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am 7. Mai 2012
Ist immer so eine Sache mit den großen Romanen des 19. Jahrhunderts. Die einen sagen, daß das DIE GROSSEN ROMANE schlechthin seien, daß die Kunst des Romanschreibens überhaupt zu ihrer Vollendung gekommen sei im 19. Jhd. Mag sein. Sofort denkt man an Flauberts "Madame Bovary", an Tolstoi und natürlich Dostojewski, an Fontane, Balzac, Stendahl, Hugo aber auch die großen Unterhalter wie Dumas et al. Und Dickens. Dickens? Was war der denn nun? Ein Weltliterat oder doch nur ein schnellschreibender Zeilenschinder, der drei, vier Sachen zugleich runterschmierte, weil er irgendwie seine Familie(n) durchbringen musste? Letzteres hat mir mal jemand in einem Seminar erklärt. Nun denn. Gute oder gar große Literatur darf doch gelegentlich auch unterhalten, oder?

Nicht alles, was der gute Charles so von sich gegeben hat, muß gefallen. Doch "Große Erwartungen" ist nun defintiv einer seiner besten, seiner größten Romane. Nimmt man "David Copperfield", "Oliver Twist" und "Bleak House" dazu, hat man sicherlich einen guten Dickesnkanon, der einen ersteinmal beschäftigt hält.

"Great Expectations" hat all die Vor- und Nachteile, die Dickens eben ausmachen: es fesselt, es rührt, es hat eine teilweise schaurig-unheimliche Geschichte und Atmosphäre, tolle Typen (wobei ich zugebe, daß meine Lieblingsdickensfiguren nicht aus diesem Roman stammen - es lebe Uriah Heep, allein für diesen Namen!), aber eben auch wilde Handlunsgsprünge, psychologische Ungenauigkeiten (obwohl dies gerade in diesem Buch nicht so zutrifft, wie in anderen, Pips Seelenleben und -nöte sind schon gut und genau erfasst), zuviele Zufälle und ist - wie immer beim großen Engländer - überkonstruiert. Aber dennoch ist es eines der besten seiner Werke. Ich finde hier übrigens auch interessant, daß es etwas weniger Humor aufweist, als frühere Werke aus seiner Feder (obwohl es eine Tragikomödie sein sollte). Und es ist dichter in der Erzählweise, moderner, auch stringenter. Da es einer seiner letzten Romane war und er sicherlich schon gezeichnet war von den zunehmenden Krankheiten und der Erschöpfung, die ihn am Ende seines Lebens häufig und schließlich bleibend befiel, mag das diesen Umständen geschuldet sein. Seine Blick ist wie immer scharf und kritisch. Die englische Gesellschaft als undurchlässige Klassengesellschaft mit leeren Ritualen und Idealen wird einmal mehr genauestens seziert.

Inhaltlich ist es "David Copperfield" verwandt, beides sind in gewisser Weise coming-of-age-Romane, in beiden bemüht sich ein junger Mensch, den Unbilden der Armut zu entkommen, in beiden wird er gewissen Seelennöten ausgesetzt, wobei Pip hier m.M.n. noch genauer beschrieben und erfasst wird in seiner Angst vor und um den entflohenen Strafgefangenen Magwitch. Seine Liebe zu Estella und deren Hartherzigkeit muten manchmal an wie ein moderner Bericht über das Liebesleben junger Leute und Pips Wandlung zum snobistischen Dandy, der sich seiner eigenen Verwandten schämt, leuchtet dramaturgisch ein. Daß das Ende der "großen Erwartungen" gekommen ist, als sich das Geheimnis um Pips plötzlichen Wohlstand lüftet und er sich ins Ausland zurückziehen muß um schließlich - geläutert - heimzukehren und doch noch in Estellas Arme zu sinken, ist purer Dickens mit all seinen Happy-End-Hoffnungen. Man mags oder nicht, doch am Ende dieser 500 Seiten, in denen man all diese Figuren kennen- und liebengelernt, man mit ihnen gefiebert und gefürchtet und gelitten hat, freut man sich, wenn sie ein wenig Glück finden, mag die Realität auch meist anders aussehen.

Wie Anthony Burgess einmal auf die Frage nach Joyce' "Ulysses" und deren Lesbarkeit geantwortet hat: Einfach lesen, nicht nach dem Sinn fragen, nicht sich fragen, ob man alles versteht, einfach lesen und genießen! - so möchte man auch über Dickens sagen: einfach lesen!! Ist das DIE GROSSE Weltliteratur? Vielleicht, vielleicht auch nicht (ich denke schon), unterhaltsam UND aufschlußreich als Zeugnis seiner Zeit ist es allemal.
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VINE-PRODUKTTESTERam 22. April 2012
In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort

Am 7. Februar 2012 wäre Charles Dickens (*1812 - 1870) 200 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass sind etliche seiner Romane neu aufgelegt worden.
Der Hanser Verlag hat mit einer sehr schönen Neuübersetzung durch Melanie Walz das Buch "Große Erwartungen" herausgebracht.
Das Buch ist eine wunderschöne Dünndruckausgabe, die zu der Reihe der "Hanser-Klassikern der Neuübersetzungen" gehört. Auf gerade mal zwei Zentimeter Dicke kommen 832 Seiten, somit ist das Papier wirklich sehr filigran.

Das Buch besteht aus 3 Bänden und einem sehr ausführlichen Anhang, der sich über 137 Seiten erstreckt.

Erster Band:
Geheimnisvolle Erbschaft

Der Waisenjunge Pip wächst bei seiner älteren Schwester und dessen Mann Joe im Marschland der Themse auf. Bei Joe erlernt er auch das Handwerk des Schmiedens.
Eines Tages begegnet er auf dem Friedhof dem entflohenen Häftling Magwith. Zu Tode geängstigt besorgt er ihm aus der Speisekammer Essen und Trinken und stiehlt aus Joes Schmiede eine Feile.
In einem zweiten Handlungsstrang eröffnet sich Pip eine ihm völlig unbekannte Welt, als er eingeladen wird bei Miss Havissham zu spielen. Die exzentrische Alte Miss Havissham und deren Adoptivtochter Estella erwecken in Pip den Wunsch nach einem anderen Leben.
Als ihm plötzlich von einem unbekannten Wohltäter ein Vermögen gespendet wird, bekommt er die Möglichkeit sich in London zu einem Gentleman ausbilden zu lassen. Inzwischen kann er nur noch an Estella denken und verleugnet so sein wahres Leben, seine Freunde und die Verwandtschaft.
Für die herzlos erzogene Estella und deren Ziehmutter ist Pip aber nur ein Übungsobjekt.

Zweiter Band:
Große Erwartungen

Pip lebt inzwischen in London und führt dabei das Leben eines Snobs. Er ist vor allem damit beschäftigt Geld auszugeben. Auch wenn er seine Wurzeln verleugnet, vergisst er nie das alte Leben mit Joe. Nur aus Angst, Estella könnte es missfallen hält er an sein snobistisches Leben fest und verleugnet seine Familie.

Dritter Band:
Was es mit dem Leben auf sich hat

Pips Gönner gibt sich zu erkennen. Und somit gewinnt der Roman von Dickens noch einmal an Fahrt. Mehr zu schreiben würde Spoilern bedeuten, deshalb belasse ich es hierbei.

Am Ende des Romans liefert Dickens, überzeugt durch seinen Freund Edward Bulwer Lytton, ein alternatives Ende.

Kindheit und Erwachsen werden!
In den 137-seitigen Anhang finden wir die Entstehungsgeschichte der "Große Erwartungen" als Fortsetzungsroman geschildert. Die unterschiedlichen Fassungen des Romanschlusses werden diskutiert.
Die Verbindungen zwischen diesem Roman und Charles Dickens Leben werden veranschaulicht.
Charles Dickens hat seine Kindheitserlebnisse in diesem Roman verarbeitet und thematisiert das ärmliche Leben der Menschen in England in verdichteter Form. In der Zeit von 1837 bis 1901 gehörten zwei Drittel der Bevölkerung der sozialen Unterschicht an.

Mein Fazit:
Ich frage mich, wie man den Tonfall der viktorianischen Zeit (1837 - 1901) - also einer vergangenen Epoche - in die Neuzeit transferieren kann? Melanie Walz ist das wunderbar gelungen.
Ich kenne zwar das Original nicht, glaube aber zu verstehen, was uns Dickens als Sozialkritik vermitteln wollte, selbst heute noch im 21. Jahrhundert. Er schafft so ein lebendiges und bildhaftes Gesellschaftsgemälde. Dickens klagt in seinem Spätwerk das Gentleman-Ideal, der von Materialismus und Moralheuchelei geprägten viktorianischen Gesellschaft an.
Es geht um alle Gegensätzlichkeiten im Leben, um Kindheit und Erwachsen werden, Arm und Reich, Gut und Böse und das macht er mit einem leicht ironischen Unterton.
Charles Dickens erfasst perfekt die kindliche Psyche und gibt gleich auf den ersten Seiten eine Spitze an alle Erwachsenen weiter.

Zitat: "Seit jener Zeit, die lange vorbei ist, habe ich oft daran gedacht, wie wenige Erwachsene wissen, was Kinder für Seelenqualen erleiden, wenn man sie in Angst und Schrecken versetzt."

Mich hat die Stringenz der Handlung mehr als fasziniert. Bei einer solchen Seitenanzahl das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren ist mehr als bemerkenswert. Die Komplexität der Figuren-Charakterisierung wirkt zu keiner Zeit farblos oder stereotyp. Eine bunte Vielfalt der viktorianischen Zeit wird uns hier aufgezeigt.

Für mich ein absolutes Meisterwerk, wie ich es so noch nie gelesen habe!
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am 19. April 2012
Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt. Detailliert wird die Geschichte eines jungen Emporkömmlings dargestellt, der sich in der englischen Gesellschaft als Waisenjunge beweisen muss und keinen größeren Traum hat, als ein Gentlemen zu werden. Vor allem verglichen mit anderen Romanen aus dieser Zeit ist "Große Erwartungen" äußerst anschaulich und gut verständlich geschrieben und zieht den Leser von Anfang bis Ende in seinen Bann.

Uneingeschränkt zu empfehlen, auch für Leser, die sonst wenig klassische englische Literatur lesen.
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am 28. Juli 2009
Der Junge Philip Pirrip, der seinen Namen einst zu Pip verkürzte, eine Vollwaise, lebt im grauen, nebligen, öden Marschland. Aufgezogen wird er von der Schwester mit eigener Hand", was für ihn gleichbedeutend mit ständiger Drangsalierung und Demütigung ist: In der kleinen Welt, in der Kinder aufwachsen, wird nichts so genau wahrgenommen und empfunden wie Ungerechtigkeit, ganz gleich, von wem sie erzogen werden ... Seit meiner frühesten Kindheit hatte ich innerlich einen ständigen Kampf gegen die Ungerechtigkeit auszufechten ..." Joe, der Dorfschmied und Ehemann der Schwester, ist zu schwach und zu gutmütig, ihn vor deren Übergriffen zu schützen, ist ihm aber gleichzeitig bester Freund und einziger Halt seiner Kindheit. Unvermittelt und unerwartet geschehen Ereignisse, die ihn aus dem engen Leben der Dorfschmiede hinausführen in eine bizarre Welt des Wohlstands, eröffnen sich ihm große Erwartungen" durch einen unbekannten Wohltäter. So erbärmlich sein Leben in der Schmiede war, so großartig lebt er nun in London auf seine großen Erwartungen hin, vergißt seine Freunde in der Heimat, gibt Geld aus und versucht, trotz aller Ausschweifungen, ein halbwegs anständiger Mensch zu bleiben.

Auch in diesem Buch treffen wir mit dem größten Vergnügen auf die skurrilen Figuren, die üblicherweise die Romane von Dickens bevölkern. Es sind prägnante Gestalten, die neben den Merkmalen ihrer Klasse über psychologisch (bereits vor Freud) gut erfaßte individuelle Merkmale und Schrullen verfügen. Einprägsam wird die Einbettung der Menschen in ihr soziales Milieu geschildert. Dickens übt jedoch nicht nur Kritik an sozialen Mißständen, sondern auch und vor allem an menschlichem Fehlverhalten, und so sind am Schluß des Romans alle Personen, auch die gutmütigsten und liebenswürdigsten, irgendwie mit Schuld beladen, und einer jeden wird das Recht auf Verzeihung gewährt. Dickens Erzählmethode entspricht in großen Zügen der des 18. Jahrhunderts, die sich durch eine unaufhörliche Aneinanderreihung von Abenteuern auszeichnete. Er geht jedoch in seiner Komposition weit darüber hinaus und schafft ein lebendiges Gesellschaftsgemälde seiner Zeit.

Im zweiten Drittel des Buches lebt Pip in Erwartung" in London und ist hauptsächlich mit Geldausgeben beschäftigt. Erst im letzten Teil trifft er seinen Wohltäter, dessen Erkennen für ihn jedoch zunächst alles andere als Grund zur Freude ist, bis sie der rasante Verlauf der Ereignisse einander näherbringt. In einem scheinbar unbedeutenden Satz wird Dickens Menschenbild deutlich: Es gehörte zu meines Vaters Prinzipien, daß nur derjenige ein Gentleman mit gutem Benehmen ist, der in seinem Innern ein Gentleman ist. Er sagt, kein Anstrich könne die Beschaffenheit des Holzes überdecken." So wird am Ende jeder den ihm zustehenden Platz einnehmen. Aber bis dahin müssen sich die Romangestalten aus ihrer Fremdbestimmung lösen, die von Dickens teilweise deutlich dargestellt, teilweise hintergründigpsycholgisch vermittelt wird.

Für den Leser bedeuten die über 500 Seiten Lesevergnügen pur, man wird in den Strudel der Ereignisse hineingesaugt.
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am 13. April 2014
Der Titel bezieht sich auf die Erwartung großen finanziellen Reichtums, der dem verwaisten Jungen, genannt Pip, von einem ihm lange Zeit unbekannten Gönner versprochen wurde.
Der Weg vom armen, oft misshandelten Kind bis zum nicht reich gewordenen, aber zufriedenen Manne ist abenteuerlich und unterhaltsam geschildert.
Wer allerdings hauptsächlich Spaß und Spannung erwartet wird enttäuscht sein. Es ist ein besinnliches Buch, das zum Nachdenken darüber zwingt,was wirklich wichtig in unserem Leben und unseren Beziehungen ist..
Die außerordentliche Erzählkunst Ch.Dickens, seine anschaulichen und analytischen Darstellungen und sein Verständnis für die einfachen Leute kommen in diesem Roman besonders zum Ausdruck. Ich empfehle es als besonders lesenswertes Werk der Weltliteratur.
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am 5. September 2003
Charles Dickens' Meisterwerk "Große Erwartungen", welches Mitte des 19. Jahrhunderts erschien, handelt von dem Weisenjungen Pip und seiner unsterblichen Liebe zu der schönen, aber kaltherzigen Estella. Um ihren Ansprüchen gerecht zu werden, setzt Pip sich in den Kopf, eines Tages ein angesehener Gentleman zu werden. Und tatsächlich schafft er es mit Hilfe eines ihm unbekannten Gönners, aus seinen bescheidenen Verhältnissen zu fliehen und nach London zu gehen. Doch der Weg zum feinen Herrn ist hart und steinig.....
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, weil es trotz der Länge von über 700 Seiten nicht langweilig wird. Die Lernmaterialien helfen außerdem, die Geschichte besser zu verstehen.
Fazit: Ein Klassiker, der im Regal nicht fehlen darf.
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am 8. September 2010
"Great Expectations" ist meines Erachtens der beste Roman von Charles Dickens. All das, was seine früheren Werke bereits ausgezeichnet haben, ist hier zur Perfektion gebracht. Die Charaktere sind, wie immer, differenziert und in ihrem Handeln glaubwürdig motiviert. Das Geheimnis, das der junge Mann mit den großen Erwartungen nach und nach aufdeckt, ist kunstvoll angelegt, seine Verwicklungen und Irrungen hervorragend beschrieben. Was das Werk von den früheren angenehm abhebt, ist die Tatsache, dass Dickens hier seine sonst üblichen weitschweifigen Nebenschauplätze und -figuren hier zugunsten eines stringenten Plots weitgehend weggelassen hat.

Auch für die Augen des heutigen Lesers hält das Buch die eine oder andere lehrreiche Lektion bereit. Wer sich alle Bücher von Charles Dickens zu Gemüt führen will, dem sei dieses als letztes - als Höhepunkt - empfohlen!
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am 24. April 2001
"Große Erwartungen" ist beinahe die Geschichte eines Märchens: Ein junger Mann (Pip) erhält durch einen unbekannten Gönner Geld und ihn werden für die Zukunft, na ja, eben "große Erwartungen" in Aussicht gestellt. Allerdings ist doch wieder alles anders, als im Märchen: Pip verändert sich durch seinen Reichtum immer mehr zum Snob, der unbekannte Gönner ist ein ehemaliger Sträfling und die Frau, die Pip liebt, zerstört fast sein Leben (doch Estellas Leben wurde vorher auch zerstört).
Das Buch ist einfach phantastisch geschrieben,in einer tollen Sprache. Es gibt kaum Schwächen im Handlungsgerüst (na ja, vielleicht der Schluss... na und?). Meiner Meinung nach das beste Dickens-Buch.
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am 4. Februar 2013
Es ist einfach schön anzusehen, anzufassen, aufzuschlagen und von angenehmen Geruch, wenn man, so wie ich, seine Nase sprichwörtlich gern mal ins Buch steckt. Das kann der Hanser Verlag, dafür schätze ich ihn sehr! Über Dickens und sein (Gesamt-)Werk brauche ich hier kein Wort verlieren, aber diese Perle in adäquater Aufmachung und zudem von Melanie Walz (die mich schon bei Antonia S. Byatt und Robert Louis Stevenson überzeugt hat) neu übersetzt, lässt mich diese Ausgabe als ein "MUST HAVE" bezeichnen, sowohl für alte Dickens-Fans, als auch für solche Leser die sich glücklich schätzen können, ihn erst noch ganz neu für sich zu entdecken.
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am 15. August 1999
Dickens 1860/61 entstandener Roman spielt in den Themsemarschen unterhalb Londons, wo auch Dickens selbst seine Kindheit verlebte. Er hat große autobiographische Züge und ist daher bewusst in die Zeit um 1820 verlegt. Der kleine Junge Philipp hilft einem geflohenen Zuchthäusler, seine Ketten aufzufeilen. Daraufhin zahlt dem Heranwachsenden ein Unbekannter eine vornehme Erziehung und stellt im ein großes Vermögen in Aussicht. Später kehrt der Wohltäter - es handelt sich, wie zu vermuten war, um den Zuchthäusler - zurück und wird zum Tode verurteilt. Er stirbt nach einem Fluchtversuch. Das Vermögen des „Wohltäters" wird beschlagnahmt, weshalb die „großen Erwartungen" des Jungens nicht erfüllt werden. Dickens hat mit diesem Roman einen durchweg qualitativ hochwertigen Text geschrieben, der künstlerisch kaum zu wünschen übrig lässt. Dem Leser wird großer Raum gelassen, seine eigene Phantasie auszuleben, da vielfach nur angedeutet - ja, fast suggeriert - wird. Es handelt sich bei „Große Erwartungen" neben seine berühmten Weihnachtsgeschichte um das wahrscheinlich beste Werk von Dickens. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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