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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ..auf der Suche nach dem Ich im Fatherland... großartig, herausragend !
Faserland ist ein Werk, bei dem man zwischen den Zeilen lesen und auf die leisen Töne achten muss, um es in seiner Vielschichtigkeit angemessen zu verstehen. Im ersten Moment ist jeder sicherlich irritiert von diesem namenlosen Ich-Erzähler, der arrogant und selbstgefällig durch Deutschland reist, säuft und raucht von Party zu Party; eine Welt, die nur...
Vor 19 Monaten von Peter Wurst veröffentlicht

versus
140 von 190 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nach Goethe der beste Mann !
Also, es fängt damit an, daß ich mir eine Zigarette anzünde und Krachts Buch Faserland lese und ich denke, daß alle Taxifahrer Nazis sind oder Drogen nehmen oder irgendwie komisch aussehen. Und in ganz Deutschland, dieser großen Maschine im Norden, wird seitenweise geraucht, getrunken und gekotzt. Das ist ja nicht schlimm, aber irgendwie das...
Am 2. Juni 2000 veröffentlicht


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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ..auf der Suche nach dem Ich im Fatherland... großartig, herausragend !, 12. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Faserland ist ein Werk, bei dem man zwischen den Zeilen lesen und auf die leisen Töne achten muss, um es in seiner Vielschichtigkeit angemessen zu verstehen. Im ersten Moment ist jeder sicherlich irritiert von diesem namenlosen Ich-Erzähler, der arrogant und selbstgefällig durch Deutschland reist, säuft und raucht von Party zu Party; eine Welt, die nur aus Markenartikeln besteht. Wer das Werk nur auf dieser Ebene versteht, dem entgeht, dass in Faserland gerade die Flucht aus diesem snobistischen Milieu, in dem es keine echten Freundschaften gibt und die Menschen innerlich leer und einsam sind, dargestellt wird. Daher verbrennt der Ich-Erzähler ja auch die symbolträchtige Barbourjacke auf dem Frankfurter Flughafen. Ebenso im Gespräch mit seinem Freund Rollo, der kurz darauf mit Drogen vollgepumpt in einem See ertrinkt, ist dem Ich-Erzähler völlig klar, was echte Freundschaft wäre und er weiß, dass er selbst nicht fähig ist, ein solcher Freund zu sein. Insofern entpuppt sich die Reise des ich-Erzählers als Suche nach sich selbst und als Kritik an einem bestimmten Lebensstil; letztlich als Flucht.
Bei dieser Reise beschreibt der Ich-Erzähler wunderbar ironisch-sarkastisch Deutschland und seine Menschen: eine ehrliche und schön politisch unkorrekte Kritik: Faserland - Fatherland - Vaterland. Jedesmal, wenn ich mit einem ICE fahre, muss ich z.B. an die Textstelle denken, in der der Ich-Erzähler sich über den Ausdruck "Bordtreff" aufregt und sich überlegt, welche Designer mit bunten Brillen und Armani-Sakkos sich den blöden Begriff ausgedacht, dafür Millionen kassiert haben und jetzt Rotwein in der Toskana trinken!

Insofern halte ich Faserland wirklich für ein großartiges, vielschichtiges Werk und ich kann alle nur bitten, auch zwischen den Zeilen zu lesen und das Buch nicht voreilig wegzulegen!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Polarisiert, 30. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
„Faserland“ liest sich schnell und wird doch ermüdend, weil überhaupt nichts passiert, jedenfalls nichts wirklich Spannendes. Der Erzähler ist ein junger Mann, der quer durch Deutschland reist. Er trifft auf alte Bekannte, geht auf Partys, trinkt viel, und scheint sich auf einer Art Sinnsuche zu befinden. Die häufigsten Ausdrücke hier sind „ich meine“, „irgendwie“ und „ich kann das nicht genau beschreiben“. So entsteht leicht der Eindruck, der Roman sage überhaupt nichts aus. Ob er etwas aussagt, hängt ganz davon ab, wie man ihn liest.

Hier wird ein Lebensgefühl beschrieben, das nicht jeder nachvollziehen kann, beschrieben auf eine überheblich-respektlose Art, die provokant sein will und das auch schafft. Die Fülle an Kritiken und Sekundärliteratur zu diesem Roman scheint angesichts seines bescheidenen Umfangs und der saloppen Schreibweise seines Autors völlig überzogen und schraubt beim Leser die Erwartungen in die Höhe. So kommt es, dass die einen in „Faserland“ ein Meisterwerk der zeitgenössischen deutschen Literatur sehen, die anderen ein zu Unrecht gehyptes Sch…buch.

Deshalb ist es am besten, man liest den Roman selbst, bevor man irgendetwas über ihn liest. Viel Zeit erfordert das eh nicht. Es ist auch empfehlenswert, ihn nicht in einer Sitzung, sondern Stück für Stück zu lesen, um ihn wirken zu lassen. Vielleicht wirkt er gar nicht, dann sollte man ihn aus der Hand legen. Wahrscheinlicher ist aber, dass er wirkt und einen zum Nachdenken bringt, selbst wenn man ihn ganz schrecklich findet. Über das, was einem gegen den Strich geht, denkt man sowieso mehr nach als über das, was einem gefällt.

Es ist sehr einfach, „Faserland“ nicht zu mögen, was hauptsächlich am Erzähler liegt. Der ist nämlich unsympathisch, oft unsympathischer als die Leute, die er trifft, und die er selbst unsympathisch findet. Diese oberflächliche Kotzbrockenhaftigkeit verdeckt aber einen sensiblen, verlorenen Menschen, der seine Umwelt scharf beobachtet und gelegentlich an ihr zu zerbrechen droht. Eine Auflehnung findet nicht statt, der Erzähler bleibt irritierend passiv. Kracht gelingt es, ein diffuses Befinden einzufangen und auf den Punkt zu bringen, eine endgültige Aussage jedoch kategorisch zu verweigern. Das verleiht „Faserland“ eine eigentümliche Melancholie, manchmal auch Schönheit.

Aber das ist nur eine von vielen Lesarten. Dass „Faserland“ mit gerade mal 160 Seiten und einer scheinbaren Nicht-Aussage so unterschiedliche Reaktionen hervorruft, macht den Roman allemal lesenswert. Ob er auch gut ist, mag dann jeder für sich entscheiden. Mir hat er gefallen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Finsterland, 12. August 2014
Von 
Thomas Gebauer (Kirchberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Es ist wirklich nicht erstaunlich, warum dieser Roman, „Faserland“, bei seinem Erscheinen 1995 auf ein geteiltes, in der Tendenz negatives Echo stieß. Da kommt dieser junge Christian Kracht, aus offenbar wohlhabendem Hause stammend und ist für den in Eindeutigkeit verliebten deutschen Literaturbetrieb eine einzige Irritation. Konventionelles Autorengehabe verweigert er ebenso wie konsistente und daher leicht verdauliche Selbstauskünfte in Interviews. Er provoziert. Und zwar zuallererst durch seinen Erstlingsroman, in dem er einen Endzwanziger durch ein wohlstandskaputtes, tatsächlich widerwärtiges Deutschland bis hinunter in die Schweiz reisen lässt. Hilflos attributierte man den Roman mit Oberflächlichkeiten wie „Schnöseltum“, „Markenfetischismus“ oder, allen Ernstes, „nicht gesellschaftskritisch“. Vor allem aber eins war der Roman angeblich, damals, 1995: „Pop-Literatur“.
Nun gibt es bei Christian Kracht keine Zufälle. So zupft er sich etwa für jeden Fernsehauftritt säuberlich den rechten Hemdkragen in Unordnung. Und wenn auf dem Klappenumschlag der gebundenen Ausgabe zu lesen ist „Als Geburt der Popliteratur in Deutschland wurde Krachts schnoddrig-verzweifeltes Debüt bezeichnet. Es war nicht ihre Geburt, es war ihre Hinrichtung“, dann nur, weil der Autor es so wünschte. Vielleicht wünschte er es, weil es wahr ist. Und vielleicht auch, weil es belegt, dass Christian Kracht den auf ihn folgenden Pop-Literaten intellektuell schon enteilt war, als diese gerade mal zur Startlinie schritten. Dass Kollegen wie Kritiker dies nicht bemerkten, hängt mit einer spezifischen Qualität aller Bücher Christian Krachts zusammen: An ihrer Oberfläche sind sie Unterhaltungsliteratur, und zwar im Wortsinne. Sie unterhalten. Doch je tiefer man gräbt und bohrt, desto brüchiger werden alle Gewissheiten, die man über Text und Autor zu haben meint.

Schulliteratur
„Faserland“ hat eine geradezu einmalige Rezeptionsgeschichte erfahren: Vom Totalverriss zur Abiturlektüre. Und das in wenigen Jahren. Vielleicht wurde die grandiose Rollenprosa von „Faserland“ erst registriert, als Christian Kracht mit „1979“ bewies, das vielleicht eleganteste Deutsch unserer Gegenwartsliteratur zu schreiben. Und vielleicht musste es eben Jahre dauern, bis die Rezeption dieses Buches – ganz so, als wäre es mit einem Zeitzünder versehen – nicht mehr dessen Oberflächlichkeit bemängelte, sondern sich an dessen, potenziell endloser, Vielschichtigkeit die Zähne ausbiss. Das beginnt schon beim Titel. Er enthält Anklänge an den Roman „Fatherland“. Ebenso kann man an die Fasern der distinguierenden Kleidungsstücke denken. Das Wort „faseln“ liegt nahe. Und was heißt das eigentlich, wenn eine ganze Gesellschaft „zerfasert“?
Man möchte auf viele Aspekte eingehen. Sei es die Konstruktion des unzuverlässigen, sich in Widersprüche verwickelnden Ich-Erzählers. Das verwinkelte Verwirrspiel aus Hoch- und Popkultur, das sich schon in den vorangestellten Zitaten spiegelt. Die Sexualität des Ich-Erzählers. Die verdrängte Nazi-Vergangenheit, die fortwährend in die Gegenwart sticht wie der Dolch Görings. Oder die bereits in diesem Buch versammelten Leitmotive der späteren Bücher Krachts: Die Reise; die Abstinenz von oder die Suche nach Autoritäten; das Motiv des Verschwindens, oder (und dazu gibt es bei „Faserland“ wahrlich Grund) um es mit Thomas Mann zu sagen: Das der Welt abhanden kommen.
Wichtiger aber erscheint mir, auf zwei Aspekete einzugehen, die für meinen bescheidenen Literaturverstand in „Faserland“ aufkommen und als Konstanten das Werk Christian Krachts durchziehen, weil er sie – und das will etwas heißen bei ihm – noch nicht relativiert hat: Die Ambivalenz als Prinzip und das Motiv der scheiternden Moderne.

Ambivalenz
Im Buch taucht Wim Wenders mit dem Film „Der Himmel über Berlin“ auf. Der Ich-Erzähler findet den Regisseur ziemlich unerträglich – und die Eröffnungsszene seiner filmischen Großtat erinnert ihn an Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“. Und so fragt er den Maestro, ob er „sich das bei Riefenstahl abgeguckt hat, oder ob er das irgendwie ironisch meint.“ Es ist geradezu gespenstisch, dass im Zuge des Literaturskandals um „Imperium“ exakt diese Frage an Christian Kracht gestellt wurde: Wenn der Autor mit Deutschtum, Kolonialismus oder Nazi-Sekten kokettiert, meint er das dann ernst oder ironisch?
Und wie ist das, wenn er in „Faserland“ SPD-Nazis, Betriebsräte, politisch engagierte Frauen, Taxifahrer, Werbefuzzis, Rentner, Junkies oder eben Wim Wenders beschimpft? Ist das ästhetisch motivierter Amoralismus? Oder ein Spiel? Die für mich tauglichste Antwort: Beides zugleich.
Die meisten Leser werden die Anklagen des Ich-Erzählers teilweise verstehen. Die beigefarbenen Gewerkschaftersakkos, unerträgliche Weltverbesserer, Sprachkatastrophen wie „Bord-Treff“ oder „Eskalationsspirale“ – all das existiert bis heute fort. Und zugleich werden die meisten Leser die offensichtliche Amoralität des Ich-Erzählers – der ganz selbstverständlich klaut, säuft und „Freunde“ dem Tod überantwortet – nicht teilen, nicht ernst nehmen können. Das Buch entzieht sich also einer eindeutigen Aussage. Und zwar genauso, wie Christian Kracht sich jeder eindeutigen Aussage entzieht. Etwa, wenn er Interviews dann besonders gelungen findet, wenn sie „ein bestehendes Bild“ von ihm „zertrümmern“.

Scheiternde Moderne
Und dennoch sucht man bei aller Ambivalenz nach einer Kontinuität in Werk und Leben des Autors. Für mich liegt sie im zweiten Aspekt verborgen: Der unkonstruktiven Absage an die Moderne. Einer Absage, die sich bereits in „Faserland“ abzeichnet. Denn das Deutschland dieses Buches, das moderne Deutschland, ist von Grund auf kaputt – allen voran das geschilderte Milieu: Fortwährend wird geredet, aber nichts gesagt. Einmal heißt es: „Das ist das Gute an ihr, dass man hinhören kann oder nicht, und beides ist genau gleich viel wert, im Endeffekt.“ Folgerichtig werden uns die Nigels, Alexanders und Rollos dieses Buches zwar als „Freunde“ vorgestellt, aber keiner von ihnen bleibt es länger als ein Kapitel. Diese private Tristesse korrespondiert mit der gesellschaftlichen: ICE’s, Flughäfen, Taxis, Industrie, Marken, guter Geschmack, schlechter Geschmack – alles da. Und alles nichts.
Es wäre ganz einfach gewesen, den Ich-Erzähler vor diesem Hintergrund als Ästheten zu etablieren, der sich aus diesem Moloch mit Kunst, Kultur und Aufrichtigkeit befreit. Und zugleich wäre es vollkommen unglaubwürdig gewesen. Der Protagonist steht selbst in dem Sumpf, dessen Gestank ihm unerträglich ist. Wie wir alle. Es sei denn, wir klammern uns hilflos an Weltverbessererutopien wie die klägliche Romanfigur Varna.
Und eben hierin liegt die werkimmanente Kontinuität: In „1979“ wird die westliche Moderne von der Theokratie im Iran und dem Kommunismus in China abgelöst. In „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ wird die Entwicklung der Moderne in einer Parallelweltgeschichte kurzerhand abgebrochen. Genauso wie in „Imperium“, und zwar von August Engelhardt auf der Insel Kabakon.
Allein: All diese Versuche aus der westlichen Moderne auszusteigen, sind nicht nur zum Scheitern verurteilt – sie potenzieren die Schrecken der Moderne sogar noch weiter. Es ist daher kein Wunder, dass der Protagonist von „Faserland“ eine Gegenwelt nur mithilfe seiner Fantasie (etwa als Rückblick in die Kindheit oder mit Aussteigerfantasien wie einem Leben in den Bergen) imaginieren kann. Dass er sich nicht, wie ebenjene Varna, im Dienste einer scheiternden Utopie gegen die Moderne auflehnt. Kurzum: Dass er lieber auf den dunklen Zürichsee hinausrudert und aus der Moderne verschwindet. Ganz so wie Christian Kracht, wenn er sagt: „Ich persönlich habe mich immer eher bemüht, zu verschwinden, leise zu sein und zum Beispiel nicht Auto zu fahren, aus Protest.“

Fazit
„Faserland“ ist aus zwei Gründen zu empfehlen. Erstens, weil es ein durch und durch faszinierendes Buch ist, das zahllose Spuren auslegt, denen man nachgehen kann. Oder auch nicht – dann allerdings hat man jedenfalls einen äußerst kurzweiligen und gut geschriebenen Text gelesen.
Und zweitens, weil man mit einer Lektüre Christian Krachts als Zeitgenosse an der Entstehung eines Werks teilhaben kann, das womöglich einmal kanonischen Charakter annehmen wird. Christian Krachts literarische Bedeuting ist schon heute kaum zu überschätzen. Und wer sich persönlich von ihr überzeugen will, sollte„Faserland“ zum Ausgangspunkt nehmen. Denn die meisten Schlüsselmotive der folgenden, gleichfalls empfehlenswerten Romane sind hier bereits enthalten.
Im Übrigen sei noch auf den Film „Finsterworld“ verwiesen, den Christian Kracht mit seiner Frau Frauke Finsterwalder geschrieben hat. Er stellt in vielerlei Hinsicht eine Anknüpfung zu „Faserland“ dar und ist jedem zu empfehlen, der noch immer unsicher ist, ob er an den literarischen Reisen Christian Krachts teilnehmen soll. Es lohnt sich – und das nicht nur, weil all die anderen, „weil solche wie Wim Wenders eh nur große A*****säcke“ sind.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die einen hassen Kracht, die anderen..., 4. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Faserland (Taschenbuch)
... lieben ihn.
Privat und auch später im Studium gelesen, würde ich es immer wieder empfehlen. Krachts Schreibstil mag für den einen
oder anderen anstrengend sein, ist aber alles Geschmackssache.
Die Geschichte um einen jungen Mann, der durch die Gegend reist und die Reichen und Schönen und alle anderen bewertet ist sehr amüsant. Man muss sich nicht zwangsläufig mit dem Protagonisten identifizieren, man liest die Geschichte aus der Zuschauer-Perspektiv und muss einfach nur schmunzeln.
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45 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Namenlose Massenkritik, 10. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Anfangs kam mir dieser namenlose Ich-Erzähler ja wie eine sprechende Wanderreklame für Markenprodukte vor. Das hat etwas genervt. Schnell wurde hinter all den Marken aber das System unserer Konsumkultur sichtbar. Und schon wurde das Buch interessant. Bis ins kleinste Detail kann dieser Namenlose seine Kindheitserinnerungen emotional beschreiben. Mit gehöriger Bescheidenheit schildert er seine drogengefüllten Partyerlebnisse und macht vor allem klar, dass ein teures Leben (egal ob in Nord- oder Süddeutschland oder gar in der Schweiz gelebt) nicht wirklich aufregend ist. Und dass all diese herrlichen Markenprodukte nicht die innere Leere zu füllen vermögen. Wirklich ein guter kleiner Roman über unseren Massenkonsum und die menschliche Vereinsamung. Und dazu noch ein herrlich klarer Schreibstil. Was will man da noch mehr erwarten?
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmen ohne zu leben, 20. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Krachts Roman Faserland zeichnet den heutigen (modernen?) Menschen und entwirft ein Bild der Sinnlosigkeit. Die Hauptperson reist von Sylt an den Bodensee, ohne dem Leser die eigene Identitaet oder den Sinn der Reise zu eroeffnen. Beobachtungen und Beschreibungen sind geradezu emotionslos. Ohne Ziel laesst er sich dabei treiben, Orientierung an Werten und Inhalten ist genauso wenig erkennbar wie die Orientierung an Reisezielen. Drogen, Parties, Begegnungen ohne Tiefgang kennzeichen das Geschehen. Man definiert sich ueber Statussymbole, ohne zu erkennen, dass es nur die Fassaden sind, die den Unterschied ausmachen. Jeder ist in dieser Sinnkrise gefangen, die Auspraegung unterschiedlich, die Fluchtversuche aehnlich. Geradezu unbeteiligt wird konsumiert. Alles. Menschen ohne Vergangenheit und ohne Zukunft, die selbst der Gegenwart nichts abgewinnen koennen und nicht in der Lage zu sein scheinen, dieser Tristesse Einhalt zu gebieten. Eine Gesellschaft der Entwurzelten, denen die Spassgesellschaft auf Dauer keinen Orientierung bietet. Passivitaet als Lebensziel. Atmen ohne zu leben.
Krachts Roman ist eine duestere Bestandsaufnahme unserer heutigen Gesellschaft, die wenig Hoffnung laesst und keine Wege zu mehr Wertigkeit aufweist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut geschrieben, 20. Juni 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
und unterhaltsam. Es hilft natürlich, wenn Kracht der Lieblingsautor ist, aber auch so ist der Roman durch eine intensive Atmosphäre gekennzeichnet und Szenen, die noch lange im Gedächtnis bleiben.
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140 von 190 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nach Goethe der beste Mann !, 2. Juni 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Faserland (Taschenbuch)
Also, es fängt damit an, daß ich mir eine Zigarette anzünde und Krachts Buch Faserland lese und ich denke, daß alle Taxifahrer Nazis sind oder Drogen nehmen oder irgendwie komisch aussehen. Und in ganz Deutschland, dieser großen Maschine im Norden, wird seitenweise geraucht, getrunken und gekotzt. Das ist ja nicht schlimm, aber irgendwie das einzige das passiert, in diesem Buch meine ich. Ich weiß nicht, ob ich mich da klar ausdrücke. Naja, ich meine das also so: (jetzt zünde ich mir erst mal eine Zigarette an) : der Kracht hat so viel Zeit und so viel Zigaretten und immer ein paar Geldscheine locker in den Taschen und hätte da also viel mehr daraus machen müssen. Zum Beispiel einfach 154 schöne weiße leere Blätter beim Verlag abgeben. Ich weiß, das klingt jetzt komisch, aber ich sage das trotzdem mal: dieses Buch, das leere meine ich, hätte mir viel besser gefallen. Aber vielleicht verstehe ich das auch falsch. Der Mann im Vorwort meint nämlich, daß der Erzählton in Wirklichkeit ganz schön kunstvoll gebaut ist. Wenn das so ist, dann sind wir alle Popliteraten. Wahrscheinlich habe ich dann aber nicht so viel Interessantes und Abwechslungsreiches zu bieten wie mein Kollege, der andere Popliterat, also Kracht meine ich. (Ich zünde mir mal rasch eine weitere Zigarette an). Also, ich lese das Laberbuch und lese da solche bedeutungsvollen Sätze wie "Ich gehe ans offene Fenster...ich ziehe mich erst mal an...also, ich liege da im Hotelzimmer...ich sitze eine Weile auf der Bettkante...ich ziehe meine Kreditkarte aus der Barbourjacke...ich zünde mir eine Zigarette an...die griechische Sonne prallt mir aufs Hirn..." Die Liste könnte problemlos über weitere 153 Seiten fortgeführt werden. Und wieso prallt die ihm aufs Hirn, die Sonne meine ich? Ich weiß das klingt jetzt wieder komisch, ich kann mich da irgendwie schlecht ausdrücken, aber diese ganzen Nigels, Rollos, Eugens, Karins und sonstigen Barbourjackenträger, also diese ganze Geschichte ist so unnötig und platt und schlecht und voller dummer Klischees und so leer und nur voller Rauch, daß man eigentlich nicht nur den Autor ohrfeigen möchte, sondern auch alle Verantwortlichen des Verlags. Also, der Roman geht so: die Romanfigur steht auf Sylt und trinkt eine Flasche Jever. Dann trifft er Karin, raucht eine Zigarette, trinkt Bier, erzählt etwas über Barbourjacken und fährt weiter nach Hamburg. Dort ertappt er Nigel beim Gruppensex, trinkt Bier, fährt geschockt nach Frankfurt. Da klaut er Alexanders Barbourjacke, trinkt Bier und fährt weiter nach Heidelberg. Dort folgert er, daß alle Deutschen im Alter nicht nur wie Nazis aussehen, sondern Taxifahrer sich der Haschischbrocken wegen verdingen. Trinkt Bier und landet in München. Weitergetrunken und weitergefahren nach Meersburg mit Rollo, dessen Porsche unser Held sich klaut, um in Zürich bei einer Schachtel Zigaretten über das böse Deutschland zu sinnieren. Und....? Jawohl, trinkt Bier !!! Letzte Bitte: Christian, bleib in Bangkok und schreib nur noch auf thailändisch.
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18 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Reise in das Innere Deutschlands, 16. März 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Barbourjacken-Träger, Syltkenner, Salem-Absolvent, gelangweiltes Kind reicher Eltern ohne Betätigung - zur Hauptperson von Christian Krachts Faserland läßt sich viel über Marken und Symbole sagen. Diese beschreiben jedoch nicht nur ihn, sondern auch die Gesellschaften, in welche er sich begibt auf seiner Reise einmal längst durch das westliche Deutschland. Der Leser selbst erfährt davon als eine Art Monolog im Präsens Aktiv und nimmt so intensiver daran teil.
Man wandert mit dem unbenannten Protagonisten und Ich-Erzähler über Sylter Dünen, fährt nach Hamburg zu abgedrehten Parties bei Möchtegern-Bohemiern, reist weiter nach Frankfurt, Heidelberg, den Bodensee und letztendlich nach Zürich. Das Aufzeigen des hohlen Lebens ohne Nähe und Halt der High-Society in Deutschland erschien mir als das Ziel von Krachts Gesellschaftsodyssee. Immer wieder tritt das Motiv Deutschlands und seiner Vergangenheit hervor, besonders die des Dritten Reiches, und hebt derartig Faserland auch in den Bereich der analytischen Betrachtung über die deutsche Kultur, mit ihren Wurzeln und ihrer Dekadenz.
Eine der Kernaussagen befindet sich im Heidelbergkapitel:
"Das heißt doch tatsächlich so, daß muß man sich erst mal vorstellen, nein, besser noch, man sagt das ganz laut: Neckarauen. Neckarauen. Das macht einen ganz kirre im Kopf, das Wort. So könnte Deutschland sein, wenn es keinen Krieg gegeben hätte und wenn die Juden nicht vergast worden wären. Dann wäre Deutschland so wie das Wort Neckarauen."
Heidelberg stellt ein gutes Beispiel dar, ist es einerseits eine Stadt von sentimentaler barocker Ausstrahlung und ein Ort der deutschen Romantik; bewahrte sich doch andererseits gerade hier das Gedankengut von Burschenschaften und deutschtümelnden "Traditionen".
Faserland aber nur auf die Reflektion zwischen brauner Vergangenheit und dem Heute (im Roman die frühen 90er) zu reduzieren, wäre ein Fehler. Das Buch bietet viele Ansätze, viele Themenanschneidungen und in manchen Sätzen eine melancholische poetische Sprache, die mich begeisterte. Sein Manko - in meinen Augen - bleibt dabei, daß alles eben nur Ansätze sind. Ebenso wie der Autor einen Markennamen als Bezeichnung für eine Person benutzt, hält er an diesem Muster fest und übernimmt es für jegliche Buchebenen. Mir ist das zu wenig, zu oberflächlich für sämtliche Betrachtungen des Buches.
Jemand schrieb, hätte Kracht seinen Roman (diese Bezeichnung grenzt fast an einen Witz bei einer "Länge" von 158 Seiten) dreimal so lang angesetzt, wäre es wahrscheinlich der Roman der 90er Jahre geworden. In dieser Form aber hinterläßt das Buch bei mir ein zwiespältiges Gefühl. Ein Gefühl, welches mich ebenfalls befällt, betrachte ich das zum Teil autobiographisch wirkende Buch in Bezug auf Krachts eigenen Lebenslauf.
Ein Lesen von Faserland empfehle ich aber dennoch, um sich selbst ein Bild zu machen, um neue deutsche Literatur kennenzulernen und die Anfänge der Popliteraten hierzulande. Auch zeigt Kracht in einigen Passagen Erzähltalent, welches vieles verschmerzen läßt und zum Diskutieren anregt.
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41 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu wenig und auch noch alles falsch., 24. Januar 2001
Von 
Rezension bezieht sich auf: Faserland (Taschenbuch)
Wenn das Buch etwa fünfmal so lang gewesen wäre, dann wäre das der Deutschland-Roman der 90er. So dachte ich damals, als ich das gelesen habe, und ärgerte mich vor allem, dass so viel fehlt und Kracht ein fauler Sack ist. Aber schon damals fiel mir auf, dass da einige Fehler im Buch sind: z.B. in Heidelberg. Da stimmen nur die Namen (Max-Bar, Tangente...), der Rest hat mit diesem verpennten Kaff voller Spiesser überhaupt nichts zu tun. Und dann: In der Schweiz ist alles besser? Das hielt ich damals noch für Fehlgriffe, heute weiss ich: Kracht labert nur Scheisse. Das Deutschland im Buch gibt es gar nicht. Jetzt könnt ihr gleich sagen: Ach ne! Ja gut, ich will nur daran erinnern, dass dieser Roman häufig als authentisches 90er Bild angesehen wird, oder sich Leute damit identifizieren... ?! Ich würde sagen totaler Realitätsverlust. Grünofant und ICE ist ja schön und gutes Namedropping, aber so ein Bodensee und Hamburg (und alles andere)? Wart ihr schon mal da? Dann geht mal hin. Ich geb jetzt mal drei Sterne um nicht so ne Extrem-Meinung zu haben wie alle anderen hier. Weil das Buch ist nicht unwichtig (wegen seiner Rezeption), aber es ist schon schade das man mit so nem simplen Langweiler-Lügenmärchen so viel Aufsehen erregen kann. Junge Wilde? Jaja, so krass wild wie die in der CDU...
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Faserland: Roman
Faserland: Roman von Christian Kracht (Gebundene Ausgabe - 30. Dezember 2010)
EUR 16,95
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