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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ..auf der Suche nach dem Ich im Fatherland... großartig, herausragend !
Faserland ist ein Werk, bei dem man zwischen den Zeilen lesen und auf die leisen Töne achten muss, um es in seiner Vielschichtigkeit angemessen zu verstehen. Im ersten Moment ist jeder sicherlich irritiert von diesem namenlosen Ich-Erzähler, der arrogant und selbstgefällig durch Deutschland reist, säuft und raucht von Party zu Party; eine Welt, die nur...
Vor 23 Monaten von Peter Wurst veröffentlicht

versus
3.0 von 5 Sternen Nett, aber überbewertet
Ich mache mir immer mal wieder Notizen über Bücher die ich mal lesen sollte. Zwar kann ich mich nicht mehr erinnern, wo ich über Faserland gelesen hatte, jedenfalls habe ich den Titel in der Notizfunktion meines Telefons entdeckt und mir das Buch bei Amazon bestellt. Das ist zwar moralisch nicht sonderlich korrekt, aber ich lebe nicht in Deutschland und...
Vor 2 Monaten von Matthias Lehmann veröffentlicht


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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ..auf der Suche nach dem Ich im Fatherland... großartig, herausragend !, 12. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Faserland ist ein Werk, bei dem man zwischen den Zeilen lesen und auf die leisen Töne achten muss, um es in seiner Vielschichtigkeit angemessen zu verstehen. Im ersten Moment ist jeder sicherlich irritiert von diesem namenlosen Ich-Erzähler, der arrogant und selbstgefällig durch Deutschland reist, säuft und raucht von Party zu Party; eine Welt, die nur aus Markenartikeln besteht. Wer das Werk nur auf dieser Ebene versteht, dem entgeht, dass in Faserland gerade die Flucht aus diesem snobistischen Milieu, in dem es keine echten Freundschaften gibt und die Menschen innerlich leer und einsam sind, dargestellt wird. Daher verbrennt der Ich-Erzähler ja auch die symbolträchtige Barbourjacke auf dem Frankfurter Flughafen. Ebenso im Gespräch mit seinem Freund Rollo, der kurz darauf mit Drogen vollgepumpt in einem See ertrinkt, ist dem Ich-Erzähler völlig klar, was echte Freundschaft wäre und er weiß, dass er selbst nicht fähig ist, ein solcher Freund zu sein. Insofern entpuppt sich die Reise des ich-Erzählers als Suche nach sich selbst und als Kritik an einem bestimmten Lebensstil; letztlich als Flucht.
Bei dieser Reise beschreibt der Ich-Erzähler wunderbar ironisch-sarkastisch Deutschland und seine Menschen: eine ehrliche und schön politisch unkorrekte Kritik: Faserland - Fatherland - Vaterland. Jedesmal, wenn ich mit einem ICE fahre, muss ich z.B. an die Textstelle denken, in der der Ich-Erzähler sich über den Ausdruck "Bordtreff" aufregt und sich überlegt, welche Designer mit bunten Brillen und Armani-Sakkos sich den blöden Begriff ausgedacht, dafür Millionen kassiert haben und jetzt Rotwein in der Toskana trinken!

Insofern halte ich Faserland wirklich für ein großartiges, vielschichtiges Werk und ich kann alle nur bitten, auch zwischen den Zeilen zu lesen und das Buch nicht voreilig wegzulegen!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Polarisiert, 30. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
„Faserland“ liest sich schnell und wird doch ermüdend, weil überhaupt nichts passiert, jedenfalls nichts wirklich Spannendes. Der Erzähler ist ein junger Mann, der quer durch Deutschland reist. Er trifft auf alte Bekannte, geht auf Partys, trinkt viel, und scheint sich auf einer Art Sinnsuche zu befinden. Die häufigsten Ausdrücke hier sind „ich meine“, „irgendwie“ und „ich kann das nicht genau beschreiben“. So entsteht leicht der Eindruck, der Roman sage überhaupt nichts aus. Ob er etwas aussagt, hängt ganz davon ab, wie man ihn liest.

Hier wird ein Lebensgefühl beschrieben, das nicht jeder nachvollziehen kann, beschrieben auf eine überheblich-respektlose Art, die provokant sein will und das auch schafft. Die Fülle an Kritiken und Sekundärliteratur zu diesem Roman scheint angesichts seines bescheidenen Umfangs und der saloppen Schreibweise seines Autors völlig überzogen und schraubt beim Leser die Erwartungen in die Höhe. So kommt es, dass die einen in „Faserland“ ein Meisterwerk der zeitgenössischen deutschen Literatur sehen, die anderen ein zu Unrecht gehyptes Sch…buch.

Deshalb ist es am besten, man liest den Roman selbst, bevor man irgendetwas über ihn liest. Viel Zeit erfordert das eh nicht. Es ist auch empfehlenswert, ihn nicht in einer Sitzung, sondern Stück für Stück zu lesen, um ihn wirken zu lassen. Vielleicht wirkt er gar nicht, dann sollte man ihn aus der Hand legen. Wahrscheinlicher ist aber, dass er wirkt und einen zum Nachdenken bringt, selbst wenn man ihn ganz schrecklich findet. Über das, was einem gegen den Strich geht, denkt man sowieso mehr nach als über das, was einem gefällt.

Es ist sehr einfach, „Faserland“ nicht zu mögen, was hauptsächlich am Erzähler liegt. Der ist nämlich unsympathisch, oft unsympathischer als die Leute, die er trifft, und die er selbst unsympathisch findet. Diese oberflächliche Kotzbrockenhaftigkeit verdeckt aber einen sensiblen, verlorenen Menschen, der seine Umwelt scharf beobachtet und gelegentlich an ihr zu zerbrechen droht. Eine Auflehnung findet nicht statt, der Erzähler bleibt irritierend passiv. Kracht gelingt es, ein diffuses Befinden einzufangen und auf den Punkt zu bringen, eine endgültige Aussage jedoch kategorisch zu verweigern. Das verleiht „Faserland“ eine eigentümliche Melancholie, manchmal auch Schönheit.

Aber das ist nur eine von vielen Lesarten. Dass „Faserland“ mit gerade mal 160 Seiten und einer scheinbaren Nicht-Aussage so unterschiedliche Reaktionen hervorruft, macht den Roman allemal lesenswert. Ob er auch gut ist, mag dann jeder für sich entscheiden. Mir hat er gefallen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Finsterland, 12. August 2014
Von 
Thomas Gebauer (Kirchberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Es ist wirklich nicht erstaunlich, warum dieser Roman, „Faserland“, bei seinem Erscheinen 1995 auf ein geteiltes, in der Tendenz negatives Echo stieß. Da kommt dieser junge Christian Kracht, aus offenbar wohlhabendem Hause stammend und ist für den in Eindeutigkeit verliebten deutschen Literaturbetrieb eine einzige Irritation. Konventionelles Autorengehabe verweigert er ebenso wie konsistente und daher leicht verdauliche Selbstauskünfte in Interviews. Er provoziert. Und zwar zuallererst durch seinen Erstlingsroman, in dem er einen Endzwanziger durch ein wohlstandskaputtes, tatsächlich widerwärtiges Deutschland bis hinunter in die Schweiz reisen lässt. Hilflos attributierte man den Roman mit Oberflächlichkeiten wie „Schnöseltum“, „Markenfetischismus“ oder, allen Ernstes, „nicht gesellschaftskritisch“. Vor allem aber eins war der Roman angeblich, damals, 1995: „Pop-Literatur“.
Nun gibt es bei Christian Kracht keine Zufälle. So zupft er sich etwa für jeden Fernsehauftritt säuberlich den rechten Hemdkragen in Unordnung. Und wenn auf dem Klappenumschlag der gebundenen Ausgabe zu lesen ist „Als Geburt der Popliteratur in Deutschland wurde Krachts schnoddrig-verzweifeltes Debüt bezeichnet. Es war nicht ihre Geburt, es war ihre Hinrichtung“, dann nur, weil der Autor es so wünschte. Vielleicht wünschte er es, weil es wahr ist. Und vielleicht auch, weil es belegt, dass Christian Kracht den auf ihn folgenden Pop-Literaten intellektuell schon enteilt war, als diese gerade mal zur Startlinie schritten. Dass Kollegen wie Kritiker dies nicht bemerkten, hängt mit einer spezifischen Qualität aller Bücher Christian Krachts zusammen: An ihrer Oberfläche sind sie Unterhaltungsliteratur, und zwar im Wortsinne. Sie unterhalten. Doch je tiefer man gräbt und bohrt, desto brüchiger werden alle Gewissheiten, die man über Text und Autor zu haben meint.

Schulliteratur
„Faserland“ hat eine geradezu einmalige Rezeptionsgeschichte erfahren: Vom Totalverriss zur Abiturlektüre. Und das in wenigen Jahren. Vielleicht wurde die grandiose Rollenprosa von „Faserland“ erst registriert, als Christian Kracht mit „1979“ bewies, das vielleicht eleganteste Deutsch unserer Gegenwartsliteratur zu schreiben. Und vielleicht musste es eben Jahre dauern, bis die Rezeption dieses Buches – ganz so, als wäre es mit einem Zeitzünder versehen – nicht mehr dessen Oberflächlichkeit bemängelte, sondern sich an dessen, potenziell endloser, Vielschichtigkeit die Zähne ausbiss. Das beginnt schon beim Titel. Er enthält Anklänge an den Roman „Fatherland“. Ebenso kann man an die Fasern der distinguierenden Kleidungsstücke denken. Das Wort „faseln“ liegt nahe. Und was heißt das eigentlich, wenn eine ganze Gesellschaft „zerfasert“?
Man möchte auf viele Aspekte eingehen. Sei es die Konstruktion des unzuverlässigen, sich in Widersprüche verwickelnden Ich-Erzählers. Das verwinkelte Verwirrspiel aus Hoch- und Popkultur, das sich schon in den vorangestellten Zitaten spiegelt. Die Sexualität des Ich-Erzählers. Die verdrängte Nazi-Vergangenheit, die fortwährend in die Gegenwart sticht wie der Dolch Görings. Oder die bereits in diesem Buch versammelten Leitmotive der späteren Bücher Krachts: Die Reise; die Abstinenz von oder die Suche nach Autoritäten; das Motiv des Verschwindens, oder (und dazu gibt es bei „Faserland“ wahrlich Grund) um es mit Thomas Mann zu sagen: Das der Welt abhanden kommen.
Wichtiger aber erscheint mir, auf zwei Aspekete einzugehen, die für meinen bescheidenen Literaturverstand in „Faserland“ aufkommen und als Konstanten das Werk Christian Krachts durchziehen, weil er sie – und das will etwas heißen bei ihm – noch nicht relativiert hat: Die Ambivalenz als Prinzip und das Motiv der scheiternden Moderne.

Ambivalenz
Im Buch taucht Wim Wenders mit dem Film „Der Himmel über Berlin“ auf. Der Ich-Erzähler findet den Regisseur ziemlich unerträglich – und die Eröffnungsszene seiner filmischen Großtat erinnert ihn an Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“. Und so fragt er den Maestro, ob er „sich das bei Riefenstahl abgeguckt hat, oder ob er das irgendwie ironisch meint.“ Es ist geradezu gespenstisch, dass im Zuge des Literaturskandals um „Imperium“ exakt diese Frage an Christian Kracht gestellt wurde: Wenn der Autor mit Deutschtum, Kolonialismus oder Nazi-Sekten kokettiert, meint er das dann ernst oder ironisch?
Und wie ist das, wenn er in „Faserland“ SPD-Nazis, Betriebsräte, politisch engagierte Frauen, Taxifahrer, Werbefuzzis, Rentner, Junkies oder eben Wim Wenders beschimpft? Ist das ästhetisch motivierter Amoralismus? Oder ein Spiel? Die für mich tauglichste Antwort: Beides zugleich.
Die meisten Leser werden die Anklagen des Ich-Erzählers teilweise verstehen. Die beigefarbenen Gewerkschaftersakkos, unerträgliche Weltverbesserer, Sprachkatastrophen wie „Bord-Treff“ oder „Eskalationsspirale“ – all das existiert bis heute fort. Und zugleich werden die meisten Leser die offensichtliche Amoralität des Ich-Erzählers – der ganz selbstverständlich klaut, säuft und „Freunde“ dem Tod überantwortet – nicht teilen, nicht ernst nehmen können. Das Buch entzieht sich also einer eindeutigen Aussage. Und zwar genauso, wie Christian Kracht sich jeder eindeutigen Aussage entzieht. Etwa, wenn er Interviews dann besonders gelungen findet, wenn sie „ein bestehendes Bild“ von ihm „zertrümmern“.

Scheiternde Moderne
Und dennoch sucht man bei aller Ambivalenz nach einer Kontinuität in Werk und Leben des Autors. Für mich liegt sie im zweiten Aspekt verborgen: Der unkonstruktiven Absage an die Moderne. Einer Absage, die sich bereits in „Faserland“ abzeichnet. Denn das Deutschland dieses Buches, das moderne Deutschland, ist von Grund auf kaputt – allen voran das geschilderte Milieu: Fortwährend wird geredet, aber nichts gesagt. Einmal heißt es: „Das ist das Gute an ihr, dass man hinhören kann oder nicht, und beides ist genau gleich viel wert, im Endeffekt.“ Folgerichtig werden uns die Nigels, Alexanders und Rollos dieses Buches zwar als „Freunde“ vorgestellt, aber keiner von ihnen bleibt es länger als ein Kapitel. Diese private Tristesse korrespondiert mit der gesellschaftlichen: ICE’s, Flughäfen, Taxis, Industrie, Marken, guter Geschmack, schlechter Geschmack – alles da. Und alles nichts.
Es wäre ganz einfach gewesen, den Ich-Erzähler vor diesem Hintergrund als Ästheten zu etablieren, der sich aus diesem Moloch mit Kunst, Kultur und Aufrichtigkeit befreit. Und zugleich wäre es vollkommen unglaubwürdig gewesen. Der Protagonist steht selbst in dem Sumpf, dessen Gestank ihm unerträglich ist. Wie wir alle. Es sei denn, wir klammern uns hilflos an Weltverbessererutopien wie die klägliche Romanfigur Varna.
Und eben hierin liegt die werkimmanente Kontinuität: In „1979“ wird die westliche Moderne von der Theokratie im Iran und dem Kommunismus in China abgelöst. In „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ wird die Entwicklung der Moderne in einer Parallelweltgeschichte kurzerhand abgebrochen. Genauso wie in „Imperium“, und zwar von August Engelhardt auf der Insel Kabakon.
Allein: All diese Versuche aus der westlichen Moderne auszusteigen, sind nicht nur zum Scheitern verurteilt – sie potenzieren die Schrecken der Moderne sogar noch weiter. Es ist daher kein Wunder, dass der Protagonist von „Faserland“ eine Gegenwelt nur mithilfe seiner Fantasie (etwa als Rückblick in die Kindheit oder mit Aussteigerfantasien wie einem Leben in den Bergen) imaginieren kann. Dass er sich nicht, wie ebenjene Varna, im Dienste einer scheiternden Utopie gegen die Moderne auflehnt. Kurzum: Dass er lieber auf den dunklen Zürichsee hinausrudert und aus der Moderne verschwindet. Ganz so wie Christian Kracht, wenn er sagt: „Ich persönlich habe mich immer eher bemüht, zu verschwinden, leise zu sein und zum Beispiel nicht Auto zu fahren, aus Protest.“

Fazit
„Faserland“ ist aus zwei Gründen zu empfehlen. Erstens, weil es ein durch und durch faszinierendes Buch ist, das zahllose Spuren auslegt, denen man nachgehen kann. Oder auch nicht – dann allerdings hat man jedenfalls einen äußerst kurzweiligen und gut geschriebenen Text gelesen.
Und zweitens, weil man mit einer Lektüre Christian Krachts als Zeitgenosse an der Entstehung eines Werks teilhaben kann, das womöglich einmal kanonischen Charakter annehmen wird. Christian Krachts literarische Bedeuting ist schon heute kaum zu überschätzen. Und wer sich persönlich von ihr überzeugen will, sollte„Faserland“ zum Ausgangspunkt nehmen. Denn die meisten Schlüsselmotive der folgenden, gleichfalls empfehlenswerten Romane sind hier bereits enthalten.
Im Übrigen sei noch auf den Film „Finsterworld“ verwiesen, den Christian Kracht mit seiner Frau Frauke Finsterwalder geschrieben hat. Er stellt in vielerlei Hinsicht eine Anknüpfung zu „Faserland“ dar und ist jedem zu empfehlen, der noch immer unsicher ist, ob er an den literarischen Reisen Christian Krachts teilnehmen soll. Es lohnt sich – und das nicht nur, weil all die anderen, „weil solche wie Wim Wenders eh nur große A*****säcke“ sind.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die einen hassen Kracht, die anderen..., 4. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Faserland (Taschenbuch)
... lieben ihn.
Privat und auch später im Studium gelesen, würde ich es immer wieder empfehlen. Krachts Schreibstil mag für den einen
oder anderen anstrengend sein, ist aber alles Geschmackssache.
Die Geschichte um einen jungen Mann, der durch die Gegend reist und die Reichen und Schönen und alle anderen bewertet ist sehr amüsant. Man muss sich nicht zwangsläufig mit dem Protagonisten identifizieren, man liest die Geschichte aus der Zuschauer-Perspektiv und muss einfach nur schmunzeln.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmen ohne zu leben, 20. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Krachts Roman Faserland zeichnet den heutigen (modernen?) Menschen und entwirft ein Bild der Sinnlosigkeit. Die Hauptperson reist von Sylt an den Bodensee, ohne dem Leser die eigene Identitaet oder den Sinn der Reise zu eroeffnen. Beobachtungen und Beschreibungen sind geradezu emotionslos. Ohne Ziel laesst er sich dabei treiben, Orientierung an Werten und Inhalten ist genauso wenig erkennbar wie die Orientierung an Reisezielen. Drogen, Parties, Begegnungen ohne Tiefgang kennzeichen das Geschehen. Man definiert sich ueber Statussymbole, ohne zu erkennen, dass es nur die Fassaden sind, die den Unterschied ausmachen. Jeder ist in dieser Sinnkrise gefangen, die Auspraegung unterschiedlich, die Fluchtversuche aehnlich. Geradezu unbeteiligt wird konsumiert. Alles. Menschen ohne Vergangenheit und ohne Zukunft, die selbst der Gegenwart nichts abgewinnen koennen und nicht in der Lage zu sein scheinen, dieser Tristesse Einhalt zu gebieten. Eine Gesellschaft der Entwurzelten, denen die Spassgesellschaft auf Dauer keinen Orientierung bietet. Passivitaet als Lebensziel. Atmen ohne zu leben.
Krachts Roman ist eine duestere Bestandsaufnahme unserer heutigen Gesellschaft, die wenig Hoffnung laesst und keine Wege zu mehr Wertigkeit aufweist.
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3.0 von 5 Sternen Nett, aber überbewertet, 8. November 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Ich mache mir immer mal wieder Notizen über Bücher die ich mal lesen sollte. Zwar kann ich mich nicht mehr erinnern, wo ich über Faserland gelesen hatte, jedenfalls habe ich den Titel in der Notizfunktion meines Telefons entdeckt und mir das Buch bei Amazon bestellt. Das ist zwar moralisch nicht sonderlich korrekt, aber ich lebe nicht in Deutschland und komme so schlecht an deutschsprachige Literatur heran. Bei Amazon gibt es sogar Interpretionshilfen zu dem Buch, also dachte ich mir: "Hier musst du ganz genau lesen, das wird abstrakt und vage, nicht einfach zu verstehen!" Dies sind also meine Empfindungen zu Faserland:

Für mich bezieht sich das Buch ganz klar auf das Verhältnis von Deutschland und der Schweiz. Kracht ist selber Schweizer und ich denke er reibt sich sehr an der Mentalität der Deutschen, vor Allem im Bezug zur Nazizeit. Es ist der Versuch zu verstehen, was die deutsche Mentalität zu den Taten in jener Zeit gebracht hat. Ist es angeboren? Ist es die Mentalität? Oder doch nur Zufall der Geschichte, dass all das in Deutschland passiert ist?

So bringt der Erzähler viele seiner Mitmenschen in den Kontext der Nationalsozialisten, eben weil er sich fragt wie sehr dieses Land nun anders oder genauso ist als in den 1930/40er Jahren. Dieses Verhalten habe ich übrigens auch bei mir festgestellt und ich denke es geht vielen Ausländern so, die nach Deutschland kommen: Man denkt dann sowas wie "Wie wäre der/die wohl in der Nazizeit gewesen?". Naja, ist vielleicht Paranoia, aber die Gedanken kommen einem dann doch.

Zugleich klagt Kracht aber auch die Schweiz an, die sich als Sauberland ja angeblich rausgehalten hat (letztes Kapitel), aber dann doch zumindest unter dem Tisch tief mit drin war (Banken usw., kennt man ja). Es schimmert auch eine Art Neid auf den grossen Nachbar durch, die "Maschine" Deutschland, und auch ein versteckter Wunsch, selber so "wichtig" zu sein. Haben die Schweizer doch gar nicht nötig! Vielleicht ist es auch ein Ertapptfühlen, weil Kracht, obschon Schweizer, vielleicht doch recht nah an der deutschen Mentalität dran ist?

Neben diesem Thema, das für mich absolut vorherrschend ist, kommt dann die Beschreibung der Upper Class und ihrer inneren Lehre im Deutschland der 90er Jahre. Gähn. Vielleicht würde ich anders urteilen, wenn ich das Buch direkt nach dem Erscheinen gelesen hätte, aber heute denke ich, dass dieses komplette Thema alter Wein in neuen Schläuchen ist. Hier ist für mich keinerlei neue Aussage drin. Das Gleiche hatten wir bei Gatsby (die Party in Meersburg erinnert dann doch sehr an die berühmte Party Gatsbys, mit grünem Licht und Allem), Fänger im Roggen und Fiesta - The Sun Also Rises. Hier kann ich nichts Neues finden. Komisch, dass da trotzdem so viel Hype drum gemacht wird. Zu absolut jeder Zeit, zumindest in der westlichen Welt und ihren Werten, hat sich die Upper Class genauso verhalten. Viel Rauch um nichts.

Das hat mich dann auch etwas enttäuscht und letztendlich halte ich das Buch für überbewertet. Vielleicht waren meine Erwartungen wegen den Interpretationshilfen und der Wichtigkeit des Buches, die suggeriert wurde, auch einfach zu hoch.

Die Erwähnung von Marken ist nett, aber ich hatte das Gefühl, dass der Autor im Laufe des Buches die Lust daran verloren hat. Vielleicht wollte er damit auch nur den Bezug zum Titel herstellen (Textilfasern der Barbourjacken) und konzentriert sich deshalb sehr auf das erste Kapitel. Danach kommen ja nur noch Erwähnungen von Marken, ohne diese besser zu beschreiben. Eine schöne Spielerei finde ich übrigens Faserland-Fatherland, das bezieht sich dann meiner Meinung nach wieder mehrheitlich auf die Nazizeit.

Mein Fazit: Nett, wenn man The Great Gastby, Catcher In The Rye und Fiesta - The Sun Also Rises noch nicht kennt, oder diese Problematik mal Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland sehen will. Der Bezug Schweiz/Deutschland erscheint mir sehr interessant, wobei dieser Aspekt in Rezessionen fast nie erwähnt wird, sondern nur so am Rande.

Ansonsten, denke ich, muss man das nicht unbedingt gelesen haben.
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3.0 von 5 Sternen Langweilig, aber durchaus mit Sinn, 17. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Kracht beschreibt in seinem Roman Faserland einen jungen namenlosen ich- Erzähler aus reichem Haus, der sich auf einer Deutschlandreise befindet und in verschiedenen Städten an Alkohol und Drogenpartys teilnimmt.
Kracht‘s Roman hat keine großartige Handlung und wenn man danach gefragt wird, worum es in diesem Buch eigentlich geht, fällt einem zuerst vermutlich nichts ein. Ein Buch ohne Handlung? Falsch! Denn wenn man sich mit dem Roman näher befasst versteht man nach und nach den Sinn des Ganzen.
Dadurch, dass der Roman keine Einleitung besitzt, lernt man den Ich- Erzähler nach und nach besser kennen. Kracht lässt den Erzähler häufig in der Umgangssprache denken und Sprachfloskeln verwenden. Dadurch kann sich der Leser sehr gut in den jungen Mann hineinversetzen. Man begleitet den Erzähler auf seiner Reise und bekommt jedes Detail und alle Gedanken genau mit. Dies hat allerdings zur Folge, dass man manchmal mehrere Seiten etwas darüber lesen muss, wohin die Exkremente der Menschen aus einem Zug früher überall verteilt wurden. Dadurch wird das Buch stellenweise ziemlich langweilig.
Während seiner Reise besucht der junge Mann ein paar seiner Freunde. Die Beziehung zu diesen ist sehr widersprüchlich. Obwohl er sie als seine Freunde benennt, führt er mit ihnen keine richtigen Konversationen und lässt sie im Stich. Außerdem kritisiert der Erzähler andere Leute und verhält sich öfters unverschämt. Sobald es ihm auf einer Party zu viel wird verlässt er fluchtartig die Stadt und fährt zur nächsten, wo sich das ganze wieder wiederholt. In jedem Kapitel passiert also das gleiche, nur immer etwas anders. Das macht das Buch langweilig, hat aber durchaus einen Sinn. Denn so vermittelt Kracht das Leben dieses reichen Mannes. -Langweilig, einsam und sinnlos.-
Ich für meinen Teil finde, dass Kracht die Oberflächlichkeit der heutigen Gesellschaft und die Schatten der „Markenwelt“ treffend beschreibt, dies aber nicht offensichtlich genug macht, sodass man während dem Lesen des Romans nicht sofort erkennt, was Kracht einem vermitteln will. Meiner Meinung nach muss man das Buch nicht unbedingt gelesen haben, kann dies aber gerne tun, wenn man beim Lesen gerne viel Platz zum Interpretieren hat.
Sicherlich kein Buch zum „Lesen und danach wieder im Regal verschwinden lassen“!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen von der Ziellosigkeit einer "Markenkultur", 10. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Ziellos reist der Ich-Erzähler mit Bahn, Flugzeug oder Auto durch Deutschland. Sein nächstes Ziel wählt er eher zufällig und spontan aus. Sorgen um Geld muss er sich als ehemaliger Schüler eines Nobelinternats sowieso nicht machen. Und gute Parties, viel Alkohol und Drogen gibt es in jeder Stadt.
In dem Buch geht es weniger um die Handlung, als vielmehr um die Dekadenz, der der Erzähler auf seiner Reise begegnet. Junge Menschen in Markenklamotten unterscheiden sich letztlich nicht von sog. "Alternativen" in schäbigen Klamotten, deren Leben nur aus Drogen und Alkohol besteht. Sie alle zeichnet eine große Leere aus, die sie mit ihrem Lebensstil überspielen wollen.
Es ist diese Welt, die Kracht in seinem Buch einfängt. Die Gedanken und Empfindungen des Erzählers werden in sehr dichter Sprache vermittelt. Schnell erkennt der Leser, dass der Erzähler nur vermeintlich eine Beobachterrolle spielt. Nein, auch er ist Teil dieser Welt, die sich anderen überlegen fühlt und keine Grenzen kennt. Die Ziellosigkeit der Reise ist letztlich ein Symbol für die Ziellosigkeit ihres Lebens. Dramatik entsteht nicht nur den gesamten Plot - vielmehr steckt sie in den vielen kleinen Handlungen, die sehr viel über das Leben dieser Menschen aussagen.
Zugegebenermaßen zogen sich die ersten Kapitel ein wenig hin. Immer irgendwelche Parties mit Snobs - nur der Schauplatz ist ein anderer. Doch mit der Zeit nimmt die Geschichte an Fahrt auf und die Ideen des Autors werden überraschender und witziger. Allerdings wusste ich auch schon vorher, dass es Menschen gibt, die auf diese Art und Weise leben. Folglich wird dem Leser nicht unbedingt eine neue Botschaft vermittelt. Zumindest vom heutigen Standpunkt aus - denn sicher ist es nicht ganz fair, im Jahre 2010 ein 1995 erschienenes Buch zu rezensieren.
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45 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Namenlose Massenkritik, 10. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Anfangs kam mir dieser namenlose Ich-Erzähler ja wie eine sprechende Wanderreklame für Markenprodukte vor. Das hat etwas genervt. Schnell wurde hinter all den Marken aber das System unserer Konsumkultur sichtbar. Und schon wurde das Buch interessant. Bis ins kleinste Detail kann dieser Namenlose seine Kindheitserinnerungen emotional beschreiben. Mit gehöriger Bescheidenheit schildert er seine drogengefüllten Partyerlebnisse und macht vor allem klar, dass ein teures Leben (egal ob in Nord- oder Süddeutschland oder gar in der Schweiz gelebt) nicht wirklich aufregend ist. Und dass all diese herrlichen Markenprodukte nicht die innere Leere zu füllen vermögen. Wirklich ein guter kleiner Roman über unseren Massenkonsum und die menschliche Vereinsamung. Und dazu noch ein herrlich klarer Schreibstil. Was will man da noch mehr erwarten?
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145 von 195 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nach Goethe der beste Mann !, 2. Juni 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Faserland (Taschenbuch)
Also, es fängt damit an, daß ich mir eine Zigarette anzünde und Krachts Buch Faserland lese und ich denke, daß alle Taxifahrer Nazis sind oder Drogen nehmen oder irgendwie komisch aussehen. Und in ganz Deutschland, dieser großen Maschine im Norden, wird seitenweise geraucht, getrunken und gekotzt. Das ist ja nicht schlimm, aber irgendwie das einzige das passiert, in diesem Buch meine ich. Ich weiß nicht, ob ich mich da klar ausdrücke. Naja, ich meine das also so: (jetzt zünde ich mir erst mal eine Zigarette an) : der Kracht hat so viel Zeit und so viel Zigaretten und immer ein paar Geldscheine locker in den Taschen und hätte da also viel mehr daraus machen müssen. Zum Beispiel einfach 154 schöne weiße leere Blätter beim Verlag abgeben. Ich weiß, das klingt jetzt komisch, aber ich sage das trotzdem mal: dieses Buch, das leere meine ich, hätte mir viel besser gefallen. Aber vielleicht verstehe ich das auch falsch. Der Mann im Vorwort meint nämlich, daß der Erzählton in Wirklichkeit ganz schön kunstvoll gebaut ist. Wenn das so ist, dann sind wir alle Popliteraten. Wahrscheinlich habe ich dann aber nicht so viel Interessantes und Abwechslungsreiches zu bieten wie mein Kollege, der andere Popliterat, also Kracht meine ich. (Ich zünde mir mal rasch eine weitere Zigarette an). Also, ich lese das Laberbuch und lese da solche bedeutungsvollen Sätze wie "Ich gehe ans offene Fenster...ich ziehe mich erst mal an...also, ich liege da im Hotelzimmer...ich sitze eine Weile auf der Bettkante...ich ziehe meine Kreditkarte aus der Barbourjacke...ich zünde mir eine Zigarette an...die griechische Sonne prallt mir aufs Hirn..." Die Liste könnte problemlos über weitere 153 Seiten fortgeführt werden. Und wieso prallt die ihm aufs Hirn, die Sonne meine ich? Ich weiß das klingt jetzt wieder komisch, ich kann mich da irgendwie schlecht ausdrücken, aber diese ganzen Nigels, Rollos, Eugens, Karins und sonstigen Barbourjackenträger, also diese ganze Geschichte ist so unnötig und platt und schlecht und voller dummer Klischees und so leer und nur voller Rauch, daß man eigentlich nicht nur den Autor ohrfeigen möchte, sondern auch alle Verantwortlichen des Verlags. Also, der Roman geht so: die Romanfigur steht auf Sylt und trinkt eine Flasche Jever. Dann trifft er Karin, raucht eine Zigarette, trinkt Bier, erzählt etwas über Barbourjacken und fährt weiter nach Hamburg. Dort ertappt er Nigel beim Gruppensex, trinkt Bier, fährt geschockt nach Frankfurt. Da klaut er Alexanders Barbourjacke, trinkt Bier und fährt weiter nach Heidelberg. Dort folgert er, daß alle Deutschen im Alter nicht nur wie Nazis aussehen, sondern Taxifahrer sich der Haschischbrocken wegen verdingen. Trinkt Bier und landet in München. Weitergetrunken und weitergefahren nach Meersburg mit Rollo, dessen Porsche unser Held sich klaut, um in Zürich bei einer Schachtel Zigaretten über das böse Deutschland zu sinnieren. Und....? Jawohl, trinkt Bier !!! Letzte Bitte: Christian, bleib in Bangkok und schreib nur noch auf thailändisch.
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Faserland: Roman
Faserland: Roman von Christian Kracht (Gebundene Ausgabe - 30. Dezember 2010)
EUR 16,95
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