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Kundenrezensionen

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am 22. September 2012
Als Betroffener (Ehemann einer Frau mit "Bulirexie") habe ich das Buch mit gewaltiger Beklemmung und in sorgfältig abgewogener Dosierung lesen müssen. Es hat sich aber gelohnt, nachdem die Krankheit von ihr und ihrer Familie stets als Tabu behandelt wird und auch nicht offen ansprechbar ist, ein wenig hinter die Kulissen zu schauen, zu verstehen, warum diese Liebe zu Eis, warum die ausgewählten Brausetablettensammlungen, warum und wozu welche Lebensmittel u.s.w.

Gespenstisch ist, wie viele der Szenen und Abläufe mir seltsam vertraut erschienen, und Annas Vorliebe für die gleiche US-Fernsehserie, die meine Frau so liebte, hat mich umgehauen.

Es hat mir mehr gebracht als all die Ratgeberseiten und -bücher (die genau so ohnmächtig sind wie Annas Arzt) - es hat mir gleichzeitig Kraft gegeben und Hoffnungen genommen. Für alle, die Informationen aus einer anderen Sicht als der des Therapeuten suchen, speziell für die, die mal versuchsweise durch die Augen der Kranken auf die Welt sehen möchten, ist dieses Buch ein Muss!

Im Übrigen finde ich auch die Story über das Verhältnis zwischen Esten, Finnen und Russen sehr lesenswert.
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am 22. August 2012
Sehr diffus und schwer zu entziffern erfahren wir zuerst von Anna aus Estland, die an Bulimie leidet. Warum nur will sie unbedingt ihr Gewicht reduzieren?

Sie lebt mit ihrer Mutter vom Vater getrennt in Finnland. Damit hat es eine besondere Bewandtnis: Katariina ist Estin. Frauen dieser Abstammung gelten in Finnland als russische Huren, weil sie sich während der russischen Besetzung häufig mit russischen Soldaten eingelassen haben. Anna darf vieles nicht wissen. Ihre Mutter hat zahlreiche Geheimnisse. Die Tochter darf z.B. nicht estnisch sprechen, denn die Mutter versucht weitgehend, ihre Herkunft zu verschleiern. So mäandert das Buch zunächst durch die Zeiten, einmal vor und einmal zurück. Der Leser bekommt die Gemeinheiten und Tiefschläge des Lebens von Mutter und Tochter nur unterschwellig mit. Dieser Kunsttrick mag dazu beitragen, dass man etwas von den versteckten und erschreckenden Bedingungen ahnt, unter denen die Bewohner Estlands während der russischen Besatzung nach dem zweiten Weltkrieg leben mussten. Anna als Nachfolgekind einer Generation, die viele Schikanen erduldet hat, findet sich in dem Durcheinander des Lebens ihrer Eltern nicht zurecht. Besuche der Verwandtschaft in Estland wecken eine stete Sehnsucht nach Land und Leuten in ihr.
Mit ihrer Essstörung hat sie Macht über die Mutter, ihre Liebhaber und über sich selbst.

Die Sprache ist abgehackt und unterbrochen von wechselnden Kapiteln: Estland unter russischer Besatzung und Anna in Finnland mit ihrer Krankheit Bulimie.
Die Erzählung ist buchstäblich schwer verdaulich. Essstörungen sind eine Qual für die Betroffenen und ihre Umwelt. Sie setzen alle unter Druck, gebären Heimlichkeiten ohne Ende und grenzen immer an den möglichen Tod als Folge der Erkrankung.

Sofi Oksanen hat sich offensichtlich ihren eigenen Frust über ihr Land und deren Bewohner von der Seele geschrieben.

Schon in ihrem Roman "Fegefeuer" hat sie über Schicksale von Frauen im Dunstkreis von Macht und Kriegen geschrieben. Es ist ihr Thema. Sie kann schreiben, und politisch interessierte Menschen werden ihren Gewinn aus dieser Geschichte ziehen.
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am 27. März 2015
Kreuz und quer, hin und her, zwischen Finnland, Estland und Russland... vor und zurück von den 40-er bis in die 90-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts führt uns dieser Roman von Sofi Oksanen. Da muss man viel mitdenken und oft nachschlagen und auf keinen Fall das Buch weglegen und erst Wochen später weiterlesen, denn sonst verliert man den Anschluss. Hinzu kommen jede Menge Personen, die in teilweise unklaren Beziehungen miteinander stehen. All das macht es eigentlich recht mühsam, dieses Erstlingswerk der jungen finnischen Schriftstellerin zu lesen.

Warum ich trotzdem immer weiter gelesen habe? Sofi Oksanen versteht es, den Spannungsbogen zu halten und sie schreibt gut. Ich mag ihre Sprache und die Bilder, die sie evoziert, wenngleich diese oftmals fremd, ungewohnt und grauenvoll sind. Annas Welt - die innere und die äußere - ist eine Welt, von der ich bisher keine Ahnung hatte. Beklemmend... aber gekonnt beschrieben. Keine Frage, ich werde auch ihre anderen Bücher lesen und da ich gerne chronologisch lese, bin ich jetzt neugierig auf "Fegefeuer".

Über die Handlung von "Stalins Kühe" wurde hier schon mehrfach berichtet, ich schreibe deshalb darüber nicht noch einmal.
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TOP 500 REZENSENTam 18. Mai 2014
Inhalt:
Anna ist Bulimikerin, ihr Leben ist bestimmt vom Essen und von der Beschäftigung mit Essen. In 'Stalins Kühe' wird die Geschichte von Anna und ihrer Krankheit, von Annas Familie und ihrer Herkunft erzählt. So wie Anna ihre Krankheit leugnet, leugnet ihre Mutter Katariina ihre estnische Herkunft und erwartet auch von Anna, dass sie nicht über ihre Familiensituation spricht, denn Estinnen sind in Finnland nicht angesehen.

Mein Eindruck:
Ich habe bereits 'Fegefeuer' mit großer Begeisterung gelesen und bin ebenso beeindruckt von 'Stalins Kühe'. Besonders gut haben mir die verschiedenen Zeitebenen gefallen: man liest von Annas Kampf gegen ihre Bulimie, man erfährt von Katariinas Leben in Estland, von ihrer Heirat mit einem Finnen und von ihrem neuen Leben in Finnland, man bekommt Einblicke in die Geschichte Estlands vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart.

Der Schreibstil ist (wie bei 'Fegefeuer') sehr eindringlich und sehr direkt, wodurch das Buch oft sehr explizit, wenig zimperlich und sehr verstörend wird. Da ich 'vom Fach' bin und mich dadurch recht gut mit Essstörungen auskenne, kann ich sagen, dass die Schilderungen von Annas Essstörung unglaublich authentisch und befremdend realistisch erscheinen, dass der Leser hier sehr viel über Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge eating lernen kann.

Mein Resümee:
Eine neue Lieblingsautorin! Im August erscheint Sofi Oksanens neuer Roman 'Als die Tauben verschwanden', auf den ich mich schon sehr freue.
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am 9. November 2014
... umgesetzt von Sofi Oksanen, Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters. Letzterer Umstand wird zu einem Nebenthema von "Stalins Kühe", sprachlich famos und mit genauer Kenntnis der historischen Hintergründe in Rückblenden erzählt. Wie schon in "Fegefeuer" versteht es Oksanen meisterhaft, das Innenleben der Hauptfigur auszuleuchten und ihre Krankheit quasi mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Sprachlich erinnert "Stalins Kühe" in seiner direkten und dennoch poetischen Art ein wenig an den Schreibstil von Herta Müller, vielleicht noch ein wenig mehr zu erzählerischen Extravaganzen neigend.
Fazit:
Große Literatur, interessantes Thema, inhaltlich und sprachlich famos umgesetzt.
Empfehlung!
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am 2. Januar 2013
Dieses Buch pendelt zwischen Finnland und Estland und den unterschiedlichen Regimen. Die Stimmen der beiden Thalbachs empfand ich als sehr angenehm, hätte mir jedoch gewünscht, dass die in der Übersetzung von Angela Plöger bewusst belassenen finnischen Namen bzw. der finnischen Produkte von den beiden Damen auch finnisch ausgesprochen worden wären.
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am 15. Juni 2015
„Denn ich hatte kein Herz. Ich hatte Essen.
Ich hatte keine Liebe. Ich hatte Essen.
Ich hatte keine Angst, nur Erstarrung und Essen.
Ich hatte keinen Zorn, nur einen Magen, der sich bis zum Rand füllte.“ (S. 316)
Wer keine Lust hat, die ganze Rezension zu lesen, hier eine Kurzfassung: Wundervoll. Unbedingt lesen!
„Stalins Kühe“ ist in gewissem Sinn eine Familiengeschichte über drei Generationen, genauer gesagt eine Frauenfamiliengeschichte: Sofia, die Großmutter, Katariina, die Mutter und Anna, die Tochter. Aber im Mittelpunkt steht Anna, die mit ihrer Identität und ihrem „Herrn“ – ihrer Bulimie – kämpft. Im Laufe des Romans lernt der Leser diesen Herrn, aber auch seine Ursachen gut kennen.
Sofia und Katariina sind Estinnen, Katariina heiratet aber einen Finnen und wandert aus. Und so lernt man auch sehr viel über die estnische Geschichte im 20. Jahrhundert, den Zweiten Weltkrieg, die Deportationen nach Sibirien, die Kollektivierung der Landwirtschaft, die Mangelwirtschaft, bis hin zum Systemwechsel 1989.
Sofi Oksanens Sprache hat mich begeistert. Gerade Annas Krankheit, die oft aus der Ich-Perspektive beschrieben wird, ist oft so plastisch beschrieben, dass es einem Angst wird. Unglaublich kraftvoll. Aber auch die Komposition, der Wechsel zwischen den drei Generationen und Geschichten, zwischen Zeiten und Orten, hat mir sehr gut gefallen.
Und weil ich gerade beim Schwärmen bin: auch das Cover finde ich besonders erwähnenswert und äußerst gelungen!
Eine klare Leseempfehlung von mir! Und ich werde mir jetzt das nächste Buch der Autorin besorgen.
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am 14. Januar 2013
Ziegen werden in Sibirien "Kühe Stalins" genannt - und es wird schon einen Grund dafür geben.
Ein Buch, das einen frösteln macht - nicht nur wegen der Krankheit ANNAS, sondern auch wegen der immer spürbaren Feindschaft zwischen den, von der Autorin beschriebenen Völkern - Estland, Finnland, Russland.
Katharina - Mutter ANNAS, ist ESTIN mit Leib und Seele, aber sie heiratet wegen der besseren Lebensumstände und der Gefahren, die in Estland durch die Russen auf sie lauern, einen Finnen. Und sie wird in diesem Land, in dem es jeglichen Luxus gibt, und das so ganz anders ist als ihre ärmliche Heimat mit Mutter und Geschwistern, nie heimisch.
Und ihre Tochter muß ihre halbestnische Herkunft verheimlichen. "Russische Hure" würde sie sonst von den Finnen genannt. Katharina läßt ihr nicht einmal die Sprache lernen - ANNA lernt sie heimlich. Und im Innersten fühlt sie sich entwurzelt, ihrer richtigen Heimat beraubt. Und die Krankheit Bulimie ist die Begleiterin der jungen ANNA und diese läßt sie, trotz verzweifelter Versuche nicht aus ihren Krallen.
Ein todtrauriges Buch!
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am 19. September 2014
Zuerst habe ich nicht verstanden,um was es eigentlich ging,aber im Laufe der Geschichte wurde es immer verständlicher und für mich immer faszinierender ,wie schwer sich manche das Leben machen ,der Leute wegen und welche Entbehrungen in Estland/Russland an der Tagesordnung waren,obwohl auch ich im Nachkriegs Deutschland aufgewachsen bin
Anna und Katharina Thalbach als Sprecherinnen sind natürlich sehr gut
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am 28. November 2013
Man bekommt wieder vor Augen geführt wie schlimm diese Krankheit wirklich ist und in welcher Parallelwelt die Betroffenen leben. Tolles Buch.
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