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Kundenrezensionen

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am 14. Oktober 2010
"Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben." (S. 440)
Dieser Satz Walter Ulbrichts, den er kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Zuge des Wiederaufbaus der bürokratischen Strukturen in Berlin mit der "Gruppe Ulbricht" aussprach, ist wohl der meistzitierteste Satz des Weltbestsellers von Wolfgang Leonhard.
Dieses Buchs schaffte es wie kein zweites, das stalinistische System derart offen und kritisch zu beschreiben, denn kaum jemand aus dem engeren Kreis des kommunistischen Regimes hatte einen derartigen Absprung gewagt und dann auch noch eine solche Veröffentlichung hervorgebracht. Leonhards Beschreibungen bewegen sich zum Teil in der Sowjetunion, im Nachkriegsdeutschland und der frühen DDR.
"Die Revolution entlässt ihre Kinder" liest sich, und das ist der Vorteil gegenüber der restlichen Memoiren-Literatur, außerordentlich gut. Leonhard versteht es, seinen Leser an Gedankengängen, Gefühlen und Geschichte teilnehmen zu lassen, ohne dabei auch nur einmal Langeweile aufkommen zu lassen. Wer dieses Buch einmal zur Hand genommen hat, wird es nicht wieder weglegen, bevor er es durchgelesen hat. Danach muss man einfach Interesse für die Zeitgeschichte der DDR und Osteuropa haben!

Zur weiteren Lektüre empfehle ich: Hermann Weber: "Damals als ich Wunderlich hieß" Berlin 2002.
Weber wird in Leonhards Buch als ein Schüler der Parteihochschule "Karl Marx", an der Leonhard als Dozent arbeitete, vorgestellt. Weber hatte dort im Vertrauen schon seine "politischen Bauchschmerzen" geäußert (Leonhard S. 645). Einige Jahre später galt Weber als Professor in Mannheim als bester Kenner der DDR-Geschichte in der alten Bundesrepublik.
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am 5. Juni 2010
Die Schilderung der politischen Entwicklungen rund um den 2. Weltkrieg aus der Sicht eines deutsch-sowjetischen "Fahnenflüchtlings" ist für den heutigen Leser (2010) wahrscheinlich weniger spektakulär als für den Leser zur Zeit des Erscheinens des Buches (1955) - immer noch spektakular genug! - , zumal die Leser damals in das Geschehene noch viel eher direkt und persönlich involviert waren. Heute verarbeitet man die Entwicklung des Bolschewismus im Nachkriegs-Deutschland wohl mit einigem historischen Abstand, und kann sich zumal noch auf die gründliche geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung so vieler Vorgänge und Fakten stützen, sodass man zu einer "objektiven" Bewertung mit Rundumschlag neigt. Was das Buch daher so lesbar macht, sind weniger die Tatsachen, mehr die spannende Verquickung der Zeitläufte mit dem persönlichen Schicksal des Autors, zumal er sich (offenbar) zeitweise im Zentrum der politischen Entwicklung befand und diese so nachvollziehbar macht. Abseits einer Gut/Böse-Bewertung - der perfiden Entwicklung des Sowjetfaschismus als Antipode zum deutschen Nationalsozialismus - ist immer noch sehr les- und nachvollziehbar, wie die Mühlen damals gemahlen haben, sprich: wie das allgemeine Geschehen auf den Einzelnen abgefärbt, und ihn eingebunden hat. Man sollte Herrn Leonhard nicht böse sein, wenn er in seiner zweiten Heimat (der Sowjetunion) als Funktionärszögling jede Wendung, jede Säuberung frag- und klaglos mitgemacht (und damit unterstützt) hat, während das (zu Recht) bekämpfte deutsche Nazitum in der langen Emigration kaum mehr als ein Zerrbild gewesen sein kann. Zuerst hat mich beim Lesen im Grunde empört, dass zu alledem nichts, kein Wort der Rechtfertigung kam. Die von der "anderen" Seite (Altnazis) können sich das nicht leisten, es würde schnell als "ewiggestrige" Haltung begriffen. Erst im Nachwort verweist der Autor darauf, dass er die Vorgänge so schildern wollte, wie er sie damals empfunden habe - ohne nachträgliche Verklärung oder Erklärung. Tatsächlich ist das dann für das historische Verständnis eine wahre Fundgrube, denn so kann man auf 700 Seiten die damalige "Denke" des Stalinismus schrittweise mitvollziehen, ohne durch nachträgliche Relativierungen beeinträchtigt zu werden. Die Fragen, die sich beim Lesen stellen, beantwortet der Autor nicht - aber er suggeriert sie, was viel aufwiegt. Da nun die persönliche Entwicklung von Herrn Leonhard den Hauptteil ausmacht - wie kann man dazu stehen? Darf man einfach so enttäuscht weglaufen, wenn der eigene Idealismus (vorhersehbar) nicht eingelöst wird, und andere - wie Walter Ulbricht - das Ruder gleichermassen entschlossen und machtbewusst wie rückgratlos übernehmen? Da kann man wohl tatsächlich Naivität vorwerfen - aber das wird der Autor schon selbst wissen. Auch ist das Buch ja aus einer subjektiven Haltung geschrieben, man sollte die Schilderungen kritisch überdenken (der Autor nimmt sich naturgemäß das Recht, sich selbst in einem positiven Licht darzustellen).Immerhin hat er die Zeichen der Zeit sehr früh erkannt, und man muss zugute halten, dass es viel schwieriger ist, sich von einer totalitären Ideologie zu lösen, als ihr beizutreten oder einfach so in sie hineinzuwachsen, wie es ihm geschehen ist. Ich finde, das ist eine wertvolle Anregung zum eigenen Denken auch in heutiger Zeit.
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TOP 1000 REZENSENTam 3. August 2006
Im Herbst 1955 erschienen, wurde dieses von 1935 bis 1949 handelnde Buch des 1921 in Wien geborenen Leonhard rasch ein politischer Bestseller und eines der wichtigsten Bücher überhaupt zum "real existierenden Sozialismus" von Sowjetunion und sich bildender DDR.

Mit 13 Jahren verläßt er mit seiner in der Illegalität arbeitenden kommunistischen Mutter 1935 Nazideutschland und emigriert über Schweden in die Sowjetunion Stalins. Während seine Mutter von dem "Volkskommissariat für innere Angelegenheiten" oder NKWD (das war eine sowjetische Behörde, die als Träger der Geheimpolizei gefürchtet war und unter diesem Namen von 1934 bis 1946 bestand, dann ins MWD (Ministerium für innere Angelegenheiten) überführt und 1954 zum KGB umgewandelt wurde) verhaftet wird und 12 Jahre in Arbeitslagern verbringt, muß Leonhard sich in Moskau allein durchschlagen in einem Heim für deutsche und österreichische Emigrantenkinder, studiert Fremdsprachen auf der Hochschule und wird Komsomolze. Nach dem Kriegsbeginn mit Hitlerdeutschland wird er zwangsumgesiedelt nach Karaganda. Weitere Stationen seines Aufstiegs in der Funktionärslaufbahn sind die Komintern-Schule und, nach deren Auflösung, die Mitarbeit im "Nationalkomitee freies Deutschland". Als Mitglied der "Gruppe Ullbricht" gelangt er in die sowjetisch bestimmte Besatzungszone Ostdeutschlands, genauer nach Ostberlin, um am Aufbau der künftigen DDR mitzuhelfen. Nach einem Besuch Jugoslawiens und Innewerden von dessen Versuch eines freieren und von Moskau abgesetzten eigenen Weges zum Sozialismus werden die inneren Widersprüche - seine "politischen Bauchschmerzen" - stärker, und er flieht im Gefolge von Titos Bruch mit Stalin im März 1949 nach Jugoslawien.

Das Werk ist autobiografisch und authentisch, es leistet einen ungemein wichtigen Beitrag zum Verständnis der geschichtlichen Entwicklung in der stalinistischen Sowjetunion der 30er und 40er Jahre des 20. Jhdts., zudem werden ungeschminkt die deutlichen Unterschiede des gemeinen Volkes, welches besonders während des 2. Weltkrieges hungert und friert, und dem immer reich gedeckten Tisch der chauffierten Funktionärsanwärter geschildert, die so gar nicht zur Theorie des Marxismus-Leninismus passen wollen und früh schon Zweifel am System bei Leonhard aufkommen lassen, wenn er auch lange noch alles "mitmacht". Das Buch zeichnet sich aus durch seine Objektivität, das System wird nicht nur schlecht gemacht, sondern seine Ansprüche durch den bekennenden Sozialisten Leonhard auch gewürdigt. Wie Leonhard im Vorwort zur 2005er Ausgabe berichtet, wurde das im Osten selbstverständlich verbotene Buch dort auch verbreitet mit falschen tarnenden Buchdeckeln und trug so nicht unerheblich zum Nachdenken bei SED-kritisch eingestellten Menschen der DDR bei. (3.08.06)
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am 5. Februar 2009
Wolfgang Leonhard, der als deutscher Emigrant zehn Jahre in der Sowjetunion lebte und Ende April 1945 mit der "Gruppe Ulbricht" als einer der ersten Deutschen überhaupt wieder in die Heimat zurückkehrte, berichtet über seine Erfahrungen während dieser Zeit und darüber hinaus über seine Zeit als Parteifunktionär bis hin zum Bruch mit dem Stalinismus Anfang der 50er Jahre.

In einfachem Sprachstil schildert er die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Geschehnisse dieser Zeit aus einer subjektiven Erinnerung heraus und spart auch nicht an der Darstellung der damals empfundenen Emotionalität, weshalb sich das Buch stellenweise wie ein Roman lesen lässt.
Trotzdem fehlt es der Darstellung nie an entsprechender Sachlichkeit und gerade diese Mixtur aus der Schilderung historisch bekannter Ereignisse und der ganz persönlichen, emotional geprägten Auffassung der damaligen Geschehnisse lässt dieses Buch so überaus lebendig und, was noch viel wichtiger ist, glaubhaft werden.

Wolfgang Leonhard klettert nicht einfach nur die Geschichtsleiter rauf und runter oder handelt irgendwelche historischen allgemein bekannten Begebenheiten im Schnelldurchlauf ab, sondern stellt gleichzeitig die Absurdität dieser Ereignisse in den Vordergrund, die er wiederum mit seiner eigenen abgestumpften Emotionalität belegt.

Er kam als Kind nach Moskau, wurde mit sozialistischen Werten erzogen, politisch und philosophisch auf die Unfehlbarkeit Stalins getrimmt und in dem Glauben an eine Ideologie dermaßen gestärkt, dass er kaum einen Zweifel zuließ.
Trotzdem musste er sich immer wieder Gedanken machen über die Zeit der großen Säuberung (1936 - 1938), der auch seine Mutter zum Opfer fiel und während der ein Großteil derer, die unter Lenin führende politische Persönlichkeiten waren und als Vorbilder dienten als Verräter eliminiert wurden, über den unmotivierten Angriff der Russen auf Finnland, über den Hitler-Stalin-Pakt, der plötzlich in der sowjetischen Propaganda dergestalt eine Wende brachte, als dass man den Begriff
"Antifaschismus" nicht mehr in den Mund nehmen durfte und Deutschland zum großen Freund wurde. Er machte sich Gedanken darüber, dass viele Lehrer und Genossen, die ihr ganzes Leben der Partei widmeten wegen einer nebensächlichen, unpolitischen Aussage von einem Tag auf den anderen spurlos verschwanden, darüber, dass er selbst aufgrund einer völlig bedeutungslosen Sache, die sich während seiner Zeit auf der Schule der Kommunistischen Internationale zugetragen hatte wie ein Schwerverbrecher angeklagt wurde und dabei feststellen musste, dass jede noch so kleine, von ihm getroffene Äußerung während seiner Lehrzeit an dieser Einrichtung notiert und jetzt gegen ihn verwendet wurde.
Er machte sich Gedanken über die Kluft zwischen der unglaublichen Armut der einfachen Bevölkerung der SU und den Privilegien der Parteifunktionäre, über die Art der Informationsdosierung für das einfache Volk, über die kalte, gnadenlose Funktionalität der stalinistischen Parteifunktionäre und darüber, was er von der deutschen Bevölkerung über die Greueltaten der Sowjetarmee hören musste.

Auch wenn er es kaum zulassen will, muss er doch feststellen, dass sein Bild von der Sowjetunion, welches ihm als Kind eingeimpft wurde, langsam zu bröckeln beginnt, bis es schließlich völlig zerbricht.
Bereits mit Zweifeln nach Deutschland kommend schöpfte er hier jedoch wieder Hoffnung auf die Errichtung eines sich selbstständig und völlig unabhängig von der UdSSR entwickelten sozialistischen deutschen Staates unter Führung der deutschen Arbeiterklasse. Diese Hoffnung, anfangs durch die von Anton Ackermann gestellten Thesen einer notwendigen selbstständigen, deutschen Entwicklung in der SBZ geschürt, wurde mit der nicht ganz zwanglosen Vereinigung der KPD und SPD zur SED und der anschließenden Annäherung an die Sowjetunion zunichte gemacht.
Weiterhin missfiel Wolfgang Leonhard die kühle Arroganz und abschätzige Behandlung, die den deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten von seiten der in die SU emigrierten deutschen Kommunisten entgegengebracht wurde.
Zum absoluten Bruch mit dem Stalinismus wurde er letztendlich nach den haltlosen und auf einer Lüge basierenden Vorwürfe gegen die jugoslawische KP getrieben, für die er selbst viel Sympathie empfand.
Den Mut Jugoslawiens, sich offiziell gegen Stalin und dessen Forderungen zu wenden, imponierte Leonhard sehr und veranlasste ihn schließlich dazu, seine Flucht nach Belgrad zu planen.
Später, nachdem er in die BRD flüchtete, schrieb er dieses Buch, das 1955 erstmals veröffentlicht wurde und sofort zu einem weltweiten Erfolg wurde.

Wolfgang Leonhard wirkt in diesem Buch weder verbittert noch durch Rachsucht dazu verleitbar, irgendjemanden verleumden zu wollen. Er wirkt vielmehr traurig und enttäuscht, dass er in einem Glauben aufgewachsen und verankert war, der sich letztendlich als eine fatale Lüge und Fehleinschätzung entpuppte.

Fazit:
Ich kann dieses Buch nicht nur denen weiter empfehlen, die sich für diesen Themenbereich interessieren, sondern auch und v.a. denjenigen, die sich für Politik im Allgemeinen interessieren. Da Wolfgang Leonhard in seiner politischen Laufbahn, als langjähriges Mitglied des Komsomol, während seiner Ausbildung auf der Kominternschule, seiner Zeit als Mitarbeiter des Nationalkomitees "Freies Deutschland", seiner Zugehörigkeit zur "Gruppe Ulbricht" und seiner anschließenden Arbeit als Funktionär im Zentralsekretariat der SED tiefe Einblicke in den politischen Apparat der SU hatte und seine Beobachtungen dem Leser nicht vorenthält, erfährt man einiges über die Funktionsweise dieses perfiden Systems und Politik an sich.
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am 17. Juni 2013
Der autobiographisch angelegte Bericht beschreibt die Jahre 1935 bis 1949, in denen ein junger deutscher Emigrant zunächst in der Sowjetunion sozialisiert wird und ab 1945 daran glaubt, die Idee eines demokratischen Sozialismus in Deutschland verwirklichen zu helfen. Was er aber stattdessen erlebt, ist die Durchsetzung des importierten Stalinismus in der Sowjetzone durch deutsche Kommunisten unter Ulbricht.

Warum stand das Buch bis 1990 in der DDR auf dem Index?
Zum einen, weil es eine ungeschönte Sicht auf das Leben in der Sowjetunion bietet: die stalinistischen "Säuberungen", die Disziplinierung der Menschen durch ein System der Angst, Denunziation und Korruption, die Deportationen der Deutschen und die Tristesse des Alltags. Zum anderen, weil es eine Innenansicht der Diktatur liefert: die Sicherung der Macht mit Hilfe eines hierarchisch aufgebauten Funktionärsapparats, die Korrumpierung der Funktionäre durch ein ausgeklügeltes Belohnungssystem, das einen abgestuften Grad an Informiertheit ebenso einschloss wie entsprechende materielle Privilegien (Unterkunft, Kleidung, Verpflegung, 'Pajoks' u.a.) Das Buch enthüllt die Denkweise der politischen Führer, ihre Lebensfremdheit und heimliche Verachtung der einfachen Menschen.

Die Beschreibung der Verhältnisse in der Sowjetunion bildet, nicht selten bis ins Detail, die Folie für eine Russifizierung des Lebens in der späteren DDR (z.B. - in den Schulen: Militärkunde, Wandzeitung, Jugendorganisationen; - in den Hochschulen: ein tendenziell verschultes Studium, obligatorische Vorlesungen in Marxismus/Leninismus, Seminargruppen, Studienbücher etc.; - in der Wirtschaft: Hennecke-Bewegung, Subbotniks u.a.)

Leonhard zeigt am eigenen Beispiel, wie er sich ganz allmählich und qualvoll aus dem Kokon des Stalinismus befreit hat. Lange war es nicht nur für ihn selbstverständlich, die Wahrnehmung der Realität ideologisch zu filtern und dadurch - aller Empirie zum Trotz - sämtliche Missstände, Ungerechtigkeiten und letztendlich auch Verbrechen zu rechtfertigen. Er bricht mit dem Stalinismus, als sich ein von Moskau unabhängiger Sozialismus in der SBZ unter Ulbricht als Illusion erweist. Aber Leonhard bleibt Anhänger eines demokratischen Sozialismus und hofft noch 1990, dass sich die Demokratisierung in der DDR "in eigenständiger Form und auf selbständige Art" vollziehen wird. Damit steht auch er vor dem gleichen Dilemma wie die Parteiführung in 40 Jahren DDR, nämlich für eine Idee, die die Mehrheit offensichtlich nie wollte und nicht will. Bereits 1946 antwortete er auf die hypothetische Frage, wie freie Wahlen in der Sowjetzone ausgehen würden: "Etwa 15-20% würden für den Osten und 80-85% für den Westen stimmen." Daran hat sich bis heute nichts geändert.
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TOP 50 REZENSENTam 6. Oktober 2014
Vorab
Die Nachricht vom Tod des Historikers und Rußlandexperten Wolfgang Leonhard Mitte August dieses Jahres hat mich sehr traurig gestimmt. In seinen Büchern, auf Lesungen u.a. Veranstaltungen konnte man ihn als profunden Kenner Rußlands kennenlernen, der Geschichte und Erlebtes sehr anschaulich und nachvollziehbar vermitteln konnte.

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Sein Hauptwerk, das vorliegende Buch „Die Revolution entläßt ihre Kinder“ ist seit vielen Jahrzehnten ein Standardwerk zur Kritik am Kommunismus und zu den Hintergründen der Entstehung der DDR, welches in der DDR selber auf dem Index stand. Das bereits 1955 erschienene Buch stellt als autobiographische Erzählung ein einzigartiges Werk über die Entstehungsgeschichte der DDR dar. In einer authentischen und aufwühlenden Art erzählt Wolfgang Leonhardt seine persönliche Geschichte und seine Wandlung vom Anhänger des Kommunismus zu einem der größten Kritiker der Sowjetunion.

Fazit
Dieses Buch ist auch 59 Jahre nach seinem ersten Erscheinen ein unbedingt empfehlenswertes Buch zu Hintergründen der Entstehung der DDR und Auswüchsen kommunistischer Machtwillkür und Machtmißbrauchs.
Ein Klassiker und Standardwerk der deutschen Geschichtstliteratur.
Danke Wolfgang Leonhard.

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Empfehlungen zum Weiterlesen:
> Wikipediaeintrag zu Wolfgang Leonardt: wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Leonhard
> Das Buch seiner Mutter Susanne Leonhard: „Gestohlenes Leben. Als Sozialistin in Stalins Gulag“.
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am 19. Oktober 2011
Am Anfang beschreibt Wolfgang Leonhard sein Leben und man liest zwischen den Zeilen mit, was da gerade wirklich passiert. Viel Platz wird dem Verstehen gewidmet - für westliche Menschen ist es sehr aufschlussreich in den Kommunismus eingeführt zu werden, ohne von Anfang an nur die negativen Seiten zu sehen. Was ist Kommunismus, was ist Stalinismus, was will Ulbricht... Im Weiteren lernt man mit dem Autor zu Unterscheiden und zu differenzieren. Gleichzeitig sieht man, wie Staaten ihre Leute ausbilden (nicht nur im ehemaligen Ostblock) und sich auf politische Umwälzungen vorbereiten. Das Buch bleibt immer glaubwürdig und authentisch. Die Flucht aus dem Ostblock ist ein Bruch mit den Machthabern, nicht mit der politischen Idee. Das Buch ist Lebensgeschichte, Insiderroman, Geschichtsbuch, ... mehr als nur lesenswert.
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am 26. September 2014
Ein sehr interessantes und auch spannendes Buch, das dem Leser Einblicke in ein System gewährt, was wir so nicht kennen
und auch schwer verstehen können. Wolfgang Leonhard berichtet in einem für jeden verständlichen Stil über Russland, den Kommunismus und später über die SED in Deutschland. Man muss sich schon für die jüngere Geschichte in einem Teil unseres
Landes interessieren, um Spaß an diesem Buch zu haben.
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am 18. Juni 2014
Ich habe das Buch vor ca. 20 Jahren von meiner Großmutter empfohlen bekommen. Und auch heute noch zählt es zu meinen Lieblingsbüchern. Geschichte zum Anfassen. Denn Wolfgang Leonhard hat einfach viel erlebt und erzählt seine Lebensgeschichte gut eingebettet in den historischen Kontext. Wirklich sehr empfehlenswert!
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am 28. Dezember 2008
Die beiden Bücher "Die Revolution entläßt ihre Kinder" und "Spurensuche, 40 Jahre nach 'Die Revolution entläßt ihre Kinder'" von Prof. Wolfgang Leonhard gehören zusammen.

Zu diesen beiden Büchern habe ich bereits in der Rezension zu "Spurensuche ..." alles gesagt, was mir wichtig erschien.
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