit eigenen Augen zu sehen. Ihre Eindrücke machen ihren Roman so lebendig, farbig, feinfühlig.

Mein Fazit: Ein unglaublich packendes, feinfühliges Feuerwerk der Emotion, das vor allem weibliche Leser, die sich für Indien und seine Kultur, Land und Leute interessieren, anspricht. Ein Buch voller Herzenswärme und Liebe, das man gelesen haben muss! Ein Buch, das zum Nachdenken & Rekapitulieren seines eigenen Lebens anregt…
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am 17. September 2012
Schreibstil und Sprache sind einfach.
Das Thema: Geschlechterselektierung in Indien und Auslandsadoption.

Obwohl ich das Buch gerne gelesen habe und stellenweise auch sehr berührt war, habe ich mehr Kritikpunkte als Positives zu schreiben.

Kavita, eine junge, indische Bäuerin, bringt in der Geburtshütte ihres Dorfes ihr erstes Kind zur Welt. Ein Mädchen. Ihr Mann reißt es ihr enttäuscht und zornig aus den Armen und lässt es von einem Cousin entsorgen." Bei ihrer nächsten Entbindung (wieder ein Mädchen), kämpft Kavita darum, das Kind zunächst zu behalten. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und gesellschaftliche Dogmen zwingen sie dazu, ihr Kind nach wenigen Tagen ins weit entfernte Waisenhaus zu bringen. Wenigstens soll dieses Mädchen leben.

Zur gleichen Zeit erleidet in Amerika die Kinderärztin Somer eine weitere Fehlgeburt. Sie fühlt sich unvollständig und sehnt sich nach Mutterschaft. Ihr Mann, Krishnan, Inder, Neurochirurg, der in Amerika studiert hat, schlägt vor, ein Kind aus Indien zu adoptieren.
Anfangs sträubt sich Somer, freundet sich aber schnell mit dem Gedanken an.
Kavita in Indien bekommt noch ein Kind. Endlich den ersehnten Sohn (Vijay). Nun gilt sie etwas, wird beschenkt und verwöhnt. Aber den Schmerz um ihre zweite Tochter, der sie einen Namen und einen Silberreif mitgegeben hat, kann sie nicht verwinden.
Somer fliegt mit Krishnan in dessen Heimatstadt, um ihre Adoptivtochter abzuholen.
In Indien fühlt sich Somer nicht wohl (Lärm, Gerüche, viel Familie - was hat sie erwartet?), obgleich ihr nichts Böses getan wird.

Soweit klingt das ziemlich spannend und bewegend. Mehr wird auch nicht verraten.
Mir gefiel das Hin- und Hergleiten zwischen den beiden Extremen, nachher hat es mich genervt, weil die jeweiligen Abschnitte arg kurz sind (nur wenige Seiten). Kaum hatte ich mich eingelesen und eingefühlt, musste ich schon die Perspektive wechseln. Richtig darin zu versinken, war nicht möglich. Längere, zusammengefasste Teile hätten dem Buch gut getan.

Die ersten beiden Kapitel fand ich noch interessant. Besonders der Teil, der in Indien spielt, ist lebendig und plastisch geschildert. Die Spannung aufrecht erhielt der Gedanke an eine Begegnung zwischen Asha und ihren leiblichen Eltern.
Dagegen wirken die Abschnitte in Amerika leblos und unmotiviert.
Mit Somer und Krishnan, Ashas Adoptiveltern konnte ich nicht viel anfangen. Die Fähigkeit, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten (beide Ärzte), spreche ich ihnen zu. Dabei wirken sie blass, nicht in der Lage, miteinander zu kommunizieren.
Somers naive, verkrampfte, frustrierte und schweigsame Art kann ich nicht nachvollziehen. Sie fühlt sich ausgestoßen. Wie es dazu kam, bleibt im Dunkeln.
Auch wenn Asha mehr ein Papakind ist, fehlt mir Ashas Motivation, ihre Mutter dermaßen abzulehnen. Somer hat alles getan, war eine gute Mutter, hat ihr berufliches Vorwärtskommen eingebüßt. Ich möchte Somer in ihrer sanften Duldsamkeit am liebsten schütteln. Die Frau kriegt die Zähne nicht auseinander, und kann Mann und Tochter nicht vermitteln, wie sie sich fühlt.
Ist aber auch kein Wunder, in der Geschichte passiert ein großer Zeitsprung. Die Kinder (Asha und Vijay) lernt man erst kennen, als sie bereits Teenager sind. (Naja, Vijay ist eher ein Durchgangscharakter.) Da fehlt dem Leser ein großer Teil der Entwicklungsgeschichte.

In Indien geht mir Ashas (erfolgreiche) Suche nach ihren leiblichen Eltern zu schnell und zu glatt. Etwas, das nahezu unmöglich erscheint, gelingt ihr innerhalb einiger Tage, ohne Hürden und nennenswerte Misserfolge? Gleich die dritte Familie der Treffer (sie hat nur drei in die engere Wahl genommen, wie und warum, erfährt man nicht). Tja, die Zahl drei - wie im Märchen. (Wie viele Millionen Menschen leben in dieser Stadt?)
Als Asha dann erfährt, dass die Familie einen Sohn hat, reagiert sie mit ungläubigem Entsetzen. Da habe ich mich richtig geärgert. So blauäugig und naiv kann sie gar nicht sein. Das ist mir zu unglaubwürdig.
Asha ist angehende Journalistin. Sie hat sich vor etlichen Monaten bei der Times um einen Praktikumsplatz in Indien für ihr Projekt über Kinderarmut beworben. Sie hat eine Mappe mit Hintergrundreportagen, weiß von der mengenmäßigen Geschlechterverschiebung. Sie ist Inderin, ihr Vater ist gebildeter Inder, sie lebt zu diesem Zeitpunkt in Indien bei der großen Familie ihres Vaters. Da ist ihr, mit diesem Hintergrund, nicht bekannt, aus welchen Gründen Kinder (insbesondere Mädchen) im Waisenhaus abgegeben werden? Ein Blick ins Internet hätte auch genügt.
Naja, wer erstmals in Indien mit 20 Jahren erfährt, dass man Körperhaare entfernen lassen kann, was vorher wohl in San Francisco ein Problem war...
Und auch in Indien gibt es unmotivierte, ins Leere laufende Ankündigungen. Bspw. fragt Ashas Adoptivvater, ob sie mit ihrem Großvater (auch Arzt) schon im Krankenhaus war. Später fragt er das noch einmal. Aber es trat nie ein, und ist auch kein Thema für Asha gewesen. (Warum taucht es dann im Buch auf?)Der Großvater kommt in der Geschichte, bis auf einen winzigen Teil, nur vor, als er tot ist. Und diese Begebenheit bewegt mich nur wenig. Der Mann trat nie wirklich in Erscheinung. Mit Asha hat er kein einziges Wort gesprochen. Mit seinem ältesten Sohn, Ashas Adoptivvater Krishnan, der nach langen Jahren wieder einmal zu Hause ist, übrigens auch nicht. Ich weiß überhaupt nicht, warum der in der Geschichte vorkommt.
Umso plastischer, herzlich und fortschrittlich im Denken ist Dadima. Die hat mir gefallen.

Das Ende hat meine Erwartungen nicht wirklich erfüllt. Zwar versöhnlich, dennoch bleiben Fragen offen.
Insgesamt habe ich das Gefühl, das Buch hätte gut und gerne noch hundert Seiten vertragen, um tiefer eintauchen zu können. Ich hätte mir Charaktere mit Ecken und Kanten gewünscht, die begründet sind.
Und die Moral von der Geschichte: Seht her, einen Jungen zu bekommen, bedeutet nicht automatisch, Glück zu haben. Auch ein Mädchen kann alles erreichen und erfolgreich sein.
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am 29. Januar 2016
Ich habe dieses Buch mit der Erwartung begonnen, eine interessante, nicht allzu tiefgehende Familiengeschichte zu lesen und war deshalb am Anfang sehr positiv überrascht.

Die Geschichte von Kavita, ihrer Familiensituation im bäuerlichen Indien und ihrem Eingespanntsein im Gehorsam gegenüber Ehemann, Schwiegereltern und der harten sozialen Kontrolle durch die Dorfgemeinschaft wird in Beziehung gesetzt zur Entwicklungsgeschichte des behüteten kalifornischen Einzelkindes Somer, die sich für ihr ehrgeiziges Ziel, eine erfolgreiche Ärztin zu werden, selbst allerlei rigiden Zwängen unterwirft.

Bis zu dem Tag, an dem sie mit Mitte 30 ihre zweite Fehlgeburt erleidet und feststellen muß, daß nicht alles in ihrem Leben machbar und planbar ist und sie sich von der Idee des eigenen biologischen Nachwuchses endgültig verabschieden muß.

Zum Glück für beide ist die Analphabetin Kavita auf ihre eigene Art nicht weniger energisch und zielstrebig als die Ärztin Somer und bringt ihre neugeborene Tochter Usha unter großem eigenem Risiko im Waisenhaus von Bombay unter, anstatt sie wie ihre Erstgeborene ihrem Ehemann Jasu und seiner Familie zu überlassen, die das Mädchen ebenso töten würden wie ihr erstes Kind.

Da es ja ein Roman ist, ist rein zufällig die Mutter von Somers indischen Ehemann Krishnan eine Gönnerin dieses Waisenhauses und verguckt sich in die haselnußbraunen Augen des kleinen Neuzugangs - genau wie Somer, als sie erstmals ein Foto des zur Adoption stehenden kleinen Mädchens zu sehen bekommt.
Das von der Schwiegerfamilie unerwünschte, aber von der Mutter dem sicheren Tod entrissene kleine Mädchen wächst also wohlbehütet in einer kalifornischen Ärztefamilie auf und hat damit keinerlei materielle Not zu leiden sowie den Zugang zu jeder Form von höherer Bildung - während Kavita als drittes Kind endlich einen Sohn bekommt, sich mit ihrem Mann versöhnt, der ja eigentlich doch gar kein so schlechter Kerl ist, und von der Schwiegerfamilie endlich akzeptiert wird.
Alles gut?
Nicht ganz.

Seltsamerweise übergibt Somer ihr frischadoptiertes Kleinkind sofort einem Kindermädchen, so daß sie Asha (wie das Mädchen jetzt aufgrund eines Übertragungsfehlers genannt wird) nur eine Stunde lang zwischen Praxisende und Bettgehzeit zu sehen bekommt.
Wie hat sie sich das denn vorgestellt mit einem Kind?
Später, wir erfahren nicht wie und warum, hat Somer anscheinend ihre Strategie geändert:
Sie arbeitet jetzt halbtags in einer Stellung, für die sie deutlich überqualifiziert ist, um ihre Tochter mittags von der Schule abholen zu können.
Dafür wird sie jetzt auf dem Spielplatz selbst für Ashas Kindermädchen gehalten - das tut weh für eine Frau, die sich immer durch ihren Verstand und durch Leistung definiert und mit Männern konkurriert hat.
Ehemann Krishnan macht derweil ungebremst "Karriere" als Neurochirurg, und die Eheleute haben sich nicht mehr viel zu sagen.
Somer mutiert zur nörgelnden, unzufriedenen und klammernden Ehefrau und Mutter, die ihre eigenen unerfüllten Wünsche nunmehr auf ihre Tochter projiziert.
Für sie ist es selbstverständlich, daß Asha wie ihre Adoptiveltern nur beste Noten nach Hause bringt und wie sie einmal Medizin studieren wird - etwas anderes kommt gar nicht in Frage.
Jede Frage nach Ashas leiblichen Eltern und selbst jeden Kontakt zu ihrer indischen Schwiegerfamilie empfindet sie als Bedrohung ihrer eigenen Stellung in Ashas Leben - sie möchte Asha davon fernhalten, natürlich nur zu ihrem eigenen Schutz.

Aber Asha kommt in die Pubertät und rebelliert zunehmend gegen die mütterliche Bevormundung, zum Teil auch mit sehr verletzenden Vorwürfen an ihre Adoptiveltern - der Konflikt eskaliert, als Asha, die sich inzwischen dem Journalismus statt der Medizin verschrieben hat, ein halbjähriges Stipendium in ihrer Geburtsstadt Mumbai annimmt und dort auch endlich die Familie ihres Vaters kennenlernen will.
Somer empfindet das als Zurückweisung und als persönliches Versagen, während Krishnan in Ashas Pläne eingeweiht war und diese unterstützt.
Dadurch fühlt sich Somer auch noch von ihrem Ehemann verraten - es kommt zu einer Trennung, während Asha in Indien weiterhin die "heile Familie" vorgespielt wird.

So weit, so nachvollziehbar.

Währenddessen läuft auch in Indien nicht alles so, wie es geplant war: zwar haben Jasu und Kavita jetzt den ersehnten Sohn, aber nicht ausreichend zu essen.
Jasu beschließt, alles zu verkaufen und sein Glück in Bombay zu machen.
Kavita ist skeptisch und möchte ihr Dorf und ihre Eltern nicht verlassen, vertraut aber ihrem Ehemann.
Es folgt das mühsame Durchbeißen in der großen, harten Stadt - erstaunlicherweise kommt die Familie tatsächlich aus dem Slum heraus, aber das Überleben bleibt mühsam.
Kavita kann ihre Tochter Usha nicht vergessen, streicht um das Waisenhaus herum und hält auf der Straße Ausschau nach einem Mädchen, das der Vorstellung entspricht, die sie sich von Usha gemacht hat.
Der geliebte Sohn Vijray, der ja eigentlich ein besseres Leben ermöglicht bekommen sollte, wird in der Schule als Dorftrottel gehänselt und muß mitansehen, wie sein Vater sich erniedrigt und den Vermieter anbettelt, dem er Geld schuldet.
Er sagt sich innerlich von seiner Familie los, die er nicht mehr achtet, und geht zunehmend eigene Wege, um "aufzusteigen" - und diese Wege sind keine geraden.

Die beiden Erzähllinien kreuzen sich endlich, als Asha in Mumbai ankommt.
Wir staunen mit ihr über die vielen neuen Eindrücke, Farben, Gerüche, Menschen und lernen die Tücken der indischen Küche kennen.
Von ihrer Adoptivfamilie, besonders der Großmutter, wird sie aufgenommen wie eine lang verlorene Tochter, obwohl durchaus genug leibliche Nachkommen vorhanden sind.
Asha/Ushas völlig unbekannte Geburts-Kastenzugehörigkeit spielt in dieser offensichtlich hochkastigen Familie überhaupt keine Rolle - ich weiß nicht, ob das in Indien wirklich so wäre.
Die Großmutter macht Asha mit der Familieneschichte ihrer Adoptivfamilie vertraut und zeigt am Beispiel ihrer eigenen Schwiegermutter, daß eine solche der Tochter ihres Sohnes nicht automatisch das Leben sauer machen muß.

Währendessen kümmern sich Ashas leibliche Mutter Kavita und ihre Schwester aufopferungsvoll um die alten Eltern - zum Zeitpunkt ihrer eigenen Geburt war das mit dem "Mädchenverschwindenlassen" in ihrem Dorf anscheinend noch nicht so an der Tagesordnung.
Dies wird in Gegensatz gesetzt zum schäbigen Verhalten von Kavitas Sohn Vijray, der seine traditionellen Pflichten der Familie gegenüber ignoriert bzw. auf Geldzuwendungen beschränkt.
Die ganz offensichtliche Moral: Einen-Jungen-haben-nützt-nicht-immer.

Jetzt könnte das Ganze langsam richtig Fahrt aufnehmen, und der Leser ist gespannt, wie es mit den Protagonisten weitergeht und wie sich ihre Lebenswege weiter entwickeln und überkreuzen - aber leider sind der Autorin spätestens hier die halbwegs originellen Ideen ausgegangen, und der Rest der Geschichte verdümpelt auf Groschenromanniveau.

Asha lernt ihren indischen Traumprinzen kennen, natürlich auf einer Hochzeit - meinetwegen.
Sie beginnt ihre Reportage im Slum und ist natürlich entsetzt, was sie dort so alles zu sehen bekommt - wieso dieser lahme Ansatz ein halbjähriges Stipendium in Mumbai rechtfertigt, erschließt sich nicht ganz.
Schließlich sucht sie das Waisenhaus auf, aus dem heraus sie adoptiert wurde, um ihre leiblichen Eltern zu suchen.
Seltsamerweise erinnert sich der Direktor noch nach 20 Jahren an die schönen Augen ihrer Mutter und ist hochmotiviert, nach den Aufzeichnungen zu forschen, die es tatsächlich gibt.
Dann gelingt es Asha/Usha, aus Tausenden Personen, die in Mumbai den Namen ihres Vaters tragen, am Ende DREI herauszufiltern - WIE sie das geschafft hat (ohne Kenntnisse der indischen Sprache oder Schrift) bleibt ebenfalls ihr kleines Geheimnis, sonst könnte ja JEDER eine Detektei in Mumbai eröffnen, um beispielsweise säumige Schuldner (oder so) in Nullkommanix aufspüren und ganz schnell ganz reich zu werden.

In den USA hat sich Adoptivmutter Somer inzwischen dem Yoga verschrieben, und da sie mit der "Baumstellung" einfach nicht klarkommt, verrät ihr die genervte Lehrerin mal eben ein kleines Geheimnis: Sie müsse einfach nur ihren Fokus ändern!
Ja - soo einfach ist das!
Das muß einem doch gesagt werden.
Wir ändern mal eben schnell den Fokus, dann klappt's auch mit der Baumstellung und überhaupt.
Somer wird durch ihre Yogaübungen ausgeglichen und attraktiv, sogar für ihren Noch-Ehemann Krishnan.
Mehrfach wird betont, wie großartig muskulös ihre Arm- und Beinmuskeln geworden seien - und das in weniger als 6 Monaten.
Mir war bisher entgangen, daß es sich bei Yoga um eine Art Wunder-Turbo-Bodybuilding handelt - "fit, attraktiv und glücklich in 4 Monaten", oder so ähnlich.

Gegen Ende von Ashas 6-Monats-Aufenthalt stirbt der Großvater, der bisher kaum in Erscheinung getreten war, und Somer und Krishnan fliegen gemeinsam nach Mumbai.
Lieblingsenkelin Asha bekommt von der Großmutter den höchst ehrenvollen Auftrag, bei der Einäscherung die Sterberiten zu vollziehen, was eigentlich Aufgabe des ältesten Sohnes wäre - das soll wohl wieder zeigen, daß es diese Möglichkeit theoretisch gibt, ein Sohn nicht unverzichtbar ist und "man" nur "wollen" muß.

Das Ende ist dann ganz arg Friede-Freude-Eierkuchen - wie im Märchen versöhnen sich (einige) Streithähne und sehen ein, daß sie selbst ganz viel falsch gemacht haben und der andere doch auch nur das Beste wollte. Wie gesagt, man muß halt nur den Fokus ändern. Und ganz viel Yoga üben.

Fazit: Interessanter Plot, einige fesselnde Schilderungen menschlicher Verhaltensweisen und die Gegenüberstellung eines Lebens als Frau in Indien und den USA, nett und flüssig geschrieben - aber für eine wirklich originelle Geschichte mit einer in Erinnerung bleibende Auflösung der gebastelten Verstrickungen hat der Kurs für kreatives Schreiben dann doch nicht ausgereicht.

Drei Sterne.
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Ein weibliches Baby zählte Mitte der 80iger Jahre im ländlichen Indien nicht besonders viel. Nicht wenige wurden bald nach der Geburt aus den Händen ihrer Mütter gerissen und waren nicht mehr wieder gesehen.
Kavati ist arm und bringt schon ihr zweites Mädchen zur Welt. Eine Schande für sie und ihre Familie. Doch dieses Mal ist sie schneller als ihr Mann und rettet das kleine Bündel mit den großen Augen und bringt es zum einem Waisenhaus nach Mumbai. Ein gutes Jahr später wird Usha von Somer und Kris aus den USA adoptiert und wächst fortan behütet und in Wohlstand als Asha auf.
Als junge Frau macht sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln in Indien, zumal auch ihr Adoptivvater von dort stammt. Von dessen Familie wird sie herzlich aufgenommen und bekommt tatsächlich über das Waisenhaus die Adresse ihrer leiblichen Eltern heraus, die auch schon länger in Mumbai leben......

Zwei Handlungsstränge aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die jedoch kunstvoll Hand in Hand miteinander verwoben sind. Auf der einen Seite ein reiches amerikanischer Ärztepaar mit unerfülltem Kinderwunsch, auf der anderen Seite ein bitterarmes Paar in Indien mit dem 'falschen' Kindersegen. Diese Lebenswege kreuzen sich indirekt durch die Adoption und bieten dem unerwünschten Mädchen eine gänzlich neue Perspektive. Kris, der neue Vater von Asha stammt ebenfalls aus Indien, aber aus einer gänzlich anderen sozialen Schicht, als ihre leiblichen Eltern.
Interessant wird dann vor allem die Begegnung Ashas mit ihrer eigenen Kultur, aber auf einer völlig anderen Ebene, als in die, in die sie selber hineingeboren wurde.

Die Autorin Shilpi Somaya Gowda wurde in Kanada geboren, lebt heute in den USA und arbeitete eine Zeit lang in einem Waisenhaus in Indien, wo die Idee für diese Geschichte entstand.

Gelesen von Brit Gülland und Anne Moll im Wechsel, zwei routinierten Hörbuchsprecherinnen. Es handelt sich um eine bearbeitete Fassung auf 6 CDs mit über 7 Stunden Hörerlebnis. Es fehlte nichts für mich.

Fazit: Eine Geschichte über die Suche nach den eigenen Wurzel und über das Finden des eigenen Selbst.
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am 22. August 2012
In der drückenden Schwüle bringt die indische Bäuerin Kavita vollkommen allein ein Kind zur Welt und zu ihrem größten Entsetzen haben die Götter ihre Wünsche nicht erhört: Denn abermals haben sie ihr ein Mädchen beschert. Aus Angst, die Kleine würde dasselbe Schicksal ereilen wie ihre Schwester – der Tod durch die Hand eines Angehörigen –, bringt Kavita sie schweren Herzens in ein Waisenhaus, welches ihre einzige Überlebenschance ist.
Fast zeitgleich erfährt das junge Ärztepaar Somer und Kris, dass Somer keine Kinder mehr austragen kann, was vor allem sie, die als Kinderärztin jeden Tag mit Schwangeren und Kleinkindern zu tun hat, hart trifft.
Doch schließlich kann Kris sie überzeugen, ein Kind aus seinem Heimatland Indien zu adoptieren. Aber ist ihre Liebe und Zuneigung wirklich stark genug, die Widrigkeiten und Hindernisse zu überwinden? Viele Klippen gilt es für die beiden Familien zu umschiffen, die eines verbindet: Ein kleines Mädchen, das sich irgendwann auf die Suche nach ihrer Vergangenheit macht und so die beiden Familien auf ihre bisher härteste Probe stellen wird …

Nach all der Fantasy, mit der ich mich in letzter Zeit beschäftigt habe, war ich froh, wieder einmal einen Roman vor mir zu haben, der sich ausschließlich mit tiefgründigen zwischenmenschlichen Problemen beschäftigt. Und auch die Thematik hat es mir schon zu Beginn angetan: ein adoptiertes Mädchen in einem fremden Land, das nach seinen Wurzeln sucht. Dass dieses Mädchen auch noch aus Indien kommt, war ein weiterer Bonuspunkt, den das Buch schon vorab bekommen hat, denn die Autorin, die selbst indische Wurzeln hat, hat in ihrem Buch zwanzig Jahre indische Entwicklung auf eine authentische und mitreißende Art und Weise geschildert, die mir als Leser besonders nahe ging. Fernab von bunten, schillernden Bollywoodillusionen ist das Leben in Indien für die meisten Menschen beschwerlich und arbeitsreich.
Dabei war es vor allem die Mischung an Charakteren und der Wandel in ihrem Leben, der das Buch besonders reizvoll macht.
Geschickt in Szene gesetzt wird das Ganze vom Perspektivenwechsel zwischen den einzelnen Protagonisten. Dabei sind vor allem die Kapitel, die aus Sicht der beiden Mütter Kavitar und Somer geschrieben sind, besonders herzerwärmend. Ängste und Selbstzweifel begleiten ihr mehr oder minder erfolgreiches Leben wie ein Schatten, lassen sie immer wieder straucheln und machen sie einander trotz aller kulturellen Unterschiede doch ähnlich.

Was die charakterliche Gestaltung angeht, hat die Autorin wirklich ein Glanzstück hingelegt. Denn obgleich mir als Leser einige Charaktere nicht zusagen, so wirken sie doch durch und durch authentisch und schlüssig. Auf der einen Seite ist das erfolgreiche Doktorenpaar in Amerika, das aufgrund widriger Umstände keine Kinder bekommen kann und bei dem Bildung und Karriere immer weit oben standen. Auf der anderen Seite der Welt lebt in einem ärmlichen indischen Dorf ein Bauernpaar, das zum zweiten Mal ein Mädchen bekommt. Im Indien der achtziger Jahre ist dies eher ein Fluch als ein Segen. Die zwei starken Frauen dieser Familien werden durch die Geburt des Mädchens einen entscheidenden Wandel in ihrem Leben erfahren. Dabei sind es vor allem ihre kleinen Fehler und Unzulänglichkeiten, die sie so echt wirken lassen, was aber auch für Asha gilt, die sich als adoptiertes indisches Mädchen in Amerika nicht wirklich zu Hause fühlt. Ihr Wandel ist der tiefgreifendste, obwohl ich mit ihrer Art zu Anfang nicht besonders gut zurechtgekommen bin.

Auch das Aufeinandertreffen zweier Kulturen hat dem Buch einen besonderen Charme gegeben, der den Leser an die Seiten fesselt.
Leider konnte die Autorin ihren Stil und ihre authentische Art nicht ganz bis zum Ende durchhalten, sodass der Ausgang der Geschichte nicht ganz so harmonisch war, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber alles in allem hat das den Lesegenuss kaum schmälern können.

Fazit

Mit ihrem Debütroman „Geheime Tochter“ hat Shilpi Somaya Gowda einen wirklich tiefgründigen und herzerwärmenden Roman geschaffen, der auf gefühlvolle Weise die Höhen und Tiefen des Familienlebens schildert und dabei nicht nur die alltäglichen Probleme, sondern die halbe Welt überwinden muss.
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am 29. September 2012
>> ... und als sie wieder schwanger wurde, beschloss sie, dass diesmal alles anders kommen würde ... <<

INHALT: Die schwangere Kavita lebt mit ihrem Mann Jasu in einem kleinen indischen Dorf. Als sie ein Mädchen gebiert, ist Kavita klar, dass ihre kleine Tochter Usha nur überleben kann, wenn sie sie unter Aufbringung all ihrer Kräfte in ein Kinderheim bringt. Denn Jasu erwartet einen Sohn, Töchter kann er sich nicht leisten in einem Land, indem die Tradition der Brautmitgift herrscht ...
Somer und Krishnan leben in San Francisco, USA, beide sind gut situierte Ärzte, können sich ihren Kinderwunsch jedoch nicht erfüllen. Einige Fehlgeburten und Selbstzweifel nagen psychisch wie physisch an Somer, niemand scheint sie zu verstehen, und nur zögerlich kann sie sich auf eine Adoption einlassen; doch dann verguckt sie sich sofort in das kleine indische Mädchen Asha ...

Eine Geschichte über Armut und Kinderlosigkeit, über Traditionen und Familie, über Identitätssuche und Erwachsenwerden, über Liebe und Angst.

MEINE EINDRÜCKE: "Geheime Tochter" ist von Beginn an sehr emotional, dabei aber nicht kitschig. Die krassen Unterschiede des Alltags und der Lebensgeschichten von Kavita & Jasu und Somer & Krishnan sind sehr gut dargestellt. Die ständigen Sprünge und wechselnden Perspektiven zwischen Indien und USA, Kavita und Somer, das Hin und Her zwischen den Kulturen, Traditionen und Lebensbedingungen verdeutlichen die Gegensätze, zeigen aber auch, dass es zwar verschiedene Probleme sind, aber jeder mit den seinen zu kämpfen hat.

Besonders die Probleme und deren Folgen für die beiden Frauen gingen mir nah, das Gefühl der Ohnmacht, das Gefühl, sich an niemanden wenden zu können, des Alleinseins, der Ungerechtigkeit, die Wut auf sich selbst und auf nahestehende Personen, die Traurigkeit ... trotz dieser starken Emotionen blieben die Charaktere selbst aber leider auf der Strecke, insbesondere Somer blieb mir extrem fern. Ich fühlte mich wie ein Zuschauer einer konstruierten Geschichte, in der jeder die für das Gesamtkonzept eben nötige Rolle spielt - ja, es wirkte gespielt, funktional, nicht authentisch, beispielsweise Somers absolute Unwissen über Indien, das Heimatland ihres Mannes, aber auch viele Dialoge. Und so habe ich leider kaum Zugang zu den handelnden Personen und ihren Lebenswelten erhalten.

Aber woher kommt dieses Gefühl? Ein wenig vielleicht vom Schreibstil, der mir anfangs umständlich erschien, unnötig ausschweifend und umschreibend. Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, woraufhin mir allerdings die großen Zeitsprünge zu schaffen machten, die einerseits nötiges Stilmittel sind, um die Geschichte voranzutreiben, aber ich hatte dadurch das Gefühl, Wichtiges verpasst zu haben, besonders in der Beziehung zwischen Asha und ihren Adoptiveltern - zu viel blieb unausgesprochen und wage, unvollständig fühlte sich das an. Vieles habe ich mir selbst erdacht, mir überlegt, wie es gewesen sein könnte, aber es blieb ein lückenhaftes Bild, denn mehrere Lebensjahre konnte ich nicht unterfüttern. Leider ging mir dadurch der Kontakt zu den Charakteren noch mehr verloren.

Blass blieben auch die Nebencharaktere. Der Fokus der Geschichte liegt sehr deutlich auf den Geschehnissen selbst, weniger auf den beteiligten Personen, die so stark austauschbar wirken. Beispielsweise Krishnans Vater wird immer wieder als besondere Persönlichkeit erwähnt, tritt aber selbst kaum in Erscheinung, so dass der Leser ihn nicht kennenlernen kann und die späteren Ereignisse ihn betreffend ziemlich spurlos vorbeiziehen. Die große indische Familie wird immer wieder beschrieben und als wichtig dargestellt, doch nur ganz wenige davon lernt man wirklich kennen, über die meisten wird nur gesprochen, obwohl sie doch Lebensalltag zu sein scheinen und jeder kommt und geht, wann er will, die Türen sind immer offen ... Einerseits ist das für den Lesefluss wohl angenehm, wenn man nicht in Namens- und Personenverwechslungen unterzugehen droht, andererseits fehlte mir da wieder die Authentizität. Einzig positiv herausstellen kann ich für mich persönlich Jasu - der mir liebste Charakter - der unverzeihliche Fehler begeht, und dennoch ein gutes Herz in sich birgt und eine Entwicklung durchmacht.

Anzumerken ist noch, dass die Ereignisse in "Geheime Tochter" in Präsenz geschrieben sind, so dass sich Erinnerungen an die Vergangenheit sprachstilistisch deutlich abheben. Das ist ein angenehmer Effekt, um die Orientierung zu behalten und in die Vergangenheit der Charaktere einzutauchen.

Das Buch greift so viele Themen auf, dass es häufig überladen und gewollt wirkt; und dennoch ging mir die Geschichte gerade aufgrund des gehaltvollen Inhalts auch nahe, ich habe darüber nachgedacht, ich habe ein wenig Neues über Indien gelernt, mein Interesse wurde neu entfacht und alles in allem muss ich trotz meiner Kritik sagen, dass es inhaltlich ein starkes Buch ist.

FAZIT: Ich habe einige Kritikpunkte an der Umsetzung dieser Geschichte, die Charaktere sind wirklich schwach, die ganze Geschichte wirkt konstruiert, dennoch hat mir das Buch inhaltlich mehr gegeben als ich erwartet hatte und für mich hat es sich gelohnt, den Lebensweg dieser drei Frauen ein Stück zu begleiten.
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am 3. September 2012
Gleich zu Anfang bekommen wir einen Einblick auf das Leben in Indien. Ein Indien anders als uns Bollywoodfilme vorgaukeln, denn wir befinden uns in einem Dorf, in dem die Armut herrscht und die Geburt einer Tochter Unglück über die Familie bringt. Einer jungen Mutter wird ihr Kind direkt nach der Entbindung aus den Armen gerissen und sie wird es nie wiedersehen und sie wird auch nie wissen, was mit ihrer Tochter geschehen ist. Es tut weh und da dies eine Tatsache ist un nicht ausgedacht, bekommt dieses zu lesen einen noch bitteren Nachgeschmack. Ich weiß um die Zustände in Indien, es aber erneut zu lesen bringt mich ins Nachdenken und führt dazu, das ich noch dankbarer für meine beiden wunderbaren Töchter bin. Denn ich darf sie großziehen und sie zur Schule schicken, da wir in einem Land wohnen, wo Mädchen und Jungen doch in etwa gleich behandelt werden. Kavita wird wieder schwanger und auch dieses Mal entbindet sie ein Mädchen. was für eine Schande! Sie bringt das Kind heimlich in ein Waisenhaus, da sie hofft das ihrer Tochter, die sie Usha (Morgendämmerung) nennt um ihr zu einem besseres Leben zu verhelfen. Ihr die Chance zu geben zu überleben.

Erzählt wird die Geschichte der beiden Familien, die durch die Geburt von Usha miteinander verknüpft sind und das passiert sehr warmherzig und authentisch. Wir lernen alle beteiligten Personen gut kennen und beginnen nach und nach ihre Handlungen zu verstehen. Somer und Krishnan, die keine Kinder bekommen können und Jasu und Kavita, die Kinder bekommen, es sich aber nicht leisten können ein Mädchen groß zuziehen, da sie die Mitgift von 20.000 Rupien nicht aufbringen können. Kavita trauert jeden Tag um ihre verlorene Tochter und betet für sie. Es tut mir weh, das sie so leiden muss, aber letztendlich erkennt sie und auch später Asha (die von ihrer Mutter Usha genannt wurde) das dieser Weg gut war, auch wenn es erst sehr weh gehtan hat und es immer noch tut.

Ich fand das Buch sehr bewegend und Dinge wie Brautverbrennung oder die hohen Zahlen getöteter Mädchen in Indien hinterlassen mich sprachlos und vertört. Auch Kavita lässt in der 3. Schwangerschaft eine Ultraschalluntersuchung machen um festzustellen ob das Baby was sie austrägt endlich der ersehnte Junge ist. Es ist natürlich von der Regierung verboten, aber dennoch wird es so gehandhabt und wenn der Fötus ein Mädchen ist, wird abgetrieben. Ich musste schwer schlucken und es hat ein völlig neues Bild in mir entstehen lassen.

Auf einem Konzert von Daniel Kallauch wurde ich schon sensibilisiert auf die Umstände die Indien herrschen und aufmerksam gemacht auf ein Projekt, welches Mädchen unterstützt, die zwar in einem Waisenhaus leben, aber eine Schulbildung genießen dürfen.

Einmal der Link auf die Seite von Daniel Kallauch - unter "In Aktion" - Indien Projekt:
[...]
und der Link einer christlichen Organisation, die sich auch für Indien einsetzt:
[...] (Christliche Initiative für Indien)

Asha heißt übersetzt "Hoffnung" und so ist dieses Buch auch, voller Hoffnung und Liebe. Asha, die sich nach ihren leiblichen Eltern sehnt, erkennt irgendwann das nicht die Suche nach ihren Wurzeln ausschlaggebend ist für ihr Glück sondern viele Faktoren dabei eine Rolle spielen. Ein Buch welches voller Liebe steckt und uns doch ein Indien präsentiert, wie wir es so vielleicht noch nie gesehen oder gelesen haben. Die Kultur wird uns nahe gebracht, sowie die Menschen die in Mumbai leben. Arm und reich und dennoch miteinander verbunden.

Das Buch steckt voller leiser, aber auch voll von lauten Tönen, die je nachdem wie wir das Buch lesen, inwieweit wir uns öffnen sicherlich noch lange nachklingen werden.

Ich empfehle es gerne weiter und muss ganz, ganz deutlich eine Leseempfehlung aussprechen!
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am 7. November 2012
Ich hatte dieses Buch gewonnen und gleich begonnen zu lesen.

Es geht um 2 verschiedene Familien. Die eine, von einem Mädchen gesegnet, was jedoch zur Adoption freigegeben wird, und eine andere, die keine Kinder auf natürlichem Weg bekommen kann. Es kommt zur Adoption.

Dieses Buch nimmt den Leser mit in ein fremdes Land, eine fremde Kultur und auf die Suche nach der richtigen Identität und einer Familie.

Die Charaktere sind super gut durchdacht und individuell. Die indische Kultur wird wunderbar präsentiert unnd vieles wird ausführlich und verständlich erklärt.

Ich kann dieses Buch vor allem Frauenliteratur-Fans empfehlen.
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