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26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein meisterhaftes Antikriegsepos
Eigentlich kennen wir alle den Amerikanischen Bürgerkrieg aus dem Roman Vom Winde verweht". Margaret Mitchell wollte jedoch nicht vordergründig zeigen, mit welcher Heftigkeit ein Krieg die zivilisierte Welt in Schrecken und Barbarei stürzen kann, sondern es ging hier mehr um die Beziehungen von Red Butler und Scarlett O' Hara. In dem, mit dem PEN/ Faulkner...
Veröffentlicht am 13. September 2007 von Carl-heinrich Bock

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dr. Hans W. Wieczorrek Kein Meisterwerk!
Wer ein Einstiegswerk in die Geschehnisse des amerikanischen Bürgerkriegs wünscht, dem sei "Für die Freiheit sterben" von PH. Mc. Pherson empfohen. Als Roman über dieses Thema ist natürlich "Vom Winde verweht" immer noch das Highlight. Der Marsch fällt qualitativ doch stark ab. Dieses Buch schildert dem Marsch von General Sherman durch...
Vor 21 Monaten von Hans-wilhelm Wieczorrek veröffentlicht


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26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein meisterhaftes Antikriegsepos, 13. September 2007
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich kennen wir alle den Amerikanischen Bürgerkrieg aus dem Roman Vom Winde verweht". Margaret Mitchell wollte jedoch nicht vordergründig zeigen, mit welcher Heftigkeit ein Krieg die zivilisierte Welt in Schrecken und Barbarei stürzen kann, sondern es ging hier mehr um die Beziehungen von Red Butler und Scarlett O' Hara. In dem, mit dem PEN/ Faulkner Preis ausgezeichneten großen amerikanischen Antikriegsroman "Der Marsch" berichtet Doctorow über den vier Jahre dauernden amerikanischen Bürgerkrieg in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in dem die Nord- und Südstaaten, um die Abschaffung der Sklaverei kämpften.

1865 marschiert General William T. Sherman mit seinen Unionstruppen, einer Armee von sechzigtausend Mann, durch North Carolina, South Carolina und Georgia und befreit, in einem blutigen und siegreichen "Marsch" der Nord- über die Südstaaten, die Sklaven. Das Land wird geplündert, die Plantagenbesitzer werden vertrieben oder ermordet. Schließlich führt der Sieg zur Abschaffung der Sklaverei. Doch letztlich sind alle Opfer dieses brutalen Krieges: Die Plantagenbesitzer als ehemalige Unterdrücker,die Sklaven, denen jetzt jede Lebensgrundlage genommen ist, sie sind zwar frei aber ärmer als vor dem Krieg, die geschundenen einfachen Soldaten ebenso wie ihre Generäle. Die Schwarzen wissen nicht mehr wohin sie gehen sollen, folgen ziellos der siegreichen Nordarmee. Eines Tages werden sie bedenkenlos in einem Fluss zurück gelassen, weil sie zur Last fallen, man kann sie nicht mehr gebrauchen.
Die Bewohner des Nordens leiden an den Folgen des Krieges ebenso wie die Bewohner des Südens, denn der Krieg kennt keine Menschlichkeit, das ist hinlänglich bekannt. Auch in dieser schmerzhaftesten Epoche der amerikanischen Geschichte zählt nur Strategie, nämlich das Ziel zum Sieg und so wird die zivilisierte Welt in Unzivilisiertheit, Barbarei, Anarchie und Chaos gestürzt.

Dieser Roman steht letztlich durchaus auch für andere Kriege mit ihren grausamen Schlachtenschilderungen, insbesondere auch für den Irak Krieg. Über alles allgemein Zutreffende hinaus, betrifft es insbesondere das Leben und die Grausamkeiten der Soldaten und die hinterhältigen Strategien der Generäle.

Der Roman erzählt in berührender Weise auch sehr viele furchtbare Einzelschicksale. So blicken wir in das Innere des General Sherman, der die Nordtruppen führt, was er denkt, wenn sich tausende von Soldaten, wie ein verschlingendes Ungeheuer, durch sein eigenes Land walzen. Er darf nicht einmal trauern als sein eigener Sohn fällt. Dann vermittelt uns der Autor Einblicke in das Leben des Truppenarztes, wie er mit viel Routine täglich Beine und Arme amputiert, Wunden versorgt. Ihm bleibt noch nicht einmal Zeit sich der geflohenen, ihn liebenden Farmertochter hinzugeben. Faszinierend ist die Geschichte der hellhäutigen Sklavin Pearl, ebenso wie das Schicksal des jungen Will, der je nachdem auf welche Truppenteile er stösst, die Uniformjacke wechselt.

Und jetzt erscheint Doctorow's Roman zu diesem nationalen Gemetzel. Ein gewaltiges Buch, über eine große Gewalt, bei dem der Autor anschaulich dokumentiert, dass ein solcher Bürgerkrieg der grausamste aller grausamen Kriege ist. Schließlich wurden die Generäle, mit den gleichen Strategien, an den gleichen Militärakademien ausgebildet. Nun legen sie im Strudel der Schlacht, einer dahinwälzenden Lawine gleich, ihr Vaterland in Schutt und Asche. E.L. Doctorow beschreibt auf vierhundert Seiten meisterhaft den ganzen Irrsinn des Krieges, das Verhängnis des Krieges mit seinen unterschiedlichsten Tötungsmaschinen, er berichtet über Männer die sich nicht einmal erlauben können Angst zu haben, denen weder Gefühle für Kummer noch Mitleid zugestanden werden, und er zeigt wie letztlich die Seelen der Kriegsführenden auf beiden Seiten getötet werden.

Ein großartiges Buch, das uns vor Augen führt mit welcher Gewalt jeder Krieg daherkommt und wie brutal er alle Zivilisation und unzählige Menschenleben zerstört. Ich empfehle das Buch, auch wegen seinen unterschiedlichsten Reflexionsebenen, mit Nachdruck und Leidenschaft.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dr. Hans W. Wieczorrek Kein Meisterwerk!, 20. Juli 2012
Von 
Hans-wilhelm Wieczorrek "Hans" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer ein Einstiegswerk in die Geschehnisse des amerikanischen Bürgerkriegs wünscht, dem sei "Für die Freiheit sterben" von PH. Mc. Pherson empfohen. Als Roman über dieses Thema ist natürlich "Vom Winde verweht" immer noch das Highlight. Der Marsch fällt qualitativ doch stark ab. Dieses Buch schildert dem Marsch von General Sherman durch Georgia nach North Carolina. Sein 60000-Mann-Heer hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Alles bekannte Szenarien von Tamerlan, über die Heere des 30-Jährigen Krieges usw. Die Greuel des Krieges sind allzu bekannt und erwecken kaum noch Aufmerksamkeit. Auch Tamerlan hat ca. 100000 Gefangene umbringen lassen, weil sie einfach hinderlich waren für die schnellen Reitertruppen. Die Unionstruppen müssen sich mit einer Armee freigekommener Sklaven irgendwie entledigen, weil sie die Maschinerie des Heeres behindern.Nun sie bringen sie nicht um, sie überlassen sie einfach ihren Schicksal, was fast auf dasselbe herauskommt, denn die der Freiheit entwöhnten Sklaven konnten kaum für sich sorgen.
Shermans Vormarsch bedarf bei seiner haushohen waffentechnischen und Überlegenheit keiner militätrischen Strategie, sondern nur einer gewissen Rücksichtslosigkeit. Dass Shermans Sohn fällt, erweckt kaum Mitgefühl und es gelingt Doctorow auch nicht mit dem General Mitgefühl zu erwecken. Dazu fehlen einfach die sprachlichen Mittel. Sicher war es nicht Doctorows Anliegen einen oder eine Hauptprotagonistin zu kreieren, also verteilt er die Handlung auf ein umfangreiches Figurenszenario nach dem Motto: Von allem etwas. Was dem Roman fehlt ist ein stringenter Handlungsstrang, eine erzählerische Strategie. Der Handlungsstrang wäre ja da, das ist der Marsch des Heeres, daran erzählerisch gekonnt einige wenige Einzelschicksale einzubinden, gelingt Doctorow nicht.
Jeder Roman braucht einen Helden bzw. Heldin. Hier wird alles auf viele Einzelschicksale verteilt. Nun gut, Doctorow wollte das so, aber Meisterwerke brauchen einen Protagonisten. Diesen hat dieser Roman nicht, oder mir bleibt er verborgen. Dennoch hat das Werk einige starke Szenen, also lesen kann man das schon, muss man aber nicht!?
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Untergang einer feudalen Welt, 26. November 2009
Von 
Rheinischer Lesekreis (Köln, Düsseldorf, Neuss, Hilden, Kaarst) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
VOM UNTERGANG EINER FEUDALEN WELT (LUDWIG WITZANI)
Wie "ein Wesen mit zigtausend Zellen, dass seine Arme wie Tentakel über die Staaten des Südens verbreitet", wie "eine ganze entwurzelte Zivilisation", dann wieder "wie eine große Herde in aller Ruhe äsender Wiederkäuer", so bewegt sich die Unionsarmee von General Sherman durch Georgia, South Carolina und North Carolina und durchschneidet 1864/5, im letzten Jahr des amerikanischen Bürgerkrieges, das Territorium der rebellischen Konföderation. Requisitionskompanien durchziehen die Ebenen, plündern Farmen und Dörfer, verfolgt von Freischärlern, die die Furagiere wo immer es ihnen gelingt, gefangen nehmen und lynchen. Uralte Familien verlassen ihre Herrenhäuser auf überladenen Karren, ohne zu wissen wohin sie sich wenden sollen. Auch ihre Sklaven packen ihre Habseligkeiten und folgen in einem gewaltigen Elendstross der Nordstaatenarmee, die wie ein großes Kehrblech die Reste der regulären Südstaatentruppen Norden treibt, wo die überlegene Macht von General Grant nur auf sie wartet, um sie zu vernichten.
Inmitten dieses Infernos versuchen ganz unterschiedliche Menschen so gut es nur geht zu überleben, und es beweist die Meisterschaft des Autors, ihre Geschichten und Erlebnisse so miteinander zu verweben, dass für den Leser das Gesamtpanorma des Geschehens nicht nur aus der Vogelperspektive sondern auch aus der Perspektive der Beteiligten anschaulich wird. Da ist die Farmertochter Emily Thompson, die es nach dem Tod ihres Vaters an die Seite des Nordstaatenarztes Sartorius Wrede verschlägt, einem fanatischen Forscher, der die Verstümmelten auf seinem Operationstisch als Inspirationsquelle für den medizinischen Fortschritt missbraucht. Da ist die weiße Negerin Pearl Jamesson, der Spross eines Südstaatenkonkubinats, die sich eine Zeitlang als Trommlerin und als Krankenschwester durchschlägt, da sind die Deserteure Will und Arly, die pausenlos die Uniformen wechseln und den Hinrichtungen immer aufs Neue entkommen, bis sie ihr Schicksal schließlich doch ereilt. Da ist die ehemaliger Sklavin Wilma und der schwarze Nordstaatensoldat Coalhouse Walker, die in die großen Städte des Norens ziehen wollen, der hässliche Furagieroffizier Kilpatrick, der den Südsattantefrauen nachstellt und schließlich General Sherman selbst, ein labiles, geniales, asthmatisches Genie, den seine Soldaten als "Onkel Billy" verehren.
Sie alle und noch viele andere mehr spielen ihren privaten Part im großen Marsch, in dessen Verlauf Georgia und die Hauptstadt Savahnnah erobert wird, ehe die Armee die Sümpfe Süd-Carolinas durchquert und Columbia, die Hauptstadt der Konföderation niederbrennt, Nach der letzten großen Schlacht von Bentonwille endet der Krieg mitten in Nord Carolina, der Süden kapituliert, und General Sherman und General Johnston, beide Absolventen von West Point, verhandeln mit vollendeten Manieren die Bedingungen der Kapitulation.
Soweit die Handlung. Wie aber wurde diese Darstellungsaufgabe literarisch gemeistert? Eigenwillig wie ich meine. Docotorow scheut keineswegs, gleich hundertfach, für ein oder zwei Absätze mal schnell in die Innenwelt eines Handlungsträgers hinein zu fahren, so dass die Figuren charakterlich flach bleiben und dem Treibgut eines Großen Strom gleichen, das mal an dieser, dann an jener Stelle kurz sichtbar wird, um dann ebenso folgendlos wieder zu verschwinden. Aber das macht nichts, denn im Zentrum des Romans stehen keine Personen sondern eben "der Marsch" oder die große Armee, die wie ein gefräßiges Monster den Krieg exekutiert, eine Konstruktion, die in einem rasanten und geradezu comicartigen Erzählrhythmus entfaltet wird und den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Nur ganz vage, fast verschwommen werden die Motive angedeutet, die Millionen Menschen dazu bewegten, sich in diesem Krieg zu engagieren: es geht um den Zusammenstoß zweier Welten, der städtisch-modernistischen Mentalität des Nordens und der feudalen Gefühlslage des alten Südens, meisterhaft fokussiert in der Ansprache eines Farmers aus South Carolina an seine Sklaven, die von den Unionssoldaten eigentlich befreit werden sollen und dann doch mehrheitlich bei ihrem alten Massa bleiben. (S. 252/253) Besser kann man die Antagonismen und die Paradoxien der heraufziehenden neuen Wirklichkeit kaum darstellen. Der lange Marsch ist noch lange nicht zu Ende.

NICHT GERADE EIN SPAZIERGANG (THOMAS REUTER)
Selten ist sich die Kritik so einhellig einig. "Der Marsch" von E.L. Doctorow ist ein Meisterwerk heißt es. Ganz große Literatur sagen alle - und niemand scheint zu widersprechen. Ich tu's mal: "Der Marsch" ist bei weitem nicht so brillant erzählt, wie es uns die Damen und Herren von der Literaturkritik erläutern. Es ist ein tolles Buch und es hat ein großartiges Thema. Aber es scheitert an seiner Konstruktion, für die es doch so gelobt wird. Erzählt werden soll der Krieg selber und Doctorow dient die Armee des General William Sherman, die sich im amerikanischen Bürgerkriegsjahr 1864 durch die Südstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina kämpft, hierfür nur als Beispiel. Sicher ist es ein gut gewähltes Beispiel. Wie die Armee erbarmungslos durch das Feindesland zieht, evoziert sie fast unvermeidlich das Bild einer Allegorie des Krieges. Ein Krieg, der für alle Kriege stehen und alle Kriege beschreiben soll. Dennoch muss das ja alles auch erzählt werden. Und hierfür braucht man Figuren denen der Leser sich anvertraut. Doctorow springt nun aber permanent zwischen einer Vielzahl an Figuren, er orchestriert eine ganze Heeresschar von Südstaatlern, Nordstaatlern, Schwarzen, Weißen, Soldaten, Ärzten usw. Es soll ja keine Individualgeschichte sein, sondern die des Krieges. Letztlich wirkt es jedoch arg konstruiert. Andauernd geschehen Zufälle. Rein zufällig treffen sich in diesem Riesenheer dann doch immer wieder die selben Personen und diese sind, dem Autor wie dem Leser, letztlich egal.
Freilich, es gibt starke, ja unglaubliche Szenen. Aber für einen großen Roman fehlt dem ganzen dann doch auch das große Schicksal des Einzelnen. Nun gut, das hat Doctorow nicht schreiben wollen. Dennoch wollen wir es lesen.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Untergang einer feudalen Welt, 29. Oktober 2007
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie "ein Wesen mit zigtausend Zellen, dass seine Arme wie Tentakel über die Staaten des Südens verbreitet", wie "eine ganze entwurzelte Zivilisation", dann wieder "wie eine große Herde in aller Ruhe äsender Wiederkäuer", so bewegt sich die Unionsarmee von General Sherman durch Georgia, South Carolina und North Carolina und durchschneidet 1864/5, im letzten Jahr des amerikanischen Bürgerkrieges, das Territorium der rebellischen Konföderation. Requisitionskompanien durchziehen die Ebenen, plündern Farmen und Dörfer, verfolgt von Freischärlern, die die Furagiere wo immer es ihnen gelingt, gefangen nehmen und lynchen. Uralte Familien verlassen ihre Herrenhäuser auf überladenen Karren, ohne zu wissen wohin sie sich wenden sollen. Auch ihre Sklaven packen ihre Habseligkeiten und folgen in einem gewaltigen Elendstross der Nordstaatenarmee, die wie ein großes Kehrblech die Reste der regulären Südstaatentruppen Norden treibt, wo die überlegene Macht von General Grant nur auf sie wartet, um sie zu vernichten.
Inmitten dieses Infernos versuchen ganz unterschiedliche Menschen so gut es nur geht zu überleben, und es beweist die Meisterschaft des Autors, ihre Geschichten und Erlebnisse so miteinander zu verweben, dass für den Leser das Gesamtpanorma des Geschehens nicht nur aus der Vogelperspektive sondern auch aus der Perspektive der Beteiligten anschaulich wird. Da ist die Farmertochter Emily Thompson, die es nach dem Tod ihres Vaters an die Seite des Nordstaatenarztes Sartorius Wrede verschlägt, einem fanatischen Forscher, der die Verstümmelten auf seinem Operationstisch als Inspirationsquelle für den medizinischen Fortschritt missbraucht. Da ist die weiße Negerin Pearl Jamesson, der Spross eines Südstaatenkonkubinats, die sich eine Zeitlang als Trommlerin und als Krankenschwester durchschlägt, da sind die Deserteure Will und Arly, die pausenlos die Uniformen wechseln und den Hinrichtungen immer aufs Neue entkommen, bis sie ihr Schicksal schließlich doch ereilt. Da ist die ehemaliger Sklavin Wilma und der schwarze Nordstaatensoldat Coalhouse Walker, die in die großen Städte des Norens ziehen wollen, der hässliche Furagieroffizier Kilpatrick, der den Südsattantefrauen nachstellt und schließlich General Sherman selbst, ein labiles, geniales, asthmatisches Genie, den seine Soldaten als "Onkel Billy" verehren.
Sie alle und noch viele andere mehr spielen ihren privaten Part im großen Marsch, in dessen Verlauf Georgia und die Hauptstadt Savahnnah erobert wird, ehe die Armee die Sümpfe Süd-Carolinas durchquert und Columbia, die Hauptstadt der Konföderation niederbrennt, Nach der letzten großen Schlacht von Bentonwille endet der Krieg mitten in Nord Carolina, der Süden kapituliert, und General Sherman und General Johnston, beide Absolventen von West Point, verhandeln mit vollendeten Manieren die Bedingungen der Kapitulation.
Soweit die Handlung. Wie aber wurde diese Darstellungsaufgabe literarisch gemeistert? Eigenwillig wie ich meine. Docotorow scheut keineswegs, gleich hundertfach, für ein oder zwei Absätze mal schnell in die Innenwelt eines Handlungsträgers hinein zu fahren, so dass die Figuren charakterlich flach bleiben und dem Treibgut eines Großen Strom gleichen, das mal an dieser, dann an jener Stelle kurz sichtbar wird, um dann ebenso folgendlos wieder zu verschwinden. Aber das macht nichts, denn im Zentrum des Romans stehen keine Personen sondern eben "der Marsch" oder die große Armee, die wie ein gefräßiges Monster den Krieg exekutiert, eine Konstruktion, die in einem rasanten und geradezu comicartigen Erzählrhythmus entfaltet wird und den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Nur ganz vage, fast verschwommen werden die Motive angedeutet, die Millionen Menschen dazu bewegten, sich in diesem Krieg zu engagieren: es geht um den Zusammenstoß zweier Welten, der städtisch-modernistischen Mentalität des Nordens und der feudalen Gefühlslage des alten Südens, meisterhaft fokussiert in der Ansprache eines Farmers aus South Carolina an seine Sklaven, die von den Unionssoldaten eigentlich befreit werden sollen und dann doch mehrheitlich bei ihrem alten Massa bleiben. (S. 252/253) Besser kann man die Antagonismen und die Paradoxien der heraufziehenden neuen Wirklichkeit kaum darstellen. Der lange Marsch ist noch lange nicht zu Ende.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht gerade ein Spaziergang, 17. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Selten ist sich die Kritik so einhellig einig. "Der Marsch" von E.L. Doctorow ist ein Meisterwerk heißt es. Ganz große Literatur sagen alle - und niemand scheint zu widersprechen. Ich tu's mal: "Der Marsch" ist bei weitem nicht so brillant erzählt, wie es uns die Damen und Herren von der Literaturkritik erläutern. Es ist ein tolles Buch und es hat ein großartiges Thema. Aber es scheitert an seiner Konstruktion, für die es doch so gelobt wird. Erzählt werden soll der Krieg selber und Doctorow dient die Armee des General William Sherman, die sich im amerikanischen Bürgerkriegsjahr 1864 durch die Südstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina kämpft, hierfür nur als Beispiel. Sicher ist es ein gut gewähltes Beispiel. Wie die Armee erbarmungslos durch das Feindesland zieht, evoziert sie fast unvermeidlich das Bild einer Allegorie des Krieges. Ein Krieg, der für alle Kriege stehen und alle Kriege beschreiben soll. Dennoch muss das ja alles auch erzählt werden. Und hierfür braucht man Figuren denen der Leser sich anvertraut. Doctorow springt nun aber permanent zwischen einer Vielzahl an Figuren, er orchestriert eine ganze Heeresschar von Südstaatlern, Nordstaatlern, Schwarzen, Weißen, Soldaten, Ärzten usw. Es soll ja keine Individualgeschichte sein, sondern die des Krieges. Letztlich wirkt es jedoch arg konstruiert. Andauernd geschehen Zufälle. Rein zufällig treffen sich in diesem Riesenheer dann doch immer wieder die selben Personen und diese sind, dem Autor wie dem Leser, letztlich egal.
Freilich, es gibt starke, ja unglaubliche Szenen. Aber für einen großen Roman fehlt dem ganzen dann doch auch das große Schicksal des Einzelnen. Nun gut, das hat Doctorow nicht schreiben wollen. Dennoch wollen wir es lesen.

Thomas Reuter
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14 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Grauen des Krieges - einmal mehr, 14. September 2007
Von 
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Tja, meine Überschrift sagt in ihrer Doppeldeutigkeit schon alles. Es ist eigentlich eine weitere Anklage gegen den Krieg. Hier platziert ins Jahr 1865 zum Ende des amerikanischen Bürgerkrieges, und eigentlich wird nur noch gebranntschatzt. Alles lodert, brennt, und es ist auch nicht mehr deutlich, vor allem nicht für die rekrutierten Soldaten, für was sie eigentlich unterwegs sind, außer eventuell dieses Chaos zu überleben.
Ganz intensiv die Beschreibungen aus den jeweiligen Lazaretten, die Beinabsägerei, das Stopfen von Gedärmen zurück in den Leib, etc... Aber es kommen auch die Momente kurzfristigen Glücks, Ärzte die irgendwie Abstand haben zu all dem, auch ein General Shermann sagt ab und an was - Vernünftiges - und eine Art - Florence Nightingale - lässt durch das ganze Buch eine wenig von "Von Winde verweht" durchscheinen. Eben der Südstaaten - Roman schlechthin. Trotzdem habe ich das Buch die ganze Zeit nicht genießen können, nicht wegen der ständigen Abschlachterei, auch nicht - und das kommt immer wieder auf - wegen der Befreiung der Schwarzen, die plötzlich vollkommen entwurzelt sind, nein - eher weil ich meine, Doctorow hat die Vorhersehbarkeit seiner Geschichte unterschätzt.
Es bleibt immer gleich entsetzlich, wenn sie auch, das will ich gern zugeben, ab und an ein Pflänzchen, z.B. durch die durchgehende Liebesgeschichte und den unbändigen Lebenswillen zweier Stromer, die je nach Lage immer die Seiten wechseln, ein wenig Hoffnung auf irgendeine Zukunft macht. Zwiespältig
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4.0 von 5 Sternen Ein gelungener Roman über den Sezessionskrieg, 1. November 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Taschenbuch)
E.L.Doctorows Roman schildert vor dem Hintergrund des Amerikanischen Bürgerkriegs von 1861 bis 1865 den Marsch der Truppen der Nordstaaten unter der Befehlsgewalt von General William T. Sherman in Richtung Savannah, Georgia. Wortgewaltig und mit einem guten Gespür für die Darstellung von Kampfszenen zeichnet Doctorow eine Vielzahl von Einzelschicksalen unterschiedlichster Couleur."Der Marsch" zeigt die Gewalt des Sezessionskrieges, die Orientierungslosigkeit der befreiten Sklaven in den Südstaaten und wirft die Frage nach uramerikanischen Werten auf. Es sind meines Erachtens gar nicht einmal die so häufig an "Der Marsch" gepriesenen Schlachtszenen, die Doctorows Werk zu einem sehr gelungenen Roman machen, sondern gerade die Passagen, in denen das Innehalten und die Reflexion angesichts der im Zuge des Bürgerkrieges entstehenden gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzungen im Vordergrund stehen. Besonders konzentriert ist der Roman am Anfang und am Ende, wohingegen Doctorow sich meines Erachtens im Mittelteil so manche Undiszipliniertheit und Oberflächlichkeit bei der einen oder anderen Charakterdarstellung erlaubt. Eines der Highlights des Romans ist das recht kurze, aber sehr eindringlich und authentisch geschilderte Auftreten der Gestalt des Abraham Lincoln am Ende.
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4.0 von 5 Sternen Pulverdampf und Kriegswirren, 10. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Taschenbuch)
Ein anschauliches Bild des Bürgerkrieges aus der Sicht verschiedenster Personen. Soldaten, Sklaven, Sklavenhaltern und einfachen Bürgern. Plötzliche Wendungen und Ereignisse lassen Menschen ( Figuren an die man sich gerade gewöhnt hat)
verschwinden, oder in ganz anderen Situationen wieder auftauchen.
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4.0 von 5 Sternen historisch fundiert, 10. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit seinem 2005 in Amerika erschienen Roman "Der Marsch" widmet sich E.L. Doctorow einer der traumatischsten Ereignisse der amerikanischen Geschichte: General Shermans Marsch ans Meer. Bei dessen Feldzug nach Georgia am Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges riss sein Heer eine kilometerbreite Schneiße der Verwüstung durch drei südliche Bundesstaaten.
Doctorow erzählt diese Geschichte als Collage-Roman, in dem viele Stimmen zu Wort kommen. Die Geschichte einer befreiten Sklavin, die sich Shermans Armee anschließt wird ebenso erzählt wie die von zwei Soldaten der Konföderation, die zu überleben versuchen, indem sich sich als Unionssoldaten verkleiden. Auch Sherman selbst ist eine der Hauptfiguren des Romans. Einige Handlungsstränge erstrecken sich dabei über den ganzen Roman und geben ihm trotz seiner zersplitterten Struktur eine Einheit. Andere Figuren streifen die Geschichte dagegen nur, wie beispielsweise eine kurze Episode, die das Sterben eines Soldaten beschreibt. Dabei dauert es eine Weile bis die Charktere sich dem Leser erschließen. Lange blieb mein Eindruck oberflächlig. Nur nach und nach kommt Doctorows Talent fein ausbalancierte und differenzierte Charaktere zu gestalten, zum Vorschein.
Einziges Mankos: Die Sprache des Romans ist gelegentlich arg flappsig. Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen, rechne diese Schwäche jedoch eher Doctorow selber als der eigentlich immer sehr gewissenhaften und sprachgewandten Übersetzerin Angela Praesent an.
Trotzdem lohnt sich die Lektüre für jeden, der Interesse an der amerikanischen Geschichte hat, ungemein! "Der Marsch" ist ebenso unterhaltsam wie historisch fundiert, auch wenn - was ja von einem Kriegsroman nicht anders zu erwarten ist - kein leichter Stoff!
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5.0 von 5 Sternen Gelungenes Buch, 29. November 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Taschenbuch)
Der Autor beschreibt aus verschiedenen Perspektiven die Ereignisse sehr anschaulich und überzeugend.
Obwohl es sich um einen Roman und um keine Dokumentation handelt, sind die Ereignisse detailreich
dargestellt und man kann sich als Leser sehr leicht in die handelnden Personen hineinversetzen.
Für das Leseverständnis ist es hilfreich, wenn man die Geschichte und Vorgeschichte des amerikanischen
Bürgerkrieges kennt inkl. der geografischen Verhältnisse im östlichen Süden der USA.
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Der Marsch: Roman
Der Marsch: Roman von E.L. Doctorow (Gebundene Ausgabe - 22. August 2007)
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