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am 2. Juni 2015
Neil Gaimans Meisterwerk erschien erstmals 2001, damals in einer gestrafften und gerafften Form, mit welcher der Autor jedoch einverstanden gewesen war, schien ihm (und seiner Lektorin gleichfalls) das Werk dadurch stringenter, besser lesbar und wohl auch verkäuflicher.
Diese Kürzungen und Straffungen waren wohl, historisch betrachtet, ganz und gar kein Fehler, denn das Buch wurde mit bedeutenden Preisen im Bereich der Phantastischen Literatur überhäuft (unter anderem den Hugo-Award, den Nebula-Award, den Locus-Award und den Bram-Stoker-Award). Also: Wohl nichts falsch gemacht!
Trotzdem trauerte der Autor immer der ursprünglichen Langfassung seines Werkes etwas hinterher. Als er dann um ein Vorwort für eine teure Jubiläumsausgabe zum zehnjährigen Erscheinen gebeten wurde, erkundigte sich Gaiman beim Verlag, ob diese nicht Interesse daran hätten, dafür die ungekürzte Version zu verwenden.
Der Verlag war interessiert! Und so wurde die Urversion wieder hergestellt, also eine Art “Author's Cut” ( bei Filmen würde man von einem Director's Cut sprechen) von "American Gods".
Diese ist nun erstmals in deutscher Sprache bei Eichborn erschienen, neu übersetzt von Hannes Riffel und mit allen Vor- und Nachwörtern insgesamt 672 Seiten umfassend.
Wer schon immer wissen wollte, wie die “dicke und abschweifende” (O-Ton Neil Gaiman) Version der Geschichte sich liest, der kann dies nun anhand dieser Ausgabe nachvollziehen.
Für (fast) alle Fans gilt es deshalb, das Buch nochmals neu zu entdecken. Einige werden begeistert sein, andere nicht!
Aber nun kann jeder selbst entscheiden, welche Version ihm besser gefällt.
Welche Version dieser verrückten Geschichte, in der ein gerade entlassener Sträfling, der Shadow genannt wird, durch die USA reist, um dort auf abgehalfterte Götter und sonstige Sehenswürdigkeiten zu treffen. Ihm folgt seine gerade verstorbene untote Ehefrau, die ihm untreu gewesen war, die ihn aber immer noch liebt und die ihm nun das ein oder andere Mal das Leben retten muss, denn die alten, halb vergessenen Götter rüsten zu einem Krieg gegen die neuen Technologiegötter. Und dabei verstehen sie keinen Spaß und manchmal fliegen die Fetzen!
Oder zieht hier gar jemand hinter den Kulissen an den Strippen dieser mächtigen Wesen, weil er ganz andere Absichten hat?...
Shadow wird es herausfinden, nicht ohne eine seltsame Odyssee zu durchreisen, die ihresgleichen sucht.
Zwar versteht der durchschnittliche Leser (und auch der Rezensent!) wohl nur einen Bruchteil der Andeutungen, die in diesem Buch enthalten sind, trotzdem stellen die skurrile Handlung und die schrägen Charaktere eine positive Überraschung dar und Gaimans stilistische Brillanz macht diese ganze herrlich krude Mischung zu einem wunderbaren Lesevergnügen.
Wer das Buch noch nicht gelesen hat, kann hier gleich mit der Vollversion einsteigen.
Wer die Geschichte liebt, kann sich hier an der XXL-Version delektieren, wer den Roman jedoch zu sehr liebt, der sollte wohl nichts verändern und die Finger von dieser speziellen Ausgabe lassen!
Für alle anderen ist sie ein Muss!

Copyright © 2015 by Gunther Barnewald
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am 11. Januar 2004
Wenn ich mich an "Niemalsland" erinnere, dann an ein unwahrscheinlich schnelles und spannendes Buch. An eine Geschichte die so rasend vorüberging. "Ich schulde dir einen Gefallen", war damals unser gängigster Spruch.
"American Gods" liest sich nicht so schnell. Es ist weitaus komplexer, gibt dem Leser mehr Stoff zu Grübeln und ist mehr, sagen wir, zum "Genuss-Lesen". Man hat Angst ein Wort bzw. eine Zeile zu verpassen.
Shadow soll nach drei Jahren Haft wegen guter Führung entlassen werden. Er möchte zu seiner Frau, Laura, zurückkehren und bei seinem besten Freund, Robbie, arbeiten. Plötzlich erfährt er das Laura und Robbie bei einem Autounfall ums Leben kamen. Auf dem Weg zu Lauras Beerdigung begegnet er Wednesday welcher ihm ein lukratives Jobangebot macht.
Und schon kommt die Geschichte ins Trudeln. Als die Menschen nach Amerika auswanderten nahmen sie ihren Glauben mit und so auch Ihre Götter, welche seither durch Amerika streifen. Die alten Götter wurden vergessen und durch neue ersetzt. Wer kennt heute noch Odin, Easter, Loki und Tschernibogg?
Shadow soll auf seiner gemeinsamen Reise durch Amerika, auf der Suche nach Göttern die Wednesday bei seinem Kampf gegen die neuen Götter unterstützen, keine Fragen stellen. Und so tappt der Leser gemeinsam mit Shadow die meiste Zeit im Dunkeln (vielleicht daher der Name). Götter leben vom Glauben der Menschen, sie nähren sich von deren Opfergaben, von deren Hingabe. Doch was wenn die Menschen aufhören zu glauben?
Neil Gaiman erweitert in diesem Buch unseren Horizont. Allein die Frage, glauben wir nun an neue Götter. Glauben wir an Internet, an Flugzeuge und Mr. World und Mr. Town? Haben sich die Opfergaben denn nicht nur verändert? Glauben wir nun an Technik und Fortschritt? Doch auch Zwischenmenschliches schildert Gaiman in faszinierenden Geschichten. Manchmal hat man das Gefühl, den roten Faden in der Geschichte zu verlieren. Doch am Ende ergibt alles einen Sinn. So wie Shadow plötzlich die versteckten Indianer sieht, erkennt der Leser was uns Gaiman mit diesem Buch sagen will.
Ein wunderbares Buch. Nehmen Sie sich viel Zeit und lesen Sie nicht einfach nur drüber. Das wäre wirklich schade...
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... des 20./21. Jahrhunderts wollen die "amerikanischen" Götter des alten Europas - das waren in der amerikanischen Pionierzeit et cum tempore Importschlager - in einem finalen Kampf besiegen und die göttliche Herrschaft in den USA übernehmen. Grund: Götter sind Schöpfungen der Menschen und nur ihr Glaube rechtfertigt ihre Macht. Und die Jungspunde des Elektronikzeitalters haben keinen Bock, die alten Axtschwinger und Terror-Spinnen-Monster weiter walten und schalten zu lassen. Mitten drin: Shadow, der klassische Antiheld. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, muss er den Tod seiner nun etwas spukigen Frau & deren Fremdgehen zu Lebzeiten verkraften. Anbei trifft er ständig auf seltsame Gestalten, seitdem er in die Dienste des merkwürdigen Wednesday getreten ist, der sich als nordischer Allvater Odin entpuppt.... Aber darum soll es hier gar nicht gehen, jeder mag selber lesen, was da so alles passiert - es lohnt sich! In dieser Kritik soll es um den "directors cut" gehen. Neil Gaimans Werk wäre sicherlich nicht so mit Preisen und Lob überhäuft worden, hätte er es in dieser Fassung als Erstling präsentiert. Warum? Weil es zu komplex ist. Der Erfolg Gaimans basierte u.a. auf dem comicartigen Stil, der Schnelligkeit der Handlung und seiner überbordenden Fantasie. Schnell zu lesen ist der "directors cut" nicht. Es werden scheinbar sinnlose Nebenstrang-Handlungen angefangen, die Personen allzu fein herausgearbeitet. Kurz: Es wird die Zeit des Lesers (scheinbar) vergeudet. Für ein Debüt ist das tödlich. Nun, nachdem wir uns alle gegenseitig versichern können, wie gut Neils Roman ist und wie edel subkultiviert all die sind, die ihn gelesen haben, ist der Zeitpunkt reif. Neil Gaiman serviert uns die "uncut"- Fassung. Und wie ist die? Klasse, brillant, genial. Gerade weil sie so opulent ist, weil sie Geschichten erzählt, die den Kosmos der "Cut"-Fassung ausschmücken und zu einem komplexeren, noch organischeren Werk machen. Leider hält der Autor den Spannungsbogen nicht immer auf gleichem, hohen Niveau. Doch dieser Eindruck beschlich mich bereits bei der "Kurz"-Fassung. Daher gibt es vier von fünf Punkten, obwohl es mir beinahe ungerecht erscheint. Denn die "uncut"-Version gefällt mir wirklich sehr gut im Sinne von sehr viel besser. Unbedingt lesen!
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am 16. Dezember 2015
Shadow ist ein kleiner Gauner, aber eigentlich guter Kerl. Ein großer, hagerer und guter Kerl. Ein Banküberfall, der daneben geht, bringt ihn ins Gefängnis und er kommt raus, kurz nachdem Laura, die Liebe seines Lebens, gestorben ist.

Und dann ist er wieder in dieser Welt, ohne eine Ahnung, wohin es nun gehen könnte, als dieser Typ, Wednesday, ihn anspricht und ihm einen Job als Handlager anbietet, den Shadow irgendwie annimmt. Damit geht es los. Und dann kommt eine Reise durch Amerika. Mit Göttern, Schlachten, Liebe, Zombies, Autos und allem dazwischen.

Ich habe Neil Gaiman als Schriftsteller erst relativ spät kennengelernt, erst mit dem Ozean am Ende der Straße. Aber witzigigerweise, vor rund 5 Jahren sitze ich an einem kleinen See in einem Dorf ohne Namen in Polen, kurz vor dem 50sten Geburtstag eines Verwandten und lese Sandman Slim, begeistert. Ein Mädchen ist dort und ich erzähle ihr davon und sie sagt, sie habe kürzlich auch ein Buch gelesen, das in eine ähnliche Richtung geht, das hieße American Gods. Ich hab das abgespeichert, unter den Büchern, die irgendwann gelesen werden sollten.

5 Jahre später, nachdem ich also für Gaiman sensibilisiert bin, kommt mir dieses "Directors Cut" von American Gods in die Quere. Directors Cut ist natürlich ein komisches Wort für ein Buch. Deshalb steht auf der Rückseite auch das das Wort Author's Cut. Aber auch verständlich, weil man, obwohl es falsch ist, sofort weiß, was die Leute bei Eichborn damit meinen.

Ich kann nicht sagen, wie weit diese Version sich von der ursprünglich veröffentlichten Unterscheidet. Es sind etwa 50 Seiten mehr, was bei rund 670 Seiten echt nicht mehr so sehr ins Gewicht fällt. Und es ist ein gutes Buch. Ich habe es sehr gerne gelesen, bin gerne mit Shadow gereist und weiß, ist nicht das letzte Buch, das ich von Gaiman gelesen habe.

Zwei Sachen, die mir mehr als Autor, als als Leser aufgefallen sind. Einerseits, ein passiver Protagonist. Da bin ich also in einer Schreibschule und da wird viel über Protagonisten geredet und dass ein Protagonist spannend und aktiv sein sollte. Nun haben wir hier einen Protagonisten, der sympathisch ist, keine Frage. Shadow ist ein cooler Kerl. Aber eigentlich macht er kaum was. Der Großteil der Geschichte passiert um und mit Shadow, aber er handelt erst spät relativ spät selbst. Und ich find's cool. Ich mag es, wie das Leben manchmal einfach Leute mitreisst. Genauso die andere Sache, Geschichten ohne Happy End.

Habt ihr (500) Days of Summer gesehen? Vielen gefällt dieser Film nicht, weil (SPOILER) er nicht gut ausgeht, zumindest nicht im klassischen Sinn einer Liebesgeschichte. Weil die beiden, das Mädchen und der Junge, am Ende eben nicht zusammenkommen. Ich mag das. Mag die Idee, dass es Menschen in deinem Leben gibt, die wichtig sind. Und trotzdem irgendwann wieder gehen.

Als ich meinem Mentor in Hildesheim von meinem Roman erzählt habe, sagte er, "Willst du, dass es ein Bestseller wird? Dann müssen die beiden am Ende zusammenkommen." Müssen sie?

American Gods ist nicht in erster Linie eine Liebesgeschichte. Aber die Liebe kommt genauso vor. Und dann erscheint irgendwann Sam, ein witziges, mutiges und freches Mädchen, von dem ich mehr wissen will und kaum mehr bekomme. Eine Autofahrt ist sie da und dann verschwindet sie. Und bis zum Ende hoffe ich, dass Sam nochmal erscheint. Tut sie, aber nicht so, wie man denkt. Und ich bin enttäuscht und erfreut zur gleichen Zeit. Sehr schön, das. Zurück zum Eindruck als Leser:

Sehr schönes Buch! Für eine ganze Weile taucht man ein, in diese Magische Welt, die unserer sehr ähnlich ist, und hat dabei viel viel Spaß. Und endet mit der Hoffnung, dass es vielleicht doch unsere Welt ist und da draußen noch so viel unentdecktes ist.

Achja, eine Sache noch. Dieser Roman ist einer, bei dem der Klappentext nicht nur schlecht, sondern schlicht falsch ist. Also einfach nicht lesen oder wenigstens nicht glauben.
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am 19. Juni 2003
Drei lange Jahre saß Shadow im Gefängnis ab. Als er endlich aus dem Kittchen entlassen wird, muß er erfahren, daß seine Frau Laura bei einem Autounfall auf recht frivole Weise ihr Leben ließ. Beim Flug in sein nun trostloses Zuhause, erhält er von einem sonderbaren hünenhaften Mann das Angebot, ihm als sein Helfer mit noch unbekanntem Auftrag zu folgen. Ein seltsamer Typ mit Glasauge, den er bald darauf in einer Bar wiedertreffen sollte - Wednesday ist sein Name. Shadow willigt widerwillig in den Vorschlag ein - und nun nimmt „American Gods", ein Buch, das eigentlich den Charakter eines road movies hat, seinen Lauf.
Gar sonderbare Leutchen finden sich auf der Fahrt durch das amerikanische Herzland, dem Mittelwesten, einer Aneinanderreihung eher monotoner Bundesstaaten, die sonst kaum Vorlage für literarische Bestleistungen sind. Doch was Neil Gaiman, Autor des genialen „Neverwhere", von Minnesota bis Kansas und Tennessee auf den Plan treten läßt, ist nicht nur amüsant, sondern auch sehr philosophisch. Verpackt in ein turbulentes Crossover aus Edda, Fantasy und Detektivgeschichte geht er der Frage nach, was macht das eigentliche Wesen Amerikas aus: Ist es das Land an sich in seiner Majestät, egal ob oder von welchen Menschen besiedelt? Ist es die bunte kollektive Tradition der einzelnen Einwanderkulturen mit ihrem reichen Pantheon? Oder muß in der Moderne, in der Gläubigkeit an technologischen Fortschritt und massenmedialer Hysterie nach dem Leitbild gesucht werden?
Unvereinbare Glaubenssysteme von Alt und Neu prallen aufeinander. Ein Sturm braust heran, eine Götterdämmerung zieht herauf. Und Shadow fällt eine tragende Rolle in diesem gigantischen Konflikt zwischen Tradition und Gegenwart zu. Er ist der Spielball, aber auch Auserwählte, die Zukunft in diese oder jene Richtung zu lenken - oder in ihr gar einen dritten Weg zu zeigen. Allerlei Götter, Göttinnen und Götzen kreuzen auf seiner Odyssee durch Amerikas geographisches wie metaphorisches Herz seinen Weg. Liebe und Verrat findet er ebenso wie Sieg, Niederlage oder Tod und Wiederauferstehung. Shadow wird selbst zu einer Art Halbgott, wenn gleich auch ungewollt und mit allen irdischen Makeln behaftet.
Nietzsche postulierte „Gott ist tot". In „American Gods" wird diese philosophisch-metaphysische Sicht verfeinert, indem, daß Götter solange leben, solange der Glauben der Menschen an sie bestehe. Dadurch sind sie gleichermaßen sterblich wie unauslöschlich, da sie in der einen Vorstellungsform verschwinden und in anderer erneut wie Phönix aus der Asche entsteigen. Wednesday und sein dubioser Gegenpart Mr. World wollen diesem Gesetz durch Shadow ein Schnippchen schlagen. Laura, seine „anders tote" Frau, kommt dabei die Rolle der dea ex machina zu, die immer dann zur Stelle ist, wenn es eng für ihren „anders lebendigen" Gemahl wird. Der Showdown des Buches im hinterwäldlerischen Rock City nimmt eine überraschende Wendung. Und selbst nach dem eigentlichen Ende des zentralen Erzählungsstranges zeugen weitere gelungene twist and turns für Gaimans Talent als Autor.
Wednesday, Wotan und Odin sind zwar eins, aber deshalb noch lange nicht dieselben. Alles klar? Wenn nicht, fahren Sie nach Island. Nach einem oder mehreren Drinks steht der All-Vater für ein klärendes Wort möglicherweise selbst neben Ihnen an der Theke ...
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am 12. November 2003
Es geht um "Shadow", Ex-Con und arbeitslos, seit sein bester Freund (und Arbeitgeber) zusammen mit Shadows Frau Laura bei einem Autounfall starb. Also lässt er sich vom alten, einäugigen Mr. Wednesday anheuern. Als Fahrer und Bodyguard, aber Wednesday ist in Wirklichkeit der Germanengott Wotan. Und er versucht alle von Einwanderern mit in die USA gebrachten Kollegen zur großen Schlacht gegen die Konkurrenz der modernen Götter von TV, Hollywood, Konsum und Internet aufzustacheln. Weil die alten Götter sonst an Glaubensmangel sterben werden.
Klingt zuuu phantastisch? Macht nichts. Gaiman verbindet Elemente aus Agententhrillern perfekt mit ganz selbstverständlich erzählten Hororrstories und beides mit Road-Movie-Szenen aus den Kleinstädten Amerikas. Er verpflanzt Fantasy aus dem Elfen-Zwerge-Helden-Reich a la Tolkien mit Witz und Brillanz in unsere aktuelle Welt. Schon nach den ersten Seiten glaubt man fest daran, dass tote Frauen Agenten ermorden können, dass irische Kobolde, verkleidet als Kneipenschläger, Goldstücke aus der Luft holen, das man dann für Taschenspielertricks verwenden kann, und dass Wotan ein begabter Betrüger ist . Besonders wenn es darum geht, Menschen und Götter zu finden, die sich für ihn opfern. Damit er weiter wandern, weiter intrigieren, weiter Sex mit unschuldig-gutgläubigen jungen Mädchen haben kann.
Ja, auch Sex kommt in "American Gods" nicht zu kurz. Schließlich ist Gaimans Roman kein Buch für Kinder oder Teenies wie Harry Potter. Hier wird Straßenslang gesprochen, geflucht, gepisst, geliebt und betrogen. "American Gods" spielt im 21. Jahrhundert, und genau das macht das Buch so spannend. Und so glaubwürdig. Und zu einer neuen Art von phantastischer Literatur, die in Großbritannien und den USA längst auf den Bestsellerlisten steht. Sie hat es verdient, den Sprung von "noch einer Fantasy fiction" zur Anerkennung als wirklich guter und absolut lesenswerter Roman auch in Deutschland zu schaffen.
Einen einzigen Einwand gibt es allerdings: Gaiman hat zwischen die Hauptstory um Shadow und Mr. Wednesday mehrmals Stücke über die Einwanderung der alten Götter im Gepäck von Einwanderern gestellt. Die finde ich langweilig und überflüssig, aber man kann sie leicht überblättern und versäumt nichts dabei: "American Gods" ist schließlich auch asuf deutsch über 600 Seiten dick ...
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am 1. November 2003
Shadow soll nach drei Jahren wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden, und wir verstehen, daß er sich auf das Wiedersehen mit seiner Frau Laura freut, auf ein ausgiebiges heißes Bad, auf noch mehr Wiedersehen danach, dürfen wir annehmen, und auf einen noch ausgiebigeren Schlaf, und dann wieder auf Wiedersehen mit Laura. Als er vor dem Entlassungstermin in das Büro der Gefängnisleitung gerufen wird, ahnt er, daß etwas nicht stimmt. Vielleicht wird die Entlassung widerrufen?
Es ist viel schlimmer. Viel, viel schlimmer. Und einige Tage später wird er erfahren, daß es auf eine Weise tragikomisch viel schlimmer ist, wie sie John Irving (denk an den Augenblick, an dem Garp mit seinen beiden Söhnen vorzeitig vom Kino nach Hause kommt, in strömendem Regen, und der Volvo mit ausgeschaltetem Motor und ausgeschalteten Scheinwerfern die geschwungene Auffahrt zum Haus hochrollt) oder Stephen King (erinnerst Du Dich an die Trauerfeier aus „Pet Sematary"?) nicht hätten tragischer und komischer schreiben können. Und überdies ist er unterdessen einem Mann begegnet, der sich Wednesday nennt¹ und viel zu viel über sein, Shadows, Leben weiß. Er weiß sogar schon, daß Shadow sein Angebot annehmen wird, für ihn zu arbeiten.
Wir begreifen sehr schnell, wer Wednesday vielleicht ist: ein breiter, knurrig jovialer Mann, der einsam und einäugig durch die Welt streift und eine bezwingende Autorität ausstrahlt. Nun gut, wir leben in Amerika, und deswegen hat er längst Schlapphut und Augenklappe abgelegt und wandert statt dessen in abgetragenen Anzügen und mit einem bezaubernden Glasauge ruhelos durch seine Welt, in welcher er von einer Einsamkeit bedroht ist, die noch viel größer zu werden droht als die, mit der er schon bei Richard Wagner nicht hat umgehen können.
Im Dienste von Wednesday durchstreift Shadow einen großen Teil der Vereinigten Staaten und lernt dort allerhand berühmte und berüchtigte Wesen kennen, Götter, um es geradeheraus zu sagen, die mit ihren Verehrern nach Amerika gekommen sind, und mit ihren Verehrern immer mehr in Bedeutungslosigkeit versinken und endlich aussterben. Dies ist eine wunderbar ausgeführte Erzählung über die alte Frage: Welches Geräusch macht ein Baum im Wald, wenn er umfällt, und niemand hört zu?
Es sterben nicht nur die alten Götter aus. Es wollen auch neue an ihre Stelle treten, die ganz offensichtlich - statt des Quilts aus vielen Göttern aus aller Herren Länder, der vorher über das Land gebreitet war - die Identität des modernen Amerika repräsentieren; nur sind es leider keine wirklich interessanten, sondern auf langweilige Weise bösartige Götter, gegen die sich die alte europäische und afrikanische Aristokratie nicht wehren kann.
Wäre nicht Wednesday, der mit Hilfe des allmählich zu einem zerrissenen Halbgott aufrückenden Shadow eine wahnwitzige Intrige inszeniert, deren abgrundtiefe - und sehr nordische - Gemeinheit wir erst begreifen, als auch Shadow sie begreift, und da ist es fast zu spät.
Während wir aber, Du und ich, von einer verrückten Handlung vorangetrieben werden, haben wir - ohne es zu merken - viel begriffen von dem, was die Identität eines Menschen und seiner Gesellschaft ausmacht, über Mythen und ihre Folgen und über die Schönheit des fleischgewordenen Mythos überhaupt. Am Anfang wussten wir nicht, ob das eine Roadshow werden sollte, eine Detektivgeschichte oder ein Horrorroman. Am Ende sind wir froh, daß es keines von alledem geworden ist, sondern etwas ganz eigenes, das nur ein Könner schaffen konnte wie Neil Gaiman - und zugleich eines der schönsten Abenteuer dieses Jahres.
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TOP 500 REZENSENTam 17. Januar 2016
American Gods gibt es nun neu übersetzt und in der ungekürzten Ausgabe. Ich hatte 2005 mehrere Versuche gestartet, mich mit dem Buch anzufreunden und nun ist es mir, sagen wir, ein wenig besser gelungen.

Die Idee, dass sich die alten Götter, die die Einwanderer mit in die USA genommen haben, immer noch im Land herumtreiben, ist an sich originell. Niemand fragt mehr nach ihnen und schon längst haben sie ihre Macht über die Menschen verloren. Shadow wird eher aus dem Gefängnis entlassen, weil seine Frau bei einem Unfall ums Leben kam. Alle seine Pläne für die Zeit nach der Haftentlassung bezogen sich auf ihr gemeinsames Leben und so steht er vor einer Zukunft ohne Perspektive. Mr. Wednesday ist einer von den alten Göttern und er bietet Shadow einen Job an. Ihre Reise führt sie durch das ganze Land, wo Wednesday eine Allianz gegen die neuen Götter schmieden will.

Viele Bücher von Gaiman habe ich wegen ihrer interessanten Grundideen sehr gern gelesen. Allen Büchern, die ich bis jetzt kennengelernt habe, war gemein, dass die Handlung immer ein wenig zu dünn war, alles etwas ausführlicher hätte ausgearbeitet sein können ' American Gods dagegen bietet zu viel. Die Handlung ist sehr ausführlich und zieht sich zeitweise sehr arg in die Länge. Manches ist einfach uninteressant und langweilig und hätte wesentlich mehr gestrafft werden können. Die Figuren sind gut dargestellt, blieben mir aber die ganze Zeit über fremd. Die Idee ist, wie gesagt, gut, doch bei mir sprang einfach kein Funke über. Die Ausführlichkeit dieses Buches hätte 'Sternwanderer' oder 'Niemalsland' sehr gut getan, hier war sie meiner Meinung nach zu viel.
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TOP 500 REZENSENTam 11. August 2015
Im Mai 2015 erschien die deutsche Version der zum zehnjährigen Jubiläum herausgebrachten, liebevoll Director’s Cut genannten Version von American Gods. Angesichts dessen und der großen Fangemeinde, der sich Autor Neil Gaiman international erfreut, ist es für mich Zeit, einen Blick auf und vor allem in dieses Buch zu werfen.

Story

Die Hauptfigur Shadow Moon sitzt wegen eines missglückten Raubüberfalls im Gefängnis. Beziehungsweise saß er, denn das Buch beginnt damit, dass er aufgrund des Unfalltodes seiner Frau Laura früher entlassen wird. Auch sein bester Freund kam bei dem Unfall ums Leben, sodass Shadow nichts von dem geblieben ist, was er nach dem Gefängnis vorzufinden hoffte.

Noch auf dem Weg zur Beerdigung begegnet er dem mysteriösen Mr. Wednesday, der einiges über Shadow zu wissen scheint, was er eigentlich nicht wissen könnte. Mit völliger Selbstverständlichkeit bietet er Shadow einen Job als Leibwächter an. Nach kurzem Zögern nimmt dieser an und gerät dadurch in einen Konflikt, von dem er nichts wusste. Er wusste bisher Nichteinmal von der Existenz der Konfliktparteien. Denn alte Götter wie die der nordischen oder ägyptischen Mythologie streiten mit den neuen Göttern, beispielsweise denen der Massenmedien oder des Internets. Wobei eigentlich nicht von einem Streit die Rede sein kann, denn auch die alten Götter sind sich untereinander nicht einig.

American Gods spielt jedoch in den Vereinigten Staaten, nicht im Herkunftsland der alten Götter. Denn, so die dem Buch zugrunde liegende Theorie, Götter und andere mythologische Wesen existieren dadurch, dass an sie geglaubt wird. Die Einwanderer brachten also ihre Götter und andere mythologische Wesen mit in die Neue Welt. Mit der Zeit entstanden dort neue, während die alten immer mehr in Vergessenheit gerieten. Naheliegenderweise gefällt das nicht allen von ihnen.

Shadow gerät durch Mr. Wednesday tief in den Konflikt der Götter hinein, ohne lange Zeit selbst zu wissen, wie bedeutend seine Rolle dabei ist und was das alles mit ihm persönlich zu tun hat.

Das Buch ist intelligent aufgebaut, immer wieder werden einzelne Abschnitte eingestreut, die Figurenhintergründe beleuchten. Einige der Gestalten mögen etwas speziell wirken in ihrer Sicht auf die Welt oder ihrem Handeln, aber es sind schließlich Götter. Dabei versinken sie nie im Klischee, auch wenn es angerissen und teilweise augenzwinkernd reflektiert wird.

Die anfangs außenstehende Perspektive kann der Leser gut mit Shadow teilen, der so glaubhaft ist, dass man ihm auf der Straße oder in der U-Bahn begegnen könnte.

Der Spannungsbogen beginnt am Anfang durch den Auftritt von Mr. Wednesday recht steil, schnell stellt sich die Frage, wer oder was dieser seltsame Fremde ist. Zwar verliert der Spannungsbogen zwischendurch etwas an Fahrt, doch an dieser Stelle können Innenschau und Reflektion seitens Shadow stattfinden, bevor die Spannung wieder anzieht.

Schreibstil

Neil Gaiman wirft den Leser gemeinsam mit Shadow in die Grausamkeit des Schicksals, dass ihm zum Tod seiner Frau die Entlassung aus dem Gefängnis beschert. Mit Shadow mitzufühlen ist einfach, denn er steht klar und eindeutig im Fokus der Erzählung. Dabei ist er anfangs mehr Beobachter denn treibende Kraft der Handlung, was sich im Verlauf des Buches jedoch zunehmend ändert. Dazu ist er in seinem Tun und Denken eine zutiefst lebensnahe Figur, wenn auch er etwas Mysteriöses an sich hat, das sich erst mit der Zeit offenbart.

Das Buch lässt sich flüssig lesen, Dialoge werden teilweise in Umgangssprache geführt, ohne durch zu viele Slangbegriffe unverständlich zu werden.

Von Anfang an werden teilweise winzige Hinweise und scheinbare Seitenhandlungen gestreut, die nachher alle in den Haupthandlungsstrang münden. Es erfordert einiges an Konzentration, sie alle beim ersten Lesen zu bemerken und ihnen die angemessene Bedeutung einzuräumen, wobei sich die Geschichte aber auch ohne alle Hinweise gut verstehen lässt. Der Wert beim erneuten Lesen ist durch diese Details natürlich ganz enorm, selbst dem aufmerksamsten Leser kann etwas durchrutschen. Ich habe auch beim vierten Lesen noch Kleinigkeiten entdeckt, die mir nie zuvor aufgefallen sind. Dadurch ist es ein Buch, das Konzentration bei der Lektüre erfordert, nichts, was sich einfach so wegliest.

American Gods ist eigentlich nicht wirklich gewalttätig, es suhlt nicht in Blut oder Gedärmen. Doch wenn Gewalt vorkommt, ist die Beschreibung recht explizit, es wird nichts ausgewalzt, aber auch nichts beschönigt. Für Leser, die rosafarbene Einhörner auf Blumenwiesen bevorzugen, ist es unter anderem deswegen eindeutig die falsche Lektüre.

Das Buch gibt einerseits die Möglichkeit, Götter und andere Wesenheiten aus Shadows Sicht kennenzulernen. Für einen mythologisch gebildeten Leser sind außerdem zahlreiche Feinheiten zu entdecken und Erkenntnismomente zu haben, Figuren bereits anhand der ersten Beschreibung vor Shadow zu identifizieren. Daneben wird auch immer wieder in kürzeren Abschnitten erzählt, wie einzelne Götter nach Amerika gekommen sind oder was sie dort aktuell machen, was auch den mythologisch weniger bewanderten Leser abholt. Auch sind einige Figuren der in Deutschland weniger bekannten, amerikanischen Folklore entnommen, sodass das Buch Wesenheiten beschreibt, die für die meisten hiesigen Leser neu sind. Es bildet also ganz nebenbei noch.

American Gods erschien 2001 im Original und 2003 erstmals auf Deutsch. Zum zehnjährigen Jubiläum 2011 erschien auf englisch eine Version des Romans, die Neil Gaiman ursprünglich als finale Fassung angesehen hatte, quasi ein literarischer Directors’ Cut. Um ein strafferes Buch veröffentlichen zu können, hatte Gaiman vor der Erstveröffentlichung auf Verlagswunsch leicht gekürzt.

Im Mai 2015 erschien der Director’s Cut in neuer Übersetzung von Hannes Riffel auf deutsch. Die Übersetzungen sind beide von guter Qualität, sie lassen sich auch im Vergleich mit dem englischen Original lesen ohne Schmerzen zu leiden. Auch wurde auf eine größere Übersetzung von Namen verzichtet, nur die Namen einiger Götter, vor allem der aus dem slawischen Sprachraum, wurden in der deutschen Schreibweise aufgeführt.

Die Director’s Cut-Version ist im Deutschen etwa 30 Seiten länger als die vorherige. Der zusätzliche Platz wird vor allem für Beschreibungen, Charakterisierungen und weitere Details verwendet, die Haupthandlung an sich ist davon unberührt.

Die deutsche Taschenbuchauflage von 2005 und das Hardcover von 2003 sind mittlerweile vergriffen.

Preis-/Leistungsverhältnis

Für 14 EUR bekommt man ein dickes Taschenbuch randvoll mit einer guten Geschichte und einigem Zusatzmaterial. Da American Gods mir auch beim vierten Lesen noch immer viel Freude bereitet, denke ich, dass es wirklich mit einem ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis aufwartet. 14 EUR lassen sich deutlich schlechter investieren. Das E-Book ist mit 10,99 EUR allerdings nur wenig günstiger als die gedruckte Version.

Erscheinungsbild

Der Autor Neil Gaiman ist in der Phantastik alles andere als unbekannt, hat er sich doch mit den Sandman-Comics, einigen Folgen Dr. Who, Coraline und anderen Büchern einen Namen gemacht. Für American Gods gewann er sowohl den Hugo als auch den Nebula Award, zwei der bedeutendsten Preise für Phantastik im englischsprachigen Raum und darüber hinaus.

Das aktuelle Cover zeigt in Blautönen eine Straße durch eine eintönige Landschaft unter düsteren Wolken, an deren Ende ein Blitz einschlägt. Das Motiv lässt ein Roadmovie assoziieren, durchaus passend aufgrund der zahlreichen Reisen von Shadow und Mr. Wednesday kreuz und quer durch die USA und auch der inneren Erkenntnisreise des Protagonisten.

Der Druck ist gut, die Schriftgröße angemessen, das Buch ist jedoch nicht ganz leicht aufgrund seines Umfangs.

Bonus/Downloadcontent

Die aktuellste Auflage ist ergänzt um mehrere Vorworte, die die Entstehung des Buches und der langen Version erklären, außerdem enthält sie ein Interview mit dem Autor und weitere Bonustexte.

Neil Gaiman hatte 2001 den Entstehungsprozess seines Buches online begleitet. Unter dieser Adresse sind die Blogeinträge immer noch einsehbar, vorausgesetzt, man ist der englischen Sprache mächtig.

Fazit

Vor meiner ersten Lektüre war ich zugegeben skeptisch, Götter und andere mythologische Figuren, die durch das moderne Amerika wandern, erschienen mir eher wie die Möglichkeit, Klischees und Witze zu reißen. Doch bereits nach wenigen Seiten wusste ich es besser. Zwar sind viele Dinge durchaus extrem lustig, aber der Grundtenor ist eindeutig ernster, teilweise fast tragischer Natur.

Anders als beispielsweise Der Sternwanderer ist American Gods ganz klar für ein erwachsenes Publikum geschrieben und kein All Age-Titel.

Für Liebhaber einer ausgefeilten Geschichte mit vielen Details ist American Gods eine wunderbare Lektüre. Gleiches gilt für alle, die gerne mythologische Elemente in neuem Gewand lesen.

Wer jedoch eine leichte Lektüre ohne Nachdenken möchte, sollte die Finger davon lassen. Gleiches gilt für alle, die Probleme mit ungeschönten Beschreibungen von Gewalt haben.

Angesichts des hohen Wiederlesenswert, der gut komponierten Story und der liebevoll charakterisierten Figuren gebe ich klar fünf Sterne.
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am 17. September 2004
Weil ich nicht auf die deutsche Übersetzung warten wollte, habe ich "American Gods" im englischen Original gelesen - und war begeistert. Das lag mit Sicherheit zum großen Teil daran, dass ich mich früher begeistert allen möglichen Mythologien gewidmet habe und hier viele "alte Bekannte", teilweise in sehr neuer Gewandung wiedergetroffen habe. Egal ob nordische, karibische oder afrikanische Mytholgie: alles finden ihren Platz in Gaimans Amerika, und nebenbei erfährt auch der deutsche Leser noch etwas Neues über unseren guten alten Heinzelmann (erschreckend, dass ein englisch-amerikanischer Autor hier Aufklärung leisten muss...)
Mittendrin im Kampf der Gottheiten um das Überleben in dem Köpfen der Menschen: Shadow, ein sympathischer Held, der aber seinem Namen alle Ehre macht und immer eine mysteriöse, dunkle Seite erahnen lässt, die ebenso dem Leser wie ihm selber Rätsel aufgibt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis und dem überraschenden Ableben seiner großen Liebe unter recht pikanten Umständen tritt er in den Dienst eines großen, eindrucksvollen Fremden. Und wenn Shadow schon eine leicht mysteriöse Seite hat, so ist Wednesday - so der Name des fremden Arbeitgebers - die dunkle Seite des Mondes. Er verfolgt mit Sicherheit ganz eigene Ziele, und Shadow scheint dabei eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen - doch Wednesday lässt sich nicht in die Karten gucken.
Das alles zusammen ergibt eine spannende Reise durch verschiedenen Mythologien und durch Amerika, bei der Shadow schließlich auch noch einiges Neues über sich selber erfährt.
Wer phantastische Literatur im weiteren Sinne und einen amüsant-hintergründigen Erzählstil zu schätzen weiß, kann dieses Buch eigentlich nur lieben.
Dass das ganz offenbar nicht der Fall ist, kann ich mir nur durch die streckenweise sehr holprige deutsche Übersetzung erklären, die ich zufällig vor kurzem in die Hände bekam. Sie transportiert leider so gar nichts vom flüssigen, bildreichen Erzählstil Gaimans, so dass ich jedem nur empfehlen kann, das Buch auf Englisch zu lesen (denn dafür reichen ein einigermaßen solider Grundwortschatz und evt. ein gutes Wörterbuch völlig aus).
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