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161
4,1 von 5 Sternen
Extrem laut und unglaublich nah: Roman
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Januar 2010
...wäre mir dieses Buch wert, wenn es nur ginge.

Das Jahr ist jung und ich habe bereits mein Buch des Jahres. Selten hat mich ein Buch in solch vielfältiger Hinsicht beeindruckt:

- Eine geschliffene Sprache, die ihresgleichen sucht - selbst in vermeintlich nebensächlichen Dingen ist kein Wort dem Zufall überlassen
- Sätze mit Wert, die sich in mir tief eingeprägt haben und viele Dinge so treffend beschreiben: "Denken und Glück passen nicht zusammen. Ich habe mich schon millionen-mal aus dem Glück herausgedacht, aber noch nie hinein."
- Beschreibungen mit Wörtern, die tief ins Herz schneiden - alleine die Beschreibung der Bombennacht von Dresden, obwohl unzählige Male an anderer Stelle schon gelesen, bleibt unvergesslich
- Die Aufbereitung des Buches mit Fotos und Zeichnungen, die nicht zufällig an Ihrem Ort im Buch sind, sondern das Gelesene erleben lassen
- Der wundervolle Humor und Sarkasmus, der eigentlich tieftraurig, aber gleichzeitig so liebevoll ist
- Die Verknüpfung der Geschichten verschiedener Generationen hin zu einem hinreißenden Ganzen, bei dem sich Dinge urplötzlich von ganz anderer Seite zeigen als gedacht

Ich könnte die Liste noch endlos fortführen - ich kann jedem das Buch nur ans Herz legen, denn dort trifft es hin.

Eine grenzenlose Empfehlung!
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183 von 196 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. November 2005
Dies ist ein Roman über den Verlust. Als der kleine Oskar Schell seinen Vater verliert, ist er gerade neun Jahre alt. Zu Beginn des neuen Romans von Jonathan Safran Foer wird geschildert, wie Oskars Vater seinen Sohn zu Bett bringt – am Abend des 10. September 2001. Am nächsten Morgen wird der Vater zur Arbeit ins World-Trade-Center fahren und nicht wiederkehren. Die kurze Szene zwischen Vater und Sohn reicht aus, um dem Leser die Schwere dieses Verlustes deutlich zu machen. Ihr Verhältnis ist geprägt von Liebe und Zuneigung, aber auch von Witz, Neugierde und Spieltrieb. Der Vater ersinnt für den überaus wissbegierigen und etwas altklugen Oskar Rätsel und Aufgaben, die sie als Wiederentdeckungsexpedition bezeichnen, und Oskar verfolgt die ausgelegte Fährte, bis er das Rätsel gelöst hat – über Wochen, wenn es sein muss. Es ist ein ideales Verhältnis zwischen Vater und Sohn, soviel wird bereits auf diesen wenigen Seiten deutlich. Der Rest des Romans handelt von dem Verlust und Oskars Strategien, die Leere zu verarbeiten, die durch den Tod des Vaters in sein Leben gerissen worden ist.
Jonathan Safran Foer ist 1977 geboren, er ist 28 Jahre alt, und 9/11 ist ein sehr großes Thema für einen so jungen Mann. Für einen ehrgeizigen Autor ist es jedoch zugleich eine Herausforderung. Foer nimmt die Herausforderung an und macht dabei nichts falsch.
Ins Zentrum seines Romans stellt er Bilder, die sich uns allen eingebrannt haben. Bilder, die an Schrecken nicht zu überbieten sind und die wir unauslöschlich gespeichert haben. So kreist der Roman um eine zentrale Szene, deren Vorstellung seit dem 11. September 2001 zum kollektiven Repertoire des Schreckens gehört: Der Vater ist in einem der oberen Stockwerke des World-Trade-Centers gefangen und ruft zu Hause an – um sich zu verabschieden. Dies ist eine Szene, die unsere Vorstellungskraft sprengt. Der Tod kommt, wenn er mitten im Leben kommt, entweder überraschend, oder aber langsam. Er kommt nicht mit einem verzögerten Schlag, der es uns erlaubt, noch einmal im Vollbesitz unserer Kräfte von allen Lieben Abschied zu nehmen und ein paar letzte Worte zu sagen. Diese Erfahrung hat uns 9/11 beschert.
Als der Vater zu Hause anruft, ist niemand daheim. Viermal spricht er aufs Band, bevor der kleine Oskar, frühzeitig aus dem Kindergarten entlassen, nach Hause kommt. Beim fünften Mal sitzt sein Sohn vor dem Telefonapparat. Er hat bereits die vier Nachrichten gehört und ist unfähig, den Hörer von der Gabel zu nehmen. Wiederholt fragt der Vater, ob jemand daheim sei – dann bricht das Gespräch ab.
Wer nun glaubt, die weitere Handlung sei eine tiefenpsychologische Verarbeitung dieser Schlüsselszene, der irrt. Es entspinnt sich eine überaus abstruse Geschichte, die an Einfallsreichtum, Witz und Charme seinesgleichen sucht. Unfähig, den plötzlichen Tod des Vaters zu verarbeiten, tut Oskar, was er immer tut: Er löst ein Rätsel. Nur handelt es sich diesmal um ein Rätsel, in dem es um die Leere des Daseins selber geht. Oskar findet einen Schlüssel des Vaters und sieht hierin eine Botschaft. Er entdeckt außerdem die Existenz eines ominösen Mr. Black, der seinen Vater gekannt haben soll, findet heraus, wie viele Mr. Blacks es in ganz New York geben soll – es sind 216 – und macht sich auf die Suche nach demjenigen, dem der Schlüssel gehört.
Die folgende Odyssee, bei denen Oskar nicht nur auf höchst unwahrscheinliche Charaktere trifft, sondern auch seinen ihm unbekannten Großvater findet, wird von zwei weiteren Erzählsträngen begleitet, wie man das schon aus Foers Debütroman „Alles ist erleuchtet“ gewohnt ist. Die eine Nebenhandlung erzählt das Leben der Großeltern, in dessen Zentrum die Bombadierung Dresdens steht, die andere dreht sich um den Atombombenabwurf auf Hiroshima.
Hat man soweit die Handlung zusammengefasst, muss man feststellen, dass man so gut wie nichts von dem Buch gesagt hat, denn Foers Roman hat eine Eigenschaft, die sich inhaltlich kaum beschreiben lässt: es strotzt vor Bildern, graphischen Spielerreihen, Seiten mit nur einem Wort, mit nur einer Zeile, leeren Seiten, Seiten auf denen Unterstreichungen vorgenommen sind, Seiten, in denen der Text ineinander läuft, Zahlencodes über mehrere Seiten, ein echtes Daumenkino und so weiter und so fort.
Dieser Explosion der Zeichen auf der darstellenden Seite entspricht inhaltlich der ungeheure Einfallsreichtum und Witz, den der Autor in seinem Text an den Tag legt. Der unverbrauchte Blick des neunjährigen Oskar legt in seiner Vorurteilslosigkeit und seiner prinzipiellen Flexibilität die Absurditäten der Erwachsenenwelt bloß. Daher ist die Lektüre von „Extrem laut und unglaublich nah“ auch eine erfrischende Reise in die Gedankenwelt der Kindheit, mithin auch der eigenen. Zugleich aber bleibt das eigentliche Thema des Buches, die Erfahrung des Verlustes, immer spürbar und selten gelingt es einem Autor so sensibel zwischen Leichtigkeit und Trauer zu schweben. So beschreibt Foers Roman den Verlust als eine grundsätzliche menschliche Erfahrung, die immer auch vom Verlust der Kindheit handelt. Der Ort, an dem die Welt noch in Ordnung war.
Thomas Reuter
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39 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. April 2006
Traurig, berührend und vor allem sehr originell. Die Geschichte vom jungen Oskar, der, einerseits von Wissensdurst und Neugierde und andererseits von der Trauer ob seines verstorbenen Vaters angetrieben, eine Odysee durch die Grossstadt New York unternimmt, ist unglaublich berührend und voller Skurrilität. Menschen, die vor Leid verstummen und öffentliche Auffangbecken für vergossene Tränen, das ist die Welt in Foer's Roman.

An Oskars Schicksal geknüpft ist auch die Geschichte seiner Grosseltern, die im Verlaufe des Buches immer weiter aufgerollt wird und sich teilweise mit der Geschichte Oskars kreuzt. Die Grossmutter spielt eine wichtige Rolle in Oskars Leben und nach und nach erfährt man parallel zu seiner Geschichte auch das Leben, Leiden und Lieben seiner Grossmutter bzw. seiner Grosseltern.

Auch wenn die Ansichten von Oskar für einen 9jährigen manchmal etwas gar altklug erscheinen mögen, so sind sie doch immer von kindlicher Naivität und Zuversicht durchzogen. Die Originalität, mit der Gefühle vermittelt werden (durch die Geschichte selbst und v.a durch die einzelnen Figuren), ist wunderschön und absurd zugleich. Beispielsweise die Geschichte von Oskars Grossvater: dieser motiviert seine sehbehinderte Ehefrau dazu, ihre Lebensgeschichte mit der Schreibmaschine festzuhalten, um dann mit Entsetzen, als seine Frau ihm nach getaner Arbeit stolz ihr Werk präsentiert, feststellen zu müssen, dass alle Seiten leer sind, weil er vor Jahren das Farbband aus der Maschine entfernt hatte. Um sie nicht zu verletzten, lässt er sie im Glauben, sie habe wahrhaftig ihre Memoiren niedergeschrieben und tut so, als würde er sie lesen. Oder hat seine Frau doch keine Sehschwäche und weiss, dass ihr Mann ihr etwas vormacht? Spielt sie nur aus Liebe zu ihm mit, und wer will wen nicht verletzen?... es sei nicht zuviel verraten.

Manche haben kritisiert, dass J.S. Foer in seinem Buch politische Themen sinnlos vermengt oder nicht gebührend verarbeitet habe. Meines Erachtens ist die Menschheitsgeschichte ist diesem Buch weniger wichtig, als die Geschichten der einzelnen Menschen. Und diese sind wunderschön, menschlich banal und gleichzeitig kompliziert. In seinem Roman zeigt J.S. Foer auf, wie nahe Liebe und Trauer beeinander liegen können und welche Opfer uns beide abverlangen.
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47 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. August 2005
Nachdem ich vor 2 Jahren Jonathan Safran Foers großartiges Debüt „Alles ist erleuchtet" gelesen hatte, konnte ich den Erscheinungstermin vom englischen Original von „Extrem laut und unglaublich nah" kaum erwarten.
Noch auf dem Nachhauseweg durchblätterte ich vorsichtig die Seiten. Als erstes sprang mir das Daumenkino auf den letzten Seiten ins Auge, dann ein Bild von einem Türschloss, dann noch eins und plötzlich eine Seite auf der überhaupt nichts stand. Auf manchen Seiten waren Worte rot markiert und andere durchgestrichen. Bei jedem wiederholten Durchblättern fand ich etwas neues. Auf den ersten Blick schien jedoch nichts Sinn machen. Erst beim Lesen setzen sich all diese Elemente nach und nach wie ein Mosaik zusammen. Und plötzlich machte alles Sinn. Jedes Foto, jeder Satz, selbst die Leere auf dem Papier.
Die Geschichte von Oscar Schell und seiner Familie ist auch wie bereits in „Alles ist erleuchtet" erneut in drei sich abwechselnde Handlungsstränge unterteilt.
Wir erleben den 9 jährigen Oscar, der versucht den sinnlosen Tod seines Vaters in den Anschlägen vom 11. September zu verarbeiten. Als er eines Tages in dessen Nachlass einen geheimnisvollen Schlüssel findet, macht er sich auf die abenteuerliche Suche nach dem passenden Schloss. Dabei trifft er in den 5 Bezirken New Yorks auf die unterschiedlichsten Menschen und Schicksale. Eingewebt in diese Handlung sind immer wieder Briefe von Oscars Großeltern, deutsche Immigranten, die nach dem Krieg nach Amerika ausgewandert sind. Sein Großvater, der durch die Kriegstraumata stumm geworden ist und die Familie kurz vor der Geburt von Oscars Vater verlässt, schreibt diesem jeden Tag seines Lebens einen Brief ohne sie jedoch abschicken zu können. Oscars Großmutter, die sich von nun an allein um die Familie kümmert, schreibt Oscar ihre Lebensgeschichte mit all ihren Träumen und Sehnsüchten auf.
.Mit „Extrem laut & unglaublich nah" ist Jonathan Safran Foer ein literarisches Meisterwerk gelungen. Sensibel führt er uns an die Schicksale seiner Figuren und zeigt auf unsentimentale Art und Weise deren Tragik. Er hat die wundervolle Gabe Menschen in ihrem tiefsten Inneren zu berühren und es ist mir vollkommen unbegreiflich, dass er hierzulande nicht mehr Bekanntheit genießt. Für mich ist Jonathan Safran Foer der neue Stern am Literaturhimmel. Ästhetisch, traurig und zuweilen auch urkomisch. Ein brillantes Buch, das man so schnell nicht vergessen wird und das ich jedem nur empfehlen kann!
Da soll noch einer sagen, die junge Literaturkunst sei tot...
Wem es möglich ist, empfehle ich übrigens dieses Buch im Original zu lesen, da es schwierig ist Foers Stil ins Deutsche zu übertragen. Die hier dargebotenen Textauszüge von „Extrem laut und unglaublich nah" hätten in meinen Augen an manchen Stellen besser übersetzt werden können.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. März 2006
Der neunjährige Oskar hat seinen Vater bei den Terroranschlägen am 11. September verloren. Er klammert sich nun an einen Schlüssel seines Vaters und sucht in NY das dazu passende Schloß.
Es ist eine verzweifelte Suche, die dazu dient, seinen Vater nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Die Perspektive eines Kindes einzunehmen, erschien mir zuerst schwierig, aber Oskar hat eine so wunderschöne und traurige Gedankenwelt, in die es ein leichtes ist einzutauchen.
(...die Tränen aller NY-er Menschen, die sich in den Schlaf weinten, würden an denselben Ort fließen und am nächsten Tag würde man im Wetterbericht den Pegelstand des Reservoirs erfahren...)
Foer erzählt in diesem Buch aber nicht nur die Geschichte Oskars, sondern auch die Geschichte von seinen Großeltern.
Der wundersame Großvater verliert nach und nach seine Wörter, bis er schließlich gar nicht mehr sprechen kann.
Es gibt in diesem Buch weitere merkwürdige und wundervolle Begebenheiten von diversen Menschen, denen Oskar bei seiner
"Schloßsuche" begegnet.
Foer gelingt es ausgezeichnet das Thema Verlust von Menschen und das schmerzvolle Weiterleben zu beschreiben. Er überrascht nicht nur mit der einfühlsamen Geschichte, sondern visualisiert die Stimmung in Bildern, die das Buch durchziehen.
Absolut empfehlenswert.
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. September 2007
Kommetar zu meinem Vorredner: Ein bestimmtes Plotmuster im Roman macht noch lange keinen Kitsch aus, es kommt ja darauf an, was der Autor mit dem Plot macht. Die Frage, in wieweit man die tragischsten Ereignisse der Weltgeschichte fiktionalisieren darf ist da schon interessanter. Die Frage stellt sich bei dem vorherigen Roman des Autors 'Alles ist erleuchtet' vielleicht noch deutlicher, da geht es um den Holocaust. Ich kann nur feststellen, dass der Autor sich offensichtlich sehr für die fiktionale Auseinandersetzung mit den tragischsten historischen Ereignissen der jüngeren Weltgeschichte interessiert und sich individuelle Schicksale zu diesen Ereignissen ausdenkt. Es geht also nicht darum, wie der 11. September die Welt verändert hat, sondern das Leben von einzelnen (fiktionalen) Betroffenen. Für mich war das Ergebnis einfach ein nuancenreicher Lesegenuss. Es gibt sentimentale Momente, aber das alles als Kitsch abzubügeln, scheint mir etwas einfach, die Darstellung der Beziehung der Großeltern mit einem Kitschroman gleichzusetzen, mehr als gewagt. Und was mein Vorredner nicht erwähnte, ist, dass es auch wirklich witzige Szenen gibt. Also ich kann's nur empfehlen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. Dezember 2012
Dies ist zweifellos der gelungene Roman eines kreativen jungen Autors, über den an dieser Stelle schon viel Kluges geschrieben steht. So viel, dass einem begeisterten Leser wie mir eigentlich nur übrig bliebe, ein paar bissige Kommentare zu den auffallend wenigen negativen Rezensionen zu schreiben, das Meiste ist schon gesagt. Es wird dabei aber häufig der Fehler gemacht, einen solchen Roman nach Gesetzen der Logik zu analysieren, wo es hier doch eindeutig um Irrationales geht, das wird einem ja schon nach wenigen Sätzen klar. Ein neunjähriger Protagonist ist zwar nicht völlig neu, und wenn der dann, wie die Figur bei Grass, auch noch Oskar heißt, ist doch eindeutig eine ganz andere, eine besondere Perspektive gegeben, da muss halt auch der Rezensent mal über seinen Schatten springen.

Denn genau diese Sicht eines neunmalklugen Jungen macht das Buch zu einer äußerst vergnüglichen Lektüre, ich hab mich lange nicht mehr so gut amüsiert, so oft laut aufgelacht. Der Autor brennt ein Feuerwerk an skurrilen Einfällen ab, und äußerst witzige Wortspiele, aber auch die ganz subtilen Beziehungen zwischen den teils urkomischen Gestalten lassen einen immer wieder schmunzeln. Besonders berührend fand ich die Odyssee zu den verschiedenen ,Blacks', wie schön könnte das Leben sein, geht es einem da durch den Kopf, wenn wir uns alle so ungezwungen geben, so freundlich aufeinander zugehen würden wie diese vielen Namensträger, die Oskar da unverdrossen aufgesucht hat.

Und all das spielt vor todernstem Hintergrund, 9/11 insbesondere, aber auch Dresden und Hiroshima, ohne dass es jemals unangemessen wirkt. Es muss erlaubt sein, die Welt eben auch mal aus einer herzerfrischend anderen Perspektive zu sehen, selbst wenn es so makaber wird wie im Daumenkino am Schluss des Buches, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Diesen extremen, ungewöhnlichen Spagat zwischen Tragödie und Komödie hat Jonathan Safran Foer in einer fulminanten Sprache und mit ausgefallenen typografischen Verzierungen versehen grandios bewältigt. Endlich mal keine brav herunter geschriebene Prosa, die allen Konventionen folgt, sondern ein unbekümmert anderer Stil, der die Literatur bereichert und damit ganz besonders auch denjenigen, der sich darauf einzulassen vermag als Leser. Er wird fürstlich belohnt!
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. August 2007
Als ich das Buch das 1. Mal durchblätterte und darin vollkommen leere, teilweise nur mit einem Satz oder Wort bedruckte Seiten, sowie Bilder und Fotos entdeckte, dachte ich schon, was habe ich denn da gekauft.
Sobald man aber die Geschichte um den kleinen Oskar begonnen hat, kann man das Buch nur noch schwer aus den Händen legen.
Ich war hin und her gerissen:
Lachen, Weinen, Kopfschütteln über die Naivität und nervigen Fragereien des Jungen, andererseits die Altklugheit des Kleinen, dazu die Story seiner Großeltern und deren doch sehr seltsamen Beziehung.
All das und die tolle Schreibweise des Autors (da sollte wohl auch der Übersetzer gelobt werden) machen das Buch zu einem kurzweiligen Erlebnis und man ärgert sich am Ende, dass es nicht noch ein paar hundert Seiten mehr hat.
Fazit: Absolut lesenswertes Werk
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Februar 2008
Oskar Schell wandert mit dem Tamburin durch New York. Er ist altklug. Damit hat es sich aber schon mit den Parallelen zur „Blechtrommel“. Warum das vom Verfasser so angelegt wurde, entzieht sich meinem Verständnis. Will er vom Bekanntheitsgrad eines Nobelpreisträgers profitieren oder zeigen, wie belesen er ist (man müsste wissen, wie bekannt die Blechtrommel in den USA ist…)?
Das Thema ist berührend: ein 9 Jähriger ist unterwegs durch New York. Er sucht das passende Schloss für einen Schlüssel, den er im Nachlass seines Vaters fand. Sein Vater ist eines der Opfer vom 11.9. und der Sohn verarbeitet diesen Verlust und seine Schuldgefühle (weil er den letzten Anruf seines Vaters nicht angenommen hat) auf dieser Suche. Er lernt die verschiedensten Menschen kennen, das sind schöne Momente des Buches. Darin verwoben ist die Geschichte seiner Großeltern, die beide Überlebende des Bombenangriffs auf Dresden sind. Auch hier ist die Schuldfrage mit der Lebensgeschichte verwoben: beide sind damit nie fertig geworden und nur am Ende deutet sich etwas Versöhnliches an.
Dass der Verfasser auch noch ein Kapitel dem Grauen des Bombenabwurfs auf Hiroshima widmet, ist einfach zu viel des Schreckens. Und unnötig für das Buch und die Handlung. Und es bleibt die Frage, ob Dresden, Hiroshima und der 11.9. wirklich auf eine Stufe zu stellen sind.
Das Buch selbst ist sehr experimentell gestaltet, mit Fotos, abwechselnder Typografie, leeren Seiten und dann welchen, die so eng und übereinander bedruckt sind, dass man sie nicht lesen kann: Auch hier wird zuviel des Guten getan: denn Schilderung bzw. Begründung liefert auch der Text selbst. Ich fühle mich da entmündigt oder zumindest habe ich das Gefühl, dass mir meine Fantasie abgesprochen wird, wenn man mir das Erzählte dann noch mal typographisch darstellt (nicht illustriert, das wäre was anderes).
Auch der Stil wechselt zwischen Erzähltem, Briefen und sehr experimentellen Teilen – manches passt durchaus zu dem unsagbaren – manches kann man nur stammelnd berichten. Aber es bleibt das ungute Gefühl, dass Froer ziemlich viel Form verwendet, damit das Buch nur ja spektakulär und außergewöhnlich ist.
Vielleicht tue ich ihm unrecht. Denn die Geschichte selbst ist wirklich packend. Und auch diese Art, wie er Oskar und auch die Großeltern über den erlebten Schrecken denken, reden und handeln lässt – mir hätte das vollauf gereicht, denn der Grundeinfall ist gut. Und der Blick auf den 11.9. ist eingängig und sehr berührend gestaltet.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. November 2013
So lange dauert es bis das Licht uns erreicht.
8 Minuten wäre die Welt noch hell und warm. Die Welt wäre noch heil.

"Extrem laut und unglaublich nah" ist ein Buch, das sich nicht beschreiben lässt, man kann es nicht einfangen erklären, analysieren, man mag es oder man mag es nicht. Es geht einem nahe oder nicht.
Man liest es nicht nur, man fühlt es.
Leere Seiten, Bilder, Zahlencodes, kleine Schrift, große Schrift, unleserliches, Daumenkino.
Unnötig, würden einige meinen. Aber es gehört zu diesem Buch dazu. Man lässt sich darauf ein.

So wie man sich auf Oscar zunächst einlassen muss.
Scheint er teilweise wie alle Beteiligten nicht ganz real und sonderbar, so müssen sie das auch gar nicht sein.

Das Buch enthält Sätze, die ich immer wieder lesen muss, unterstrichen habe, liebe.

Oscar ist für seine jungen neun Jahre ziemlich viel : Pazifist, Erfinder, Goldschmied, Veganer, Frankophiler, Amateur- Entomologe, Origamist, Sammler und Computer- Spezialist.
Unglaublich sensibel und verletzlich, und extrem traurig.

Sein Vater starb bei den Anschlägen am 11. September 2001, danach durchlebt Oscar sein Trauma.
Der Hauptgrund für Oscars Trauer ist aber nicht der Tod selbst, sondern die Art und Weise wie sein Vater starb.
Oscar fühlt sich schuldig. Er konnte nicht für seinen Vater da sein, konnte ihn nicht beschützen und nicht beistehen, alleine musste er sterben.
Wir spüren mit jeder Faser wie sehr ihn das zerreißt.

Als er eines Tages einen Schlüssel findet, ist Oscar sicher, dass sein Vater ihm etwas wichtiges hinterlassen hat, und das es von absolut großer Bedeutung ist, dieses Schloss zu finden.
Eine Reise beginnt, in der Oscar die 8 Minuten mit seinem Vater verlängern möchte, denn so fühlt er sich ihm näher, doch je länger er sucht, desto mehr spürt er, dass er sich von ihm trennt.

Der zweite Handlungsstrang handelt von Oscars Großeltern, deren Geschichte mich fast noch mehr berührt hat als die von Oscar.
Sie hat mich auch trauriger gemacht. Einige Passagen werde mir wohl für immer in Erinnerung bleiben.
Nie werde ich die Szene von Oscars Oma vergessen, in der sie ihre Lebensgeschichte schreibt.
Hundert Seiten leere Blätter.

Einzig und allein, was mich enttäuscht hat, war die Tatsache, dass der Zahlencode keinen Sinn ergab.
Schade. Von Foer hatte ich tatsächlich erwartet, dass er was bedeuten würde.

Foer wurde leider sehr oft kritisiert, dafür, dass es um so politische Themen geht, und diese nicht weiter behandelt werden, fast schon als Märchen erzählt wird.
Meiner Meinung nach muss das auch nicht sein.
Es geht hier nicht um Politik. Es geht um einen neunjährigen, der seinen Vater verloren hat.
Was soll es einen neunjährigen interessieren, was politisch gelaufen ist?

Man muss sich wie gesagt frei auf diesen Roman einlassen, sich fallen lassen und nichts erwarten- bei mir kam er innerlich sofort an.
Manchmal scheint es fast schon zu viel zu sein, zu viel, um alles sofort verdauen zu können.
Jeder Satz eine kleine Poesie für sich. Und doch ganz einfach.
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