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4.0 von 5 Sternen "Ich bin freilaufend aufgezogen worden."
Die französische Roman- und Kinderbuchautorin Marie-Sabine Roger hat in den letzten rund zwanzig Jahren Dutzende von Büchern veröffentlicht, ist bei uns einem breiten Publikum aber erst durch ihr 2009 erschienenes Buch "Das Labyrinth der Wörter", welches auch erfolgreich verfilmt wurde, bekannt geworden.
Mit "Der Poet der kleinen Dinge" liegt nun...
Veröffentlicht am 25. Februar 2012 von Berlinoise

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3.0 von 5 Sternen Sympathische Charaktere in unspektakulärer Geschichte
Ich muss sagen, dass "Der Poet der kleinen Dinge" hinter meinen Erwartungen zurückbleibt. Denn der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht. Von der Autorin hingegen, deren erstes Buch bereits prominent mit Gérard Depardieu verfilmt wurde, hatte ich zuvor noch nichts gehört...

Marie-Sabine Roger erzählt in dem schmalen (und für...
Veröffentlicht am 15. März 2012 von Udo_Erhart


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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Ich bin freilaufend aufgezogen worden.", 25. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) (Gebundene Ausgabe)
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Die französische Roman- und Kinderbuchautorin Marie-Sabine Roger hat in den letzten rund zwanzig Jahren Dutzende von Büchern veröffentlicht, ist bei uns einem breiten Publikum aber erst durch ihr 2009 erschienenes Buch "Das Labyrinth der Wörter", welches auch erfolgreich verfilmt wurde, bekannt geworden.
Mit "Der Poet der kleinen Dinge" liegt nun auch das Nachfolgebuch in deutscher Sprache vor.

Die rastlose dreißigjährige Alex, die es nirgendwo lange aushält, jobbt seit einiger Zeit auf der Hühnerfarm von Bertrand und Marlène.
Zum Haushalt gehört auch Bertrands behinderter Bruder Gérard, der von der ewig keifenden Marlène nur widerwillig geduldet wird.
Ganz allmählich freundet sich die sonst eher eigenbrötlerische und unzugängliche Alex mit Gérard an, hinter dessen schlichtem Gemüt sie schon bald einen "Poeten der kleinen Dinge" entdeckt.
Als die beiden eines Tages bei einem Ausflug an den Kanal Cédric und Olivier kennenlernen, die sich dort mit Bierdosenweitwurf und Ähnlichem die Zeit vertreiben, freunden sich die vier sehr unterschiedlichen Außenseiter an...

Wie schon in "Das Labyrinth der Wörter" versteht es Marie-Sabine Roger auch hier, aus einer eigentlich "kleinen" Geschichte ein herzerwärmendes und fantasievolles, mit zahlreichen berührenden Lebensweisheiten gespicktes Buch zu machen, welches, so schmal es mit seinen 239 Seiten auch ist, auch über das recht kurze Lesevergnügen hinaus durchaus im Gedächtnis bleibt und sich mit seinen vielen erinnernswerten Zitaten auch wunderbar als kleines Geschenk für einen lieben Menschen eignet, zumal es mit seinem dunkelroten Einband mit Goldprägedruck auf dem Rücken und dem liebevoll gestalteten Schutzumschlag auch äußerlich sehr ansprechend und wertig aufgemacht ist.
Ungewöhnlich ist die Erzähltechnik mit gleich zwei Ich-Erzählern, Alex und Cédric, die die Erzählung nicht nur formal auflockert, sondern auch inhaltlich dadurch bereichert, daß diese aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird.
Ein wenig mag man dem Büchlein anmerken, daß die Autorin zu einem großen Teil Kinder- und Jugendbücher schreibt, kommen die vermittelten Botschaften - ein Aufruf zu Toleranz, eine Hymne aufs "Anderssein" und die Ermutigung, seinen eigenen Weg zu suchen und zu gehen, doch teilweise etwas überdeutlich, um nicht zu sagen plakativ daher.
Abbruch tut dies der zauberhaften kleinen Geschichte, die in einer einfachen, aber dennoch schönen und bildhaften Sprache geschrieben ist, jedoch nicht.
Wer "Das Labyrinth der Wörter" mochte, der wird auch "Der Poet der kleinen Dinge" lieben.

Von mir vier Sternchen für ein leichtes, aber ganz bezauberndes kleines Lesevergnügen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sympathische Charaktere in unspektakulärer Geschichte, 15. März 2012
Von 
Udo_Erhart - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) (Gebundene Ausgabe)
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Ich muss sagen, dass "Der Poet der kleinen Dinge" hinter meinen Erwartungen zurückbleibt. Denn der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht. Von der Autorin hingegen, deren erstes Buch bereits prominent mit Gérard Depardieu verfilmt wurde, hatte ich zuvor noch nichts gehört...

Marie-Sabine Roger erzählt in dem schmalen (und für diesen Umfang schon recht teuren) Band von einer handvoll Leuten in der Normandie. Da wären der seit seiner Geburt körperlich und geistig behinderte Gérard, der mit seinem Bruder Bertrand und dessen Frau Marléne unter einem Dach lebt. Ein Zimmer ihres Hauses vermietet das Ehepaar an Alex, eine jungenhaft wirkende junge Frau, die befristet in der nahe gelegenen Hühnerfarm arbeitet.
Zum Figurenensemble gehören noch Robby, der Hund, der dicke und dauernd Bier trinkende Olivier und sein von Liebeskummer vergrämter Kumpel Cédric. Alex, die eigentlich nirgendwo lange verweilt und auch emotional eher verschlossen ist, entwickelt eine platonische Beziehung zu Gérard, der von seiner Schwägerin als Belastung angesehen wird. Als Alex davon erfährt, dass Marléne den Behinderten am liebsten irgendwo aussetzen würde, reift langsam in ihrem Inneren ein Plan...

Tja, und leider passiert ab hier auch nicht viel mehr nennenswertes im Buch. Die erste Hälfte des ohnehin dünnen Buches beschreibt eigentlich nur die Leben und Gefühlslagen der einzelnen Charaktere. Handlungstechnisch passiert nicht viel. Und der Schluss - der hier natürlich nicht verraten wird - wird auf wenigen Seiten ohne große Verrenkungen "abgewickelt".

Einerseits ist es der Autorin gelungen durch die Bank sympatische Charaktere zu erschaffen. Sogar die an sich sehr unleidliche und laut polternde Marléne wird hin und wieder menschlich dargestellt. Besonders Rogers Porträtierung von Gérard ist geglückt. Sie beschreibt ihn ohne falsches Pathos und er ist ein chaotischer - und selbst wenn er die Küche fast abfackelt oder in die Suppe niest - liebenswerter Charakter. Andererseits gelingt es Marie-Sabine Roger nicht, eine durchgängig interessante Geschichte zu erzählen. Ich war vom (überstürzt erzählten) Ende richtiggehend enttäuscht.

Die Handlung wird übrigens immer abwechselnd von Alex und von Cédric erzählt. Hier verwirrte mich, dass die aufeinanderfolgenden Kapitel nicht chronologisch fortlaufen, sondern der Erzähler/die Erzählerin mit seiner/ihrer Geschichte zu einem unbestimmten Zeitpunkt den Faden wieder aufnimmt - bis die Handlung dann wieder parallel läuft.

Alles in allem erzählt "Der Poet der kleinen Dinge" eine nicht übermäßig spannende und leider auch nicht weiter relevante Geschichte. Denn dort, wo das Buch endet, würde in meinen Augen erst die interessante Handlung beginnen. Was mir auch fehlt: Die Normandie und savoir vivre, das französische Lebensgefühl, werden nicht weiter beschrieben, letztendlich hätte der Roman überall stattfinden können. Da reißt ein Vergleich mit François Rabelais' "Gargantua und Pantagruel" am Buchende das Ruder auch nicht mehr rum.

Von mir verhaltene drei Sterne für ein Buch, das sich rasch lesen lässt und mit sympathischen Hauptfiguren aufwartet, bei dem man aber auch nichts verpasst, wenn man es nicht gelesen hat. Andererseits war es auch kein Ärgernis, das Buch gelesen zu haben (sowas gibt es ja manchmal auch).
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kleine Poesie in der Normandie, 2. März 2012
Von 
P.Hastings (Mittelfranken) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) (Gebundene Ausgabe)
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Zwei Dinge möchte ich vorausschicken.

1. Ich habe den Bestseller "Das Labyrinth der Wörter" von Marie-Sabine Roger nicht gelesen und auch den Film nicht gesehen.

2. Mich haben der Titel und die Kurzbeschreibung sehr interessiert. Ich dachte mir, das hört sich richtig gut an, prosaisch, tiefgreifend, rührend.

Und dann musste ich folgendes feststellen:

Aus der Geschichte hätte etwas werden können, wenn man dem kleinen, missratenen Helden Gerard mehr Raum gegeben hätte. Am Anfang war die Story witzig, prall gefüllt mit Leben und der Aussicht auf eine wunderbare Geschichte. Aber das täuschte.

Wie bereits von einem anderen Rezensenten erwähnt, wurde viel Potential verschenkt. Am manchen Stellen im Buch wird genau die gleiche Handlung von einer zweiten oder dritten Person, die später auftritt, noch einmal erzählt. Ohne neue Sichtweisen oder Erkenntnisse, ohne der Handlung einen neuen Gesichtspunkt oder eine andere Wendung zu geben. Wer macht denn sowas?

Mussten hier Seiten geschunden werden, damit aus einer kleinen, an sich liebevollen und tragikomischen Story mit einem Touch Poesie ein Buch mit 238 Seiten wird, von denen mindestens 20 ausschließlich aus weißen Seiten bestehen, weil man jeden neuen Gedankengang mit einer neuen Seite beginnen wollte?

Das ist peinlich. Das ist Tristesse in der Normandie.

Dabei macht die Story Mut, erzählt von vielen kleinen Dingen, die das Leben zum Leben erwecken.

Zur Handlung möchte ich keinen weiteren Kommentar mehr abgeben, die Vorrezensenten haben hier genug gearbeitet.

Der Poet der kleinen Dinge, Gerard, ist der Held des Buches, das ist klar. Es gibt genau solche Helden, denn sie begegnen mir tagtäglich in dem Ort, in dem ich wohne, da es hier mehrere Einrichtungen für Behinderte gibt. Gerard ist in seiner Behinderung genau getroffen, seine Sprechweise ist hervorragend wiedergegeben, sein Handicap grandios beschrieben, ohne Mitleid oder Ekel zu erzeugen. Dafür gibt es von meiner Seite aus nur Bewunderung und eindeutig fünf Sterne plus einen erdachten sechsten Stern.

Doch davon allein kann die Story nicht leben, weil es zu viele Wiederholungen an anderer Stelle gibt.

Für die vielen halb bedruckten Seiten, die doppelten Erzählungen, die zu keinen besonderen Erkenntnissen führen, muss ich leider jede Menge abziehen. Bleiben drei Sterne übrig. Plus den erdachten sechsten Stern für Gerard. Schade.

Allerdings gibt es in dem Buch auch versteckte Perlen und Formulierungen, die mit wenigen Worten Bilder voller Tiefe und Lebensklugheit malen. Ein Beispiel: Seite 168.

"Wenn sie heraufgekommen wäre, hätte sie uns dabei erwischt, wie wir eng umschlungen den Tango neu erfanden."

Recht viel schöner kann man die Zuneigung zwischen Alex und Gerard kaum beschreiben.
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das aufmerksam macht auf die wirklich wesentlichen Dinge in unserem Leben, 24. November 2011
Von 
Chaostante - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) (Gebundene Ausgabe)
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"Ich glaube, in den Geburtskliniken liegen ausschließlich Prinzessinnen und Märchenprinzen in den kleinen Plastikbetten. Kein einziges Neugeborenes, das entmutigt, enttäuscht, traurig oder blasiert wäre. Kein einziges kommt auf die Welt und sagt sich: Später gehe ich mal für einen Hungerlohn in der Fabrik malochen. Ich werde ein Scheißleben haben und das wird super-duper. Juhu. Warum ich hier bin, jetzt, in diesem Moment, ist sogar mir selbst ein Rätsel. Aber da ich an Schicksal glaube, sage ich mir, dass es irgendwo einen großen Plan geben muss, hoch über meinem Kopf. Dass es für das alles einen Grund gibt." Zitat: Cedric (Seite 22)

Ein kurzes Stück aus dem Leben dreier verkrüppelter Menschen. Alex - gefühlsmäßig verkrüppelt, Cedric - seelisch und Gerard - körperlich.
Die Autorin schreibt aus zwei verschiedenen Perspektiven und lässt abwechseln Alex und Cedric zu Wort kommen.

"An dem Tag, als ich ihm zum ersten Mal begegnet bin, habe ich gedacht, so wie er aussieht, muss er den IQ einer Kaulquappe haben. Aber das stimmt nicht. Gérard ist intelligent. Pech für ihn. Aber er hat trotz allem Spaß und liebt das Leben. Deshalb beschämt er uns." Alex (S. 193 ff.)

Alex, die bubenhafte 30jährige, die es nie lang an einem Ort hält, aus Angst sich zu binden. Sie mietet sich bei Bernard - Gerards Bruder - und Marlene ein. Arbeiten wird sie auf der Hühnerfarm, bis man sie dort nicht mehr als Zeitarbeiterin will.
Aber es passiert etwas, dass sie nicht geplant hat - sie baut eine Beziehung zu Gerard auf.
Und dann lernt sie zudem noch Cedric und seinen besten Freund Oliver, den Zackenbarsch kennen.
Cedric ist gerade von seiner Freundin Lola verlassen worden. Sein Leben scheint mit 28 Jahren schon perspektivlos, keine Arbeit gefällt ihm und er zieht zurück zu seinen Eltern.
Statt sich eine Arbeit zu suchen, sitzt er mit dem Zackenbarsch am Kanal und vergeudet seine Zeit. Deshalb gibt es Stress mit seinen Eltern.

"Seit achtundzwanzig Jahren träume ich Tag für Tag davon, hier abzuhauen, aber es ist wie mit dem Rauchen: Morgen höre ich auf, morgen gehe ich weg. Morgen fange ich an zu leben. immer morgen, morgen, nur nicht heute." Cedric (Seite 152)

Es ist eine unglaubliche Geschichte, die dennoch sehr plausibel klingt. Und der einzig Glückliche zwischen diesen seelisch und gefühlsmäßig verkrüppelten Charakteren, scheint Gerard zu sein.
Die Autorin Marie-Sabine Roger hat komplizierte Charaktere erschaffen, dennoch ist jeder auf seine Art liebenswert und sympathisch.
Die Autorin rührt zu Herzen ohne dabei kitschig oder polemisch zu sein und hat einen fabelhaften Roman voller kleiner versteckter Weisheiten geschrieben. Das 239seitige Buch strotzt vor guten und präzisen Sätzen, so dass man sich jeden Absatz herausschreiben und in die Zitatsammlung aufnehmen möchte. Ein Buch, das aufmerksam macht auf die wirklich wesentlichen Dinge in unserem Leben.
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4.0 von 5 Sternen "Außerhalb jedes Maßes und jeder Norm", aber unglaublich liebenswert und liebevoll, 21. April 2012
Von 
fantafrau - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) (Gebundene Ausgabe)
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"Wie viele Menschen abonnieren aus Versehen das Unglück und kündigen dann nie mehr?" (S. 120)

Es scheint eine eigenwillige Definition vom Glück zu sein, die Marie-Sabine Roger unter Anderem in ihrem Buch da liefert: Schreien und Lachen und sich dabei fast die ganze Hand in den Mund stopfen. Und doch ist sie auch gleichzeitig so wahr... - und verbunden mit der Frage: Wer ist denn eigentlich "behindert"?

Mit liebevollem Blick zeichnet Marie-Sabine Roger ihre Protagonisten im Buch "Der Poet der kleinen Dinge". Da gibt es Roswell (eigentlich Gérard) mit der Vorliebe für Gedichte, der auf Grund seiner Behinderung - nein, nicht anders, sondern - etwas Besonderes ist. Da ist eine der Erzählerinnen, Alex, die über sich selbst sagt: "Ich bin ein Entwurf meiner selbst", eigentlich eine dreißigjährige Frau, vom äußeren Erscheinungsbild aber eher ein heranwachsender männlicher Jugendlicher. Dann taucht noch "Zackenbarsch" (Olivier), der "Bierdosenarchitekt", auf und der zweite Erzähler, Cédric, der von sich selbst resigniert sagen muss: "Der einzige Sinn, den ich in meinem Leben finde, ist Stumpfsinn". Sie allesamt stehen am Rand der Gesellschaft. "Außerhalb jedes Maßes und jeder Norm", ausgegrenzt, weil sie ein anderes Äußeres haben, sich anders verhalten oder ihren Platz im Leben noch suchen. Diese beiden Außenseiterpaare treffen sich und beginnen gemeinsam eine Reise auf der Suche nach dem Glück und dem Sinn des Lebens.

Rogers Buch zeichnet sich durch Feinsinnigkeit, einen Blick für das wahre Schöne und einen philosophischen Stil aus, ohne abgehoben zu sein. Aus genau diesen Gründen lohnt es sich, es zu lesen und seinen eigenen Sinn dafür (mal wieder) zu schärfen. Die 240 Seiten lassen sich gut lesen, die kurzen Kapitel tragen dazu bei. - Genau das Richtige für ein bisschen Muße und "Seelenfutter", das gut tut.
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4.0 von 5 Sternen Vier Außenseiter gegen den Rest der Welt, 29. Februar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) (Gebundene Ausgabe)
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"Der Poet der kleinen Dinge" von Marie-Sabine Roger, ist eine zu Herzen gehende Geschichte, die mir vor allem zum Ende hin, immer wieder ein kleines Lächeln auf mein Gesicht gezaubert hat.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive von Alex, einer Herumtreiberin und Weltenbummlerin, die immer wieder etwas Neues entdecken und kennenlernen möchte, und die es nie lange an einem Ort aushält, weil sie Angst hat sich zu binden, und Cédric, dessen Lebensmotto "Wenn ich eines Tages meinen Weg finde, wird es mit Sicherheit eine Sackgasse sein." ist, erzählt.

Durch diese Erzähltechnik entsteht eine abwechslungsreiche, nie langweilig werdende Geschichte über vier Außenseiter, und wie schön das Leben sein kann, wenn man die Chancen, die es uns bietet, ergreift.
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Alex hat es in ein kleines französisches Nest verschlagen, und wohnt dort zur Untermiete bei Bertrand und dessen Ehefrau Marlène. Dort lernt sie Gérard, Bertrands körperlich und geistig behinderten Bruder kennen, und entdeckt durch Zufall, dass Marlène Gérard am liebsten einfach aussetzen würde, damit sie endlich auch einmal in Urlaub fahren kann, und sich nicht immer um ihn kümmern muss. Und so reift in Alex, die Gérard von Anfang an in ihr Herz geschlossen hat, langsam der Plan heran, dies zu vereiteln und ihm zu helfen.

Als sich Alex immer mehr um ihn kümmert, macht sie die Entdeckung, dass Gérard, der u.a. die Angewohnheit hat, sehr undeutlich vor sich hin zu nuscheln, dabei immer wieder sehr zur jeweiligen Situation passende Gedichte aufsagt, die zeigen, dass er alles andere als dumm ist, und sich so mitteilen möchte.

So bringt Gérard, der Alex sehr mag, und traurig ist, als er merkt, dass sie beschlossen hat, bald wieder weiter zu ziehen, dies auch auf seine Weise zum Ausdruck.

"Wir werden nicht mehr durch die Wiesen gehen
Im ersten Morgenstrahl
Soll man auf der Mitte des Weges
schon zurückschauen?"
________________

Der beste Freund Cédrics ist Olivier. Cédric, der auf der Suche nach einer Leidenschaft ist, die ihn erfüllt, hat beschlossen, so lange in den Tag hinein zu leben, bis er diese findet. Er ist der festen Meinung, dass alle seine Freunde diese bereits gefunden haben. So ist sein Kumpel Olivier immerhin Bierdosenarchitekt, und übt sich im gezielten Bierdosenweitwurf.

Nachdem sich die vier kennen gelernt haben, ergreift Alex die sich bietende Gelegenheit, und unterbreitet Olivier und Cédric ihren Plan.
________________

In letzter Zeit hatte ich viel Glück bei der Auswahl meines Lesestoffes. Und so kann ich "Der Poet der kleinen Dinge" zusammen mit "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand", "Und in mir der unbesiegbare Sommer", "Fremde Schwestern" und "Der junge der Träume schenkte" allesamt weiter empfehlen.
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5.0 von 5 Sternen Von der Liebe zur Poesie, 28. Juni 2014
Die junge Weltenbummlerin Alex hat es in eine kleine Stadt in Nordfrankreich verschlagen. Warum, weiß sie selbst nicht mehr genau, doch sie will ohnehin bald wieder weiterziehen – wäre da nicht der Bruder ihres Vermieters. Gerárd spricht etwas undeutlich, kann kaum laufen und stellt jede Menge Unfug an. Doch Alex hat den liebevollen und lebensfreudigen Gerárd schon längst ins Herz geschlossen. Seine Liebe zur Poesie berührt nicht nur ihr Herz, sie bringt es zum Schmelzen. Bei ihren Spaziergängen am Fluss lernen die beiden zwei junge Männer, Cédric und Olivier kennen, die dort täglich herumhängen. Die vier freunden sich an, packen die Gelegenheit beim Schopf und reisen in bisher unbekannte Länder. Das trifft sich gut: denn Gerárds verbitterte Schwägerin schmiedet schon unlängst Pläne, um ihn loszuwerden.

Die Autorin schreibt aus verschiedenen Perspektiven, was anfangs vielleicht etwas verwirrt, woran man sich aber schnell gewöhnt. Das Buch beschreibt ein kurzes Stück aus vielen Leben, die aufeinandertreffen und auseinandergehen. Leben von seelisch, emotional oder eben körperlich „verkrüppelten“ Menschen, und dies auf ehrliche Weise und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Es ist ein rührender Roman, der das Herz berührt und bewegt. Themen wie das Anderssein gegenüber der Normalität, Toleranz oder Nächstenliebe spielen hier eine große Rolle.

Viele bezeichnen die Geschichte als Märchen, doch es ist viel mehr als das. Es steht nicht die große Liebe im Vordergrund, sondern das Leben allgemein und die kleinen Dinge. Kleine Dinge, die das Leben erst ausmachen.

© Bücherstadt Kurier
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4.0 von 5 Sternen Hörbuch, 27. April 2014
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Audio CD)
Die Hörbuch-Version von "Der Poet der kleinen Dinge" wird auf 3 CDs von Marion Breckwoldt und Stephan Benson gelesen. Auch wenn man gegen die Sprecher an sich nichts Schlechtes sagen kann, schienen mir ihre Stimme viel zu alt für die beiden Erzähler der Geschichte. Ansonsten kann man aber gut zuhören, wie Marie-Sabine Roger von Gérard und Alex, dem Zackenbarsch und seinem schweigsamen Freund erzählt. Allesamt sind sie eher Außenseiter, vom Charakter ist aber jeder ganz individuell und daher ist es umso schöner, dass die Vier Freunde werden. Mit dem Poeten der kleinen Dinge ist der stark behinderte Gérard gemeint, der sich kaum artikulieren kann, im Haus von Bruder und Schwägerin verkümmert und besonders von Letzterer als eine einzige Last und als vollkommener Dödel angesehen wird. Erst Alex, die dort ein Zimmer mietet, hört genauer hin, wenn Gérard versucht, sich zu artikulieren. Was sie hört, ist oft sehr schön, denn Gérard hat von seiner Mutter allerhand Gedichte gelernt, die zeigen, dass er weit unterschätzt wird. So nimmt sie sich vor, Gérard ein bisschen auf Vordermann zu bringen und wieder in die Welt zurückzuführen. Dabei sind ihr die beiden Jungs eine große Hilfe.
Eine stille und schöne Geschichte hat Marie-Sabine Roger hier geschrieben, die ich sehr gemocht habe. Letztlich tun sich nicht nur für Gérard, sondern für alle Vier neue Welten durch das Zusammensein auf. Alle finden auf ihre Art einen Platz in der Welt. Zu empfehlen.
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4.0 von 5 Sternen Skurrile Poesie, 4. März 2012
Von 
Nina2401 (Sankt Augustin) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) (Gebundene Ausgabe)
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Ein kleiner Ort in der Normandie ist Schauplatz für diese nicht alltägliche und sehr berührende Geschichte. Alex, die es nie lange an einem Ort aushält ... Gerard, durch seine Behinderung zu einem Leben am Fenster verdammt ... Olivier, der mit seinen Bierdosen einen Staudamm bauen will und Cedric, der seit der Trennung von seiner Traumfrau in Melancholie versinkt, sind die Hauptdarsteller in dieser skurrilen Erzählung. Als die "Vier" sich begegnen, beschreiten sie gemeinsam neue Wege ...

Wer die Bücher von Anna Gavalda mag, wird auch dieses Buch lieben. In kleinen aber feinen Kapiteln beschreibt Marie-Sabine Roger die Alltäglichkeiten ihrer 4 Persönlichkeiten. Sie bedient sich dabei einer sehr klaren und direkten Sprache, deren Poesie man erst auf den zweiten Blick erkennt. Sie lässt Alex und Cedric abwechselnd erzählen ... im Präsens und dadurch ist alles so unglaublich nah. Augenscheinlich hässliche Dinge werden auf ihre Art schön, ich betrachte z. B. den behinderten Gerard durch die Augen von Alex und muss ihn einfach mögen. Ich habe einen anderen Blick auf einige Dinge bekommen und allein schon dafür hat es sich gelohnt, dieses Buch zu lesen. Es hat mich entzückt durch seine eigenwilligen Charaktere, es hat mich erfreut durch seinen trockenen Humor, es hat mir Mut gemacht und mich am Ende lächeln lassen.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viel verschenktes Potential, 24. Januar 2012
Von 
Nordlicht (Schleswig-Holstein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) (Gebundene Ausgabe)
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"Der Poet der kleinen Dinge" ist eines dieser Bücher, die man an einem kalten Wintersonntag im Bett beginnt, das einen sprachlich und stilistisch sofort packt und dann Frühstück und all die anderen Dinge des üblichen Lebens nur noch nebenbei wahrnehmen lässt.

Dabei fällt es einem schon schwer in wenigen Worten zu vermitteln, worüber das Buch eigentlich handelt. Um 2 junge Menschen Ende 20 / Anfang 30, Alex und Cédric, die ihren Platz im Leben suchen und doch noch weit am Anfang dieses Weges stehen. Die rast- und ruhelos dahingehen, ohne echtes Ziel und ohne jeden Halt; der eine ohne sen heimatliches Dorf jemals zu verlassen, die andere ohne den Wunsch, irgendwo länger als ein halbes Jahr zu verweilen. Es ggeht um ein schwerstbehindertes "Kind", dass diesen beiden hilft, die Welt mit ein wenig anderen Augen zu sehen. Um den Ausbruch aus den Standard-Lebensläufen dieser Zeit, um individuelle Freiheit, aber auch um die Verantwortung gegenüber anderen. Um Liebe.

All das verbindet Marie-Sabine Roger geschickt und in einer bildreichen und herzerwärmenden Sprache. Aber nach nur rund 230 Seiten endet das Buch und zwischendurch gab es viel weißes Papier, das die ohnehin großzügig gewählte Schriftgröße nur noch weniger verzeihlich macht. Auch nimmt die Geschichte um Alex und Cédric nach rund 2/3 des Buches vehement an Fahrt auf, verliert den Charme der kleinen Schritte und verkitscht letztendlich vollends in einem Happyend, für das sich wohl selbst eine Jennifer Aniston in einer ihrer typischen Romantik-Komödien zu schade wäre.

Mit Zuschlagen des Buchdeckels blieb viel Frust zurück, denn "Der Poet der kleinen Dinge" steckt voller schöner Worte, kluger Ansätze, guter Ideen. Aber letztlich muß Zeitdruck oder eine vorgegebene Seitenzahl für einen Wechsel des Schreibstils gesorgt haben, der schwer verdaulich bleibt und schlußendlich eine Geschichte mit eher dünner Handlung und teils plakativen Protagonisten in der zweiten Reihe nicht verbergen kann.
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Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur)
Der Poet der kleinen Dinge: Roman (Literatur-Literatur) von Marie-Sabine Roger (Gebundene Ausgabe - 27. Oktober 2011)
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