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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen39
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am 18. Mai 2006
Noch immer hört man von Leuten, die “American Psycho” gerade zum ersten Mal gelesen haben, Äußerungen wie “Der Mann muß aber mächtig einen an der Waffel haben”. Ganz ähnlich lauteten einige Reaktionen damals, nach dem Erscheinen des Buches, das aus Bret Easton Ellis einen literarischen Superstar machte. Die einen feierten ihn, die anderen forderten seine Einlieferung, aber über ihn gesprochen haben sie alle. Die mediale Selbstinszenierung des Autors schien letztgenannten Recht zu geben. Ganz unabhängig davon gehört „American Psycho“ – nicht nur meiner Meinung nach - zu den wichtigsten Büchern der letzten Jahrzehnte. Niemand sonst hat so kaltlächelnd die Querverbindung zwischen Konsum und Gewalt aufgezeigt. Kein anderer hat je so ohrenbetäubend seine Fingernägel über die polierte Oberfläche unserer Gesellschaft gezerrt. Und dabei noch so gut unterhalten.

Und was ist mit Ellis selbst? Wo endet hier der Autor, wo beginnt die Fiktion – oder, anders gefragt: Wie autobiographisch muß ein Werk sein, das auf so ernüchternde Weise brutal ist, das so wenig wertet, das uns so verstört zurückläßt? Die Antwort auf diese Frage liefert nun niemand anderes als der Autor selbst. Oder er scheint sie zumindest zu liefern.

„Lunar Park“ beginnt wie eine Biographie. Ellis plaudert über eine Person namens Bret Easton Ellis, die Romane geschrieben hat, etwa „Unter Null“, „Einfach unwiderstehlich“, „Die Informanten“, „Glamorama“ und das genannte „American Psycho“. Diese Figur hatte ihre Gründe, diese Bücher zu schreiben, und wir gewinnen Einblick in die Vita – vor und nach dem enormen Erfolg. Eine Person begegnet den Geistern, die sie selbst gerufen hat, und das ist auch das Thema von „Lunar Park“. Wir erleben einen fertigen, unsicheren, verlebten, bindungsunfähigen, verkoksten und verkorksten Typen. Dieser Bret Easton Ellis ist exakt die Figur, die wir uns vorgestellt haben. So und nicht anders muß dieser überaus kranke Mann sein, der dazu in der Lage war, einen Börsenmakler namens Patrick Bateman bestialische Morde begehen zu lassen. So und nicht anders muß jemand drauf sein, der in einem Achthundert-Seiten-Roman („Glamorama“) ausgerechnet die Modebranche zur Keimzelle des Terrorismus’ macht.

Aber damit nicht genug. Als die Kräfte erschöpft sind, zieht sich unser Bret aufs Land zurück, läßt eine jener Beziehungen aufleben, die nie wirklich geendet haben, und aus der vermeintlich sogar ein gemeinsames Kind hervorgegangen ist. Die bildschöne Schauspielerin Jayne Dennis gibt ihm eine zweite Chance, aber jener Ellis ist viel zu fertig mit der Welt, um auch nur ansatzweise die Situation beherrschen zu können. Was soll er auch hier, in der Reichenkolonie mitten im beschaulichen Nichts, mit Kindern, die ständig unter Medikamenten stehen, Creative-Writing-Schülern, die ihn mit belanglosen Geschichten zumüllen, Nachbarn, deren Sprache er nicht verstehen kann, weil sie in einer anderen Welt leben? Ellis wählt den einfacheren Weg, bleibt bei Drogen, Alkohol und Seitensprüngen. Aber dann beginnt die Realität plötzlich, sich zu verändern, mutieren harmlose Spielzeuge zu grässlichen Monstren, treffen erschütternde Mails ein, und irgendwo ist ein Massenmörder unterwegs, der das Verhaltensmuster der „American Psycho“-Hauptfigur Patrick Bateman exakt nachzuahmen scheint. Während sich Hauptfigur und Schriftsteller trennen, verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Was echt ist, weiß niemand mehr, aber irgendeines Geistes Schöpfung muß es ja trotzdem sein.

Ellis ist mit diesem Buch etwas wirklich Großartiges gelungen. Sein Protagonist ist genau die Figur, die die Medienwelt geschaffen hat, als sie mit dem Schriftsteller Bret Easton Ellis konfrontiert wurde. Alle Spekulationen, Gerüchte, Informationsfetzen, die die Literaturwelt durchreist haben, komprimiert Ellis in einer Komposition, die nichts weniger ist als ein Abbild unseres Abbildes. Dieses Buch ist eine Satire auf uns alle. Es ist eine grandiose Veralberung des Weltfeuilletons. Und darüberhinaus sehr unterhaltsam, zuweilen sogar spannend, und meistens ziemlich clever.
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am 22. August 2007
Bret Easton Ellis ist ein ziemlich unberechenbarer Autor; einer, der mit der amerikanischen Literaturszene (scheinbar) persönliche Probleme hat. Ein Autor, der sich nicht festnageln lässt. Manches ist sehr gut (American Psycho und Unter Null), anderes so-so (Rules of Attraction und Die Informanten). Jetzt "Lunar Park", stilistisch ganz anders als alles bisher von Bret Easton Ellis geschriebene. Vor allem darf man nicht in die Falle tappen und dieses Buch als ernsten Versuch werten, einen Horrorthriller zu schreiben.
Dieser Roman beginnt wie eine Autobiografie, zuerst zitiert der Autor die Anfangssätze aller seiner Romane. Dann schaut er übertrieben selbstverliebt auf seine Anfänge zurück, wobei sich hier schon die Wahrheit von der Fiktion kaum mehr unterscheiden lässt. Dann erst beginnt praktisch der Roman.
Bret heiratet Jayne und lebt mit dem gemeinsamen Sohn und Jaynes Tochter in der Elsinore Lane (ein den Autor verachtender Golden Retriever mischt auch mit). Was durch das plötzliche Familienleben des Autors oder Protagonisten Bret losgetreten wird, ist skurriler Lesespaß pur.
Patrick Bateman (der Protagonist aus American Psycho) beginnt Bret mit unvorhergesehenen Begegnungen zu quälen, eine Mordserie mit Anleitung American Psycho beginnt, eine übertrieben lächerliche Aufarbeitung des Vater-Problems, eine Eheberaterin, die Bret Dr. Fajita nennt, ein Teddy wird zur Bestie (die auch Pferde zerfleischt), Dinnerparties bei den Nachbarn mit Joints, Elternsprechabend, eine verschwundene (noch nicht) Geliebte, nicht besonders helle Polizisten mit den Namen O'Nan und Boyle...
Ich glaube, Bret Easton Ellis hatte viel Spaß beim Schreiben von Lunar Park. Sein ironischer Blick ist überall, er macht sich über vieles lustig, was in Amerika heilig ist. Vor allem aber scheut er nicht, sich selbst auch knallhart auf die Schippe zu nehmen.
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am 19. September 2007
Seit langem wieder ein Buch das ich am Stück gelesen habe. Vorab, ich mag Ellis Stil und Schreibweise. Die Geschichte beginnt wie eine Autobiographie und langsam mischt sich die fiktive Handlung unter, was, da nicht immer klar ist was Fakt oder Fiktion ist, das ganze sehr interressant macht. Auch die mitgelieferten Ansichten über seine früheren Werke fand ich sehr informativ. Die "Auflösung" am Ende des Buches muss natürlich metaphorisch verstanden werden, ich sehe schon Rezensionen wie "Horrorschwachsinn" etc. Wer die früheren Ellis Bücher gelesen hat verstehts richtig und wird das Buch mit Genuss lesen. Allen die Unter Null oder American Psycho (das BUCH) nicht kennen empfehle ich Lunar Park später, zumindest nach AS.
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Dieses Buch wird Fans von Ellis in der Regel nicht gefallen. Lunar Park wird auch vielen Lesern nicht gefallen, die sich noch nicht mit Ellis beschäftigt haben. Trotzdem ist es ein toller Roman. Warum?

Ellis bisherige Bücher leben oft von einer Mischung aus Sex und Gewalt, die durch eine Kritik am aktuellen Zeitgeist ergänzt werden. In Glamorama, American Psycho, Unter Null und Unwiderstehtlich werden Menschen vorgeführt, die die oberflächlichen Zielstellungen unserer Gesellschaft exessiv ausleben bis zur Selbstzerstörung und dann ihre Umgebung mit sich reissen. Kennzeichen der Protagonisten ist ein extremer Selbstbezug, der die Wahrnehmung der Umgebung trübt und die Romane oft surrealisitsch wirken lässt. Gewalt ist die Folge und das Ende der Entwicklung. Ellis gelingen wunderbar intensive Lese-Erlebnisse mit diesem Konzept.

Doch was passiert jetzt in Luna Park? Statt schillerndem Promileben in der Großstadt mit Sex und Drogen wird die traurige Geschichte einer Ehekrise in der Vorstadt erzählt, dem Protagonisten (ein berühmter Autor namens Ellis) gelingt es nicht einmal, eine seiner Studentinnen in Bett zu bekommen und die Gewalt erschöpft sich mit einigen toten Haustieren, einigen Kratzern im Vorzeigeheim und einer kurzen Referenz an Steven King am Ende. Gut, die Drogen gibt es noch - aber eher in Form einer traurigen Abhängigkeit. Rausch ohne Kick. Vielen Fans wird also etwas fehlen.

Dafür löst das Verhältnis des Protagonisten zum Autor zunehmend Fragen aus. Nicht nur besteht eine Namensgleichheit, der eigentlichen Erzählung geht auch ein Kapitel voran, dass die Lebensgeschichte des Protagonisten erzählt, und diese ist auch in vielen Punkten identisch mit der des Autors. Im ersten Drittel habe ich mir einen Spass daraus gemacht, im Internet nach den realen Informationen zu suchen, bis ich auf eine Website gestoßen bin, wo sich der Verlag (wahrscheinlich auch der Autor) wohl selbst über diesen Versuch lustig macht. Kurze Zusammenfassung: Wesentliche Punkte sind natürlich nicht real, man kann Protagonist und Autor deutlich unterscheiden, weshalb hier auch gerade keine verkappte Biographie vorliegt.

Der Inhalt erschließt sich - glaube ich - erst dann, wenn man mehrere der vorhergehenden Werke des Autors gelesen hat und diese in den Kontext des neuen Romans setzt. Ellis ist auch ein Autor, der die Qualen, denen Menschen in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt sind, thematisiert. Gekauft werden seinen bisherigen Bücher aber wegen der Schockeffekte und dem Lesevergnügen. Lunar Park geht auf diesen Widerspruch ein, und mit diesem Buch schafft der Autor eine Distanz zu seinen bisherigen Werken, schwört vielleicht sogar seinem alten Ich ab. Insbesondere American Psycho wird mehrfach hier angesprochen, die Nachahmnung der dort enthaltenen Morde durch Leser ohne Verständnis für die Frage der Realität/Wahrnehmung wird thematisiert. Dem Leser ohne Kenntnis der alten Romane werden allerdings viele der Passagen, die sich mit der Rezeption seiner Werke befassen, emotional fremd bleiben. Wenn man aber die vorangegangenen Werke kennt, und bereit ist, sich mit ihnen auch inhaltlich zu beschäftigen, hat mein ein unglaublich spannendes Buch vor sich, in dem künstlerisches Schaffen, persönliche Entwicklung und das Verhältnis von Individuum und seiner Umgebung zu einer spannenden Geschichte verschmolzen sind.

In der Malerei sind viele Meisterwerke erst dadurch entstanden, dass der Maler seine Bilder wieder und wieder übermalt hat. Das alte Kunstwerk bietet die Leinwand, dass neue Kunstwerk gewinnt daraus erst die Komplexität und Balance, die die Faszination von Kunst ausmacht. Genauso geht Ellis hier vor. Er zitiert seine bisherigen Bücher und verfremdet diese. So sehe ich die Referenz auf Steven King (ein Kuscheltier greift an) als eine Parodie auf Szenen in Ellis eigenen Büchern.

Sehr schön und bewegend ist auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, dass in mindestens zwei Ebenen erscheint. Hier scheint mit Ellis zum ersten Mal so etwas wie eine Erlösung oder einen Ausweg aus der Welt seiner Bücher zu formulieren. Aber auch hier ist der Witz, dass dieser Ausweg vom Common Sense, also der Gesellschaft nicht verstanden wird. Aber ist dennoch da. Das erste Ende eines Buches von Ellis mit mehr als einem Funken Hoffnung.

Soweit mein Eindruck. Andere werden vielleicht ganz andere Dinge im Buch bemerken. Aber gerade das ist die Stärke von Literatur - es wird nicht eine, sondern viele Geschichten werden erzählt. Und das, was wir vorliegen haben, ist Literatur. Und keine schlechte.
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Dieses Buch wird Fans von Ellis in der Regel nicht gefallen. Lunar Park wird auch vielen Lesern nicht gefallen, die sich noch nicht mit Ellis beschäftigt haben. Trotzdem ist es ein toller Roman. Warum?
Ellis bisherige Bücher leben oft von einer Mischung aus Sex und Gewalt, die durch eine Kritik am aktuellen Zeitgeist ergänzt werden. In Glamorama, American Psycho, Unter Null und Unwiderstehtlich werden Menschen vorgeführt, die die oberflächlichen Zielstellungen unserer Gesellschaft exessiv ausleben bis zur Selbstzerstörung und dann ihre Umgebung mit sich reissen. Kennzeichen der Protagonisten ist ein extremer Selbstbezug, der die Wahrnehmung der Umgebung trübt und die Romane oft surrealisitsch wirken lässt. Gewalt ist die Folge und das Ende der Entwicklung. Ellis gelingen wunderbar intensive Lese-Erlebnisse mit diesem Konzept.
Doch was passiert jetzt in Luna Park? Statt schillerndem Promileben in der Großstadt mit Sex und Drogen wird die traurige Geschichte einer Ehekrise in der Vorstadt erzählt, dem Protagonisten (ein berühmter Autor namens Ellis) gelingt es nicht einmal, eine seiner Studentinnen in Bett zu bekommen und die Gewalt erschöpft sich mit einigen toten Haustieren, einigen Kratzern im Vorzeigeheim und einer kurzen Referenz an Steven King am Ende. Gut, die Drogen gibt es noch - aber eher in Form einer traurigen Abhängigkeit. Rausch ohne Kick. Vielen Fans wird also etwas fehlen.
Dafür löst das Verhältnis des Protagonisten zum Autor zunehmend Fragen aus. Nicht nur besteht eine Namensgleichheit, der eigentlichen Erzählung geht auch ein Kapitel voran, dass die Lebensgeschichte des Protagonisten erzählt, und diese ist auch in vielen Punkten identisch mit der des Autors. Im ersten Drittel habe ich mir einen Spass daraus gemacht, im Internet nach den realen Informationen zu suchen, bis ich auf eine Website gestoßen bin, wo sich der Verlag (wahrscheinlich auch der Autor) wohl selbst über diesen Versuch lustig macht. Kurze Zusammenfassung: Wesentliche Punkte sind natürlich nicht real, man kann Protagonist und Autor deutlich unterscheiden, weshalb hier auch gerade keine verkappte Biographie vorliegt.
Der Inhalt erschließt sich - glaube ich - erst dann, wenn man mehrere der vorhergehenden Werke des Autors gelesen hat und diese in den Kontext des neuen Romans setzt. Ellis ist auch ein Autor, der die Qualen, denen Menschen in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt sind, thematisiert. Gekauft werden seinen bisherigen Bücher aber wegen der Schockeffekte und dem Lesevergnügen. Lunar Park geht auf diesen Widerspruch ein, und mit diesem Buch schafft der Autor eine Distanz zu seinen bisherigen Werken, schwört vielleicht sogar seinem alten Ich ab. Insbesondere American Psycho wird mehrfach hier angesprochen, die Nachahmnung der dort enthaltenen Morde durch Leser ohne Verständnis für die Frage der Realität/Wahrnehmung wird thematisiert. Dem Leser ohne Kenntnis der alten Romane werden allerdings viele der Passagen, die sich mit der Rezeption seiner Werke befassen, emotional fremd bleiben. Wenn man aber die vorangegangenen Werke kennt, und bereit ist, sich mit ihnen auch inhaltlich zu beschäftigen, hat mein ein unglaublich spannendes Buch vor sich, in dem künstlerisches Schaffen, persönliche Entwicklung und das Verhältnis von Individuum und seiner Umgebung zu einer spannenden Geschichte verschmolzen sind.
In der Malerei sind viele Meisterwerke erst dadurch entstanden, dass der Maler seine Bilder wieder und wieder übermalt hat. Das alte Kunstwerk bietet die Leinwand, dass neue Kunstwerk gewinnt daraus erst die Komplexität und Balance, die die Faszination von Kunst ausmacht. Genauso geht Ellis hier vor. Er zitiert seine bisherigen Bücher und verfremdet diese. So sehe ich die Referenz auf Steven King (ein Kuscheltier greift an) als eine Parodie auf Szenen in Ellis eigenen Büchern.
Sehr schön und bewegend ist auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, dass in mindestens zwei Ebenen erscheint. Hier scheint mit Ellis zum ersten Mal so etwas wie eine Erlösung oder einen Ausweg aus der Welt seiner Bücher zu formulieren. Aber auch hier ist der Witz, dass dieser Ausweg vom Common Sense, also der Gesellschaft nicht verstanden wird. Aber ist dennoch da. Das erste Ende eines Buches von Ellis mit mehr als einem Funken Hoffnung.
Soweit mein Eindruck. Viel Spass beim Lesen. Ich hoffe, Ihr entdeckt beim Lesen noch viel mehr - der Roman hat das Potential dazu. Deshalb fünf Sterne.
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am 8. März 2006
Ohne Ellis wäre die Literaturlandschaft recht öd und ich freu mich immer, wenn er was Neues rausbringt. Bei Lunar Park hab ich gemischte Gefühle - einerseits ist das Teil immer noch besser als der ganze Mainstream, andererseits fand ich andere Romane von Ellis wesentlich besser. Ich weiß nicht, ist das nun Horror, Fun, beides zusammen? Egal, das Lesen lohnt sich in jedem Fall, und dass die Zeitungen das Buch entweder zerreissen oder in' Himmel loben, spricht auch für das Werk. Ellis bleibt für mich neben Palahniuk und vor allem André Pilz einer der härtesten seiner Zunft.
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am 3. Januar 2013
Als Ellis kurz nach dem Erscheinen von "Glamorama" gefragt wurde, was er denn als nächstes anpacken möchte, war die Antwort in etwa: Entweder irgendwas Autobiographisches oder Horror a la Stephen King, da man sich dabei so schön gruseln könnte.
Bei mir war der Schrecken dann auch recht groß, als ich feststellen musste, welch missglückte Mischung schließlich zwischen die Buchdeckel gepresst wurde. Es funktioniert einfach nicht. Der autobiographische Teil liest sich noch recht spannend (wohl das Gelungenste am ganzen Buch), aber ab da an wird es nur noch mystisch und v.a. unglaubwürdig. Dass der abgehalfterte Autor noch immer in seinem Narzissmus und einem Netz aus Lügen, Drogen und Sex gefangen ist, ok, das hätte man bei Ellis auch nicht anders erwartet. Dass er sich einen Mörder, der Pat Bateman ähnlich sieht, zusammen phantasiert - warum nicht? Verlässliche Erzähler waren die Protagonisten seiner Geschichten noch nie. Aber ab dem Moment wo die Geistergeschichte ansetzt, die irgendwie mit dem Vater zu tun haben soll und auch nie aufgeklärt wird, ist es einfach nur noch nervtötend und flach. So zieht es sich bis zum Ende: Ellis sieht Gespenster und wird von seiner Familie (inkl. seiner Kinder!) nur noch mit tiefster Verachtung gestraft. Da hat man am Ende doch tatsächlich mal Mitleid mit der Hauptfigur, was für einen Ellis-Roman ein echtes Novum darstellt. Dass schließlich noch irgendwelche Geisterjäger gerufen werden um mit dem Spuk aufzuräumen (klingt albern - liest sich auch so), fällt dann gar nicht mehr ins Gewicht.
Traurig, dass sich Ellis diesmal wohl nicht entscheiden konnte, was für eine Geschichte er eigentlich erzählen wollte. Ein Händchen für Horror hat er jedenfalls nicht. Hoffen wir, dass er sich dadurch zumindest von ein paar seiner persönlichen Dämonen befreien konnte.
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am 17. Oktober 2009
Um mit dem Positiven anzufangen: "Lunar Park" ist anders, als alles, was Bret Easton Ellis je geschrieben hat; und wenn man dem Autor glauben darf, dann wird es möglicherweise das letzte Buch in seiner Karriere bleiben. Die Frage nach dem Kern der Handlung ist nur schwer zu beantworten, denn schon rein literarisch lässt sich das Buch schwer einordnen - Roman? Autobiographie? Horrorgeschichte? Geständnis? Farce? Gesellschaftskritik? Alles lässt sich in diesen Seiten verorten, aber dennoch greifen alle Erklärungen irgendwie ins Leere.

Der Interpretationsansatz, der mir am meisten einleuchtet ist der eines grundlegenden persönlichen Exorzismus: Hier wollte sich ein Autor von allen Dämonen seiner Karriere und seines Privatlebens befreien; und wie diese Dämonen aussehen, darüber berichtet der Autor mit erfrischender Offenheit in einem Vorwort, das gleich das erste Kapitel darstellt: Der plötzliche literarische Durchbruch als Student, der Stoß in den Ruhm, Drogen-, Alkohol-, und Sexexzesse und über all dem ein unterschwelliger Konflikt mit dem Vater, der bis zu seinem Tode ungeklärt blieb.
Erst nach diesem Quasi-Geständnis, das wichtige Informationen für das kommende liefert, geht die Handlung los: Im Mittelpunkt steht der ca. 40jährige Bret Easton Ellis, ein erfolgreicher Schriftsteller, der mit seiner Familie in einem geräumigen Anwesen in einem wohlhabenden amerikanischen Vorort wohnt. Bereits hier zeigt sich ein weiteres Mal, dass Ellis das Pulver seiner radikalen Kritik der westlichen Konsumgesellschaft mit "American Psycho" noch lange nicht verschossen hat, denn auch der Vorort Midland entpuppt sich unter der Lupe des Autoren als ein emotions- und wärmeentleertes Terrarium. Die neureiche Generation der 80er Jahre ist nun sesshaft geworden, und hat das Familienleben für sich entdeckt, die alten Gewohnheiten aber nicht abgelegt: Auch im Eheleben nimmt man gerne eine Nase Kokain, verheiratete Paare leben nebeneinander her und geben sich ihren Affären hin, die Häuser sind überfüllt mit überteuertem Tand, und die Kinder der Familie Ellis sind mit 11 Jahren schon voll in diese Welt integriert: Sie nehmen Tabletten gegen Panikattacken, machen Diäten und konsultieren wöchentlich Psychiater und Fitnesstrainer.

Nun bemerkt der Ich-Erzähler Ellis bereits im ersten "richtigen" Kapitel, welches eine üppige Halloween-Party in seinem Anwesen schildert, das sich im Haus merkwürdige Dinge tun: Ein Spielzeug-Plüschvogel seiner kleinen Tochter scheint ein Eigenleben zu entwickeln, das Mobiliar des Hauses verschiebt sich offenbar über Nacht von selbst, und er fast täglich gespenstische E-Mails ohne Inhalt von einer ominösen Bank. Schliesslich meldet sich die Polizei bei Ellis: In der Nachbarschaft seien einige bestialische Morde geschehen, und offenbar alle ahmten in ihrer Ausführung und Opferwahl ein umstrittenes Buch nach, das der Autor einmal geschrieben hat. Der Titel: "American Psycho."

Schon diese minimale Zusammenfassung der Handlung macht deutlich, mit was für einer Vielschichtigkeit man es mit "Lunar Park" zu tun hat. Man begleitet den Autor/Erzähler bei einem brillant geschilderten Abstieg in den Wahnsinn, denn obwohl der Ich-Erzähler Ellis all dem zu Anfang keinen Glauben schenken will, verändert sich doch langsam seine Umwelt in einem Maße, das er selbst nicht mehr ignorieren kann. Auch als Leser weiß man bis zum Schluss nicht, wie viel von dem unheimlichen Geschehen der Wahrheit entspricht, da sich Ellis als Romanfigur dank seines zügellosen Alkohol- und Drogenkonsums als ein (gewollt) unverlässlicher Erzähler erweist.
Erst durch zahlreiche Anspielungen und Verweise nicht nur auf Ellis eigenes Werk, sondern auch auf Hamlet sowie Poes "Untergang des Hauses Usher", wird das Anliegen des Autors klar: Ellis der Privatmensch will mit diesem Buch scheinbar alles loszuwerden, was ihm seit jüngsten Tagen wie eine Bleikugel am Fuß hängt: Drogensucht, ein ungelöster Konflikt mit seinem Vater (den er im Roman ungewollt an seinen Sohn Robbie weitergibt), sowie der Roman "American Psycho", dessen Kontroverse bis heute Ellis' gesamte Karriere überschattet.

Erst kurz vor Schluss nimmt das Buch eine Wendung, die das Anliegen des Autors gewissermaßen abschwächt, und gerade seiner Stammleserschaft nicht unbedingt gefallen dürfte. Es ist nicht zuviel verraten, wenn gesagt wird, dass eine Erklärung auch zum Schluss nicht stattfindet, der Autor also keine Antwort auf die quasi-übernatürlichen Elemente in seinem Roman geben kann, oder will. In den letzten 50 Seiten tritt ein Dämonologe und Geisterjäger auf, der das Ellis-Anwesen von allen dunklen Kräften reinigen soll; und diese Wendung zur reinen Horrorgeschichte, war doch zumindest für mich eine Enttäuschung.

Dies soll aber niemanden abschrecken, dieses spannende, persönliche und souverän erzählte Buch in die Hand zu nehmen: Nach "American Psycho" ist dies eine Leserfahrung, die man niemals vergistt. Auch in diesem Buch muss man erst alle Gruseleffekte beiseiteschieben, um die eigentliche Botschaft zu erkennen: Denn Bret Easton Ellis' Bücher bleiben der stärkste Beweis, dass unsere Gesellschaft einen grundlegenden Wertewandel nötig hat.
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Seine Romane sind nicht nur einfach Bücher, sie sind inzwischen Legenden die einen der bedeutendsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur, ebenfalls zum Mythos gemacht haben. Wie schwer dass manchmal zu ertragen ist, darum geht es unter anderem in seinem neuen Buch „Lunar Park".
Die meisten Autoren mögen es nicht, wenn man ihr Buch mit ihrem Leben gleich setzt. Bret Easton Ellis treibt die Form der Ich-Erzählung ins Maximum, indem er dem Protagonisten gleich seinen eigenen Namen, den gleichen Geburtstag, den gleichen Vater und den gleichen Beruf, nämlich Schriftsteller, gibt. So braucht er nicht so lange zu recherchieren, denn er kennt den Helden sehr gut.
So enthält das Buch die eigene Biographie, ist zum Teil ein Mystery Thriller der im eigenen Haus spielt, in dem es spukt. Es ist eine raffinierte Autobiographie die von einer unglücklichen Kindheit berichtet, mit einem Übervater, der sehr gewalttätig und verbittert war und dessen Geist ihn lange Jahre verfolgte. Dann die ersten Erfolge als
zwanzigjähriger Autor. Weiter beschreibt er die achtziger Jahre als eine einzigartige, große Party, Anzüge von Armani, Kokain, Exzesse, Kokain.
Doch je weiter man der Geschichte des Skandalautors bei der Lektüre von Lunar Park folgt, desto mehr verlieren sich die autobiographischen Bezüge. Man weiß eigentlich nicht mehr, wo endet die Wirklichkeit und wo beginnt die Phantasie. Der Protagonist heiratet nämlich einen Hollywood Star, zieht in einen Vorort von New York, während der Autor in Los Angeles aufgewachsen ist. Er bleibt aber weiterhin dem Drogenkonsum verfallen, wirft Mengen weise Pillen in sich hinein und betrinkt sich hemmungslos mit Alkohol.
Im dritten Teil wird „Lunar Park" zur Horrorgeschichte. Tribut an Stephen King, einem Autor den der Protagonist als Kind sehr geschätzt hat. Doch dann sagt der Schriftsteller im Buch, er schreibe Horrorgeschichten nur, um seine eigenen Ängste und seine Furcht zu überwinden, an denen er sein Leben lang gelitten hat. Da stellt man sich wieder die Frage, ob sich Grauen nur in der Phantasie des Autors abspielt oder ob es autobiographische Züge hat. Da man das eigentlich nicht richtig weiß, setzt die Beantwortung dieser Frage viel Imagination frei und steigert den Reiz dieses phantastischen Romans.
Der Autor hat das 2004 erschienene Buch seinem 1992 verstorbenen Vater Gewidmet. Geschrieben hat er es eigentlich auch als Therapie. Der Geist seines Vaters hat ihn beim weiteren Schreiben von „Lunar Park" immer weiter verfolgt. So sah er das Buch schließlich als eine Art Exorzismus" an, den er kam zu der Erkenntnis, dass er seinem Vater verzeihen musste, was er dann auch tat. Seine Obsessionen haben seinem Schreiben offenbar gut getan, denn das Buch ist hoch spannend, eine emotional dramatisch teilweise groteske, extravagante, phantasmagorische Selbstspiegelung. Ein großartiges Buch mit unterschiedlichsten Reflexionsebenen, wieder ein großer Wurf.
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am 15. Juni 2006
Anfangs berichtet der Autor und gleichzeitige Hauptdarsteller Bret Ellis autobiographisch über seinen Weg zum begehrten Schriftsteller. Doch der schlagartige Erfolg steigt ihm zu Kopf und mit Alkohol,Drogen und Medikamenten dämpft er jede unangenehme Gefühlsregung. Trotz seines physischen und psychischen Abstiegs fängt ihn Freundin Jayne auf und er findet sich in einer heilen Familienidylle. Doch der Schein trügt. Es brodelt nicht nur beängstigend unter der Oberfläche der Beziehungen der Familienmitglieder untereinander, sondern es häufen sich auch eigenartige Geschehnisse und verwandeln sich in einen Strudel zu einem Höllentrip.

Dieser Roman gleitet langsam und kontinuierlich in einen Horrorthriller über. Der Leser rätselt ständig, ob die Vorfälle durch Drogen verursachte Einbildungen sind oder ob sie sich ausserhalb des Kopfes von Bret abspielen. Dadurch ist das Buch bis zur letzten Seite spannend un man kann "Lunar Park" nur schwer vor dem Ende aus der Hand lagen. Eine empfehlenswerte packende Lektüre!
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