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69 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düster und spannend!
Eigentlich wollte ich während des Lesens ein Zitat raussuchen, mit dem ich diese Rezension beginne. Leider habe ich das während des Lesens total vergessen, denn dieses Buch wollte einfach gelesen werden, ohne Pause.
Und ich muss sagen: "Fegefeuer" ist eins der besten Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.

Aliide findet ein...
Veröffentlicht am 20. August 2010 von Rude Lady

versus
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut, aber überbewertet
Das wichtigste zuerst: "Fegefeuer" ist kein schlechtes Buch. Die Story ist originell und bisweilen auch sehr erschütternd, packend und spannend. Das Buch hat also alles, was ich von einem guten Roman erwarte. Doch jetzt kommt das große "Aber": Das literarische "Meisterwerk", als das es soviel gepriesen wird (ich glaube auf Buchrücken und Innenseite sind...
Vor 10 Monaten von black_eyed veröffentlicht


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69 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Düster und spannend!, 20. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich wollte ich während des Lesens ein Zitat raussuchen, mit dem ich diese Rezension beginne. Leider habe ich das während des Lesens total vergessen, denn dieses Buch wollte einfach gelesen werden, ohne Pause.
Und ich muss sagen: "Fegefeuer" ist eins der besten Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe.

Aliide findet ein Mädchen in ihrem Garten - Zara - und nimmt sie bei sich auf, obwohl sie sie eigentlich lieber weiterschicken würde. Sie weiss im Gegensatz zu Zara nicht, dass die beiden verwandt sind. Zara ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern und da Aliide die einzige Person ist, die sie in Estland zumindest von Erzählungen her kennt, flieht sie zu ihr. Die beiden lernen sich näher kennen, jedoch vertrauen sie einander zunächst nicht genug, um sich gegenseitig ihre Geschichte zu erzählen.
Denn diese ist bei beiden vor allem von einem gekennzeichnet: Gewalt durch Männer. Denn die Handlung beinhaltet auch die politische Geschichte von Estland vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg und das damit verbundene individuelle Schicksal der beiden Frauen. Beide waren während dieser Zeit der Willkür von Männern ausgeliefert und zollen dieser Zeit nun Tribut. Aliide hatte außerdem noch eine ganz andere Geschichte zu bewältigen, die sie mit Zara wieder einholt.

Die Handlung ist unheimlich gut strukturiert: Die Kapitel sind nach Jahren aufgeteilt, in denen jeweils die Geschichte einer der beiden Protagonisten erzählt wird. Man erfährt langsam immer mehr aus der Vergangenheit von Aliide und Zara und versteht nach und nach, warum die beiden so ängstlich und verschlossen gegenüber Fremden im Allgemeinen und Männern im Speziellen sind.
Zwischendurch kehrt die Handlung immer wieder in die Gegenwart zurück, wodurch man immer besser versteht, warum die beiden sich so verhalten, wie sie es tun.
Was mich vor allem so fasziniert hat, war die Spannung, die im Buch aufgebaut wurde. Die Geschichte hat mich deutlich mehr gepackt als manch ein Thriller, was ich vor dem Lesen des Buchs so nicht erwartet hatte und was mir darum umso besser gefällt.
Das Hauptthema des Buchs ist zwar Gewalt, jedoch werden die meisten Szenen, in denen es um Gewalt geht, nicht ausformuliert. Es bleibt der Fantasie des Lesers überlassen, sich diese vorzustellen, weshalb die Atmosphäre des Buchs auch nicht zerstört wird. Denn diese ist bewusst nüchtern beschrieben, um dem Leser eben diese Freiheit zu geben, sich die Geschehnisse selbst vorzustellen.
Das einzige, was mir am Roman nicht so gut gefallen hat, waren die Titel der Kapitel: Sie stellen eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Kapitel in Schlagwort-Form dar und sind damit einfach zu schlicht, um dem Rest des Buchs gerecht zu werden.
Fazit: Ein sehr düsterer, spannender und dramatischer Roman mit einer sehr interessanten Geschichte ' einfach rundum gelungen und vorbehaltlos zu empfehlen!
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein inhaltlich mitreißendes und literarisch anspruchsvolles Meisterwerk, 31. Dezember 2010
Von 
Rheinischer Lesekreis (Köln, Düsseldorf, Neuss, Hilden, Kaarst) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es wird gerne vergessen, dass all diejenigen, die in den Siebziger Jahren im Westen von einer friedlichen Koexistenz der marktwirtschaftlichen und kommunistischen Systeme träumten, keinen Gedanken an die unterdrückten Völker im sowjetischen Imperium verschwendeten: die Letten, die Litauer, die Ukrainer, Moldawier, von den Satellitenstaaten Osteuropas ganz zu schweigen - alles Schnee von gestern, der im Orkus der Nationalgeschichte verschwinden sollte.
Erst jetzt, nach dem Untergang des Kommunismus offenbaren sich die ökonomischen, sozialen und moralischen Verwüstungen, die der Kommunismus in seinem Jahrhundert angerichtet hat, in voller Härte. Jedes Volk, das aus sich aus dem russischen Völkerkerker emanzipierte, hat nun seine eigene Leidensgeschichte zu erzählen, millionenfach gebrochen in all den Einzelschicksalen, die der linke Totalitarismus während seiner Herrschaftszeit vernichtete - so auch das kleine Volk der Esten, dessen Schicksal in dem vorliegenden Meisterwerk der jungen estnischen Autorin Sofie Oksanen eine literarische Stimme findet, über die man nur staunen kann.
Von den Dreißiger Jahren bis an das Ende des 20. Jahrhunderts erzählt der Roman von dem Lebenslauf der Aliide Truu und ihrer Familie, der schönen Schwester Ingel und ihres Ehemannes Hans Eeriksohn Pekk, nach dem sich auch Aliide in geheimer Liebe verzehrt. Nach der Okkupation Estlands durch die Russen werden Ingel und ihre Tochter Linda nach Wladiwostok deportiert, während Ingels Ehemann Hans jahrelang von seiner Schwägerin Aliide in der Scheune ihres Bauernhofes versteckt wird. Vierzig Jahre nach diesen Ereignissen steht plötzlich Ingels Enkelin Zara als Flüchtling vor russischen Zuhältern vor der Türe ihrer Großtante Aliide, die zunächst gar nicht weiß, wen sie vor sich hat. In zahlreichen Rückblenden, Schnitten, Gesprächen und Erinnerungen entfalten sich nun die Verbindungslinien beider Generationen, bis die Handlung am Ende in einem furiosen Finale kulminiert. Dieses Finale soll und darf an dieser Stelle natürlich nicht vorweggenommen werden - nur so viel sei verraten: Zara entkommt ihren Zuhältern, und Aliide, die vermeintliche Heldin des Buches, erscheint am Ende dann plötzlich in einem ganz anderen Licht.
Aber es ist nicht nur eine packende und kunstvoll verschachtelte Familiengeschichte, die die junge Autorin mit erstaunlicher Souveränität erzählt - gleichsam nebenbei entfaltet sich auch das Drama Estlands, das nach der russischen Okkupation 1940 und 1944 um seine Exstenz fürchten muss. Halunken, Denunzianten, Folterknechte und Mörder prägen die Leidensgeschichte des estnischen Volkes, wobei die Verhältnisse nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems nur scheinbar besser werden, denn die Halunken, Denunzianten Folterknechte und Mörder sind ja keineswegs verschwunden, sondern sie haben unter dem bequemen Schirm der neuen Freiheit nur vom politischen Fach in den Bereich der organisierten Kriminalität übergewechselt. Was aus diesem Bereich über Mädchenhandel und Zwangsprostitution berichtet wird, gehört für mich zu dem Drastischsten, was es darüber zu lesen gibt.
So schroff und karg wie die Geschichte, die die Autorin erzählt, ist auch ihre Sprache. Sie vermeidet Zuckerguss und Endlossätze sondern passt sich in ihrer puristischen Kantigkeit dem Charakter der Figuren an: manchmal hat man geradezu das Gefühl, dass die Sätze, die die Autorin schreibt, genauso knarzen wie die Dielen, über die die alte Aliide läuft. Mit dieser Sprache erzählt Oksanen ihre Geschichte wie ein Beleuchtungskünstler, der in kurzen Schnitten einen großen, unbekannten Raum in kurzen flashs so ausleuchtet, dass sich erst am Ende eine Gesamtansicht ergibt, die der Leser in dieser Form ganz bestimmt nicht erwarten konnte.
Alles in allem ein ergreifendes Werk, das den Leser in einer ganz besonderen Weise ergreift. Ich jedenfalls habe über die Figuren des Buches und ihr weiteres Schicksal noch lange nachdenken müssen. Das ist mir lange nicht mehr passiert.
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heftig und aufwühlend...!, 28. November 2010
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Solch, ein heftiges Buch, habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Der, mit Preisen ausgezeichnete Roman, erzählt vor allem, die Geschichte einer Frau, namens Aliide Truu, die während der vierziger Jahre, im letzten Jahrhundert, ein Drama erleben sollte, das in der estnischen sozialistischen Sowjetrepublik spielt, an der Grenze zu Finnland, das letztendlich in eine Traumaverarbeitung mündet, die mit grosser Beobachtungsgabe, vom Beschädigen jener Lebensentwürfe und Lebensschicksale erzählt, vor dem Hintergrund von Agenten und Menschen, denen man nicht trauen konnte, Kommunismus, dem Widerstand dem System gegenüber, jener Widerstandskämpfer, die sich für ein freies Estland, unter der Besetzung, der Russen einsetzen wollten, zu denen auch Hans Pekk (ein estnischer Bauer) gehören sollte, dessen Tagebuchblätter sporadisch eingestreut werden, der in einem besonderen Verhältnis zu Aliide stand, und dessen Widerstand, wie vieler anderer auch, letztendlich als Landesverräterische Tätigkeit mit fatalen Folgen bestraft worden wäre... hätte man ihn gefunden. Ein Land, das erst mit dem Fall des sowjetischen Reiches wirklich freikommt, im Jahr 1991. Ein Buch, das auch dazu beiträgt, sich ein wenig mit diesem Land und deren Geschichte zu beschäftigen.

Der Roman, der finnischen Schriftstellerin, der in 25 (!) Ländern erscheint, erzählt vor allem auf 2 Handlungsträngen (welch ein schreckliches Wort), nebst dem, dass jedes Kapitel, mit einer Jahreszahl beginnt, und wir als Leser ständigen Zeitsprüngen vor und zurück uns einzustellen haben... Ein Roman der zwischen 1936 und bis 1992 angesiedelt ist, wo er auch beginnt. Eine junge Frau, Zara, landet eines Tages, in der estnischen Provinz in der Nähe von Tallinn, vor dem Haus der alten Aliide. Hungrig, dreckig, verwahrlost. Sie nimmt sie auf, ohne zu wissen, wer sie ist. Wer ist die Frau, wo kommt sie her, was will sie, und warum ausgerechnet vor Aliides Haus? Daneben wird im Wechsel das Leben, von Aliide erzählt, von ihrer Schwester Ingel und ihrem Mann Hans, den sie insgeheim liebt. Durch seinen Widerstand, gegenüber dem politischen System, wird er von der Polizei gesucht. Aliide, hält ihn in ihrem Versteck versteckt, lässt Verhöre, Misshandlungen, Erniedrungen über sich ergehen, nur um diesem Mann, der eigentlich, mit ihrer Schwester verheiratet ist, zu schützen, um sein Leben zu retten.

Zara, ist eine junge Prostituierte, die im Westen das grosse Geld machen wollte, jedoch von ihrem Zuhälter Pascha verfolgt wird, von dem sie misshandelt und ausgebeutet wird. Weil, sie aus diesem Gefängnis von Brutalität und Erniedrigung ausbrechen will, haut sie ab. Beide Frauen, obwohl völlig unterschiedlich, in verschiedenen Generationen lebend, erleben Männer, die sie auf brutalste Art und Weise behandeln, mit körperlicher Gewalt, aber auch psychischem Druck, der die Frau gefügig machen soll. Obwohl beide Frauen, wenig voneinander wissen, teilen sie diese unscheinbare, unsichtbare Erfahrung unter ähnlichem Nenner. Beide Stränge, (immer noch schrecklich) entwickeln sich aufeinander zu. Oksanen verrät nicht alles, lässt den Leser mitforschen und miträtseln, wohin sich die Geschichte entwickeln will, und lässt vieles auch offen, oder unbeantwortet.

Die Autorin, beschreibt darin eine Atmosphäre, wo man den Atem anhält, Herzklopfen bekommt, völlig unter Strom ist, die, aber auch beklemmend, bedrohend, brutal, verstört und hart ist, wo das Männliche das Weibliche zu zerstören droht, und gleichzeitig das Weibliche das Männliche beschützen will, was wie absurd erscheint. Es ist, mit solcher eindringlicher Härte niedergeschrieben, dass man Gänsehaut bekommt und es ungemütlich wird. (Ziehen Sie sich warm an) Oksanen, mutet dem Leser diese Brutalität zu, auch, wenn sie dabei, dann doch nicht bis zum Letzten geht, den Leser in die eigene Vorstellung entlässt. Eine polizeiliche Einvernahme von Aliide, die verdächtigt wird, zu wissen, wo Hans Pekk ist, die vorgenommen wird, wird auf menschenverachtende Art und Weise behandelt, und so tief gehen sollte, was sie ihr ganzes Leben nicht mehr vergessen sollte...

Eine Traumaverarbeitung, einer mittlerweile alten Frau, die am Waldrand lebt, und Marmelade und Gemüse einkocht. Die, aus Liebe, ja sogar einer Art Abhängigkeit, einen Mann beschützt, dadurch ihr Leben riskiert und gleichzeitig mit mit ihrem Mann Martin verheiratet ist und zusammenlebt, ohne dass er davon weiss, dass sie Hans in einen Versteck in ihrem Haus versteckt. Vielleicht, ist dieses Buch ja ein Frauenbuch, dass die Brutalität der Männer, durch seinen politischen Hintergrund darstellen will. Es ist aber auch ein politischer Roman, der aufzeigt, wie politische Hintergründe bis in Einzelschicksale hineinwirkt, der davon erzählt, wo dieses Land in jenen Jahren stand, das sowohl von Russen als auch Deutschen besetzt wurde. Den weiblichen Widerstand, in all seinen Formen, aber auch die Selbstbehauptung gegenüber dem zerstörerischen Männlichen. Eine aufrüttelnde und bis zur Schmerzgrenze spannende Story, um die Standhaftigkeit einer Frau, in den vor allem vierziger Jahren, die sich nicht brechen lassen will. Es erzählt, wie die Brutalität der Männer, Frauen verändert, welche Spuren, Folgen, innere Konsequenzen und Narben es hinterlässt. Es erzählt von gebrochenen Menschen. Es zeigt sogar, im Laufe der Geschichte, die brutale Seite von Aliide auf...zu der sie vielleicht erst geworden ist..

Eine Lebensbeschreibung, die zeigt, was sie alles opfert, gibt, wie sie hofft und bangt und mit welchen Schicksalsschlägen und Enttäuschungen, sie zu kämpfen hat. Ein Erzählstil, wo die tieferen Zusammenhänge, erst nach und nach langsam an die Oberläche kommen. Eine Autorin, die einen Blick für das Detail hat, was ich sehr, mochte an diesem Roman. Eine Geschichte, die unglaublich viele Schichten und Dimensionen hat. Ein überaus lesenswerter Roman, nichts für zartbeseitete Menschen, der mehr als nur unter die Haut geht, und den Leser mit einer Heftigkeit aufsucht, wie man sie selten so stark auffindet, ein Roman, der einen nicht mehr so schnell los lässt, weil er so packend erlebt wird. Eine Geschichte über Gewalt, Opfer, Schuld und innere Abgründe, angesichts zweier verschiedener Frauengenerationen. Und, auch, wenn es weh tut, zu lesen, so etwas, habe ich schon lange nicht mehr gelesen, so etwas Durch und Durch Aufrüttelndes, wie dieser neue Roman von Sofi Oksanen, der eindringlicher aber auch aufwühlender nicht sein könnte...und dessen Wirkung weit über das Gelesene hinausgeht...ein starkes Buch.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fegefeuer, 19. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Taschenbuch)
Sie ist allein zurück geblieben, der Mann , zwar ungeliebt , vor Jahren verstorben.
Die Tochter schon lange nach Finnland ausgereist.
So verbringt Aliide Tru ihre Tage mit Hausarbeit , auf dem Bauerhaus auf dem estnischen Land,
und dem verjagen der Fliegen.
Plötzlich sieht sie im Garten ein menschliches Bündel.
Erst denkt sie an einen Trick der Banditen, die ihr Haus nur plündern wollen, den Hund hatten sie ihr schon umgebracht.
Doch dann geht sie doch in den Garten, und findet eine junge Frau, in westlicher Kleidung, mit zerschundenem Körper.
Sie nimmt Zara misstrauisch in ihr Haus auf.
Nicht ahnend, dass diese ihr Haus bewusst aufgesucht hat.
Zara ist auf der Flucht vor ihrem Zuhälter.
Einst aus Wladiwostók , mit Versprechungen nach Deutschland gelockt,
und dann brutal in der Prostitution erpresst.
Es ist das Jahr 1992 in West.- Estland, ein Land, dass gerade seine Selbstständigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion erlangt hat.
Nach dem Auftauchen der jungen Frau, wird Aliide an eine frühere Zeit erinnert
Als sie sich in Hans verliebte, der aber nur Augen für ihre Schwester Ingel hatte,
wie die Stalinisten das Dorf säuberten, und sie seitdem vor dem Gemeindehaus zitterte,
immer in Gedanken an jene schrecklichen Tage.
Und wie diese Stiefel auch jetzt durch das Dorf wandern,
und ihre Macht weiterhin in kriminellen Banden ausüben.

Die Geschichte wird in fünf Teilen erzählt, wobei immer wieder Erinnerungen in vergangene
und gegenwärtige Zeiten eine Rolle spielen.
Eine leicht verständliche Sprache, macht uns dennoch sprachlos, angesichts der ungeheuerlichen
Qualen, die beide Frauen erleben mussten.
Ich konnte teilweise nicht weiter lesen, entsetzt , angewidert, unfassbar , waren die Schilderungen.
Aber doch ist man in dem Sog gefangen, dem Leben der beiden Frauen zu folgen.

Es ist eine Familiengeschichte,
es ist aber auch die Geschichte eines Landes,
dass von Enteignung, Deportation der Familien ,
Denunziantentum und ständiger Entmündigung und Kontrolle geprägt war.
Eine außergewöhnliches Buch, dass sich fast wie ein Krimi liest,
mit einem hohen literarischem Anspruch.

Selbst das Cover, im ersten Moment sicher einen falschen Eindruck erweckt,
zieht sich die Fliege durch das gesamte Buch , was ich so noch nie gelesen habe.
Rundherum ein tolles Buch, dass lange nachwirkt, sprachlos macht,
aber Bewunderung für die noch junge Autorin schafft.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte Estlands in der Familiengeschichte, 5. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man war fast darauf eingestellt: du kannst den Roman nicht mehr schlecht finden, denn du hast zu viel darüber gelesen. Keine gute Voraussetzung für ein unabhängiges Urteil.

Doch die Technik des Erzählens und die Inhalte sind so ungewöhnlich, dass ich alles vergessen konnte, was an Lektüre über dieses Buch existierte. Diese Familiengeschichte ist derart schockierend und ungewöhnlich, dass es einem die Sprache verschlägt. Ganz davon abgesehen, dass man erfährt, was die deutschen Nazis und die russischen Kommunisten (bzw. Stalin) in Estland angestellt haben. Es ist so ungewöhnlich für eine Familiengeschichte, dass man alles vergisst, was man vorher in diesem Genre gelesen hat.

Dabei macht es einem die Autorin nicht leicht. An vielen Stellen muss man kombinieren und rätseln, wie das eine mit einem anderen zusammenhängt. Man wird über bestimmte Zusammenhänge lange im Unklaren gelassen.

Und doch: Diese Geschichte kommt "von ganz unten". Gewaltig und rücksichtslos. Ob man es empfehlen soll, weiß ich gar nicht. Das Buch ist extrem originell und sehr sehr gut.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen FleischFliegenLarven, 28. November 2010
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Allein zurückgeblieben im Haus der Eltern, die Tiere hatten sie ihr ermordet - im letzten Jahr, zuletzt den treue Hunde, der Ehemann vor Jahren verstorben - die große Liebe war er nicht, die Tochter war schon vor Jahren nach Finnland verschwunden, verbringt Aliide Truu ihre Tage mit Einkochen von Gemüse - Jahr ein, Jahr aus getrieben von den Jahreszeiten. Allein die lästigen Fliegen sind ihr geblieben in den Tagen nach der Zerschlagung der Sowjetunion, den Tagen der Unabhängigkeit Estlands. Misstrauen ist der erste Impuls, als sie vor ihrem Küchenfenster das menschliche Bündel bemerkt. Eine junge Frau - geschunden und verwundet, in westliche Kleider gehüllt, halb erfroren, zitternd vor Angst. Doch die junge Russin Zara ist nicht durch Zufall in Aliides Garten gestrandet.

Nach und nach rollt Sofie Oksanen in Rückblenden die Unheil bringende Geschichte einer estnischen Familie und deren Kampf gegen die Unterwerfung (durch Finnen, Russen, Deutsche ...) auf. Zerbrechen soll die Familie jedoch nicht am Joch der Unterdrückung und der Brutalität der Machthaber, sondern an einer unerfüllten Liebe, an der Ungleichheit zweier Schwestern. Eifersucht, Neid und Missgunst lassen hier einen hinterhältigen Plan Wahrheit werden, der keinen Weg zurück lässt.

Oksanen ist eine herausragende Beobachterin, die mit der Beschreibung von sehr fein skizzierten Details, ein ganzes Volk, eine Epoche jüngster europäischer Geschichte, ein Verbrechen an der Menschheit zeichnet. Das Elend, die Angst, die Wachsamkeit vorm Feind, die Armut und Entbehrung können auch die erlangte Unabhängigkeit und Liberalisierung, die Öffnung der Grenzen und der Einfluss des Westens nicht aus den Herzen der Menschen tilgen. Doch das Leben geht weiter - und nicht selten kreuzen sich Wege erneut!

Ein herausragender Roman, spannend vom ersten bis zu letzten Satz. Ein Roman über vier Frauen einer Familie, die sich durch Schlamm und Schmutz gewunden haben, um am Leben zu bleiben - sichtbare Spure an Leib und Seele. Dennoch kein Buch für Frauen allein - überzeugen Sie sich, werte Damen und Herren!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Doppelte Heimsuchung, 8. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Gibt es eine Möglichkeit, sich des Schicksals zu entledigen, wenn man damit ganz und gar nicht zufrieden ist? Oksanens Protagonistin Aliide Truu, eine an Grausamkeiten erstarkte Dämonin in Kittelschürze, ist nicht einverstanden damit, dass ihre Schwester ihr den Mann, den sie als junge Frau für sich entdeckt hat, vor der Nase abschöpft und das (Liebes-)leben führt, nach dem sie sich sehnt. Selbstverachtend geht sie buchstäblich durch die Hölle, um diesen Mann (Hans, ein estnischer Nationalist im sowjetischen Estland) zu schützen und nutzt am Ende das verhasste politische System der Besatzer, um ihn für sich ganz alleine zu haben -- sie lässt über ihren eigenen Mann, der Parteifunktionär ist, ihre Schwester und Nichte kurzerhand nach Sibirien deportieren; Hans, ihr Schwager, der sich verstecken muss, bleibt zurück und ihr ausgeliefert. Doch die Rechnung geht nicht auf: Nicht nur, dass Hans sie verschmäht und verachtet - Jahre später taucht ihre Großnichte wie die Heimsuchung ihrer Schwester unverhofft bei ihr auf. In ihr wiederholt sich Aliides eigene Tragödie von Vergewaltigung und Unterdrückung durch die Welt der Männer, die Frauen instrumentalisiert. Aliide muss sich ihrem eigenen Leben erneut stellen. Und tut es auf die Art und Weise, die man ihr von Beginn der Geschichte an zutraut.

Mit einer verblüffend unpoetischen Sprache beschwört Oksanen machtvolle Bilder herauf, plastisch sind die Figuren und glaubwürdig die Handlung. Schwächen auf der Erzählebene "1992" könnten Leser abschrecken -- denn es sind gleich die ersten hundert Seiten, in denen die Begegnung von Zara und Aliide beschrieben wird und die etwas lähmend wirken. Dass aber danach die Geschichte regelrecht explodiert, mitreißend und schockierend, lässt vermuten, Oksanen habe damit die Schockstarre der beiden gepeinigten Frauen nachzeichnen wollen. Es ist ihr gelungen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende, anspruchsvolle Lektüre, 12. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Taschenbuch)
Krimis und Bestseller sind oft banal und enttäuschend.Dieses Buch nicht.Es ist dermaßen differenziert in Sprache und Emotionalität, dass ich es wirklich empfehlen kann. Allerdings geht es über spannende "Unterhaltung" weit hinaus, weswegen der Begriff "Lesevegnügen" nicht angebracht ist. Wer einen Anstoß braucht, sich mit historischen und aktuellen Entwicklungen der "baltischen" Staaten zu befassen, der ist bei dieser Lektüre gut bedient.Beeindruckend ! Die beiden Protagonistinnen machten es leicht, Interesse an diesen Frauenschicksalen zu entwickeln, ohne die peinlichen Begleiterscheinungen von sentimentaler Frauenliteratur in Kauf nehmen zu müssen.Sehr begabte,junge Autorin.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender historischer wie aktueller Roman, 6. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Raffiniert geschrieben, in mosaikartig zusammengesetzten Zeit-Segmenten, die sich aber mühelos zu einem Ganzen fügen - das sich überaus spannend liest. Trotzdem (oder gerade deshalb) ein großer historischer Roman! Und gleichzeitig ganz aktuell.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Literarische Lehrstunde, unerhört spannend !, 10. Januar 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fegefeuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als Aliide Tru, eine alte Frau, die allein in einem Bauernhaus auf dem estnischen Land lebt, ein Bündel in ihrem Garten findet, das sich als junge Frau entpuppt, schluckt sie ihre Skepsis und Menschenverachtung herunter und nimmt Zara in ihr Haus auf. Zara ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern, die sie mit brutalster Gewalt zu Willfährigkeit gezwungen haben und ihr schon dicht auf den Fersen sind. Doch Zara sucht keineswegs so zufällig Unterschlupf bei Aliide, wie diese glaubt: Aliide könnte die Schwester ihrer Großmutter sein.
Während Zara noch Beweise für die Verwandtschaft sucht und nach einer Möglichkeit, Estland zu verlassen, fühlt sich Aliide von der jungen Frau bedroht: Zu oft musste sie Leib und Seele, Hab und Gut vor Eindringlingen schützen.
Raffiniert in Rückblenden aufgebaut, gelingt es Sofi Oksanen, geboren 1977, Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters, mit "Fegefeuer" ein Portrait zweier Frauen unterschiedlichen Jahrgangs aufzubauen, die unter ihrem politischen System gelitten haben. Die Familientragödie beschreibt, in einer unerhört fesselnden Sprache und mit schmerzhaften Bildern, das scheinbar zufällige Zusammentreffen der älteren Aliide mit der jüngeren Zara, die sich auf der Flucht befindet.
In Rückblenden entsteht das immer schärfer werdende Bild einer Familientragödie, die fast fünfzig Jahre zuvor, als Estland von den Russen besetzt wurde, ihren Höhepunkt fand. Eindringlich wird die Brutalität der Männer gegenüber den Frauen dargestellt und eine mitreißende (weil sprachlich brillante) politisch-literarische Lehrstunde erteilt.
Ein "*" Abzug gibt es für das etwas zügig abflachende Ende (nicht im Sinne von belanglos, eher wirkt es - im Vergleich zum restlichen Roman - etwas gehetzt). Zudem wirken die Dokumente am Ende ein wenig farblos (was sie ohne Zweifel einst auch waren, es kratzt aber ein wenig am sprachlich herausragenden Gesamteindruck dieses Werks).
Unbedingte Empfehlung - es lohnt sich!
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Fegefeuer: Roman
Fegefeuer: Roman von Sofi Oksanen (Gebundene Ausgabe - 19. August 2010)
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