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am 30. Juni 2008
... und damit meine ich nicht nur die zahlreichen Schandtaten, die Dickens in seinem opulenten Kriminalroman schildert, sondern vor allem die Tatsache, dass dieser (verglichen mit der Popularität eines "Oliver Twist" oder der "Weihnachtserzählungen") ein so unbekanntes Werk ist. Ich habe zwar noch nicht alle von Dickens Romanen gelesen, glaube aber, mir das Urteil erlauben zu dürfen, dass diese mir noch fehlenden Romane definitiv nicht mehr viel besser sein können als "Bleakhaus". Dieser Roman übertrifft wirklich (fast) alles, was ich jemals gelesen habe. Gewisse Qualitäten (sagenhafte Erzählkunst, rührende Schicksale, großes Einfühlungsvermögen, brillante Charakterzeichnung, bissige Sozialkritik) kann man ja bei allen von Dickens' Werken voraussetzen - aber in "Bleakhaus" erreichen sie bereits eine erstaunliche Perfektion. Dazu kommt die großartige Handlung, welche sowohl durch Spannung als auch durch bemerkenswerte Komplexität besticht. Es ist einfach wunderbar, sich von Dickens von einem nebligen, trüben November-London in das vornehme Chesney Wold, das friedliche Bleakhaus, den düsteren Gerichtshof, in das beängstigend-heruntergekommende "Ghetto" Tom All Alone's und in ein kleines bürgerliches Lädchen führen zu lassen - Die Handlung beleuchtet sowohl die Irrungen und Wirrungen der Justiz, als auch die vernachlässigte Gosse Londons, als auch die damalige High Society. Und durch diese eigentlich sehr unterschiedlichen Handlungsorte spinnt sich der Prozess Jarndyce contra Jarndyce, welcher sozusagen den roten Faden der Geschichte bildet und sämtliche der unzähligen Charaktere des Romans miteinander verbindet: Die Ich-Erzählerin Esther, der freundliche Mr. Jarndyce von Bleakhaus, seine Mündel Ada und Richard, die adelige Familie Dedlock, der Waisenjunge Jo, das bürgerliche Ehepaar Snagsby, Mr. Jarndyce' kindlicher Freund Mr. Skimpole, der Arzt Allan Woodcourt...
Es ist ein Vergnügen, der Handlung zu folgen und zu beobachten, wie ein Mosaik nach dem anderen langsam die anfangs etwas verworrenen Handlungsstränge ordnet und zu einem großen, prächtigen Gemälde wird, das sich niemand entgehen lassen sollte. Darum empfehle ich unermüdlich, sich von der hohen Seitenanzahl (ca. 850 Seiten, 1030 Seiten in der Insel-Ausgabe) nicht abschrecken zu lassen - jede Minute, die man in diesen Roman investiert, lohnt sich!
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am 5. Juli 2004
Normalerweise halte ich mich beim Rezensieren eher zurück, aber für BLEAK HOUSE mache ich eine Ausnahme. Ich habe das Buch vor inzwischen 5 Jahren gelesen (was etwas gedauert hat, da es mit Bedacht gelesen werden will) - und es verfolgt mich noch heute. Das ist jetzt zwar subjektiv, aber nie zuvor und nie danach hat mich ein Werk wieder derart zu Tränen gerührt. Unbestritten, Dickens' Romane sind allesamt genial, dennoch ragt dieser Roman aus seinem Werk ganz besonders hervor. Vielleicht ist BLEAK HOUSE nicht das beste Buch für Dickens-Einsteiger (da mag Oliver Twist besser geeignet sein), aber möglicherweise ist es der perfekte Dickens-Roman? Wer es schafft, sich ein wenig Zeit und Ruhe zum Lesen zu nehmen, für den heißt es: Absolute Empfehlung!
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am 23. Mai 2013
Da inhaltlich der Beschreibung des Rezensenten Gavin Armour nichts anzufügen ist, nur kurz: "Bleak House" ist eine bitterböse Abrechnung mit endlosen Juristereien, ihren Protagonisten, sowie deren Auftraggebern. Gleich zu Beginn in der Darstellung des Gerichtsgebäudes tut sich eine verblüffende Assoziation zu Kafka auf. Tatsächlich hat Kafka Dickens gelesen. "Bleak House" wäre keine üble Vorlage für den "Prozeß" gewesen. Als Erzähler sind sich die Autoren ja ebenbürtig.
Herrliches Sujet, herrliche Figuren und herrliches Lesevergnügen!
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In seinem Gesellschaftsroman "Bleak House" entführt uns der geniale englische Schriftsteller Charles Dickens in seine Welt. Ganz England spricht von einem gewaltigen Gerichtsprozess, der schon viele unschuldige Seelen unglücklich gemacht hat, in dem er mit zermürbender Langsamkeit voranschreitet und Hoffnungen zerstört. Es ist der Erbgerichtsprozess "Jarndyce und Jarndyce". Gleichzeitig befasst sich der Autor noch mit der Vergangenheit einer der lieblichsten Frauengestalten der Literatur und deckt ein skandalöses Geheimnis auf, dass sämtliche Gesellschaftsschichten erschüttern wird.

Um den Wirbel, den sie einmal verursachen wird, ahnt die kleine Esther Summerson nichts. Ihre Vormundschaft hat eine mürrische, strengreligiöse Dame übernommen, die dem kleinen Wesen immer wieder einschärft, dass ihre Existenz eine Schande ist, die sie für ihre arme Mutter trägt. Ohne das Geheimnis ihrer Herkunft zu klären, schüchtert sie das Kind ein. Esthers Los verbessert sich jedoch, als sie nach dem Tod ihrer Sorgeberechtigten unter die Vormundschaft von Mr. John Jarndyce kommt. Der neue Vormund sorgt für eine gute Ausbildung seines Mündels. Schließlich übernimmt er Esther als Gesellschafterin seiner Nichte. Außer seiner Nichte befindet sich noch ein weiterer Schützling unter dem Dach von Bleak House, dem Wohnsitz von Mr. Jarndyce. Der junge Mann, Richard, und das Mündel Ada schließen mit Esther Freundschaft. Die Gefühle jedoch, die Richard und Ada füreinander haben, übersteigen freundschaftliche Gefühle. Der wohlwollende Mr. Jarndyce sorgt sich um die Zukunft seiner Mündel. Besonders Richard scheint nicht so recht zu wissen, was er beruflich anstreben will. Als er sich verhängnisvoller Weise dem juristischen Fach zuwendet, entwickelt er eine regelrechte Obsession im eigenen Erbrechtsfall Jarndyce und Jarndyce, was schließlich zu einer Entfremdung von Mr. John Jarndyce führt.
Der junge Anwalt Guppy hat indes seine Liebe zu Esther entdeckt. Diese erwidert seine Gefühle zwar nicht, aber der junge Mann ist entschlossen, seiner Verehrten einen Dienst zu erweisen und möchte für sie das Rätsel ihrer Herkunft lösen. Die Spur führt zu einem rätselhaften Todesfall in einer heruntergekommenen Mietswohnung von Mr. Krook. Hier schnüffelt auch der Anwalt Tulkinghorn, der von Lady Dedlock beauftragt wurde, die Identität eines Gerichtsabschreibers zu klären. Dieser Mieter hat sich als Nemo (Niemand) bezeichnet und ist der Opiumsucht erlegen. Ein gewisser Jo, ein einfacher Junge, scheint mehr über die Hintergründe zu wissen. Der arme Kerl gerät durch die Aufmerksamkeit verschiedener Personen unter argen Druck, vor allem als ihn eine geheimnisvolle Dame bittet, die Grabstelle von Nemo besichtigen zu dürfen und schließlich von der Geheimpolizei gesucht wird. Als Jo schwerkrank seinem Schicksal zu entfliehen sucht, begegnet er ausgerechnet der gütigen Esther, die ihn sogleich aufnimmt. Am nächsten Tag ist er verschwunden, aber er hat leider seine Viren da gelassen. So erkrankt Esther an den Pocken, durch die sie entstellt wird.
Vor ihrer Erkrankung hatte sie Anzeichen zarter Gefühle bei dem jungen Arzt, Dr. Allan Woodcourt, entdeckt. Aber nun glaubt sie, ihn für immer verloren zu haben. Um so glücklicher ist sie, als John Jarndyce, ihr geschätzter und geliebter Vormund, ihr einen Heiratsantrag macht. Bald darauf wird sie von der schönen und unnahbaren Lady Dedlock aufgesucht, die ihr ein Geheimnis entdeckt, welches die junge Dame glücklich und zugleich sehr betrüblich stimmt. Leider ist sie an ein Schweigegelübde gebunden, da sonst der gesellschaftliche Status und das Leben Lady Dedlock bedroht werden. Doch der skrupellose Anwalt ihres Ehemannes ist nicht so feinfühlig und konfrontiert Lady Dedlock mit ihre Vergangenheit, die er in mühevoller Kleinstarbeit rekonstruiert hat. Wenig später wird Tulkinghorns ermordet aufgefunden und die Ermittlungen von Inspektor Buket zeigen überraschende Erkenntnisse. Doch für eine Person kommt das Ergebnis leider zu spät...

Es ist schon ein Kunststück, über fünfzig Personen in einem Romanwerk unterzubringen, selbst wenn dieser über 1000 Seiten fasst.
Gleichzeitig stellt der Schreibstil Dickens auch eine große Herausforderung an den Leser da. Mühsam muss er sich mit all den immer neu auftretenden Figuren vertraut machen, denn jede ist auf ihre Art ein wichtiges Bindeglied im großen Ganzen. Teilweise wird die Geschichte aus Sicht der Esther erzählt, dann wieder fährt ein namenloser Erzähler fort.
Am Ende kommt tatsächlich noch ein überraschendes Ergebnis im Gerichtsfall Jarndyce zustande; die Rätsel der Vergangenheit und der Mordfall werden aufgelöst. Wie die Zukunft der Mündel Jarndyce und von der lieblichen Esther aussieht, soll jedoch an dieser Stelle natürlich keinesfalls verraten werden. Es wird jedem Leser die Geduld und das Ausharren gewünscht, damit er mit der Lektüre des harmonischen Endes belohnt werden kann!
1212 Kommentare14 von 16 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Januar 2014
"Bleak House" ist einer der unbekanntesten Romane des vor allem für "Oliver Twist" berühmten viktorianischen Autors Charles Dickens, was vielleicht auch an seinem enormen Umfang liegt. Es ist schon eine Aufgabe, 1000 und mehr eng bedruckte Seiten zu lesen und sich in die beinahe schon epische Erzählung über mehr als 50 Einzelschicksale hineinzuversetzen. Aber nachdem man den Epilog beendet hat, fehlen einem die Stunden des Lesens und Genießens auch schon wieder. Dickens greift in diesem Roman, der ursprünglich als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift erschien, alle Thematiken auf, die das viktorianische England und vor allem die Hauptstadt London betreffen: die Dekandenz des eitlen Adels, der seinen eigenen Niedergang nicht begreifen möchte, die Armut und das Elend der untersten Schichten in den Slums von London, der komplizierte Ehrbegriff und die gesellschaftlichen Konventionen der Zeit. Die auftretenden Personen können als Stereotypen für verschiedenen Gesellschaftsschichten und Personengruppen gesehen werden, die Dickens teilweise liebenswürdig und liebenswert beschreibt, teilweise aber auch mit unterschwelliger Ironie verurteilt. Im Roman erzählt einerseits die Protagonistin Ester Summerson ihre Lebensgeschichte aus der Ich-Perspektive, andererseits berichtet ein allwissender Erzähler über die Geschehnisse, die außerhalb von Esters "Blickfeld" stattfinden. Mir persönlich haben die Passagen des allwissenden Erzählers besser gefallen, denn hier treibt Dickens seine ironischen Spielchen mit den unsympathischen oder tollpatschigen oder aber zwiespältigen Charakteren seines Romans.
Alles in allem kann ich "Bleack House" all jenen wärmstens empfehlen, die das viktorianische England in all seinen gesellschaftlichen Facetten aus zeitgenössischer Sicht kennenlernen wollen.
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am 20. September 2011
Der Roman stellt mit seinen über 1000 Seiten einige Anforderungen an die Ausdauer des Lesers. Manches ist etwas langatmig, oft wäre eine Metapher oder eine Szene ausreichend, wo Dickens seitenlang schildert. Andererseits entsteht in "Bleak House" eine Enzyklopädie an Charakteren, von denen viele schlicht unvergeßlich sind: so z.B. der alte halb-tote, nur durch seine Gier am Leben erhaltene Smallweed und seine Frau, der arme Jo, der würdige parasitierende Mr Turveydrop, Mrs Flite mit ihren Dokumenten und Vögeln, der vorgeblich kindliche, egoistische Mr Skimpole etc.etc. Viele dieser Figuren sind herrlich komisch, manche tragisch, manche beides. Viele stehen in Zusammenhang mit einem für Dickens zentralen Thema: das Elend der unteren Schichten und hier vor allem das Elend der Kinder.

Die Story selbst ist eigentlich unkompliziert: es geht um das Sich-Finden von Mutter und (unehelicher) Tochter, damit aber auch - wir sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts - um die gesellschaftliche Schande einer unehelichen Geburt. Parallel hierzu wird die Geschichte des Prozesses um "Bleak House" erzählt, einem verfahrenen Erbschaftsstreit, der nur mehr um seiner selbst Willen geführt wird, bei dem aber Einzelne (v.a. Richard, Mrs Flite) unter die Räder kommen, schlicht verzweifeln oder verrückt werden.

Ich glaube nicht, dass ich dieses Buch in den nächsten zwanzig Jahren wieder lesen werde. Damit hat es in meiner persönlichen Bibliothek nicht den Rang vergleichbarer Schwergewichte wie z.B. "Krieg und Frieden" oder "Brüder Karamasov". Aber ich bin froh, es gelesen zu haben.
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am 13. Februar 2015
In dem 1852/53 in Abschnitten erschienen "Bleak House" schildert Dickens den Werdegang der beiden Gerichtsmündel und jüngsten Anwärtern in dem sich seit Jahrzehnten hinschleppenden Erbschaftsprozess Jarndyce contra Jarndyce Richard Carstone und Ada Clare sowie der sie begleitenden Waisen Esther Summerson.
Die drei Waisen werden schließlich in die Obhut ihres Verwandten und unverbesserlichen Philanthropen John Jarndyce auf dessen Landgut Bleak House übergeben.

Das durch eine Rauschgiftüberdosis herbeigeführte Ableben eines bettelarmen Kopisten in London löst schließlich die Aufdeckung eines streng gehüteten Familiengeheimnis das sich um die junge Esther rankt aus, welches in der Folge die Haupthandlung ausmachen soll. In dem auch die stolze und unnahbare Lady Honoria Dedlock Gemahlin des Aristokraten und Tory Sir Leicester Dedlock, Baronet sowie dessen Advokat Tulkinghorn, der Polizeiinspektor und Sherlock-Holmes-Vorläufer Bucket, der trunksüchtige Vermieter Krook und später sein Schwager Smallweed, ein raffgieriger Geldverleiher der Anwaltsangestellte Mr Guppy von Kenge und Carboys sowie der Schießbudenbesitzer Mr George, der Schreibwarenhändler Mr Snagsby und der Straßenjunge Jo verwickelt werden.

Daneben gibt es aber noch einige Nebenhandlungen bzw. andere durchaus wichtige Personen die eine Rolle spielen, wie zum Beispiel die schwierige Berufswahl und das unglückliche Engagement des jungen Carstone im undurchsichtigen Erbschafts-prozess, die Schiffsfahrten und Wohltätigkeitsgänge des Armenarzt Allan Woodcourt, die Heirat von Esthers Freundin Caddy Jellyby mit einem Tanzlehrer, die Nachbarschaftsstreitigkeiten des Gutsbesitzer Boythorn mit Baron Dedlock sowie die Kindlichkeiten und Schulden eines Harold Skimpole usw.

Insgesamt ein sehr flüssig geschriebener, handlungsreicher und fein gewobener und zusammengeführter Gesellschaftsroman.
Er umfasst große Themenbereiche und ist mit einer überwältigenden Riege an Haupt- und Nebencharakteren sowie mehreren Handlungssträngen versehen und wartet mit einer allgemeinen Gesellschafts- und Sozialkritik sowie einer speziellen Kritik an der sich selbst dienenden Justiz und Politik des vikorianischen Englands auf.

Die Ausgabe des Fischer-Verlags weist, insbesondere zum Ende hin doch einige krasse Druckfehler auf und auch die alte Übersetzung von Gustav Meyrink (1910-1912) ist mit seiner gelegentlichen Verwendung der bayerisch-österreichischen und berlinerischen Dialektik etwas nervig, immerhin das Druckbild ist durchgehend hinreichend klar.
Ebenfalls enthalten ist eine Chronik zum Leben Dickens sowie ein kurzer Werksbeitrag aus dem Neuen Kindler Literatur Lexikon.

Nebenbei möchte ich auch noch auf die hoch gelungene und weitestgehend werkgetreue BBC-Miniserie zum Roman von 2005 mit Gillian Anderson hinweisen und diese empfehlen.
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am 14. Mai 2013
"Bleak House", entstanden in den Jahren 1852 und 1853 als Fortsetzungsroman (wie so oft bei Dickens), gehört mit seinem Umfang von über 1000 Seiten, einer Figurenfülle von über 50 Sprechrollen und einem Handlungsgewirr, in dem letztlich drei unterschiedliche und weitestgehend voneinader unabhängige Handlunsgstränge ineinander über- und aufgehen, zu den umfangreichsten und schwerer zuzgänglichen Werken des großen englischen Autors.

Angesiedelt um den bei Einsetzen der Handlung (die - über Jahre sich streckend - nahezu die gesamte Dekade der 1820er Jahre umspannt) schon jahrelang andauernden Rechtsstreit "Jarndyce contra Jarndyce", einen Erbschaftsstreit, bei dem nicht nur die Rechtsparteien, sondern auch das Gericht den genauen Grund und die Abläufe längst vergessen zu haben scheinen, wird im Wesentlichen die Geschichte der jungen Esther Summerson erzählt, die von ihrem Vormund, John Jarndyce, in sein Haus geholt wird, um sich um dessen Anverwandte Ada Clare und deren Cousin Richard Carstone als Gesellschaftsdame zu kümmern. Alle sind irgendwie an dem Rechststreit beteiligt. John Jarndyce weiß um die Gefahren des Rechtsstreites und will sowohl Ada als auch Richard davor bewahren, doch letzterer, lange auf der Suche nach einem ihm angemessenen Berufe, verfängt sich schließlich in den Fängen der Juristerei und wird, nach allerhand Verwicklungen, einer armen und unglücklichen Ehe und dem Verlust seiner geistigen Gesundheit zum Opfer der Irrungen und Wirrungen. Esther wiederum - zeitlebens im Glauben, ihre Mutter, früh gestorben, sei ihre Schande, während sie, Esther, die ihrer Mutter sei (also ein uneheliches Kind) - erregt die Aufmerksamkeit verschiedener Herren, darunter des Anwalts Mr. Tulkinghorn, der der Verwalter der juristischen Angelegenheiten Sir Leicesters ist. Diesem Anwalt fällt die Ähnlichkeit Esther Summersons mit der Gattin des Herzogs auf, Lady Dedlocks, die immerzu Gefahr läuft, an Langeweile zu sterben. Diese Ähnlichkeit wird Esthers Leben nachhaltig verändern.

In diese beiden Hauptstränge sind diverse verschiedene Nebenhandlungen eingebettet, die teils sehr stark in den Vordergrund treten: So werden ein selsamer, im Buch jedoch als "natürlich" dargestellter Fall von Selbstentzündung sowie ein Mord aufgeklärt, wozu Dickens einen der ersten Kriminalpolizisten der Literaturgeschichte, den Angehörigen der Geheimpolizei Mr. Bucket, einführt. Dieser ist neben solch schillernden Gestalten wie George, dem Kavalleristen und jetzigen Besitzer einer Schießbude, Mr. Smallweed, Georges Gläubiger, Mr. Guppy, einem jungen Advokaten, der Esther zunächst verfällt, dem natürlich bis zur Langeweile guten Mr. Woodcourt oder dem bis zum Zynismus sich ungebärdig und verantwortungslos gebenden Mr. Skimpole nur einer aus einer der bei Dickens üblichen, hier jedoch noch weitaus größer gefassten Schar der Haupt- und Nebenfiguren dieses Reigens. Wie immer beim englischen Geschichtenerzähler par excellence, wird die Handlung auch diesmal von Zufällen, psychologisch manchmal etwas ungenauen Taten der Protagonisten und viel guten Willens einzelner Personen vorangetrieben. Obwohl es auch in diesem Werk einfach herrliche Schurken gibt, verweigert uns der Autor allerdings den vor Boshaftigkeit nur so triefenden Bösewicht a la Fagin und Bill Sykes ("Oliver Twist") oder Uriah Heep ("David Copperfield"). Die ganze Handlung wirkt hier realistischer und an der Beschreibung sozialer und anderer gesellschaftlicher Mißstände eher interessiert, als andere, bekanntere Werke (obwohl gerade das Anprangern sozialer Mißstände bei Dickens ja immer eine enorme Rolle spielt). So sticht niemand aus all diesen Figuren allzu sehr heraus, sondern es gelingt Dickens durchaus ambivalente Charaktere zu zeichnen, die auch in ihrer ganz eigenen, in sich geschlossenen Wahnhaftigkeit gezeigt werden.

Mit der Sterbeszene des Weisenjungen Jo, der einer (wahrscheinlich Pocken) Erkrankung erliegt, die auch Esther zeichnen wird fürs Leben, gelang Dickens eine der - nach Meinung des Rezensenten - eindringlichsten seiner und auch der Literatur eigenen Beschreibungen menschlichen Elends und seiner Folgen. Dickens hatte natürlich, wer wüsste das nicht?, ein Faible für Kinder. Die Mißstände, unter denen sie leben, besser: hausen mussten, im kinderfeindlichen London des 19. Jahrhunderts, war ihm immer eines seiner hauptsächlichen Anliegen. In "Bleak House" wimmelt es nur so von verlassenen oder verwaisten Kindern, deren einige schreckliche Schicksale zu gewärtigen haben, andere durch die Großherzigkeit einiger Weniger gerettet werden können. Mit der Figur der Mrs. Jellyby, die zwar selber etliche Kinder hat, jedoch leider keine Zeit für diese, da sie sich ununterbrochen um eine afrikanische Siedlung kümmern muß, verdeutlicht Dickens seine Kritik daran, daß selbst jene, die scheinbar selbstlos handeln, entweder nur ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen, oder aber bei aller "Rettung der Welt" das Unglück vor den eigenen Augen nicht mehr sehen (können). Mrs. Jellyby kommt dabei als eine etwas überhebliche, ständig im Bewußtsein der eigenen moralischen Überlegeneheit vor sich Hinlächelnden, die die Bedürfnisse der eigenen Kinder, namentlich des kleinen Peppy, nicht mal mehr wahrnimmt, noch relativ gut weg - andere, v.a. der schon erwähnte Mr. Skimpole, stehen wie Monumente der Ichbezogenheit in diesem Roman und verdeutlichen den Tanz um das goldene Kalb der eigenen Großartigkeit.

Erzähltechnisch bedient sich Dickens einer ungewöhnlichen Form: Er führt nicht nur einen allwissenden auktorialen Erzähler ein, der uns die Zusammenhänge und Begebenheiten des Werks klar zu vermitteln weiß, sondern wir werden auch Leser von "Esthers Erzählung", in der sie in der Ich-Form von den Ereignissen erzählt, derer sie direkt ansichtig wird. Dadurch entsteht zwar einerseits ein Bruch in der Erzählweise, doch wird so auch die Erzählung selbst, ihr Fluß und ihre PErspektive aufgebrochen und kurzweiliger, da der Leser Teile dessen, was erzählt wird, doppelt und somit aus verschiedenen Perspektiven, manchmal ergänzend, manchmal sogar widersprüchlich geschildert bekommt, was manchmal dazu führt, daß man sich Stücke der Handlung selbst zusammensetzen und dadurch durchaus kritisch das Erzählte hinterfragen kann. Hinzu kommt eine Konstruktion, fast schon kann man von Konzeption oder Komposition sprechen, die es in sich hat: Über diesen ungeheuren Raum und die ungeheure Länge von 1166 Seiten sehr wirre und komplizierte Handlungsstränge zusammen zu führen und dabei nicht allzu stark auf Zufall und Gutgläubigkeit der Leser zu setzen, zeugt schon von Dickens Ausnahmetalent. Und die oft kritisierte Psychologie, die bei ihm zugegebener Maßen oft zu kurz kommt, bzw. zugunsten leserfreundlicher Handlungsabläufe oder eines Happy Endings auch mal "gerade gebogen" wird, stimmt hier fast immer. Auch dazu sei noch einmal die Figur der Mrs. Jellyby angeführt, die in ihrer Unnahbarkeit und unangekränkelten Selbstgewißheit nahezu jeden lächerlich findet in seinen alltäglichen Bedürfnissen und Nöten (und weniger alltäglichen, wenn es z.B. um die Hochzeit der eigenen Tochter geht) und damit zum einen sehr modern wirkt, erinnert sie doch an so manchen "Gutmenschen" (ohne den Begriff an sich diskreditieren zu wollen) unserer Tage, wird aber von Dickens auch perfekt skizziert, ohne allzu dick aufzutragen (wie er es dann bei einer Figur wie Mr. Smallweed eben doch wieder tut).

In seiner Handlung weniger spannend als "Oliver Twist" oder "Große Erwartungen", mit weniger herausstechenden Figuren ausgestattet als die genannten Werke oder aber z.B. "David Copperfield" und mit einem äußerst wachen Blick für seine Zeit und ihre Unbilden, ist "Bleak House" so etwas wie eine Dickens für Dickens(leser). Eher ungeeignet als Einstieg in die Welt des Engländers, ist es ein Fest für jene, die sich längst in eben dieser Welt verloren haben und nicht genug bekommen können davon. Fast wirkt es, als habe sich Dickens mit diesem Werk, fast auf der Hälfte seines Schaffens erschienen, sich seiner selbst und seiner Methoden/Befähigungen/Mittel vergewissern wollen, bevor er dann daran ging, mit u.a. "Little Dorrit", "Hard Times", "A Tale of Two Cities" und "Great Expectations" noch einige seiner wichtigsten und besten Werke vorzulegen.

Diese Ausgabe lohnt die Anschaffung allemal, greift sie doch auf Gustav Meyrinks Originalübersetzung zurück. Leider wurden die Originalzeichnungen von Phiz nicht mit übernommen. Original in 20 Fortsetzungen erschienen, war "Bleak House" pro Folge mit zweien dieser herrlichen und Dickens Stil so kongenial untermalenden Werken ausgestattet. Das also ist der einzige Wermutstropfen, den es hier klar zu bedauern gibt.
66 Kommentare3 von 4 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Juli 2011
Nachdem ich einige andere Werke von Dickens gelesen hatte, habe ich mich an Bleak House gewagt. Dieses Buch mit seinen vielen Charakteren hat mich sehr gepackt. Über den Inhalt wurde schon das Wesentliche gesagt. Dieses Buch ist nicht leicht zu beschreiben, denn es ist trotz des Gerichtsprozesses der ein wichtiger Bestandteil des Buches ist kein Justizthriller. Es ist trotz der Erzählung von Esther in der Ich- Form keine Biografie oder zumindest nicht nur. Und obgleich der ganzen Mißstände die vor allem in Form von Jo und der Zieglerfamilie immer wieder aufgezeigt werden ist es nicht ausschließlich sozialkritisch. Bleak House ist eine ganze Welt. Jede soziale Schicht des viktorianischen Englands wird hier fein und bis ins Detail beschrieben. Vom Adel (Dedlock) über den Lebemann (Skimpole) zu den Weltverbesserern ( Woodcourt) bis in die sozialen Abgründe (Jo) ist alles dabei. Der Naive (Richard), die Schöne und Gute ( Ada), die ewig Zufriedene, niemals Hadernde zuweilen sehr Nervige (Esther) und natürlich der kluge und gute Mr. Jarndyce, sie alle werden wundervoll portraitiert.
Ich habe noch lange über dieses Buch nachgedacht und mir auch die BBC Serie dazu gekauft (grandios). Als Dickens Einsteiger ist dieses Buch vielleicht nicht unbedingt zu empfehlen. Für Dickens Fans ist es ein Muss.
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