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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wie soll ich denn leben?"
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Ein Briefroman aus dem Jahre 1846 machte Dostojewski (1821 -1881) mit einem Mal berühmt. Dieser Roman wurde hymnisch gefeiert, ihm, dem Sohn eines Armenarztes ist vielleicht etwas gelungen, was ihn aus seiner engen Situation vermeintlich befreite. Und doch gilt auf die Frage: Wie soll ich den leben? ,dass Dostojewski schon vor der Frage mit der Antwort...
Veröffentlicht am 11. April 2007 von kpoac

versus
5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Arme Leute"
„Arme Leute“ ist der erste Roman Dostojewskis, den er im Jahre 1846 geschrieben hat und der ihm über Nacht zu einem angesehenen Schriftsteller machte.

Es wird im Briefwechsel zwischen dem Beamten mittleren Alters Makar Dewuschkin und der jungen 15-jährigen Waisen Warwara Dobrosiolowa erzählt, in dem beide ihre Liebe gegenüber...
Veröffentlicht am 19. Juli 2007 von L. Hoffmann


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wie soll ich denn leben?", 11. April 2007
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
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Ein Briefroman aus dem Jahre 1846 machte Dostojewski (1821 -1881) mit einem Mal berühmt. Dieser Roman wurde hymnisch gefeiert, ihm, dem Sohn eines Armenarztes ist vielleicht etwas gelungen, was ihn aus seiner engen Situation vermeintlich befreite. Und doch gilt auf die Frage: Wie soll ich den leben? ,dass Dostojewski schon vor der Frage mit der Antwort geboren wurde. Sein Wort der Worte war die Liebe, die Liebe zu allen Menschen. Und hier in diesem Briefroman zeigt er erstmalig seine hohe, psychologisch geschulte Beobachtung von Menschen und deren intimste Regungen. Sein Ringen, unabhängig jedweder Herkunft, um die ureigensten menschlichen Bedürfnisse, durchzieht sein Werk von Arme Leute bis zu den Brüdern Karamasoff.

Zwei Menschen, Makar und seine Warwarna, schreiben sich, obwohl sie nahezu vis a vis wohnen. Sie schreiben sich und lernen sich in diesen Begegnungen trotz anfänglich distanzierter Anrede kennen, sie schreiben, wie sie leben, welche Menschen neben ihnen wohnen und sie schreiben, was sie am Fenster des jeweils anderen beobachten. Sie schreiben von den ersten Vorstellungen, von dem Bedürfnis nach Nähe, die aber nicht real wird, weil er der Einladung der Frau nicht Folge leisten kann, da er das Gerede der Nachbarn fürchtet, nicht für sich, sondern für sie. Er schreibt immer in einer im hohen Masse rücksichtsvollen Art, falsch verstandene Aussagen, die ironisch ihrerseits hinterfragt werden, kann er nur mit allerliebsten Worten erklären, weil ihm an dieser Beziehung, genau in dieser Art etwas liegt weil es für ihn Alles ist. " ... ging ich zum Dienst so stolz, es war so ein Leuchten in meinem Herzen, es war so wie ein Feiertag der Seele." Und dieses Etwas ist das Einzige und doch auch Alles, was er spürt an Nähe zu anderen Menschen. Sie schreibt von ihrer Familie, sie gibt ihm ihre Kindheitserinnerungen als Tagebuch, er berichtet von Büchern und seiner Meinung, was sie gern lies. "Sie wollen wohl nur Poesie haben, die von Liebe und Sehnsucht handelt, - deshalb werde ich Ihnen auch Gedichte verschaffen, alles, alles, was Sie nur haben wollen." Die Briefanreden werden persönlicher, von sehr geehrte Herr / Frau zu mein Täubchen, mein Lieber. An dem Sie halten beide fest. Der Briefwechsel begann am 8.April.

Als er bemerkt, dass seine Briefliebschaft durch Dritte gestört wird, einem reichen Landbesitzer, versucht er sie von der Abreise nach vereinbarter Hochzeit der beiden, mit einem Schwall von Gefühlen zu hindern. Sie schreibt am 30. September: "Nun ist es geschehen! Mein Los hat sich entschieden. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, aber ich füge mich dem Willen des Herrn. Morgen reisen wir. [... Meine Seele ist so voll, so voller Tränen. Vergessen Sie nicht Ihre arme Warinka." Er: "Sagen Sie ihm einfach, dass Sie hierbleiben, dass Sie nicht mit ihm fahren können! [...] Wodurch ist er Ihnen plötzlich so lieb und so viel wert geworden? Er hat Ihnen bestimmt nur Fabeln gekauft. Hier aber sitzt ein Menschenleben. [...] Soll dies denn wirklich der letzte Brief sein? Nein, Sie müssen mir schreiben, ich werde Ihnen schreiben. Fängt doch gerade mein Stil an, besser zu werden, nein, was ich schreibe, ich weiß nichts, gar nichts weiß ich, ich schreibe und schreibe und werde auch nichts mehr durchlesen nur schreiben ... nur schreiben, es gibt immer noch mehr zu schreiben .... Mein Täubchen, Mein Liebling, mein Kind." Sein letzter Brief ist ein einziges Zeugnis eines in eine schriftliche Freundschaft und Liebschaft übertragenes Leben. Ihm scheint nichts zu bleiben. Nichts.

Dostojewski ist in seinem Erstling alles gelungen, die Empathie zwischen Menschen, ihre Nähe, ihren Wunsch, sich aneinander zu halten, sich beizustehen, diese Liebe als Freiheit zu begreifen. Er beschreibt selbst aus der Sicht eines Armen, er lebt auch selbst in einer Illusion und dieses Zusammenspiel von eigener Realität und geschriebene Fiktion macht diesen Briefwechsel zu einem Erlebnis für den Leser. Nichts wird ihm entgehen, entstehen wird der Eindruck einer Langsamkeit in der Entstehung von Beziehungen, die es heute nicht mehr gibt. Und dieses wohlwollende Reifen von Wollen zum anderen ist das Terrain von Dostojewski, daher sei "Weiße Nächte" und "Die Sanfte" als jeweils kurze Erzählung ebenso empfohlen.

Diese Welt des Außen, in Briefen verfasst, die zum Nachlesen, immer wieder neu lesen permanenten Unterschlupf gewährt, soll abhalten von dem Leiden des aktuellen Daseins beider Personen. Dostojewski sieht die Menschen nicht als soziale arme Wesen, sondern ob sie seelisch reich sind, nicht, ob sie sozial erniedrigt sind, sondern seelisch Höherstehende. Im Sinne von Sitte und Ethik fragt er niemals nach Schuld, sondern nur danach, ob sie unglücklich sind. Schuld bedarf einer äußeren Verzeihung, für Dostojewski tragen die Menschen die Verzeihung bereits in sich. Damit gibt es gegenüber dem Menschen nur einen Standpunkt, es ist nicht Schuld oder Unschuld, nicht Moral oder Unmoral, für ihn gilt nur das Leiden. Nach dem Gehalt des Leidens können sie für ihn beurteilt werden, nach dem Leiden, dass sie durchmachen mussten, um zu werden, der sie sind.
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein faszinierender Briefwechsel., 5. Mai 2003
Von 
Bettina Engster (Kassel) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Es ist lange her, daß ich mir vorgenommen hatte mal etwas von dem großen Meister, dessen Namen wohl niemand zu schreiben weiß, zu lesen. Dann kam die Gelegenheit Arme Leute zu lesen und von nun an werde ich alles von ihm lesen. Es ist gar nicht einmal der Stoff des Romans dereinen in seinen Bann zieht, es ist die detailgetreue und überaus ehrliche Beschreibung der Charaktere die einen nicht mehr loslassen. In diesem Briefroman, zumal seinem ersten Roman überhaupt, wird der Leser Zeuge eines Briefwechsels zwischen einem Mann und einer Frau. Diese beiden Personen stehen in einer Abhängigkeit zueinander, wobei es bei dem Mann eine emotionale, bei der Frau eine eher materielle Abhängigkeit ist, denn der Mann ist ihr Wohltäter, der jedoch selber auch immer mehr in Schulden gerät, da er es nicht sein lassen kann, der Frau Geschenke zu machen. Am Ende geht es jedoch, zumindest aus finanzieller Sicht, sowohl dem Mann als auch der Frau dann wieder besser, dafür fehlt dann etwas anderes.
Es ist ein sehr gefühlvoller und romantischer Briefwechsel. Das Ende kommt sehr überraschend und hat mich traurig gestimmt, aber mehr kann ich jetzt nicht dazu verraten.
Ich halte diesen Roman für einen guten Einstieg in das Werk von Dostoveskji, da es vom Umfang her zu bewältigen ist und garantiert Lust auf mehr macht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist, 7. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
rührend, mit wieviel Würde man sein Schicksal ertragen kann. Dostojewski beschreibt das perfekt. Ein Meisterwerk der Sprache, wie im übrigen jedes Buch von ihm, das ich bis jetzt gelesen habe.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Armutszeugnis - Dostojewskis Briefroman ohne unnötiges Schönreden, 22. Februar 2010
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Petersburg im 19. Jahrhundert: Makar Dewuschkin hält mit seiner deutlich jüngeren, gegenüber wohnenden Brieffreundin und Näherin Warwara ein Jahr lang Korrespondenz. Er hegt für sie nur väterliche Liebe und sorgt für sie obwohl er selber an der Armutsgrenze, genau wie sie lebt. Er schickt ihr Geld, Blumen, Konfekt, Kleider. Sie ist ihm sehr dankbar, dennoch möchte sie nicht dass sich dieser Kanzleibeamte Dewuschkin für sie verdirbt und finanziell in Not gerät. Warwara schreibt ihm von ihrer Kindhit und den vielen Todesfällen, die sie aufgrund der Schwindsucht hat miterleben müssen. Eines Tages verheiratet sie sich jedoch mit einem alten Bekannten und verlässt Petersburg und auch Makar für immer...

Ein ziemlich eindringlicher und überzeugender Roman von Fjodor Dostojewski. Der junge Autor machte mit diesem, seinen Erstlingsroman, Furore und erhielt zunehmend Aufmerksamkeit. Auch sein erstes Werk verfehlt seine Wirkung nicht neben den darauf Folgenden. Die Armut der Menschen in einer großen russischen Stadt wie Petersburg wird ohne Umschweife hervorgebracht und man bekommt ein erstaunlich kaltes, armes, schmutziges Bild von dieser Stadt. Dostojewskis Stil ist einfach trist, erbarmungslos und nachvollziehbar, kein Wunder: Er gehörte zum literarischen Realismus, welcher das Leben der Menschen umschreibt.

Ich kann diesen Roman an Dostojewksi-Schätzer, Literaturliebhaber oder anspruchsvolle Leser einfach nur weiter empfehlen. Und auch kann ich wieder an die Jugend appelieren: LIEBES JUNGES VOLK, LESEN IST NICHT UNCOOL! LESEN MACHT BELESEN UND ÖFFNET EUCH DIE TORE ZU EINER GEPFLEGTEREN SPRACHE. ICH HABE DIE LIEBE ZUM LESEN LÄNGST ENTDECKT UND KANN SIE AN EUCH, LIEBE JUGENDLICHE, ALS MITTEL ZUR ENTSPANNUNG UND WEITERBILDUNG NUR WEITER EMPFEHLEN! NUR DURCH EUCH KANN DIE (WELT)LITERATUR WEITERHIN BLÜHEN, WENN IHR EUCH DOCH NUR FÜR SIE INTERESSIERT! DOSTOJEWSKI IST NICHT SCHWER, MAN BRAUCHT NUR GENÜGEND EMPATHIE.

~Bücher-Liebhaberin~
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Arme Leute", 19. Juli 2007
Von 
L. Hoffmann (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
„Arme Leute“ ist der erste Roman Dostojewskis, den er im Jahre 1846 geschrieben hat und der ihm über Nacht zu einem angesehenen Schriftsteller machte.

Es wird im Briefwechsel zwischen dem Beamten mittleren Alters Makar Dewuschkin und der jungen 15-jährigen Waisen Warwara Dobrosiolowa erzählt, in dem beide ihre Liebe gegenüber dem Anderen bezeugen, wobei Makar Warwara wohl aus tiefster Seele liebt, während sie ihm vor allem deshalb so zugetan ist, weil sie erkannt hat, dass er von Grund auf ein guter Mensch ist und ihr nichts böses will. Beide Personen gehören zu der ärmsten bürgerlichen Schicht Russlands, leben in einem Petersburger Armenviertel und halten vorwiegend durch Briefwechsel Kontakt, weil Makar Dewuschkin nicht will, dass sie zusammen gesehen werden und man deshalb über sie zu reden begänne.

Durch den Briefwechsel zwischen den Beiden erfährt der Leser, welches große Leid Ihnen und anderen armen Menschen in Makar Dewuschkins Umgebung widerfährt, wie sie gedemütigt werden und sich dennoch nicht versündigen, sondern ehrbar und gläubig bleiben. Die Geschichte endet tragisch: Warwara Dobrosiolowa heiratet trotz großem Widerwillen aus eigener Entscheidung einen reichen Gutsbesitzer, der ihr ein Jahr zuvor Böses angetan hatte und verlässt mit ihm Sankt Petersburg. Makar Dewuschkin hingegen bleibt verzweifelt zurück.

Dostojewski beschreibt das Leben der Armen in Russland zu dieser Zeit in seiner unvergleichlichen mitreißenden, detailgenauen Art. Man erhält Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Armen, leidet und freut sich mit Ihnen, es kommt einem fast so vor als sei man für eine kurze Weile einer von Ihnen.

Allerdings beschränkt sich Dostojewski in diesem Roman auf dieses eine Thema. Politische, religiöse, philosophische oder juristische Sachverhalte werden nicht besprochen. Auch schien es mir so, dass die Charaktere nicht so ausgeprägt beschrieben wurden, wie in anderen Werken Dostojewskis. Ich verweise hier vor allem auf die Brüder Karamasow, in denen er die Charaktere der drei Brüder so genau beschrieb, dass ich sie danach besser kannte als meinen eigenen Bruder.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ach, zu welcher Erniedrigung bringt den Menschen die Armut!, 24. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
... ist sowohl ein Zitat aus dem Roman, als auch eine Frage, die sich beim Lesen des Buches immer wieder stellt.

Um es vorwegzunehmen, von mir gibt es 5 Sterne, weil der Autor Themen aufgreift und ganz eindringlich beschreibt, die anrühren. Eine allgemeine Kaufempfehlung abzugeben fällt mir jedoch schwer, da es einerseits sehr spezieller Lesestoff ist. Die Sprache ist anfangs eigentümlich - was nicht verwundert nach fast 170 Jahren (Erscheinungsjahr: 1846) - aber nicht unverständlich. Nachdem man sich eingelesen hat, geht der Erzählstil in einen über. Andererseits sollte man zu den Themen Armut und Reichtum im Kontrast, Ehre, Moral, Hoffnung, Hilfsbereitschaft usw. eine gewisse Affinität haben. Wem diese Attribute zusagen wird das Buch sicher mögen.

Die Liebe zwischen einem Kanzleibeamten und einer weitaus jüngeren Näherin wird hier über einen Briefwechsel geschildert, den man im Buch rund 6 Monate verfolgt. Dabei ist der 1. Brief im Buch nicht der 1. Brief zwischen den beiden. So erklärt sich auch der Klappentext, in dem von einem Jahr Briefwechsel gesprochen wird. Auch werden nicht alle Briefe "veröffentlicht". Öfters wird Bezug genommen auf Geschehnisse oder Briefe von Tagen, die eben nicht abgedruckt sind.

Auch wenn aufopferungsvolle Liebe geschildert wird, handelt sich bei dem Buch nicht um einen Liebesroman nach Hausfrauenart. Vielmehr geht es - wie der Titel vermuten lässt - um die Kluft zwischen Arm und Reich im Russland des 19. Jahrhunderts, die erschreckenderweise heute genauso in Russland - und auch in anderen Teilen der Welt - vorherrscht; wo bei steigendem Wohlstand auch die Ungleichheit wächst. Und damals wie heute gilt: "Das Stöhnen der Hungrigen stört die Satten im Schlafe!" (Zitat S. 141). Die Personen beschreibt der Autor in diesem Roman nicht detailgetreu, so dass man sich vom Äußeren kaum ein Bild machen kann. Wohl aber umso mehr beschreibt er ausführlich und mit absoluter Vielschichtigkeit schreckliche Armut und finanzielle Ohnmacht gepaart mit unbedingtem Lebenswillen und Ehrgefühl sich selbst und anderen gegenüber sowie Zuwendung und Hilfsbereitschaft in guten wie in schlechten Zeiten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Geschichte beschreibt trotz ihres Alters aktuelle Themen die mitreißen; in etwas holpriger Sprache, die jedoch in jedem Falle verständlich ist.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wundervolles Debüt des großen russischen Dichters..., 5. Mai 2007
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Ein Briefroman brachte dem jungen Dostojewski mit gerade 24 Jahren Ruhm ein. In "Arme Leute" von 1846 stellt er den zirka 6 Monate währenden Briefwechsel des Kanzleischreibers Makar und der viel jüngeren, gegenüber wohnenden und entfernten Verwandten, der Waisen Warwara dar. Beide verarmen zusehends und bereichern sich das triste Dasein mit ihren ausgetauschten Briefen. Zueinander können sie kaum, denn Makar fürchtet das Gerede der Leute. Indem sie von sich erzählen, von ihrer Vorgeschichte und von ihrer Umgebung, nehmen sie den Leser mit in den Mikrokosmos der armen Leute des zaristischen vorrevolutionären Russlands. Das Elend zwingt schließlich Warwara, einem Heiratsantrag ausgerechnet jenes gefürchteten Gutsbesitzers Bykoff zuzustimmen, der ihr in der Vergangenheit schon übel mitgespielt hatte. So werden die sich eigentlich Liebenden tragisch auseinander gerissen von den ärmlichen Verhältnissen. Der Roman bricht hier ab, den Leser mit düsteren Erwartungen der weiteren Zukunft beider zurücklassend. - Ein wundervolles Debüt des großen russischen Dichters und Kenners der menschlichen Seele! (5.05.07)
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ergreifende Geschichte, 8. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Eine ergreifende Geschichte, die im 19 Jahrhundert spielt; die Gedanken und Empfindungen der Protagonisten werden jedoch so genau vermittelt und viele Themen sind noch in gleicher Weise aktuell, so dass man sich schnell in die Geschichte reinversetzen kann.
Und wie meist bei Dostojewskij überzeugt die Kombination von individuellen Schicksalen mit allgemeingültigen sozialen, politischen oder philosophischen Fragen sowie das Abwechseln von tragischen, zum Teil grausamen Vorkommnissen und moralisch-ethischen Ansichten und Verhaltensmustern oder wunderschönen, lieblichen Aspekten.
Absolut lesenswert und aktuell.
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Arme Leute: Roman (insel taschenbuch)
Arme Leute: Roman (insel taschenbuch) von Fjodor Dostojewski (Taschenbuch - 27. Oktober 1997)
EUR 7,00
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