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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Orwells visionärer Vorgänger
Wer George Orwells "1984" gelesen hat, sollte unbedingt den vorliegenden Roman des Russen Jewgenij Samjatin aus dem Jahre 1920 (!!!) lesen. Sajmatins Buch gehört in die Tradition der großen visionären kulturkritischen Zukunftsromane, in denen es nicht umd die Darstellung des technischen Fortschrittes geht, sondern um die Bedrohung des Individuums in einer...
Veröffentlicht am 16. Mai 2004 von Bernhard Nowak

versus
2.0 von 5 Sternen [2,5 Sterne] Beeindruckende Vision, dennoch kein Lesevergnügen
Beeindruckend ist die technische, politische und gesellschaftliche Voraussicht des Romans, der schnell vergessen lässt, dass er beinahe einhundert Jahre alt ist. Der Einfluss auf Brave New World und 1984 ca. 10 bw. 30 Jahre nach Wir ist offenkundig.

Dennoch hat mich der Roman nicht überzeugt. Die Wandlung von D-503 ist überspitzt, aber dennoch...
Vor 2 Monaten von Kris veröffentlicht


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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Orwells visionärer Vorgänger, 16. Mai 2004
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
Wer George Orwells "1984" gelesen hat, sollte unbedingt den vorliegenden Roman des Russen Jewgenij Samjatin aus dem Jahre 1920 (!!!) lesen. Sajmatins Buch gehört in die Tradition der großen visionären kulturkritischen Zukunftsromane, in denen es nicht umd die Darstellung des technischen Fortschrittes geht, sondern um die Bedrohung des Individuums in einer zunehmend technisierten Welt. Schon 1920 entwarf Samjatin, Freund Maxim Gorkis und Bolschewist, in seniem Roman die alptraumhafte Welt eines totalitären Staates. D 503, Bürger des Einzigen Staates und Konstrukteur des Raketenweltraumschiffes Integral, berichtet in seniem Tagebuch vom Leben in einer strahlenden, kristallen durchsichtigen Stadt, in der die Bürger als uniformierte Nummern leben. Von der Arbeit bis zur Liebe ist das Leben streng nach mathematischen Gesetzen organisiert, jede Regung wird beobachtet und kontrolliert. Dennoch entdeckt der Konstrukteur D503, dessen Geschichte in dem Roman erzählt wird, plötzlich in sich Triebe aus einer längst vergangenen Zeit: es hat sich in ihm eine "Seele gebildet!".
Wie "1984", "Brave New World" und "Fahrenheit 451" gehört - nein begründet! - Samjatins Roman die Tradition kulturkritischer Zukunftsromane, in denen es um die Bedrohung des Individuums in einer vollkommen technisierten und totalitären Welt geht.
Die Parallelen zu Orwells "1984" sind unübersehbar. Beide, Samjatin wie Orwell, sind enttäuschte Sozialisten und Revolutionäre, die sich von ihrem Staat abgewandt haben. Beide fordern das Recht auf Glück. Die irreguläre Liebe des Konstrukteurs und Mathematikers D-503 zu der Revolutionärin I-330 kehrt bei Orwell in der Liebe von Winston Smith und Julia wieder. "Doch ist nicht zu verkennen, daß die Atmosphäre bei Orwell düsterer und bedrückender, schier hoffnungslos ist; bei ihm liefert die Menschlichkeit, so scheint es, ihr letztes Gefecht" - so völlig korrekt Jürgen Rühle in seinem hervorragenden Nachwort zur vorliegenden Ausgabe, in dem auch die Unterschiede zu Huxleys: "Schöne neue Welt" gut herausgearbeitet werden.
Aber: Samjatins prophetische Leistung steht weit über der seiner Nachfolger. Als er seinen Roman schrieb, existierte der Totalitarismus erst kurze Zeit, die russische Tscheka war eben erst gegründet worden. Als Huxley und Orwell ihre Bücher verfassten, stand Russland im Zeichen des Stalinismus, Deutschland und Italien im Zeichen von Nationalsozialismus und Faschismus - das "Zeitalter der Ideologien" (Karl-Dietrich Bracher) war angebrochen und deutlich sichtbar. Es ist diese prophetische Leistung des in der beginnenden totalitären Diktatur lebenden Samjatin (dessen Buch zum Bruch mit den Kommunisten und zu seiner von Stalin überraschenderweise genehmigten Ausreise aus der UdSSR 1931 führte), die dieses Buch so unvergleichlich macht. Für mich neben Orwells "1984" der größte utopische Roman des 20. Jahrhunderts.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vorgänger von "1984" und "Brave New World", 30. August 2004
Von 
Christian von Montfort (Barcelona, Katalonien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
1920 schrieb der russische Schiffbauingenieur Samjatin diesen Science Fiction-Roman von einer mathematisch und bürokratisch exakt durchplanten Welt etwa im Jahr 3000. Im Minutentakt ist der Tagesablauf genormt, alle Straßen und Gegenstände exakt rechtwinklig ausgerichtet, Wände aus Glas. Die Natur ist hinter einer "grünen Mauer" verbannt. Sogar das Liebesleben ist amtlich: jeder Akt wird angemeldet und per rosa Billet autorisiert. Perfekte Gleichheit, kein Neid, keine Überraschungen: endlich ist das Glück staatlich organisiert, leider unter völligem Verzicht auf die Freiheit.
In diesem Szenario wird dem Konstrukteur D-503 - Menschen haben keine Namen mehr - bewusst, dass es außerhalb der Mathematik noch mehr Dinge geben muss. Er lernt in I-330 eine Revolutionärin kennen, die ihm nicht nur in der Natur die Irrationalitäten des Lebens aufzeigt. D-503 schließt sich einer Untergrundbewegung an und nimmt an einem Putschversuch teil, der jedoch fehlschlägt. Er wird verhaftet, wieder konditioniert und in die mathematische Welt zurückgeführt.
Die Parallelen zu Orwell's "1984" sind frappierend - die beschriebenen totalitären Umstände sind ähnlich, "Big Brother" entspricht dem "Wohltäter", Winston Smith entwickelt sich exakt wie D-503 und mit Julia zeigt sich auch hier die Revolution durch eine Frau: Liebe und Begehren lassen sich durch rationale Parteiargumentation nicht unterdrücken. Da "WIR" in den damaligen politisch interessierten Kreisen ein Bestseller war, kann man mit Sicherheit sagen, dass Orwell durch diesen Roman inspiriert worden ist. Vom reinen Lesen her gefiel mir "1984" besser, Orwell hat die Idee von "WIR" übernommen, feingetuned und bestimmte Situationen noch mehr zugespitzt. Trotzdem lohnt es sich mindestens für Utopie-Interessierte, die Zeit für diese 160 Seiten zu nehmen.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen besser als "1984" und besser als "schöne Neue Welt"?, 23. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
Es ist schon ein paar Jahre her, daß ich "WIR" gelesen habe, aber ich kann mich noch gut an die Faszination erinnern, die das Buch damals auf mich ausgeübt hat.
Es gefiel mir besser als "Orwel, 1984" und "Huxley, schöne neue Welt" die ich schon vorher gelesen hatte. Das liegt wahrscheinlich auch daran, daß man dem Autor anmerkt, daß er nicht nur Schriftsteller, sondern auch Ingenieur ist. Das mag negativ klingen, für mich war und ist es positiv, weil sich für mich (auch Ingenieur) manche Gedankengänge oder auch nur Bezeichnungen auf eine besondere Weise erschließen.
Faszieniert hat mich auch der Zusammenhang zu den anderen genannten Büchern (1984, brave new world). Man sieht Sie nachher in einem anderen Licht.
Nachden ich noch einmal hineingeschaut habe, muß ich zugeben daß "WIR" objektiv gesehen nicht besser ist als "1984" und "Brave new world". Eine besondere Faszination übt es aber nach wie vor auf mich aus. Ich bleibe bei fünf Sternen und werde gleich wieder darin lesen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum sich das "Chaos" der Freiheit lohnt..., 13. November 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
"Wir" habe ich jetzt vor einiger Zeit durchgelesen und es steht in seiner Qualität einem Klassiker wie "1984" oder Brave New world in nichts nach.
Das Leben in der Welt von "Wir" ist fest durchgeplant. Jeder Bürger steht zu einer bestimmten Zeit auf und geht auch zu einer festgelegten zeit schlafen, die Häuser sind zum Zwecke der Selbstüberwachung gläsern, genau wie die Menschen, die in ihnen Leben. Ihr Leben läuft in einem vom Staat festgelegten Plan ab und selbst die Liebe wurde staatlich geregelt. Auf diese Weise soll es möglichst keine "Andersartigkeit" oder "Querdenker" geben und wenn es doch mal so sein sollte, so gibt es auch in dieser Utopie staatliche "Truppen" bzw. "Wächter", die solche Ausflüchte verbieten.
Dieses Buch zeigt auf wundervolle Weise auf, wie wichtig uns das Chaos der Freiheit sein sollte. Gewisse sinnnvolle Regeln und Gesetze sollten nicht einer totalen Kontrolle weichen. Hier sidn die Menschen Gefangene eines Systems und jeder Ausbruchsversuch aus diesem wird ohne eigene Rechte hart verurteilt. Interessant auch die Idee des emotionalen Gefängnisses in dem die Bürger dieser Welt leben. Sogar die Liebe wird ihnen vorgeschrieben, für mich eine Art "Worst case" Szenario.
In einer welt, in der gerade in neuester Zeit um staatliche Konstrollen gestritten wird und sich die Frage aufwirft, wie weit diese gehen dürfen, so zeigt "wir" auf in welche Richtung man sich mit einem solchen Schritt bewegen würde.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ZUKUNFTSVISION VOM FEINSTEN!, 18. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
.
"IM PARADIES HABEN DIE MENSCHEN KEINE WÜNSCHE MEHR,
SIE KENNEN KEIN MITLEID, KEINE LIEBE,
DORT GIBT ES NUR SELIGE, DENEN MAN DIE PHANTASIE HERAUSOPERIERT HAT
(SONST WÄREN SIE NICHT GLÜCKLICH)"
eine mathematische welt... das "wir" ist wichtiger als das "ich"... und inmitten all dem - D-503
als eines tages sein perfekt geplanter tagesablauf und seine gedanken von einer frau durcheinander gebracht werden ahnt er nicht wie sehr seine innere zerrissenheit von seite zu seite zunehmen wird. jeder tagebucheintrag, anfangs noch so schön strukturiert, wird gefühlvoller, verzweifelter, verstörender.
schließlich ist es der leser der die revolution in seinem inneren brennen spürt. und erst am ende, wenn man dieses utopische meisterwerk wieder aus den händen legt, wird man merken, dass sich ein riesiger kloß im inneren manifestiert hat und dass man doch nicht mehr als der stumme beobachter war. der beobachter von D-503 im kampf um die freiheit des staates und seiner selbst und um das was er nicht erklären kann.
"Wir" ist der würdige vorgänger von büchern wie "1984" und "Schöne Neue Welt". und genau wie bei diesen, wird man schon nach kurzen in den bann dieser fremdartigen welt gezogen. der "held" ist nichts weiter als ein verstörter mensch, der erst lernen muss mit all den neuheiten, die ihm offenbart werden, umzugehen. es fällt zu leicht sich mit diesem zu identifiziert und mit ihm zu leiden...
für utopie fans ist dieses buch ein MUSS, und auch für alle anderen literaturbegeisterten ist es absolut empfehlenswert!
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Vorbild für 1984, 27. Juni 2002
Von 
Werner, Henry (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
Unter allen distopischen Romanen aus der esrten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehört Samjatins "Wir" zu einem der absoluten Highlights, das völlig zu Unrecht im Schatten von Werken wie "Schöne neue Welt" oder "1984" steht. Zum letztgenannten Werk kann gesagt werden, dass es zum Nachdenken anregt, dass Orwell "Wir" gelesen (und rezensiert) hat, kurz bevor er "1984" schrieb. In diesem Licht gesehen erscheint "Wir" wie eine verdammt gute Vorlage für ein mittelmässiges Plagiat.
Wer dieses Genre mag, sollte in jedem Fall "Wir" gelesen haben.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wackre neue Welt, die solche Bürger trägt, 27. Dezember 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
Eine Mauer umgibt den Einzigen Staat in der nahen Zukunft. Das Bollwerk gegen das Draußen ist aus Glas, aus Glas sind die Häuser und gläsern ist ebenso das Leben der vom Wohltäter regierten Bürger, die nicht Bürger, sondern Nummern heißen. Eine solche Nummer ist D-503, männlich, ledig wie alle Nummern und Konstrukteur des Raumschiffs „Integral". Sein Beruf ist vielleicht das Einzige, das ihm Individualität verleiht. Ansonsten leben alle Nummern gleich: Sie stehen alle zur selben Zeit auf, kauen 50-mal jeden Bissen der Naphta-Nahrung, ehe sie ihn schlucken, und marschieren in Vierer-Reihen zur Arbeit. Zweiundzwanzig Stunden des Tages sind die Millionen Nummern ein einziges Wir; zwei persönliche Stunden als Individuen gesteht ihnen die Stunden-Gesetzestafel zu. Zwei Stunden, in denen D-503 sein Tagebuch schreibt. Oder seinen Hormonspiegel ausgleicht, indem er mit einer weiblichen Nummer schläft.
D-503 könnte eine glückliche Nummer sein. Alles ist geplant, vorhersehbar, beruhigend. Doch D-503 hat echten Anlass für Unbehagen: Etwas stimmt nicht mit ihm, überwunden geglaubte Triebe bemächtigen sich seiner. Er ist krank, er hat - eine Seele. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gesellt sich ein anderes Problem hinzu: I-330. Diese weibliche Nummer zieht ihn an, umgarnt und verwirrt ihn und wundert sich nicht darüber, was in D-503 vor sich geht. Sein Leben gerät zusehends aus den Fugen und es hat gerade erst begonnen ...
Bereits 1920 schrieb Jewgenij Samjatin „Wir", ein prophetisches Werk, das technische und politische Entwicklungen ankündigt. Gaskammern, Gehirnchirurgie und Geheimpolizei gehören genauso dazu wie elektronisch produzierte Musik, der Eiserne Vorhang und bemannte Raumfahrt. Mehr noch: „Wir" hat einen weiteren Meilenstein gesetzt; der Roman beeinflusste Orwells „1984" und Huxleys „Schöne neue Welt". Totale Überwachung, allmächtige Herrscher, Reglementierung des Sexual- und Familienlebens, Verbot des Alten - die Liste, wie sehr sich Orwell und Huxley am Plot Samjatins bedienten, ließe sich beliebig verlängern.
Also schon wieder einer dieser Zukunftsromane, in denen Hoffnung, Liebe und Geborgenheit nicht sein dürfen? Nein, es gibt sie. So düster ist das Szenario nicht, das Samjatin schildert. Und das ist ein weiterer Grund, „Wir" zu lesen. Gerade heute, denn die Welt wird jener in Samjatins Meisterwerk beschriebenen immer ähnlicher.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Geniestreich, 28. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
WIR spielt im Einzigen Staat, welcher sich nach einem 200-jährigen Krieg und einer letzten Revolution herausbildete. Oberhaupt dieses Staates ist der Wohltäter, der seinen Menschen - diese tragen keine Namen mehr, sondern Nummern - eine bedingungslose Fürsorge angedeihen lässt. Und wer sich wehrt, wird hingerichtet.

Der Staat, das ist eine Stadt, umgeben von einer Grünen Mauer, hinter der die letzten "Wilden" leben. Die Straßen sind schnurgerade, die Wohnblocks kubisch und gläsern, denn im Einzigen Staat haben die Menschen nichts voreinander zu verbergen. Die Gesetzestafel bestimmt das Leben der Nummern im Staat bis ins kleinste Detail: Millionen Nummern stehen zur gleichen Minute, besser: zur gleichen Sekunde auf, nehmen zur gleichen Sekunde die künstliche Naphtha-Nahrung zu sich, zur gleichen Sekunde nehmen sie ihre Arbeit auf, zur gleichen Sekunde legen sie sie nieder, zur gleichen Sekunde gehen sie spazieren, zur gleichen Sekunde - punkt 22.30 Uhr - legen sich alle schlafen. Bei Nacht wach zu sein ist ein Verbrechen, denn die Nacht ist dazu da, ausgeschlafen für einen Tag voller systematischer Arbeit zu sein. Sogar das Liebesleben ist mathematisch geregelt: anhand von Hormonanalysen wird der Bedarf einer jeden Nummer berechnet, nach diesem Bedarf werden rosa Billets für sexuelle Momente ausgeteilt.

Auf diese Weise hat die Menschheit es geschafft, die Wurzel allen Übels - Hunger und Liebe - zu beseitigen. Doch um diesen Zustand des Glücks zu erreichen, mussten die Menschen ihre Freiheit opfern.

"Glück ohne Freiheit oder Freiheit ohne Glück - eine andere Möglichkeit gibt es nicht."

Geschrieben ist der Roman in Form eines Tagebuchs von D-503, dem ersten Konstrukteur der Rakete INTEGRAL. Er soll die Revolution in andere Welten tragen und dafür Traktate und Manifeste verfassen. Das ist auch der Grund, warum er ein Tagebuch beginnt. D-503 ist 32 Jahre alt, hat stark behaarte Hände, die ihn abstoßen, und ist durch und durch Wissenschaftler und Mathematiker. Doch dann lernt er I-330 kennen. Sie zeigt ihm, dass der Einzige Staat die endgültige Formel für das kollektive Glück noch nicht gefunden hat und dass es Menschen gibt, die gegen den Staat aufbegehren und ihn stürzen wollen. Fasziniert von der Andersartigkeit von I-330, entwickelt sich D-503 zu einem, der sich immer mehr vom Kollektiv abkapselt, er beginnt zu träumen und fühlt sich nicht mehr wie vorher. Der Arzt diagnostiziert:

"Es steht schlecht um Sie! Bei Ihnen hat sich offenbar eine Seele gebildet."

Aus Liebe zu I will D sein eigenes Projekt, nämlich die INTEGRAL in den Weltraum zu senden, sabotieren. Doch wird es gelingen? Werden die Menschen aufbegehren und den Staat vernichten?

Samjatins WIR diente sozusagen als Vorlage für folgende Dystopien à la "Brave New World" (Aldus Huxley) und "1984" (George Orwell). Wenn man letztere gelesen hat, so betrachtet man sie nach der Lektüre von WIR mit anderen Augen. Die Parallelen zwischen den Romanen sind nicht von der Hand zu weisen: bei Samjatin herrscht der Wohltäter über den Einzigen Staat, bei Huxley der Weltaufsichtsrat, bei Orwell der Große Bruder. Die primitiven, behaarten Menschen hinter der Grünen Mauer Samjatins kehren bei Huxley als die Eingeborenen der Reservationen, bei Orwell als "Proles" wieder. In WIR gerät der Protagonist durch eine andersdenkende Frau aus dem Gleichgewicht. Diese Idee nahm Orwell in "1984" auf.

Dennoch unterscheiden sich die drei Werke in einem maßgeblichen Punkt: Die Darstellung der Welt in WIR ist deutlich prophetischer, denn zur Zeit, als Samjatin sein Werk schrieb, existierte der Totalitarismus gerade mal in seinen Grundzügen. Im Gegensatz zu "1984" bezieht sich Samjatin nicht ausschließlich auf den Stalinismus bzw. Kommunismus, sondern er lässt mehrere Möglichkeiten offen: Assoziationen zum Nationalsozialismus (Gaskammern, Massenvernichtungswaffen, operative Eingriffe wie die Entfernung der Phantasie im Hirn etc.) sind ebenso gegeben wie Andeutungen zum Bolschewismus. Huxley und Orwell konnten ihre Zukunftsvisionen, nachdem sich in Europa totalitäre Systeme wie Nationalsozialismus und Kommunismus entwickelten, deutlich detaillierter ausmalen und Bezug nehmen auf bereits existierende Maßnahmen zur "Normung" der Menschen. Aber genau das ist das geniale an WIR, das weite Vorausschauen in die totalitären Zustände der Zukunft (man denke an die Grüne Mauer, Sinnbild für den Eisernen Vorhang, sowie an die Geheimpolizei). Daneben wirkt "1984" nur wie ein Plagiat.

Trotz oder gerade wegen der recht drögen und steifen Sprache vermochte das Buch mich in eine gespannte und merkwürdige Atmosphäre zu versetzen. Düster fand ich es nicht, im Gegensatz zu "1984", welches mich sprichwörtlich fertig gemacht hat. "Wir" ist eine bereichernde Lektüre über die Gesellschaft und den Menschen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein literarischer Dinosaurier aus der Zeit vor 1984, 8. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
Jewgenij Samjatins 'Wir' gilt als erste moderne Dystopie und wenn man das Nachwort gelesen hat, weiß man auch wieso. Samjatin, Alt-Kommunist und Wegbegleiter Gorkis, hat 1920 mit 'Wir' eine literarische Antwort auf die Oktoberrevolution verfasst. Er schildert die Dinge die waren und kommen mögen und nimmt somit zahlreiche Entwicklungen ja sogar Gräueltaten des NS- sowie des Stalin-Regimes vorweg. Ein Umstand der dem Werk eine seltene (fiktionale) Nähe zur Geschichte verpasst, die man in dieser Form nur vereinzelt zu lesen bekommt.
Doch zurück zum Buch, Protagonist von 'Wir' ist der Chefkonstrukteur des 'Integral' D-503, ein Mann von logischem Gemüt mit einem unerschütterbaren Glauben in den Einzigen Staat. Ein Mann dessen Leben bestimmt wird von Zahlen und sich immer wieder auflösenden Gleichungen. Bis eines Tages eine Variable auftaucht, die sein Leben und die Welt in der er existiert für immer durcheinander bringen wird.
Die Erzählung ist im Übrigen nicht bloß zu Anfangs mathematisch angehaucht sondern über eigentlich die meisten Strecken des Buches, was jedoch nicht wirklich abschreckend ist, wenn man sich damit einmal auseinandergesetzt hat. Was im Gegensatz dazu jedoch wirklich verstört, sind die zahlreichen Sprünge, sei es nun gedanklicher oder erzählerischer Natur. Ein Umstand, der sich leider ab einem gewissen Zeitpunkt bis zum Ende durchzieht.
Nichts desto trotz bleibt 'Wir' ein Meilenstein in der Welt des dystopischen Romane, ohne den es Werke wie 1984 oder Brave New World nie gegeben hätte. Von daher kann man Fans dieser Art von Literatur nur dazu raten sich dieses fast schon vergessene Kleinod anzusehen. Es lohnt sich.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Vater aller Dystopien, 22. Juli 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Wir (Taschenbuch)
Wir ist eines der Bücher, die ich zum zweiten Mal lese. Ich erinnere mich noch vage daran, dass mich das Buch beim ersten Mal nicht so fesseln konnte wie andere Dystopien. Das lag glaub ich am mangelnden Hintergrundwissen über die zeitlichen Umstände der Entstehung des Buches und an der Ausdrucksweise des Autors, die viel Aufmerksamkeit beim Lesen erforderte. D-503 ist ein Mathematiker, und so beschreibt er die Geschehnisse besonders zu Anfang gerne mit mathematischen Ausdrücken, was sich natürlich nicht sonderlich spannend liest. Aber hier gilt: Zähne zusammenbeißen und durchhalten! Die Geschichte entschädigt dafür.

Die Welt, in der D-503 lebt, erscheint sehr futuristisch. Nach dem 200jährigen Krieg, der fast alles Leben ausgelöscht hat, haben sich die Menschen in eine Stadt hinter riesigen Mauern verschanzt. Sämtliche Gebäude bestehen aus Glas, was den Beschützern natürlich ihre Arbeit erleichtert. Nur zum terminlich festgelegten Geschlechtsvollzug dürfen Vorhänge herabgelassen werden.

Der Tag ist bis ins kleinste durchorganisiert, so dass das gemeinsame Leben wie eine Maschine problemlos läuft. Jede Nummer steht zur selben Zeit, ja zur selben Sekunde auf, jeder führt den Löffel im selben Takt zum Mund, jeder Tag verläuft auf die Minute geplant. Dies ist laut D-503 auf die Arbeit eines gewissen Taylor zurückzuführen. Damit ist der Mann gemeint, der Anfang des 20.Jh. den Taylorismus eingeführt hat, der sich mit der Perfektionierung von Arbeitsabläufen beschäftigt hat. Taylor war für die Menschen aus D-503's Gesellschaft ein Vorreiter, denn durch seine Arbeit erst wurde der Alltag der Einwohner so perfekt strukturiert.

Der Gleichschritt der Massen beim täglichen Spaziergang hat etwas Bedrohliches und der stets präsente Konflikt zwischen Individualität und der Masse, dem Wir, war vielen sowjetischen Parteileuten zu Samjatins Zeit ein Dorn im Auge; Wir wurde daher auch nie in der Sowjetunion veröffentlicht.
Es ist zeitweise erschreckend, welches Zukunftsbild Samjatin 1920 in seinem Buch erdacht hat und wie viele Aspekte tatsächlich wahr geworden sind. Raketenflüge, Gehirnchirurgie zur Persönlichkeitsveränderung, Gaskammern, Geheimpolizei, die Mauer, all das existiert im Einzigen Staat bereits, in der Realität ist es bis dahin noch ein weiter und trauriger Weg gewesen.

Mein Fazit: Wir ist eines jener Bücher, die man besser versteht, wenn man ein wenig Hintergrundwissen über die Zeit hat, in der der Autor gelebt hat. Wer sich für Dystopien interessiert, sollte dieses Buch unbedingt einmal lesen, denn es hat quasi den Grundstein für dieses Genre gelegt und auch die Werke von Orwell und Huxley stark beeinflusst. Allein zur Unterhaltung dient dieses Buch jedoch nicht, dazu macht es viel zu nachdenklich und erfordert das Mitdenken beim Leser. Keine allzu leichte Kost, aber für mich ein prägendes Stück Literatur.
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Wir von Jewgenij Samjatin (Taschenbuch - 1. Januar 1958)
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