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46 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schon mal über Zeit nachgedacht?, 13. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Kosmos und Geschichte (Taschenbuch)
Der französische Originaltitel dieses dichten und zum Nachdenken anregenden Aufsatzes, „Der Mythos der ewigen Wiederkehr," sagt mehr über das, was den Leser erwartet als der deutsche. Der rumänische Religionswissenschaftler Mircea Eliade untersucht das Verstehen von Zeit und Vergehen in den unterschiedlichsten vorhistorischen Gesellschaften und führt es auf seine religiösen Wurzeln zurück. Demnach liegt jeder menschlichen Handlung ein (religiöser, nicht psychologischer) Archetyp zu Grunde, der in einer mythischen Überzeit wurzelt. Der Mensch wiederholt immer nur das schon von den übergeordneten Kräften vorgegebene. Diese stetigen Wiederholungen des schon Dagewesenen, ordnen die Zeit und regeln das gesellschaftliche Leben. Demgegenüber steht der moderne Mensch, der Geschichte selber schafft und zum Schöpfer wird. Als ich mich mit dem Vergehen der Zeit als Bestandteil meines persönlichen Lebens beschäftigte, gab mir dieser Aufsatz überreichen Stoff zum Nachdenken. Jenseits aller neueren Kritik an dem ‚großen alten Mann' der Religionswissenschaft und der nicht immer einfach zu verstehenden Sprache, bietet dieses Buch doch ungewöhnliche Anregungen, sich mit einer der Grundbedingung des Lebens auseinander zu setzen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Das wahre Glück entspringt aus der Einstimmung des elenden Ichs in die ewigen Oktaven." (Sloterdijk), 25. Oktober 2008
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Kosmos und Geschichte: Der Mythos der Ewigen Wiederkehr (Verlag der Weltreligionen Taschenbuch) (Taschenbuch)
"Und ob alles in ewigem Wechsel kreist,
Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist"
(Schiller, Die Worte des Glaubens)

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Nietzsches "Also sprach Zarathustra" musste verstreichen, ehe die Idee der "ewigen Wiederkehr des Gleichen", die Nietzsche in einer sehr metaphernreichen lyrischen Sprache als Evangelium verfasste, Mircea Eliades (1907-1986) Essay vom "Kosmos und Geschichte: Der Mythos der ewigen Wiederkehr" erschien.

So wie Nietzsche schon feststellte, dass der Gedanke der ewigen Wiederkehr bereits über Heraklit und die Stoiker getragen zum ihm kam, fasst Eliade die Dinge beredt, profund und äußerst interessant zusammen. Den Menschen aus der Sicht der Tradition und den Archetypen zu betrachten ist eine Weise und die dem scheinbar entgegen gesetztem Muster folgt die Einordnung des Menschen als geschichtliches Wesen. Nun ist in beiden Fällen Zeit und Zeitenwende von Bedeutung, doch insgesamt geht es Eliade um die grundlegende Haltung. Ist der Mensch der Tradition dem Mythos und den Riten verbunden, weiß er um die Aufgaben, Verhaltensweisen und Haltungen gemäß den Vorgaben. Ihm, dem sogenannten "Primitiven" ist der Weltenlauf ein durchweg zyklischer. Jede Linearisierung entfällt, die Wiederkehr desselben ist Prinzip und gilt bis in alle Ewigkeit. Symbol, Mythos und Ritus bringen ein komplexes System von Zusammenhängen über die letzte Wirklichkeit zum Ausdruck, eine eschatologische Praxis unterliegt dem Erkennen einer Metaphysik der letzen Dinge. Alles, was getan wird, wurde bereits getan - so ist der Zyklus, die Wiederkehr zu deuten, der archaische Mensch ist in seinem Denken und Handeln eine Imitatio eines himmlischen Urbildes. Durch die Wiederholung wird er zum Teilhaber einer Urform. Eine Verfehlung in seinem Leben deutet er somit als Unachtsamkeit gegenüber dem Ritual, ein Opfer wird die Verfehlung neutralisieren.

Dem gegenüber steht der geschichtliche Mensch, der seinem Leben eine lineare Betrachtung und ebensolches Handeln gibt. Damit ist der Mensch Gestalter seiner selbst, er erzeugt Wirklichkeit nicht durch Wiederholung, sondern durch Lebensgestaltung. Allem Neuen wird Wert beigemessen, es wird integriert und weiterentwickelt. Die archetypische Sichtweise orientiert sich an Überlieferungen, weiss um deren Bedeutung innerhalb der Zyklen und verhält sich entsprechend.

Dass Konflikte im Zuge der Geschichte zwischen den Modellen auftreten, ist nicht weiter verwunderlich. Somit ist es für Eliade notwendig, den modernen Menschen als Schöpfer seiner Geschichte dem Menschen der traditionsgebundenen Kultur entgegenzustellen. Der Mensch der Überlieferungskultur gestand dem geschichtlichen Ereignis keinen Wert zu, er betrachtete dieses außerhalb seiner Existenzweise. Betrachtet man Geschichte als Ablauf von Zeit, ist der traditionsgebundene Mensch in gewisser Weise zeitlos, er lebt in den Zyklen der Vorgaben und was sich in der Zeit scheinbar ändert, ist nicht mehr als eine Wiederholung.

Dem geschichtlichen Menschen jedoch widerfährt die Zeit, er lebt in Folgen von Ereignissen, die er gestaltet oder denen er nur folgen kann. Ein Ur-Ereignis gilt auch hier, nicht im Sinne der Wiederholung, vielmehr jedoch als Initiator einer Ereigniskette. Folgt man diesem Gedanken, ist das Schicksal aller Menschen ebenso wie das individuelle Schicksal von diesem einem Mal des Ur-Ereignisses bestimmt. Es folgt alles in einer laufenden, nicht ersetzbaren Zeit, dem Leben. Diesen linearen Gedanken der Zeit und der Geschichte hatte Augustinus vollendet.

Nun bemüht Eliade Denker der Religion wie der Philosophie, er spinnt einen Kreis um die Welt und weiß von den gleichgearteten Entwicklungen von Indien über den Iran bis nach Griechenland zu berichten. Die bei Karl Jaspers schon angedeuteten Übereinstimmungen globalen Denkens ohne gleichen Ausgangspunkt (Achsenzeit) weiß Eliade hier erweitert brillant auszuführen. Die Geschichte betrifft die Tradition wie die geschichtliche Neugestaltung. Er weiß um die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten, erkennt die Muster der Freiheit für den Einzelnen in jedem Tun. Die Struktur und Veränderung der Denkkonzepte über die Jahre weiß er zu Verbinden mit den Religionen aus Indien, Ägypten, Mesopotamien etc und aus dem Iran, dem Judentum und dem Christentum.

Allen eigen und gemeinsam sind die Fragen: Wie können wir Leid und Katastrophen seelisch überwinden? Wodurch geben wir unserem Leben einen Sinn? Mircea Eliade gibt in seinem informativen Essay überraschende Einsichten. In vielen poetischen Bildern kündet er von einem Rückzug aus der profanen Welt, von Kontemplation und Magie. Ein Bild von Paul Klee kommt in den Sinn, welches Walter Benjamin in seinem Essay über den "Begriff der Geschichte" verarbeitet. Der Engel möchte die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradies her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat, die weit ausgebreitet sind und ihn nach vorne treiben. Für Benjamin gilt der lineare Fortschrittsgedanke, den Mircea Eliade in principii verabschiedet hat. Den Zyklus, die ewige Wiederkehr will er wiedererkennen in der Neuzeit. Den Spuren von Kierkegaard, Hegel, Marx u. a. geht er nach. Die goethische "Selige Sehnsucht" des "Stirb und Werde" zeigt sich in den Worten der Schöpfung, der in der Bibel (Jesaja) wie im Koran (z.B. Sure 32, 10) beschrieben, eine zweite neue Schöpfung folgen wird. Anfang und Ende sind somit eins in der finalen Betrachtung und so folgt er den Vorsokratikern (z.B. Parmenides).

"So haben die Götter getan, so tun die Menschen" sagt ein Indisches Sprichwort. Nichts sagt mehr über Urbild und Abbild (vgl. Platon) und damit über den Archetypus des Menschen. Selbst bei Joyce (Ulysses) und T.S. Eliot (The waste Land) findet man die Handlungen aus den Archetypen abgeleitet. Lässt man das Wort am Schluss einem aktuellen Philosophen, scheint die ewige Wiederkehr schon heute Programm: "Das wahre Glück entspringt aus der Einstimmung des elenden Ichs in die ewigen Oktaven." (vgl. Sloterdijk 1987, Kopernikanische Mobilmachung und ptolemäische Abrüstung - Ästhetischer Versuch)

Mircea Eliades "Kosmos und Geschichte" ist eine wahre Empfehlung.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Schrecken der Geschichte, 16. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Kosmos und Geschichte: Der Mythos der Ewigen Wiederkehr (Verlag der Weltreligionen Taschenbuch) (Taschenbuch)
Der rumänische Religionswissenschaftler und Schriftsteller Mircea Eliade hat dieses schmale Büchlein als sein wichtigstes bezeichnet, und dem Leser, der sich für das Werk von ihm interessiert, empfohlen mit diesem Buch zu beginnen.
Nach Eliade sieht sich der Mensch bei seinem Versuch seine Stellung im Universum zu deuten, zwei einander entgegengesetzten Grundhaltungen ausgesetzt: Der historische, moderne Mensch sieht sich als Schöpfer der Geschichte, der Mensch der archaischen, "primitiven" Kulturen dagegen wehrt die Geschichte ab, indem er alles Historische in ein System von Mythen und Archetypen einordnet. Mit dem Begriff des "Archetypen" meint aber Eliade nicht die Archetypen, wie sie von Jung beschrieben worden sind. Während für Jung die Archetypen Strukturen des kollektiven Unbewussten sind, verwendet Eliade den Begriff als Synonym für "beispielhaftes Vorbild" und "Paradigma". Dementsprechend sind alle religiösen und rituellen Handlungen des archaischen und "primitiven" Menschen von den Göttern, kulturbringenden Heroen oder mythischen Ahnen eingesetzt worden. Deshalb kennt auch die archaische Welt im Grunde keine "profanen" Handlungen; "denn jede Handlung, die einen klar umrissenen Sinn hat - Jagd, Ackerbestellung, Spiele, Konflikte, Sexualität usw. -, ist auf irgendeine Weise des Heiligen teilhaftig... ." Die Gegenstände oder Handlungen sind nicht an sich und für sich wirklich und von Bedeutung, sondern weil sie Nachahmungen des Archetypen darstellen: "ein Gegenstand oder eine Handlung werden wirklich nur in dem Maße, wie sie einen Archetyp nachahmen oder wiederholen. So wird die Wirklichkeit ausschließlich durch Wiederholung oder Teilhabe erworben; alles, was kein exemplarisches Vorbild besitzt, ist "des Sinnes entblößt", das heißt, es besitz keine Wirklichkeit." In Augenblicken wichtiger Rituale oder Handlungen, zum Beispiel bei dem Vollzug periodischer Zeremonien wird somit die profane Zeit aufgehoben und die Menschen in die mythische Zeit versetzt. Die Regeneration und die Erneuerung der Zeit spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in den archaischen Kulturen. Die Regeneration ist, wie schon der Name besagt, eine Geburt. Die jährliche Austreibung der Sünden, Krankheiten und Dämonen stellen im Grunde den Versuch dar, wenn auch nur vorübergehend, die mythische und primordiale Zeit wiederherzustellen, die "reine" Zeit, die Zeit, die im "Augenblick" der Schöpfung war. Jedes neue Jahr ist eine Wiederaufnahme der Zeit an ihrem Beginn, also eine Wiederholung der Kosmogonie.
Eliade zeigt also in diesem wirklich weisen und lehrreichen Buch und gibt dazu eine Fülle von Beispielen aus den verschiedensten Kulturen der Welt, dass der archaische Mensch mit allen Mitteln versucht sich der Geschichte entgegenzustemmen, die er als eine Folge unumstößlicher, unvorhersehbarer Ereignisse von autonomen Wert betrachtet. Gleichzeitig gelingt es ihm aber nicht, die Geschichte aus seinem Blickwinkel immer zu verbannen. Deswegen erörtert auch Eliade wie der archaische Mensch mit kosmischen Katastrophen, militärischen Niederlagen und sozialen Ungerechtigkeiten umgeht und zeigt letztendlich, dass für den archaischen Menschen kein Leid sinnlos und willkürlich ist, sondern immer provoziert von magischen oder dämonischen Einflüssen, gegen den der "Primitive" mit allen magisch-religiösen Mitteln ankämpft. Auch wenn diese Sicht des Leidens für den heutigen, modernen Menschen nicht mehr nachvollziehbar und zum Glück auch nicht mehr gültig ist, so stellt sie für den "Primitiven" eine Erklärung und Bewältigung des Leids dar, weil es dadurch "verständlich und daher auch erträglich" wird.
Auf der anderen Seite dagegen steht der historische, moderne Mensch und unüberhörbar kann man zwischen den Zeilen die Kritik Eliades an den europäischen Geschichtsphilosophen des Marxismus, Historismus und Existenzialismus lesen, die den Menschen zum Herrn der Geschichte und die Geschichte zum Produkt des Menschen erklären. Deportationen, kollektive Massaker und Atombomben sind die Folgen und somit der Schrecken der Geschichte. Eliade stellt deswegen für den modernen Menschen die wichtige Frage, wie der Schrecken der Geschichte in der Perspektive des Historizismus ertragen werden kann. Und eben weil "die Geschichte in der Lage zu sein scheint, die ganze Menschengattung auf einmal zu vernichten - was weder der Kosmos noch der Mensch oder auch nur der Zufall bisher fertig gebracht hat...", stellt sich auch für Eliade und für alle anderen modernen Menschen die Frage, ob es denn so verkehrt wäre, wenn "die Menschheit, um ihr Fortleben zu sichern, sich gezwungen sehen könnte, nicht mehr "Geschichte zu machen", wie sie es in diesem Sinne seit der Schaffung der ersten großen Reiche getan hat. Sie mag sich dann vielleicht damit zufrieden geben, die vorgeschriebenen archetypalen Handlungen zu wiederholen, und sich bemühen, jede spontane Handlung als bedeutungslos und gefährlich zu vergessen, die möglicherweise "historische" Konsequenzen nach sich ziehen könnte." Zudem ist die Freiheit, Geschichte zu machen, nach Eliade für fast alle Menschen eine Illusion, denn die Geschichte wird zumeist immer von einer kleineren Menschengruppe gemacht, oder im schlimmsten Fall nur von einem (im Faschismus ist nur der Führer der einzig wirklich "Freie"), dagegen kann der archaische Mensch ebenso und sogar vielleicht noch viel berechtigter für sich beanspruchen frei und vor allem schöpferisch zu sein, indem er die periodische Kosmogonie nachahmt und an ihr teilhat.
Schon in diesem frühen Werk von Eliade wird deutlich, worauf Eliade immer hingewiesen hat, dass nämlich die Überlegenheit des modernen Menschen gegenüber dem "Primitiven" nur scheinbar sei, ja dass in vielen Teilen sogar das Gegenteil näher liege.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Terror der Geschichte, 5. August 2010
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Rezension bezieht sich auf: Kosmos und Geschichte: Der Mythos der Ewigen Wiederkehr (Verlag der Weltreligionen Taschenbuch) (Taschenbuch)
Eliade - Theologe, Philiosoph und Schriftsteller - setzt sich im vorliegenden Buch explizit mit dem Mythos der ewigen Wiederkehr vor dem Hintergrund der archaischen Kulturen auseinander. Zentral hierbei ist die These, dass jener Mythos - belegt durch Archetypen, mikro-kosmogonischer Wiederholung, Riten, profane Handlungen und der "Erneuerung der Zeit" - einen existenziellen Sinn hat für die archaischen und primitven Völker: die Vernichtung der Geschichte und die Vergewisserung des Daseins in der WIRKLICHKEIT durch die immer wiederkehrenden "paradiesisch-archetypischen" Muster unter den mythischen Vorbildern, ähnlichen Sinnes wie im aquinatischen Satz: "haec hominis est perfectio, similitudo Dei." Mitunter gibt es aber zudem eine Tendenz der Mythisierung, "dass ihre Geschichtlichkeit nicht lange der Verwandlungskraft [...] standhält." Folge dieser Adaption des Geschichtlichen an das Mythische ist die Frage: "[Besitzt] denn der Mythos nicht viel mehr Wahrheitscharakter, da er doch der Geschichte einen tieferen und reicheren Sinn [verleiht] und ein tragisches Geschick offenbarte?"
Nun stellt Eliade die Kultur von der "getötenen" Geschichte archaischer Kulturen jener "am Leben gehaltenen" der modernen Menschen gegenüber. Geschichte ist Gedächtnis. Durch Geschichtsschreibung wird nicht nur ihr tragisches Geschick evident, sondern die Tragödien PER SE. Wer Geschichte zulässt, muss unter ihrem Terror, den Erinnerungen an die Schmerzen und Grausamkeiten leiden. Die Religion ermöglichte den "Glauben". Mithin jenen an das Ende der Geschichte, der messianischen Wiederkehr und der Neuschöpung (Zyklustheorie), Hegel und Marx gingen von einem Historizismus aus (Geschichte determiniert als Prinzip die Wirklichkeit), stellt indes aber die Freiheit des Menschen in Frage. Der archaische Mensch macht Geschichte durch ihre Steuerung und Kontrolle - die Wiederholung. Der moderne Mensch ist zugleich aber Spielball elitärer Geschichtemacher: "... je moderner er wird [...], um so geringer werden seine Chancen, dass ER die Geschichte macht." Der moderne Mensch ist somit weder FREI noch GESTALTERISCH für den archaischen Menschen, sondern Opfer ihres Schreckens. Doch was ist mit den Ignorierten, den Vergessenen des historischen Gedächtnis (hierzu: Földényi: "Dostojewski liest in Sibirien Hegel und bricht in Tränen aus"). Und relativiert sich Geschichte nicht bei jedem einzelnen? Geschichte ist hierin zu undifferenziert expliziert seitens Eliade, denn ihr Gedächtnis erinnert nicht eben nur den Terror, sondern auch die Sternstunden, den Fortschritt und die Bestimmung der Wirklichkeit. Insofern ist das Buch, obzwar fundiert und logisch, auch einseitig und nicht global (im Gegensatz zur Geschichte).
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mythos, Glaube, Aberglaube, 11. März 2010
Von 
Otmar Armbrust "Philtheol" (Lambsheim, Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
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Rezension bezieht sich auf: Kosmos und Geschichte: Der Mythos der Ewigen Wiederkehr (Verlag der Weltreligionen Taschenbuch) (Taschenbuch)
Ich bin es vom Verfasser gewöhnt, hervorragend recherchiert und kommentierte Arbeiten zu lesen. Das trifft auch hier bestens zu. -
Das Buch kam in hervorragendem Zustand pünktlich zu einem sehr guten Preis bei mir an.
O. Armbrust
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Kosmos und Geschichte: Der Mythos der Ewigen Wiederkehr (Verlag der Weltreligionen Taschenbuch)
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