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am 28. August 2013
Krieg kann so vieles sein! Er wurde in all seiner Grausamkeit realistisch beschrieben (Barbusse), gesamtgesellschaftlich analysiert (Arnold Zweig), dem Feuilleton gefügig gemacht (Remarque), ästhetisch betrachtet (Jünger), psycho-organisatorisch offengelegt (Littell), in seinem Zynismus demaskiert (Celine), symbolisch verstanden (Crane), als pures Ereignis beschrieben (Zola), als Dummheit verlacht (Hašek), vielfach autobiographisch dokumentiert … aber Lernet-Holenia, fand einen originellen anderen, einen überraschenden Weg, er beschreibt ihn als magisches, als phantastisches Ereignis.
Wallmoden, sein Held, der 1939 für vier Wochen zur Reserve muss und letztlich in den Polenfeldzug hinein geschleudert wird, erlebt das gigantische Ereignis wie in Trance, im Traum, durch einen Wahrnehmungsnebel, so als stünde er neben sich und immer mit einer offenen Tür hin zum Übersinnlichen, Unheimlichen, ins Reich der Toten und der Geister. Er erlebt den Krieg im eigentlichen Sinne nicht, er nimmt ihn nur aus einer seltsamen Distanz wahr, die an ein Drogenerlebnis erinnern mag. So entstehen skurrile Bilder, unwirkliche Situationen, ein ganz und gar „unmännliches“ Bild des Krieges. Das dürfte der Grund gewesen sein, weshalb das Buch im Deutschland des Jahres 41 die Zensurhürde nicht nahm und erst nach dessen Fall in die Läden kam. Außerdem entlarvt Lernet-Holenia durch den autobiographischen Anteil ganz nebenbei die Gleiwitz-Lüge, indem er die Mobilisierung der Truppen lange vor dem „Anschlag“ beschreibt.
In all dies ist eine seltsame und verwirrende Liebesgeschichte mit einem ephemeren weiblichen Wesen verwunden, von dem man nicht weiß, wer oder was sie ist. Das lässt den Leser oft etwas ratlos zurück, er liest seitenlange flotte Dialoge, ohne recht zu wissen, worum es geht. Wäre nicht diese wie aus einer längst vergangenen Zeit entsprungene eloquente und elaborierte Sprache, mit vielen überraschenden Satzstellungen, dann könnte man an solchen Passagen den Mut verlieren. Doch treibt allein schon jene Sprache voran, sie trägt dieses kleine filigrane Wunderwerk mit den doch so schicksalsschweren Fragen.
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