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am 9. Juli 2005
Wer könnte besser geeignet sein als François Truffaut, den großen Alfred Hitchcock zu interviewen? Zwei Meister unter sich, zwischen denen offensichtlich die Chemie stimmt, und der Fragesteller Truffaut ist nicht nur einer der besten Filmregisseure der Welt, sondern auch noch ein erfahrener Journalist.
Nach einer launigen Einführung, in der Truffaut seine erste Begegnung mit Hitchcock schildert, liest man, in 15 Kapitel gegliedert, ein Interview, wie es spannender und informationsgeladener nicht sein könnte. Truffaut hat seine Fragen sichtlich gut vorbereitet, und mit vielen Ausflügen in Hitchcocks reichen Fundus an Erinnerungen geht es hier um dessen Leben und Werk.
Im Vordergrund steht natürlich Hitchcocks Schaffen, von den Stummfilm-Anfängen in London über seine großen Hollywood-Produktionen bis hin zu "Topas" und "Frenzy".
Das besondere an diesem unglaublichen Interview ist nicht, d a s s Hitchcock hier seine Filme kommentiert (das tun andere Regisseure auch), sondern w i e er das tut: Neben zahlreichen Anekdoten über Vorbereitungen und Dreharbeiten geht es vor allem um das "Wie". Der Buchtitel verspricht nicht zuviel. Genau darum geht es: Wie Hitchcock zu dem Inbegriff von Suspense wurde, der er ist.
Dieses Interview ersetzt tatsächlich manch ein filmtheoretisches Buch, wenn Hitchcock erläutert, mit welchen Mitteln er seine Effekte erreichte; er kannte sich schließlich nicht nur mit der Technik aus, sondern auch mit der Psyche der Zuschauer, und nicht das kleinste Detail überließ er dem Zufall.
Hitchcock überlegte genau, und was er z.B. über die Verfilmung von Dramen (am Beispiel von "Bei Anruf Mord") sagt, zeugt von großem Wissen nicht nur um Bedingungen und Wirkung des Filmes. Oft sind es die exakt durchdachten Kleinigkeiten, die die große Wirkung erzielten -- sei es Grace Kellys Garderobe, deren Farben sich im Laufe eines Films verdüstern, oder sei es die berühmte Glühbirne im Milchglas... Und dann natürlich Hitchcocks berühmter Grundsatz, sich möglichst immer jener Dinge zu bedienen, die eng mit den Personen oder dem Ort der Handlung verbunden sind: Windmühlen in Holland, Berge in der Schweiz -- oder eben beim invaliden James Steward ein kaputter Fotoapparat, Zeitschriften und Fotos von sich überschlagenden Rennwägen in "Das Fenster zum Hof". Eine von Hitchcocks Spezialitäten bestand ja darin, dem Zuschauer die Dinge nicht über Dialoge mitzuteilen, sondern mit den Mitteln des Films. Sicher, sein bekanntes "Der Dialog darf nicht mehr sein als ein Geräusch unter anderen" ist überspitzt; man denke nur an die geschliffenen Dialoge z.B. in "Über den Dächern von Nizza". Aber die wichtigen Informationen teilt Hitchcock tatsächlich selten in Dialogen mit; einer der Gründe, warum seine Filme so wirken, wie sie wirken.
Und dann die Überraschungseffekte, etwa wenn in "Der unsichtbare Dritte" die tödliche Gefahr nicht in düsteren Straßenecken wartet, sondern buchstäblich aus heiterem Himmel kommt. Oder aber das Gegenteil, wenn Hitchcock die Zuschauer vor seinen Figuren über kommende Gefahren informierte -- besonders eindrucksvoll in "Die Vögel": "Man muß vom subjektiven zum objektiven Gesichtspunkt überwechseln, [...] damit das Publikum weiß, worum es geht." Man merkt: Ein Film wirkt nicht deswegen auf die Zuschauer, weil sein Regisseur die ganze technische Trickkiste ausgeräumt hat, sondern weil sein Regisseur wusste, welche Wirkung er wie erzielen wollte -- ein Hitchcock braucht nunmal keine Computeranimationen.
Aber nicht dass man nun fürchtet, Hitchcock gäbe nun auf über 300 Seiten ausschließlich theoretische Überlegungen bekannt. Immer wieder erzählt er auch, wie seine Filme gedreht wurden, wie man etwa für "Der unsichtbare Dritte" die UN überlisten musste, wie unglaublich raffiniert die Duschszene in "Psycho" konstruiert ist, oder wenn Hitchcock durchblicken lässt, warum er "Immer Ärger mit Harry" so sehr liebt.
"Mister Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" ist nicht nur ein Glücksfall der Film-Literatur. Es gibt wenige Sachbücher, die den Rahmen des Sachbuchs dermaßen souverän sprengen und die dermaßen amüsant und spannend zu lesen sind. Sogar wenn einen das ein oder andere Thema zunächst nicht interessiert -- nach den ersten Sätzen will man's doch wissen, und schon ist's passiert...
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am 28. April 2003
Also mit zwei Wörtern: ein Muß!
Dies ist das Filmbuch für jeden echten (!) Filmfreak. Es handelt sich um ein 50-Stunden-Interview von Francois Truffaut mit Alfred Hitchcock. Allein diese beiden Namen lassen den Kenner mit der Zunge schnalzen.
Der Altmeister wird also von einem seiner "Filmjünger" interviewt. Wer anderes wäre besser in der Lage gewesen, die entscheidenden Hintergründe "herauszukitzeln" und seine Fragen mit soviel Kompetenz zu unterlegen?
Dieses Buch hat sicherlich auch biographischen Charakter, trotzdem ist es keine Biographie und auch keine reine Filmopgraphie, wie man dies leider heutzutage zunehmend in dem scheinbar sich gut verkaufenden Genre der "Filmbücher" feststellen muß. Es ist sowohl ein Zeitzeugnis als auch eine phantastische Auseinandersetzung eines Schöpfers mit seinem eigenen Werk. Möglich wird dies durch die unbestechliche Begeisterung und Sachkunde des Interviewers, eben des viel zu früh verstorbenen Francois Truffaut.
Das Interview befaßt sich akribisch mit allen Filmen Hitchcocks. Hierbei wird chronologisch vorgegangen und sehr oft sehr weit ins Detail gegangen, wobei der echte Filmfreund sehr viele Hintergründe im Hinblick auf die wirtschaftlichen, menschlichen und auch technischen Schwierigkeiten erfährt, die die Realisierung der einzelnen Filme erschwert haben. Sehr interessant sind natürlich die Schilderungen der Probleme und Problemlösungen im "Special-Effekt"-Bereich.
Auch dies macht den Charme und den besonderen Stellenwert des Buches aus: es gab eben noch keine Animation per Computer, fast alles mußte schöpferisch und künstlerisch auch manuell genial gelöst werden, weshalb diese Art von Filmemachen eben noch sehr hohe künstlerische Ansprüche und sehr hohe Kreativität erforderte.
Als Leser kommt man oft aus dem Staunen nicht heraus, wenn man erfährt, welche Schwierigkeiten manche Szenen, denen man es partout nicht ansieht, bereitet haben, oder mit welchen verblüffenden Kniffs und Tricks die Dinge in Szene gesetzt worden sind. Ebenso verhält es sich mit den menschlichen Charakteren und Marotten der Darsteller, die es natürlich galt, in den Griff zu bekommen.
Alles in allem ein wohltuendes und phantastisches Filmbuch, das auch (oder gerade) in einem Zeitalter der Automatisierung und Digitalisierung, die Hochachtung vor diesem einmaligen Filmschaffenden gar nicht genug zum Ausdruck bringen kann.
Hätte Hitch damals schon diese technischen Möglichkeiten gehabt, hätte er entweder gar keine Filme mehr gemacht oder er hätte etwas gemacht, was sich wohl heutzutage gar keiner vorstellen kann.
Ein absolutes TOP-FILMBUCH!
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TOP 1000 REZENSENTam 10. Februar 2011
Meine erste Bekanntschaft mit den Filmen Alfred Hitchcocks machte ich im Alter von 12 oder 13 Jahren, als ich an einem Samstagabend im Haus meiner Großeltern einem betrügerischen Medium dabei zusah, wie es einer alten Dame dabei half, ihren zur Adoption freigegebenen Neffen wieder ausfindig zu machen. Damals konnte ich natürlich mit dem Namen eines Regisseurs wenig anfangen und war deshalb auch kaum geneigt, über das Für und Wider der Auteur-Theorie nachzudenken. Ich fürchte sogar fast, daß der Name Hitchcock für mich zunächst im Zusammenhang mit den drei klugs.ch.eißerischen Fragezeichen von Bedeutung war, doch hatte dieser Film mir so gefallen, daß ich auch heute noch recht genau weiß, wo und wann ich ihn zum ersten Mal sah.

Einige Jahre später dann las ich zum ersten Mal François Truffauts Interviews mit Alfred Hitchcock - über das Buch war ich in der Stadtbibliothek gestolpert - und freue mich nun, es endlich in meinem eigenen Bücherregal zu haben. Der Plauderton, in dem sich Truffaut und Hitchcock über des Meisters Filme unterhalten, ohne dabei freilich auf der Ebene substanzloser Plauderei zu verharren, macht diesen Klassiker zu einer leicht verständlichen Lektüre, die sich gut eignet, einen ersten theoretischen Zugang zu Hitchcock - sowie zum Spannungsfilm überhaupt - zu erlangen. Jeder einzelne Film Hitchcocks - die letzten seiner Werke in einem summierenden Essay Truffauts, das die Form des Dialoges aufgibt - findet Erwähnung, wobei einige - z.B. "The Lodger", "Strangers on a Train", "Psycho" oder "The Birds" - mehr im Vordergrund stehen als andere, die eher kursorisch abgehandelt werden. Was ich ziemlich ungewöhnlich für einen Regisseur, der über sein Werk spricht, finde, ist, daß Hitchcock einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit der technischen Seite seiner Filmsprache widmet und sich nicht nur in einer ästhetischen Einschätzung seiner Filme erschöpft. Dies war für eine Zeit, in der man nicht mal eben per Computeranimation Tausende von Orks auf die Leinwand zaubern konnte, mit großen Herausforderungen und genialer Alltagstüftelei verbunden. So ging es nicht nur darum, Größenunterschiede zwischen einem kleineren Protagonisten und seinem weiblichen Gegenstück zu kaschieren, sondern man mußte auch Mittel und Wege finden, Kulissen geräuschlos zu verschieben, um die von Hitch gewünschte Kamerafahrt realisieren zu können. In "Strangers on a Train" gar ging Hitchcocks Perfektionismus so weit, daß der Schauspieler, der unter das in voller Fahrt befindliche Karussell kroch, wirklich in Lebensgefahr geriet. Truffauts Interviewpartner berichtet denn auch mit merklichem Stolz von Tricks wie dem, in dem ein nachgemachtes Cockpit für "Foreign Correspondent" sich auf eine Leinwand zubewegte, auf der per Rückprojektion ein Ozean zu sehen war. Hinter der Leinwand befand sich ein Wassertank, und durch einen Knopfdruck wurde der Tank zum Bersten gebracht, so daß das Wasser direkt ins Cockpit schwappte, als es die scheinbare Wasseroberfläche durchschlug. Dies ermöglichte es Hitchcock, das Flugzeug aus Sicht des Piloten ohne Schnitt ins Wasser eintauchen zu lassen. Noch ein anderes: Hitchcock berichtet im Zusammenhang mit "Vertigo" auch, daß die berühmte Kamerafahrt in der Turmszene aus Kostengründen in einem horizontal gelagerten Modell stattfand.

Neben diesen technischen Aspekten spricht Hitchcock aber auch über für ihn typische Konzepte wie das des Suspense, das er vom Überraschungseffekt abgrenzte, oder über die liebe Not, die er bisweilen hatte, geeignete Besetzungen für seine Rollen zu finden. In diesem Zusammenhang wird übrigens auch deutlich, wie sein uncharmanter Satz, Schauspieler seien Vieh, wirklich gemeint war.

Truffaut als Interviewpartner auf Augenhöhe versteht es, dem Altmeister geschickte Fragen zu stellen, wobei er auch eigene Gedanken zu den Filmen einflicht und mit zunehmender Dauer des Interviews an Selbstbewußtsein gewinnt. Am kritischsten ist freilich das abschließende Essay, das mehrere Jahre nach Abschluß des Gesprächs entstand und auch Truffauts Rolle als Interviewer mit den ihr eigenen Begrenzungen kurz anspricht.

Die Heyne-Ausgabe enthält weniger Photos als die deutsche Erstveröffentlichung (die wiederum weniger luxuriös ausgestattet war als das französische Original), doch gibt es einen abschließenden Aufsatz von Robert Fischer, in dem die von mannigfaltigen Schwierigkeiten begleitete Entstehungsgeschichte des Buches nachgezeichnet wird.

Truffauts Hitchcock-Buch ist beileibe keine systematische Analyse des Filmschaffens Alfred Hitchcocks, und so wird der interessierte Leser denn auch nicht unbedingt zu jedem Film gleich ausführlich informiert. Doch wer Fachsimpelei auf hohem Niveau zu schätzen weiß, die dann und wann durch eine komische Anekdote vom Meister des Understatements unterbrochen wird, der sollte dieses Buch unbedingt in seine Kinobibliothek aufnehmen.
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am 16. Mai 2009
Natürlich hilft es bei vielen Wortwechseln der beiden Filmexperten, bereits über ein gewisses Maß an Vorwissen zu verfügen und Hitchcocks Filme zu kennen. Beides ist jedoch nicht zwingend notwendig, sind die teilweise dialogartigen Interviews insgesamt doch auch für Laien gut verständlich und in unterhaltsam-lockerem Tonfall verfasst, der schnell vergessen lässt, dass sich hier zwei absolute Meister der Regiearbeit gegenüberstehen. Man fühlt sich regelrecht an kurzweilige Plaudereien zweier Filmliebhaber erinnert. Und so lernt man nicht nur den Menschen Hitchcock und seine außergewöhnliche Arbeit näher kennen, sondern erfährt zugleich unglaublich viel Wissenswertes über das Filmemachen, das man sich sonst mühsam aus trockenen Lehrbüchern aneignen müsste.

Jedem Filmliebhaber, Cineasten und Filmwissenschaftler kann 'Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?' nur wärmstens empfohlen werden. Eine solche Fülle an theoretischen wie praktischen Ratschlägen für das Filmen und den Film, unterhaltsamen Anekdoten aus der Filmwelt und geistreichen Wortwechseln in solch kurzweiliger Form von zwei solch großen Regisseuren wird es wohl so bald nicht wieder geben ' wenn es überhaupt jemals ein vergleichbares Werk geben wird.
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Wer den Meister verstehen will, sollte ihn auch selbst zu Wort kommen lassen. Auf diesen so einfachen wie genialen Gedanken ist Francois Truffaut gekommen, und das Ergebnis bereitet dem Hitchcock-Enthusiasten unbedingte Freude. Zum gesamten Oeuvre äußert sich der Regisseur, animiert durch seinen prominenten Fan, der mit der Lust des Sympathisanten und der Neugier des Journalisten fragt. Natürlich sollte man Hitchcocks Äußerungen mit Hilfe einschlägiger Sekundärliteratur kritisch gegenlesen; denn auch wenn Hitch selbst einige Fehler einräumt, so zwingt er dem Leser doch eben auch die eigene Werkinterpretation auf. Ein Interviewband ist ein schlechter Ort für Widerspruch; trotzdem folgt Truffaut seinem Gesprächspartner manchmal etwas zu bereitwillig auf dessen Pfade. Aber - geschenkt. Schon allein um Hitchcocks trockenen Sarkasmus’ willen lohnt sich die Lektüre. Aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf vielen wirklich erhellenden Anmerkungen des Meisters, warum er dies und jenes so und nicht anders angepackt hat, warum ihn welche Stoffe interessierten und welche technischen Kniffe er um welches Effektes willen angewandt hat. Ohne zumindest die bekanntesten Hitchcock-Filme zu kennen, ist das Lesevergnügen nicht ganz so groß. Aber da wohl ohnehin die meisten Klassiker wie „The Man Who Knew Too Much“, „Rear Window“, „Rebecca“ oder „The Birds“ irgendwann einmal gesehen haben, ist diese Gefahr nicht allzu groß.
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TOP 1000 REZENSENTam 20. März 2013
Francois Truffaut ist ein ausgemachter Hitchcock-Fan gewesen. Das merkt man diesem Buch in jeder Zeile an. Er ist mit voller Leidenschaft dabei, wenn er seine Fragen an Hitchcock stellt. Aber Leidenschaft allein genügt nicht. Truffaut hat sich auch sehr gut ausgekannt im Werk von Hitchcock. Bis auf wenige Ausnahmen (bei den Stummfilmen) scheint er wirklich alle Filme detailliert und immer wieder angesehen zu haben. Selbst ein Regisseur gewesen, weiß er, worauf es bei Filmen zu achten gilt. Diesen Tatsachen haben wir seine wirklich professionellen Fragen zu verdanken, auf die Hitchcock schließlich so bereichernd geantwortet hat. Herausgekommen ist ein unverzichtbares Buch, das den kompletten Kanon von Hitchcocks Filmen von dessen beruflichen Anfängen bis zum Film "Der zerissene Vorhang" enthält. Die beiden arbeiten sich in einem 50-stündigen Interview chronologisch vorwärts und gehen von Film zu Film. Wenn angebracht, gibt Truffaut eine kurze Inhaltsangabe des Filmes. Das ist gerade bei den unbekannten Werken hilfreich. Hitchcock erklärt vornehmlich seine filmischen Stilmittel, mit denen er das Publikum einfangen will. Immer wieder kommt er auf die Methode des Suspense zu sprechen. Desweiteren stellt er die technischen Tricks und Methoden vor und lüftet so manches Geheimnis. Immer wieder eingesträut sind Anekdoten über die jeweiligen Filme, über die Schauspieler und die eine oder andere Panne. So erfährt man eine Menge über Hitchcocks Weise, Filme zu drehen, über seine Kreativität und Phantasie. Überraschend ist, wie kritisch er mit sich selbst und dem Ergebnis umgeht. Das hatte ich nicht erwartet. Auch die Schauspieler werden kritisiert, wenn sie sich als Fehlbesetzung herausgestellt haben. Das nimmt Hitchcock dann aber auf die eigene Kappe. Schließlich hat er sie (manchmal gezwungenermaßen) ausgesucht. Neben dem Interview gibt es eine große Anzahl an Bildern, auf denen Filmszenen, oft auch filmstreifenartig, zu sehen sind und dem Leser verdeutlichen, was Hitchcock zu sagen versucht. Ein wirklich interessantes Buch, das Lust darauf macht, noch mehr seiner Filme anzuschauen.
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am 19. März 2013
Truffauts 50-stündiges Interview mit Hitchcock - komprimiert in diesem Buch - gehört zu den aufschlussreichsten Filmbüchern überhaupt. Die Unterhaltung dreht sich zwar ausschließlich um die Filme Hitchcocks (in chronologischer Reihenfolge), aber es ist vielmehr ein Buch über den Film im Allgemeinen.

Man erfährt sehr viel über technische Details, etwa warum Hitchcock durch einen gläsernen Fußboden filmte oder wie er die Spannung in "Die Vögel" durch immer irritierendere Bilder langsam ansteigen ließ. Das ist nicht nur für den Laien, sondern auch für den Profi interessant. Es sind kurze Einblicke in das Labor des Großmeisters, das sonst verschlossen bleibt.

Der Einfluss Truffauts bei diesem Buch scheint gering. Aber so klein ist er auch nicht. Zunächst einmal stellt er die richtigen Fragen - und das sind in erster Linie diejenigen, die ihn als Filmemacher selber interessieren. Zum anderen hat er Ausschnitte aus den Hitchcock-Filmen ausgesucht, die im Buch sehr häufig vorkommen. Manchmal hat man den Eindruck, dass diese Sequenzen sich gar nicht mit den Äußerungen Hitchcocks decken, was die Sache umso interessanter macht.

Das Buch heißt im Original "Le cinema selon Hitchcock", auf deutsch "Das Kino gemäß Hitchcock". Der nüchterne Titel bedeutet m. E. vor allem, dass man Hitchcock zwar verehren, gutes Kino aber auch anders machen kann.
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am 26. November 2013
Als dieses Buch erschien nannte es ein Kritiker "das vielleicht aufschlussreichste Filmbuch überhaupt." Das war 1966 , aber vielleicht ist diese gewagte Behauptung selbst heute noch gültig. Zumindest spricht allein schon die Tatsache dass vor wenigen Jahren diese aktualisierte Neuausgabe erschien dafür das dieses buch nach wie vor lesenswert ist.
Dabei lässt dies die Grundkonzeption des Buches nicht unbedingt vermuten. Ein junger, gerade erst arrivierter Regisseur interviewt einen älteren und bereits legendären Kollegen über alle seine Filme schön chronologisch und erschöpfend sowie außerdem über das Kino an sich. Klingt das nicht doch wie eine etwas abgehobene Fachsimpelei für Cineasten?
Vielleicht, aber das buch ist genau das nicht! Vielmehr vermittelt Hitchcok hier dem interessierten Laien anschaulich wie es ihm immer wieder gelang den Zuschauer zu fesseln, welche Tricks er nutzte, welche Ideen er hatte, welche Prinzipien, wie er Probleme löste, welche Stoffe ihn noch interessierten, welche er verwarf - kurz als Leser glaubt man fast man weiß genug um selbst eine Laufbahn als Regisseur anzustreben.
Dies liegt aber auch daran dass Hitchcok zum einen immer wieder amüsante und erhellende Anekdoten beisteuert, zum anderen sich auch häufig recht selbstkritisch zeigt.
So betrachtet er z. B. "Rebecca" nicht als "Hitchcokfilm" und über "Der falsche Mann" meint er zu Truffaut`s Entsetzen :"Tun wir ihn zu den schlechten Hitchcoks"
Natürlich ist die Qualität dieses Interviews auch ein Verdienst von Truffaut. Man merkt stets dass er ein großer und langjähriger Bewunderer Hitchcoks war. Aber auch der rebellische Filmkritiker der er einst war kommt immer wieder durch , Scheu vor kritischem Nachhaken findet sich hier durchaus nicht.
Im Anhang dieser Neuausgabe gibt es einen Bericht Truffauts über Hitchocks letzte Jahre der auch ein Interview enthält das beide 1972 wahrend der Filmfestspiele in Cannes führten enthält. Auch ein Artikel über die Geschichte dieses gedruckten Interviews fehlt nicht. Somit ist diese Neuausgabe vielleicht sogar für diejenigen interessant die das Original bereits kennen.
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am 25. April 2014
Zu jedem Film werden interessante und wissenswerte Hintergrundinfos auf mehreren Seiten geboten. Selbst zu Filmen, zu denen sich Hitchcock eigentlich nicht äußern wollte und die er als unbedeutend und misslungen erachtet (z. B. Bei Anruf Mord oder Rebecca) entlockt ihm Truffaut einige interessante Bemerkungen, die manches Mal ein neues Licht auf diese Produktionen werfen. Sicher kann man bei dem wenigen Raum, das das Buch bietet, nicht wirklich tief auf die Filme eingehen, aber es ist interessant, welche Meinung Hitch zu vielen seiner Filme hat, die überhaupt nicht dem entsprechen, was nach Kritikermeinung Konsens sein sollte.

Hitch drehte Psycho beispielsweise nicht aus künstlerischen Gründen in schwarzweiß, sondern aus pragmatischen - weil zu jener Zeit die explizite Darstellung von farbigem Blut in einer solchen Szene für Mainstream-Produktionen unzumutbar war. Die Duschszene war denn auch der einzige Grund für Hitch, wieso er den Film überhaupt drehte. Der Rest des Films interessierte ihn kaum. Das Buch ist voller solcher kleinen Anekdoten und auf jeden Fall ein empfehlenswerter Schmöker zum Zeitvertreib, den man nicht chronologisch lesen braucht, sondern beliebig aufschlagen kann.
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am 27. Oktober 2013
Francois Truffaut machte ein 50-Stunden-Tonband-Interview. Ich hatte die alte Ausgabe gehabt, aber sie dann verschenkt, das hatte ich bereut. Jetzt habe ich das Buch, den Göttern sei Dank, wieder... Für alle Freunde von Hitckcock und seinen Filmen sehr zu empfehlen.

Im TV war ja ein kurzes Interview mit Hitch aus den 60er-Jahren, wo man ihn selbst auf Englisch reden hörte. Das hätte ich nur zu gerne auf DVD.

Anders als bei der alten (grösseren) Ausgabe ist die Schrift ist halt recht klein gesetzt, aber mit den Lesebrillen, die ich sonst auch verwende, komme ich gut hin.

Wünsche euch gute Unterhaltung bei der Lektüre!
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