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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dostojewskis Klassiker in einer neuen Form, 12. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Spieler, Der (Gebundene Ausgabe)
Fjodor Dostojewskis Roman "Der Spieler" aus dem Jahre 1866 trägt zum Teil autobiographische Züge. So zeichnet er ein authentisches und partikuläres Bild der Spielsucht, die ihn selbst gefangen nahm.
Durch Stephane Miquels und Loic Godarts freie Adaption wird Dostojewskis Klassiker in ein neues und modernes Gewand gehüllt: In eindringlichen Bildern wird eine beklemmend zeitlose Geschichte von finanziellen Nöten, Hingabe und Abhängigkeit neu erzählt. Hier zeigt sich, wozu eine Graphic Novel im Stande ist.
Die Publikation erscheint als Hardcover in einem handlichen Format und ist in einen Schutzumschlag gekleidet.

Erzählt wird die Geschichte aus Ich-Perspektive des Protagonisten Alexej Iwanowitsch, der immer tiefer in die Spielsucht absinkt, die allmählich sein Leben zerstört. Diese Entwicklung wird in drei Kapiteln veranschaulicht. Beginnend mit Alexejs ersten Kontakt mit dem Roulette, über erlebte Gewinne und Verluste, sowohl in Gesellschaft als auch allein, bis hin zur vollständigen Abhängigkeit, die von nun an stärker ist als alles andere; sogar stärker als seine Liebe zu Polina Alexandrowna. Dabei ist der Zeitpunkt seiner Unfreiheit nicht genau festzumachen, vielmehr ist es ein schleichender Prozess ' und plötzlich steckt er schon mittendrin. Aber der Leser stellt ebenso fest, dass nicht nur Alexej, sondern auch der General, Polina oder auch Mademoiselle Blanche verzweifeln oder bereits Qualen durchlebt haben; jeder auf seine Weise.

Die Adaption gibt ihr Bestes, schafft es aber nicht alle Fraglichkeiten aufzuklären. Unklar bleibt zum Beispiel, woher das Geld stammt, dass Alexej ganz zu Anfang mit nach Roulettenburg bringt, um die Familie des Generals zu unterstützen, bis deren finanzielle Kriese abgewendet ist. Immerhin stammt er nur aus einfachen Verhältnissen und wird das Geld selbst nicht besessen haben. Auch bleibt Alexejs Beziehung zu einigen Personen, wie dem Engländer Astley etwas unscharf. Einerseits scheint er diesen nicht besonders gut zu kennen, andererseits führen beide immer wieder Gespräche, die durchaus vertraulich und privater Natur sind.

Die Zeichnungen sind in einer Art Karikaturen-Stil gehalten, sodass die Charaktere nicht als anmutig oder bezaubernd bezeichnet werden können. Nebenbei enthalten die Darstellungen nur wenige Details, dafür konzentrieren sich diese auf das Wesentliche und sind alles andere als ausdruckslos. Ein Großteil der Illustrationen ist in warmen Ocker- sowie in kalten Blautönen eingefärbt. Diese verkörpern sowohl Rauschzustände, die Unwirklichkeit "alles ist möglich", wie auch die (innere) Einsamkeit, die trostlose und unbefriedigende Zeit danach sowie letztendlich das Wissen, alles verloren zu haben und doch machtlos zu sein.

Klar ist, dass auch die Adaption von Dostojewskis Klassiker nicht einfach zum schnellen Durchlesen gedacht ist. Vielmehr sollte sich der Leser Zeit nehmen, um die Illustrationen sowie die Texte in Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Fazit: Präsentiert wird eine qualitativ hochwertige Edition, eines klassischen, literarischen Werkes in einem neuen Gewand. Eine plastische Schilderung über Hingabe, Obsession und der Erkenntnis, dass die Liebe nicht jedes Hindernis überwindet.
Zweifellos ist der individuelle Zeichenstil eine Geschmacksfrage, nichtsdestotrotz freundet sich der Leser allmählich mit diesem an. Wer sich bisher an noch keinen Dostojewski getraut hat, bekommt hier eine gute Gelegenheit, die Abgründe der menschlichen Psyche buchstäblich zu betrachten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Friedrichsdor, Louisdor, Rubel und Gulden - Ein Roman über Roulette als ein Teufelskreis und endlose Sucht, 19. September 2011
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hillershausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Spieler (Taschenbuch)
Der Ich-Erzähler Aleksej Iwanowitsch ist Hauslehrer des Generals. Dieser hat eine Stieftochter, Pauline, in die Aleksej hoffnungslos verliebt ist. Aleksej, der Engländer Astley und der Franzose De Grieux, der ebenfalls um die Gunst Paulines buhlt, begeben sich in "Roulettenburg" mehrmals täglich in die dortigen Casinos. Die Hoffnung des Generals ist die Erbschaft der Großtante anzutreten, diese jedoch enttäuscht dessen Erwartungen und lebt noch lange vor sich hin. Die Konstellationen unter den Figuren werden immer verstrickter und dabei dreht sich letztendlich alles nur um das Geld...

Dostojewski verarbeitet in diesem Roman seine eigenen Erfahrungen mit der Spielsucht am Roulettetisch. Er schreibt ohne Beschönigungen sehr gezielt und klar über das Gewinnen und Verlieren des Geldes und über die Figuren, die für Geld beinahe alles tun würden. "Der Spieler" unterscheidet sich eigentlich ziemlich von den Romanen Der Doppelgänger: Ein Petersburger Poem (insel taschenbuch) oder Arme Leute: Roman (insel taschenbuch), in denen es mehr um die alltägliche Beschreibung der Art und Weisen des Lebens der Menschen im armen Russland geht. Dennoch gibt es zwischen all diesen Romanen Parallelen, denn Dostojewski schreibt immer sehr dramatisch und seine Werke enden zumeist nicht mit einem guten Ende, sondern verbleiben mit Tod, Armut oder gesellschaftlicher Ächtung. Hier ist dies ebenso der Fall, denn der Protagonist scheint letztendlich keine Aussicht auf eine Verbesserung in seinem Verhalten zu finden. Betrachtet man genau die Absichten des Ich-Erzählers, so kann man ihn als Leser auch verstehen für seine Sucht nach dem Spiel, denn hat man erst einmal viel Geld verloren, so möchte man sein Glück für einen Gewinn erneut versuchen, obwohl man riskiert den letzten mickrigen Rest seines Geldes ebenfalls an die Spielbank zu verschenken. Dostojewski schreibt ganz offensichtlich und unverschnörkelt über den Teufelskreis eines Spielers, aus dem er selbst nicht mehr herauszukommen scheint. Lesenswert ist dieses Werk auf jeden Fall, denn in keinem anderen Buch wird dieses Thema so detailliert beschrieben, dies mag wahrscheinlich auch an Dostojewskis eigenen persönlichen Eindrücken und seiner Haltung zum Spiel liegen.

~Bücher-Liebhaberin~
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das kleine Meisterwerk von Dostojewski, 13. Oktober 2005
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Spieler (Taschenbuch)
Um 1865 war Dostojewski in Russland bereits ein bekannter Autor, der allerdings unter chronischer Geldnot litt. Nachdem er sich beim Roulette in Wiesbaden ruiniert hatte, kehrte er 1866 nach St. Petersburg zurück. Am 1. November musste er seinem Verleger einen Roman abliefern, dessen Vorschuss er längst verspielt hatte. Da die Zeit nicht für einen großen Stoff reichte, verarbeitete Dostojewski sein eigenes Debakel in den deutschen Casinos sowie eine unglückliche Liebschaft. Der junge Alexej Iwanowitsch reist als Hauslehrer im Tross eines verarmten russischen Generals in eine Kurstadt mit dem sinnigen Namen Roulettenburg. Dort verliebt er sich in die Stieftochter des Generals. Vom Spielrausch gepackt, gewinnt Alexej zwar ein Vermögen, verspielt jedoch die Liebe. Am Ende des Romans hat er sich durch das Roulette finanziell wie charakterlich zugrunde gerichtet. Trotz der Kürze des Romans kommen darin Dostojewskis meisterliche Fähigkeiten zum Vorschein. "Der Spieler" ist eine äußerst amüsante Geschichte, in der Dostojewski seine Gabe zur Karikatur von Charakteren beweist. Die Dialoge sind messerscharf. Der Leser betritt zusammen mit Alexej Iwanowitsch das Casino, erlebt den Spielrausch und teilt am Schluss die Verzweiflung des Süchtigen. Sehr eindrücklich!
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Am Tisch, 8. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Spieler (Taschenbuch)
Was es bedeutet, dem Spiel zu verfallen, den harmlosen Zeitvertreib zum Lebenselixier aufzupuschen, sich ihm auf Gedeih und Verderben zu verschreiben, wusste Fjodor Michailowitsch Dostojewski nicht nur als Literat, er war selbst ein Spieler. Und so gelingt ihm in diesem Roman nicht nur das überzeugende Psychogramm eines verzweifelten Menschen, der sich immer wieder selbst Mut macht, der mit sich ringt, er läßt seine Leser geradezu körperlich verspüren, wases heißt, etwas oder jemandem verfallen zu sein. Es ist der Augenblick, indem sich alles entscheidet, ob die Kugel nach rechts oder links fällt, schwarz oder rot zuneigt, die Sekunde, in dem sich herausstellt, ob man wirklich die besseren Karten in der Hand hält, die Würfel auf der richtigen Seite liegen bleiben. Der Kitzel. Die Nähe des künstlich herbeigeführten Todes. Wer ihn einmal verspürt hat, will ihn immer wieder heraufbeschwören. Aleksej Iwanowitsch will eigentlich nur seine Finanzen aufbessern, andere haben einmal Glück gehabt und hoffen, dass Glück zwingen zu können, und es gibt auch jene, die ihrem langweiligen Leben einen Sinn verleihen, in dem sie sich beweisen, dass Verlieren ihnen nichts ausmacht, weil sie genug Geld besitzen. Im Kern tobt derselbe Dämon, der nicht widerstehen kann, der sich selbst etwas vormacht, der am Abgrund die Brücke sieht, die außer ihm niemand entdeckt, und der nicht zu besiegen ist. Aleksej Iwanowitsch geht diesen Weg bis zum bitteren Ende. Nicht mal die Liebe bewahrt ihn davor. Minutiös bebildert Dostojewski Stufe um Stufe, vor denen wir seinen Helden so gerne bewahren würden, doch der ist längst jenseits der Dinge dem Roulette verfallen. Wahrscheinlich üben Spieler auf den Rest der Gesellschaft deswegen eine solche Faszination aus. Um es mit Beckett ausgedrückt: sie wagen zu scheitern wagen, wie niemand zu scheitern wagt.
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Der Spieler
Der Spieler von Fjodor M. Dostojewski (Taschenbuch - 2001)
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