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3,5 von 5 Sternen
Faserland: Roman
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Februar 2013
Faserland ist ein Werk, bei dem man zwischen den Zeilen lesen und auf die leisen Töne achten muss, um es in seiner Vielschichtigkeit angemessen zu verstehen. Im ersten Moment ist jeder sicherlich irritiert von diesem namenlosen Ich-Erzähler, der arrogant und selbstgefällig durch Deutschland reist, säuft und raucht von Party zu Party; eine Welt, die nur aus Markenartikeln besteht. Wer das Werk nur auf dieser Ebene versteht, dem entgeht, dass in Faserland gerade die Flucht aus diesem snobistischen Milieu, in dem es keine echten Freundschaften gibt und die Menschen innerlich leer und einsam sind, dargestellt wird. Daher verbrennt der Ich-Erzähler ja auch die symbolträchtige Barbourjacke auf dem Frankfurter Flughafen. Ebenso im Gespräch mit seinem Freund Rollo, der kurz darauf mit Drogen vollgepumpt in einem See ertrinkt, ist dem Ich-Erzähler völlig klar, was echte Freundschaft wäre und er weiß, dass er selbst nicht fähig ist, ein solcher Freund zu sein. Insofern entpuppt sich die Reise des ich-Erzählers als Suche nach sich selbst und als Kritik an einem bestimmten Lebensstil; letztlich als Flucht.
Bei dieser Reise beschreibt der Ich-Erzähler wunderbar ironisch-sarkastisch Deutschland und seine Menschen: eine ehrliche und schön politisch unkorrekte Kritik: Faserland - Fatherland - Vaterland. Jedesmal, wenn ich mit einem ICE fahre, muss ich z.B. an die Textstelle denken, in der der Ich-Erzähler sich über den Ausdruck "Bordtreff" aufregt und sich überlegt, welche Designer mit bunten Brillen und Armani-Sakkos sich den blöden Begriff ausgedacht, dafür Millionen kassiert haben und jetzt Rotwein in der Toskana trinken!

Insofern halte ich Faserland wirklich für ein großartiges, vielschichtiges Werk und ich kann alle nur bitten, auch zwischen den Zeilen zu lesen und das Buch nicht voreilig wegzulegen!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. August 2014
Es ist wirklich nicht erstaunlich, warum dieser Roman, „Faserland“, bei seinem Erscheinen 1995 auf ein geteiltes, in der Tendenz negatives Echo stieß. Da kommt dieser junge Christian Kracht, aus offenbar wohlhabendem Hause stammend und ist für den in Eindeutigkeit verliebten deutschen Literaturbetrieb eine einzige Irritation. Konventionelles Autorengehabe verweigert er ebenso wie konsistente und daher leicht verdauliche Selbstauskünfte in Interviews. Er provoziert. Und zwar zuallererst durch seinen Erstlingsroman, in dem er einen Endzwanziger durch ein wohlstandskaputtes, tatsächlich widerwärtiges Deutschland bis hinunter in die Schweiz reisen lässt. Hilflos attributierte man den Roman mit Oberflächlichkeiten wie „Schnöseltum“, „Markenfetischismus“ oder, allen Ernstes, „nicht gesellschaftskritisch“. Vor allem aber eins war der Roman angeblich, damals, 1995: „Pop-Literatur“.
Nun gibt es bei Christian Kracht keine Zufälle. So zupft er sich etwa für jeden Fernsehauftritt säuberlich den rechten Hemdkragen in Unordnung. Und wenn auf dem Klappenumschlag der gebundenen Ausgabe zu lesen ist „Als Geburt der Popliteratur in Deutschland wurde Krachts schnoddrig-verzweifeltes Debüt bezeichnet. Es war nicht ihre Geburt, es war ihre Hinrichtung“, dann nur, weil der Autor es so wünschte. Vielleicht wünschte er es, weil es wahr ist. Und vielleicht auch, weil es belegt, dass Christian Kracht den auf ihn folgenden Pop-Literaten intellektuell schon enteilt war, als diese gerade mal zur Startlinie schritten. Dass Kollegen wie Kritiker dies nicht bemerkten, hängt mit einer spezifischen Qualität aller Bücher Christian Krachts zusammen: An ihrer Oberfläche sind sie Unterhaltungsliteratur, und zwar im Wortsinne. Sie unterhalten. Doch je tiefer man gräbt und bohrt, desto brüchiger werden alle Gewissheiten, die man über Text und Autor zu haben meint.

Schulliteratur
„Faserland“ hat eine geradezu einmalige Rezeptionsgeschichte erfahren: Vom Totalverriss zur Abiturlektüre. Und das in wenigen Jahren. Vielleicht wurde die grandiose Rollenprosa von „Faserland“ erst registriert, als Christian Kracht mit „1979“ bewies, das vielleicht eleganteste Deutsch unserer Gegenwartsliteratur zu schreiben. Und vielleicht musste es eben Jahre dauern, bis die Rezeption dieses Buches – ganz so, als wäre es mit einem Zeitzünder versehen – nicht mehr dessen Oberflächlichkeit bemängelte, sondern sich an dessen, potenziell endloser, Vielschichtigkeit die Zähne ausbiss. Das beginnt schon beim Titel. Er enthält Anklänge an den Roman „Fatherland“. Ebenso kann man an die Fasern der distinguierenden Kleidungsstücke denken. Das Wort „faseln“ liegt nahe. Und was heißt das eigentlich, wenn eine ganze Gesellschaft „zerfasert“?
Man möchte auf viele Aspekte eingehen. Sei es die Konstruktion des unzuverlässigen, sich in Widersprüche verwickelnden Ich-Erzählers. Das verwinkelte Verwirrspiel aus Hoch- und Popkultur, das sich schon in den vorangestellten Zitaten spiegelt. Die Sexualität des Ich-Erzählers. Die verdrängte Nazi-Vergangenheit, die fortwährend in die Gegenwart sticht wie der Dolch Görings. Oder die bereits in diesem Buch versammelten Leitmotive der späteren Bücher Krachts: Die Reise; die Abstinenz von oder die Suche nach Autoritäten; das Motiv des Verschwindens, oder (und dazu gibt es bei „Faserland“ wahrlich Grund) um es mit Thomas Mann zu sagen: Das der Welt abhanden kommen.
Wichtiger aber erscheint mir, auf zwei Aspekete einzugehen, die für meinen bescheidenen Literaturverstand in „Faserland“ aufkommen und als Konstanten das Werk Christian Krachts durchziehen, weil er sie – und das will etwas heißen bei ihm – noch nicht relativiert hat: Die Ambivalenz als Prinzip und das Motiv der scheiternden Moderne.

Ambivalenz
Im Buch taucht Wim Wenders mit dem Film „Der Himmel über Berlin“ auf. Der Ich-Erzähler findet den Regisseur ziemlich unerträglich – und die Eröffnungsszene seiner filmischen Großtat erinnert ihn an Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“. Und so fragt er den Maestro, ob er „sich das bei Riefenstahl abgeguckt hat, oder ob er das irgendwie ironisch meint.“ Es ist geradezu gespenstisch, dass im Zuge des Literaturskandals um „Imperium“ exakt diese Frage an Christian Kracht gestellt wurde: Wenn der Autor mit Deutschtum, Kolonialismus oder Nazi-Sekten kokettiert, meint er das dann ernst oder ironisch?
Und wie ist das, wenn er in „Faserland“ SPD-Nazis, Betriebsräte, politisch engagierte Frauen, Taxifahrer, Werbefuzzis, Rentner, Junkies oder eben Wim Wenders beschimpft? Ist das ästhetisch motivierter Amoralismus? Oder ein Spiel? Die für mich tauglichste Antwort: Beides zugleich.
Die meisten Leser werden die Anklagen des Ich-Erzählers teilweise verstehen. Die beigefarbenen Gewerkschaftersakkos, unerträgliche Weltverbesserer, Sprachkatastrophen wie „Bord-Treff“ oder „Eskalationsspirale“ – all das existiert bis heute fort. Und zugleich werden die meisten Leser die offensichtliche Amoralität des Ich-Erzählers – der ganz selbstverständlich klaut, säuft und „Freunde“ dem Tod überantwortet – nicht teilen, nicht ernst nehmen können. Das Buch entzieht sich also einer eindeutigen Aussage. Und zwar genauso, wie Christian Kracht sich jeder eindeutigen Aussage entzieht. Etwa, wenn er Interviews dann besonders gelungen findet, wenn sie „ein bestehendes Bild“ von ihm „zertrümmern“.

Scheiternde Moderne
Und dennoch sucht man bei aller Ambivalenz nach einer Kontinuität in Werk und Leben des Autors. Für mich liegt sie im zweiten Aspekt verborgen: Der unkonstruktiven Absage an die Moderne. Einer Absage, die sich bereits in „Faserland“ abzeichnet. Denn das Deutschland dieses Buches, das moderne Deutschland, ist von Grund auf kaputt – allen voran das geschilderte Milieu: Fortwährend wird geredet, aber nichts gesagt. Einmal heißt es: „Das ist das Gute an ihr, dass man hinhören kann oder nicht, und beides ist genau gleich viel wert, im Endeffekt.“ Folgerichtig werden uns die Nigels, Alexanders und Rollos dieses Buches zwar als „Freunde“ vorgestellt, aber keiner von ihnen bleibt es länger als ein Kapitel. Diese private Tristesse korrespondiert mit der gesellschaftlichen: ICE’s, Flughäfen, Taxis, Industrie, Marken, guter Geschmack, schlechter Geschmack – alles da. Und alles nichts.
Es wäre ganz einfach gewesen, den Ich-Erzähler vor diesem Hintergrund als Ästheten zu etablieren, der sich aus diesem Moloch mit Kunst, Kultur und Aufrichtigkeit befreit. Und zugleich wäre es vollkommen unglaubwürdig gewesen. Der Protagonist steht selbst in dem Sumpf, dessen Gestank ihm unerträglich ist. Wie wir alle. Es sei denn, wir klammern uns hilflos an Weltverbessererutopien wie die klägliche Romanfigur Varna.
Und eben hierin liegt die werkimmanente Kontinuität: In „1979“ wird die westliche Moderne von der Theokratie im Iran und dem Kommunismus in China abgelöst. In „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ wird die Entwicklung der Moderne in einer Parallelweltgeschichte kurzerhand abgebrochen. Genauso wie in „Imperium“, und zwar von August Engelhardt auf der Insel Kabakon.
Allein: All diese Versuche aus der westlichen Moderne auszusteigen, sind nicht nur zum Scheitern verurteilt – sie potenzieren die Schrecken der Moderne sogar noch weiter. Es ist daher kein Wunder, dass der Protagonist von „Faserland“ eine Gegenwelt nur mithilfe seiner Fantasie (etwa als Rückblick in die Kindheit oder mit Aussteigerfantasien wie einem Leben in den Bergen) imaginieren kann. Dass er sich nicht, wie ebenjene Varna, im Dienste einer scheiternden Utopie gegen die Moderne auflehnt. Kurzum: Dass er lieber auf den dunklen Zürichsee hinausrudert und aus der Moderne verschwindet. Ganz so wie Christian Kracht, wenn er sagt: „Ich persönlich habe mich immer eher bemüht, zu verschwinden, leise zu sein und zum Beispiel nicht Auto zu fahren, aus Protest.“

Fazit
„Faserland“ ist aus zwei Gründen zu empfehlen. Erstens, weil es ein durch und durch faszinierendes Buch ist, das zahllose Spuren auslegt, denen man nachgehen kann. Oder auch nicht – dann allerdings hat man jedenfalls einen äußerst kurzweiligen und gut geschriebenen Text gelesen.
Und zweitens, weil man mit einer Lektüre Christian Krachts als Zeitgenosse an der Entstehung eines Werks teilhaben kann, das womöglich einmal kanonischen Charakter annehmen wird. Christian Krachts literarische Bedeuting ist schon heute kaum zu überschätzen. Und wer sich persönlich von ihr überzeugen will, sollte„Faserland“ zum Ausgangspunkt nehmen. Denn die meisten Schlüsselmotive der folgenden, gleichfalls empfehlenswerten Romane sind hier bereits enthalten.
Im Übrigen sei noch auf den Film „Finsterworld“ verwiesen, den Christian Kracht mit seiner Frau Frauke Finsterwalder geschrieben hat. Er stellt in vielerlei Hinsicht eine Anknüpfung zu „Faserland“ dar und ist jedem zu empfehlen, der noch immer unsicher ist, ob er an den literarischen Reisen Christian Krachts teilnehmen soll. Es lohnt sich – und das nicht nur, weil all die anderen, „weil solche wie Wim Wenders eh nur große A*****säcke“ sind.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. September 2013
... lieben ihn.
Privat und auch später im Studium gelesen, würde ich es immer wieder empfehlen. Krachts Schreibstil mag für den einen
oder anderen anstrengend sein, ist aber alles Geschmackssache.
Die Geschichte um einen jungen Mann, der durch die Gegend reist und die Reichen und Schönen und alle anderen bewertet ist sehr amüsant. Man muss sich nicht zwangsläufig mit dem Protagonisten identifizieren, man liest die Geschichte aus der Zuschauer-Perspektiv und muss einfach nur schmunzeln.
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45 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. April 2007
Anfangs kam mir dieser namenlose Ich-Erzähler ja wie eine sprechende Wanderreklame für Markenprodukte vor. Das hat etwas genervt. Schnell wurde hinter all den Marken aber das System unserer Konsumkultur sichtbar. Und schon wurde das Buch interessant. Bis ins kleinste Detail kann dieser Namenlose seine Kindheitserinnerungen emotional beschreiben. Mit gehöriger Bescheidenheit schildert er seine drogengefüllten Partyerlebnisse und macht vor allem klar, dass ein teures Leben (egal ob in Nord- oder Süddeutschland oder gar in der Schweiz gelebt) nicht wirklich aufregend ist. Und dass all diese herrlichen Markenprodukte nicht die innere Leere zu füllen vermögen. Wirklich ein guter kleiner Roman über unseren Massenkonsum und die menschliche Vereinsamung. Und dazu noch ein herrlich klarer Schreibstil. Was will man da noch mehr erwarten?
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Juni 2014
und unterhaltsam. Es hilft natürlich, wenn Kracht der Lieblingsautor ist, aber auch so ist der Roman durch eine intensive Atmosphäre gekennzeichnet und Szenen, die noch lange im Gedächtnis bleiben.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. September 2012
Ich musste das Buch fürs Abitur lesen und ich finde es ist ein wahnsinnig gutes Buch.
Der Ich-Erzähler macht vielleicht keine Entwicklung durch, aber darum geht es auch nicht. Eine Figur muss sich nicht immer entwickeln.
Es ist ehrlich.
Der Ich-Erzähler ist nicht in der Lage sich zu entwickeln. Ist meiner Meinung nach nicht in der Lage Emotionen wirklich zu empfinden oder wahrzunehmen. Ist einfach ausgekaltet und hat starke Identitätsprobleme.
Reist durch Deutschland ohne Ziel, manchmal auch ohne Sinn und Verstand.
Weiß nicht wer er ist oder wo er hin will. Ist im Endeffekt heimatlos. Hat keine Wurzeln.

Dieses Buch beschreibt einfach nur eine gestörte Persönlichkeit, die unheimlich ambivalent, komplex und deshalb interessant und fesselnd ist.

Ich denke, alles in allem, ist es ein Buch für Leute die einen ehrlichen, direkten Schreibstil schätzen und die generell im Leben gerne hinter Fassaden gucken und die Welt, Menschen und Persönlichkeit eines Individuums nicht in ihrer Einfachheit sehen wollen, sondern es genießen die Komplexität zu sehen und zu finden.

Wer immer nur mit seiner rosaroten Brille durch die Gegend läuft und mehr auf Schein als auf Sein bedacht ist und sich lieber nur auf berühmte, klassische Autoren fixiert, anstatt sich auch mal auf neue Autoren einzulassen.. ja der findet das Buch wahrscheinlich scheiße.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Mai 2015
Ich gebe hier 5 Sterne,
weil alles wieder super gelaufen ist.
Ich habe den Artikel schnell gefunden und das bestellen geht flott und einfach wie immer.
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27 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. August 2000
Etwas skeptisch( da ich selbst keineswegs zu den nur zu oft erwähnten Barbourjackenträgern gehöre) fing ich an, diesen Roman zu lesen- und war letztendlich völlig begeistert.Kracht zeigt die heutige Welt wie sie (zum Teil) ist, ob man es mag oder nicht.Die deprimierende Oberflächlichkeit der heutigen Gesellschaft läßt sich nun mal leider nicht leugnen. Emotionale Kälte,falsche Freundschaften, hippe Parties, auf denen die Menschen in Wirklichkeit oft nichts miteinander anzufangen wissen, der erschreckend lässige Umgang mit Drogen, der zwanghafte Wunsch sich ständig zu amüsieren, sowie die naive Vorstellung, hinter einer Barbourjacke auf Dauer seine eigentliche Persönlichkeit verstecken zu können - all das bestimmt den Alltag des Protagonisten. Jedoch wird dieses Partyleben in dem Roman keineswegs verherrlicht. Vielmehr werden nach und nach die Schattenseiten der Spassgesellschaft gezeigt- ziemlich traurig und teilweise auch erschreckend (besonders die Episode auf der Party in der Villa am Bodensee).
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. April 2010
Der Zögling einer reichen Familie, ein abgehalfterter Endzwanziger, begibt sich auf eine Reise durch Deutschland, von der Küste bis zum Bodensee und nach Zürich. Was er dabei erlebt: Alkohol- und Drogenexzesse und ausschweifende Partys, die der Melancholiker wie in einer Taucherglocke gefangen wahrnimmt.

Ich bin auf dieses Buch gekommen, weil ich darüber gelesen hatte, es handle sich dabei um Krachts Interpertation von Salingers »Fänger im Roggen«. Tatsächlich ähnelt »Faserland« dem »Fänger« in seiner Art von Wahrnehmung, in seiner Fatalität und Melancholie, unter die sich ein tiefschwarzer sarkastischer Humor mischt.

Obwohl Popliteratur hat das Buch für mich etwas expressionistisches. Ich sehe darin die Weiterentwicklung des Großstadtexpressionismus des beginnenden 20. Jahrhunderts zu einem modernen (Konsum-)Gesellschaftsexpressionismus.

Eines der besten Bücher, dass ich seid langer Zeit gelesen habe. Und das ich in einem Rutsch innerhalb nur eines einzigen Tages verschlungen habe.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Juni 1999
Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah! Deutschland ist eine Reise wert, zumal der Euro die Urlaubskasse nicht gerade zum Platzen bringt. Mit seinem Buch "Faserland" wird man von Christian Kracht auf eine Reise durch Deutschland mitgenommen, auf der man mehr erfährt als nur die Namen der durchreisten Orte. Vielmehr darf man in der Gedankenwelt des Protagonisten mitreisen, der von Keitum auf Sylt bis zum Zürcher See reist und dabei allerlei feststellt - für sich selbst und für den Leser. Das spannende an diesem Buch sind nicht die Orte, sondern es ist die Art mit der sich die Hauptperson mitteilt über seine Probleme, das Leben als Zwanziger und die Banalitäten, die einen umgeben. Warum tragen alle Barbour-Jacken, oder wie kam es zum Namen des Zugrestaurants im Interregio der Deutschen Bahn. Was auf den ersten Blick banal klingt, vermittelt dem Leser auf den zweiten Blick einen tiefen Eindruck in das Befinden des Protagonisten, der sich in seiner hippen Welt voller Partyleben und Oberflächlichkeiten verloren fühlt und nur noch feststellt wie bitter die Realität ist. Christian Kracht bringt den Leser zum Lachen und Schmunzeln und doch hinterläßt er ihn auch nachdenklich ob des Ende der Geschichte. Im Zug mir gegenüber saß ein junger Mann, der vor lauter Lachen von allen Mitreisenden schräg angeschaut wurde. Er las "Faserland" und als ich mir das Buch am nächsten Tag selber kaufte und las, wünschte ich mir, im Zug zu sitzen und durch Deutschland zu reisen... (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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