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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 'Die Schande würde ihn niemals loslassen.'
Inhalt:
Dave Eggers erzählt in 'Zeitoun' von einer muslimischen Familie, die im Jahre 2005 in New Orleans lebt und deren Leben durch den Hurrikan Katrina aus den Fugen gerät. Während die Ehefrau Kathy die Stadt mit ihren Kindern verlässt, hält der Familienvater Abdulrahman Zeitoun die Stellung, kümmert sich um Haus, Firma und diverse...
Veröffentlicht am 21. Juli 2012 von sabatayn76

versus
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Reportageroman mit allen guten Sachen...
...und den schlechten auch.

Grundsätzlich ist ds Szenario Hurricane Katrina so einzigartig und unvorstellbar, daß man erstaunt ist von dem, was eben in dieser Situation alles geschehen konnte. Nicht nur, daß es dazu nicht wirklich viele Bücher gibt, nein, auch das persönliche Schicksal der Familie Zeitoun ist unglaublich. Man ist...
Veröffentlicht am 15. Mai 2012 von B. Preuschoff


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 'Die Schande würde ihn niemals loslassen.', 21. Juli 2012
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Inhalt:
Dave Eggers erzählt in 'Zeitoun' von einer muslimischen Familie, die im Jahre 2005 in New Orleans lebt und deren Leben durch den Hurrikan Katrina aus den Fugen gerät. Während die Ehefrau Kathy die Stadt mit ihren Kindern verlässt, hält der Familienvater Abdulrahman Zeitoun die Stellung, kümmert sich um Haus, Firma und diverse Mietshäuser, versorgt Menschen und Hunde in Not. Doch dann wird er verhaftet und ist sich eigentlich keines Verbrechens bewusst.

Mein Eindruck:
Bereits der Einstieg ins Buch ist hervorragend gelungen, der Leser erhält detaillierte Informationen über die Familie Zeitoun, ohne mit unnötigen Beschreibungen überladen zu werden, und die Protagonisten wachsen dem Leser sofort ans Herz. Zudem wird auf wenigen Seiten eine enorme Spannung aufgebaut, so dass man gar nicht anders kann, als immer weiter zu lesen. Auch sprachlich ist das Buch sehr empfehlenswert, zwar anspruchsvoll, jedoch stets flüssig lesbar.

Sehr schön und spannend fand ich auch die Beleuchtung politischer Hintergründe und der weitreichenden Folgen des Hurrikans.

Mein Resümee:
Überzeugend, erschreckend, berührend. Eine absolute Leseempfehlung!
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer das Buch liest, spendet später freiwillig bei Amnesty International, 23. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Beim Märchenvorlesen haben mich meine Kinder früher oft gefragt, ist die Geschichte auch wahr? Die Antwort war nie einfach, denn hat nicht jedes Märchen einen wahren Kern? Und was ist mit der schriftstellerischen Freiheit, die Fakten, so zusammenzufügen, dass eine ansprechende Geschichte daraus entsteht? Die Geschichte von Zeitoun ist wohl wahr. Leider.

Die Hauptperson ist ein amerikanischer Syrer, verheiratet mit einer zum Islam konvertierten Amerikanerin, vier Kinder, erfolgreicher Bauunternehmer, bestens integriert. Dann fegt der Wirbelsturm Katrina über New Orleans und hinterlässt Chaos und Panik. Und Zeitoun gerät zufällig und zu Unrecht in die Mühlen des amerikanischen Rechtssystems in einer Notsituation und damit außer Kontrolle.

Die Geschichte, eigentlich eine journalistische Reportage in literarischem Stil sehr nüchtern erzählt, lässt einen mehr als bedrückt zurück. Ist das wirklich so passiert? Kann eine demokratisch gewählte Regierung im Falle einer Naturkatastrophe Gesetze ignorieren und Menschen willkürlich anklagen und verschwinden lassen, sie entwürdigen, brechen und ganze Familien damit psychisch zerstören? Um es vorweg zu nehmen, sie kann! Und auch wenn wir hier in Europa denken mögen, ja, das ist eben Amerika, ein Repressionsstaat, eine Pseudodemokratie, so kann man sich doch vorstellen, wie auch hier ethnische oder religiöse Minderheiten im Not- und Ausnahmefall zu Unrecht vorverurteilt werden.

Dave Eggers hat für sein Buch drei Jahre recherchiert und unzählige Interviews geführt. Hat das Buch im Eigenverlag verlegt, dann die Zeitoun-Foundation ins Leben gerufen, in die sämtliche Erlöse dieses Buches fließen und die sich um Personen kümmert, die hilflos den Schwächen und Irrtümern des amerikanischen Rechtssystems ausgeliefert sind. Das Buch hat den American Book Award gewonnen. Absolut lesenswert!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Enorm spannendes und informatives Buch!, 20. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Worum geht's
Das Buch spielt kurz vor und während Katrina. Dave Eggers lehnt sich hier an das wahre Schicksal der Familie Zeitoun an und hat hierfür sehr viele Interviews mit den Betroffenen, aber auch weiteren wichtigen Personen für dieses Buch geführt. Es spiegelt eine ganz andere Geschichte wider als wir durch die Medien erhalten haben, was ich besonders spannend finde.

Zeitoun ist Syrer, somit Muslim und lebt mit seiner Frau (einer konvertierten Amerikanerin) und seinen Kindern in New Orleans. Er hat sich eine Baufirma aufgebaut und beschließt, als die ersten Hurrikane-Warnungen kommen, in der Stadt zu bleiben, um seine Häuser im Auge zu behalten. Frau und Kinder schickt er zu Verwandten und bleibt nur mit einem Kanu zurück. Als der Strum dann wütet und die Tage danach fährt er mit dem Kanu durch die Stadt, hilft wo immer er kann und wird schliesslich auf "Terrorismusverdacht" festgenommen und mehrere Tage festgehalten und behandelt, als sei die Stadt im Krieg und es sei seine Schuld..zum Ende schreib ich jetzt mal nix, man will das Buch ja vielleicht noch lesen

Wie ist's
Genial! Das Buch fesselst von der ersten Seite an. Dave Eggers schreibt sehr gut, die Wortwahl ist sehr treffend, die Sätze gerne an die Situation angepasst (und dann z.b. verschachtelt). Man erhält viele wichtige Informationen, wie die Lage damals war und kann wirklich alles vor dem eigenen inneren Auge sehen. Bilder im Buch verstärken dies noch und es ist einfach etwas anderes, ob man über eine fiktive Person oder eben über eine wahre Begebenheit liest. Ich war oftmals fertig mit den Nerven, wie Menschen sich in Ausnahmesituationen verhalten und habe häufig hinterfragt, was ich wohl tun würde.

Man erfährt auch sehr viel über das Leben als Muslim in den USA, der 11. September wird als Thema immer wieder präsent und man erfährt auch die Geschichte der Hauptperson, was ich sehr interessant fand. Auch wurde immer wieder der Islam thematisiert und aus dem Koran zitiert.

Mich hat das Buch sehr begeistert, ich empfehle es ausnahmslos weiter und es hat mir nochmal ein ganz anderes Bild von New Orleans gegeben. Ich war ja dieses Jahr schon dort und fand es sehr toll, aber hiermit..hat die Stadt nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Würde ich Sterne vergeben auf einer Skale von 1-10, wäre das hier eine 10! Thema, Schreibstil, Spannungsgrad..perfekte Symbiose!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Exkommunikation durch die Exekutive, 26. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Das Buch bietet alles, was eine spannende Lektüre ausmacht: Einen exotischen Ort (New Orleans), eine spannende Zeit (während des Wirbelsturms Kathrina), interessante Protagonisten (einen amerikanisierten syrischen Einwander und seine zum Islam konvertierte amerikanische Frau). Vor allem aber bietet es einen unheimlichen Plot (das Verschwindenlassen eines Bürgers durch die amerikanische Exekutive), der besonders dadurch Beklemmung auslöst, dass er wahr ist.
Die wirklich große Kunst des Autors erweist sich darin, dass er es versteht, die beiden nicht alltäglichen Hauptfiguren dem Leser in vielen kleinen präzise beobachteten Szenen so eindrucksvoll nahe zu bringen, dass sich dieser ganz in sie hineinversetzen, mit ihnen fühlen, denken, leiden und hoffen kann.
Ohne ein solches gegenseitiges Verstehen aber kann keine starke Gesellschaft entstehen, die unterschiedlichste Individuen zu integrieren vermag.Genau um dieses Thema geht es genau betrachtet auch bei diesem Buch, nämlich um die Assoziierungs- und Dissoziierungsprozesse, die Gesellschaften stark machen bzw. zerstören.
Nicht zufällig spielt die Handlung in Amerika, dem Einwanderungsland, dessen Geschichte von Individuen bestimmt wurde, die sich - wie hier die Hauptfigur des Buches - nach Durchleben eines Prozesses der Ablösung von ihrer Heimat mit Wagemut und Unternehmergeist in ihre neue amerikanische Heimat einbringen, integrieren und mit anderen zu einer starken neuen Gemeinschaft vereinen. Die Ironie der Geschichte ist es, dass ausgerechnet Zeitoun das Opfer eines unmenschlichen Ausgrenzungsprozesses wird, obwohl gerade er - abgesehen von seinem moslemischen Glauben - als Einwanderer, Unternehmer, gottesfürchtiger Familienvater und grundanständiger, selbstloser Nachbar wie kein anderer die uramerikanischen Werte verkörpert. Seine amerikanische Frau, die durch ihren freiwilligen Übertritt zum Islam eine neue religiöse Heimat findet, die ihre Halt gibt, muss erleben, wie dieser Schritt im Kreis ihrer amerikanischen Freunde und Familienmitglieder auf Unverständnis und auch Ablehnung stößt.
Das Beeindruckendste an diesem Buch wird einem als Leser erst am Ende der Lektüre klar: Es ist die ganz subtile Darstellung, wie das gemeinsame Miteinander-Reden, als Kernelement des Zusammenlebens in einer Gesellschaft schrittweise verschwindet. Ausgelöst wird dies durch den symbolhaften Bruch der Sicherungsdämme von New Orleans, der zum Untergang der Stadt führt und in dessen Folge auch alle rechtsstaatlichen Dämme gegenüber Behördenwillkür brechen und davongespült werden. Die Exekutive, die dann das Ruder übernimmt, spricht nicht, sondern agiert stumm. Ihre Organe fahren schweigend auf den Patrouillenbooten vorbei, auf Fragen antworten sie nicht mehr, sondern bellen allenfalls noch Kommandos. Es wird nichts mehr erklärt, begründet, oder gerechtfertigt. Ja nicht einmal eine Anklage, einen Vorwurf oder eine Beschuldigung gibt es mehr. Die Exekutive verzichtet vielmehr auf solche Legitimation, sie bedarf keiner Akzeptanz mehr. Die These des Staatstheoretikers Carl Schmitt bewahrheitet sich: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet". Das Ganze gerät zum alptraumhaften, kafkaesken Prozess.
Wer in die Sicherheitsraster dieser paranoiden Exekutivgewalt gerät wird in incommunicado-Haft genommen und wortwörtlich ex-kommmuniziert, nänmlich aus dem Kommunikationszusammenhang der Gesellschaft ausgegliedert: Ohne jede Kommunikation nach außen, zu einem Anwalt oder zu den Angehörigen verschwinden die Menschen einfach in Haftlagern. Waren mit der Überflutung schon Telephon- und handy-Netze unterbrochen, so ist das Sprechen jetzt sogar verboten. Der einzige Mensch, der mit Zeitoun im Auftrag der Exekutive spricht, ist ein Spitzel, der in seine Zelle geschleust wird, um ihn auszuhorchen. Ansonsten gibt es Kontaktsperre, Sprachlosigkeit, und eine unheimliche lähmende Stille und Ungewissheit, die allmählich immer mehr überhand nimmt. Selbst die Kontaktaufnahme der Angehörigen mit der Presse will die Exekutive unterbinden. Das Bürgerecht auf Information, Reden, Meinungsfreiheit gilt nicht mehr. Anfragen werden routinemäßig abgewiegelt oder gleich unbeantwortet gelassen. Die Exekutive genügt sich selbst. Wen sie exkommuniziert, der ist aus der Gemeinschaft ausgegliedert und verschwunden. Zeitouns Frau wird durch diese Erfahrung der Sprachlosigkeit traumatisiert. In gespenstisch anmutenden Szenen schildert der Autor, wie sie die Menschen nur noch die Lippen bewegen sieht, aber nichts mehr hört, bzw. selbst kein Wort mehr herausbringt.
Alles in allem ist "Zeitoun" ein kleines Meisterwerk, das allenfalls darin eine Schwäche aufweist, dass der Held mit seiner Geduld, Würde und Ausdauer vielleicht doch ein klein wenig zu positiv gerät.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen meine Hochachtung, 22. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Ich kann vor Dave Eggers nur meinen Hut ziehen. Er scheint gegen alle Wahrheiten, die er aufdeckt, von Idealismus getrieben. Er nimmt sich der Randfiguren an, gibt ihnen eine Stimme, sowohl den unveröffentlichten Schriftstellern im amerikanischen Literaturbetrieb (durch seine Zeitschrift McSweeney's), als auch Menschen, die Schicksalsschläge erlitten haben (durch seine Bücher, z.B. Weit gegangen, Zeitoun). Er hat in seinem Alter ein wenig gelesenes Genre wiederbelebt: die Reportageliteratur. Er stellt sich thematisch mit jedem Buch neuen Herausforderungen, neuen Themen. Er recherchiert jahrelang, geht in einen intensiven Austausch mit den Betroffenen. Er nutzt sein Talent als Autor, um Geschichten Anderer aufzuschreiben, und zwar in einer Form, dass sie auch gelesen werden. Er ist unglaublich aktiv, engagiert sich zivilgesellschaftlich und verzichtet dafür auf einen Großteil seiner Einnahmen. Wahrscheinlich idealisiere ich - ein wenig -, aber mir kommt vor, es gibt so bescheidene und integere Menschen nicht oft.
Die Sprache: Natürlich ist die sachlich, es geht weniger darum, den Leser durch sprachliche Brillianz bei Laune zu halten. Durch die geschilderten Ereignisse, die Fakten und die Erzählungen der Beteiligten ist er ja auch formal gebunden. Aber ich finde, Eggers holt da literarisch alles heraus, was geht. Er montiert die Geschichten immer sehr spannend, wählt interessante Perspektiven, beschreibt auch intensiv die emotionale Verfasstheit seiner Protagonisten. Und plötzlich lesen wir über und nehmen Anteil an humanitären Katastrophen und und politischen Skandalen, die sonst als Bestandteil der Nachrichten weit weg geblieben wären.
Ich finde das großartig und AUF JEDEN FALL spannend und gut zu lesen.
Ich finde übrigens nicht, dass Zeitoun als Gutmensch überzeichnet wird. Immerhin hat er nicht im Team, mit seiner Familie, entschieden, sondern wider alle Ratio seinen Kopf durchgesetzt und sich dadurch in Gefahr gebracht. Was ihm dann tatsächlich passiert ist, war vielleicht nicht absehbar, aber es gab viele andere Gefahren, weswegen sein Bleiben in der Stadt seiner Frau und seinen Kindern gegenüber eigentlich unverantwortlich war.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zur falschen Zeit am falschen Ort - dramatische Konsequenzen individuellen Handelns, 5. September 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Während Katrina in Teilen der Südstaaten, hier in New Orleans, wütete und eine völlig zerstörte Stadt hinterließ, rotteten sich Banden zusammen und plünderten alles, was sie unbewacht vorfanden. Als Ergebnis davon erließ die damalige Gouverneurin den Befehl, die zusammengerufenen Nationalgarden dürften ihre Waffen benutzen und Menschen im Notfall auch erschießen. Auf jeden Fall wurde der Notstand ausgerufen.

Zeitoun, wie ihn alle nennen, besitzt ein gut gehendes Baugeschäft, ist verheiratet mit Kathy und hat 4 Kinder. Er ist in Syrien geboren, lebt aber schon lange in den USA und hat dieses Land auch als seine Heimat anerkannt. Er ist gut gelitten in der Nachbarschaft, arbeitet quasi rund um die Uhr, liebt seine Familie und ist - was wir darunter verstehen würden - ein guter Amerikaner. Als Ende August der Wirbelsturm Katrina auf die Stadt trifft, bleibt er als einziger seiner Familie vor Ort, um sein Haus zu bewachen. Seine Frau flieht mit den Kindern zuerst zu ihrer Familie nach Baton Rouge, später nach Phoenix zu ihrer Freundin. Zeitoun holt sein Paddelboot aus dem Keller und während seiner Streifzüge durch die überflutete Stadt kann er einigen in Not geratenen Menschen helfen, auch zurückgelassene Hunde kann er vor dem Verhungern retten, plündert seine Kühltruhe und schafft jeden Tag für sie Lebensmittel ran. Als er nach einigen Tagen beschließt, doch die Stadt zu verlassen und mit einigen Bekannten in einem seiner Mietshäuser zusammen sitzt, stürmen plötzlich vermummte Männer und Frauen die Wohnung und verhaften alle Anwesenden ohne Angaben von Gründen. Hier beginnt ein grenzenloses Martyrium für Zeitoun, dessen Ausmaße mich ständig an das Gefängnis in Guantanamo erinnerten.

Eggers hat eine Dokumentation in Romanform geschrieben. Das Buch ist von Anfang an erst sehr unterhaltsam, dann richtig spannend und später so horrormäßig, dass es mir schwer fiel, mich daran zu erinnern, dass diese Geschichte so oder so ähnlich wohl geschehen ist. Ich finde seinen Stil nicht sachlich, wie andernorts beschrieben, sondern teilweise recht emotional.

Dabei darf man nicht vergessen, dass im Falle des Notstandes bestimmte Gesetze außer Kraft treten, auch Gesetze, die mit den Grundrechten zusammen hängen; außerdem darf die Armee im besonderen Maße handeln. Das wäre auch in Deutschland so ähnlich. Vor diesem Hintergrund muss man die damaligen Geschehnisse bewerten, und das ist ein Kritikpunkt an Eggers. Er geht viel zu wenig darauf ein. Das heißt nicht, dass im Einzelfall sicher völlig überzogene Dinge geschahen, wie wir sie hier lesen können.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Reportageroman mit allen guten Sachen..., 15. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
...und den schlechten auch.

Grundsätzlich ist ds Szenario Hurricane Katrina so einzigartig und unvorstellbar, daß man erstaunt ist von dem, was eben in dieser Situation alles geschehen konnte. Nicht nur, daß es dazu nicht wirklich viele Bücher gibt, nein, auch das persönliche Schicksal der Familie Zeitoun ist unglaublich. Man ist fassungslos angesichts dessen, was in einem "Rechtsstaat" passieren kann, sobald es keine geregelten Abläufe mehr gibt. Insofern ist das Buch Lehrstück und Ermahnung zugleich.

Leider kann sich jedoch der Autor nicht entscheiden, ob er "nur" sachlich nacherzählen oder Partei ergreifen bzw. moralisieren will. Beides wäre ok, der uneinheitliche Mix wird für den Leser zum Problem - denn ich hätte mir gerne öfter meine eigene Meinung gebildet, statt sie vordefiniert zu erhalten. Nachdem ich von "Weit gegangen" absolut begeistert und berührt war, hat mich dieses Buch nun ehrlicherweise etwas unberührt zurückgelassen.

Fazit: Ein gutes Buch mit richtigem und wichtigem Anliegen, das sicher lesenswert ist. Aber "Weit gegangen" spielt definitiv in einer anderen Liga.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Super, 14. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Ein sehr interessantes und lehrreiches Buch, aber als spannender Roman, über Amerika geschrieben von einem Journalisten.
Ich habe es sehr gern gelesen und mir gleich ein weiteres von ihm gekauft.
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5.0 von 5 Sternen Eine unglaubliche Geschichte, 2. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Das Buch greift eine wahre Geschichte auf: wie schnell ein Mensch in die Mühlen von Politik und Geheimdienst geraten kann und wie schwer es ist, seine Unschuld zu beweisen. Fesselnd und sprachlich ansprechend geschrieben, gerät man rasch in den Sog der Ereignisse. Man kann gar nicht glauben, dass das keine Fiktion ist, sondern auf einer wahren Geschichte basiert - das macht Angst! Wie gut und richtig, dass der Autor den Ereignissen mit seinem Buch so viel Öffentlichkeit verschafft: vielleicht trägt es dazu bei, dass die Staatswillkür doch etwas gezügelt werden kann.
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4.0 von 5 Sternen Bewegender Tatsachenbericht, 23. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zeitoun (Taschenbuch)
Zeitoun erzählt die aufwühlende Geschichte einer Einwandererfamilie während des schlimmen Sturms Katrina.
Ich fand es sehr interessant, darüber zu lesen. Wenn man so etwas selber nicht erlebt hat, kann man nur schwer nachvollziehen, mit welchen Widrigkeiten Menschen damals in New Orleans zu kämpfen hatten.
Zu"guter Letzt" kommt die Hauptperson zu allem Überfluss auch noch ins Gefängnis - völlig unschuldig! Kaum zu glauben,dass sich so etwas in den oft so gerühmten USA zugetragen hat. Aber was will man von einem Land, das Guantanamo noch immer nicht geschlossen hat...
Wer Tatsachenberichte schätzt, sollte dieses Buch lesen.
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Zeitoun
Zeitoun von Dave Eggers (Taschenbuch - 16. Februar 2012)
EUR 9,99
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