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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ergreifende Aufarbeitung deutscher Geschichte
Uwe Timm ist von seinem ersten Buch an immer schon ein ganz anderer" deutscher Autor gewesen, zeichnen sich seine Bücher durch einen hohen Grad an Authentizität bzw. Realitätsbezug aus. Die Gattung Roman oder Erzählung - auch wenn diese oftmals den Buchdeckel verziert - ist deshalb letztlich nicht immer wirklich passend.

Beschrieb Timm in...
Veröffentlicht am 22. August 2007 von Karl-Heinz Heidtmann

versus
3.0 von 5 Sternen Unaufdringlich, leise
Der Autor (geboren 1940) beschäftigt sich mit seinem 16 Jahre älteren Bruder, den er kaum kannte, da dieser sich freiwillig zur Waffen-SS meldete und 1943 in der Ukraine ums Leben kam. Weiter existierte er in der Erinnerungen der Eltern und der Schwester. Zitiert wird aus seinen Briefen von der Front sowie aus einem staccatohaft geschriebenen Tagebuch, welches...
Vor 16 Monaten von Ronald Kornfeil veröffentlicht


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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine ergreifende Aufarbeitung deutscher Geschichte, 22. August 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Taschenbuch)
Uwe Timm ist von seinem ersten Buch an immer schon ein ganz anderer" deutscher Autor gewesen, zeichnen sich seine Bücher durch einen hohen Grad an Authentizität bzw. Realitätsbezug aus. Die Gattung Roman oder Erzählung - auch wenn diese oftmals den Buchdeckel verziert - ist deshalb letztlich nicht immer wirklich passend.

Beschrieb Timm in seinem ersten Roman die Zeit der 68er, oder erzählte er später die Geschichte des Hochrads oder der Currywurst, so war dies immer auch ein Stück non-fiktionale" Zeitgeschichte. Immer sauber recherchiert, immer interessant, immer erbaulich.

Besonders spannend wird es dann, wenn Timm seine eigene Geschichte erzählt, wie in Heißer Sommer", Rot" oder besonders hervorzuheben Der Freund und der Fremde".

Das vorliegende Buch, das ganz bezeichnenderweise ganz ohne Gattungsbegriff auskommt, ist Uwe Timms intimstes Buch. Das Aufarbeiten der Lebensgeschichte seines im Russlandsfeldzug umgekommenen deutlich älteren Bruders Karl-Heinz hat Timm lange vor sich her geschoben. Es hat ihn spürbar viel Überwindung und Kraft gekostet.

Dabei ist dieses Buch nur zum Teil seinem Bruder gewidmet. Mindestens ebenso einfühlsam nähert sich Timm seinen anderen verstorbenen Familienmitgliedern an: Dem Vater, der Mutter, der Schwester. Nicht nur wer sich in der systemischen Theorie auskennt weiß, dass die eigene Lebensgeschichte untrennbar von den anderen Familienmitgliedern ist. Wer etwas über sich erfahren will, kann dieses also nur im Spiegel und in der Begegnung mit den anderen.

Martin Walser hat in einem gemeinsam mit Günter Grass kürzlich erschienenem Interview gesagt, er, ein Schriftsteller, schreibe immer über das, was ihm fehlt. Uwe Timm hat ein ergreifendes aber keineswegs sentimentales Buch über seine verstorbene Familie geschrieben, über Menschen, die ihm fehlen und formuliert am Ende seines Buches passend einen bemerkenswerten Gedanken: Schreiben ist Notwehr.

Fazit: Ein höchst empfehlenswertes Buch für alle, die etwas erfahren wollen über das Subjekt in den Unzeiten des deutschen Faschismus, den Menschen, wie er gelebt, gelacht, geweint oder einfach nur versucht hat zu überleben. Vor dem Hintergrund später Autorenbekenntnisse wie denen eines Günter Grass wirkt dieses kleine und doch ganz große Buch wie eine Entdeckungsreise in das Innere der eigenen Familie mit befreiender Wirkung. Uwe Timm hat sich nachträglich im besten Sinne mit Vater, Mutter, Bruder und Schwester ver-söhnt".
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29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prägungen!, 9. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Taschenbuch)
Uwe Timm hat gerade sein Erinnerungsbuch an Benno Ohnesorg veröffentlicht, dass mich sehr beeindruckt und begeistert hat. Nun habe ich sein Erinnerungsbuch an den Bruder gelesen,
mit dem Uwe Timm bereits vor längerer Zeit eine große Leserschaft erreicht hat. Wer noch keines seiner Bücher gelesen hat, sollte vielleicht mit "Am Beispiel meines Bruders" beginnen, denn auch hier erzählt Uwe Timm sehr persönlich aber immer diskret von seiner Familie und seinen Prägungen!
Wer war der "große" Bruder, der 1943 in Russland fiel, nachdem er im Lazarett unmenschliche Qualen erlitten hatte? Wie hat diese Abwesenheit ihn und seine Familie geprägt? Das sind die zentralen Fragen um die sich dieses schmale, gleichsam gewichtige Buch dreht.
Uwe Timm erzählt von seinen Eltern, dem Pioniergeist der Nachkriegszeit von dem auch die Timms beseelt sind, die sich eine vielversprechende, aber doch zum Scheitern verurteilte Existenz als Kürschner aufbauen. Uwe versucht, in die Fußstapfen des toten Bruders zu treten, lernt - ungern - ebenfalls das Kürschnerhandwerk.
In vielen - manchmal durch Kleinigkeiten ausgelösten - Erinnerungsfragmenten lässt Uwe Timm den Leser an seiner eigenen Geschichte teilhaben, die einzigartig und dennoch repräsentativ ist für diese Generation.
Ein schönes, niemals anklagendes Buch, dass allen Beteiligten versucht gerecht zu werden ohne jemals in eine unkritische Verteidigungshaltung zu rutschen! Ein grandios erzähltes und versöhnliches Buch!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Am Beispiel meines Bruders, 14. Oktober 2003
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Gebundene Ausgabe)
In seinem neuen Buch befasst sich Uwe Timm ( Jahrgang 1940 ) mit seiner Herkunftsfamilie. Eindringlich hinterfragt er das Denken und Handeln seines um viele Jahre älteren Bruders, der Mitglied der SS-Totenkopfdivision war und reflektiert am Beispiel seines Vaters " die kranke Generation , die ihr Trauma " ( nicht länger als Herrenmenschen gesehen zu werden) " im Wiederaufbau verdrängten."
Ausschlaggebend für das Buch waren, laut Timm , die Tagebuchaufzeichnungen und Feldbriefe seines Bruders, die dieser aus der Ukraine schrieb und in denen er " geschliffen " und enthumanisiert durch seine " SS-Elite"-Ausbildung, monoton den Kriegsalltag schildert, ohne sich dabei in Details zu verstricken. Sein konkretes Tun bleibt nebulös!
Uwe Timm, der sich intensiv mit den Machenschaften der Soldaten in Russland und der Ukraine befasst hat, weiß um den Massenmord in Babij Jar, einer Schlucht in der Nähe von Kiew. Dort wurden 33 771 Juden seitens eines Sonderkommandos eines deutschen Polizei-Regimentes exekutiert. Zu welchen Handlungen war sein Bruder fähig?
Timms Bruder starb, aufgrund seiner schweren Kriegsverletzungen , im Jahre 1943 und wurde irgendwo in der Nähe von Minsk beerdigt. Sein Tagebuch endet mit dem Hinweis, dass er es " für unsinnig halte, über so grausame Dinge, wie sie manchmal geschehen, Buch zu führen."
Die Elterngenerationen verdrängte nach dem Ende der Nazi-Zeit die Gräueltaten, welche seitens der Deutschen, während des 2.Weltkrieges, begangen worden waren und schwieg. Der Autor analysiert Verstocktheit und Trotz, aufgrund politischer und mentalitätsmäßiger Entmachtung. Doch nach 1945 war die Herrenmensch-Attitüde noch lange nicht untergegangen und der " Mythos Blut" genügte, um zum Herrenvolk zu gehören. Der Herrschaftsanspruch, so Timm, wurde nun zu Hause, im Privaten ausgelebt. Die Vätergeneration existierte vom Erzählen und Verschweigen. Man suchte nach Ausflüchten und Erklärungen, weshalb der Krieg verloren war. Die Frage nach Schuld wurde nicht gestellt und die Gründe für Grausamkeit und Tod wurden auch nicht ermittelt. Timms Vater, der nach dem Kriege eine kurzfristige materielle Blüte, bedingt durch ein prosperierendes Kürschner-Geschäft, erlebt, stürzt , als die wirtschaftliche Situation sich verschlechtert, in den sozialen Abgrund. Er stirbt daraufhin, - noch nicht alt- und hinterlässt seiner Frau und seinen Kindern eine Fülle von Problemen.
Uwe Timm hat sich das Bedrückende seiner Jugend von der Seele geschrieben. Gleichwohl spürt man, dass er, wie viele seiner Generation, im Grunde keine wirklichen Antworten auf die Verrohung und die mangelnde Vernunftsorientierung der Nazi- Generation findet.
Ein unbedingt empfehlenswertes Buch!
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Typische deutsche Familie Mitte des 20. Jahrhunderts ?, 15. Dezember 2003
Von 
Dr. Matthias Korner "brundisium" (Ratingen, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Gebundene Ausgabe)
Der 19-jährige Karl Heinz Timm aus Hamburg stirbt nach schwerer Kriegsverletzung, die zur Amputation beider Beine führt, 1943 in einem ukrainischen Lazarett. Er hatte sich freiwillig zur Waffen - SS gemeldet und wurde mit einer Eliteeinheit an die Ostfront versetzt. 60 Jahre später spürt sein "kleiner" Bruder diesem viel zu früh erloschenen Leben nach. Eine Feldtagebuch über die Zeit von Februar bis Oktober 1943 wirft viele Fragen auf. Warum ging der Bruder freiwillig zur SS ? Wie hielt er es mit der Verpflichtung zum Töten ? Inwieweit machte er sich schuldig ?
Da weder die knappen, sich auf harte Kriegsfakten beschränkenden Tagebucheintragungen noch die Archive über seine Einheit viel hergeben, bleiben die Antworten des Autoren auf diese Fragen lückenhaft. Erst mit Hilfe der Erinnerung an Erzählungen der Eltern und der Schwester gelingt es Uwe Timm, ein Bild des 16 Jahre älteren Bruders entstehen zu lassen. Das Nachdenken über den Bruder läßt den Autor nach Prägungen, Werten und Erziehungszielen in seiner engsten Umgebung fragen. Unleugbar haben familiäre Liebe, Nähe und Respekt unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Zivilisationsbruches auch die eigene Biographie beeinflußt.
Der gut gewählte Titel des 159 seitigen Buches paßt. Vordergründig geht es um den Bruder. Gleichzeitig ist es ein gelungenes, teilweise auch kritisches Portrait der eigenen Familie, des begabten, wenngleich später doch scheiternden Vaters und der zähen, vom Autor bewunderten Mutter. Es ist auch eine Beschreibung von Menschen in Hamburg und ihr Verhalten in der Nachkriegszeit. Uwe Timm greift in sehr persönlichem Umfeld eine Thematik auf, die er bereits exzellent in seinem früheren Werk "Die Entdeckung der Currywurst" behandelt hat. Ein kluges empfehlenswertes Buch, das viele Menschen bei aller Unterhaltung zu Recht nachdenklich machen wird.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hörbuch, 26. Oktober 2014
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders: Lesung (Audio CD)
Die Hörbuch-Version von "Am Beispiel meines Bruders" wird auf 4 CDs sehr gekonnt von Gert Heidenreich gelesen. Seine Stimme ist ruhig und überlegt und trifft daher den Stil von Uwe Timms ernsten Buch. Nun, da seine Eltern tot sind, trägt er die über die Jahre im Kopf gesammelten Erinnerungen der Familie über den Bruder zusammen. Karl-Heinz hatte sich im 2. Weltkrieg freiwillig zur Waffen-SS gemeldet und ist schließlich nach schwersten Verletzungen gefallen. Uwe Timm hat fast keine direkten Erinnerungen an den 16 Jahre älteren Bruder, orientiert sich an den Feldpostbriefen, dem Tagebuch des Bruders und eben an den Erzählungen von Vater, Mutter und Schwester. Der Tod war damals das einschneidende Erlebnis in der Familie, das die Dynamik von da an bestimmt hat. Weder Vater noch Mutter konnten den Sohn gehen lassen, letztlich konnten sie den Krieg nicht gehen lassen. Uwe Timm beschreibt, wie die Männer damals noch Jahre nach Kriegsende darüber diskutiert haben, wie man den Krieg doch noch hätte gewinnen können. Schuld wird nie zugegeben. Wir haben nichts gewusst (weil wir nichts wissen wollten); die Wehrmacht - das waren die Guten etc. Man hat es hier also nicht mit nostalgischen Erinnerungen zu tun, sondern mit Timms ehrlichem Versuch, die Beweggründe des Bruders im Kampf zu verstehen. Dabei geht er sehr kritisch vor und muss letztlich resignieren. Ein hervorragendes Buch, meiner Meinung nach. Keine Sekunde langweilig, sehr informativ, aber auch sehr persönlich.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen, 21. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Taschenbuch)
Habe das Buch vor einigen Jahren gelesen. Im Einzelnen ist es mir deshalb nicht mehr ganz gegenwärtig. Es hat mich aber nie wieder losgelassen. Gerade jetzt, wo soviel zu lesen, zu sehen, zu hören ist bezüglich der "Machtergreifung" der Nazis vor 80 Jahren (es war ja wohl mehr eine Überlassung der Macht an den Nazionalsozialismus durch die Deutschen Eliten), und dem Ende der Demokratie der Weimarer Republick, ist es mir wieder präsent. Das Buch behandelt Ereignisse und Nachwirkungen des 2.Weltkrieges und Verwicklungen des Einzelnen aus Überzeugung, Mitläufertum, als Freiwilliger oder auch Einberufener. Ganz speziell am Beispiel des Bruders des Erzählers. Es wird deutlich gesagt, und damit widerspricht das Buch der Legende vom Gezwungensein z.B. der Wehrmacht an Erschießungskommandos von Gefangenen, dass es eine Wahl gab. Man konnte nein sagen und wurde deshalb nicht selbst erschossen. Dieses Reinwaschen von Schuld, mit dem Argument "weil man doch mußte", erinnert sehr an die SED-Parteimitglieder die nach der Wende mit eben demselben Argument um Sympathie buhlten, "ihr wisst doch wie es war, wir mussten doch", oder schlimmer, die inoffiziellen Informanten der Staatssicherheit. Gewiss, es waren nicht alles Nazis, die in den Krieg zogen, genausowenig wie es alles schlechte Menschen waren, die der DDR-SED- Einheitspartei zugehörig waren. Das wäre zu einfach, würde die vielfältigsten Grau-Schattierung zwischen Schwarz und Weiss negieren. Aber "gemusst" hat man nicht. Das Buch greift die Frage nach der ganz persönlichen Entscheidungsfreiheit des Menschen auf. Dabei ist Jeder allein. Jeder hat die Wahl und Jeder trägt die Verantwortung. Dabei will ich die Möglichkeit von Erpressbarkeit, Unterdrückung, Gewalt, Terror nicht unbedacht lassen. Aber zu schnell und ohnen Not scheint sich der Mensch hinter derartigen Einwirkungen verstecken zu wollen, übergibt die Verantwortung gerne einem ÜberIch, einer höheren Gewalt, gibt den Schlüssel ab für das eigene Haus "Verantwortung", zunächst um gar nicht erst wählen zu müssen in seinem Tun, danach um freizukommen von aufgeladener Schuld. Bei der Lektüre des Buches muss sich der Leser auch mit der Frage plagen, wer trägt mehr Schuld, mehr Verantwortung, um beim Erschießungskommando zu bleiben, der Befehlsgeber oder der Schießende? Es entrüstet, wie hochrangige Befehlshaber und Verantwortungsträger des 1000 jährigen Reiches im Nachkriegsdeutschland in Wirtschaft und Politik wieder Machtpositionen innehaben konnten. Das Buch nimmt da nichts ab. Für mich ist es ein ganz großes Aufarbeitungsbuch der Generation Nachgeborener, da die Dabeigewesenen nicht aufarbeiten wollten. Eingebettet ist dies alles in eine zerrissene Familiengeschichte mit Bosheit, Engstirnigkeit und Borniertheit, mit Liebe, Zärtlichkeit, Stolz und Fürsorge.

Ich werde dieses Buch demnächst noch einmal lesen und lege es Ihnen sehr ans Herz. So karg und sachlich wie es in dieser Rezi erscheinen mag, ist es nicht. Es ist äußerst lebendig und lebhaft.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer war der Bruder?, 12. Januar 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Gebundene Ausgabe)
Uwe Timm hat einen eindringlichen und eindrucksvollen autobiographischen Roman über seinen toten Bruder geschrieben. Karl-Heinz Timm, geboren 1924, gestorben 1943 in einem Lazarett in der Ukraine, hat sich der SS-Totenkopf-Division angeschlossen. Warum hat er dies getan? Diese Frage stellt sich Uwe Timm immer dringender, als er einen wichtigen Tagebucheintrag seines Bruders entdeckt, der zu einem Schlüsselerlebnis für ihn wird: "März 21. Brückenkopf über den Donez. 75 m raucht Iwan Zigaretten, ein Fressen für mein M.G. (S. 19). Hier schreibt Timm: "Das war die Stelle, bei der ich...nicht weiterlas, sondern das Heft wegschloß. Und erst mit dem Entschluß, über den Bruder, also auch über mich, zu schreiben, das Erinnern zuzulassen, war ich bereit, dem dort Festgeschriebenen nachzugehen." Erst nachdem alle seine Familienangehörigen - Mutter, Vater und Schwester - gestorben sind, bringt Uwe Timm den Mut auf, dieses Buch zu schreiben: "Solange sie [die Mutter, B.N.] lebte, war es mir nicht möglich, über den Bruder zu schreiben. Ich hätte im voraus gewußt, was sie auf meine Frage geantwortet hätte. Tote soll man ruhen lassen. Erst als auch die Schwester gestorben war, die letzte, die ihn kannte, war ich frei, über ihn zu schreiben, und frei meint, alle Fragen stellen zu können, auf nichts, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen." (S. 11/12). Wieso ist das Leben des Bruders so schrecklich falsch verlaufen, warum stieg er zum Idol der Familie auf? Diese Fragen stellt sich Timm - und stellt eine enorme Ähnlichkeit mit dem 1899 geborenen Vater fest, der sich im ersten Weltkrieg freiwillig gemeldet hat und zum Militär eingerückt war. Der Impuls, über den Bruder zu schreiben, ist auch der, sich über eigene - evtl. autoritäre - Prägungen klarzuwerden: "Der Bruder und ich. Über den Bruder schreiben, heißt, auf über ihn schreiben, den Vater. Die Ähnlichkeit zu ihm, meine, ist zu erkennen über die Ähnlichkeit, meine, zum Bruder. Sich ihnen schreibend anzunähern, ist der Versuch, das bloß Behaltene in Erinnerung aufzulösen, sich neu zu finden."
Uwe Timm ist ein intensiver Erzähler. Er zeigt beispielhaft, dass die Erinnerung nicht tot ist, dass der Schrecken des Dritten Reiches Familien spaltet und bis heute fortlebt. Sein Buch spürt dem Nationalsozialismus mit ungewöhnlichem Blick nach - betroffen und reflektierend zugleich. Dies schrieb - völlig zu recht - die Rezensentin Gudrun Norbisrath. Dem kann ich mich nach der Lektüre des ungewöhnlich eindringlichen Buches nur anschließen; ich habe selten ein Buch gelesen, welches mich so sehr beeindruckt hat. Unbedingt lesenswert.
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5.0 von 5 Sternen Beeindruckende Auseinandersetzung mit der eigenen Familie, 21. August 2014
Von 
Rainer Herzog "Borstentier" (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Taschenbuch)
Von Uwe Timm kannte ich bisher nur "Vogelweide", seinen letzten Roman, der mir zwar ganz gut gefallen hat, mir aber an einigen Stellen doch etwas zu intellektuell überfrachtet, bzw. "bildungsbürgerlich" erschienen ist.

"Am Beispiel meines Bruders" hat mir ausgezeichnet gefallen. Das Buch ist weniger ein Roman als eine kunstvoll arrangierte und vor allem hervorragend erzählte Familienrecherche: Timm beschreibt in einer Art Kollage eigene Erinnerungen, Assoziationen, Tagebucheintragungen, vermischt mit der Darstellung von geschichtlichen Ereignissen, die eigene Familiengeschichte.

Ausgangspunkt ist zwar das Feldtagebuch seines im Krieg gefallenen und von der Waffen-SS begeisterten älteren Bruders, den größeren Teil des Buches widmet er dann aber dem (zumeist traurigen, verbitterten) Leben seiner Eltern und seiner Schwester in Hamburg, der ganz unterschiedliche Umgang der jeweiligen Familienmitglieder mit Anpassung und Verdrängung, mit den Fragen nach Täterschaft und Unrechtsbewusstsein.

Als sehr angenehm und beeindruckend empfand ich es, wie wenig der Autor den Bruder und die Eltern moralisch verurteilt hat - es geht ihm primär darum, die Motive der Anderen zu verstehen. Insofern haben seine Beobachtungen häufig etwas fragendes, tastendes, oder auch (bei dem Thema naheliegend) etwas melancholisches.

Sprachlich sehr gekonnte, prägnante Formulierungen, die der Schwere des Themas manchmal etwas Leichtes, Verspieltes an die Seite stellen (sehr interessant war für mich persönlich der Umstand, dass das Buch in Hamburg-Eimsbüttel spielt, wo ich lange Jahre gelebt habe).

Ebenfalls sehr gelungen, die Reflektionen Uwe Timms (in Auseinandersetzung mit Ernst Jüngers "In Stahlgewittern") über die Weltanschauung, den Idealismus der SS, über das "heroische Lebensgefühl"... in dem sich "ein Bewusstsein ausspricht, dem Todesmut, Pflicht, Opfer noch absolute Werte sind...die im gemeinsamen Kampf den Nihilismus transzendieren sollten. Dass aber dieser Mut, die Pflicht, der Gehorsam zugleich diejenigen Werte waren, die auch die Todesfabriken hatten länger arbeiten lassen...das konnte und wollte der Vater nicht einsehen" (S.153). Sehr lesenswertes, wichtiges Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Widersprüchlich wie das Leben selbst, 23. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Taschenbuch)
Uwe Timm kannte ich bisher nur als Autor von Rennschwein Rudi Rüssel. Nach der Lektüre dieses Buches, das mich sehr beeindruckt hat, weiß ich jetzt, dass ich mir seine anderen "Erwachsenen-Werke" auf jeden Fall auch zulegen werde.
Das Buch ist autobiographisch und stellt einen Versuch dar, dem toten Bruder näherzukommen, um auch sich selbst besser zu verstehen. Dazu muss auch die Geschichte der ganzen Familie erzählt werden, die Schicksalsschläge erlebt, die zur damaligen Zeit leider alltäglich waren. Somit spielt auch der Kontext, der Zweite Weltkrieg und das dritte Reich, eine große Rolle.
Auf diese Weise verdeutlicht das Buch das Schicksal einer ganzen Generation mit all seinen Unglaublich- und Widersprüchlichkeiten, die sich auch in der Form widerspiegeln. Erzählerische Passagen und Zitate aus Tagebucheinträgen, Briefen, Aussagen von Opfern und Täter und mehr wechseln sich ab und zeigen so einen Blick auf die "Wahrheit" aus ganz verschiedenen Perspektiven.
Für mich ein großes und wichtiges Buch.
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5.0 von 5 Sternen Wo ist der Ort der Schuld, des Gewissens...?, 14. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Am Beispiel meines Bruders (Taschenbuch)
Der Bruder hat sich freiwillig zur SS-Totenkopfdivision gemeldet. Die Feldpostbriefe die eintreffen sind seltsam oberflächtlich und die Tagebucheinträge, die die Familie nach seinem Tod erhält, sind irgendwie erfüllt von einer grossen Leere. Aus Idealismus weil er sich nicht drücken wollte habe er sich da gemeldet wo man ihm beide Beine weggeschossen hat und wo er nach deren Amputation verstorben ist.

Der Autor hält Rückschau auf sein eigenes Leben, das des Bruders, der Familie um was passiert ist besser verstehen zu können. Die Vätergeneration lebte vom Verschweigen aber wie war es mit seinem Bruder dessen letzte Notiz ist "Hiermit schliesse ich mein Tagebuch, da ich für unsinnig halte, über so grausame Dinge wie sie manchmal geschehen, Buch zu führen". Ein eher kränkliches Kind war er blass und durchsichtig gewesen und tapfer, einer mit vielen Tugenden, einer der nicht weint.

Nach dem Krieg baut der Vater ein Kürschnergeschäft auf. Der Autor tiritt in die Fussstapfen seines Bruders, absolviert eine Ausbildung und übernimmt mit Mutter und Schwester den Betrieb der inzwischen ziemlich verschuldet ist.

Biographisch wie auch autobiographisch gefärbt zeichnet der Autor ein Portät der Familie. Es ist nachdenken über die gesellschaftlichen Voraussetzungen die jenen Krieg ermöglicht haben. Ein nachdenkliches Buch, ein Buch selbst nachdenklich zu werden.
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Am Beispiel meines Bruders
Am Beispiel meines Bruders von Uwe Timm (Gebundene Ausgabe - 15. August 2003)
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