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58 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zur Aktualität von Religiosität, 21. August 1999
Von Ein Kunde
Der inzwischen verstorbene Rumäne Mircea Eliade gehört zu den bekanntesten Religionswissenschaftlern dieses Jahrhunderts. In diesem kompakten, aber äußerst tiefsinnigen Buch versucht Eliade, den Kern des Religiösen anschaulich zu machen. Dies tut er einerseits durch zahllose Beispiele aus der Geschichte, andererseits in dem er aufzeigt, daß auch unsere säkularisierte westliche Gesellschaft der Gegenwart noch Formen religiösen Verhaltens aufweist, oftmals jenseits der christlichen Tradition. In der Einleitung trifft die für das ganze Buch entscheidende Unterscheidung zwischen den beiden Formen des In-der- Welt-Seins, nämlich die profane und die sakrale Seinsweise. Doe Profane Seinsweise deckt sich mit der des aufgeklärten Menschen, der den Aberblauben überwunden hat und kein eindeutiges Zentrum der Welt mehr besitzt. Dies ist bei der sakralen Seins-Weise jedoch der Fall. Hier exisitert ein Zentrum der Welt, welches sich durch eine Vielzahl sakraler Handlungen und heiliiger Orte äußert. Ein besonderer Verdienst von Eliade, der auch in diesem Werk deutlich wird, ist seine Leistung, das religiöse nicht an bestimmten Religionen bzw. bestimmten Kulturkreisen festzumachen. Vielmehr geht es ihm darum, so etwas wie eine "allgemeine Theorie" des Religiösen zu entwickeln. In dieses Schema passen dann nicht nur das Christentum, sondern auch die sog. Naturreligionen Amerikas oder Schwarzafrikas. Eliade gelingt die Veranschaulichung sehr gut, daß etwa das christliche Kirchengebäude äquivalent ist mit dem Tempel der Maja oder Ägypter. Insofern es eine Kathedrale ist, ist es heilig und damit das Zentrum der Welt überhaupt. Um dieses Zentrum dreht sich das ganze Leben der begreffenden Gesellschaft. Besonders spannend ist auch der Abschnitt zur Heiligen Zeit und den Mythen. Hier erläutert Eliade, wiederum aufgrund der Unterscheidung zwischen profaner und heiliger Zeit, wie die bestimmten Feste der Kulkuren eine Art Wiederholung der Kosmogonie darstellen. Indem diese Feste alljährlich wiederholt werden, wird die Zeit gleichsam aufgeboben und die Rückkehr zum Ursprung zelebriert. Der Mythos wiederum ist das exemplarische Modell der Gesellschaft von sich selbst. Hierauf gründet sich ihre Einheit. Indem der Mythos lebendig gehalten wird, existiert die Gemeinschaft weiter. Sie wird auf diese Weise stetig "reaktualisiert". Bedenkt man, daß dieser Band bereits 1964 geschrieben wurde, so erscheint Eliades Behauptung, daß die westliche "profane" Gesellschaft der Gegenwart ebenso durch religiöse Verhaltensweisen auszeichnet wie historische Kulturen, in einem äußerst plausiblen Licht. Insbesondere der Werbe- und Medienkultur der Gegenwart lassen sich ausgerägte religiöse Züge zuweisen. Der Band ist jedem uneingeschränkt zu empfehlen, der sich für das Wesen des Religiösen interessiert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Das Notwendige nicht bloß ertragen ... sondern es lieben." (Nietzsche), 29. Oktober 2008
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Mircea Eliade (1907-1986) war rumänischer Religionswissenschaftler und lehrte an der Universität Chicago. Neben seiner beruflichen Karriere verfasste er auch Romane und Essays. Seinen Namen verdiente er jedoch in der Auseinandersetzung mit dem Mythos der ewigen Wiederkehr und der existentiellen Unterscheidung von dem Heiligen und dem Profanen. Was es auf sich hat, mit dieser Gegenüberstellung und der daraus folgenden Frage, wie die Menschheit, geführt von archaischer Präfiguration oder vermeintlich geschichtlicher Selbstbestimmtheit, sich entwickelt hat und in der Jetztzeit präsentiert, ist Zielsetzung dieses Essays. Eliade zeigt in weltumspannenden und eindringlichen Beispielen, wie Riten und Symbole der Religionen weltübergreifend gleich strukturiert bis heute und bis in die vermeintlich religionsfreie Gesellschaft hinein sich halten, vielleicht sogar bestimmend sind.

Der religiöse Mensch kennt zwei Arten von Zeit, die profane und die heilige Zeit, eine verrinnende geschichtliche Zeitdauer und eine Folge von Ewigkeiten. Letztere bilden in den Festen einen heiligen Kalender, eine im Christentum bekannte liturgische Zeit, die kosmischen Ursprungs ist und durch die Werke der Götter geheiligt sind. Da die Weltschöpfung das größte göttliche Werk ist, spielt eben diese Kosmogonie über den Erdball verteilt in nahezu allen Kulturen und Religionen eine vorherrschende Rolle. Das religiöse Fest ist damit nur die Re-Aktualisierung eines primodalen Ereignisses, einer heiligen Geschichte, die in Mythen erzählt wird. Diese Wiederholung ist gleichzeitig eine Nachahmung göttlicher Modelle und damit Ausdruck einer ontologischen Sehnsucht: der Mensch will am Sein der Götter teilhaben.

Löst sich der Mensch aus der Teilhabe an diese ewige Rückkehr zum Ursprung der Dinge, verdunkelt sich die kosmische Religiosität und die kosmische Zeit verliert ihre Bedeutung für das Leben. Die zyklische Wiederholung wird vergessen zu Gunsten einer linearen Zeitbetrachtung und zu Gunsten einer Selbstgestaltung, die, da nicht mehr an das Ur-Sein gekoppelt, sich eine eigene Bedeutung geben muss und darin sich in eine pessimistische Existenz verlieren kann. Im Judentum jedoch wurde die Zeit entgegen der kosmischen Wiederholung in einen Anfang und ein Ende definiert, in der Jahwe als Mittler des Heiligen in die Geschichte der Zeit eingesetzt wurde. Mit Jesus konnte dann die Vollendung beider Sichtweisen geschehen, da Gott sich in Jesus inkarniert hatte und so die Geschichte heilig wurde. Der Anbeginn der Zeit ist damit nicht mehr kosmisch, sondern fällt mit der Gegenwart Gottes in der Welt zusammen.

Profanes Leben entstand immer dort, wo die Bedürftigkeit nach Heil und Segen minimiert war. Die Friedenszeit der Hebräer war eine Zeit, in der sich die Menschen vom einzigen (höchsten) Gott entfernten und wieder sich den Baalen und Astraten zuwandten (Sam 12, 10). In der Gegenwart ist auch diese Entfernung von Gott (einem Gott) sehr deutlich und doch zeigen sich die alten Rituale und Mythen versteckt in diesem Leben. Diese Patterns der ursprünglichen Initiation zum Heiligen sind heute sehr säkular zu sehen. In dieser modernen Welt konnte sich der a-religiöse Mensch voll entfalten. Der Ablehnung der Transzendenz folgt die Relativität der Realität, der Mensch macht sich selbst, wie es Sartre in seiner Philosophie des Existentialismus beschrieb. So ist der profane Mensch eine Entsakralisierung der menschlichen Existenz. Doch eben eine verkappte Mythologie zeigt sich in den Neujahrsvergnügen, in Hauseinweihungen oder Hochzeiten. Das Kino macht sich als Traumfabrik viele Mythen zunutze, kämpfen doch die Guten gegen die Bösen, werden Ungeheuer und Drachen eliminiert und treten paradiesische Landschaften zum Vorschein. Selbst die Lektüre von Romanen oder Sachbüchern ist nicht mehr als ein Heraustreten aus der Zeit, ein Sich-Einfügen in einen anderen Rhythmus und leben in einer anderen Geschichte. Betrachtet man die Kulte des Öko, der Spiritualität etc. findet man die Übereinstimmung, selbst im politisch-gesellschaftlichen Kontext ist die Erlöserrolle der Gesalbten und Gerechten spätestens mit Karl Marx wiederbelebt. Sein Klassenkampf zwischen Gut und Böse ist wie der apokalyptische Kampf zwischen Christus und dem Antichrist. Nacktkulturen und Prinzipien sexueller Freiheit sind nichts anderes als ein Heimweh nach dem Paradies, wie es vor dem Fall war, denn auch zu der Zeit gab es keinen Bruch zwischen Wonne und Gewissen. Von den Therapieformen wissen wir ebenso, dass es Initiationsriten gibt jeweils am Anfang einer Sitzung.

Diese Symbolik macht einerseits die Welt offen im Sinne des Heiligen (Verbindung Erde und Himmel) und auch des Profanen in dem Sinne, dass der Mensch sich dem Allgemeinen und Universellen öffnet. Diese vorrangig unbewusste Wahrnehmung des a-religiösen Menschen bietet dennoch eben aus dem Unbewussten Hilfen für das praktische Leben. Der a-religiöse Mensch bleibt also der Wahrnehmung des Heiligen fähig auf Grund der Erinnerung aus seinem tiefsten Grund. Genau wie der Urmensch, blind nach dem Sündenfall, soviel Erkenntniskraft behielt, die Spuren Gottes in der Welt noch zu finden.

Wie mit "Kosmos und Geschichte" liegt auch hier ein lesenswertes Essay vor, in Folge des ersten jedoch mit einem guten Anteil Wiederholung. Im Mythos der ewigen Wiederkehr ist Mircea Eliade ganz wie Nietzsche im Zarathustra. Die Begrenztheit des historischen Menschen können beide nicht akzeptieren, sie suchen nach Möglichkeiten, sie zu überwinden. Die ewige Wiederkehr des Gleichen wird zum möglichen neuen Daseinsentwurf.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die transzendente Armut des Profanen, 3. Juni 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Es ist das höchste Ziel des Religionshistorikers, das verhalten des homo religiosus uns sein geistiges Universum zu begreifen und es anderen begreiflich zu machen. Das ist nicht immer leicht. Für die moderne Welt ist die Religion als Lebensform und Weltanschauung kaum zu trennen vom Christentum. Ein westlicher Intellektueller hat im besten Falle die Möglichkeit, sich mit einer gewissen Anstrengung mit der religiösen Schau des klassischen Altertums oder auch bestimmten großen, östlichen Religionen wie Hinduismus oder Konfuzianismus, vertraut zu machen. [...] Diese Mythologien sind schon zu sehr geprägt durch die lange Arbeit der Gelehrten [...] Doch für den Religionshistoriker, der alle existentiellen Situationen des homo religosus verstehen und verständlich machen will, ist das Problem noch komplexer. Eine ganze Welt noch liegt vor den Ackerbaukulturen, die wirklich primitive Welt [...] der Völker auf der Stufe des Sammelns und Jagens."

Mit seinem Buch "Das Heilige und das Profane" hat Mircea Eliade auf ein Themengebiet begeben, dass weitab jeder heutigen menschlichen Vorstellung liegt (womit ich nicht das "daran denken" meine, sondern das Gefühl, die Essenz der Atmosphäre zu können, sie in flüssiger Konsistenz durch das eigenen Empfinden rauschen zu fühlen.) Zwar stößt man ab und zu (in Büchern von Dan Brown, Büchern über die ersten Weißen in Südamerika etc.) auf eine minimale Dosis archaischer Religionskultur und -mythen, jedoch ist das weite Feld dieser verschiedenen kulturellen Lebens- bzw. Mythenwelten bis heute, 54 Jahre nach Eliades Buch, immer noch relativ unbekannt. Die meisten von uns kennen zwar mit den Göttern der alten Griechen und den Kulten der alten Ägypter ein paar Beispiel für vorchristliche und globalisierten Relgionsideen, jedoch sind sie nur die Spitze des Eisbergs und außerdem staatlich organisiert worden und in Hochkulturen entstanden.

"Der religiöse Mensch kann nur in einer geheiligten Welt leben, weil nur eine solche Welt am Sein teilhat und somit wirklich existiert."

In diesem Buch geht es nicht um die monotheistischen und auch nicht die größeren etablierten Religionen im Osten, sondern um Beispiele aus Zivilisationen, die vor der Zeit des Ackerbaus lebten und wirft ein differenziertes, jedoch an einem Punkt fixiertes, Bild des Spirituellen und seine Ausrichtung in diesen Gesellschaften auf.

Nahezu alle diese Völker glaubten an eine von Gott geschaffene Welt, in der jeder profane Gegenstand ein Symbol der Transzendenz darstellte (Eliade schreibt hierzu : "Und das Symbol spielt eine wichtige Rolle im religiösen Leben der Menschheit; durch die Symbole wird die Welt transparent, fähig Transzendenz zu zeigen.") Das heißt, dass jede Sache, die man tut und der ganze Kosmos um einen herum, nach einer bestimmten göttlichen Ausrichtung geordnet ist. In dieser Ordnung zu leben bedeutet wahrhaft zu sein - es ist sehr interessant, dass das fast alle frühen Völker in irgendeiner Weise praktiziert haben. Der Menschen als ein Wesen mit Bewusstein, oft von Furcht und anderne Gefühlen überwältigt und geprägt, stand damals noch am Anfang seiner Entwicklung, war noch sehr von Kollektiven abhängig und in ihnen beheimatet und es gab noch so gut wie keine Fixierung auf das Ego.

"Das Verlangen des religiösen Menschen, ein Leben im Heiligen zu führen, ist das Verlangen, in der objektiven Realität zu leben, nicht in der endlosen Relativität subjektiver Erlebnisse gefangen zu bleiben, in einer wirklichen und wirkungskräftigen - und nicht in einer illusorischen - Welt zu stehen. (das Heilige offenbart die absolute Realität und ermöglicht dadurch eine Orientierung [...])"

Eliade führt viele Beispiele aus zahlreichen Erdteilen und Kulturen an und natürlich gibt es noch zahlreiche Facetten; so gibt nicht nur heilige Räume, sondern auch eine heilige, immer wiederkehrende Zeit, bestimmten Riten um sich zu lösen von Zuständen, Übergänge und Mythen von Tod und Neugeburt.
Was sich erstmal bekannt anhört, erweist sich bei direktem Kontakt, auf einer bestimmten Ebene, als für uns heute fast unzugänglich; am Besten sieht man es im Vergleich:

"Für den unreligiösen Menschen sind alle vitalen Erlebnisse - Sexualität, Ernährung, Arbeit uns Spiel - desakralisiert. Das bedeutet vor allem, dass es allen diesen physiologischen Akten an einer geistigen Bedeutung und damit an der wahrhaft menschlichen Dimension fehlt."

Der Autor beantwortet nicht die Frage, ob der desakralisierende Prozess ein Übel oder schlicht unausweichlich ist; dies sei, so sagt er, auch vielmehr die Frage der Philosophie und der Psychologie. Doch weißt er uns mit dem Fingerzeig auf die vorzeitlichen Kulturen und Religionen, unbewusst auch einen Weg zu einem zweigeteilten Verständnis der Welt, wie es immer mehr zu verschwinden droht, jedoch auch immer wieder aufkommt.

Denn obgleich der religiöse Mensch sich sozusagen bindet, um näher an ein Zentrum zu gelangen, alle Ausrichtungen seines Handelns so nah als möglich ans Göttliche verlegt, so ist doch auch der profane Mensch im Profanen auf der Suche nach einem Zentrum - sei es Wissen, Macht oder Besitz - welches gleichsam heilig sein soll, weil es direkte Verbindung zur Transzendenz (Unsterblichkeit, Ruhm, Glück, Wissen um die Metaphysik) ist. Ohne Zentrum scheint es, kann der Mensch nicht sein und wir alle heiligen irgendetwas oder wir verlieren oft vollständig den Glauben.

Sich vorzustellen, dass alles lebendige auf Erden ein Symbol ist, ist keinem Menschen völlig unverständlich oder fremd. Auch die kultische Begehung von Ritualen, ebenso wie eine besondere Behandlung von Tod, Geburt oder Sexualität (die Liebe ist eine Art Ritus, die Transzendenz errichtet) und bestimmte, wiederkehrende Festlichkeiten und Daten sind jemals ganz aus unserer Vorstellung verschwunden. Die Sehnsucht ist geblieben, suchte zwar alle Götter zu vernichten, doch es bleibt die Frage nach dem Gott in einem selbst und in der Welt, die uns umgibt.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Religionswissenschaft - oder zum Diskutieren mit "ichglaubenichtdassesGottgibt"-Leuten, 12. Dezember 2011
Von 
Margarete Nell (Switzerland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Mircea Eliade war für mich durch seine (bei Herder übersetzt erschienene) 4-bändige "Geschichte der religiösen Ideen" (vor allem der Quellenband!!)stets wie ein Lexikon bei religionsgeschichtlichen Fragen. Dieses kleine Buch "Das Heilige und das Profane" (selbst habe ich das Suhrkamp-Taschenbuch)ist hervorragend zum Erklären unserer fast schon universal-menschlichen Tendenz über Religion Lebenssinn zu finden. Ich kaufte es zum Verschenken.....
Dann habe ich zum ersten Mal Mircea Eliade gegoogelt und fand heraus, dass er in seiner Heimat Rumänien der extrem nationalistischen, faschistischen und von daher antisemitisch und rassistischen "Eisernen Garde" anhing. Ein echter Schock. Seither frage ich mich: Wieso konnte er die Religionen so leidenschaftslos vergleichen, von jüdisch-christlichem Standpunkt sprechen? Wo war dieser extreme Nationalismus und die selektierenden Elite/Unwerte Gedanken in Eliades Universum?
Das Buch entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wenn Eliade sagt, er wollte die Logik und Grösse der Auffassung der Welt (auch) von archaischen und traditionsgebundenen Religionsformen zeigen, nicht nur "zeigen, dass ein Australier oder ein Afrikaner nicht das halbwilde arme Tier ist (das nicht bis fünf zählen kann, usw.) mit dem uns die anthropologische Folklore noch vor knapp einem Jahrhundert unterhielt." - dann bezieht sich das auf den Zeitraum im 19. Jahrhundert. Während der Sozialismus/Kommunismus und der sogenannte profane Mensch (gewollt religionslos) ein Thema sind, fehlt naturgemäss der religiös-politisch motivierte Terrorismus unserer Tage.
Mircea Eliade schreibt klug. Er schreibt logisch, selbst wenn man seine Theorie von der zyklischen Zeitauffassung im religiösen nicht teilt. Er schreibt auf Basis eines weiten Wissens... aber ich hadere seit dem Wikipedia-Artikel (der fraglos gut recherchiert ist) eben... trotzdem. Das Buch ist sehr lesenswert..
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aha-Erlebnisse, 3. Juni 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Ein faszinierendes Buch, das einem alle 5 Minuten irgendein Aha-Erlebnis beschert. Es ist anspruchsvoll und doch für Laien sehr lesbar geschrieben.
Mit Sicherheit nicht mein letztes Buch dieses Autors !
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Nachschöpfung der Himmel; Der zum Mond weisende Finger., 24. April 2010
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mircea Eliade wird unter den Religionsphilosophen gerne zu den Traditionalisten gezählt - eine Ehre, die er sich mit Julius Evola teilt, mit dem er ebenfalls gemeinsam hat, dass er lange Zeit der faschistischen Bewegung seines Heimatlandes nahe stand.
Das ändert aber nichts an der Legitimität der (kultur-)wissenschaftlichen Herangehensweise Eliades an seinen Untersuchungsgegenstand. Eliade will nämlich die Religion nicht von Aussen, von ihrer äußeren Struktur, ihrem Zweck u.s.w. verstehen, sondern er möchte sie von innen heraus zugänglich, dem Leser, dem Forscher also *verständlich* machen. Hierzu muss derjenige, der sich für das Phänomen des Religiösen interssiert, erst einmal aus seinen profanen Bezügen befreien; er muss verstehen, dass neben der profanen Welt eine zweite, sakrale, existiert, dass es neben dem profan gelebten Leben, ein anderes, ein sakrales Leben, mit einer sakralen Zeit und heiligen Rhythmen gibt. Vereinfacht gesprochen strebt der religiöse Mensch danach, dass sich, wiederum bloß in ein Bild gefasst, aus der eigentlich unerreichbaren, tranzendenten Sphäre, ein Strom ergießt in die bloß profane Welt & Zeit, und dass sich dann das Sakral-jenseitige hier in immer neuen Variationen der Themen "Zentrum", "Ursprung", "Schöpfung", "Erlösung" et cetera in alle Lebensbereiche hin auskristallisiert, bis alles vormals Profane zu einem sinntragenden Symbol, einem auf die transzendente Sphäre verweisenden Zeichen umgewandelt wurde, in dem sich alles, nun heilige, Leben, soweit es diesseitig möglich ist, vollzieht.
Diese für den Traditionalismus typische Deutung einer die jenseitigen Bezüge immitierenden und nach-schöpfenden Ordnung als das eigentliche Wesen des Religiösen, findet sich weniger ausdrücklich, aber dafür als politischer Anspruch, auch bei Evola. Das Richtige daran mag sein, dass eine solche "heilige Ordnung" unter Umständen tatsächlich viel von der unerträglichen Offenheit des Lebens fortnehmen, für den einzelnen und die Gemeinschaft Sinn stiften kann, wo sich sonst vielleicht nur Anomie und Entfremdung breit machen würde.
Das Eitle an einer solchen "Nachschöpfung der Himmel", wie man sie auch nennen könnte, ist aber, dass die Nachschöpfung das Eigentliche, nämlich die Transzendenz, genauso zu verdunkeln vermag wie das profane "Nichtwissen".
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Natur des Religiösen, 17. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Der inzwischen verstorbene Rumäne Mircea Eliade gehört zu den bekanntesten Religionswissenschaftlern dieses Jahrhunderts. In diesem kompakten, aber äußerst tiefsinnigen Buch versucht Eliade, den Kern des Religiösen anschaulich zu machen. Dies tut er einerseits durch zahllose Beispiele aus der Geschichte, andererseits in dem er aufzeigt, daß auch unsere säkularisierte westliche Gesellschaft der Gegenwart noch Formen religiösen Verhaltens aufweist, oftmals jenseits der christlichen Tradition. In der Einleitung trifft die für das ganze Buch entscheidende Unterscheidung zwischen den beiden Formen des In-der- Welt-Seins, nämlich die profane und die sakrale Seinsweise. Doe Profane Seinsweise deckt sich mit der des aufgeklärten Menschen, der den Aberblauben überwunden hat und kein eindeutiges Zentrum der Welt mehr besitzt. Dies ist bei der sakralen Seins-Weise jedoch der Fall. Hier exisitert ein Zentrum der Welt, welches sich durch eine Vielzahl sakraler Handlungen und heiliiger Orte äußert. Ein besonderer Verdienst von Eliade, der auch in diesem Werk deutlich wird, ist seine Leistung, das religiöse nicht an bestimmten Religionen bzw. bestimmten Kulturkreisen festzumachen. Vielmehr geht es ihm darum, so etwas wie eine "allgemeine Theorie" des Religiösen zu entwickeln. In dieses Schema passen dann nicht nur das Christentum, sondern auch die sog. Naturreligionen Amerikas oder Schwarzafrikas. Eliade gelingt die Veranschaulichung sehr gut, daß etwa das christliche Kirchengebäude äquivalent ist mit dem Tempel der Maja oder Ägypter. Insofern es eine Kathedrale ist, ist es heilig und damit das Zentrum der Welt überhaupt. Um dieses Zentrum dreht sich das ganze Leben der begreffenden Gesellschaft. Besonders spannend ist auch der Abschnitt zur Heiligen Zeit und den Mythen. Hier erläutert Eliade, wiederum aufgrund der Unterscheidung zwischen profaner und heiliger Zeit, wie die bestimmten Feste der Kulkuren eine Art Wiederholung der Kosmogonie darstellen. Indem diese Feste alljährlich wiederholt werden, wird die Zeit gleichsam aufgeboben und die Rückkehr zum Ursprung zelebriert. Der Mythos wiederum ist das exemplarische Modell der Gesellschaft von sich selbst. Hierauf gründet sich ihre Einheit. Indem der Mythos lebendig gehalten wird, existiert die Gemeinschaft weiter. Sie wird auf diese Weise stetig "reaktualisiert". Bedenkt man, daß dieser Band bereits 1964 geschrieben wurde, so erscheint Eliades Behauptung, daß die westliche "profane" Gesellschaft der Gegenwart ebenso durch religiöse Verhaltensweisen auszeichnet wie historische Kulturen, in einem äußerst plausiblen Licht. Insbesondere der Werbe- und Medienkultur der Gegenwart lassen sich ausgerägte religiöse Züge zuweisen. Der Band ist jedem uneingeschränkt zu empfehlen, der sich für das Wesen des Religiösen interessiert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4.0 von 5 Sternen Guter Einstiegt, 1. Dezember 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Eindeutig für eine breitere Öffentlichkeit geschrieben, eher eine
Zusammenfassung früherer Werke als ein eigenständiges Werk, aber
doch eine guter Einstieg in das Werk eines faszinierenden Autors
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ok, 27. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
schön, Stoff und farben sehr schön.sehr leicht .sorry aber ich habe eine Jacke kaufen wollen und nicht ein Roman schreiben wollen
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Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen (insel taschenbuch)
Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen (insel taschenbuch) von Mircea Eliade (Taschenbuch - 23. November 1998)
EUR 9,50
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