Kundenrezensionen


41 Rezensionen
5 Sterne:
 (24)
4 Sterne:
 (11)
3 Sterne:
 (3)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:
 (2)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Paradies ist abgebrannt
Der Titel von Wallraffs neuestem Werk ist sicherlich angelehnt an den Roman von Aldous Huxley "Brave new world", und ist trotzdem so aktuell wie nie zuvor. Huxley veröffentlichte ihn unter dem Eindruck der Ära der Automarke Ford (und Charlie Chaplin kritisierte in seinem Film "Modern Times" die Massenproduktion an den Ford-Fließbändern). Es war der...
Veröffentlicht am 19. November 2009 von Shutterfly

versus
12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wallraffs Welt
Wallraff ist meiner Meinung nach ein begabter "Enthüllungsjournalist".

Sein Buch "Aus der schönen neuen Welt" gibt mir allerdings einige Dinge zum Nachdenken.

Schwarz und weiß:

Diese Ausgrenzung ist nicht ein speziell "schwarzes" Problem. Als ich als 75jährige Seniorin meinen Wohnsitz vom Norden in ein...
Veröffentlicht am 11. März 2010 von Renate Breuel


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Paradies ist abgebrannt, 19. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Der Titel von Wallraffs neuestem Werk ist sicherlich angelehnt an den Roman von Aldous Huxley "Brave new world", und ist trotzdem so aktuell wie nie zuvor. Huxley veröffentlichte ihn unter dem Eindruck der Ära der Automarke Ford (und Charlie Chaplin kritisierte in seinem Film "Modern Times" die Massenproduktion an den Ford-Fließbändern). Es war der Auftakt zur Massenproduktion, Industrialisierung, Globalisierung und Umweltverschmutzung. Der Mensch als austauschbares Objekt, dem jegliche Individualität abhanden gekommen ist.

Ist es wirklich wieder soweit?, mag man sich bei der Lektüre fragen. Sind wir wieder im kalten Manchester-Kapitalismus des Karl Marx angekommen? Es scheint so.

Das erste Kapitel ist dem Rassismus in Deutschland gewidmet. Für mich leider das schwächste in diesem Buch, weil es irgendwie nicht funktioniert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Wallraff als Farbiger durchgegangen ist - aber vielleicht ist gerade das das Verrückte daran. Niemand sieht genauer hin, man sieht nur die Hautfarbe, und macht die Schotten dicht.

Als Obdachloser bei Minus 20 Grad versucht Wallraff, sich auf der Straße durchzuschlagen, oder ggf. in Obdachlosenunterkünften unterzukommen. Das ist leichter gesagt, als getan. Als Obdachloser, Wohnungsloser oder Nichtsesshafter (das Amt macht da gravierende Unterschiede!) ist es schwer, die Menschenwürde zu behalten, geschweige denn eine menschenwürdige Unterkunft gerade in diesen kalten Nächten zu ergattern. Sehr interessant fand ich die zwischengeschobenen Originalberichte von Männern, die er getroffen hat, und die uns sagen, dass es jeden treffen kann, und dass die Aussage: das hätte nicht sein müssen, zu kurz gedacht ist.

Im Kapitel über diverse Callcenter erfahren wir nicht ganz etwas neues, aber die kriminellen Praktiken so schamlos aus erster Hand zu lesen - das hat schon was.

Die Hundsrücker Bäckerei Weinzheimer. Auf ihrer Internetpräsentation wirbt sie nach wie vor mit 100jähiger Erfahrung und Tradition in Sachen Brotbacken. Das Problem ist nur: Weinzheimer backt gar kein Brot mehr, sondern ist alleiniger Lieferant der Aufbackbrötchen für den Discounter Lidl. Wallraff bekommt dort einen Job und lernt in dem härtesten und längsten Monat seiner jüngeren Vergangenheit was malochen bedeutet - es verfolgt ihn bis in seine Träume, in denen ihm die Brötchen vom heißen Blech um die Ohren fliegen.
Nicht erst seit der Bekanntmachung von Lidls unsäglicher Menschenbehandlung bin ich ein Totalverweigerer. Wallraff hat mich hierin nur bestätigt. Und was Weinzheimer angeht.... urteilen Sie selbst.

Starbucks. Das allseits beliebte und hoch frequentierte Modekaffeehaus made in USA. Die Normierung des individuellen Geschmacks, und das auch noch weltweit. Das ist nicht cool, sondern traurig.
Starbucks fröhliche Maxime - wir sind alle so frei, so glücklich und so wunderbar - wird durch die gnadenlose Ausbeutung der Mitarbeiter contrakariert. Teilweise blieb mir echt die Spucke weg. Was treibt die Leute dazu, bei Starbucks auszuhalten? Ein Gutteil Masochismus? Ich habe nicht verstanden, wie man sich systematisch kaputtmachen lassen kann.
Und was können wir tun, um diese Praktiken nicht zu unterstützen? Nicht hingehen, nicht kaufen!

Die Wartenberger Mühle ist ein Nobelrestaurant des Sternekoches Andreas Scharff. Auf seiner protzigen Webseite präsentiert er die heile Gourmetwelt im Pfälzischen. Dahinter steckt auch hier die gnadenlose Ausbeutung der jungen, oft minderjährigen Auszubildenden, die täglich bis zu 12stündige Schichten fahren, damit auch dem größten Feinschmecker nicht der geangelte Wolfsbarsch und die Sauce Farigoule im Halse stecken bleiben. Falls es diesen überhaupt interessiert, was so hinter den Kulissen passiert. Aber Wallraff deutete an, dass bewusst denkende Kunden die Wartenberger Mühle auffällig meiden. Gut so!
Auch hier konnte ich nicht nachvollziehen, dass sich der Ruf von Scharff als Leuteschinder noch nicht so weit rumgesprochen hat, so dass sich immer wieder Lehrlinge von den Sternen im Michelin und Punkten im Gault Millau blenden lassen und ihm als billige Arbeitskräfte auf den Leim gehen.

Hartmut Mehdorn. Ex-Bahnchef, belohnt mit einer schwindelerregenden Abfindung für geleistete "Dienste". Viel ist geschrieben worden in den letzten Monaten, da das S-Bahnchaos Berlin ganz fest im Griff hatte (und bis heute noch nicht hundertprozentig beseitigt ist). Viel ist geschrieben worden über die Gründe, über die Ausblutung der S-Bahn zugunsten der Privatisierung der Bahn. Vieles war aber auch neu detailliert für mich: Mehdorns Tyrannenherrschaft, seine Beziehungen bis in höchste Kreise. Die Schleimerei von Mitarbeitern, die Katzbuckelei von Politikern. Dieser Mann ist ein Fall für den Staatsanwalt. Er hat mit dem Leben von zig-Tausenden gespielt.

Helmut Naujoks, unlängst erst zu erleben im Talk bei Maybrit Illner - im direkten Zweikampf mit Günter Wallraff. Diesem Monsteranwalt auch noch Sendezeit und Redefreiheit zu gewähren mag interessant für den Zuschauer sein - für die Betroffenen, die Naujoks auf dem Gewissen hat (und das meine ich buchstäblich), wird es eine Qual gewesen sein. Es ist unglaublich, was diesem Menschen (und er wird nicht der einzige sein mit dieser "Berufsauffassung") erlaubt ist, zu tun, alles unter dem Deckmantel von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat. Er hat den Persilschein zur Anwendung von Stasimethoden, von Mobbing bis zum Suizidversuch. Seine Prahlerei mit seiner "Abschussliste", mit Menschen, die er fertiggemacht hat, nur weil sie Gewerkschafter und/oder im Betriebsrat tätig sind, deren Leben er zerstört hat - all das macht ihn zum modernen Advocatus Diaboli.

Günter Wallraffs Buch lässt mich noch mehr am Rechtsstaat zweifeln. Ich frage mich: wie sind wir dorthin geraten? Die schöne neue Welt ist abgebrannt. Menschliche Kälte regiert. Wir sind ertrunken in Korruption, Feigheit, Duckmäusertum und Geldgeilheit.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus der schönen neuen Welt, 16. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Jeder erwachsene Bürger sollte dieses Buch lesen. Besonders den Schönschwätzern aus dem Bereich Politik ist dieses Buch dringend zu empfehlen! Was Herr Wallraff hier aus eigenem Erleben oder durch seine Ermittlungen berichtet ist erschütternd! Man kann es kaum glauben, was in unserem Lande noch alles geschehen kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


86 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reportagen über unsoziale Kälte, 15. Oktober 2009
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Ja, lesen!
Er könnte längst in Rente sein und den Blick auf den Rhein bei Unkel oder auf das multikulturelle Köln-Ehrenfeld genießen. Doch Günter Wallraff (*1942) hat noch einmal rund 320 Seiten über die soziale Kälte in der Republik abgefasst.

Der abgebildete Taschenbuchumschlag ist mittlerweile der richtige und zeigt den Autor als "Schwarzen". Jeder Wallraff-Leser oder jeder, der die Karnevalsverkleidung etwa der "Poller Negerköpp" kennt, hätte ihn identifizieren _müssen, doch bis auf zwei tat das niemand. Man guckt ja bei solchen nicht so hin. In seinem ersten Buchteil beschreibt Wallraff, wie er so den täglichen ängstlichen bis aggressiven Abgrenzungsr*ssismus erfahren muss. Unfassbar.

Im zweiten Teil des Buchs schlüpft der ehemalige Linkskatholik in eine Rolle, die er früher in seinen "13 unerwünschten Reportagen" schon einmal eingenommen hatte. Als Obdachloser lernt er die Bürokratie abermals kennen, das Wegsperren, die Aggression, die Hilfsleistungsabzweigung durch die privaten Anbieter. Sei es draußen auch noch so bitter kalt: Pech. Mit-Obdachlose sterben aus verschiedenen Gründen.

Der schönen neuen Welt der Callcenter ist das nächste Kapitel gewidmet: Für eine dubiose Lottoscheinfirma (und ein paar andere Firmen) macht Günter Wallraff den Telefon-"Drücker". Nebenbei erfährt man die fiesen Tricks der Branche genauso wie das dortige systematische Betäuben des schlechten Gewissens.

Ein Hunsrücker Brothersteller für Lidl wird danach aus der Innenperspektive beleuchtet. Geschichten zu Starbucks, Mehdorns Bahn und dem als unappetlich und mobbingfreundlich dargestellten Spezialanwalt Helmut Naujoks beschließen das Buch.

Nach Wallraffs großem Erfolg vor rund 25 Jahren mit Ganz unten hätte man denken können, dass die Menschenausbeuter am Boden gewesen wären. Mitnichten.
Die Frage schäumt geradezu auf: wie können momentan prassende Kapitaleigner und eitle Managerklasse dermaßen gehätschelt werden, während wir gleichzeitig wirklich bedürftige Menschen (s.o.) so schlecht behandeln?

Wer das ZEIT-Magazin regelmäßig liest, hat dort viel davon in einer gekürzten Form bereits gelesen. Wallraff berichtet dafür im Buch auch von ersten Reaktionen/ Nicht-Reaktionen auf diese Enthüllungen. Ein Kinofilm soll bald folgen.

Der Stil des Burscheiders ist einfach, reportagenhaft und dabei von engagierten Einsprengseln durchsetzt. Wallraff sagt seine Meinung deutlich, in seiner schelmenhaften Verkleidungsrolle wie in seinen Texten. Er flicht übrigens auch Erlebnisse anderer ein, benennt das aber, soweit ich das beurteilen kann, auch deutlich.

Ich habe jedenfalls gerade das Buch dem Paketboten heute fast aus der Hand gerissen, und es war noch mehr als erwartet. Volle Sterne!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wallraff wird gebraucht, 29. Oktober 2009
Von 
Oliver Völckers (Berlin, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Spannend zu lesen wie die anderen Wallraff-Bücher. Der Autor zeigt aus eigener Anschauung, was manche Menschen im reichen, zivilisierten Deutschland von heute erleben. Ich habe das Buch gleich ganz durchgelesen, konnte kaum aufhören.
Das Kapitel, in dem Wallraff als somalischer Flüchtling auftritt. ist nur eines von vielen. Die übrigen Berichte handeln von einer Bäckerei für Lidl-Aufbackbrötchen, Kabel BW, der Küche eines Spitzenrestaurants, einem gewerkschaftshassenden Rechtsanwalt, der Deutschen Bahn AG u.v.m.
Jedes Kapitel beruht auf umfangreichen Recherchen und enthüllt Zustände, über die andere Journalisten anscheinend nicht schreiben wollen, können oder dürfen. Hier erfährt der Leser, was Menschen passieren kann, die einfach nur ihr Recht in Anspruch nehmen wollen, einen Betriebsrat zu gründen. Oder die ihre Arbeitszeit entsprechend ihrem Arbeitsvertrag leisten wollen.
Wer glaubt, das träfe nur arme und unausgebildete Arbeiter, der täuscht sich: Auch als Bahnvorstand kann man gemobbt werden. Dieses Buch enthüllt, wie Mehdorn und seine Seilschaft ihre Macht zu sichern versuchten. Spannend wie ein Krimi, und ernüchternd, wenn man glaubt, dass Firmen innen so aussähen wie sich nach außen darstellen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wecker für die Alltagsignoranz, 12. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Zu gern sehen wir geradeaus und kümmern uns um unsere eigenen Probleme. Was kümmern uns die Obdachlosen? Sie haben ihr Schicksal selbst zu verantworten, und sie würden Spendengelder eh nur für Alkohol ausgeben. Wirklich?

Günter Wallraff klärt schonungslos über die harten Bedingungen von u.A. Obdachlosen auf. Man erfährt, dass es jeden treffen kann - wirklich. Schicksalsreportagen, bei denen man vom Buch kurz ablassen muss, um sich mit einem merkwürdigen Blick gen Himmel zu fragen, ob das wirklich sein kann, oder weil man einfach nur gerührt ist.
Erzählungen, die eine Wahrheit spiegelt, wie man sie nicht widerlegen könnte, denn sie basiert auf den Erfahrungswerten eines Mannes, der keine Scheu hat, sich den Gerüchten zu stellen und sie an der eigenen Haut zu erfahren.

Das Buch bestätigt, was einem irgendwie schon klar war oder zumindest befürchtet wurde. Es ist spannend zu lesen und bietet vereinzelt Bilder, die das Vorstellungsvermögen unterstützen.

Fazit:
Wer sich der Probleme der Gesellschaft im Klaren glaubt, keine Erinnerungen daran benötigt und auch nicht an Erfahrungsberichten interessiert ist, der kann über dieses Werk hinweg sehen. Allen anderen sei geraten: lesen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


29 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das erste Kapitel bitte überblättern.., 28. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Günter Wallraffs Bücher haben mich in meiner Jugend sehr geprägt. Die Mischung aus ungeschönten Tatsachenberichten und direktem Kontakt zur Sache haben mir die Welt etwas greifbarer gemacht. Umso überraschter war ich, als ein neues Buch des alten Enthüllungsveteranen angekündigt wurde. Und ich muss sagen, das dieses Buch wirklich großartig ist..... wenn nicht das erste Kapitel wäre.

Eine Untersuchung zum Thema Ausländerfeindlichkeit ist ja sehr lobenswert, aber leider funktioniert die Wallraff-Methode in diesem Fall nicht. Man kannn nun einmal keinen Schwarzen darstellen indem man sich Braun anmalt und eine Afro-Perrücke auf den Kopf setzt. Vor dem flüchtigen Passanten oder dem besoffenen Proloschläger mag man somit noch als Afrikaner durchgehen, aber spätestens wenn man aus dem Gebüsch springt und lautstark "Brumbeeren" suchen gehen will, wird die Hautfarbe relativ egal. In so einem Fall würde jeder eher an einen entsprungenen Irren denken, egal welcher Hautfarbe.

- Als Folge dessen bleibt das erste Kapitel bedauerlich wirkungslos und man fragt sich warum Wallraff nicht einfach einen Ergebnisbericht seiner Recherche zum Thema Ausläderfeindlichkeit präsentiert hat. Der Rest des Buches zeigt deutlich das er durchaus zu dieser Form der Reportage fähig ist. Und dieser Rest zeigt ein Deutschland das irgendwo zwischen Globalisierung und Frühkapitalismus hängen geblieben ist.

- In der Rolle des Obdachlosen geht er quasi zurück zu den Anfängen. Zwischen Weihnachten und Neujahr erlebte er Deutschland aus der Welt der "ganz, ganz unten" und er fand vom Arzt bis zum Unternehmer praktisch einen Querschnitt der Gesellschaft.

- Die Kapitel über Starbucks und der Restaurantbranche ist interessant aber irgendwie glaubt man alles schon zu kennen. Das die Gastronomen und Grosshandelsketten ihre Arbeiter ausbeuten ist nun wirklich nichts neues und ich frage mich jedes Jahr, warum so viele junge Leute sich diese Tortur antun wollen, nur um von irgendwelchen Spagettimurksern mit Michelinsternen das kochen zu lernen. Das gleiche gilt für die Recherche in den Callcentern (die jedoch wirkliche Folgen hatte). Offenbar machte es der Politik nicht aus, das jährlich zigtausende Arbeitssuchende zu Trickbetrügern ausgebildet wurden.

- Das Kapitel um die Bäckerei Weinzheimer ist jedoch geradezu erschreckend. Das ein Lidelzulieferer der letzte Dreck sein kann, ist mir bekannt, das jedoch solche Zustände herrschen war einfach erschüttend. Eine unfähige Betriebsführung richtet aus reinem Unvermögen die Arbeiterschaft ebenso zugrunde wie die Substanz eines Traditionsbetriebes.

- Die Akte Mehdorn wiederum war eine Vertiefung der bekannten Fakten; das es zu massivem Mobbing und Bespitzelung innerhalb der DB kam ist mittlerweile nichts neues mehr. Und wer jemals mit der Berliner S-Bahn fuhr, kann einschätzen welche Leistung der Schröderfreund Mehdorn wirklich erbracht hat. An Ende scheiterte sogar die so ersehnte Privatisierung der einstmals im Volksbesitz befindlichen Bahn.

- Wirklich unfassbar ist jedoch das letzte Kapitel. Bitte lesen sie es selber, aber ich konnte es kaum glauben das heutzutage ein Anwalt jenseits aller moralischen Vorstellungen die Menschen geradezu kaputtmachen kann, sie regelrecht durch Psychoterror fast bis zum Selbstmord treibt. Ein Anwalt, der offenbar erkannt hat, wie schwach der Staat wirklich geworden ist. Da werden Menschen mit allen Mitteln der Legalität regelrecht kaputtgemacht, Menschenrechte mit Füssen getreten und Leben zerstört. Und alles, ohne irgendeine Konsequenz für den Unmenschen. Teilweise erinnert dieses Kapitel an die Spitzeljustiz der STASI.

Vor 35 Jahren hat Wallraff die Bild bezichtigt, Menschenleben für eine Schlagzeile zu zerstören. Heute werden Menschenleben von einem Anwalt zerstört, ohne das auch nur die geringste Konsequenz daraus erwächst. Vor 35 Jahren hätte man diesem Anwalt sofort die Lizenz entzogen.

Wirklich, eine schöne neue Welt. In seiner Jugend wühlte Wallraff noch im wirklichen Dreck, heute ist der Dreck unsichtbar geworden, der Geschmack jedoch blieb.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Buch mit viel Höhen und auch ein paar Tiefen, 31. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
In seinem Buch: 'Aus der schönen neuen Welt - Expeditionen ins Landesinnere' hat es das Schlitzohr Wallraff wieder einmal geschafft, sich trotz seines Alters - mithilfe von guter Maskerade und von jüngeren Freunden geliehenen Identitäten - in dem ein oder anderen Unternehmen als Mitarbeiter einzuschleichen und aus erster Hand von den dort herrschenden Zuständen zu berichten.

Um aber über die Stimmung im Land zu berichten, muss man nicht immer nur einen bestimmten Job annehmen. Es genügt ebenso, Betroffene zu Wort kommen zu lassen oder aber nur eine bestimmte Identität anzunehmen und so in Alltagssituationen auszutesten, wie sich diese Veränderung auf das Verhalten der Umwelt auswirkt.
Und so beginnt das Buch damit, dass Wallraff die fiktive Rolle des Somaliers Kwami Ogonno annimmt; von einer Maskenbildnerin zu etwas verwandelt, was wohl einem Schwarzen nahekommen soll, aber doch etwas verunglückt wirkt. Und um es vorweg zu nehmen: Dies ist gleichzeitig auch der schlechteste Teil des Buches, den ich daher auch ausführlicher abhandeln werde:

Wie immer, wenn Wallraff in eine Rolle schlüpft, versetzt er sich dabei ganz in diese Rolle hinein und versucht auch diese Charaktere in Grenzbereiche zu bewegen, selbst wenn er dabei ein hohes persönliches Risiko eingehen muss. Was als eingeschleuster Arbeitnehmer in Hungerlohnbetrieben zur Aufdeckung von Missständen bestens funktioniert, geht bei der Annahme einer bestimmten ethnischen Identität jedoch regelmäßig in die Hose, weil Wallraff in falschen Situationen die falschen Schlüsse zieht, wie er es als Türke Ali 1985 in 'Ganz unten' bereits getan hatte.

So zieht Kwami, alias Wallraff, also durch die Republik um auszuloten, wie fremdenfreundlich oder -feindlich das heutige Deutschland wohl ist. Er stellt dabei bewusst einen schlecht angezogenen, mittellosen und nur gebrochen Deutsch sprechenden Schwarzen dar, der ob seiner Maskerade (schwarz-krause Karnevalsperücke und schwarze Farbe im Gesicht) für Fremde ohnehin schon recht merkwürdig aussieht (ein Foto ist im Buch zu sehen).

Die Quintessenz seiner Rolle als Kwami ist dabei die Feststellung, dass Deutschland (nach wie vor) ein äußerst fremdenfeindliches Land ist, in dem Ausländer, ganz besonders aber Menschen mit anderer Hautfarbe, ständig auf das schlimmste diskriminiert und drangsaliert werden. So heißt es auf Seite 47: 'Schwarzen Deutschen und schwarzen Zuwanderern wird ein normales Leben in dieser Gesellschaft immer wieder und immer wieder verwehrt (...)'

Die Beweisführung, die diese Erkenntnis untermauern soll, ist dabei erschreckend naiv, und plump - und nicht zuletzt deshalb werden aus ihr auch die falschen Schlüsse gezogen: Wenn Kwami (Wallraff) sich z.B. als völlig Fremder in eine kleine Kneipe mitten in Köln begibt, in der jeder Jeden kennt und in der er - so oder so - zunächst mal einen Fremdkörper darstellt und dann eine Frau 'angräbt', für die sich schon andere Kneipengäste interessieren, dann darf es niemanden (außer Wallraff) wundern, dass es Stress gibt. Das gilt für den weißen Günter Wallraff aus Köln-Ehrenfeld ebenso, wie für den schwarzen Kwami aus Somalia. Keine Frage jedoch, dass es an dieser Stelle nur deshalb Ärger gab, weil Kwami schwarz ist, wobei man ihn interessanterweise jedoch in Ruhe liess, als er nur am Tresen stand und sein Bier trank. Erst als er mit der Frau anbandelte, auf die auch andere schon ein Auge geworfen hatten, gab es Ärger! Überraschend? Keineswegs eigentlich! Der Zorn der anderen Männer traf ihn nämlich nicht deshalb, weil er Schwarzer ist, sondern in seiner Eigenschaft als Nebenbuhler.

Ein anderes Mal macht sich der unermüdliche Wallraff in seiner Maskerade auf, um sich ein Fußballspiel anzusehen. Da die These, dass Deutschland ein ausländerfeindliches Land ist vermutlich schon vor Beginn der Verkleidungsaktion unumstösslich feststand, muss diese natürlich auch mit Tatsachen belegt werden: Also mischt sich unser Freund Kwami nicht einfach nur unter die normalen Fans um das Spiel zu geniessen, viel lieber sucht er aktiv Streit: Er begibt sich nämlich viel lieber in die Nähe von Herrschaften, wie man sie leider als lästiges Anhängsel bei fast jedem Fußballklub findet: den Hooligans. Dass diese Leute meistens Rechts und zudem gewaltbereit sind, ficht unseren Kwami nicht an - im Gegenteil. Er geht bewusst auf diese Leute zu, um die jeder normale Fan einen großen Bogen macht und spricht die Leute sogar an, was diese als Provokation wahrnehmen. Es wird sogar so brenzlig für Wallraff, dass die Polizei eingreifen muss. Damit war der Beweis erbracht: Als Schwarzer in Deutschland kann man noch nicht einmal zu einem Fußballspiel gehen!

Diese Beweisführung hat etwas von Ulrich Wickerts legendärer Überquerung des vielbefahrenen Place de la Concorde in Paris: Einfach mal rüberlaufen ohne hinzusehen und wenn doch etwas passiert, dann waren eben die Autofahrer schuld!

Der Rest des Buches ist hingegen uneingeschränkt lesenswert.

Wallraff als Obdachloser zum Beispiel. Hier kann man mal wieder sehen, dass Wallraff seine Rollen auch lebt. Nicht mehr der Jüngste, schreckt er trotzdem nicht davor zurück, bei klirrender Kälte mit anderen Obdachlosen auf der Straße zu übernachten oder in einem alles andere als komfortablen Obdachlosenasyl zu sehen was es heißt, ganz unten angekommen zu sein. Wie lebt so ein Obdachloser? Was kann er von dieser Gesellschaft noch erwarten und gesteht diese ihm noch eine Rest-Würde zu? Wer es nicht am eigenen Leib herausfinden möchte, kann es hier nachlesen!

Da wäre ebenso erwähnenswert noch das Kapitel einer alteingesessenen Großbäckerei, die für den Discounter Lidl Aufbackbrötchen herstellt und Personal sucht. Wallraff schlägt zu und nimmt eine Stellung als Helfer an. Die desaströsen Zustände die der Autor dort vorfindet, decken wirklich das gesamte Spektrum dessen ab, was es an Verstössen und Unzumutbarkeiten geben kann: katastrophale Hygieneverhältnisse; eklatante Mängel in Sicherheit und Arbeitsschutz; mangelhafte Wartung von Produktionsmitteln; lausige Bezahlung; ignorieren meldungspflichtiger Betriebsunfälle und dergleichen mehr.

Und über allem thront am Ende die Frage des ahnungslosen Käufers der Aufbackbrötchen: '"Wie machen die das bloß so billig?"'. Wenn er, der Kunde, es wüsste, blieben ihm die Aufbackbrötchen wohl im Halse stecken! Guten Appetit!

Weiterhin gibt es u.a. noch spannende Geschichten aus Call-Centern, der Kaffeekette Starbucks und einem Nobelrestaurant, das dem abgedroschenen Spruch: 'Lehrjahre sind keine Herrenjahre' eine ganz neue Definition gibt!

Fazit: Ein informativer und spannender Einblick in die "schöne neue Welt!", der sich - vom ersten Kapitel einmal abgesehen - kaum Schwächen leistet.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Robin Hood Revival, 9. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Die Vorgehensweise des Autoren ist hinlänglich bekannt. Verkleidet schlüpft er in immer wieder neue Rollen, um die soziale Kälte im Alltag - besonders in Beschäftigungsverhältnissen - vieler Menschen in Deutschland auzudecken, die sonst aus verschiedenen Gründen ungehört bleiben würden. Sicher bringen die Reportagen Wallraffs immer wieder ähnlich geartete Missstände in unserer Gesellschaft hervor und Kritiker haben bemerkt, auch dieses Buch bringe nichts Neues. Aber genau das macht ua. die Bedeutung seiner Arbeit aus. Immer wieder ins Gedächtnis zu Rufen, wie moralisch marode unsere Gesellschaft ist und wie unmenschlich in ihr mit vielen Menschen im Alltag umgegangen wird.

Beeindruckend schildert er hier seine Erfahrungen als Obdachloser im Winter auf den Straßen deutscher Großstädte, schon nach wenigen Zeilen wird deutlich, dass für die Menschen auf der Straße die winterliche Kälte fast noch das kleinere Übel ist - geringer als die soziale Kälte vieler sozialer Einrichtungen. Unweigerlich werden wir vor die Frage gestellt, ob es genügt, das eigene Gewissen mit dem lapidaren Satz zu beruhigen, "wir leben in einem Sozialstaat, jedem wird geholfen, niemand muss auf der Straße leben." Wer so spricht, wird dank Wallraff eines Besseren belehrt. Viele Notunterkünfte befinden sich in desolatem Zustand, ebenso wie auch die "Konzepte", die hinter solchen Einrichtungen stehen.

Dass Arbeitsverhältnisse bei einigen Call-Centern aufgrund von Arbeitszeiten und Bezahlung durchaus prekär sind, ist längst kein Geheimnis mehr und auch jeder wird schonmal durch Anrufe mit diversen Gewinnversprechungen belästigt worden sein. Als Job-Suchender gelingt es Wallraff bei mehreren solcher Call-Centern anzuheuern. Schon nach wenigen Stunden erhält er einen Einblick in die ganze Systematik des Gewinnstrebens dieser Unternehmungen. Das einzige, wozu die Mitarbeiter systematisch getrimmt werden, ist die Ausnahme ihrer ahnungslosen und oftmals unfreiwilligen "Kunden" durch fragwürdige "Überredungskunst", die mit Rhetorik als Kunst des Überzeugens und Argumentierens rein gar nichts gemein hat. Was bleibt ist die Frage, ob solche fragwürdigen Geschäftspraktiken oder die moralische Unterhöhlung der Mitarbeiter schwerer wiegt.
Ähnlich Bestürtzendes kann der Autor auch aus anderen Betrieben berichten, etwa aus einer Großbäckerei, die für Lidl ihre Brötchen backt, oder aus einem Nobelrestaurant. Insgesamt neun Reportagen fasst der Autor in diesem Werk zusammen, jede für sich ist lesenswert und gibt zu denken, va. was den Umgang mit unseren Mit-Menschen im Alltag, ob im Beruf oder auf der Straße, anbelangt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen es muss nicht immer "neu"sein, 12. März 2012
Von 
Bäcker (Wismar) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Der kalte Winter und eine Sendung des WDR machten mich auf dieses neue Buch G.Wallraffs
aufmerksam.Spontan bei Amazon nachgeforscht und schon hatte ich mir ein gebrauchtes Buch
zu einem denkbar günstigen Preis bestellt.
Wer Wallraffs Stil kennt, weiss wie er vorgeht um gesellschaftliche Mißstände offenzulegen.
Das ist ihm auf lesenswerte Weise auch in diesem Buch gelungen. Spannend, unterhaltsam
kritisch aber auch optimistisch legt er den Finger auf die Wunde. Sehr lesenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut Recherchiert und Zusammengefasst, 26. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere (Taschenbuch)
Wallraff dürfte so gut wie jeder schon gehört haben und die meisten aus meiner Generation haben sicherlich auch Sachen wie "Ganz Unten" u.s.w. Gelesen.

Mit diesem Buch begibt er sich wieder auf die "Fährten" von "Ganz Unten".
In 9 spannenden Artikeln recherchiert und erkundet er die Arbeitnehmerwelt in Deutschland. Dabei zeigt er diesmal nicht nur wie der kleine Arbeiter gemobbt wird sondern auch wie es zum Beispiel den Vorständen der DB AG unter Mehdorn erging.

In Kapitel 1 - "Schwarz auf weiß" schlüpft er in die Rolle eines schwarzen und zeigt wie fremdenfeindlich Deutschland noch immer ist. Dabei geht es nicht so unbedingt um die offene Fremdenfeindlichkeit als viel mehr um die versteckte gesellschaftlich (leider) akzeptierte Fremdenfeindlichkeit. Besonders einprägsam war dies in dem Abschnitt des Kapitel in dem er mit einer Rentnergruppe versucht eine öffentliche Wanderung zu erleben. Dortdann aber die kleinen Sticheleien und Anfremdungen einer "perfekten" Gesellschaft erlebt - Traurig das Deutschland immer noch nicht weiter ist. Aber dank eines Thilo "Adolf" Sarazin's ist Fremdenfeindlichkeit ja wieder Salonfähig geworden.

Im Kapitel 2 - "Unter null" schläft er auf der Straße und recherchiert so im Obdachlosenmilieu. Schon hart im nehmen wenn man so etwas recherchiert.

Kapitel 3 - "Bei Anruf Abzocke" deckt die menschenverachtende Arbeitsweise der Seuche unserer Zeit auf - Call Center.

Kapitel 4 -" Kleine Brötchen für Lidl". Hier geht er in eine "Billigbäckerei" die für Lidl Aufbackbrötchen herstellen und stellt den dortigen Erschreckenden Arbeitsalltag dar.

Ab jetzt schlüpft er nicht mehr wirklich in Rollen, sondern spricht mit betroffenen und Recherchiert sehr ausgiebig

Kapitel 5 - "Unfeine Küche" - stellt den erschreckenden Weg von Auszubildenden bei einem berühmten Sterne Koch dar.

Kapitel 6 - "Schöne heile Kaffeewelt" - Starbucks - Arbeitsalltag in der Kaffeekette aus Seattle (die sowieso völlig überteuert ist)

Kapitel 7 - "Die Bahn entgleist" - Mobbing auf höchster ebene innerhalb des Bahnmanagments (noch unter Mehdorn). Zwar kann ich nichts zu den Sachverhalt des Mobbings bei der Bahn sagen. Aber die Verwendeten Begriffe entsprechen durchaus dem eigenen Bahn-Chargon. Begriffe wie X-Laufwerk, Konzernbevollmächtigter und so weiter werden hier verwendet und existieren ja tatsächlich im Sprachgebrauch eines Bahn MA's.

Kapitel 8 - "Mit aller Gewalt" legt die Menschenverachtenden, Arbeitnehmerhassenden und früh-kapitalistischen Methoden eines Anwalts Helmut Naujoks dar welcher gerne dabei hilft unbequeme "nichtkündbare" wie Schwer-behinderte oder Betriebsräte sowohl Privat als auch Beruflich derart fertig zu machen, psychisch zu ruinieren dass diese Freiwillig den Betrieb verlassen.
Dieses Kapitel hat mich wirklich am allermeisten geschockt. Dass es solche Menschen gibt - wenn man die noch Mensch nennen mag.

Kapitel 9 - ist dann nur noch eine "Nachbemerkung", welche aber eine wunderschöne Zusammenfassung ist, mit Worten die man sich wirklich zu Herzen nehmen kann.

Ein Buch das ich wirklich sehr empfehlen kann. Liest sich schnell und ist interessant.

Es bekommt von mir 7 von 10 Punkten.

7 Punkte nur deshalb weil es Literarisch natürlich kein hohes, beeindruckendes Niveau hat oder besonders lyrisch ist. Aber mit diesen Anspruch ist das Buch ja auch nie auf den Markt gekommen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere
Aus der schönen neuen Welt: Expeditionen ins Landesinnere von Günter Wallraff (Taschenbuch - 9. Oktober 2009)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,05
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen