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am 1. Januar 2007
Die meisten Leser sind von dem vierten Roman um Hannibal Lecter enttäuscht, weil wir es hier nicht wie in Schweigen der Lämmer oder Roter Drache mit einem psychologischen Thriller zu tun haben, sondern mit Literatur, die einen charismatischen Killer zum Inhalt hat. Dies war schon bei Hannibal so, dem dritten Roman, der beinahe ein Märchen war, und auch dort ist es mißverstanden worden. Thomas Harris hat die literarische Form gewechselt und damit bei seinen Lesern für Irritationen gesorgt. Hannibal Lecter ist ein kultivierter Barbar, und in Hannibal Rising wird vor dem Hintergrund der Barbarei an der russischen Front und der japanischen Kultur beschrieben, wie er wurde, was er ist. Thomas Harris liefert allerdings kein klinisches Psychogramm, sondern schildert als neutraler Beobachter Hannibals Verhalten und Werdegang. Er erklärt nicht, was nicht erklärt werden kann. Dem Leser geht es dabei wie Lady Murasaki: Sie liebt Hannibal, aber sie kann ihn nicht finden. An Action, Blut und spritzendem Hirn wird dabei nicht gespart, und so ist zu vermuten, daß die Verfilmung des Romans, die im Februar in die Kinos kommt, mehr Anhänger finden wird als das Buch. Wer sich aber auf das Buch einlässt und in ihm weniger den Nervenkitzel sucht als gute Literatur, der wird auf seine Kosten kommen. Thomas Harris hat sich zu einem Stilisten entwickelt, den zu lesen ein Genuß ist. Hannibal Rising ist von ebenso großer Poesie wie Brutalität, und wenn Quentin Tarantino Bücher schreiben würde, dann wären sie wie dieses. Die schöne deutsche Übersetzung von Sepp Leeb liest sich flüssig und angenehm, und ich bin nur einmal gestolpert, als es um Bremsklappen an einer Jacke ging. Literarische Qualität ist selten geworden im Massenmedium der Unterhaltungsliteratur. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen.
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am 27. April 2013
Kriegswinter 1945. In den litauischen Wäldern greifen russische Soldaten einen halbverhungerten Knaben auf. Es handelt sich um den 13-jährigen Hannibal Lecter, der da den Soldaten entgegentaumelt, in völlig verdreckter Kleidung, um den Hals eine Kette mit Vorhängeschloss, offensichtlich stumm und schwer traumatisiert. Hannibal wird in einem sowjetischen Waisenhaus untergebracht, das in einem Schloss, dem ehemaligen Stammsitz der Familie Lecter, eingerichtet wurde. Obwohl Hannibal weiterhin kein Wort spricht, wacht er nachts angstgeschüttelt aus Albträumen auf und ruft nach seiner kleinen Schwester Mischa, die nicht aufgefunden werden konnte.

Hannibals Onkel, der mit seiner Frau in Frankreich wohnt, nimmt den Knaben bei sich auf. Die Nachforschungen nach Mischas Verbleib verlaufen im Sande. Nach und nach beginnt Hannibal wieder zu sprechen. Jedoch kann sich der Knabe trotz intensiver und liebevoller Bemühungen seitens Onkel und Tante sowie des zu Rate gezogenen Therapeuten nicht daran erinnern, was mit seiner kleinen Schwester während der Kriegswirren geschehen ist. Nur in seinen Albträumen sieht Hannibal immer wieder in bruchstückhaften Szenen Mischa und irgendwelche verwahrlosten, heruntergekommenen Männer.

Hannibal wächst heran, beendet die Schule mit Bravour und beginnt in Paris mit dem Medizinstudium. Bei einem Selbstversuch mit einer Wahrheitsdroge fällt seine psychische Blockade und er kann sich an alle schrecklichen Kriegsereignisse erinnern; auch an das Schreckliche, was seiner heißgeliebten kleinen Schwester wiederfuhr und welche Rolle die Männer aus seinen Albträumen dabei spielten.

Hannibal startet einen ebenso beispiellosen wie gnadenlosen Rachefeldzug und wir erleben die Geburt eines Ungeheuers und erfahren, wie aus dem ehemals schwer traumatisierten Kind "Hannibal der Kannibale" wurde.

Zugegeben, für eingefleischte Lecter-Fans ist Mischas Schicksal seit dem vorherigen Band "Hannibal" kein Geheimnis mehr, trotzdem ist die Story fesselnd und rasant geschrieben und meines Erachtens bei weitem nicht so schlecht, wie viele meine Mitkritiker meinen. Sorry Leute, aber mir gefällt das Buch. Harris schwächster Roman ist in meinen Augen immer noch "Schwarzer Sonntag".
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am 23. Juni 2007
Ich muss leider meinen Vor-Rednern vollständig zustimmen: schwaches Buch mit extrem wenig Spannung. Dazu noch sehr vorhersehbar. Ich wollte nur noch fertig werden, stets in der Hoffnung noch etwas Spannendes zu finden. Leider geschah dies nie. Auch die herrliche sarkastisch-intelligente Seite Hannibals kommt nie zum Vorschein. Viel interessanter scheint zu sein, wie aus diesem blassen Jüngling der Hannibal wird, den wir alle kennen und lieben(?). Die mühsam herbeigeschwafelte Genialität wirkt extrem aufgesetzt. Mir scheint, dass jeder Aspekt Lecter's Charakters fast mechanisch einem möglichst plausiblen Ursprung zugeordnet wird: Kultur -' da nehmen wir mal eine adlige Herkunft, Wissen '- der jüdische Gelehrte muss her etc. Die Konstruktion dieses Buches macht auf mich den Eindruck: Malen nach Zahlen!

Ich vermute, dass das Geld zu sehr gelockt hat und schnell etwas zurecht geschustert wurde.

Ein trauriger und enttäuschender Abschluss der Hannibal-Geschichte!
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am 23. April 2007
Ich habe HANNIBAL RISING nicht mit besonderem Interesse entgegengefiebert. Was nicht etwa daran lag, dass ich HANNIBAL, den bislang letzten Teil der Lecter-Reihe (so kann man das inzwischen ja eigentlich nennen), etwa schlecht gefunden hätte. HANNIBAL hat mir sehr gefallen, ich fand es ein intensives Stück Literatur, und auch die darin aufgebauten Andeutungen über die Herkunft des Monsters, das Hannibal Lecter geworden ist, fand ich durchaus spannend.

Aber gerade diesbezüglich hält Harris' Roman nicht, was er in HANNIBAL versprochen hat. Die Herleitung des Wandels vom hochintelligenten, aber traumatisierten Kind zum hochintelligenten, adoleszenten Rächer ist ohne weiteres nachvollziehbar und lässt sich in diesem episodisch erzählen Roman auch problemlos herleiten.

Aber "Hannibal, the Cannibal"?

Dieser ausgerechnet ja neuralgische Punkt in der Vita unseres Lieblingsmassenmörders, die Frage, wie er vom Rächer seiner verspeisten Schwester zum passionierten Verspeiser seiner Opfer wird, dieses Motiv bleibt Harris schuldig. Zwar scheint der Verdacht auf, dass Hannibal selbst von seiner Schwester zu essen bekommen haben könnte, aber dieser Aspekt, der psychologisch vielleicht noch ein tragfähiges Motiv für die Entwicklung zum Kannibalen sein könnte, kommt im Buch viel zu kurz.

Der Hannibal Lecter am Ende dieses schnell zu lesenden Buches ist ein gewissenloser, gefühlskalter Mörder, ein Sadist, ein intellektueller Killer. Aber er ist noch lange nicht der Hannibal Lecter, den Will Graham verhaften wird, längst nicht der, welcher sein Spiel mit Clarice Starling treiben wird. Es wäre zugegeben äußerst erstaunlich gewesen, wenn Harris seine sich mit den Verfilmungen und insbesondere der dämonischen Verkörperung durch Anthony Hopkins zum Mythos verselbständigt habende Schöpfung gut genug verstanden hätte, um sie in diesem Buch sezieren zu können. Diese Biographie eines Mörders kann nichts weiter sein als ein erstes Kapitel. Denn diese Gewalt kann Harris seinem Geschöpf nicht antun wollen, dass er ihn zu diesem eindimensional motivierten verängstigten Jungen reduziert, der anderen wehtut, damit ihm nicht mehr wehgetan werden kann.

Neben den übrigen Lecter-Romanen steht dieser Roman deutlich hinten an. Zwar bietet die Schilderung der einzelnen Szenen die von Harris gewohnte Eleganz, aber die Figuren sind eigenartig unscharf, die Erzählung ist schlaglichtartig, nichts zeugt hier von der dichten Atmosphäre, die er in den übrigen Romanen erzeugt, dem Netz, welches sich zuzieht um die Handlungsbeteiligten und den Leser.

In jedem seiner Romane hat mich bislang ein Schaudern erfasst, das nicht aus der Schilderung der Gewalt, sondern aus der selbstverschuldeten Unausweichlichkeit dieser Gewalt heraus resultierte. Aber ausgerechnet in diesem Buch, in dem es ja um Rache und Gewalt und Läuterung geht, um unausweichliche Notwendigkeiten, die Gewalt nicht anders zu vergelten wissen als durch Gewalt, blieb dieser Schauder aus.

Das beste, was man über dieses Buch sagen kann, ist, dass man es in einem Rutsch durchlesen kann. Und in diesem Fall, bei diesem Buch, ist das gleichzeitig auch das Schlimmste, was man sagen kann.
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am 13. Juli 2007
"Hannibal starb als Junge 1945 da draußen im Schnee bei dem Versuch, seine Schwester zu retten. Sein Herz ist mit Micha gestorben. Sie wollen wissen, was er jetzt ist? Ich würde sagen, dafür gibt es kein Wort. In Ermangelung einer besseren Bezeichnung werden wir ihn ein Monster nennen." so der französische Polizist Inspector Popil.(Seite 305.

Nichts beschreibt besser den Inhalt des Buches als dieser kleine Absatz.

Hannibal Lecter und seine Familie (etwas unlogisch; litauische Adlige werden von den Sowjets geduldet) erleiden im letzten Kriegswinter Tod und Vernichtung. Bei einem Kampf zwischen einem dt. Stuka und einem russ. T-34 explodieren beide Kampfmaschinen und löschen das Geschlecht der Lecters fast aus. Bis auf Hannibal und Micha.

Kurz darauf bemächtigt sich eine Gruppe aus Marodeuren und Kriegsverbrechern der Kinder. Sie ermorden Hannibals Schwester und verspeisen sie. Hannibal überlebt schwer traumatisiert.

Sein Onkel holt ihn nach Frankreich und als Hannibal 18 Jahre alt ist, begibt er sich auf seinen Rachfeldzug, der ihn vom Menschen zum Monster mutieren läßt.

Das Buch ist lesenswert, wenn es auch an die Klasse der Vorgänger nicht heranreicht. Es klärt die Jugend Hannibal und klärt uns über das "Warum" auf. Dabei beschreitet Thomas Harris jedoch einen vorhersehbaren Weg.
Insgesamt noch drei Sterne.
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am 5. August 2008
... für die grandiose Hannibal-Trilogie. Die Grundidee hinter der Entwicklung ist sehr interessant und ließ mich am Anfang auch sehr hoffen. Das Buch habe ich in 1 1/2 Tagen verschlungen. Leider ist die handwerkliche Umsetzung sehr schlecht. Hierbei haben Verlag und Lektorat viel mitverschuldet, denn die Fehler und Unsauberkeiten hätten auffallen müssen.

Es beginnt mit den Kriegserlebnissen die militär-/historisch sehr unsauber sind:
- Baltische Freiwillige, die von SS ungern aufgenommen wurden
- einzelne T34-Panzer, die im Niemandsland umherirren
- einzelne Stuka-Bomber, die 1945 ohne Gefahr sowjetische Panzer angreifen können (es gab keine deutsche Lufthoheit bzw. funktionierende Luftwaffe mehr 1945 im Baltikum)
- 1946: ein mehr oder weniger funktionierendes Waisenhaus unter Sowjetherrschaft
- 1946: dass ein französischer Wagen mit einem verhassten kapitalistischen, baltischen, adligen Künstler, der mit DDR-Wimpeln!!! behängt (die wurde erst 1949 gegründet) vorfährt und ein Waisenkind aus der Sowjetunion holt, ist mehr als an den Haaren herbeigezogen

So zieht es sich über die französische Nachkriegs-Landschaftsidylle bis zu den Schwierigkeiten und Wiedersprüchen (siehe Popil) der Entnazifizierung hin. Die Ideen sind grundsätzlich gut, aber zu schnell und einfach skizziert. Das Buch hätte gut und gern 700 Seiten haben können und die Geschichte wäre sicher der literarische Harris-Hammer geworden. Aber es drängt sich einem vielmehr der Eindruck auf, dass der Autor vertraglich gebunden, mehr oder weniger lustlos das ganze zu einem schnellen Ende bringen wollte.

Schade.
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am 1. Januar 2007
Bisher habe ich es versäumt mir die Bücher von Thomas Harris zu besorgen. Hannibal Lecter war mir deshalb ausschließlich aus den filmischen Umsetzungen bekannt.

Ich habe mich entschlossen die Hannibal Lecter-Reihe mit dem letzten Buch "Hannibal Rising" zu beginnen, da dieses Buch den eigentlichen Beginn der Reihe darstellt. Ich wurde nich enttäuscht.

Das Buch habe ich innerhalb von 1 1/2 Tagen verschlungen. Es liest sich flüssig, schnell und packend.

Setzen Sie bitte keine falschen Erwartungen in diesen Buch. Es ist kein Thriller, sondern eher eine biografische Betrachtung Hannibal Lecters Kindheit und Jugend.

Natürlich werden hier kaltblütige Morde skizziert. Das geschieht aber in einer Art und Weise, die zwar für Spannung sorgt, aber echte Thriller-Fans nicht vom Hocker hauen wird.

Da mir das Buch so gut gefallen hat, würde ich gerne 4,5 Sterne vergeben. Eine 5-Sterne-Bewertung kann ich allerdings nicht aussprechen, da der Storyaufbau etwas stereotyp daherkommt und zu sehr in das Raster "Hauptfigur erlebt Kinheitstrauma und begibt sich Jahre später auf blutigen Rachefeldzug" fällt.

Wer inhaltlich keinen allzu blutrünstigen Thriller erwartet und einfach mal wissen möchte, wie Hannibal Lecters Kindheit aussah, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen, bis die letzte Seite verschlungen ist.
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am 31. Mai 2007
Thomas Harris ist ein begabter Schriftsteller, und "Hannibal Rising" ist gut und spannend geschrieben. Trotzdem hätte Harris gut daran getan, sich seine früheren Romane über Hannibal Lecter nochmals durchzulesen, bevor er dessen Kindheitsgeschichte verfasste.

Ich will nicht kleinlich wirken, aber sowohl in "Roter Drache" als auch in "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass Lecter mit einer körperlichen Besonderheit geboren wurde, nämlich mit sechs Fingern an der linken Hand. In "Hannibal Rising" wird dies mit keinem Wort erwähnt, obwohl es sich dabei um ein extrem seltenes und daher auffälliges Merkmal handelt.

In "Das Schweigen der Lämmer" erzählt Agent Crawford seiner Schülerin Starling, dass Lecter in seiner Kindheit durch das Quälen von Tieren auffällig geworden sei. Auch davon kann in "Hannibal Rising" keine Rede sein, denn Hannibal behandelt alle Tiere ausgesprochen liebevoll und fürsorglich. Abgesehen davon verbringt er seine Kindheit und Jugend in Litauen und Frankreich während und nach dem Zweiten Weltkrieg und reist erst als junger Mann in die USA... woher soll Crawford also detaillierte Kenntnisse über Hannibals Vergangenheit haben?

Diese und andere Widersprüche und Ungereimtheiten könnten ein bewußtes Stilmittel sein, um den Leser zu verwirren und die Person Hannibal Lecter noch befremdlicher wirken zu lassen. Auf mich wirkten sie eher wie Nachlässigkeitsfehler, und daher empfand ich sie als äußerst störend.

Dennoch ist Harris wieder einmal eine faszinierende Erzählung gelungen, auch wenn sie nicht an sein Meisterwerk "Hannibal" heranreicht. Und wenn es sein Anliegen war, den Mythos Hannibal Lecter zu entzaubern, so ist es ihm zum Glück nicht gelungen.
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am 7. September 2009
Ich finde das Buch ließt sich recht flott und einfach. Eine spannende Vorgeschichte die lediglich das warum für Hannibals späteren handelns erklärt.
Auch wenn die Geschichte jetzt nicht sonderlich originell und der weitere verlauf einigermaßen berechenbar ist, habe ich das buch gerne gelesen und eine gewisse Sympathie für Hannibals Rachegefühle entwickelt, die in dem Buch ausführlich beschrieben werden.
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am 30. August 2010
Dr. Hannibal Lecter ist für die breite Öffentlichkeit eine der faszinierendsten Romanfiguren des 20. Jahrunderts.
Besonders bemerkenswert: Sie wurde es erst auf Umwegen: Zunächst im zweiten Anlauf, denn Lecter tauchte bereits in "Roter Drache" auf, dem Vorgängeroman von "Das Schweigen der Lämmer".
Und dann endgültig mittels katalytischer Hilfe eines - zu Recht! -in den fünf wichtigsten "Oscar"-Kategorien ausgezeichneten B-Movies.

Ein zartes Pflänzchen also, das bis heute reiche Blüten trägt.
Denn Thomas Harris, sein Schöpfer, verhält sich sich seiner Kreatur gegenüber sehr verantwortunsgbewusst und hat mit "Hannibal Rising" in 25 Jahren erst sein viertes "Hannibal-Lecter"-Buch herausgebracht, statt wie am Fließband Beliebigkeit zu produzieren.

Meine Erwartungen an Teil vier, der als Prequel die Kindheit und Jugend Hannibals thematisiert, waren nicht sehr hoch, denn ich hatte einige negative Rezensionen in der Presse gelesen und deshalb zunächst von der Lektüre Abstand genommen.

Doch man soll nicht alles glauben, was in der Zeitung steht!
"Hannibal Rising" knüpft sprachlich, inhaltlich und in seiner Faszinationskraft nahtlos an die hohe Güte seines Vorgängers an, ist sogar noch fokussierter auf das Wesentliche - nämlich auf Hannibal.
Harris geht dabei vor, wie ein guter Bildhauer, der nach und nach mit feinen, äußerst präzise durchdachten und ausgeführten Schlägen seinem Meisterstück dessen einzigartige Kontur verleiht.

Voller Begeisterung kann ich sagen: "Hannibal Rising" ist kunstvoll konzipiert, bietet besten Lesegenuss, der vollkommen ohne gehetzte oder gepresste "spannende Atemlosigkeit" auskommt, sondern vielmehr an eine gute Delikatesse oder einen edlen Wein erinnert.

Allen, die mehr über Lecter erfahren wollen, liefert der Roman tiefe, stimmige Einblicke in die Hinter- und Abgründe seines Lebens und seiner Charakterbildung.
Da ist zum einen der Einfluss seines Hauslehrers, der Hannibal befähigt, seine intellektuellen Potentiale so überzeugend auszuschöpfen (Stichwort: Gedächtnispalast)
Und zum anderen schafft es Thomas Harris, seinen Lesern Hannibal Lecters Handeln auf eindringliche Weise immer wieder durch den verzweifelten Schrei von Lecters kleiner Schwester aufzuschließen: "ANNIBA!"
Ein gelungenes Motiv, das sich durch den ganzen Roman zieht und ein würdiges Pendant zum in Teil zwei postulierten Lämmerschreien bildet...

Harris hat - unterstützt von der magischen Kraft Hollywoods - einst ein Denkmal des Bösen geschaffen, das in Komplexität, Faszination und Strahlkraft seinesgleichen sucht.

Dieses Denkmal erhält nun mit "Hannibal Rising" endlich sein würdiges Fundament.
Und es bleibt dennoch wohlig unvollendet, so dass man eine würdige Fortsetzung des Prequels geradezu herbeisehnt!
Doch erstmal gilt für "Hannibal Rising": Kaufen, lesen und genießen!
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