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126 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend und bestechend
Die Rezension beruht auf einem der Rezensentin vom Verlag zugeleiteten Vorabdruck. Dieses Buch setzt die Reihe der beiden vorigen Werke des Autors fort: Eine Beschreibung des Menschen auf der Grundlage neurobiologischer Erkenntnisse. Der Schwerpunkt ist diesmal das "social brain", d. h. die auf gute soziale Beziehungen ausgerichtete Orientierung des Menschen. Neuere...
Veröffentlicht am 19. August 2006 von Rezensentin

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59 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Botschaft hör' ich wohl, allein es fehlen die Beweise
Eines vorneweg: Die Idee ist mir sympathisch. Ich selbst kooperiere gern und ich ziehe eine "win-win" Situation einer Situation vor, in der nur ich allein gewinne, andere aber verlieren. Joachim Bauer will im Grunde sagen, dass die Evolution von Kooperationen getrieben wird und nicht vom "Kampf ums Überleben". Dies schien mir eine sympathische Idee zu sein, aber die...
Veröffentlicht am 14. Februar 2009 von Dr. P. Günter Strauss


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126 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend und bestechend, 19. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
Die Rezension beruht auf einem der Rezensentin vom Verlag zugeleiteten Vorabdruck. Dieses Buch setzt die Reihe der beiden vorigen Werke des Autors fort: Eine Beschreibung des Menschen auf der Grundlage neurobiologischer Erkenntnisse. Der Schwerpunkt ist diesmal das "social brain", d. h. die auf gute soziale Beziehungen ausgerichtete Orientierung des Menschen. Neuere Untersuchungen der Motivationssysteme der Gehirns weisen den Menschen als ein auf zwischenmenschliche Zuwendung gerichtetes Wesen aus. Das Buch erweitert jedoch dann den Blickwinkel und bietet eine kritische Auseinandersetzung mit Charles Darwins "war of nature" und den soziobiologischen Theorien um das "selfish gene" (Richard Dawkins). Besonders lesenwert ist ein Kapitel zur Bedeutung der Aggression. Ihr wird von Bauer, basierend auf neurobiologischen Daten, die Rolle eines Hilfssystem zur Erlangung und Sicherung von zwischenmeschlicher Anerkennung und Bindung zugewiesen. Bauers Resumee: Nicht Kampf ums Dasein, sondern Resonanz und Kooperation seien die Grundmotive alles Biologischen. Ein hochinteressantes Buch, das faszinierende neue Daten aufbereitet und in seiner Argumentation besticht.
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109 von 124 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menschliches Verhalten: Vertrauen geht vor Eigennutz, 7. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch spannt den Bogen von neuesten neurobiologischen Erkenntnissen zu bisher nur wenig bekannten Untersuchungen, die sich der Frage gewidmet haben, ob Menschen in Realsituationen eher auf Eigennutz oder auf Zusammenarbeit Wert legen. Joachim Bauers neues Buch führt den Leser in die Welt der sogenannten "Spieltheorie" und der "Neurookönomie" ein. Resumee: Der Mensch ist kein ausschließlich auf puren Eigennutz gehender "zweckrationaler Entscheider", sondern bevorzugt, wenn sich eine entsprechende Möglichkeiten bieten, die vetrauensvolle Zusammenarbeit. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen betreffen das Leben am Arbeitsplatz, den Bereich der Erziehung und die Medizin. Wer Verantwortung für ander Menschen trägt sollte sich dieses Buch unter das Kopfkissen legen! Das Buch ist außerordentlich kurzweilig zu lesen und sehr gut verständlich,
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59 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Botschaft hör' ich wohl, allein es fehlen die Beweise, 14. Februar 2009
Eines vorneweg: Die Idee ist mir sympathisch. Ich selbst kooperiere gern und ich ziehe eine "win-win" Situation einer Situation vor, in der nur ich allein gewinne, andere aber verlieren. Joachim Bauer will im Grunde sagen, dass die Evolution von Kooperationen getrieben wird und nicht vom "Kampf ums Überleben". Dies schien mir eine sympathische Idee zu sein, aber die dargebotenen Belege überzeugten nicht. Und, der missionarische Eifer machte mich stutzig.

Es liegt für einen Psychotherapeuten und Psychosomatiker wie Joachim Bauer sicher nahe, zunächst den Menschen zu betrachten. Er stellt fest, dass wir "für gelingende Beziehungen" konstruiert sind (Damit stellt er sich zwar, wenn ich das mal so sagen darf, kühn gegen die von Loriot vorgebrachte These mit einem durchaus evolutionären Aspekt: "Männer und Frauen passen einfach nicht zueinander - man kann sie nur fruchtbar miteinander kreuzen"). Nun gut, es gibt auch noch andere Beziehungen und es ist sicher wichtig zu wissen, dass wir ein eingebautes Motivationssystem haben, in dem Dopamin, endogene Opioide und Oxytozin eine Rolle spielen und das dafür sorgt, dass wir nach sozialer Anerkennung und Kooperation streben.

Außerdem sind unsere Gene nicht "egoistisch", sagt Joachim Bauer und legt sich mit dem Evolutionsforscher Richard Dawkins ("Das egoistische Gen") an, den er sich - stellvertretend für alle Evolutionstheoretiker nach Darwin - anscheinend zu seinem Lieblingsfeind auserkoren hat. Gene kämpfen nicht. Gene werden beeinflusst von der Umwelt (lesenswert ist Bauers Buch: " Das Gedächtnis des Körpers"). Beispielsweise verändern frühkindliche Erfahrungen das Muster, mit denen Gene auf Umweltreize reagieren. Und hier findet er einen, wie ich finde, sehr schönen Vergleich von Genen mit einem Konzertflügel: Ein Flügel kann nicht alleine spielen, sondern braucht einen Pianisten.

*Und jetzt komme ich zu den Problemen, die ich mit diesem Buch habe*
Um bei dem Vergleich der Gene mit dem Klavier zu bleiben: Joachim Bauer sieht die Evolution durch ein Filter seiner Vorstellungen. Ist nicht schlimm, aber einseitig. Das Klavierbeispiel zeigt nämlich auch, dass der beste Pianist kein gutes Konzert spielen kann, wenn einige Tasten nicht gestimmt sind oder fehlen. Das Buch hinterlässt aber summa summarum den Eindruck, dass es auf die Gene kaum noch ankommt, sondern auf die Umwelt. Dabei könnte man doch ganz schlicht von Wechselseitigkeiten sprechen, die je nach Umständen verschieden gewichtet sind.

Die Evolution betrachtet er rückblickend, vom heutigen Menschen aus. Und da er Kooperation (und das Verlangen danach) beim heutigen Menschen als wesentlich ansieht, sucht er Kooperation auch in der Evolution. Er verbeißt sich in den als unmenschlich empfundenen Begriff "Kampf" ums Überleben, wo doch schon Ernst Mayr ("Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt") erklärte, dass der Kampf ums Dasein selten die Form eines wirklichen Kampfes annimmt: "Gewöhnlich ist es nur Konkurrenz um begrenzt vorhandene Ressourcen." So ähnlich wie bei der Berufung auf einen Lehrstuhl - möchte ich dem Professor zurufen. Diese Konkurrenz kann sich natürlich auf verschiedene Weise abspielen, auch unter Einbeziehung von Kooperationen (im Beispiel: Publikationsliste und Mentoren). Um zu suggerieren, dass Kooperation die Evolution treibt, nicht der Kampf, benutzt er den Begriff "Kooperation", um verschiedenste Mechanismen zu beschreiben, vom erlernten Verhalten der Menschen untereinander bis zur chemischen Interaktion von Molekülen. Nicht einmal das weite Teile der Natur bestimmende Räuber-Beute Verhältnis entkommt der semantischen Umdeutung. Er nennt es ein "verdecktes kooperatives System". Nehmen wir ein Beispiel. Manche Greifvogelarten legen grundsätzlich zwei Eier, ziehen aber nur ein Junges auf. Der jüngere Vogel wird dann "kooperativ entsorgt" - indem die Eltern es nicht füttern und das ältere der Geschwister das jüngere aus dem Nest wirft. Ich würde dies Kampf um die Ressourcen nennen, ganz unverdeckt. Der Bauer'sche Begriff "Kooperation" erklärt keinen Mechanismus und führt auch deshalb nicht weiter.

Joachim Bauer zitiert aus der Fachliteratur. Das ist gut. Was mich aber dabei stört ist, dass ein zitierter Artikel nicht unbedingt seine Behauptung belegt (so beispielsweise beim Artikel von Dario Maestripieri auf S. 84, in dem der Autor explizit darauf hinweist, dass etwa nur die Hälfte der Affenkinder, die von Ihren Müttern misshandelt wurden, gegenüber ihren eigenen Kindern aggressiv wurden. Die Resultate deuten darauf hin, dass Kinder mit einer speziellen genetischen Prädisposition eine Misshandlung eher verkraften. Dies ist ungefähr das Gegenteil von dem, was Bauers Zitat belegen sollte. Aber wer prüft schon das Original nach?

Auf Seite 151 dann war ich nahe dran: Ab in den Papierkorb. "Das Erschreckende aber ist" so Bauer "dass die Soziobiologie ... Furore machte ... und bei nicht wenigen offenbar den klaren Verstand aussetzen ließ." Also, diejenigen, die nicht seine Meinung teilen, betrachtet er als Idioten!? Ich grübelte darüber nach, ob so ein intelligenter Autor wie Bauer dies in einem Moment des Vollbesitzes seines Verstandes geschrieben haben konnte, mit so viel Schaum vor dem Mund, oder ob er da nicht Opfer just jener Gene war, die sein limbisches System aufgebaut haben.

Es gäbe noch Vielem zu widersprechen und etliche unzutreffende Darstellungen zu korrigieren. Andererseits steht im letzten Kapitel manches, bei dem ich gerne zustimme, wie "Die von den Genen bereitgestellten biologischen Systeme, können aber nur dann ihr Potential entfalten, wenn sie durch Interaktion mit der Umwelt in Gang gesetzt und in Funktion gehalten werden." Leider wird diese Aussage durch den Tenor des Buchs konterkariert.

*Schade*
Das siebte Kapitel widmet sich der Notwendigkeit von kooperativem Verhalten in Wirtschaft und Erziehung. Die Tatsache, dass wir Kooperation erst lernen müssen, spricht Bände. Dagegen müssen Kinder ihren Wetteifer ("ich bin schneller als Du") nicht lernen, wie auch nicht-kompetitive, hinterher hechelnde Eltern am eigenen Leib erfahren. Wer die Evolutionstheorien, die sich in über einhundertfünfzig Jahren auf Umwegen entwickelt haben, im Alleingang über den Haufen werfen will, muss gute Argumente und gute Belege haben. Bauer: "Das Ergebnis gelingender Kooperation hieße: Menschlichkeit". Tja, wenn es nur so einfach wäre. Führt erfolgreiche Kooperation notwendig zur Menschlichkeit? Da kenne ich auch Gegenbeispiele.

So schön der Titel, so richtig manche Aussagen, so ärgerlich ist die unsaubere Argumentationsführung. Dies entzieht dem Untertitel "Warum wir von Natur aus kooperieren" den Boden. Schade um das wichtige Thema.
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65 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert!, 10. September 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
Der Mensch, ein von Natur aus kooperatives und mitfühlendes Wesen? In der Regel provoziert diese These bestenfalls ein müdes Lächeln, unter Akademikern ebenso wie am Stammtisch. Wer an das Gute im Menschen glaubt, wird als Träumer oder Sozialromantiker abgestempelt. Denn die darwinistische Lehre vom Überleben des Stärkeren hat sich trotz ihrer grausamen Exzesse im 20. Jahrhundert als erstaunlich haltbar erwiesen. Wer diesen speziellen Aspekt der Evolutionstheorie anzweifelt, wird leicht mit religiösen Fundamentalisten auf eine Stufe gestellt. Joachim Bauer vermeidet bewusst, Kritikern diese Angriffsfläche zu bieten; nichts liegt ihm ferner als ein Dogmenstreit. Stattdessen präsentiert er nüchtern und für den Laien leicht verständlich neue Erkenntnisse aus Neurobiologie, Epigenetik und Verhaltensforschung, die alle nahelegen: Der Mensch ist ein durch und durch soziales Wesen. All sein Streben richtet sich darauf, gute Beziehungen zu anderen aufzubauen und zu erhalten. Ist der erfolgreiche, aber skrupellose Manager also eine die Regel bestätigende Ausnahme? Folgt man dem Autor, so leidet er mindestens unter einer schweren Verhaltensstörung. Wir empfehlen das Buch allen, die noch glauben, täglich die Ellenbogen ausfahren zu müssen, um zu überleben.
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46 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fachlich kompetent, leicht verständlich, unaufdringlich und anregend: Im Prinzip menschlich, 30. Mai 2007
Von 
Angela West-Sharma (Pforzheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
Prinzip Menschlichkeit-Menschlichkeit als Grundregel unseres Zusammenlebens - Wunsch oder Wirklichkeit? In seinem 2006 erschienen Buch "Prinzip Menschlichkeit" lädt der Autor Joachim Bauer,Medizinprofessor und Psychotherapeut, uns ein, sich auf dieses Thema einzulassen.

Ausgehend von der Frage, welches die Leitmotive des Lebens sind, ob Kampf oder Kooperation die Haltung des menschlichen Daseins bestimmen, führt Prof. Bauer den Leser behutsam zu den neuesten Erkenntnissen der Neurobiologie. Wie schon in seinen vorangegangenen Werken "Das Gedächtnis des Körpers" und "Warum ich fühle was du fühlst" macht er auch in dem vorliegenden Buch Gebrauch von seiner besonderen Gabe, komplexe Vorgänge leicht verständlich, eingängig und fachlich fundiert, darzustellen.

Ausführlich beschreibt er die Wirkweise der Motivationssysteme, richtet den Blick auf ihr eigentliches Ziel, nämlich die soziale Gemeinschaft und gelingende Beziehungen. Er betont dabei die Wichtigkeit der Erfahrung liebevoller Beziehung, besonders in der frühen Kindheit als Grundlage späterer Beziehungsfähigkeit. Deutlich arbeitet er, auch durch die Ausführungen zu den Negativfolgen fehlender oder beendeter Beziehung, das Zusammenspiel von Körper und Seele heraus.

Er greift das Thema Aggression auf, ohne diese schön zu reden oder zu verdammen. "Sie ist ein zentraler Bestandteil des Lebens und wird es bleiben." Ihr Sinn und Zweck - so Prof. Bauer- liegt in der Abwehr psychischer und physischer Schmerzen.

Ohne Darwins Abstammungslehre in Zweifel zu ziehen, übt der Autor berechtigte Kritik an den unmenschlichen Auswüchsen der darwinistischen These des Kampfes ums Überleben ("struggle for life"), die schon vor 1930 zu Rassendiskriminierung und Verachtung "unwerten Lebens" (schwere geistige oder körperliche Behinderung) führte. Dabei urteilt Joachim Bauer nicht ohne auf die Begleitumstände zu schauen, die den Boden bereiteten für die Saat dieser einseitigen Denkweise. Gleichzeitig lenkt er den Blick auf die Gefahr eines Rückfalls in eine solch scheuklappengeleitete Ideologie, wie sie von Richard Dawkins und der Soziobiologie verbreitet wird.

Er lässt es sich daher nicht nehmen, der These des "egoistischen Gens" den Wind aus den Segeln zu nehmen und Gene als Kooperationspartner erster Güte darzustellen. Berichte zu Ergebnissen aus Spieltheorie und Beziehungsanalyse betonen nochmals die Wichtigkeit gelingender zwischenmenschlicher Beziehungen, die auf 5 von ihm benannten Vorraussetzungen aufbauen.

Beziehung als tragender Grund für Motivation, soziale Kompetenz, effektive Medizin und Kooperation ist demnach A und O des menschlichen Daseins.

Joachim Bauer liegt es fern, seine Ansichten als absolute Wahrheiten zu präsentieren. Er stellt in Frage, stellt Vermutungen an, neue Erkenntnisse und Möglichkeiten vor, die der Leser für sich überdenken und an der eigenen Erfahrung messen kann. Gerade dadurch wirken seine Ausführungen überzeugend; im Spielraumlassen für andere Meinungen wird das "Prinzip Menschlichkeit" verwirklicht.

Ein einmalig schönes, positives Buch, das optimistisch auf Gegenwart und Zukunft blicken lässt und das man nicht mehr aus der Hand legen möchte.
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62 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glückwunsch! Ein Buch mit frischen Gedanken und guten Fragen!, 7. April 2007
Von 
Benni Gutman (Tel Aviv, zur Zeit Basel) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
Reiner Zufall, dass mir dieses Buch zwischen die Finger kam (hatte am 1. April spät nachts noch das "ZDF Nachstudio" gesehen, wo der Autor mit einigen Leuten diskutierte und wo auf das Buch hingwiesen wurde). Nachdem ich mit dem Lesen durch bin: Chapeau und Gratulation! Bauer, Medizinerkollege aus Freiburg, bringt hier einiges aus der neuesten Neuroforschung auf einen Nenner, blickt dabei munter über den Tellerrand unseres wissenschaftlichen Saucentöpfchens hinaus und diskutiert die absolut richtigen Fragen.

Eigentlich sollte es bei einem kurzen Glückwunsch bleiben. Mit Blick auf einige andere Kommentare, die ich hier so sehe, leiste ich mir aber doch noch einen kleinen Zusatz an die Adresse der "Evolutionswächter": Leute, tut doch nicht so, als wüsste irgend jemand in der gesamten Wissenschaft, wie die Evolution wirklich funktioniert! In den modernen Biowissenschaften ist es nicht (mehr) wie bei den Fundamentalisten, wo es nur eine einzige richtige Meinung gibt!

Daher ein guter Rat, Ihr Lieben: Tut nicht klüger als der Papst! Was in der Evolution lief und läuft ist innerhalb der scientif community voll in Diskussion, vieles ist noch völlig ungeklärt. Kein Mensch weiß z. B. warum so etwas wie Sexualität entstand (nur Theorien darüber gibt es haufenweise). Immerhin war es Darwin himself, der sich einen der gröbsten Klöpse leistete, indem er tatsächlich meinte, die Dinos seien im Kampf gegen andere Arten untergegangen. Eine Theorie die keine richtigen Vorhersagen produziert, sollte man sich nicht zur Bibel machen. Der Fehler des alten Mannes mit dem Bart war, daß er Malthus auf den Leim ging und die Regeln des Kapitalismus allzu flott auf die Biologie übertrug.

Daher also Vorsicht, Ihr eifrigen "Evolutionswächter" und passt auf, daß man Euch nicht mit denen verwechselt, die vorne noch ein R tragen. Gebt der Darstellung neuer Erkenntnisse freie Bahn, lasst der offenen Diskussion ihren Lauf und bekommt nicht gleich die Krise, wenn Ihr etwas lest, was noch nicht im Schulbuch stand. Was dieses Buch beiträgt, gehört zu Besten was man derzeit lesen kann.
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46 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wenig Gutes, dafür viel ärgerliche Falschinformation!, 14. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
"Das natürliche Ziel der Motivationssysteme sind soziale Gemeinschaft und gelingende Beziehungen mit anderen Individuen, wobei dies nicht nur persönliche Beziehungen betrifft, Zärtlichkeit und Liebe eingeschlossen, sondern alle Formen menschlichen Zusammenlebens" (34).

Der Neurologe und Psychotherapeut Joachim Bauer argumentiert in seinem Buch "Prinzip Menschlichkeit" dafür, dass der Mensch von Natur aus darauf ausgelegt ist mit seiner Umwelt zu kooperieren. Um seine These zu bestätigen, zitiert er zahlreiche Erkenntnisse der Neurobiologie. Doch dabei belässt Bauer es nicht. Gleichzeitig polemisiert er heftig gegen zwei seiner Feindbilder: Charles Darwin, den Begründer der Evolutionslehre, und Richard Dawkins, dem einflussreichsten zeitgenössischen Evolutionstheoretiker. Wohingegen die Kapitel über die Ansätze und experimentellen Ergebnisse der Neurobiologie sehr interessant sind, sind Bauers Darlegungen über Darwin und Dawkins schlicht und einfach unausgegoren und faktisch falsch und somit eines seriösen Wissenschaftlers unwürdig.

Feindbild 1: Charles Darwin. Nach Darwin hat sich alles Leben evolutionär entwickelt und lässt sich auf einen gemeinsamen Ursprung zurückverfolgen. Dafür, dass sich Dinge verändern und entwickeln sorgt der Prozess der natürlichen Selektion, der bewirkt, dass Lebewesen, die schlechtere Eigenschaften zum Überleben haben, aussortiert werden, sprich sterben, und somit ihre Gene nicht an die kommenden Generationen weitergeben können. Das Leben, so Darwin, sei primär ein ständiger Kampf ums Überleben. Genau das sei völlig falsch, so Bauer. Diese so schädliche "Ersatzreligion" (15) des Darwinismus habe doch bisher nur Unglück über die Menschen gebracht. Der Autor argumentiert weiter, dass sich erst seit Darwin rassistisches Gedankengut in Europa und vor allem in Deutschland, wo Darwin besonders positiv aufgenommen worden sei, verbreitet habe. Somit stellt Bauer eine direkte Verbindung zwischen Darwins Lehre und dem Holocaust her. Dies ist völliger Schwachsinn. Darwins Ansätze wurden leider von einigen seiner Zeitgenossen missbraucht, um ihre rassistisches Weltbild zu belegen. Dafür kann man Darwin keinen Vorwurf machen. Es behauptet ja auch keiner, dass Einstein für die Toten von Hiroshima und Nagasaki verantwortlich ist.

Ralsatirischen Charakter bekommt Bauers Argumentation, wenn er Vorfälle wie den Amoklauf von Erfurt direkt mit Darwin in Verbindung bringt. Die 'darwinistischen Handlungsprogramme in Gewaltvideos und Killerspielen' (215) seien für die vielen Gewalttaten in Deutschland verantwortlich zu machen.

Feindbild 2: Richard Dawkins. Der englische Evolutionsforscher sorgte 1976 mit seinem Buch "The Selfish Gene" für Aufsehen. Dort stellte er die These auf, dass "a predominant quality to be expected in a successful gene is ruthless selfishness" (Dawkins, The Selfish Gene, 1989 [1976], S. 3). Sprich, Evolution findet auf der Ebene der Gene statt und nur die egoistischen setzten sich im Kampf ums Überleben durch. Um Dawkins zu widerlegen, zitiert Bauer die Ergebnisse der sogenannten Spieltheorie (180ff.). Der Witz ist, dass Dawkins in "The Selfish Gene" haargenau die selben Experimente aufführt, um seine Sicht der Dinge zu belegen. Der Denkfehler liegt bei Bauer. Er übersieht, dass Dawkins von "egoistischen Genen" und eben nicht von "egoistischen Menschen" spricht. "We, alone on earth, can rebel against the tyranny of the selfish replicators" (Dawkins, 201), formuliert Dawkins. Dass Bauer ihn als Befürworter einer herzlosen Ellbogengesellschaft darstellt, die ganz auf "Auslese und Neoliberalismus(!!)" (201) ausgerichtet sei, ist somit nichts anderes als ärgerliche Desinformation. Beide verfolgen nämlich das selbe Ziel, nur die Ausgangspunkte sind unterschiedlich. Warum Bauer an dieser Stelle so unsachlich vorgeht, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hätte es geholfen, hätte er neben Dawkins Hauptwerk auch noch ein paar andere Bücher des Autors gelesen, in denen er seine Ansätze weiter modifiziert und erläutert hat. Die Literaturliste zeigt, dass Bauer genau dies nicht getan hat. Dafür bezieht er sich auf 39(!!) seiner eigenen Beiträge.

Fazit: In großen Teilen ein höchst ärgerliches populärwissenschaftliches Buch. Die informativen Kapitel über die Neurobiologie können nicht überdecken, dass er zahlreiche unhaltbare und polemische Thesen über andere Ansätze unters Volk bringt. Dies mag sich zwar gut verkaufen, ist aber wenig hilfreich.
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21 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragende Lektüre, aber KEIN Buch über "GUT" oder "BÖSE", 20. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
Da gibt es bei vielen offenbar Missverständnisse (auch beim Rezensenten der Süddeutschen Zeitung, durch den ich auf dieses Buch aufmerksam wurde). Wer dieses sehr anregende Werk gelesen hat, wird feststellen: Dies ist KEIN Buch über Moral und KEIN Werk über "das Gute" oder "das Böse", weder im Menschen noch in der Natur. Das Buch des Neurobiologen und Mediziners Joachim Bauer handelt von der Frage, nach welchem inneren, biologischen Plan sich die Motivationen des Menschen ausrichten. Die Antwort: Sie sind auf Kooperation, auf Bindung gerichtet. Demütigung und Ausgrenzung, so Bauer, erzeugen Aggression und machen krank. Ich selbst bin Biologin. Bauers Buch nimmt vorweg was dieser Tage neue wissenschaftliche Studien zeigen (und was u. a. das Thema des neuen Bestsellers "Moral Minds" ist): Das "Prinzip Kooperation" dominiert die gesamte Biologie. Ob das "gut" oder "böse" ist? Das ist hier nicht die Frage (am Rande gesagt: es kann sowohl "guten" als auch "bösen" Zwecken dienen, zu kooperieren). Dieses Buch ist lesenswert und voller wegweisender Ideen. Ich habe es mit Genuss und Gewinn gelesen.
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22 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gedanken über Darwin und die Soziobiologie: Exzellent!, 6. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist ein ungeheuer informatives Wek, welches -unter Verzicht auf jede Polemik- einen völlig neuen Blick auf Charles Darwin und auf dessen moderne Statthalter aus dem Bereich der sogenannen Soziobiologie wirft (ohne die geringsten Sympathien für den Kreationismus oder für Intelligent Design!). Das Buch zitiert bislang weithin unbekannte Aussagen Darwins (vor allem dahingehend, der Mensch müsse dem Kampf und der Auslese ausgesetzt beiben). Verblüfft nimmt man zur Kenntnis: Darwin war nicht nur Darwinist, sondern auch Sozialdarwinist! Gebannt liest man -der Autor zeichnet das gestützt auf Quellen minutiös nach- wie sich im Gefolge Darwins, bereits lange vor der Machtergreifung der Nazis, die Wertmaßstäbe in Deutschland langsam aber sicher veränderten: Gut war jetzt nicht mehr, den Schwachen zu helfen (das galt als überholte Moral). Ethisch wurde jetzte vielmehr alles, was der Aussonderung der Schwächsten diente und damit die (von Darwin für die zivilisierte Gesellschaften befürchtete) biolgische Degeneration verhinderte.

Grandios geschrieben ist dann auch ein Kapitel über die Ansichten des Soziobiologen Richard Dawkins und seine "eogoistischen" Gene. Dawkins'teilweise doch sehr bizarren Ausführungen(z. B. über die "Meme"!!), die von Bauer souverän zerpflückt weden, stellt das Buch eine sehr differenzierte, gut verständliche Beschreibung der tatsächlichen Abeitsweise der Gene gegenüer (besonders spannend: die Ausführungen des Buches zur sogenanten Epigenetik, die sich mit Einflüssen der Umwelt auf die Gene befasst). Das Buch bietet dann einen Überblick über die menschliche Motivation und das "social brain". Hier schreibt jemand, der sein Metier beherrscht! Insgesamt ein hervorragendes, lohnenswertes Buch, das die Motivationssysteme des Lesers voll aktiviert und das man nicht mehr aus der Hand legt, wenn man sich erst einmal hineingelesen hat! Seltene Klasse!
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19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neue Streitschrift des psychotherapeutischen Neurobiologen, 18. Oktober 2006
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) (Gebundene Ausgabe)
„If you can’t beat them, join them“ zu „If you can’t join them, beat them“ umzuformulieren ist sehr viel mehr als eine Stilübung. Die beiden Sätze stehen für Weltanschauungen, die verschiedener kaum sein könnten und die von Joachim Bauer geführte Auseinandersetzung auf den Punkt bringen. Gene sind nicht egoistisch, wie die Sozialdarwinisten uns weismachen wollen, sondern auf Kooperation angelegt. So lautet die These, die der Neurobiologe und Psychotherapeut Joachim Bauer in den Mittelpunkt seines neusten Buches stellt. Und wer bereits frühere Werke des populären Wissenschaftlers kennt, kennt auch seine Eigenart, die zentralen Argumente so lange zu wiederholen, bis sie dem Leser in Fleisch und Blut übergehen. Das ärgert vor allem Leser, die von der falschen Erwartung ausgehen, sie hätten ein wissenschaftliches Buch in der Hand. Aber das ist es nicht. „Prinzip Menschlichkeit“ ist eine von einem Wissenschaftler vorgetragene Streitschrift, in der logischerweise auch auf Studien verwiesen und mit Fachbegriffen hantiert wird. Die Fachpublikationen von Joachim Bauer klingen anders und sind oft in englischer Sprache abgefasst.

Mit dieser Streitschrift kämpft der Autor gegen die soziobiologische und neodarwinistische Auffassung an, Egoismus sei ein evolutionäres Programm und wer den Kampf ums Überleben nicht führe, gehöre zu den Programmfehlern. Wie jedem Verfasser einer Streitschrift, steht es auch Joachim Bauer zu, die Waffen frei zu wählen, mit dem er die Auseinandersetzung gewinnen will. Und weil es zu den erfolgreichen Strategien gehört, den Gegner mit den eigenen Waffen zu schlagen, operiert auch Joachim Bauer mit naturwissenschaftlichen Begriffen, Studien und Experimenten. Vor allem führt er neurowissenschaftliche Befunde ins Feld. Nicht weil das heute schon bei Alltagsstreitigkeiten Mode ist, sondern weil er sich auf diesem Gebiet auskennt und in der Fachwelt anerkannt ist. Der Leser erhält also ganz nebenbei eine kleine Einführung in einige Grundlagen der Hirnforschung.

Wie in jedem Glaubenskrieg vermischen sich auch in diesem Buch persönliche Überzeugungen und Anliegen mit wissenschaftlichen Beweisführungen. Dass ich dies nicht weiter tragisch finde, hat sicher damit zu tun, mich auf der Seite Joachim Bauers wohler zu fühlen als bei den überzeugten Neodarwinisten. Daher trage ich es ihm auch nicht nach, Werbung in eigener Sache, also für die Psychotherapie zu machen und gegen den Schluss des Buches dem Hang zu verfallen, Ratschläge für alle Lebenslagen zu formulieren. Ich bin froh, dass Joachim Bauer alte und neue Argumente zusammenträgt, mit denen ich mein Bild des Menschen wissenschaftlich vertreten kann. Auch wenn Wahrheit zu den menschlichen Konstruktionen gehört, kommt man als Leser zum Schluss, dass unsere Biografie mit allergrösster Wahrscheinlichkeit davon geprägt wird, in welchem sozialen Umfeld wir die ersten Lebensjahre verbringen. Oder anders gesagt: Gene sind nicht das Schicksal.

Mein Fazit: Eine wissenschaftliche Streitschrift, die den Gegnern des soziobiologischen Neodarwinismus gute Argumente in die Hand spielt, am Bild des kooperierenden und sozialen Menschen festzuhalten. Verständlich geschrieben und dank erzählerischem Können trotz zahlreicher Wiederholungen spannend und unterhaltsam.
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Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie)
Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren (Psychologie) von Joachim Bauer (Gebundene Ausgabe - 11. September 2006)
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