Kundenrezensionen


8 Rezensionen
5 Sterne:
 (8)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Religiöse Erfahrungen ernst genommen, 12. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
William James hat in seiner umfangreichen Studie über die religiösen Erfahrungen einzelner Menschen etwas geschafft, was nicht sehr oft passiert: Er hat mir aus dem Herzen gesprochen, so das ich hier frei und offen bekennen kann, dass ich dieses Buch liebe.
Der Psychologe und Philosoph des Pragmatismus hielt Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Harvard Universität 20 Vorlesungen, in denen sich alles um das Thema Religion und religiöse Erfahrungen dreht. Dabei nimmt er das umfangreiche Material und die Zeugnisse von Menschen, die religiöse Erfahrungen erlebt und gemacht haben ernst, statt sie ein einfach "wegzuerklären" oder in diffamierender Weise als Phantasieprodukte von Spinnern und Scharlatanen zu bezeichnen. Um die religiösen Erfahrungen von Menschen zu untersuchen und darzustellen, unterscheidet William James jedoch zwischen zwei Formen von Religion: Auf der einen Seite steht die institutionalisierte Religion, deren wesentliche Merkmale Gottesdienste, Opferhandlungen, Theologie, Zeremonie und kirchliche Organisation sind. "Würden wir unsere Betrachtung auf sie beschränken, so müßten wir Religion als eine Kunstfertigkeit definieren, als die Kunst, die Gunst der Götter zu gewinnen." Auf der anderen Seite steht die persönliche Religion, in deren Bereich die "geistigen Dispositionen des Menschen im Zentrum des Interesses, sein Gewissen, seine Verdienste, seine Hilflosigkeit, seine Unvollkommenheit" stehen. "Und obwohl die verlorene oder gewonnene Gunst des Gottes auch in der persönlichen Geschichte ein wesentliches Element darstellt, und die Theologie darin eine entscheidende Rolle spielt, so sind die Handlungen, zu denen diese Art Religion motiviert, persönliche und nicht rituelle Handlungen; das Individuum vollzieht seine Geschäfte selbstständig und allein für sich selbst, und die kirchliche Organisation mit ihren Priestern, Sakramenten und anderen Vermittlungsinstanzen tritt vollkommen in den Hintergrund. Die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer verläuft direkt von Herz zu Herz, von Seele zu Seele." Sind diese Sätze nicht herrlich? Deshalb wendet sich William James in seiner wissenschaftlichen Untersuchung in erster Linie den Leuten zu, die zu einem bestimmten Zeitpunkt religiöse Erfahrungen gemacht haben, also den Bekehrten, den Mystikern, den Heiligen, den Menschen des gesunden Geistes und der kranken Seele. Dabei bedient er sich nicht nur mit Beispielen aus der Vergangenheit, sondern nimmt auch aktuelle religiösen Erscheinungen des 19. Jahrhunderts in Betracht. William James führte nämlich seine Vorlesungen zu einem Zeitpunkt, als in Amerika eine religiöse Welle aufkam, in der sich neue christliche Bewegungen formierten, wie zum Beispiel die Heilungsbewegung, die Mind-cure-Bewegung, die Neugeist-Bewegung, die Mormonen, die christliche Wissenschaft und so weiter. Und diese Leute haben zumeist jenseits von Kirche eigene Erfahrungen im religiösen Bereich gemacht. William James ist deshalb der Ansicht, dass es verhängnisvoll wäre, wollte man Religion auf einen Kirchenapparat reduzieren und Religion oder religiöses Empfinden nur dort suchen, wo sie aus Gewohnheit und Tradition mit staatlicher Sanktion überliefert und vermittelt wird. Denn dabei vergisst man den höheren Wert und die Authenzität der ursprünglichen Erfahrung religiöser Menschen: "Zumindest in einer Hinsicht wird sich die persönliche Religion als grundlegender erweisen als die Theologie oder die Kirche. Hat sich eine Kirche erst einmal etabliert, so lebt sie aus zweiter Hand auf dem Boden ihrer Überlieferung; alle Gründer einer Kirche jedoch verdanken ihre Kraft ursprünglich der direkten persönlichen Gemeinschaft mit dem Göttlichen. Nicht nur die übermenschlichen Gründer, wie Christus, Buddha oder Mohammed, sondern alle Gründer christlicher Sekten sind in dieser Situation gewesen - daher sollte die persönliche Religion immer noch als das Ursprüngliche angesehen werden, selbst von denen, die dabei bleiben, sie für unvollständig zu halten."
Da William James ein Philosoph des Pragmatismus ist, fragt er zunächst einmal in seiner Untersuchung nicht nach der Wahrheit der Religion, nicht nach der Wahrheitsfrage der Theologie, sondern nach den Früchten der Religion, die er nach den praktischen Maßstäben des gesunden Menschenverstandes und der empirischen Methode überprüft.
Dennoch übergeht er diese Problematik der Wahrheit nicht. In seiner achtzehnten Vorlesung fragt er ob die Philosophie das menschliche Göttlichkeitsempfinden mit dem Stempel der Wahrheit versehen kann. Dort gibt James zu, dass das Gefühl die tiefere Quelle der Religion ist und dass philosophische und theologische Formeln sekundäre Produkte sind. Übersetzungen eines Textes in eine andere Sprache vergleichbar. Trotz diesem Negativurteil fügt er hinzu, was die Philosophie für die Religion tun kann: "Wenn sie nämlich die Metaphysik und die Deduktion zugunsten der Kritik und der Induktion aufgibt und wenn sie sich aus einer Theologie in eine "Religionswissenschaft" umwandelt, kann sie sich sehr nützlich machen. Der natürliche Verstand des Menschen definiert das Göttliche, das er empfindet, immer in Abstimmung mit seinen jeweiligen Vorurteilen . Die Philosophie kann auf dem Wege des Vergleichs das Lokale und Akzidentelle aus diesen Definitionen eliminieren. Sie kann das Dogmatische und das Kultische von seinen historischen Verkrustungen befreien. Indem sie die natürlichen religiösen Konstrukte den Ergebnissen der Naturwissenschaft gegenüberstellt, kann sie sich auch von Lehren trennen, die sich als wissenschaftlich absurd oder unstimmig herausstellen. Nach dem Aussieben wertloser Formulierungen bleibt ein Grundbestand von Konzepten übrig, die zumindest denkbar sind. Diese kann die Philosophie als Hypothesen behandeln... ."
Das Buch ist deshalb nicht nur eine Fundgrube für Religionspsychologen sondern auch für Religionswissenschaftler und Philosophen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein zeitloses Werk, erschienen 1901/02, 24. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Eine wirklich großangelegte Untersuchung des Vaters des (religions)philosophischen Pragmatismus, und doch streift er nach eigener Aussage nur am Rand des Phänomens "Religion". Es hat sich gelohnt, das Buch aufmerksam bis zum Ende zu lesen, weil dort, am Ende der zahlreichen Zitate, die uns von außergewöhnlich intensiven Erfahrungen berichten und vor denen das Buch nur so strotzt - sie sind es auch, die in meinen Augen das Werk so wertvoll machen, dass es mehr als ein Jahrhundert nach dem Erscheinen nichts an Aktualität eingebüßt hat -, legt der Autor seinen eigenen Über-Glauben dar und beschreibt, welche Bedeutung Gott, Leben und Universum für ihn haben. Im Großen und Ganzen gefällt mir das Buch deshalb so gut, weil William James in bescheidener Form und mit großer Toleranz die verschiedenen, teils pathologisch bewerteten Charaktere wie ein Naturforscher untersucht und sie auf ihren pragmatischen Gehalt hin überprüft.

In zwanzig Vorlesungen zeigt William James seine Klasse, was empirisch angelegtes und unvoreingenommenes Denken betrifft. Wie hängen Religion, Wertfragen und Neurologie zusammen? Was ist göttlich, was Religion und auf welche Arten kann die Philosophie der Religion nützlich sein? Was ist das Wesen der religiösen Erfahrung bzw. welchen gemeinsamen Kern haben alle Religionen? Was ist der Nutzen für die Gläubigen? Welche Auswirkungen zeitigen die Einheitserfahrungen mit Gott als dem übergeordneten Prinzip des gesamten Universums? Was zeichnet den gesunden Geist, was den kranken aus? Worin besteht die Spaltung des Selbst und was hatten Tolstoy, Bunyan u.a. zum Vereinigungsprozess zu sagen? Wie beschreiben verschiedene Menschen ihre Bekehrung? Was bedeutet Heiligkeit und worin besteht ihr Wert für die Welt? Was ist Mystik, Yoga, Sufismus und welche Rolle spielt dabei Musik? Oh, dieses Werk umfasst so unglaublich viele Fragen und bietet manchmal, ja meistens auch messerscharf-analytische Antworten dazu. Ob es nun das Unterbewusste betrifft, das Vedanta, den Buddhismus, das Christentum, den Islam: William James schöpft aus dem Vollen. Und wenn Mr. James - ich hätte ihn gern getroffen, bin aber leider ein Jahrhundert zu spät dran (die Gifford-Lectures fanden 1901/02 in Edinburgh statt) - mal etwas nicht genau weiß, dann gibt er seine Unkenntnis auch preis und beweist damit philosophische Einsicht, intellektuelle Redlichkeit, Integrität und im Grunde jene sokratische Weisheit, die wohl bemerkt, was sie weiß und was sie nicht weiß.

Das Buch ist sicherlich ein Muss und sollte nicht nur in der (Heim-)Bibliothek stehen, sondern auch gelesen werden. Es ist ein Muss nicht nur für ReligionswissenschaftlerInnen, sondern auch für all jene hinter das Offensichtliche blickenden Geister da draußen, die sich einer packenden Lektüre widmen möchten, einer Lektüre zumal, die eine so mit Bedeutung, Assoziation und Kontroverse aufgeladene Thematik wie Religion auf empirische Art und Weise, d.h. stets vom eigenen persönlichen Erleben her, vom individuellen Standort aus, zu ergründen sucht. Wir gewinnen Verständnis für die mangelhafte Sprache, wenn Menschen den Versuch wagen, ihre furchterregenden Visionen, lebensumwälzenden Bekehrungsprozesse, ekstatischen Zustände und das gewöhnliche Tagesbewusstsein Überschreitende zu beschreiben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein "Ur-Werk" der Psychologie!, 23. Februar 2006
Von 
Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Eine Schande, dass von James, im englischsprachigen Raum einer der einflussreichsten Philosophen der Neuzeit und Mitbegründer der wissenschaftlichen Psychologie, nur dieses Buch auf Deutsch vorliegt! James untersucht darin die verschiedenen psychologischen Variablen, die bei religiösen Erfahrungen immer wieder auftauchen. Daraus extrahiert er, allerdings nur skizzenhaft, die wesentlichen Parameter religiöser Erfahrung (z.B. „1.) mystische Zustände haben für den Betroffenen Autoritätscharkater 2.) Aber für niemanden sonst“ u.ä....). Bedauerlich, dass James sich zu Anfang des letzten Jahrhunderts praktisch nur auf christliche Quellen stützen konnte. Dennoch ist das Buch ein Standartwerk für alle, die sich a.) Für Religionsphilosophie b.) Religionspsychologie c.) Veräderte Wachbewusstseinszustände interessieren.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Ein bedeutender Klassiker, 4. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Bei diesem Werk handelt es sich um eine Sammlung von zwanzig Vorträgen, die William James 1901/1902 im Rahmen der Gifford Lectures in Edinburgh gehalten hat. Es gilt als Klassiker der Religionspsychologie.

Obwohl James in seiner Definition einen Bezug auf "das Göttliche" einbringt, neigt er doch eher einer funktionalistischen Religionsauffassung zu: Mit "göttlich" sollen alle Letztbegründungen und Überzeugungen gemeint sein. Spezifisch religiöse Emotionen, Akte, Objekte gibt es für ihn nicht. Religion ist die Gesamtreaktion eines Menschen auf das Leben, vor allem eine Reaktion auf unsere Ohnmachtserfahrung sowie eine Antwort auf real vorhandene Bedürfnisse. Wichtige religiöse Funktionen wie Psychointegration, Kontingenzbewältigungspraxis und Komplexitätsreduktion thematisiert er ausdrücklich.

James geht in seiner Analyse von "religiösen Genies" aus, bei denen der religiöse Geist unverkennbar extrem auftritt, ein Ansatz, der heute als veraltet gilt. Sein methodologisches Instrumentarium: (1) unsere philosophischen Vorurteile, (2) unsere Instinkte, (3) unser gesunder Menschenverstand. Er unterscheidet einleitend zwischen Existenzurteilen (deskriptiv, z.B.: "Welches sind die religiösen Neigungen?") und Werturteilen (normativ, z.B.: "Was ist ihre philosophische Bedeutung?"). Beide Urteile können auseinander nicht deduziert werden. Im merkwürdigen Widerspruch zu dieser Einsicht weist er der "Wissenschaft der Religion" absurde Eingriffskompetenzen in die gelebte Religion zu. Beispielsweise glaubt er, sie könne dem Dogma und dem Kult die historischen Verkrustungen fortnehmen!

Der Autor steht in der Tradition des Pragmatismus von Charles Sanders Peirce. Religiöse Meinungen dürfen durchaus evaluiert werden, und zwar (unter anderem) nach dem Kriterium der "moralischen Nützlichkeit". Nicht ihr Ursprung, sondern ihre Auswirkungen sind das Wahrheitskriterium. Anhand ihrer Früchte ist eine Religion zu billigen oder zu verwerfen. Sind diese lebensdienlich, können wir sie akzeptieren, andernfalls: kurzer Prozeß!

Einige der von James problematisierten Themen: Ist Religion von physiologischen Bedingungen (z.B. dem Geschlechtstrieb) verursacht oder nur von diesen abhängig? Entwertet das die Religion? Er analysiert die innerpsychischen Ursachen der Religion, das in ihr gelebte Primat der Erfahrung, des Unbewußten und des Nichtrationalen und kontrastiert die "Religion der robusten Geistesart" (optimistische Lebensbejahung trotz aller Leiden) mit der "Religion der kranken Seele" (Leiden an den Übeln der Welt). Zur Erklärung des Phänomens der "Bekehrung" zieht er die psychologische Theorie des "Bewußtseinsfeldes" heran, das einen "subliminalen", jenseits dieses Feldes liegenden Bewußtseinsbereich postuliert. Umfangreich sind seine Ausführungen zur "mystischen Erfahrung", ihren Merkmalen, den verschiedenen Graden, in denen sie sich ereignet und der Bedeutung, welche diese Erfahrung für das Individuum hat. Er schließt mit einigen religionsphänomenologischen Betrachtungen - Institutionelle Religion, Ästhetik, Opfer, Sündenbekenntnis, Gebet - und erörtert kurz den Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft.

Obwohl dieser religionspsychologische Grundlagentext aus heutiger Sicht vom methodologischen Ansatz her fragwürdig ist, so bietet er doch eine Fülle tiefer und wertvoller Einsichten, die ihn immer noch zur Lektüre empfehlen. Zudem ist die durch zahlreiche anschauliche Fallbeispiele aufgelockerte Vortragsreihe leicht verständlich und ausgezeichnet zugänglich. Für Studenten der Religionswissenschaft ist die Schrift obligatorisch, doch auch für interessierte Laien ein großer persönlicher Gewinn.

Einen Einblick in die zeitgenössische Religionstheorie gewähren zum Beispiel folgende Werke: BOYER, Pascal: "Und Mensch schuf Gott" (2004); ATRAN, Scott: "In Gods We Trust: The Evolutionary Landscape of Religion (Evolution and Cognition)" (2002); THOMSON, J. Anderson: "Warum wir (an Gott) glauben: Eine kompakte Einführung in die Wissenschaft der Religion" (2013)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


35 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Metaphysik der Binnenwelt, 10. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
James Studie in Religionspsychologie stellt innerhalb seines Gesamtwerkes keinesfalls einen Sonderfall dar, sondern sollte gelesen werden als das Fundament für seine späteren Arbeiten über den Pragmatismus. James beginnt hier eine Suche nach dem Ultimativen und Unerhörten, nach der Transzendenz. Aber das Göttliche, nach der er zu fassen versucht, ist nicht auf exterritorialem Gebiet zu finden, die Metaphysik ist ihm nichts Außerweltliches. Um das Absolute zu finden kehrt James die Sinne nicht nach Außen, sondern viel eher nach Innen; er untersucht die natürliche Welt nach Spuren der Übernatürlichen und läßt die traditionellen Modelle einer Opposition von Himmel und Erde, vom Menschlichen und vom Göttlichen hinter sich. Es ist gleichsam eine funktionierende Arbeitsgemeinschaft zwischen Gott und den Menschen, deren Möglichkeit James hier auslotet. Eine Metaphysik der Binnenverhältnisse schwebt ihm vor, welche dazu dienen soll, die Sphäre und die Handlungen der Menschen zu stärken und zu kräftigen. Das Übernatürliche soll das Natürliche intensivieren, das Göttliche dem Humanen zuarbeiten. Diese Ideen scheinen mir machtvoller Ausweis des Jamesschen radikalen Modernität. Die Idee einer absoluten Mächtigkeit ist allgegenwärtig in der Moderne, doch wollen die Menschen nicht länger deren Objekt sein, vielmehr deren Subjekt. So heißen wir Gott fortan willkommen als einen Komplizen der eigenen Mobilmachung. Aus James' Sicht ist jeder Austausch zwichen Gott und Mensch ein innerer Monolog des Letzteren. Das Subjekt selbst wird Agent des Ungeheuren. Diese Überzeugung wird tragend dann für sein ganzes pragmatistisches Projekt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Undogmatischer,verständiger&klarer Blick auf die menschliche Glaubenswelt, 24. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Es handelt sich bei diesem Werk eigentlich um die Printform einer Vorlesungsreihe, die James Anfang des 20. Jahrhunderts in Harvard abhielt. Die Sprache ist klar und angenehm, trotz des wissenschaftlichen Anspruchs James'. Eindrucksvoll sind v.a. die vielen Beispiel von Glaubens- oder Bekehrungserlebnisse mit denen James seine religionspsychologischen Thesen und Themen untermauert - das Herausfinden der vielen, vielen Exemplifizierungen hat in mir großen Respekt vor diesem Buch erzeugt, da diese von intensivster Arbeit und Mühe zeugen.
Trotz der sehr naturalistischen Sichtweise tritt James dem Leser niemals als religionsfeindlicher Dogmatiker gegenüber. Er ist sich den Grenzen des menschlichen Verstandes und Erkennens bewusst und trotzdem ein pflichtbewusster Empiriker und Wissenschaftler.

Wer sich für Religionspsychologie(im Grunde Kritik) in seiner wunderbarsten, mildesten Form interessiert, sollte dieses Buch nicht ungelesen lassen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychologie der Religionserfahrung, 18. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Ein Klassiker der Religionspsychologie - William James betrachtet die Religion wenn man so will durch die psychologische Brille. Sehr angenehm ist hierbei der nie überhebliche, sondern immer sachlich-analytische Tonfall. Dabei sind die Erkenntnisse z.B. über die Möglichkeiten der Heilung einer kranken Seele nicht unähnlich - nur die Ursachen weichen voneinander ab (Kraft des Unterbewußten bzw. Eingriff Gottes). James zeigt aber auch, welche Gefahren in einer Selbstaufgabe bzw. Abhängigkeit von einer "Heilungsmethode" liegen können.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielfalt religiöser Erfahrungen?, 1. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Nun ist dies sicherlich ein Klassiker, vom Blickwinkel eines "religiös Unerfahrenen" aus gesehen. Die Frage, die sich aufdrängt ist, warum interessiert sich ein Mensch, der eine ausgesproche pragmatische Philosophie vertritt für "religiöse Erfahrung"? Das einzige, was sich wirklich sagen läßt ist, dass W. James die Logik seiner eigenen Aussage zerbricht, wenn er von religiöser Erfahrung spricht, denn für einen Pragmatiker gibt es Religion schlichtweg nicht. Somit ist es einfach sinnlos, von "religiöser" Erfahrung zu reden. Das W. James religiöse Erfahrungen untersucht haben will ist einfach unglaubwürdig, so ist es eher, dass er den Erfahrungsbegriff benutzt, um wie er selbst festgestellt haben will, dies unterbewußten Bereichen zuzuordnen. Gilt also als überwunden. Natürlich machen "Religiöse" dies einen sehr leicht, zu diesen Schluss zu kommen, wenn die sentimentalen "Gebetsveranstaltungen" evangelikaler "Christen" vorgestllt werden, und es ist in den U.S.A. woher diese stammen. Fast ist man gewillt anzunehmen, dies sind lediglich zwei Seiten derselben Münze. Dies zeigt einfach, wie schwierig es tatsächlich sein kann, falls das Interesse überhaupt besteht, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Die Vielfalt religiöser Erfahrung: Eine Studie über die menschliche Natur (insel taschenbuch)
Gebraucht & neu ab: EUR 20,82
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen