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am 23. Februar 2010
"Es war eine Freude, dieses Buch zu lesen. Was ich mir wünsche ist, dass Kaufmann weitere Titel vorlegt zu zentralen Themen christlicher Theologie.

Das Buch lässt ahnen, mit wie viel Aufmerksamkeit Autor und Verlag daran gearbeitet haben. Nicht nur die Ausgabe als Dünndruck, der an bibliophile Ausgaben aus dem Insel Verlag erinnert, nein, auch die Strukturierung des Buches selbst. Mit diesem Buch kann man arbeiten. Der Anhang allein umfasst 203 Seiten und bietet dabei nicht nur die üblichen Literaturhinweise, er schlüsselt sie auf nach Gattungen (Quellen, Editionen, Handbücher, etc.) und weist dann zusätzlich je Kapitel die Literatur erneut auf, so dass Literaturrecherche sehr spezifisch erfolgen kann. Mehr als dreißig ausgewählte Biogramme, die dem Leser Kurzbiographien wichtiger Akteure der Reformation bieten, eine Zeittafel und ein Register das sehr umfangreich nach Personen, Orten und Sachen aufschlüsselt, komplettieren diesen vorbildlichen Anhang.

Aber: man kauft und liest ein Buch ja nicht wegen seines Anhangs. Kaufmann versteht es, in konkreter und klarer Sprache auf mehr als 700 Seiten die Geschichte der Reformation im entscheidenden 16. Jahrhundert nachzuzeichnen. Einer Einleitung (Die Reformation und die Liebe zur Kirche) folgen drei große Abschnitte: Teil I: Die Voraussetzungen der Reformation; Teil II: Die Reformation im Reich und Teil III: Die Unwiderruflichkeit der Reformation. Jeder Teil ist klar gegliedert und bettet die Reformation als Prozess jeweils ein in einen gesamtgesellschaftlichen Rahmen, der auch die europäische Perspektive, durch den Einschluss des osmanischen Reiches auch eine quasi globalisierte Perspektive umfasst. Luther, Melanchthon, Zwingli, Calvin und auch Außenseiter wie Karlstadt auf der einen Seite und Eck, Emser oder Tetzel als altgläubige Gegenspieler werden mit ihrem Handeln und Schrifttum ausführlich gewürdigt.

Dabei wird deutlich, dass die Reformation eine frühe und erfolgreiche Medienkampagne war, bei der die Reformatoren das bessere Ende für sich hatten. Ja, Kaufmann lässt kaum einen Zweifel daran, dass ohne den Buchdruck die Reformation diesen Erfolg womöglich nicht gehabt hätte. Und, dass gewissermaßen die Reformation ihren Erfolg und ihren Bestand zu einem wesentlichen Anteil den Türken, mithin also dem Islam zu verdanken hat (Auflösung in Teil II).

Kaufmann setzt sich ebenso mit den Bauernkriegen oder dem Scheitern der Täufer und ihrer Reiche (z.B. in Münster) auseinander wie mit dem machtpolitischen Geflecht, das zwischen den Fürsten, dem Kaiser und dem Papst herrschte. Nach dem Studium dieses Buches kann ich sagen, dass ich mich umfassend über die Reformation informiert sehe.
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am 31. Oktober 2011
Vor genau drei Jahren schrieb Winfried Stanzick eine Rezension zu MacCulloch"s Reformationswälzer. Thomas Kaufmanns Buch ist in gewisser Weise das genaue Gegenstück: es beschreibt den Ablauf der Reformation vor allem in Deutschland und hat besonders Martin Luther im Blick, während MacCulloch Europa, ja die Welt beschreibt und die Reformation gerade nicht als Funktion einzelner wichtiger Männer sehen will. Wie wird man wohl in sechs Jahren, wenn sich der Reformationstag zum 500. Mal jährt, an dieses Ereignis erinnern?

Reformation und dann Konfessionalisierung sind Etappen innerhalb der Epoche der Frühen Neuzeit.
Ohne das vor der Reformation einsetzende Interesse an Bibellektüre der Laien und der Etablierung städtischer Stellen für gebildete Prediger wäre der rasche Erfolg der Reformation nicht vorstellbar. Bei Druckschriften, Flugblättern und didaktischen Bildmedien konnten die Akteure der Reformationsbewegung an Vorhandenes anknüpfen.
Doch muss das "Nicht-mehr-Mittelalterliche" betont werden. Das persönliche Gottesverhältnis trat in einer Radikalität und Ausschließlichkeit in den Vordergrund, wie es das vorher nicht gab. Der ordinierte evangelische Pastor war etwas ganz anderes als ein geweihter Priester. Der Umgang mit Reliquien, Hostien, Bildern, Amuletten, Wallfahrten, Heiligen markierte einen vollständigen Bruch.

In Luthers Erkenntnis gab es keine "reformatorische Wende", sondern eine biblische und zugleich "praktische", auf das persönliche Gottesverhältnis des Menschen bezogene Glaubenslehre. Die Reformation selber begann 1517 mit einer Entscheidung, mit den 95 Thesen gegen den Ablass.
Luther wollte mit seiner Kritik am Ablasshandel Schaden von seiner Kirche abwenden und nicht, was geschah, die Einheit des abendländischen Kirchentums dauerhaft zerstören.
1521 verweigerte er auf dem Wormser Reichstag vor Kaiser und Reich den Widerruf und wurde gebannter, vogelfreier Ketzer. Als Folge verbreiterte sich die reformatorische Bewegung explosiv.

Seine wichtigsten Schriften erschienen im Entscheidungsjahr 1520, davon ganz vorne "An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung", in der er das Laienchristentum propagierte. Mit ihr dürfte der Erfolg der Reformation wesentlich begründet sein.

Auch Frauen wie die Adelige Argula von Grumbach, die Pfarrersfrau Katharina Schütz-Zell und Ursula Weyda nutzten Flugschriften und beriefen sich auf das allgemeine Priestertum. Nach dem Bauernkrieg 1524/25 kam der dramatische Rückgang der Publizistik von Laien und Frauen - für Frauen fand sich im öffentlichen Diskurs der Reformation kein Raum mehr.

Die "Zwölf Artikel Gemeiner Bauernschaft" gehören zu den meistgedruckten Texten der Reformationszeit. Sie fordern die freie Pfarrerwahl, die Verwaltung des Kornzehnten in gemeindlicher Verantwortung, die Aufhebung der Leibeigenschaft u.a.m.. Man wollte nicht die Obrigkeit abschaffen, sondern faire Bedingungen aushandeln. Gerade die religiöse Begründung hat ihrer immensen Wirkung den Weg bereitet. Die Bauern wurden niedergemetzelt. Die Wittenberger Theologen billigten die Gewaltmaßnahmen der Obrigkeiten.
Seit dem Bauernkrieg stand für sie fest, dass eine Reformation nur unter der Ägide der weltlichen Obrigkeiten stehen konnte oder sollte. Luther büßte im Bauernkriegsjahr ("Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern") mehr an Charisma ein als sonst in seinem Leben. Mit dem Sommer 1525 war die Phase der frühen Reformation, in der Luther das Herz der vielen gehört hatte, vorüber.

In der zweiten Hälfte der 1520er Jahre waren es nicht mehr die vielen Akteure der reformatorischen Bewegung, sondern die Fürsten mit ihren Mitarbeitern, die die Gesetze des reformatorischen Handelns bestimmten. Überlebt hat die Reformation durch die Fürsten.
Das Täuferreich von Münster 1534/35 hatte gezeigt: eine Reformation war nicht als Wiederherstellung der Ordnung Gottes oder Vorwegnahme des Reiches Christi realisierbar.

Gegen Ende seines Lebens stellte sich Luther in den breiten Strom des Antijudaismus, von dem er sich einstmals distanziert hatte. Auch in der "Türkenfrage" stellte er sich in den breiten Traditionsstrom des antiislamischen Kampfes der vorreformatorischen Kirche.

Mit dem Konzil, das der Kaiser betrieb, wollte er vor allem die Wiederherstellung der Kircheneinheit erreichen, dann auch eine Reform. Das Konzil von Trient klärte was fortan als katholische Lehre zu gelten hatte, es heilte die Scheidungen und Verwerfungen nicht, sondern bestätigte sie. Es eröffnete der katholischen Kirche Zukunft: eine wurzelhaft tridentinische.
Kaufmann schildert den weiteren Verlauf der Reformation bis zum Augsburger Religionsfrieden von 1555. Des Kaisers Sieg über die Evangelischen konnten diesen Frieden nicht verhindern. Er führte eine weltliche Friedensordnung ein, die das Alte Reich stabilisierte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kehrten die Politiker und Juristen zu den Prinzipien von 1555 zurück.

Die Reformation hat das Mittelalter in kirchlicher Hinsicht beendet.
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am 17. November 2009
...sondern auch für jeden, der sich für die Geschichte unserer europäischen Kultur interessiert.

Das gesellschaftliche Leben um 1500 wird als Humus und schließlich Auslöser der Reformation dargestellt was sehr erfrischend zu lesen und spannend ist.

Die Bedeutung der damaligen Massenmedien ist da mindestens genauso groß wie die als radikal angesehenen Botschaften die Luther, Zwingli und Karlstadt vertraten.
Deswegen ist dieses Buch auch empfehlenswert für alle, die sich mit Medien und Kommunikation auseinandersetzen und sich fragen wieso es immer wieder Umbrüche in der Verteilung und Wahrnehmung von veröffentlichten Botschaften gibt.
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am 27. Dezember 2015
Gemessen am Preis ist die Ausstattung bescheiden. Taschenbuchformat im Kleinstdruck. Ein sehr mühsames Leseerlebnis. Erstaunlich auch, die lückenhafte und unvollständige Verlagswebseite....
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