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am 17. März 2014
Das neue Buch des Historikers Henrik Eberle ("Das Buch Hitler", "Briefe an Hitler") zeigt den Autor wieder als ausgewiesenen Experten der NS-Zeit. Anders als es der Umschlagtext vermuten lässt, entwickelt er aber keine Theorie darüber, wie die Erlebnisse Hitlers im ersten die Entscheidungen im zweiten Weltkrieg beeinflusst oder gar begründet haben. Auch mag der militärgeschichtlich Interessierte auf den ersten Blick enttäuscht sein, bezieht sich der Autor doch nur zum Teil auf militärische Ereignisse. Vielmehr konzentriert er sich im Rahmen der zumeist chronologischen Abfolge (hier ist der Klappentext eindeutiger) auf zahlreiche Schwerpunkte und umstrittene Fragen und räumt einen Mythos nach dem anderen aus dem Weg. Zugute kommt ihm hier, wie auch in den vergangenen Arbeiten, ein umfassendes Quellenstudium. So sind seine Ausführungen über den Gaskrieg, die Kohlehydrierung oder die ökonomischen Hintergründe der deutschen Kriegsführung auf dem neuesten Stand und richtungsweisend. Am interessantesten aber sind die widerlegten Mythen: weder war Hitler im ersten Weltkrieg ein Held, noch ein Etappenhengst. Der rasante Aufstieg in der völkischen Bewegung war weder überraschend noch ausschließlich der Überzeugungskraft des ehemaligen Gefreiten geschuldet, sondern vielmehr Resultat einer gezielten Ausbildung und Förderung einer politisch agierenden Reichswehr. Die Ermordung Röhms und zahlreicher SA-Führer war (neben internen Ursachen der NS-Bewegung) das unmittelbare Resultat von Forderungen der Reichswehr, die keinen Waffenträger neben sich dulden wollte. Der Haltebefehl von Dünkirchen war keine politisch motivierte Entscheidung Hitlers im Hinblick auf Großbritannien, sondern vielmehr das Ergebnis militärischer Meinungsverschiedenheiten zwischen Stab und Fronttruppe, wie sie bei unklaren Feindlagen alles
andere als ungewöhnlich sind. Auch die nach dem Krieg in die Welt gesetzten Legenden von Hitler als unfähigem Feldherrn und Alleinschuldigen an der deutschen Niederlage (Manstein, Halder u.a.) entlarvt der Autor als Schutzbehauptungen und untauglichen Ablenkungsversuchen von eigenem militärischen, politischen und moralischem Versagen. Vielmehr waren Reich und Wehrmacht (eng verstrickt mit den verbrecherischen Zielen des Systems) von vornherein und zu keiner Zeit in der Lage, den Krieg aus eigener Kraft zu gewinnen. Die ökonomische Basis gab es nicht her, Kampftechnik, Munition u.ä. in erforderlichem Umfang zur Verfügung zu stellen. Strategische Fehlplanungen (Überwasserflotte, keine strategischen Bomber, Verzettelung in den Angriffsrichtungen) machten die Erfolgsaussichten in hohem Maß vom Agieren anderer Mächte abhängig. Auch die immer wieder kolportierten überragenden taktischen Fähigkeiten müssen bei genauerer Betrachtung hinterfragt werden: so verlor die Luftwaffe gegen einen eklatant unterlegenen Gegner bei Warschau einen Großteil ihres Bestandes. Die Unterstützung der Marine für die gelandeten Fallschirmjäger um Narwik erwies sich als Fiasko. Selbst der berühmte Sichelschnitt (eine Planung Mansteins, nicht Hitlers, der sich den Plan zu eigen machte) beruhte auf der Überschätzung der eigenen und der Unterschätzung der gegnerischen Fähigkeiten und Potentiale. Eine Haltung, die sich nach dem Erfolg im Westen in der Führung verfestigte und im Osten in die Katastrophe führte. Hitler, der in der Anfangszeit des Krieges die Führung weitgehend den erfahrenen Generälen überlies und sich Kenntnisse in Taktik, Strategie und Rüstungsfragen aneignete verlor erst angesichts der zunehmend zu Tage tretenden Unzulänglichkeiten das Vertrauen in die Fachleute. Die sich ankündigende Niederlage und die sich ständig steigernde Hybris des Obersten Befehlshabers führten dann zu verzweifelten Rückgriffen auf veraltete Methoden des ersten Weltkrieges (feste Plätze), unverantwortliche Durchhaltebefehle und Zerwürfnisse eklatantester Art. Es wird deutlich: die militärische Führung Deutschlands hat den Krieg gewollt, geplant und bis zum Schluss durchgeführt. Der Besen, den der Zauberlehrling Generalstab mit erschuf, ist ihm am Ende über den Kopf gewachsen. Ausflüchte können nicht geltend gemacht werden. Henrik Eberles Buch sollte in keiner Bibliothek fehlen und es ist zu hoffen, dass nur kurz angerissene Themen (etwa die Legende vom Präventivkrieg im Osten) und weitere Aspekte in späteren Arbeiten beleuchtet werden.
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am 6. November 2014
Wer in „Hitlers Weltkriege“ eine biographisch-militärgeschichtliche Spezialstudie erwartet, wird sicher nicht enttäuscht werden. Aber das ist nur die halbe Warheit. Der Titel des Buches ist ebenso irreführend wie der Untertitel. Understatement! Eberle legt eine veritable Hitler-Biographie vor. Im Stil und in der Aussage irgendwo zwischen den deutschen und den anglophonen Autoren. Mein Verdacht: die militärische Fragestellung ist der rote Faden an dem der Autor Hitlers Leben Revue passieren lässt, en passant mit einigen Legenden aufräumt und nebenbei die deutsche Kriegsfinanzierung erklärt, ohne in die Verlegenheit zu geraten, sein Opus „Hitler - die 20. Biographie“ nennen zu müssen. Zudem arbeitet
Eberle „ad fontes“ und so erstaunt es auch nicht wirklich, dass er dem viel beackterten Thema Neues abgewinnen kann.
Die Entwicklung vom Gefreiten zum Feldherrn beschreibt er überzeugend und schlüssig:
Hitlers militärischen Kenntnisse und Vorstellungen resultierten primär aus den prägenden Erfahrungen des Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg. Daraus zog er seine ganz persönlichen Schlüsse, die er sukzessiv über zwei Jahrzehnzte weiterentwickelte und zu einem taktischen und operativ-strategischen Gesamtkonzept des modernen Krieges formte.
Hitler blieb auf militärischem Gebiet zeitlebens Amateur & Laie. Aber sein begrenzter Erfahrungshorizont, seine unkonventionellen und unorthodoxen Ansichten und der unverstellte Blick des Aussenseiters und Dilettanten auf militärische Probleme liessen ihn zu Schlußfolgerungen gelangen, die tendenziell auf der Linie militärischer
Reformer und Aussenseiter lagen, die das Blitzkriegskonzept aus der Taufe hoben. Allen voran die Theoretiker des Panzerkrieges: Guderian, Fuller, Lidell-Hart, De Gaulle ...
Folgerichtig nutzte er als oberster Befehlshaber der Wehrmacht die politischen Freiräume an der Spitze seiner Diktatur, um das vorhandene militärische Instrumentarium nach seinem Gusto zu formen und seinen ureigensten Grundsätzen entsprechend einzusetzen. Ebenso folgerichtig: aus dieser quasi-privaten Militärtheorie ohne Generalstabsausbildung und/oder Führungserfahrung resultierten grandiose Erfolge und ebenso grandiose Niederlagen. Der
„Sichelschnitt-Plan“ steht beispielhaft für das Eine, die starre Defensivdoktrin im Mittelabschnitt der Ostfront für das Andere.
So verwundert es nicht, dass Hitlers Marschälle und Generäle nach Kriegsende konsequent und mit wenigen rühmlichen Ausnahmen dem „schwarze-Peter-Prinzip“ folgten. Ihre Kernthese: der Krieg wurde wegen Hitlers militärischen Fehlentscheidungen verloren. Eberle entlarvt diese nachträgliche militärische Desavouierung Hitlers als Unfug & Schutzbehauptung derer, die Hitlers Intentionen willig, gern und folgsam exekutierten, solange alles gut lief. Dazu kommt, dass die Generalität in der Retrospektive die eigene Verstrickung in nationalsozialistische Verbrechen völlig ausblendet.
Ein gutes Buch. Weder in der Sauna noch in der Unibibliothek fehl am Platz.
Stefan Schäfer
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