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Dieses Buch ist DIE Übersetzungshilfe für jeden, der bislang mit Franz Kafka wenig anfangen konnte. Hier wird man quasi wellenförmig hineingetragen in seine Denk- und Gefühlswelt sowie seine engsten Vertrauten. Michael Kumpfmüller ist es grandios gelungen, die Leserschaft in das Abenteuer "Franz Kafka" einzuladen und hierbei unaufdringlich sich das eigene Urteil bilden zu lassen. Bilden: Hier entwickeln sich Bilder, hier sieht man nicht nur den Strand, die Wohnungen und den besonderen Umgang von Franz Kafka und Dora Diamant, seiner letzten Gefährtin: hier fühlt, riecht und schmeckt man mit. Mit jeder Buchseite taucht man mehr und mehr ein, vergisst, dass man liest, lässt sich lesen und kehrt ein in die (Unterbewusstseins-) Welt vom "Doktor" und Dora. Dieses Kafka-Buch ist eine unglaublich gelungene Übersetzungshilfe, um den Menschen und Schriftsteller Franz Kafka wirklich, klar und besser zu verstehen, ja zu begreifen.
Dieser Roman ist dreigeteilt und beginnt mit der ersten Begegnung Franz Kafkas und Dora Diamants an der Ostsee. So heißt es im ersten Kapitel "Eins Kommen": "...jetzt nennt er sie bloß noch Dora, denn Dora kommt von Geschenk, er müsste es sich nur nehmen, sie wartet darauf."(S. 26). Die Beziehung zwischen der jungen Dora und dem sterbenskranken Schriftsteller, der sich an der Ostsee hofft wieder erholen zu können, wird von Manfred Kumpfmüller mit passenden Dialogen ausgezeichnet; es entsteht ein ganz persönliches Portrait der beiden und man hat das Gefühl, Zeuge eines kleinen, großen Wunders zu sein. Im Kapitel "Zwei bleiben" wird man mit der baldigen Begrenzung der Beziehung schon vertraut gemacht und die räumliche Darstellung der Erlebenswelt des Paares reduziert sich langsam. Im letzten Kapitel "Drei gehen" wird der baldige Tod Kafkas greifbarer: "Aber das Gefühl ist weiter da, die Echos, die es macht, die Angst, die von Anfang da gewesen ist, etwas Lauerndes, über das sie so gut es ging hinwegsah." (S.197) Beide hoffen noch, doch Kafka schwinden die Kräfte. Selbst die Möglichkeit einer Trauung wird nicht mehr vollzogen und so wünscht sich Kafka nur noch: "sodass man etwas in der Hand hätte, einen klitzekleinen Beweis, dass das Leben nicht aufhört, dass es nur Nacht ist und man am Morgen wohlbehalten erwacht" (S.217). Man fühlt und leidet mit dem Liebespaar mit, dem noch nicht einmal ein Jahr für sein Glück blieb; wie es komprimiert auf Seite 223 heißt: "...dass sie alles hatten, in dieser gedrängten Zeit, das ganze Glück."
Dieser Liebesroman ist ein Webteppich aus Dialogen, Gedankengängen, Kurzzitaten aus Kafkas Werk und dem sprachlich brillanten roten Erzählfaden des außerordentlich feinfühligen Michael Kumpfmüller.
So schafft er einen besonderen Trialog zwischen Dora Diamant, Franz Kafka und der Leserschaft, als ob man noch Zwiesprache hielte mit den beiden Hauptfiguren und leibhaftiger Zeuge eines kleinen großen Wunders geworden ist. "Die Herrlichkeit des Lebens" ist damit nicht nur ein anrührender Liebesroman, sondern ein feinfühliges Wunderwerk!
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TOP 1000 REZENSENTam 16. November 2014
Selten schreibe ich eine Rezension über einen Roman. Und noch viel weniger hätte ich es mir träumen lassen, ausgerechnet einmal über einen „Liebesroman“ zu schreiben. Hier tue ich es aus guten Gründen: Mit der „Herrlichkeit des Lebens“ ist mir ein wunderbarer Roman auf meinen Nachttisch geflattert. In nur zwei Leseabenden habe ich dieses Buch gelesen. Dabei genoss ich eine wunderschöne, teils fiktive, größtenteils aber biografiegestützte Version des letzten Lebensjahrs des Prager Ausnahmeschriftstellers Franz Kafka in vollen Zügen.

Zum Inhalt: Franz (Kafka) und Dora (Diamant) lernen sich 1923 im Ostseebad Müritz kennen. Kafka befindet sich auf einem seiner vielen Kuraufenthalte dort. Dora arbeitet dort auf einer Kinderfreizeit des so genannten „Jüdischen Volksheims“ als Köchin. Die beiden verlieben sich ineinander. Sie beschließen, gemeinsam nach Berlin zu ziehen. Nachdem Kafka zunächst nach Prag zurückgeht, treffen sie sich schließlich tatsächlich in Berlin und nehmen sich in Berlin-Steglitz eine Wohnung. Zweimal müssen sie schon in kurzer Zeit umziehen. Schon seit der Begegnung der beiden wird Dora klar: Franz ist schwer krank. Seine Tuberkulose setzt ihm auch in Berlin immer mehr zu. In der von Inflation, Armut und Arbeitslosigkeit geschüttelten Stadt verschlechtert sich der Zustand des Dichters zunehmend. Sein Onkel (Arzt) rät ihm, die Stadt zu verlassen. Nach einer kurzen Zeit ohne Dora bei seinen Eltern in Prag findet er für sich ein neues Sanatorium in Österreich. Dort will er sich mit Dora treffen und erholen. Doch auch dort ist ihm keine Ruhe vergönnt. Immer wieder muss er die Sanatorien wechseln, verschiedene Behandlungen von Ärzten über sich ergehen lassen. Gut nur, dass er eine Frau an seiner Seite weiß, die er von Herzen liebt und die ihn liebt und für ihn da ist. Doch der Zustand des Dichters verschlechtert sich von Tag zu Tag. Obwohl er von vielen Ärzten betreut und von seiner jungen Liebe sowie dem Freund Robert umsorgt wird, schwinden die Kräfte. Auch Freunde und Verwandte, die zu Besuch kommen, müssen mit ansehen, wie Franz dünner und dünner wird und wie das Lebenslicht des Schriftstellers langsam verlischt.

Die Liebesgeschichte wird ganz zart und ohne großes Sprachbrimborium in der dritten Person erzählt. Trotzdem steht Doras Perspektive auf die Ereignisse oft im Vordergrund und gibt der Geschichte ihre poetische Kraft. Mit jedem Satz wird deutlich: Zwei zerbrechliche und doch starke Seelen haben sich gefunden und leben ein unspektakuläres und doch an Gefühlen reiches Leben. Dora Diamant hat es geschafft, was keine vor ihr schaffte: Sie lockte Kafka, in einer Stadt außerhalb Prags wirklich leben zu wollen. Auch wenn ihnen nur wenig Zeit vergönnt ist, genießen sie doch jeden Augenblick. Die Annäherung der beiden wirkt genauso vorsichtig wie der gesamte Umgang miteinander. Es sind nicht die großartigen Ereignisse, nicht die großen Worte, die die beiden verbinden. Es ist eine tiefe Zuneigung. Auf jeder Seite wird deutlich, wie sehr ein inneres Band zwei unterschiedliche und doch ähnliche, zerbrechliche Herzen verbindet. Zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Lachen und Weinen bewegen sie sich gemeinsam durchs Leben.

Von besonderem Tiefgang halte ich nicht nur die Beschreibung der gemeinsamen Zeit in Berlin, sondern besonders die letzten Lebenswochen im letzten Drittel des Buchs in den Sanatorien um Wien. Ich wurde geradezu melancholisch, während ich lesen musste, wie die junge Frau um das Leben ihres lieben Franz bangt. Wie sehr sie sich um ihn bemüht, Ärzte besorgt, für ihn kocht, für ihn Briefe schreibt … Auch wenn jeder weiß, wie die Geschichte endet, beginnt man mit der jungen Frau zu hoffen, dass doch noch alles gut wird.

Meine Zusammenfassung: Dieser in leisen Tönen geschriebene Roman ist meiner Meinung nach ein ungemein gelungener Versuch, sich den letzten Lebensmonaten des berühmten Dichters außerhalb einer Biografie zu nähern. Selten ist mir ein Roman so ans Herz gegangen. Trotz einer insgesamt eher sehr überschaubaren Handlung fühlte ich mich auf jeder Seite unterhalten und bewegt. Das Buch besticht durch seinen ruhigen Erzählton und den zarten Umgang mit den Figuren, allen voran Franz und vor allem Dora. Durch eine sehr gute Sachrecherche und eine gute Verarbeitung der realen biografischen Daten wie Orten, Personen und Begebenheiten zusammen mit einem unprätentiösen poetischen Erzählton gelingt es dem Autor, den Prager Autor als liebenden und geliebten Menschen zu zeigen. Kafka zum Anfassen könnte man sagen. Für mich ist das ein grandioses Meisterwerk.
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am 19. August 2011
Da ist Michael Kumpfmüller ein Meisterstück gelungen. Ein Liebesroman mit Franz Kafka als Hauptdarsteller, wär hätte das schon jemals für möglich gehalten. Kafka, der Held aller literarisch interessierten und an der Welt verweifelnden Jugendlichen und das über Generationen hinweg? Doch genau das schafft Kumpfmüller. Und zwar, weil die beiden Liebenden eben nicht die Hauptdarsteller sind. Hauptdarsteller ist die Liebe selbst und eben die "Herrlichkeit des Lebens".
Da ich kein Literaturprofessor bin, will ich mich hier gar nicht an die historische Analyse der Beziehung zwischen Franz Kafka und Dora Diamant wagen - da kann man sich auf das Fachwissen des immer genau recherchierenden Autors verlassen.
Nein, für den Genuss dieses Buches müsste man gar nicht wissen, wer Kafka ist, der eh meist nur Franz oder Doktor heißt im Buch. Es geht um die Schönheit der Liebe, die sogar das langsame Sterben überstrahlt.
Wie gut, dass Michael Kumpfmüller so ein zurückhaltender Schriftsteller ist. In einer Sprache, bei der man das Gefühl hat, als könne jeder Satz auch gesungen werden, bleibt er höflich Abstand haltend immer in der Nähe der beiden Liebenden ohne diesen auch nur eine Sekunde aufdringlich auf den Leib zu rücken. So liest man am Ende beinahe im Rausch und will auf keinen Fall das Buch weglegen.
Ja, historisch korrekt ist der Doktor am Ende gestorben. Als Leser bleibt man aber nach der letzten Seite nicht trauernd zurück, sondern mit einer tiefen, stillen Freude, dass die beiden sich so gerne hatten.
Unbedingt lesen. 6 Sterne gibt es ja leider nicht.
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am 27. Mai 2013
In einem bewegenden Roman, der manchen zu Tränen rühren wird, erzählt Michael Kumpfmüller mit den aus »Hampels Fluchten« bekannten, mitunter seltsam unrund wirkenden Satzreihen Kafkas letzte Liebe, die zu der Ostjüdin Dora Diamant. In drei Teilen »Kommen«, »Bleiben« und »Gehen« schildert er zunächst die erste Begegnung der beiden im Urlaubsort Müritz im Sommer 1923 und das rasche Zutrauen, das Kafka zu der jungen Frau fasst. In Müritz, wo Dora als Köchin in einem Freizeitheim arbeitet, erscheint Kafka noch vital, kann schwimmen gehen, macht lange Spaziergänge mit der vierzehn Jahre jüngeren Frau. Rasch reift der Entschluss, sich gemeinsam in Berlin niederzulassen. Dort ist Dora fast immer bei ihrem Geliebten, was zumindest die erste Vermieterin verärgert. Es kommt noch zu zwei weiteren Umzügen, während sich Kafkas Gesundheit rapide verschlechtert. »Josefine«, die Geschichte vom Maulwurfsfleisch und einige andere Texte, Notizen, Briefe entstehen in Berlin, die Korrekturfahnen eines Erzählungsbandes erlebt Kafka noch. Max Brod, der in Berlin eine Geliebte namens Emmi hat, schaut hin und wieder vorbei, und ein Leidensgenosse aus einem früheren Sanatoriumsaufenthalt kümmert sich gemeinsam mit Dora um den schwer kranken Dichter, der bald einsieht, dass er ohne Dora womöglich bereits gestorben wäre.
Der Aufenthalt in Berlin lässt sich nicht mehr rechtfertigen, als Kafkas Onkel, ein Arzt, sich von dem miserablen Gesundheitszustand des Schwindsüchtigen überzeugt hat. Es folgt eine für Dora kaum zu ertragende Zeit der Trennung, weil Kafka nach Prag zurückkehrt. Der Onkel beschafft ihm einen Platz in einem Wiener Sanatorium. Dora reist ihm nach. Auch hier sind es noch einmal drei Stationen, ehe Kafka, der am Ende nicht mehr essen kann und mag, in einer Heilanstalt nahe Wien seine letzten Tage verbringt. In seiner Sterbesekunde ist Dora bei ihm.

Kumpfmüllers Sprache wirkt auf den ersten Blick spröde, entfaltet aber gerade in ihrer Nüchternheit und Schlichtheit eine große Kraft. Unverstellt gewährt sie Einblick in das, was in den Köpfen der beiden Protagonisten, für den der andere jeweils die ganze Welt bedeutet, vorgeht. Dabei wechselt die Perspektive kapitelweise zwischen Dora und Kafka hin und her.
Ein einfühlsames Porträt zweier, die sich viel zu spät fanden, aber alles daraus machten, und sicherlich ein trostreiches Buch für alle, die selbst viel zu früh einen geliebten Menschen gehen lassen mussten.
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am 19. September 2011
Michael Kumpfmüller hat nach meiner Einschätzung mit DIE HERRLICHKEIT DES LEBENS ein Buch geschrieben, das zu den Besten gehört, die in den letzten Jahrzehnten von deutschsprachigen Autoren geschrieben wurden. Die Geschichte der letzten Liebe eines der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, Franz Kafka, ist so großartig erzählt, dass sie einem fast das Herz bricht. An manchen Stellen, insbesondere in den letzten Kapiteln, hat mich das Buch so ergriffen, dass ich nicht weiterlesen konnte. Dabei beginnt das Buch in einer Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die man bislang mit der Biografie des Franz Kafka kaum assoziiert hätte. Es ist ganz und gar unwichtig, inwieweit sich das Buch von Michael Kumpfmüller akribisch an tatsächlichen Geschehnissen orientiert: Dem Autor ist mit diesem Buch eine der schönsten Liebesgeschichten gelungen, die ich je gelesen habe. Ich gehe davon aus, dass das Buch in Kürze auf allen Bestsellerlisten Platz 1 einnimmt. Wenn nicht: Auch nicht schlimm. Dieses Buch bleibt.
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am 15. August 2011
Der schwierige, sensible und empfindsame Franz Kafka lernt im Sommer 1923 Dora Diamant kennen. Sie arbeitete in einem Kinderheim in Graal-Müritz an der Ostsee. Hier erholte sich FK von einer Lungentuberkulose, die ihn zunehmend schwächt und sein Leben überschattet.
Dass nach mehreren Verlobungen und Frauenbeziehungen die schlichte Dora zu seiner treuen Begleiterin wurde, ist ihrem zugleich schüchternen, liebevollen, einfühlsamen und handfesten Charakter geschuldet. Franz Kafka fand in ihr die unkomplizierte und treue Lebensgefährtin, an deren Seite er Ruhe und Fürsorge fand.
Michael Kumpfmüller hat die zarte und schüchterne Beziehung mit poetischen und eindringlichen Bildern nachgezeichnet. Die Annäherung der beiden Liebenden auf langen Spaziergängen am Ostseestrand und die spröde und einnehmend herbe Landschaft bildet den Rahmen, in dem Franz Kafka und Dora zögerlich zu einander finden. Von beiden Seiten sieht man eine ersehnte und angestrebte Gemeinschaft, die zu einem eheähnlichen Zusammenleben führte.

Michael Kumpfmüller ist ein sensibler Beobachter. Er zeigt in klugen und feinfühligen Bildern, wie sich Dora und Franz in einander verlieben. Die scheue und zugleich dringliche Liebe wird von beiden Partnern intensiv herbeigesehnt. Dora liebt den Mann ohne jede Einschränkung, während Kafka, schon von schwerer Krankheit gezeichnet, jeden Tag und Augenblick mit Dora genießt. Durch die Zeilen von Kumpfmüller zieht uneingeschränkt ein Hauch von Melancholie und Abschied. Kafka hängt von den Schwestern und von seinen Eltern ab, denn er ist seiner schweren Krankheit wegen schon mit 40 Jahren pensioniert worden. Er schreibt und quält sich mit seiner Arbeit. Er isst zu wenig, leidet an heftigen Fieberattacken und erscheint blass und ausgezehrt. Doch diese einmalige Liebe zwischen ihm und Dora ist für ihn wie ein Lebenselixier. Der Leser nimmt Teil an einem ergreifenden Schicksal: der vom Tod gezeichnete Mann in der Fürsorge und in den Armen seiner ihn über alles liebenden Dora. Sie kämpft um sein Leben, das doch unaufhörlich dem Ende zugeht.
Diese atemberaubende Liebesgeschichte mit tragischem Ende wird in den wunderbarsten Worten beschrieben, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte.
Sehr lesenswert!
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am 17. September 2011
Das letzte Lebensjahr Franz Kafkas. Von der Tuberkulose und nicht enden wollenden Selbstzweifeln zermürbt, erlebt Kafka eine letzte Überraschung des so gnadenlosen Lebens. "(...) der Doktor hat sein halbes Leben lang gewartet, zumindest ist das im Nachhinein sein Gefühl, man wartet und glaubt nicht daran, dass noch jemand kommt, und auf einmal ist genau das geschehen." (S 29)

Als Dora Diamant 1923 in Kafkas Leben tritt, scheint sich eine Alternative zum bereits vorgezeichneten Weg des dem Tode Geweihten aufzutun. Aber Kafka wäre nicht Kafka, wenn er sich ohne Zweifel dieser späten Hoffung hingeben würde. "In der Nacht kommen die Zweifel. Es ist kein Kampf, wie er ihn kennt, und doch liegt er bis zum frühen Morgen wach, die Stunden sind lang, an Schlaf ist nicht zu denken. (...) Er ist krank, er ist fünfzehn Jahre älter als sie, trotzdem könnte er versuchen, mit ihr zu leben. (...) er fühlt sich schwach, er weiß nicht, wie er es den Eltern erklären soll ..." (S 31)

Von Zweifeln geschüttelt läßt sich Kafka auf das letzte Abenteuer seines Lebens ein, er zieht zu Dora nach Berlin. Die Beziehung zu Dora läutet ein letztes Aufflackern seiner literarischen Schaffenskraft ein. "Der Hungerkünstler", "Der Bau" und "Josephine" sind die Resultate dieser Wochen und Monate zwischen Hoffnung und Tod. Und ähnlich wie in seiner legendären "Verwandlung" spiegeln auch diese Erzählungen seine Empfindungen zu den eigenen Lebensumständen wider.

Mit den Worten Kumpfmüllers: "Am nächsten Tag schreibt er die letzten Sätze, als hätten sie seit langem festgestanden (...). Die Geschichte ist eine seiner längsten. Er begreift sehr wohl, dass sie so etwas wie das letzte Wort über sich und seine Arbeit ist, seinen alles in allem gescheiterten Versuch, Schriftsteller zu sein, die Vergeblichkeit der Kunst, die mit der Vergeblichkeit des Lebens zusammenfällt." (S 165)

Oder in Kafkas eigenen Worten: "Mit Josefine aber muss es abwärts gehen. Bald wird die Zeit kommen, wo ihr letzter Pfiff ertönt und verstummt. Sie ist eine kleine Episode in der ewigen Geschichte unseres Volkes und das Volk wird den Verlust überwinden. (...) Vielleicht werden wir also gar nicht sehr viel entbehren, Josefine aber, erlöst von der irdischen Plage (...) wird fröhlich sich verlieren in der zahllosen Menge der Helden unseres Volkes, und bald (...) in gesteigerter Erlösung vergessen sein wie alle ihre Brüder." (aus "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" Franz Kafka, 1923).

Kumpfmüller leistet mit seinem grandiosen Roman "Die Herrlichkeit des Lebens" seinen Beitrag, dass genau dieses Vergessen nie Wirklichkeit werden wird. Er schildert Kafkas letztes Jahr, trifft die Stimmungen auf den Punkt, die sich in Kafkas Erzählungen aus dieser Zeit widerspiegeln. Und auch Dora Diamant kommt zu Wort. Auch durch ihre Augen erlebt der Leser den sterbenden Schriftsteller. Erlebt die Absurdität des Lebens, dass es auf einmal der ewig leidende Kafka ist, der am Leben hängt und noch in Monaten denkt, als ihm die Ärzte kaum noch ein paar Wochen geben.

"Oft ist ihr klar, dass es die letzten Tage sind, dann wieder ist sie völlig verwirrt und kann ihn nicht lassen. Sie versucht sich zu zwingen, wenn sie sieht, wie er sich quält, dass sie alles hatten, in dieser gedrängten Zeit, das ganze Glück. Doch wenig später möchte sie nur schreien, weil es nicht mal ein Jahr gewesen ist." (S. 223)

Kumpfmüller ist ein ganz großer Wurf gelungen. Leider kommt sein Roman zu einem Zeitpunkt auf den Markt, zu dem die Longlist für den deutschen Buchpreis 2011 bereits komplettiert ist. Andernfalls wäre er ein ernstzunehmender (und würdiger) Kandidat für diesen prestigeträchtigen Preis gewesen. Kumpfmüllers Romanerlebnis läßt sich nur noch dadurch erhöhen, "Die Herrlichkeit des Lebens" als Anlaß zu nehmen, Kafkas letzte Erzählungen erneut zu lesen.
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TOP 500 REZENSENTam 4. September 2011
Mit Michael Kumpfmüllers Roman über die letzte Lebensphase Franz Kafkas, lesen wir eine Liebesgeschichte, aber auch eine Begleitungs- und Abschiedsgeschichte, eines durch Krankheit gezeichneten Mannes. Eine sensible, feinfühlige, nachdenkliche, Betrachtung, wenn ein Leben zu Ende geht, eine Liebe die erst spät entstanden ist, ihren Ausdruck in der letzten Anteilnahme, dem Begleiten in den Tod ausdrückt.

Einzelne Sätze lassen den Leser anhalten:

"Wäre Vater mit ihm zufrieden als Sterbenden?"
"Woran stirbt ein Körper überhaupt?"
"Ist man für verschiedene Menschen jeweils ein anderer?" (Nach dem Tod)
(..) "denn im Grunde kommt die Rettung immer aus einem selbst."
(..) " das grösste Glück findet sie, ist das Glück, wenn es winzig klein ist."

Ein Roman, der etwas vom Leben Kafkas zusammenfasst, einen Spalt weit, die Türe öffnet, um einen Blick auf sein Schriftstellerleben, seine letzte Beziehung zu einer Frau zu werfen. "In Liebesangelegenheiten ist er weiterhin kompliziert." Erzählt von der sensiblen Seite dieser Beziehung: "Aber mit mir muss ich vorsichtig sein, was eine wie Rücksicht gegen dich aussieht, ist nur Rücksicht gegen mich." Erzählt etwas von seinem Schriftstellerleben: "Nicht zum ersten Mal fragt er sich, was bleibt. Er hat drei verpfuschte Romane geschrieben, ein paar Dutzend Geschichten, dazu sein Leben lang Briefe, überwiegend an Frauen, die nicht in seiner Nähe waren, Briefe und immer wieder Briefe, in denen nur stand, warum er nicht bei Ihnen war und nicht mit ihnen lebte. (..) Wenn ich schreibe, bin ich unausstehlich."

Fazit: Ein Roman der sehr gut die Zeit beschreibt angesichts der damaligen Inflation und dem Hunger, den Dora Diamant, der letzten Lebensgefährtin von Franz Kafka, von beiden erlebt wurde. Auch wenn mich dieser Roman weder begeisterte noch wirklich überzeugte, dafür fehlte mir dann doch der nötige Punch und Überzeugungskraft, die mir wie in einer durchsichtigen Box eingeschlossen schien, nichtsdestotrotz ist der vorliegende Roman sicherlich eine Bereicherung für Leser, die etwas Nachdenkliches lesen wollen, über die letzte Phase der Begleitung einer Frau, die Franz Kafka sehr nahe stand. Eine Frau, die immer um diese Beziehung rang, auch mit dem Schicksal ihres Mannes, an dessen Seite sie stand. Kostbar sind jene Sätze, die den Leser selbst in die eigene Betrachtung führen, dafür alleine schon, ist es wert dieses Buch zu lesen...
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Am Ende des Romans stehen mir die Tränen in den Augen. Warum nur kann der Tod nicht warten, warum nimmt er keine Rücksicht auf das Lebensglück, auf eine neue Liebe zwischen zwei Menschen, warum zerschlägt er kalt und ungerührt alles das, was das Leben so wertvoll und erhaben macht?

Kumpfmüller erzählt die letzte Liebe des Franz Kafka, vielleicht seine einzige große. Der bereits Lungenkranke 40-Jährige lernt im Sommer 1923 im Ostseebad Müritz die 25-jährige Dora Diamant kennen. Beide verlieben sich ineinander, ziehen nach Berlin und müssen mitten in der aberwitzigen Wirtschaftskrise mehrfach ihre Zimmer wechseln. Dora bleibt bis zum Tod ihres Franz bei ihm.

Kumpfmüller erzählt ohne falschen Pathos. Die eigentlich schön-traurige Geschichte wird unaufgeregt, fast sachlich in einfacher Sprache geschildert. Er lenkt dadurch den Blick des Lesers durch seine transparente Sprache hindurch direkt auf das Schicksal der beiden Liebenden. Vielleicht wird der Leser gerade dadurch besonders tief ergriffen und berührt.

Zwar erzählt Kumpfmüller spartanisch und skizzenhaft, aber auch dies ist kein Mangel. Denn dadurch wird die allmähliche Entwicklung einer unbeschwerten Liebe über Vorahnungen bis hin zur Gewissheit des baldigen Todes deutlich. Franz stirbt und Dora reift: immer mehr denkt sie über das Leben nach, die verbleibende Zeit mit Franz Kafka, „wütend und verzweifelt, dann wieder erstaunlich ruhig, auf eine trotzige Art bereit, sich zu fügen.“ Franz und Dora sind anfangs in ihrer Liebe ganz präsent, doch allmählich entgleitet der Sterbende den Händen der anderen. Der Tod kommt nicht mehr überraschend – und er bleibt doch schmerzhaft und unverstanden.
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am 7. Mai 2016
Meine Meinung;
Das Buch war eine Empfehlung voner einer Literaturstudentin, die ich gerne näher betrachten wollte. Zwar kann Geschmack ja bekanntlich verschieden sein, aber als Literaturstudenten unter sich ist das Leben der berühmten Autoren Europas doch, meist genauso interessant wie ihre Werke.

Ein Jahr vor seinem Tod lernt Kafka Dora durch Zufall am Strand kennen. Es scheint fast etwas schicksalhaft, wenn man der Erzählung des Autors glauben will. Schon damals ist Kafka krank und gezeichnet durch die Tuberkolose. Dennoch verliebt sich die junge Dora Diamant in ihn. Es war wirklich toll Kafka auch mal als einen romantischen und einfachen Menschen zu erleben, mit den Augen von jemand anderem. Sonst haben seine Werke ja oftmals etwas verwirrendes und zweideutiges an sich, aber dieses Mal gibt es eine ganz klare Linie. Wie ein Zeitstrahl verfolgt der Autor Kafkas letztes Lebensjahr, von der Müritz nach Berlin und weiter.

Zwar wissen wir bereits wie es ausgehen wird, dennoch hat es mich berührt wie hier eine junge Liebe trotz der großen Schwierigkeiten mühelos erblüht und irgendwie hofft man doch, dass es anders kommt. Man bangt mit Dora und ist selbst von ihr und ihrer Selbstlosigkeit bezaubert. Alle kennen zwar Kafka, oder glauben ihn zu kennen, aber nun erfahren wir auch endlich etwas zu seiner großen Liebe. Unterhaltung pur!

Etwas schwierig fand ich den Schreibstil, der so ganz ohne direkte Rede auskommt und eigentlich nur runter erzählt in einem seltsamen Fluss. So entsteht kein Roman sondern eher eine Nacherzählung der Ereignisse, was teilweise ziemlich schwierig zu lesen war und den Lesefluss behinderte.

Fazit:
Auch wenn das Ende bekannt ist, ist man doch verträumt und schaut gern dabei zu wie junge Liebe entsteht. Auch wenn der Schreibstil so gar micht mein Fall war, konnte mich diese neue Seite von Franz Kafka total begeistern.
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