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47 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das wahre Ausmaß entfaltet sich erst allmählich
Zuerst sind es einfach nur 2 Ehepaare, die zum Essen in einem teuren Restaurant verabredet sind.
Ich-Erzähler ist Paul, der sich mit seiner Frau einig darüber ist, dass es angenehmer wäre, den Abend anders zu verbringen. Paul graut es vor den vielen selbstverliebten, publikumswirksamen Inszenierungen des männlichen Parts des anderen Paares...
Veröffentlicht am 16. Oktober 2010 von Rinella

versus
84 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vom feinsinnigen Kammerspiel zur trivialen Komödie
Das Ausgangsszenario von "Angerichtet" ist hoch interessant: Die Handlung besteht im Wesentlichen aus einem Abend in einem edlen Restaurant, der viele familiäre Verwerfungen offenlegt. In einem traumhaft leichten Ton lässt uns der Autor an den feinsinnigen Beobachtungen des Ich-Erzählers teilhaben. Dessen scharf-ironischer Blick nimmt genüsslich die...
Veröffentlicht am 15. September 2011 von JKH


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84 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vom feinsinnigen Kammerspiel zur trivialen Komödie, 15. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet (Gebundene Ausgabe)
Das Ausgangsszenario von "Angerichtet" ist hoch interessant: Die Handlung besteht im Wesentlichen aus einem Abend in einem edlen Restaurant, der viele familiäre Verwerfungen offenlegt. In einem traumhaft leichten Ton lässt uns der Autor an den feinsinnigen Beobachtungen des Ich-Erzählers teilhaben. Dessen scharf-ironischer Blick nimmt genüsslich die Fassade der High-Society auseinander, er sagt viel über das Verhältnis zu seinem machtbewussten Bruder aus, mit dem er essen geht. Man stimmt als Leser unterbewusst dem Urteil des Ich-Erzählers gerne zu, wenn er seinen Bruder, einen aufstrebenden Politiker, als unangenehme, karrieregeile und berechnende Persönlichkeit charakterisiert.

Doch dann folgt der Bruch: Nach und nach zeigt sich, dass der Blick des Ich-Erzählers von Neid und Neurosen gefärbt war - ist alles ganz anders, als es scheint? Ist nicht der Politiker, sondern der Ich-Erzähler der wahre Problemfall, das echte Charakterschwein? All das hat Autor Hermann Koch hervorragend komponiert, bzw. "angerichtet". Es ist der Stoff für einen tollen Roman. Und es scheint noch besser und dramatischer zu kommen, als der Verlauf des Abends einen erschütternden Vorfall preisgibt, für den die Kinder der beiden Brüder verantwortlich sind. Wie gehen die Eltern damit um? Können die beiden Brüder ihre persönlichen Streitigkeiten angesichts der Tragweite des Vorfalls überwinden? Sind sie sogar durch ihre womöglich falsche Erziehung an den Taten der Kinder mitschuldig? Hochspannende Fragen, die Hermann Koch mit seinem Plot aufwirft und deren Beantwortung man entgegenfiebert. Allein: Dazu kommt es nicht.

Was als feinsinnges Kammerspiel beginnt, endet als Slapstick-Comedy, die keinen ihrer Protagonisten mehr ernst nimmt. Man will als Leser ja nicht der Spielverderber sein, wenn ein Roman eine unvorhergesehene Wendung nimmt, sondern sich möglich unvoreingenommen darauf einlassen. Das stellt den Leser bei "Angerichtet" allerdings vor fast unüberwindbare Hürden: Der Roman, der seiner Figuren zu Beginn mit feiner Hand charakterisiert, gibt sie nun der Lächerlichkeit preis. Als was für eine Person genau sich der Ich-Erzähler entpuppt, soll hier aus Gründen der Spannung nicht vorweg genommen werden. Doch so viel kann verraten werden: Die Entwicklung, die die Person des Ich-Erzählers nimmt, wertet den ganzen Roman ab. "Angerichtet" gibt eine triviale, profane Antwort auf die so mühevoll augeworfenen, komplexen Fragen. "Angerichtet" endet ernüchternd, es endet erst dann, als Hermann Koch von seiner präzisen Charaktersudie einer Familie nichts mehr übrig gelassen hat. "Angerichtet" ist ein lesenswerter Roman, der die DNA eines Meisterwerks in sich trägt und dessen ernüchternde Auflöung genau deswegen so tief enttäuscht.
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47 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das wahre Ausmaß entfaltet sich erst allmählich, 16. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet (Gebundene Ausgabe)
Zuerst sind es einfach nur 2 Ehepaare, die zum Essen in einem teuren Restaurant verabredet sind.
Ich-Erzähler ist Paul, der sich mit seiner Frau einig darüber ist, dass es angenehmer wäre, den Abend anders zu verbringen. Paul graut es vor den vielen selbstverliebten, publikumswirksamen Inszenierungen des männlichen Parts des anderen Paares.
Sehr amüsant werden die Macken dieses Mannes in Pauls Gedanken und Gesprächen mit seiner Frau durch den Kakao gezogen. Warum sie denn überhaupt dort hingehen, ist zunächst völlig unklar - wo sie doch eigentlich überhaupt keine Lust dazu haben.
Später stellt sich heraus, dass es sich bei dem anderen Paar um Paul's Bruder Serge und dessen Frau handelt und dass Serge ein hochrangiger Politiker ist.

Dem Leser bleibt zunächst gar keine andere Wahl, als die beschriebene Welt aus Paul's Sicht wahrzunehmen und mit der sehr intimen Innenansicht von Paul diesen auch als sympathisch zu erleben und sich mit ihm zu identifizieren.
Die sehr lästerlichen und witzigen Anmerkungen zu dem anderen Paar, dem aufgeblasenen Personal des Restaurants und dem teuren Essen sind einfach lustig und der eine oder andere Gedanke dazu kommt dem Leser vielleicht auch sehr bekannt vor.

So nach und nach kommt während des Essens und Rückblenden von Paul während des Essens heraus, worum es eigentlich geht.

Sehr langsam entfalten sich für den Leser die ganzen Schichten von Paul's Persönlichkeit und die der anderen zum Teil auch. Schockierende Vorgänge werden offenbar.

Erst ganz am Schluss ist das ganze Ausmaß der fürchterlichen Vorgänge und des Umgangs damit sichtbar. Noch in den letzten Sätzen gibt es dazu eine gänsehauttaugliche Eröffnung.

Ein geniales Buch - ein echtes Meisterwerk! Gerade dieser allmähliche Einstieg in die Vorgänge ist meines Erachtens hervorragend gelungen. Von Anfang an witzig, interessant und sehr spannend geschrieben, gewinnt das Buch enorm an Fahrt mit jeder Seite mehr, ohne dass auch nur einmal die Spannung abflacht. Am Ende bleiben für den Leser die Gedanken daran, was sein darf und was nicht und wie mit Katastrophen umgegangen werden sollte.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eltern sind die besseren Kriminellen ..., 7. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet: Roman (Taschenbuch)
2 Brueder, die verschiedener nicht sein koennten, und ihre Frauen treffen sich in einem angesagten Sterne-Restaurant, um dort die Tat, die fuer jedes Elternpaar einen Albtraum darstellen wuerde, ihrer Soehne zu besprechen und gemeinsame Loesungen zu suchen, von denen keines der beiden Paare weiss, wie diese aussehen werden. Beide Paare haben voellig unterschiedliche Vorstellungen von dem, was zu tun ist und wie man einem Vergehen zu begegnen hat, das keineswegs alltaeglich ist. Waehrend Paul, der Ich Erzaehler, auf den ersten ca. 120 Seiten, auf denen dem Leser keinesfalls klar ist, worum es eigentlich geht, durchaus Pluspunkte zu sammeln weiss, bleibt sein Bruder, ein angesehener Politiker mit Ambitionen, in der Sympathie des Lesers mehr oder weniger auf der Strecke. Typisch seine Eigenschaften, die des politischen Emporkoemmlings, typisch die Attitueden des juengeren Bruders, der sein Leben lang unter dem grossen (Politiker-)Bruder gelitten hat und sich in einigen wenigen Situationen hat befreien koennen, wenn auch nur mit Verhaltensweisen, die dem Leser bereits hier den Atem stocken und ihn erkennen lassen, das in dieser Familie nichts normal scheint. Vielleicht ist Paul doch nicht der (angedeutete) Gute und Serge der Boese. Nach und nach faellt die Maske und Paul wird zum eigentlichen Unsympathischen. Die Art und Weise, wie er die Tat seines Sohnes zu kaschieren und zu decken, noch schlimmer zu legitimieren sucht, aber auch der Umgang mit dem Sohn selbst lassen keinen Zweifel daran, dass mit Paul und seiner Familie weitaus weniger stimmt, als angenommen. Das, was sich hier abspielt, ist nicht der Versuch einer Familie, Loesungen fuer das fehlgeleitete Verhalten eines Sohnes zu suchen, sondern der krankhafte Versuch einer in sich krankhaften, unmoralischen Familie, dass nicht entschuldbare Verhalten des Sohnes zu verschleiern. Beide Parteien, Eltern und Sohn gleichermassen, weisen weder Schuldbewusstsein noch Reue auf und zeigen auf, dass sich Verhalten dieser Art nicht auf die Unterschicht reduziert und schon lange Bestandteil unserer gesamten Gesellschaft ist. Was ist schief gelaufen und wenn ja, an welcher Stelle? Eine Frage, die sich der Leser unweigerlich stellt, ohne darauf eine Antwort zu bekommen. Bedrueckend, mit welchen Eltern so manches Kind gestraft ist ...
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Elternliebe = Affenliebe???, 14. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet: Roman (Taschenbuch)
Über das Buch wird (eigentlich) in allen Rezensionen alles gesagt; zumindest in denen, die dies literarisch hochwertige Werk positiv skizzieren. Die Frage, die sich mir als Leser stellt, ist die, ob es eine übergeordnete (verordnete) Moral gibt? Mir scheint, dass viele negativen Rezensenten förmlich paralysiert sind, dass es am Ende des Buches keine (befriedigende!Hä?) Lösung gibt. Dass das Leben immer so einfach und formbar und vorhersehbar und leicht und locker daherkommt, wie es vor der Glotze erscheint.
Da gibt es den (scheinbar) schwachen, hemmungslosen, egoistischen Politiker, dem der geneigte Leser nach rund einem Viertel des Buches ebenfalls einen in die Fresse hauen möchte. Und die (scheinbar) devote Ehefrau verkörpert alle Klischees einer Politikergattin im Schatten seines Erfolges.
Doch so langsam kriecht dem Leser bei der Analyse des Ich-Erzählers der eiskalte Schweiss den Rücken hinab und er/sie begreift, aus welchem Holz dieser - samt seiner reizenden Gattin - geschnitzt ist. Das dyssoziale Verhalten des, an einer Borderline-Störung leidenden, Hauptprotagonisten, wird derart überzeugend und stimmig in seiner ganz frühen Entwicklung und späten Auswirkung beschrieben, dass es fast als Lehrstück in der Ausbildung herhalten kann.
Doch dies ist nur ein Aspekt im Plot von Koch. Ungeheuerlich ist die (Affen-)Mutterliebe beider Schwägerinnen. Verhält sich Serge noch einigermaßen "normal", so gehen die Mütter unerträglich weit in ihrem familiären Zusammenhalten. Da dem Leser kaum noch Fragezeichen bei dem Verhalten von Paul vor Augen erscheinen, macht es so unsicher, dass wir Babette und Claire nicht eindeutig greifen können. Ist es die reine Mutterliebe? Ist es der Absturz aus dem sozial so gesicherten Promi-Himmel? Oder ist es eine Mischung aus allem? Auch aus einem (verkappten) Rassismus, der bei Claire und Paul so widerlich fies, subtil aus den Buchstaben kriecht? Mir scheint, nicht ohne Grund ist dieses Buch von einem Holländer zur (Achtung!Wortspiel!) rechten Zeit in den Niederlanden erschienen. Herman Koch hält seinen Landsleuten hier mit diesem Buch auch einen kleinen Spiegel vor.
Und dann sind da noch die pubertären Söhne, die mit Problemen umgehen, wie es ihnen u.a. vorgemacht wurde. Dem Leser wird wahrlich nichts geschenkt. Keine oberflächliche Lektüre, die man einfach so wegliest und dann vergisst und zum nächsten Buch greift. Manchmal bleiben einfach Fragen offen. Manchmal muss man seinen eigenen Bregen einfach mal einschalten. So, wie im richtigen Leben halt auch. Ja, das ist hart!
Alles in allem ein sehr nachdenkenswertes Literaturereignis! Zurecht auf den Bestsellerlisten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das sieht erst sehr übersichtlich aus, aber dann..., 26. September 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet: Roman (Taschenbuch)
Zwei Brüder und ihre Frauen treffen sich zum Abendessen in einem Sternerestaurant. Der ältere der beiden ist ein bekannter Politiker, ein arroganter, ziemlich hohler Schnösel, der mit seiner ganzen Art dem jüngeren Bruder gewaltig auf die Nerven zu gehen pflegt. Beste Voraussetzungen für einen entspannten Abend.

Was sich anlässt wie eine ironische, ein wenig neidbefeuerte Gesellschaftsposse über Sternerestaurants, die Größe der Portionen (hatte hier Loriot nicht eigentlich schon alles Erforderliche gesagt?) und die Abgehobenheit ihrer Klientel, erfährt eine empfindliche Wendung, als sich allmählich den Grund für das Zusammentreffen herausschält: Die Söhne beider Familien haben etwas getan, was vor allem mit der Karriere des älteren Bruders nicht vereinbar ist.

Herman Koch versteht es hervorragend, den Leser mit gerade so viel Information zu versorgen, dass es wirklich spannend bleibt. Und trotzdem ist das Buch beileibe nicht nur ein Thriller, sondern viel wichtiger und interessanter ist die sehr grundsätzliche Frage, wie weit Eltern gehen können, um ihre Kinder zu schützen - ja, und wie man sich selber verhielte, fände man sich je in einer ähnlichen Situation wieder.

Eine andere Wendung, die ich dann aber eher als störenden Bruch empfunden habe, ist das, was man nach und nach über die Persönlichkeit des Ich-Erzählers erfährt. Auch wenn es wohl das Verhalten seines Sohnes teilweise erklären soll, hat Herman Koch hier den Bogen ziemlich überspannt und darüber hinaus noch eine leicht perverse Neigung offenbart, öfter als nötig und sehr ausführlich die zerstörerischen Folgen zu schildern, wenn harte Gegenstände auf Gesichter treffen. Vielleicht meint man das ja auch seinen Lesern schuldig zu sein, wenn man gleich zu Beginn Reservoir Dogs zitiert.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menue Surprise (Hörbuch-Rezension), 11. Dezember 2011
Von 
C. Stotz (Esslingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet (6 CDs) (Audio CD)
Nichts ist, wie es scheint.

Zwei Ehepaare, die Männer sind Brüder, treffen sich zum Abendessen in einem in einem Sternerestaurant. Erzählt wird aus der Perspektive von Paul, dem jüngeren der beiden, und schnell wird deutlich, dass er seinem älteren Bruder Serge, der ein erfolgreicher Politiker ist, nur wenig zugetan ist.

Der Anlass für das Treffen sind die Kinder der beiden Paare. Erst nach und nach erfährt der Leser, welch grauenvolles Vergehen sich die drei Jungens haben zuschulden kommen lassen. Umso erstaunlicher, wie unter dem Vorwand der Elternliebe jeder der vier am Tisch eine andere Haltung zum Geschehenen einnimmt.

Bedingt durch die einseitige Erzählperspektive ist der Hörer immer wieder genötigt, sein Urteil über die Personen zu überprüfen und zu revidieren, und seine eigene Haltung zu hinterfragen.

Joachim Krol ist für diesen hintersinnigen Roman die ideale Besetzung; sicher und souverän trifft er den richtigen Ton aus Zynismus, Ironie, Frustration und Verzweiflung.

Ein Hörbuch, das lange nachwirkt, das unter die Haut und manchmal an die Grenze des erträglichen geht. Und dennoch eine uneingeschränkte Empfehlung.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Thriller der wirklich ungewöhnlichen Art, 7. September 2010
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet (6 CDs) (Audio CD)
Es fängt ganz harmlos an, ein Essen im Restaurant von zwei Ehepaaren - um was geht es - dies ist am Anfang von ANGERICHTET nicht ganz klar, bis man weiter zuhört und sich eine ungeheuerliche, groteske und brutale Geschichte vor dem inneren Auge ausbreitet. ANGERICHTET von Herman Koch ist ein ungewöhnlicher Thriller, ein Bestseller in den Niederlanden, zu Recht und ein Schlaglicht auf europäische Befindlichkeiten. Ist physische Gewalt in Ordnung? Werden Personen die sich aus der Gesellschaft ausgegrenzt haben geschützt oder sollten sie ganz entfernt werden? Was ist mit Straftätern und was wenn man selbst zu Gewalt neigt? Das Hörbuch offenbart Ungeheuerliches, Erschütterndes und Tiefgreifendes. In der Tat ein Hörbuch mit lange anhaltender Wirkung...

Ich konnte nicht aufhören zuzuhören, obwohl ich öfters dachte die CDs bei Nr. vier oder fünf abzubrechen. Nein, man musste einfach wissen wie diese eigenartige Geschichte ausging.

Es hat sich gelohnt die ganze Zeit diese Orgie an Irrungen und Wirrungen anzuhören. Gesellschaftspolitischer Sprengstoff ist selten so galant verarbeitet worden. Herman Koch legt den Finger in die Wunde, denn was ist mit Gewalttätern, was wenn es die eigenen Kindern sind und was wenn man selbst zur Gewalt neigt? Wie gehen wir um mit Schwarzen in der Gesellschaft, sollen sie angepasst sein und kann man ihnen eigentlich trauen? Was hier in ANGERICHTET gefragt wird, sprengt Dimensionen und reißt den oftmals schönen Anschein ein.

Immer brutaler steigert sich das Hörbuch von CD zu CD bis man völlig leer gepumpt bei CD sechs ankommt. Belohnt wird man mit einem ungewöhnlichen Ende, jeder Menge offener Fragen und der Schwierigkeit wie man als Elternteil selbst reagieren würde, wäre man in so einer Situation gefangen.

ANGERICHTET - Ja, was hat man denn da angerichtet - diese Frage bleibt im Raum - was ist denn da angerichtet? Dieses Essen im Restaurant und den um es dimensionierten Thriller wird man wahrhaftig so schnell nicht mehr vergessen!

Sehr empfehlenswert!
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sagenhafter Start und Absturz im Sinkflug ..., 1. Januar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet (Gebundene Ausgabe)
Das erste Drittel dieses Romans ist spannend wie ein Krimi. Zwei Ehepaare, die beiden Männer sind Brüder, verabreden sich in einem Restaurant. Der Ich-Erzähler, der jüngere der beiden Brüder, teilt seine Gedanken und Gefühle zu den anderen Protagonisten mit dem Leser. Besonders der erfolgreiche Bruder, aussichtsreichster Kandidat als Ministerpräsident der Niederlanden, kommt schlecht weg. Nebenher erfährt der Leser vom Sohn des Ich-Erzählers sowie den drei Kindern des Bruders. Eines der drei Kindern ist dunkelhäutig und wurde in Afrika adoptiert. Es scheint so, als wäre das Leben des Politikers eine kalkulierte Staffage, von A bis Z zelebriert auf Außenwirkung. Dies spiegelt das Restaurant wieder, in dem alles überteuert scheint und die Qualität nicht annähernd hält, was die Preise versprechen. Zwischendurch erfährt der Leser, dass die Zusammenkunft aufgrund eines unglaublichen Verbrechens stattfindet, das die beiden (leiblichen) Söhne der Brüder begangen. Eine Obdachlose verlor dabei ihr Leben. Die Eltern wollen sich beraten ...
Man kann sich als Leser dem Geschehen kaum entziehen. Ein tolles Gerüst und ein Wahnsinnsspannungsbogen. Im zweiten Drittel lässt die Spannung aufgrund immer wieder eingestreuter Retrospektiven nach. Diese sind zum Teil extrem langatmig und tragen kaum zur weiteren Klärung des Plots bei. So erfahren wir von einem ausgedehnten Krankenhausaufenthalt der Ehefrau, die immer wieder operiert werden muss. An welcher Krankheit sie leidet, bleibt dem Leser verschlossen. Der Leser erfährt, dass der Ich-Erzähler an einer psychischen Störung leidet, die durch ausgeprägte Gewaltausbrüche gekennzeichnet ist. Ein bisschen antisoziale und ein wenig Borderline-Störung, das ganze allerdings genetisch determiniert und bereits im Fruchtwasser der werdenden Mutter zu diagnostizieren. Diese Störung ist übrigens eine plakative Erfindung des Autors. Er hätte sich besser ein wenig genauer mit real existierenden psychischen Störungen befassen sollen, es wäre der Story zugute gekommen. Genau dieser biologische Determinismus lässt schon ahnen, dass der Autor seine geniale Konstruktion nun selbst zerstört. Im letzten Drittel verkehrt sich nun alles. Der Ich-Erzähler, seine Frau und der Sohn entpuppen sich mehr und mehr zu Monstern - alles genetisch bestimmt - und die anderen sind die Guten. Ein in der Tat überraschender Perspektivwechsel, der sich nach und nach auftut, aber ist er deshalb schon gut? Mag dem Autor eine überraschende Wendung gelungen sein, macht er das spannende "psychosoziale Drama" kaputt, das einfach in sich zusammenfällt.
Für das erste Drittel hat Koch 5 Sterne verdient, besser geht es kaum, für das zweite Drittel gäbe es aufgrund der langatmigen Retrospektiven einen Stern Abzug. Für das letzte Drittel gibt es maximal einen Stern! Es hätte so viel besser kommen können.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen hervorragend geschrieben und gelesen, 29. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet (6 CDs) (Audio CD)
...wie aus den beiden vorangegangenen Beurteilungen hatte ich das Hörbuch zunächst ans Bett gelegt: nette Geschichte, vielleicht etwas langweilig - gut zum Einschlafen! Aber dann stieg die Spannung kontinuierlich und ich hörte es im Wohnzimmer an einem Sonntag vollständig bis zum unglaublichen Ende an. Super spannend und ---- nachhaltig. Absolut empfehlenswert!
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der verzweifelte Kampf um das verbliebene familiäre Glück, 14. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Angerichtet (Gebundene Ausgabe)
"Bei dem Wort Hilfe fing bei mir ein Muskel oder ein Nerv unter dem linken Auge an zu zucken. Nein, ich wollte keine Hilfe, ich schaffte das sehr gut, oder besser gesagt, ich war selbst überrascht darüber, wie gut ich das alles offenbar schaffte." Paul Lohman kämpft um den Anschein von Normalität, dabei ist sein Leben schon vor einiger Zeit aus der Bahn geraten. Nun geht es aber nicht mehr um Paul selbst, sondern um die Zukunft seines Sohnes Michel. Michel hat zusammen mit dem Sohn von Pauls Bruder Serge Lohman etwas Unvorstellbares getan. Die Jugendlichen auf den Bildern einer Überwachungskamera, die zur besten Sendezeit im Fernsehen gezeigt werden, sind für ihre Eltern unverwechselbar. "...aber ich würde mein Kind auch im Dunkeln unter tausend anderen erkennen." Aber niemand sonst, scheint die Täter erkannt zu haben. Was tun? Die beiden Elternpaare sind zum Essen verabredet. Paul weiß, dass es beim Zusammentreffen mit seinem Bruder und dessen Frau um die Tat gehen wird. Dass er seinen Bruder, der sich anschickt niederländischer Ministerpräsident zu werden, aus tiefstem Herzen verabscheut, trägt nicht gerade zur Entspannung der Lage bei. Paul ist fest entschlossen, seine kleine scheinbar glückliche Familie zu beschützen. Zuviel ist schon passiert, als dass er auch diese letzte Insel der Normalität untergehen lassen würde.

Herman Kochs "Angerichtet" hat mich in seinen Bann geschlagen. Ausschließlich aus dem Blickwinkel Paul Lohmans erzählt, wird die ganze Dramatik der Situation und die Verzweifelung Pauls erst scheibchenweise sichtbar. Paul schweift ständig ab und beißt sich an nebensächlichsten Details fest. Er scheint permanent nur einen Schritt vom totalen Kontrollverlust entfernt zu sein. Was ist mit ihm los? Menschliche Abgründe tun sich auf. Persönliche Schuld relativiert sich. Es geht um viel mehr als nur die Frage, wie weit Eltern bereit sind, für ihre Kinder zu gehen.

Mich erinnert "Angerichtet" ein wenig an Thomas Glavinics "Kameramörder", das ich an dieser Stelle Lesern, die "Angerichtet" bereits gelesen haben, sehr an Herz legen möchte. Während "Kameramörder" durch die geradezu unmenschliche Distanziertheit des Erzählers zu den Geschehnissen geprägt ist, zieht Herman Koch in "Angerichtet" den Leser emotional zunächst auf die Seite Pauls bevor er ihm die schonungslose Wahrheit präsentiert.

Dem zukünftigen Leser von "Angerichtet" sei empfohlen, sich Zeit für dieses Buch zu nehmen, denn spätestens ab der Hälfte des Romans besteht keine Möglichkeit mehr, das Buch noch aus der Hand zu legen. Ein herausragender Roman mit Tiefgang und Schaudergarantie.
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Angerichtet: Roman
Angerichtet: Roman von Herman Koch (Taschenbuch - 17. November 2011)
EUR 9,99
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