Kundenrezensionen


12 Rezensionen
5 Sterne:
 (8)
4 Sterne:
 (4)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jede Generation platzt eine Blase, 14. Juni 2002
Rezension bezieht sich auf: Das Geld: Roman (Taschenbuch)
Wie alle Bücher von Zola ist auch "Das Geld" durchtränkt von der typischen Das-Leben-ist-eine-Orgie-dunkler-menschlicher-Emotionen-Stimmung...
In diesem Buch ist es das Geld, das die dunklen Seiten des Menschen entfesselt. Denjenigen, die noch an einem Kater aus der kürzlich beendeten Internet Mania leiden, wird es den einen oder anderen Seufzer des Wiedererkennens entlocken.
Das Buch spielt im Paris des Second Empire, kurz vor dem deutsch-französischen Krieg 1871. Die Hauptperson heißt Saccard, wie alle Romanhelden Zolas auch irgendwie ein Rougon-Macquart, ein Mitglied dieser Familie, die durch alle Bücher Zolas hindurch an ihrer Maßlosigkeit, ihrem Wahnsinn und ihrem Alkoholismus zugrunde geht, aber doch nie ganz stirbt.
Saccard will Geld, denn Geld ist für ihn Macht. Deshalb gründet er ein Start-up, die "Banque Universelle", die Bauvorhaben im Nahen Osten finanziert, mit dem verklärten Ziel, irgendwann Jerusalem für die Christenheit zurückzuerobern und vielleicht den Papst dort residieren zu lassen. Für die Zeit eine geniale Idee, genau richtig, um die Menschen zu begeistern und den Börsenkurs in die Höhe zu treiben.
Eine zweite Hauptperson, Madame Caroline, die Nachbarin, die Schwester des Kollegen und später die Geliebte Saccards, erlebt die Geschichte des Aufstiegs der Bank an der Börse und ihren unvermeidlichen Fall hautnah mit. Zola benutzt sie, um mit ihren Augen Saccard zum Leben zu erwecken, seinen unglaublichen Willen und sein Feuer, seine Fähigkeit zu lügen, seine Gabe, Leute mitzureißen und sie für seine Sache Geld ausgeben zu lassen, sein grenzenloser Egoismus, seine Grausamkeit und sein gleichzeitiger kindlicher Glaube, er handle zum Wohle der anderen.
Es schwirren mehr als anderthalb Dutzend Nebencharaktere durch die Geschichte, Mätressen und Spekulanten - meistens jüdische, worauf sehr stark und politisch unkorrekt herumgeritten wird -, sowie brave, einfache Menschen, die von der Spekulationsgier ergriffen werden und ihre Träume, Hoffnungen und ihr Geld der Banque Universelle und Saccard anvertrauen. Am ergreifendsten ist die Geschichte einer Mutter mit ihrer Tochter aus uraltem, verarmten Hochadel. Sie hausen in einem Schloss und sparen sich die Kleider vom Leib, um einmal im Jahr adelige Mitmenschen zu einem Diner einladen zu können. Bis sie Saccard treffen und ihre gesamten Ersparnisse, die eigentlich als Mitgift für die Tochter geplant waren, für Aktien der Banque Universelle ausgeben, in der Hoffnung, reich zu werden und endlich wieder ein würdiges Leben zu führen.
Zolas Beschreibungen von der Euphorie, wenn alle Kurse an der Börse steigen, und von der nachfolgenden Depression, wenn sich alle plötzlich verdrücken und die Börse grau und verlassen mitten in Paris steht, weisen erstaunliche Parallelen zum Internet-Boom der Jahrtausendwende oder zum Schwarzen Freitag von 1929 auf.
So lernen wir, dass die Erfahrungen von Börsencrashs sich nicht an nachfolgende Generationen weitergeben lassen.
Praktischer Hinweis:
Das Buch ist zu lang. Vielleicht hatte Zola eine Mindestdicke für seine einzelnen Bände im Auge und sich deshalb gezwungen, die Geschichte auszudehnen. Nach einem Drittel der Seiten sind alle dramatischen Weichen gestellt für den Fall in den Abgrund, aber Zola muss immer noch einen draufsetzen, immer noch einmal die Banque Universelle sich aus einer Krise retten und sogar gestärkt heraustreten lassen, bis man als Leser keine Lust mehr hat.
Deswegen Mut zum Überblättern, bis das Ende erreicht ist, denn das Ende lohnt sich!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Vision vom schnellen Reichtum!, 28. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Geld: Roman (Taschenbuch)
Spekulanten sind Spieler! Diese einfache Aussage beschreibt Zola sowohl im Positiven, durch den rasanten gesellschaftlichen und finanziellen Aufstieg des Herrn Saccard, aber vor allem im Negativen, durch dessen Absturz und dem daraus resultierenden Sog , der all seine Anhänger mit ins Verderben reisst.
Es ist auch ein Machtkampf des auf der einen Seite leidenschaftlich und bedingungslos kämpfenden Christen Saccard, gegenüber dem berechnenden im Hintergrund agierenden Juden Gundermann.
Zu Beginn sind die Absichten und Ziele der Hauptfigur, der durch Träumereien und mit viel Phantasie zu überzeugen weis, durchaus nicht eigennützig. Ganz im Gegenteil versucht er durch Einsatz und Geschick das Beste für seine Mitstreiter zu erreichen. Aber im Laufe der Handlung gewinnt sein Judenhass immer mehr die Oberhand, und dadurch benebelt, führt dies, trotz zahlreicher Warnungen seiner engsten Freunde, unweigerlich zum Untergang.
Besonders eindrucksvoll ist die Schilderung der vielen Einzelschicksale der "kleinen" Aktionäre, die durch blindes Vertrauen und Unwissenheit, der drohenden Baisse nicht entkommen.
Schauplatz des Geschehens ist Paris während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aber trotzdem hat der Roman keineswegs an Aktualität verloren. Darum sei dieses Buch allen empfohlen, die mehr über die Machenschaften und Intrigen der Börse erfahren wollen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Geld von 1891, 26. November 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Geld: Roman (Taschenbuch)
Emile Zolas Roman „Das Geld" wurde 1891 erstmals veröffentlicht und spielt fast ausschließlich an der Pariser Börse. Anhand des Protagonisten Saccard, der einen Unternehmer, Finanzier und Spekulant zugleich darstellt, wird deutlich, wie durch gewandte Manipulationen und unlauteren Handelns ein enormes Vermögen aus dem Nichts entstehen kann. Zu Beginn des Romans erweist sich die Beziehungsstruktur mancher Charaktere zueinander als diffizil, jedoch im Laufe der Handlung wird diese leichter verständlich. Der Leser kann durch dieses Werk viel über diverse Geldgeschäfte, wie Kapitalerhöhungen und Wechselgeschäfte, erfahren. Für den Leser stellt es folglich einen Vorteil dar, sich bereits vorher mit gewissen Finanzgeschäften auseinandergesetzt zu haben. Selbst wenn nicht, wird alles anschaulich und nachvollziehbar erläutert. Durch illegale und zum Teil unmoralische Machenschaften sowie Absprachen wird dem Leser vor Augen geführt, wie der Titel des Romans bereits hervorhebt, daß Geld, Geld und nochmals Geld, die Welt regiert. Die unterhaltsame Erzählweise Zolas, sowie die malerischen Beschreibungen der Umgebung und zwischenmenschlicher Beziehungen machen dieses Werk auf jeden Fall lesenswert und einzigartig.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Treffende Erzählung vom Geldmenschen, 15. Juli 2003
Von 
Werner, Henry (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Geld: Roman (Taschenbuch)
Die Soziologie hat verschiedentlich den masslosen Trieb des "Geldmenschen" charakterisiert. Zolas "Das Geld" ist ein treffender Roman zu diesem Phänomen und gerade deshalb so beeindruckend, da alle menschlichen Beziehungen in diesem Buch sich über Reichtum und Geld definieren. Einzige Ausnahme ist die Figur der Karoline, die als moralisches Korrektiv (das sich dennoch zum Höhepunkt des Buches vom Geldtreiben einfangen lässt) die "reine", menschliche Beziehung retten möchte.
Ein beeindruckender Klassiker, eindeutig zum Lesen zu empfehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Emile Zola. Geld, 5. Januar 2009
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Rougon- Macquart: Das Geld (Taschenbuch)
Im Jahr 1895, also vor einhundertvierzehn Jahren, erschien der Roman Emile Zolas. In ihm werden Vorgänge an der Pariser Börse während des II. Kaiserreichs in den Jahren zwischen 1864 und 1867 beschrieben, die zu einem Crash führten und maßgeblich zu einer auch politischen Baisse Frankreichs führten, die mit der Niederlage im Krieg gegen Deutschland in den Jahren 1870/71 ein böses Ende fanden.

Obwohl der Handlungsrahmen einer Fiktion entspricht, gelingt es Zola, das Wesen der Börse und ihrer Zyklen zwischen Hausse und Baisse in exorbitant kunstvoller Weise zu charakterisieren. Ausgangspunkt ist das Zusammentreffen des momentan abgehalfterten Spekulanten Saccard und einem mittellosen Geschwisterpaar, das einige Jahre im Nahen Osten verbracht hat. Während der Bruder Hamelin, ein Ingenieur, davon träumt, den Nahen Osten durch Schifffahrtskonsortien, Eisenbahnen und den Bau von Silberminen zu erschließen, gebärdet sich dessen Schwester Caroline als mäßigendes, liebevolles Gewissen. Als Saccard die Pläne des Bruders erfährt, stachelt er beide zu einem groß angelegten, börsennotierten Unterfangen auf, das in der Gründung der Banque Universelle ihren ersten Höhepunkt erreicht und zu einem Kampf auf Leben und Tod mit dem allmächtigen Bankier Gundermann führt, der seinerseits dem Spekulationswahn abhold ist und eine realistische Vorstellung von der Wertbemessung handelsfähiger Papiere hat.

Der Feldzug Saccards besteht in der Bildung eines Konsortiums, das ein hohes Stammkapital zeichnet, aber de facto nie einzahlt. Durch Bilanzierungstricks und Spekulation mit eigenen, nicht geldmäßig hinterlegten Aktien treibt Saccard die Kurse der Banque Universelle in die Höhe, ohne dass die Aktivitäten im Nahen Osten Wertschöpfungen zeitigten, die auch nur annähernd die Bewertung an der Börse legitimierten. Saccard zieht alle Register, unterhält Strohmänner, gründet Briefkastenbanken in Rom und Istanbul und kauft konservative Zeitungen, mit denen er seinen Schwindel durch begünstigende Meinungsbildung eskortiert.

Zwar ist sehr früh zu ersehen, dass die künstlich erzeugte Hausse keinen Bestand haben wird, doch Zola nutzt in seiner Figuration die Vorzeichen des Niedergangs, um sich mit einer ihm typischen Akkuratesse der Psychologie der Spekulation zu widmen, die aufgrund der zyklisch immer wiederkehrenden und höchst aktuellen Ursachen eines Börsenkrachs als ein unverzichtbarer Beitrag der Erklärung zu gelten hat. Obwohl es in dem von Zola erschaffenen Panoptikum von windigen Abkochern, kriminellen Bankrotteuren, abscheulichen Schuldeintreibern, gierigen Aufkäufern und süchtigen Spielernaturen nur so wimmelt, dechiffriert er auch das große Potenzial der Börsentäuschung, nämlich das der bürgerlichen Kleinanleger, die mit wachsender Gier der trügerischen Option des Märchens vom plötzlichen Reichtum jenseits der realen Wertschöpfung anheim fallen. Letztendlich sind sie es, die der Vernunft einen Laufpass geben und ihr an und für sich bescheidenes Wohl hart erarbeitet haben, um es dann im Rausch der Spekulation bar jeglichen Verstandes in den Orkus zu schießen.

Die Großen, wie der Bankier Gundermann, haben eine sehr präzise Vorstellung davon, wie der Wert bestimmt wird und welche Wachstumsprognosen solide sind. Deshalb sind auch sie es, die den Kampf an der Börse gewinnen, die Regisseure der künstlichen Hausse hingegen landen im Gefängnis oder in der Versenkung oder sie starten ihr Spiel erneut an einem anderen Ort und unter anderem Namen. Die Opfer hingegen sind die Träger der Illusion, dass Reichtum aus dem Nichts entsteht und ohne Anstrengung erworben werden kann.

Zola gelingt es, die Funktionsweise der Börse transparent zu machen, er enttarnt die Camouflage der Spekulation, aber er ist auch so redlich, den positiven Nutzen und die Notwendigkeit einer funktionierenden Börse nicht zu negieren. Und die Aktualität ist verblüffend, denn bei der Lektüre vermisst man nur Namen wie Freddie Mac, Fanny Mae oder Lehman, denn die handelnden Figuren und Konsortien kommen einem seltsam vertraut vor.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Chronist der Krise, 2. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Geld: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Wer etwas über das 19. Jahrhundert erfahren will, der lese Emile Zola. Ob das Milieu der Bergarbeiter (in Germinal), ob die Welt der Pariser Markthallen (in Der Bauch von Paris) oder das Entstehen der Kauf- und Warenhäuser (in Das Paradies der Damen), Zola ist ein hervorragender Chronist seiner Epoche.

Aber vielmehr noch ist Zola gleichsam ein Sozialforscher, seine Romane Studien zur Gesellschaft, ihrer Sozialstruktur, ihren Veränderungstendenzen und deren Folgewirkungen. Anschaulich und in allen Details entsteht vor dem Leser ein gesellschaftliches Panorama. Das macht Zola auch heute noch absolut lesenswert und lehrreich.

Auch auf sein Werk 'Das Geld' trifft dies zu. Nicht zufällig hat der Suhrkamp Verlag das Werk in Zeiten der Finanzkrise neu aufgelegt.

Zola schildert, wie mit Hilfe von Propaganda und finanztechnischen Tricksereien Aktienkurse in die Höhe getrieben werden. Der Bezug zu realen Werten geht mehr und mehr verloren. Geldgier und Leichtgläubigkeit siegen. Alle Schichten der Bevölkerung sind von Spekulationswut erfasst, bis schließlich der große Krach kommt, das Phantasiegebäude bricht zusammen und die Aktienkurse fallen ins Bodenlose.

Zola sieht hier ein periodisch wiederkehrendes Muster. Alle zehn Jahre tritt eine Krise ein. Sein Verdienst ist es, die Triebkräfte und den Verlauf solcher Krisen anschaulich gemacht zu haben. Wenngleich manche Passagen von Kitsch und Schmalz gekennzeichnet sind, die Lektüre ist absolut lohnens- und empfehlenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zola lesen heißt das Heute verstehen, 16. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Geld: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Was kann das Werk Emile Zola's über das Geld und das Geschehen an der Pariser Börse von vor über 130 Jahren uns Heutigen noch sagen?
In diesem Buch erfährt man alles, was man auch heute über die Rolle des Geldes und über die Spielstätte Börse wissen muß. Die sich mit jeder Hausse steigende Gier der Anleger, in der Hoffnung auf ein immer noch ein Stückchen mehr. Das Hineinziehen auch einfacher Sparer in diesen Wirbel. Die hinter den Kulissen dieses Treiben schürenden und steuernden Oberabsahner, bei Zola sind es die Juden und die Kirche, heute die Banker und ihre hörigen Politiker. Zola beschreibt uns als Folgen solcher ProzesseUnd die schließlichen zwangsweisen Zusammenbrüche alle paar Jahre mit den existenzvernichtenden Verlusten vieler und den Gewinnen der Drahtzieher. Alles heute kein bißchen anders als zu Zola's Zeiten.

Und auch kein bißchen anders als damals haben die Mächtigen aus Europa und den USA nicht nur den kurzfristigen Gewinn im Auge. Beschreibt Zola die all den Börsengeschäften zugrunde liegenden Pläne um die Eroberung und Technisierung des Nahen Ostens und Asiens und seiner Rohstoffe, so geht es auch heute um gewinnbringende Anlagen und Rohstoffe für die Mächtigen dieser Erde. Zola lesen, heißt das 'Heute' verstehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unsterbliches Meisterwerk, aktueller denn je, 26. März 2009
"Das war die verhängnisvolle, periodisch wiederkehrende Epidemie, deren Verheerungen alle 10 bis 15 Jahre an den sogenannten schwarzen Freitagen den Markt rein fegt und den Boden mit Trümmern bedeckt. Jahre müssen vergehen, damit das Vertrauen wiederentsteht, die großen Bankhäuser wiederhergestellt werden, bis die Spekulationsleidenschaft erneut auflebt, entfacht wird und die Geschichte wieder von vorn beginnt, eine neue Krise herbeiführt und und in einem neuen Krach alles vernichtet."

Aktuell?
Diese Rezension wird geschrieben in der weltweit größten Wirtschaftskrise seit den 1920iger Jahren. Das Zitat allerdings, aktuell passend wie die Faust aufs Auge: stammt von Emile Zola, Mitte des 19. Jahrhunderts verfasst.

Zola, der Seher?
Nein, Zola, der Analysator. Ups and Downs, Bulle und Bär, Irrsinn und Trübsal. Menschliches Maß, eingefangen vom Meister.

Keine Worte, nur ehrfürchtiges Staunen. Ein Werk für Generationen.
Zola entwirft in groben Zügen das Abbild des Kapitalismus, ohne jedoch - wie oft von anderen nervtötend mit erhobenem Zeigefinger vollbracht - die Idee des Sozialismus überzustrapazieren.
Paris anno 1800 - Seelenleere, Armut, Größenwahn. Die schiere menschliche Existenz, gebündelt durch triebhaften Antrieb zur Zuspitzung im Exzess.

Pflichtlektüre! (Eine Schande, dass dieses Standardwerk der Weltliteratur weithin unbekannt ist, demgemäß in keinem Verlagskatalog aufscheint. Ich musste es beim Antiquar besorgen).
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unsterbliches Meisterwerk, aktueller denn je, 26. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Geld. Roman (Taschenbuch)
"Das war die verhängnisvolle, periodisch wiederkehrende Epidemie, deren Verheerungen alle 10 bis 15 Jahre an den sogenannten schwarzen Freitagen den Markt rein fegt und den Boden mit Trümmern bedeckt. Jahre müssen vergehen, damit das Vertrauen wiederentsteht, die großen Bankhäuser wiederhergestellt werden, bis die Spekulationsleidenschaft erneut auflebt, entfacht wird und die Geschichte wieder von vorn beginnt, eine neue Krise herbeiführt und und in einem neuen Krach alles vernichtet."

Aktuell?
Diese Rezension wird geschrieben in der weltweit größten Wirtschaftskrise seit den 1920iger Jahren. Das Zitat allerdings, aktuell passend wie die Faust aufs Auge: stammt von Emile Zola, Mitte des 19. Jahrhunderts verfasst.

Zola, der Seher?
Nein, Zola, der Analysator. Ups and Downs, Bulle und Bär, Irrsinn und Trübsal. Menschliches Maß, eingefangen vom Meister.

Keine Worte, nur ehrfürchtiges Staunen. Ein Werk für Generationen.
Zola entwirft in groben Zügen das Abbild des Kapitalismus, ohne jedoch - wie oft von anderen nervtötend mit erhobenem Zeigefinger vollbracht - die Idee des Sozialismus überzustrapazieren.
Paris anno 1800 - Seelenleere, Armut, Größenwahn. Die schiere menschliche Existenz, gebündelt durch triebhaften Antrieb zur Zuspitzung im Exzess.

Pflichtlektüre! (Eine Schande, dass dieses Standardwerk der Weltliteratur weithin unbekannt ist, demgemäß in keinem Verlagskatalog aufscheint. Ich musste es beim Antiquar besorgen).
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen das Untier war gegen die Welt losgelassen, 4. Dezember 2010
Von 
Bernhard Horwatitsch "horwatitsch" (Muenchen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Geld: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Émile Zolas (1840 bis 1902) Roman "Das Geld" (1891), schildert die Ereignisse an der Pariser Börse im zweiten Kaiserreich vor dem deutsch-französischen Krieg. Sein Hauptprotagonist Saccard ist der Bruder des Ministers Rougon. Ab 1869 (bis 1893) konzipierte Zola, nach dem Vorbild von Honore de Balzac, die meisten seiner Romane als Teile eines Zyklus mit dem Titel Les Rougon-Macquart. Histoire naturelle et sociale d'une famille sous le Second Empire/Die R.-M. Die Natur- und Sozialgeschichte einer Familie im Zweiten Kaiserreich. Die insgesamt 20 Romane sollten eine Art positivistisch begründeter Familiengeschichte sein, nämlich des der Bourgeoisie zuzuordnenden Rougon-Zweiges und des der Unterschicht angehörenden Macquart-Zweiges.
Nach einer Art Staatstreich wurde Napoleon III 1852 Kaiser von Frankreich. Es ist eine Zeit der zunehmenden Industrialisierung, der Bildung großer Finanzzusammenschlüsse. Um die gewaltigen Bauvorhaben zu stemmen (z. B. die Eisenbahn), waren die einzelnen Kapitalisten nicht mehr finanzkräftig genug. Der so genannte Freihandel (Merkantilismus) reichte nicht mehr aus. Ausgangspunkt eines modernen Imperialismus war die Schaffung von mehr konstantem Kapital auf Kosten des variablen Kapitals. Es entstand eine neue ökonomische Struktur des Monopol- bzw. Oligopolkapitalismus, da man hohe Kapitalkonzentrationen benötigte, die es in der liberalen Epoche so nicht gab. Es entwickelten sich neue Unternehmensformen, Kapitalunternehmen wurden zu dem, was man heute multinationale Konzerne nennen würde, Trusts mit Monopolstellung (z. B. IG Farben).
Kartelle teilen sich den Markt auf. Syndikate (z. B. das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat) entstehen.
Es kommt in der Folge zu einer Trennung zwischen dem Eigentümer (Aktionäre) und dem Verfügenden über Eigentum (Manager).
Die Zirkulation hochkonzentrierten Kapitals führt eine Marktmacht aus. Und diese neue Konzentration von Macht gerät in die Hände des Judenhassers Aristide Saccard, Bruder des französischen Ministers Rougon. Saccard gründet eine Bank, die Banques Universelle. Dies gelingt ihm mit Hilfe des finanzkräftigen Daigremont. Und selbst nachdem das Fenster geschlossen war, wurden sie von diesen halb gedämpften Klagetönen begleitet, während sie die Gründung der Banque Universelle mit einem Kapital von fünfundzwanzig Millionen beschlossen. (Seite 152) Die Gründung dieser Bank wird also von Klagetönen begleitet. Saccard überredet nun den naiven Ingenieur Hamelin, sich zum Präsidenten dieser Bank machen zu lassen, angeblich nur eine Förmlichkeit, aber später wird dies zum Verhängnis für Hamelin (mit gehangen, mit gefangen).
Die Grundidee der Bank: Ganz Arabien erobern und mit Bahnstrecken zu überziehen, Jerusalem freikaufen und zum Sitz des Papstes machen. Den Ausbau der Bahnverbindung im Orient, überhaupt die Zivilisierung des Orients und als Gipfel der Krönung die Eroberung Jerusalems für den Papst - Politik, Sendungsbewusstsein und Geschäft verschmelzen zu einer Art globalem Image. Während vor Ort in Paris selbst die Armut offen grassiert. Zolas Schilderung der Pariser Elendsviertel erinnert dabei an Hooverville (so genannte informelle Siedlungen, wie Slums, Favelas etc.), wie die gängige Bezeichnung der New Yorker Slums nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 lautete. Auslöser der Krise war ebenfalls ein Börsencrash.
Saccard Feldzug geht weiter. Er kauft eine konservative, katholische Zeitung und propagiert die zukünftige Krönung des Papstes in Jerusalem. Dieses, ein wenig an die Parallelaktion in Musils "Mann ohne Eigenschaften" erinnernde gewagte Vorhaben verschlingt von Beginn an große Summen. Die ganze Bank ist auf Pump aufgebaut. Die Aktionäre werden von Beginn an hintergangen, indem die Bank Strohmänner einsetzt (z. B. Sabatani) um den bestimmenden Anteil an Aktien und Geschäftskapital selbst in Händen zu halten.
Die kritische, aber voller natürlicher Lebensbejahung steckende Schwester des Ingenieurs Hemalin, Frau Karoline, durchschaut früh den Narzissmus von Saccard. Doch gleichzeitig fühlt sie sich angezogen von dessen unbändigem Durst nach Macht und Erfolg.
Im Hintergrund drohen die Juden. Einer von ihnen ist der König der Pariser Börse: Gundermann. Ihm gilt Saccards ganzer Hass, ihn möchte er vernichten. Gundermann ist das Gegenbild zu Saccard. Während Saccard voller Emotionen steckt und kein Wagnis scheut, ist Gundermann der magenkranke, puristische Idealtyp des Weberschen Kapitalisten.
Ein anderer Jude ist der Schuldeneintreiber Busch. Er hat einen Nadelstich gegen Saccard in der Hand, nämlich den Beweis einer alten Schuld. Vor langer Zeit vergewaltigte Saccard eine junge Frau im Treppenhaus, wobei diese sich die Schulter brach und auch noch schwanger wurde. Der Sohn aus dieser Vergewaltigung wird zum besonderen Druckmittel des Juden Busch.
Später kauft Frau Karoline den Jungen frei und versucht ihn im Haus der Armen eine Erziehung angedeihen zu lassen. Doch Viktor (so der Name des Jungen) vergewaltigt seinerseits eine junge Frau und flieht. Er wird verroht und vertiert dargestellt. Die Darstellungen der Armenviertel durch Emile Zola erinnerten mich beim Lesen an heutige Fernsehbilder von Wellblechhütten in Afrika, nein, sogar schlimmer. Der Gegensatz von reich und arm wird trotz der ungeheuren Geldmaschine nicht aufgehoben. Lange Zeit glaubt Karoline, obgleich sie immer zweifelt, an die Hoffnung, durch das viele Geld die Welt umzubauen und gerecht zu gestalten. Viele glauben an Saccard, wollen an ihn glauben, bis zum Schluss, über den Schluss hinaus sogar. Zola erzielt auch ihre Geschichten, den Sturz aus großer Höhe, die Verarmung durch Spekulation.
Der utopische Gegenentwurf kommt von Sigismund Busch, dem kommunistische Bruder vom Prototyp des jüdischen Halsabschneiders. Dieser schwindsüchtige Sigismund entwirft (in steter Kommunikation mit Karl Marx) die positive Utopie einer Welt ohne Geld und Lohnarbeit. Die gewaltigen Konzerne gehören in dieser Utopie der Allgemeinheit. Und so kann sich Sigismund insgeheim freuen, dass Saccard gerade durch seine Universalbank auf diese Gesellschaft hinarbeitet. Der Kapitalismus enthält bereits in sich selbst den Keim seiner Abschaffung. Leider zerstört sein verzweifelter Bruder am Totenbett das fertige Manuskript, weil er glaubt, dass diese Arbeit den Tod des geliebten Bruders nur befördert habe (Seite 580).
Durch eine Intrige fliegt die Bank schließlich auf. Der Jude Gundermann spielt gegen Saccard Baisse (Bärenmarkt) und treibt damit die Universalbank in den Ruin. Irgendwann brechen die Kurse zusammen, als das Gerücht aufkommt, dass die Bank nicht mehr genug Geld im Hintergrund hat, um die in die Höhe geschnellten Kurse wirklich zu zahlen. Es erinnert dieser Crash schon sehr an den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008.
Zola gilt als Vertreter des so genannten Naturalismus, einer literarischen Richtung, die sich als literarische Revolution versteht, weil er mit dem Tradierten bricht und den (poetischen) Realismus überwindet, und weil er auf dessen verklärende Tendenzen verzichtet ebenso wie auf die Deutung der Wirklichkeit durch den Dichter. Exakte Darstellung von Räumen, um das soziale Milieu zu schildern oder auch der so genannte Sekundenstil (Erzählzeit und erzählte Zeit sind deckungsgleich) sind Entdeckungen dieser kurzen Literaturtradition (deutscher Vertreter war Gerhard Hauptmann). Ein unmittelbarer Konnex zur Tradition der Moderne ist auch im Roman "Das Geld" fühlbar.
Ich bezweifle zwar sehr, dass Zolas Roman frei von Deutungen ist, aber zumindest ist er gegenüber seinen Figuren fair. So schildert er den Schuldeneintreiber Busch einerseits als gnadenlos gegenüber seiner Kundschaft, andererseits aber als tiefen und leidenden Menschen, der sich um seinen kranken Bruder Sigismund sorgt. Frau Karoline ist lebensfroh und praktisch im Verstand, und doch kann sie sich dem destruktiven und morbiden Charme von Saccard nicht entziehen. Die krasse, beinah monsterhafte Schilderung von Viktor (Saccards Sohn wird als früh entwickelt dargestellt, behaart und gut bestückt mit schiefem Gesicht) trägt noch viel Symbolhaftes für das Grausige der Armut.

Das Ende des Romans ist äußerst raffiniert. Ist die Liebe etwa minder befleckt, sie, die das Leben hervorbringt? Geld und Liebe sind in ihrer schöpferischen Kraft höchst ambivalent. Sie sind nicht minder zerstörerisch.
Daher wird der Naturalismus, verkörpert in Frau Karoline, zum Chronisten einer ansonsten verstrickten Welt. In Karolines Lebensbejahung erkannte ich schon eine tiefe Spur zu Camus Existenzialismus, als sei Karoline eine Vorläuferin des Arztes Rieux (aus "Die Pest"). Denn obwohl sie den Schmutz und das Elend der Welt sieht, ist sie voll tätigem Mitleid den Menschen gegenüber.
Aristide Saccard ist der Typus eines Finanzjongleurs, für den Verantwortung nur Bedenkenträgerei bedeutet, und dies würde die Geschäfte nur hemmen. Alles Große, alles Heil kommt aber doch von den Milliarden, von Gold und Silber, der Materie gewordenen Emotion des Menschen. Gundermann hingegen ist der kühle, rationale Verwalter dieser Materie. Im Spannungsfeld dieser idealtypischen Figuren hangelt sich noch heute unsere Marktwirtschaft von Krise zu Krise. Und von Krise zu Krise verliert der Mensch seine Würde, so wie Aristide Saccard seine Würde verliert gegenüber Frau Karoline, als er immer noch nicht einsehen will (im Gefängnis), dass er Menschen betrogen hat und diese sogar ihr Leben verlieren mussten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Das Geld: Roman (insel taschenbuch)
Das Geld: Roman (insel taschenbuch) von Emile Zola (Taschenbuch - 25. Oktober 2009)
Gebraucht & neu ab: EUR 2,74
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen