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am 26. April 2015
Ich habe das Buch für die Universität gelesen und kenne auch den dazugehörigen Film. Da ich Fennistik studiere, habe ich das Buch zwar auf Deutsch gelesen, den Film allerdings in Finnisch mit Untertiteln gesehen.
Das Problem ist meiner Meinung nach die Übersetzung, da das Finnische einfach anders funktioniert als das Deutsche. Deshalb klingt eine Übertragung ins Deutsche meiner Erfahrung nach meist sperrig und unrund. Bereits bei dem Titel rollen sich meine Fußnägel auf. "Pussikalja" ist leider nicht wirklich übersetzbar. Ich muss auch sagen, dass viele Wortwitze in der Übersetzung gar nicht funktionieren.
Insgesamt ist mir das Lesen teils doch schwer gefallen, weil das Deutsche nicht richtig flüssig klingt. Das Buch an sich hat mir gefallen, aber vor allem am Anfang dachte ich ständig: "Das Original ist gut, aber die Übersetzung unzureichend. Die kann das alles nicht transportieren, was da im Finnischen Original drinnen steckt."

Ich empfehle das Buch Leuten, die ein gewisses Vorwissen über Finnland und die Sprache haben. Wer damit gar nichts anfangen kann, versteht das Buch einfach nicht und tut sich auch mit den Begriffen, die zwar übersetzt werden aber irgendwie sinnlos klingen, schwer. Wer dagegen auch Kallio kennt, der hat sicher Spaß beim lesen und kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus.
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am 25. August 2007
Als Fremdsprachenunkundiger muss man den Übersetzern von Büchern vertrauen, dass sie etwaige eigene literarische Ambitionen hintanstellen, sich also auf die reine, unverbrämte Übertragung konzentrieren. Manchmal ahnt man aber, dass der Übersetzer über die Stränge geschlagen haben muss und dass dies dem Buch nur zum Vorteil gereicht, adjektivisch wird in diesem Zusammenhang gern ein abgestandenes "Kongenial" bemüht, wenn Rhythmus, gute Kenntnisse lokaler Besonderheiten, Einfühlungsvermögen in die Gehirnkapriolen des Autors erahnbar sind.

Harry Rowohlt kann das bekanntermaßen, dass es eine Freude ist, genauso wie der vor sieben Jahren verstorbene saarländische Zuckerbäcker Eugen Helmlé, der in seiner Freizeit Raymond Queneau und Georges Perec übertrug - "und andere so oder so, ließ auch Stuttgart nie links liegen, bevor er das Große Fahrzeug bestieg", wie in seiner Biografie vermerkt ist.

Nun liegt ein Buch vor, ein finnisches noch dazu, das ebenso freudig die eigene Sprache knetet, quetscht und würgt. Abschweifung und ornamentaler Stuck dienen als Ausgangsbasis, an die alibihalber eine Art Geschichte gepappt wurde. Und man ahnt, dass der Übersetzer Stefan Moster sich hier mächtig ins Zeug gelegt haben muss, um den Irrsinn adäquat zu übertragen, ohne ins Schrullige zu schlittern.

In Mikko Rimminens "Tütenbierroman" passiert eigentlich so gut wie gar nichts, und das wenige wird auch noch auf einen ganzen Tag ausgewalzt, was lähmend sein kann, wenn Rimminen diese Szenarios nicht mit allerlei aberwitzigen Gedanken und Bildern befüllt hätte, die sehr an eine gewisse Zazie in der großen Stadt erinnern.

Drei Arbeitsscheue, die den Zug ins geregelte Älterwerden verpasst haben, spazieren durch Kallio, jenen "proletarischen" Stadtteil Helsinkis, den man aus den Filmen Kaurismäkis kennt, in dem sich eine Dünnbierbar an die nächste reiht, unterbrochen vielleicht von einer Blumenhandlung. Sie tun nichts, das aber auf allerhöchstem Niveau, sie "praktizieren blitzsaubere großstädtische Gleichgültigkeit, was allerdings ziemlich provinziell ausgedrückt war". Sie sind sich also der Ereignislosigkeit ihres Daseins bewusst, was eine gute Grundlage für allerlei sprachliche und gedankliche Mäander bietet. So überrascht zum Beispiel ein fürchterlicher Regen die drei Antihelden und bringt die Gullis zum Überlaufen, sodass man neugierig auf den Grund schauen muss, "und dort schimmerte es, das chinesische Dorf, das dem Bau des Staudamms zum Opfer gefallen war, ein Schwung mit kaltem Wasser gefüllte Räume, in denen mitten in ihren Verrichtungen erstarrte Familien trieben".

Beim angestrengten Laufen durch den Regen quietscht einem der Männer das Herz in den Angeln, es will nach draußen, durch die Luftröhre, die Augen und Ohren, und dann, logisch, "durch diesen kleinen, pulsierenden Punkt auf der Fußsohle". Das Herz stellt sich dann aber doch wieder "auf die Hinterbeine, und die fröstelnden Extremitäten in den durch und durch nassen Jeans waren wieder zu unbrauchbaren Einzelgliedmaßen verholzt, als wären jedem einzelnen Atom plötzlich Widerhaken gewachsen, die sich mit dem Nachbarn verkanten, sodass kein Bewegungsspielraum mehr bleibt".

So reihen sich massenhaft meisterhafte Bilder und Vergleiche dieser Art aneinander, dass einem schwindelig werden kann, aber auch den Ärger vertreiben, der den Leser angesichts der vollkommenen Ereignisarmut der Geschichte immer wieder anwandelt. Eine Oma bricht zusammen, und man "bückt sich, um in ihr zu lesen wie in den Innereien eines Fisches". Und so sollte man den "Tütenbierroman" ebenfalls lesen, wie in einer Oma oder einem Fisch.
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Also, meinen Geschmack hat der Tütenbierroman nicht getroffen. Naja, dabei hätt ich eigentlich schon misstrauisch werden müssen, als mit Kaurismäki als Querverweis geworben wurde - der hat nämlich, wie übrigens auch Tarantino, das Problem, dass man ihn gerne zum Vergleich für allerhand grauslich uninspirierte Filme und Romane hernimmt. Der Tütenbierroman war für mich dermaßen langweilig, dass ich ihn leider nicht zu Ende geschafft habe. Ich habe wirklich lange mit mir gerungen, ihn noch auszulesen.. Tja, man kann vielleicht davon ausgehen, dass das Buch im Original und in Finnland besser passt und besser verstanden wird, aber diese urbanen Befindlichkeiten, die Langeweile und Sinnlosigkeit der Protagonisten, das kann man nicht so ohne weiteres übertragen. Das funktioniert eben überall etwas anders. Ein langweiliges Leben muss nicht dadurch interessanter werden, dass es in einem halbwegs als Popliteratur zu erkennenden Roman spielt. Naja, für mich persönlich war die Geschichte nicht sonderlich spannend - es ist ganz nett geschrieben und ich glaube, dass Rimminen durchaus Talent hat. Ein bißchen blöd fand ich auch, dass da in Finnland die GEZ an der Tür klingelt, das braucht man doch nicht so direkt übersetzen.
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