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50 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Voilà, ein Essayist
Über die Autobiographie von Bob Dylan: „Chronicles"
Dieses Buch war vom großen Schweiger nicht zu erwarten gewesen. Nicht von, nicht über ihn und schon gar nicht so. Bob Dylan hat bereits mit dem ersten Band seiner dreibändigen „Chronicles" eine bemerkenswert unverschlüsselte, ungeschwätzige und uneitle Autobiographie...
Veröffentlicht am 26. November 2004 von freddyornot

versus
11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant, aber zerfahren.
Man liest Bob Dylans Autobiographie mit gemischten Gefühlen: Es ist gewissermaßen eine Vorraussetzung, dass man Dylan-Fan ist, sonst würde man das Buch gar nicht erst anfassen. Insofern erntet "Chronicles" von den meisten Lesern schon mal jede Menge Vorschusslorbeeren. Sicher, es ist ebenso amüsant wie geistreich, wie Dylan in lebhafter Weise von...
Veröffentlicht am 22. April 2006 von Mister Modular


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50 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Voilà, ein Essayist, 26. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Über die Autobiographie von Bob Dylan: „Chronicles"
Dieses Buch war vom großen Schweiger nicht zu erwarten gewesen. Nicht von, nicht über ihn und schon gar nicht so. Bob Dylan hat bereits mit dem ersten Band seiner dreibändigen „Chronicles" eine bemerkenswert unverschlüsselte, ungeschwätzige und uneitle Autobiographie vorgelegt, die Dylan vor allem als Essayisten von großer Hellsicht präsentiert.
Dylan hat Stil und Würde. Seine Sprache ist geradeheraus und präzise. Seine Begeisterungsfähigkeit gebiert Pathos, das Luthers Einsicht folgt, „wes das Herz voll ist, dem läuft das Maul über". Kein abschätziges, frivoles, gar skandalträchtiges Wort über Freunde, Weggefährten und Kollegen. Kein Altmännergeschwätz und Bettgeschichten über Liebschaften, Verflossene und Ehefrauen. Stattdessen Lob, Verständnis und Bewunderung, da und dort galante Komplimente, im äußersten Fall ein „I had other things to do" (Ich hatte anderes zu tun). Da und dort Namedropping über Idole und Lesefrüchte. Und Dylan bleibt, was er immer war, diskret, beinahe ängstlich darauf bedacht, seine und die Privatsphäre seiner Familie zu schützen. Manche haben das mit Paranoia zu erklären versucht. Man könnte es auch, nach einem seiner Songs nennen: „Dignity", Würde.
Und doch ist dies nicht das Buch eines feigen Schmeichlers, sondern eines hellsichtigen Mannes, der sich in aller Bescheidenheit falsche Bescheidenheit nicht leisten wollte. „To live outside the law you must be honest" (Um außerhalb des Gesetzes zu leben, musst du aufrichtiug sein) heißt eine Zeile in dem Song „Absolutely Sweet Mary". Er wusste, was er an sich hatte: „Picasso had fractured the art world and cracked it wide open. He was revoltionary. I wanted to be like that" (Picasso hatte die Kunstwelt aufgebrochen und weit gespalten. Er war revolutionär. So wollte ich sein.). Weil er stets wusste, auf welchen Schultern er stand, griff Dylan beherzt nach den schönsten Früchten ganz oben am Baum. Und er offenbart sich als jemand, der seine Grenzen kennt. Über den Song „What was it you wanted" von „Oh Mercy" schreibt er: „Maybe a couple of years earlier I might have rejected it, never finished it. Not now, though" (Vielleicht ein paar Jahre früher hätte ich den Song zurückgewiesen, nicht beendet. Freilich nicht jetzt.) Nun, der Mann hat annähernd tausend Lieder geschrieben.
Ohne Umschweife, ohne Vorwort, ohne überhaupt über den Titel „Chronicles" hinaus zu erklären, worum es geht, steigt Dylan ein. Erstes Kapitel „Markin' up the score". Im Deustchen mit sinnreichem Mehrsinn. Score einmal als die Partitur zu verstehen, die Dylan freigibt. Oder als die Zeche, die er abzeichnet. Oder auch: „Worum es hier geht". Es geht um seinen ersten Plattenvertrag, um den großen CBS-Produzenten John Hammond, der Dylan den ersten Vertrag gab. Und es geht um das winterkalte New York, das einen jungen Romantiker in Coffee Houses und Musikclubs empfängt, der Clausewitz liest und Fellini Filme schaut. Vier weitere Kapitel, eines über Dylans Genese als Songwriter,„The Lost Land" (Das verlorene Land), die Begegnung mit Woody Guthrie.
Dann die Zeit nach dem Motorradunfall, sein Mißbehagen um die Protestbewegung, die Belagerung seiner Familie durch sogenannte Fans und die Entstehung des eher „kleinen" Albums „New Morning" (Neuer Morgen), das dem Kapitel auch den Namen gibt. Kein Wort über die großen drei „Bringing it all Back Home",„Highway 61 Reviseted" und „Blonde and Blonde". Und Abschätziges über seine Alben dazwischen. Er spricht über eine anregende aber inkompatible Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Archibald MacLeish. Und er wiederholt erneut: „All I'd ever done was sing songs that were dead straight and expressed powerful new realities. I had little in common with and knew even less about a generation that I was supposed to be the voice of" (Alles was ich jemals getan habe, war, grundehrliche Lieder zu singen, die machtvolle neue Wirklichkeiten ausdrückten. Ich hatte wenig gemein mit und wusste noch weniger über die Generation, deren Stimme ich angeblich war.)
Dann „Oh Mercy" (Gnade), die Zusammenarbeit mit dem kanadischen Produzenten Daniel Lanois für die Aufnahmen von „Oh Mercy" in New Orleans, dem wirklich alten Amerika. Mit hinreisenden Geschichten umrankt, nicht garniert, die Dylan als großartigen Romancier vorstellen, der seinen ersten Roman noch zu veröffentlichen hätte. Dann wieder zurück in New York, 1961, im Kapitel „River of Ice" (Eisfluss). Seine Liebe zu Suze Rotolo und seine Epiphanie über einige Songs von Bertholt Brecht und Kurt Weill. Seine Entdeckung, dass es jenseits des Folksongs eine Welt zu entdecken gilt, die eine zeitgemäße künstlerische Sprache erfordert. Dylan würde liefern und wächst zum mächtigsten Songwriter des letzten Jahrhunderts.
Das alles ist lesenwert über die Person Bob Dylans hinaus, weil Dylan so ein hinreisender, präziser, Bild-reicher Schreiber ist. Jemand der die lange Form der „Chroniken" als fünf Essays über Kunst, die Medien und die wahren Werte beherrscht. Nicht der große Rätsel-Schamane, sondern ein kenntnisreicher, gebildeter Mann, der die Widersprüche nicht auflöst, sondern in einem Bild zusammenfasst, so dass wir sie erkennen können.
Diese Besprechung basiert auf dem amerikanischen Original
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer hätte das gedacht, 7. Dezember 2004
Von 
M. G. Herold (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Bob Dylan ist ein Wegbegleiter meiner Jugend, wie viele Musiker von damals, wenngleich er mir nie so wirklich geheuer war. Für jeden war er eine Ikone, also habe auch ich mir seine Platten gekauft, viele, die Musik und die Texte haben mir gefallen und haben mich beeinflußt, er war der Träger einer Bewegung; aber in der Rückschau blieb für mich irgendwie der Eindruck eines nicht greifbaren, moralinsauren, etwas abgedrehtes Grantlers, vor allem wen man sein späteres Werk betrachtet. Konzertbesuche bestätigten diesen Eindruck. Ein stiller Eigenbrötler, möglicherweise genial, aber nicht wirklich sympathisch.
Und plötzlich schreibt dieser Dylan ein Buch, das, leicht wie eine Feder, einen völlig anderen Eindruck vermittelt. Einen völlig "normalen", ja erstaunlicherweise fast konservativen Menschen darstellt, der über eine unheimlich kräftige Bildsprache verfügt, Ansichten ohne Wenn und Aber schnörkellos auf den Punkt bringt und enorme stilistische Kraft beweist. Zwischen den Zeiten springend, Anekdote an Anekdote reihend, entsteht das Bild eines ruhigen Musikers und Dichters, eines Familienmenschen, dem die Rolle der Gallionsfigur gehörig gegen den Strich geht. Ein kraftvoller Schreiber, der Neugier auf die weiteren Bände seiner Biographie weckt. Der Übersetzer folgt Dylan sehr gut, das Layout des Buches, weicher Einband, etwas "Übergröße" ist perfekt zum Inhalt gewählt. Ein sehr gutes Weihnachtsgeschenk für Dylan Freaks und Zeitgenossen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dylan als brillanter Erzähler, 7. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Ich weiß gar nicht, wie viele Jahrzehnte ich bereits Dylan-Musik höre ... schon als Kind schallte seine Stimme aus den Zimmern meiner älteren Brüder.
Trotz dieser großen Liebe zu Dylan hätte ich freilich nie damit gerechnet, dass Dylan ein problemlos lesbares Buch schreiben kann. Ich erwartete Ähnliches wie seinerzeit bei "Tarantula". Aber weit gefehlt ... das ist feinste Prosa - voller Andeutungen. Die guten, ja z. T. enthusiastischen Kritiken in der Presse sind mehr als gerechtfertigt.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vollblutmusiker und kein Messias, 10. November 2004
Von 
Fuchs Werner Dr (Zug Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Da regt sich doch Bob Dylan über seinen Heiligenstatus auf und beschreibt mir, einem seiner damaligen Glaubensanhänger absolut anschaulich, was er wirklich wollte: Musik machen.
Ich habe schon viele Buchbesprechungen gemacht, das ist ein schönes Hobby, aber diese hier ist eine ganz besondere. Denn Bob Dylan war in meiner Pubertät einer der wichtigsten Helden. Und ausser den Helden der Kindheit sind es nur noch die Helden vor dem Erwachsenwerden, die uns fürs Leben prägen. Klar, dass ich da ungeheuer neugierig drauf war, welche Geschichten mein Held von damals preisgibt. Oder was ihm seine Erinnerungen erzählen. Und ich wollte die frühere Gewissheit bestätigt haben, dass ich mir einen interessanten Menschen zum Vorbild genommen habe, dass seine Texte es wert waren, in stundenlanger Arbeit von mir übersetzt zu werden, dass mein Held ein guter Held war. Sorry, die lange Einleitung macht's deutlich: Ich bin parteiisch.
Ich sah das Buch in der Buchhandlung, sein besonderes Format, das wunderschöne Titelbild, der schöne Font: BOB DYLAN. Dann die erste Enttäuschung, kein einziges Bild im Innern. Gleich darauf wieder Trost, das phantastische Foto des jungen Bob Dylan auf der Rückseite. Ehrfürchtig tauchte in die Buchstabenwelt ein und war erleichtert, dass das Buch nicht mit der Geburt beginnt. Chronologie ist etwas für die Wissenschaft, nicht für das Erzählen vom eigenen Leben. Mich hat die Komposition dieser Autobiographie sehr angesprochen. Obwohl sein Leben von Aussenstehenden sehr gründlich dokumentiert wurde, gibt uns Bob Dylan seine eigenen Erinnerungen wieder. Oder macht zumindest den Versuch.
Was ist mir geblieben, von dem was Bob Dylan geblieben ist: Bob Dylan ist Musiker, durch und durch. Er wollte schon sehr früh einfach Musik machen. Was von aussen wie ein unglaubliches Investment in dieses Ziel aussieht, war sein vorbestimmter Weg. Wie ein Schwamm sog er alles auf, was mit Folk zu tun hatte. Unersättlich war seine Lust auf starke Texte, starke Melodien. Daher spielen Musiker, Schallplatten, Clubs, andere Menschen die Hauptrollen in dieser Autobiographie. Ich verstehe das. Aber mich erreichten die Stellen mehr, in denen Bob Dylan als Sprachkünstler auftritt, Gefühle in Wortmetaphern verpackt, Bilder komponiert. Es sind erfreulicherweise immer die Passagen, in denen mein Jugendheld mich mitnimmt und mich an Veränderungen teilhaben lässt. Das ergab beim Lesen eine Art Dylan-Musik: Diese Wechsel zwischen Schleppendem und Blitzlichtartigem. Immer wieder Hammersätze wie „Meine Jugend verbrachte ich vorwiegend mit Warten", „Radioserien waren mein fliegender Teppich" oder „Damals, als kein Ende meiner Jugend in Sicht war." Dann wieder Pause. Bob Dylan hatte schon immer eine faszinierende Interpretation von Vollleistung.
Bob Dylan ist auch Familienmann. Das kommt eindrücklich rüber, wenn er davon erzählt, wie es ihm kaum gelang, seine Privatsphäre zu schützen. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes erwartete eine ganze Generation von Bob Dylan, dass er sie führt, sich als Person in den Widerstand eingibt, verbal Stellung bezieht. Seine Verweigerung wurde ihm übel genommen. Heldenleben werden eigengesetzlich, lassen sich nicht mehr steuern. Bob Dylan schützt sich noch immer. Was von seinem Innenleben nach draussen dringt, kommt über das Medium Musik.
Es ist ein Buch von grosser Nähe und Ferne. Und das widerspiegelt das Verhältnis zwischen Star und Fan. Alles andere wäre Anbiederung. In einer Phase, in der ich mehr über Leben und Tod nachdenke als auch schon, hat mir dieses Buch gut getan. Ein guter Alterspower geht von ihm aus. Denn forever young ist niemand. Schön, dass Bob Dylan eine ganz normale Biographie schreibt.

Gelesen habe ich das Buch in Deutsch, weil dies meine Muttersprache ist. Aber die englische Ausgabe ist bereits bestellt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer hätte das gedacht, 2. Januar 2005
Von 
M. G. Herold (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Bob Dylan ist ein Wegbegleiter meiner Jugend, wie viele Musiker von damals, wenngleich er mir nie so wirklich geheuer war. Für jeden war er eine Ikone, also habe auch ich mir seine Platten gekauft, viele, die Musik und die Texte haben mir gefallen und haben mich beeinflußt, er war der Träger einer Bewegung; aber in der Rückschau blieb für mich irgendwie der Eindruck eines nicht greifbaren, moralinsauren, etwas abgedrehten Grantlers, vor allem, wenn man sein späteres Werk betrachtet. Konzertbesuche bestätigten diesen Eindruck. Ein stiller Eigenbrötler, möglicherweise genial, aber nicht wirklich sympathisch.
Und plötzlich schreibt dieser Dylan ein Buch, das, leicht wie eine Feder, einen völlig anderen Eindruck vermittelt. Einen völlig "normalen", ja erstaunlicherweise fast konservativen Menschen darstellt, der über eine unheimlich kräftige Bildsprache verfügt, Ansichten ohne Wenn und Aber schnörkellos auf den Punkt bringt und enorme stilistische Kraft beweist. E s entsteht das Bild eines ruhigen Musikers und Dichters, eines Familienmenschen, dem die Rolle der Gallionsfigur gehörig gegen den Strich geht. Zwischen den Zeiten springend, Anekdote an Anekdote reihend, streichen wir durch die frühen Jahre Dylan's in New York , dann springen wir in die Achziger und dann wieder zurück. Manchmal erinnert das Buch im Stil an große amerikanische Shortstory-Autoren. Dylan ist ein kraftvoller Schreiber, der Neugier auf die weiteren Bände seiner Biographie weckt. Der Übersetzer folgt Dylan sehr gut, nur wenn er Dylans Beschreibungen verschiedener Interpretationsstile zu folgen versucht, steigt er völlig aus. Dann versteht man nichts mehr (vielleicht ist hier aber auch nichts zu verstehen) . Nachdem es sich aber hier um keine allzu langen Passagen handelt, ist dieses Manko verzeihbar. Das Layout des Buches, weicher Einband, etwas "Übergröße" ist perfekt zum Inhalt gewählt. Ein sehr gutes Geschenk für Dylan Freaks und Zeitgenossen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Licht ins Dunkel, 12. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Über dieses Buch ist wahrscheinlich schon Vieles geschrieben und noch mehr gesagt worden. Und wahrscheinlich kann ich dem nicht mehr viel Wesentliches hinzufügen, außer zu sagen, daß ich es leicht und schnell und mit stetig steigendem Interesse und Vergnügen gelesen habe. Anscheinend geht 'der Meister' davon aus, daß die meisten seiner Leser die biographischen Daten ohnehin schon praktisch auswendig wissen. Dazu hat er nicht allzuviel mitzuteilen. Was man jedoch, sozusagen in den Zwischenräumen erfährt, ist vielleicht nicht nur für den Dylan-Fan, aber für ihn zu hundert Prozent, lesenswert. Ausgiebig beschreibt Dylan seine ersten Monate in New York, als er von Club zu Club , und von Wohnzimmercouch zu Wohnzimmercouch zog. Er lüftet ein lang gehütetes und sagenumwobenes Geheimnis, nämlich wie er auf seinen Künstlernamen 'Dylan' verfiel. Er beschreibt die Faszination, die von der Folk-Musik und seinen ersten großen Einflüssen, nämlich Woody Guthrie, Ramblin Jack Elliott und Robert Johnson auf ihn ausgingen. Man erfährt viel über die Zeit in Woodstock, als er vom Superstar-Dasein die Nase voll hatte, was er alles versuchte, um seine Spur zu verwischen, und von seiner Rückkehr auf die Rampe. Großen Raum nimmt auch die Entstehungsgeschichte der einzelnen Songs und die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Daniel Lanois zu 'O Mercy' ein. Wie gesagt, das Buch ist alles andere, als eine lückenlose Biographie. Für den Dylanologen und den, der einfach Bob Dylans Musik mag und den Menschen dahinter faszinierend findet, ist es eine wahre Schatzkiste. Das Mosaik des echten Menschen, der sich hinter der Ikone der Protest- und Gegenkultur der 60er Jahre und hinter dem manchmal selbstgewählten Image des arroganten, zynischen, zurückgezogenenen Freaks verbirgt, wird durch dieses Buch nicht nur um ein Steinchen, sondern gleich um eine ganze Dimension erweitert. Da der Titel des Buches ja 'Chronicles 1' lautet, dürfen wir vielleicht noch mehr erwarten, was dieses Bild ergänzt und vervollständigt. Ich meinerseits warte gespannt und mit Vorfreude darauf.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Chronicles One" - Die Erschaffung einer amerikanischen Mythologie, 25. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Soll man Bob Dylan einen Lebenskünstler nennen? Ist er die Fleisch gewordene Inkarnation unseres Unterbewusstseins? Ist er ein Schamane?
Es gelingt Bob Dylan jedenfalls seit vielen Jahrzehnten immer wieder, sein Publikum zu überraschen - vielleicht auch sich selbst zu überraschen. Nachdem Dylan sich jahrelang den Medien und ihrem Interesse an seinem Leben entzogen hatte, nie Interviews gab, nie im Fernsehen auftrat, alle sich widersprechenden Geschichten über ihn tapfer ignorierte, sich nicht äußerte, stattdessen fast tagtäglich auf irgendeiner Bühne der westlichen Welt zu sehen war und seine Lieder unter die Leute brachte fast wie ein mittelalterlicher Bänkelsänger, nachdem dieses Urgestein der amerikanischen Folk-Musik es auf diese Weise fast geschafft hatte, sich von seinem Namen zu lösen und in bloßer Musik aufzugehen, kehrt er plötzlich und ohne Erklärung aus seinem selbst gemachten Nirvana zurück. Plötzlich gibt es Interviews, eine eigene Radio-Show, einen Film über sein Leben und Dylan schreibt gar seine eigene Autobiographie: Chronicles, angelegt auf drei Bände. Für jeden Dylan-Symphatisanten ein unerhörter Vorgang.
Wie liest sie sich denn, seine Autobiographie? Auch wenn man einiges von Dylan kennt, ist man überrascht über die Frische der Sprache und die Wahl des Ausschnitts. Fünf Kapitel gibt es, alle behandeln ein einen anderen Zeitabschnitt. Die fünf Abschnitte sind weder chronologisch noch kontinuierliche angelegt, sondern springen an verschiedene Stationen des Meisters' Lebens und behandeln jeweils nur einen relativ kurzen Zeitabschnitt. Es sind fast Momentaufnahmen, Blitzlichter, bevor der Lebenszug weiterrast. Die erste Frage, die sich der Dylan-Kenner dabei stellt, ist: Was lässt sich über ein Leben, das derart erschöpfend und detailliert in unzähligen Biographien und paparazzi-fundierter Biographie-Piraterie dargestellt ist, noch hinzufügen, sei es auch aus dem Munde des Meisters persönlich? Liest man es, ist man erstaunt. Die zweitgrößte Tat dieser Autobiographie von Dylan ist nämlich, dass es ihm gelingt, aus diesem so vollen Leben Ausschnitte des Abseits zu wählen. Es handelt sich bei allen fünf Kapiteln um Darstellungen des Menschen Dylan, der seinen musikalischen Platz in der Welt sucht, der von Zweifeln geplagt ist, der in einer Schaffenskrise steckt, der mit seinem Starstatus hadert, und nicht um die Perspektive des Gurus. Es ist das Erzählen vom Leben eines ganz Großen mit der Brille des kleinen Mannes. Hierin steckt etwas Sympathisches.
Die größte Tat des Buches jedoch ist sein Stil. Klar geschult an der Schreibart der Beatniks und Vorbildern wie Jack Kerouac gelingt es Dylan einen bestimmten 'Drive' in den Fluss der Sätze zu bringen. Der Ton stimmt einfach. Die Sätze haben Rhythmus und - wie nicht anders zu erwarten bei Dylan - starke Bilder. Am stärksten sind hierbei vielleicht noch die ersten beiden Kapitel, in denen Dylan von seinen Anfängen berichtet, bevor er Dylan wurde, den Wintermonaten im New Yorker Greenwich Village. Hier geht es nicht um Dylan, sondern um die Typen, die um ihn herum sind. Lauter klobige, klotzige und kautzige Gestalten, die allesamt einer noch zu schreibenden Mythologie des amerikanischen Kontinents entsprungen sein könnten. Sie erinnern in ihrer Unbehauenheit und Wildheit an Figuren aus Scorceses 'Gangs of New York'. Um diese Figuren geht es Dylan letztlich. Sie verdichten sich für und mit Dylan zu einem Arsenal an mythologischen Gestalten, Göttern und Halbgöttern, Zentauren, Zyklopen, gefallenen Engeln, Amazonen und Lichtgestalten. Sie stehen am Anfang - so will es Dylan - der amerikanischen Pop-Kultur, die heute zur bloß kommerziellen, herz- und geistlosen Industrie verkommen ist. Sie bilden den gewalttätigen Ursprung des individuellen Zeitalters, das heute jede Individualität verloren hat. Ein ferner, schattenhafter, aber immer noch existenter Schein.

Thomas Reuter
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant, aber zerfahren., 22. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Man liest Bob Dylans Autobiographie mit gemischten Gefühlen: Es ist gewissermaßen eine Vorraussetzung, dass man Dylan-Fan ist, sonst würde man das Buch gar nicht erst anfassen. Insofern erntet "Chronicles" von den meisten Lesern schon mal jede Menge Vorschusslorbeeren. Sicher, es ist ebenso amüsant wie geistreich, wie Dylan in lebhafter Weise von seinen frühen Jahren in New York plaudert und über seine literarischen und musikalischen Einflüsse philosophiert. Wenn man "Chronicles" aber etwas mehr aus der Distanz betrachtet, stellt sich eine gewisse Skepsis ein. Dylans Erzählungen sind eigenartig unfokussiert, oft schweift er ab, er springt (scheinbar?) völlig unmotiviert 10 Jahre oder mehr vor und zurück, er reißt Themen an ohne sie weiter zu verfolgen oder verliert sich in Details. Er erwähnt, wie bedeutend in einer bestimten Phase seines Lebens seine Familie für ihn war, man erfährt aber nicht einmal den Namen seiner Ehefrau. Man erfährt auch nicht, dass die Frau, mit der er 10 Jahre später verheiratet ist, eine andere ist. Er schildert geradezu penibel die Aufnahmesessions von "Oh Mercy" (einer passablen, aber nicht herrausragenden Platte) und den Besuch eines Souvenirladens in der Nähe von New Orleans. Über seine produktivste Zeit Mitte der 60er erfahren wir aber kein Wort. Weitere Beispiele ließen sich ohne weiteres finden.

Mag sein, dass dieses collagenartige Erzählprinzip - sofern es ein Prinzip ist! - beabsichtigt ist und sich das Mosaik mit der Fortsetzung der Autobiografie in Vol. 2 vervollständigt. Bis dahin bleibt man als Leser etwas ratlos und unbefriedigt.
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5.0 von 5 Sternen Von Wolfgang Niedecken gut Vorgetragen..., 18. Februar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume One (Audio CD)
die Geschichten zu Bob Dylan wurden von Wolfgang Niedecken (BAP) mit Herz und Seele gut Vorgetragen. Gerne mehr von W. N.
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3.0 von 5 Sternen schönundgut, wenn, ja wenn da die Übersetzung nicht wär', 30. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume one (Broschiert)
Schade, dass ich es - als Fan von Gerhard Henschel - bemerken muss:
Die Übersetzung hat ärgerliche Mängel. Als ich an zwei verschiedenen Stellen im Buch (es war also kein Vertipper) las, dass Verleger von Dylan-Titeln als "seine Plattenfirma" bezeichnet werden und ich daran merkte: die Übersetzer haben Null Ahnung vom Musikbusiness (sie wissen nicht mal, dass Dylans Alben -mit einer Ausnahme- alle bei Columbia (jetzt: Sony) erschienen sind?!) hörte ich auf, weiterzulesen. Was mag da noch alles schlummern an ahnungsbefreiter Übersetzung?
Merke: "Plattenfirma" (z.B. bei Dylan-Alben: Sony/Columbia) und "Musikverlag" sind zwei verschiedene Paar Schuhe. (Titel auf Dylan-Alben sind z.B. verlegt bei: Witmark & Sons, Mills, Dwarf Music, Jackelope Publishing, Rams Horn Music,...) Der Verlag betreut die KOMPOSITION. Die z.B. nicht immer von Dylan sein muss.
Als Übersetzer von Dylans Bio sollte man solch Grundwissen haben.
Ich hoffe, es war nicht der Henschel, sondern der zweite Name, der diese Teile übersetzt hat: eine (auch nicht ganz unbekannte) Dame.
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