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am 8. Februar 2015
Durchaus ein ungewöhnliches Thema an das sich die Autorin mit diesem Buch gewagt hat. Grundsätzlich gefällt mir der Ansatz und in welche Richtungen sie recherchiert hat. Aber ich finde ihre Beobachtungen haben oft einen etwas oberflächlichen und vorurteilsbehafteten Unterton. Irgendwie wirkt es, als würde teilweise etwas Neid mitschwingen. Trotzdem eine Lektüre, die ich nicht bereut habe.
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am 2. Dezember 2015
Was ist Elite?, was zeichnet sie aus?, wer gehört dazu?, wie wird man Elite?. Um diese Fragen zu klären reist die Autorin kreuz und quer durch Deutschland, besucht Eliteschulen, Internate, spricht mit Schülern, Studenten, Hochschul- und Internatsleitern, einem Lebenslauf-Forscher, nimmt an einem AC einer Unternehmensberatung teil und macht einen Abstecher nach Harvard.

Der Inhalt des Buches ist aus 3 Bausteinen zusammengesetzt:
1) zusammengefasste Wiedergabe der Interviews, ca. 45 % des Inhalts
2) Beschreibung von Begebenheiten auf ihrer Reise, ca. 10 %
3) Verarbeitung eigener Eindrücke, Literaturrecherche, ca. 45 %
diese Gliederung zieht sich mit geringen Gewichtungsunterschieden durch alle Kapitel.

Eliten sehen sich als Menschen, die besonders viel leisten und Verantwortung für andere übernehmen, dies ist die Essenz aus zahlreichen Gesprächen. Allerdings wachsen diese Menschen in einer anderen Lebenswelt auf als diejenigen, für die sie Verantwortung übernehmen wollen (Eliteschulen vs. Staatliche Schulen), für deren Lage sie zudem auch kein Verständnis aufbringen (auch Krankenschwestern haben lange Arbeitstage, fast wie Investmentbanker, gehören aber gerade einkommensmässig nicht zur Elite. Die Elite meint, Krankenschwestern müssten etwas mehr leisten, dann würden sie auch mehr verdienen). Sie sind also nicht in der Lage diese Verantwortung zu übernehmen. Das macht nichts, erklärt der Lebenslauf-Forscher, denn genau dazu gibt es ja die Elite-Bildungseinrichtungen. Es handelt sich schlicht um Netzwerke um den Nachwuchs in die entsprechende Position zu bringen. Es geht also nicht um geistige Elite sondern um Machtelite.

Ob es neben den „Wirtschaftseliten“ noch andere Eliten gibt erfährt man aus dem Buch leider nicht. Schade, dass die Autorin nicht mit Studenten von staatlichen Eliteunis spricht oder in die Uni-Labors geht wo Forschung (z.B. Heilverfahren gegen Krebs) betrieben wird anstatt nur primitivste Mainstream-BWL-Vorlesungen zu hören wie an der EBS. Hätte man den zu interviewenden Personenkreis erweitert wäre die Elitendefinition sicher anders ausgefallen. Einige Rezensenten vermuten, das Buch ist aus einem Anfall von Sozialneid geschrieben worden. Das denke ich nicht, die Autorin beschreibt Abstiegsängste die sich in der Mittelschicht breit machen, daher versuchen viele schon ihre Kindergartenkinder besonders zu fördern und sie in speziellen Einrichtungen unterzubringen. Das Vertrauen, dass das staatliche Bildungssystem für Chancengleichheit sorgt ist in der Realität schon ziemlich erschüttert. Der Vergleich mit einem Hartz-IV Kind, dass niemals eine Eliten-Bildungsbiografie und damit nie einen vernünftigen Job bekommen wird ist drastisch (man könnte mit Blick auf das Sozialneid-Argument auch sagen tendenziös) aber nicht vollkommen Realitätsfern da ein Monat an einer Eliteneinrichtung das staatliche Kindergeld deutlich übersteigt. Bildung und damit die Berufschancen sind abhängig vom Vermögen der Eltern, Eliteeinrichtungen fördern diese Ungleichheit.
Interessant ist die Verschiebung im Begriffsinhalt „Elite“, früher opponierte das Bürgertum (= Elite) gegen den herrschenden Adel, wollte verkrustete Strukturen aufbrechen, heute heisst Elite bestmögliche Anpassung und Einfügung ins Netzwerk einzig mit dem Ziel die individuelle Macht zu sichern, nicht um des Allgemeinwillens.
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am 1. Januar 2010
Dass Deutschland ein verkorkstes Verhaeltnis zum Elitebegriff hat ist ja weitgehend unstrittig. Ganze Universitaeten per Dekret aus Berlin zur Elite zu kueren wuerde anderen Nationen kaum einfallen, genauso wenig wie 18jaehrige auf Basis von Wochenendkursen (in der Eliteakademie) zur Elite der Zukunft zur erklaeren. Der gedankliche Ausgangspunkt dieses Buches, dass wir uns naemlich fragen muessen was Elite eigentlich bedeutet, und wen wir gerne zur Elite machen wollen, macht also schon Sinn.

Leider macht Frau Friedrichs es sich aber viel zu leicht. Sie sucht sich fuer ihre Recherche gezielt die einfachen Ziele des Sozialneids aus: Duemmliche Kinder des Geldadels die in Nachhilfeinternaten fuer viel Geld zum Abitur getrieben werden muessen. Die Babys Prominenter, die sich in einem Potsdamer Nobelkindergarten "am Buffet bedienen" koennen. Kinder reicher Eltern die ihre private Wirtschaftsschule ohne viel Nachdenken zur Elite-Universitaet erheben. Die Mitglieder eines geldgeilen Internetforums, die sich vorhersagbar inakzeptabel ueber Geringverdiener aeussern.
Die durch die Eliteuniversitaets-Gelder gefoerderten Juniorprofessoren, die Studienwerke der Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, oder gar JuSos, JuLis, RCDS und Gruene Jugend zu besuchen kam Julia Friedrichs nicht in den Sinn. Ob die vielleicht nicht so recht in ihr simples Bild von oben und unten gepasst haetten?

Man mag es dem Alter der Autorin zugestehen, dass sich das Buch ausschliesslich mit jungen Menschen in der Ausbildung befasst. Schliesslich ist sie auch nicht allein mit diesem seltsamen Verstaendnis, dass Elite irgendwie immer aus Leuten besteht die im Leben noch nichts geleistet haben. Politiker wie Journalisten lassen sich regelmaessig dazu hinreissen, Schulabgaenger unverdienterweise als "die Elite von morgen" zu titulieren. Auch dass sie aus ihrer sozialdemokratischen Gesinnung keinen Hehl macht, und immer wieder geschockt feststellt, dass reiche Menschen vorrangig konservativ waehlen, mag man einer 28jaehrigen WG-Bewohnerin aus Kreuzberg verstaendnisvoll anrechnen.
Das groessere Problem dieses Buches sind die Widersprueche in Friedrichs' Argumentation. Einerseits bemerkt sie regelmaessig beinahe unglaeubig die 16-Stunden-Tage der "Elitestudenten", zeichnet aber gleichzeitig das Bild von den ueberprivilegierten reichen Pinkeln, denen alles in den Schoss gelegt wird. Sie bemaengelt ein ums andere mal das politische Desinteresse der BWL-Studenten, die ihr auf ihren Recherchen begegnen, kommt aber nicht auf die Idee, mal bei der Ebert-, Adenauer-, Naumann- oder Boell-Stiftung anzufragen, wo man politisch interessierte Jungelite vielleicht eher vermuten wuerde. Stattdessen trifft sie sich mit einem Organisator von attac, um zu bemaengeln dass dieser politisch engagierte junge Mensch fuer die Organisation von Sitzblockaden in Heiligendamm keinerlei staatliche Foerderung erhaelt.

Und dann, immer wieder: McKinsey. Vermutlich weil sich mit Hass auf diese Firma gut Buecher verkaufen lassen, taucht der Name fast so oft auf wie das Wort "Elite"; dabei beschraenken sich Friedrichs' Eindruecke bei McKinsey auf ein weinseliges Gespraech mit einem Berater waehrend einer Recruiting-Veranstaltung, und auf ein Jobinterview (mit ihrem Erfolg in letzterem immer mal wieder zu kokettieren kann sich die Autorin nicht verkneifen). McKinsey muss staendig als Platzhalter fuer die boese vernetzwerkte Oberschicht herhalten, in die man nur mit Vitamin B reinkommt. Dass Recruiting-Einladung und Jobangebot McKinseys an die ach so unelitaere Frau Friedrichs mit dieser These nicht so recht vereinbaren lassen entgeht der Autorin leider.

Wer nach dem wohligen "Die da oben"-Schauer auf dem Ruecken sucht, kann sich mit Julia Friedrichs' "Gestatten: Elite" zwei nette Abende machen. Wer sich ernsthaft mit der Frage auseinander setzen moechte, wem und wie wir in dieser Gesellschaft Verantwortung vergeben, wie viel Einfluss das Geld der Eltern auf zukuenftige Karrieren hat, vor allem aber wie man dieses System fairer gestalten koennte, der sollte sich nach etwas mehr durchdachten Texten umsehen.
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am 20. Oktober 2011
Interessant, wie viele Lobbyisten z.B. auf Zeit-Online versuchen, die Schilderungen der Autorin zu diskreditieren. Dabei beschreibt sie lediglich ihre realen Beobachtungen, und auch hier scheint dies manchen Personen gewaltig gegen die eigenen Interessen zu stoßen...

Deshalb: Absolut lesenswert und zum Nachdenken anregend!
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am 13. März 2009
Gestatten: Elite - Auf den Spuren der Mächtigen von morgen heißt das Buch von Julia Friedrichs, die mir vorher nur durch ihr erfolgreiches Einschleichen bei McKinsey bekannt war. Ein Titel, der mich sicher nicht zum Kaufen angeregt hätte, doch meine Schwester kaufte es sich für unseren Sommerurlaub, und da meine eigene Schule oft als Eliteschule bezeichnet wird, interessierte mich das Thema naturgemäß sehr. Und anscheinend ist der Titel von der Autorin, die eigentlich Journalistin ist, geschickt gewählt denn das Buch, das ich in den Händen halte ist bereits die 6. Auflage obwohl es erst dieses Jahr erschienen ist.

Ist dieser Erfolg berechtigt? Auf jeden Fall ist das Buch angenehm zu lesen. Journalistisch-interessant geschrieben, kann man sich nicht beklagen. Die 250 Seiten hat man schnell durch und das Buch liest sich eigentlich wie eine erweiterte Reportage, was es wohl auch ist.
Es ist eine Reportage über Julia Friedrichs` Suche nach der Elite. Der Leser verfolgt gespannt wie sie private Universitäten wie die EBS in Oestrich-Winkel besucht, Internate wie Schloss Salem am Bodensee, Stiftungen wie das Maximilianeum in Bayern und schließlich sogar die Reise nach Amerika, zur University of Harvard wagt. Dabei hat Frau Friedrichs ihre Karten schon relativ am Anfang offen auf den Tisch gelegt: sie ist als Teil des linken Mittelstandes aufgewachsen, schon als kleines Mädchen hat sie auf den Schultern ihres Vaters gegen Atomkraftwerke demonstriert. Da verwundert es nicht, dass sie Jörg Müller, dem Stiftungsvorstand von Schloss Neubeuern (einem der teuersten Internate Deutschlands) Fragen stellt wie: Berührt das ihr Gerechtigkeitsempfinden, dass Ihre Schüler Chancen haben, die andere nicht haben?" Eindeutig berührt es das Gerechtigkeitsempfinden von Frau Friedrichs, die in diesem Fall aber auch zu den anderen" zählt.

Und dennoch, obgleich sie ihre Meinung - eine starke Ablehnung der meisten Anstalten die sie besucht - nicht für sich behält ist das Buch auch für jemanden wie mich, der im konservativen Mittelstand aufgewachsen ist und ihre Meinung deswegen nur selten teilt, lesenswert gewesen. Weite Strecken des Buches sind nämlich einfach nur informativ. Man hat nie das Gefühl, dass Julia Friedrichs uns gemein und hinterhältig beeinflussen will. Oft beschreibt sie einfach nur, gibt Gespräche wieder und kontrastiert diese dann mit ihrer eigenen Meinung oft eingeleitet durch Floskeln wie Ich denke" oder Ich erinnere mich". Der Leser kann dann für sich selbst entscheiden ob er diese Meinung teilt, oder ob das behandelte Gespräch bei ihm andere Assoziationen hervorruft.

Dann gibt es aber auch die Strecken wo ich tatsächlich mit der Autorin über einstimme. Wenn sie zum Beispiel über ihre Ablehnung gegenüber Internate wie Salem und Neubeuern berichtet, deren Absolventen durch das Alumni Netzwerk ihrer Schule hohe Positionen in der Wirtschaft erhalten, obgleich sie sich von den Schulleistungen her eigentlich nicht für diese qualifizieren. Und die, schlimmer noch: so abgeschieden von der Welt aufwachsen, dass sie einen Arzt mit einem Harz IV Empfänger vergleichen. Auch ihr Ausflug in die Villa Ritz, eine Kindertagesstätte in der Kleinkinder deren Eltern das nötige Kleingeld haben, Chinesisch- und Ballettunterricht erhalten um danach im hauseigenen Wellnessbereich zu entspannen wirkt auf mich so abschreckend, dass ich mich bei Julia Friedrichs` Gedanken erwische. Jedoch erwähnt Frau Friedrichs leider nicht, dass die Internate, die sie besucht hat sich in erster Linie selber als Elite bezeichnen und dass ihr Ruf in Deutschlands Bildungskreisen eher zweifelhaft ist. Es fehlen auch Statistiken darüber welche Berufe ihre Absolventen denn nun wirklich ergreifen. Der Leser bekommt von Frau Friedrichs nur ihre Aussage, dass es diesen Schulklüngel gibt - keine Fallstudien. Auch muss ich ehrlich sagen, dass ich bezweifele ob sich KiTas wie die Villa Ritz durchsetzen werden. Mir scheinen sie eher als ein weiteres Mittel überforderten und verängstigten Eltern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein Zeichen, dass in Deutschland eben freier Markt herrscht.

Etwas was ich Frau Friedrichs jedoch wirklich vorwerfe, ist ihre Selektivität mit der sie nämlich ihre Leser doch klammheimlich negativ beeinflusst. Sie stellt fast ausnahmslos Institute da, die in ihr Schema passen. Die Bucerius Law School in Hamburg, die Jacobs University in Bremen werden jeweils in einem kurzen Nebenabsatz abgefertigt, obgleich beide als die Elite der Elite Universitäten gelten, oft auch von anderen und nicht (nur) von sich selbst als Elite bezeichnet werden und sich vor allem (was Frau Friedrichs davon abgehalten haben wird, sie näher zu beleuchten) nicht durch die Finanzen ihrer Studierenden finanzieren und damit wirklich need-blind" sind. Auch fehlen die Internate, die ihre Schüler nach Leistung auswählen und vom Staat getragen werden, wie die Landesschule Pforta in Thüringen oder Hessens Eliteinternat Schloss Hansenberg. Dadurch, dass sie solche Institute ausspart zeichnet Julia Friedrichs ein viel dunkleres Bild als in Deutschland eigentlich vorherrscht. Es fehlt die Feststellung, dass viele Institute die sich selber als Elite bezeichnen damit vor Allem das Geld der Eltern anlocken, die sie sich leisten können und nicht ihren Absolventen den Erfolg kaufen.

Bleibt die Aussage des Buches. Eigentlich gibt es eine solche nicht, eher ist es eine Feststellung. Nämlich dass der Elitebegriff in Deutschland nach und nach unbewusst enttabuisiert wurde. Und wie das so mit unbewussten Sachen ist, gleiten sie oft außer Kontrolle. Was Julia Friedrichs nämlich nach einem Jahr Recherche feststellen musste ist, dass Elite kein festgelegter Maßstab, keine Definition ist, sondern eher ein ungeprüftes Gütesigel. Ähnlich wie das Prädikat erlesen" in der Nahrungsmittelwerbung: keiner weiß was das eigentlich heißt, daher ist es schwer zu überprüfen, aber es klingt gut und verkauft sich deshalb auch gut. Und - Überraschung ! -genau von diesem Wort, nämlich vom Französischem elire" leitet sich der Begriff Elite auch tatsächlich ab. Julia Friedrichs geht aber noch einen Schritt weiter. Sie sieht dies als Gefahr, die es sicherlich gibt, welche sie aber (aus für mich völlig legitimen, marktwirtschaftlichen, nämlich dramatischen Gründen) sehr überspitzt. Dennoch ist das Buch informativ, teilweise unterhaltsam und auf jeden Fall ein Denkanstoß in eine für mich ungewohnte Richtung, daher mein Prädikat: nicht zu ernst zu nehmen, aber lesenswert.
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am 3. März 2008
Der Elite auf der Spur begab sich Julia Friedrichs an so illustre Orte wie Schloß Salem, dem Münchner Maximilianeum, Harvard oder zum Hauptquartier der Anti-G8-Demonstration in Rostock. Gegen Ende des Buchs stellt sie resigniert fest, der Elite-Begriff sei "schwammig".

Diesem Buch hätte es sehr gut getan, wenn die Autorin sich vielleicht schon am Anfang ihrer Recherche die Frage gestellt hätte, über was ihr Buch eigentlich handeln soll, was sie unter "Elite" überhaupt versteht. So werden hier recht unterschiedliche Institutionen wie Internate für Kinder reicher Eltern mit schulischen Problemen (Salem, Neubeuren), BWL-Hochdruckkaderschmieden (WHU, EBS) und Einrichtungen der klassischen Begabtenförderung (Maximilianeum, Bayerische Elite-Akademie) munter in einen Topf geworfen. Und um die "Die da oben, wir da unten"-Haltung zu bekräftigen, werden die Lehrerkinder des Maximilianeums auch gleich noch zur oberen Mittelschicht erklärt.

Hier und da gelangen der Autorin durchaus erhellende Einblicke - zum Beispiel wenn sie die anglizistischen Schwurbeleien hochbezahlter Managementtrainer beschreibt. Doch warum das Hartz 4-Kind Melina dann letztlich nicht nach Salem und Harvard geht, da bleibt Frau Friedrichs in der Analyse dann bei "die da oben schotten sich ab" stecken. Dass der Fernseher den ganzen Tag läuft und das Kind schon eine solide Raucherlunge hat, erwähnt sie zwar pflichtschuldig, impliziert aber dann sogleich, dass das soziale Elend darin besteht, dass das Mädchen nicht in einen Elite-Kindergarten für 1000 Euro / Monat darf. Schuld sind schließlich nicht wir selber, schuld sind die anderen "da oben".

Und wenn im VIP-Bereich auf der Luxusparty auch nur ein paar pubertierende Jugendliche lungern und es so gar nicht nach der rauschenden Ballnacht aus der "Deinhard"-Werbung aussieht, dann kommen Frau Friedrichs die Tränen.

Mir hingegen kamen die Tränen bei der Qualität des Lektorats. Da wird bei einer abendlichen Gala "black tight" verlangt (statt "black tie" - also Smoking). Und der Saturn in München liegt in der "Kaufbeurer Straße" (gemeint ist offensichtlich die Kaufingerstraße, auch wenn der Elektromarkt in der Verlängerung der Fußgängerzone, der Neuhauser Straße, liegt).

Um das Buch nicht zu sehr zu verreißen: die einzelnen Beschreibungen der Besuche in Salem und Neubeuren, bei McKinsey und in Rostock sind durchaus lesbar. Nur der Gesamtzusammenhang des Buches ist unbefriedigend, die Autorin weiß nicht, wohin sie will geschweige denn, wie sie da hinkommt. Deswegen von mir drei Sterne mit Tendenz zu zwei.
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am 18. Januar 2010
Ich habe etwa 1 Jahr, bevor ich mir das Buch zugelegt habe, einen sehr spannenden Artikel in der Welt am Sonntag gelesen. Eine komplette Doppelseite, eng bedruckt. Ich fand den Srtikel inhaltlich faszinierend, kompakt und spannend geschrieben, witzig erzählt. Dieser Artikel war von Julia Friedrichs.

Als ich durch das Buch durch war, musste ich leider feststellen, das das Buch nicht mehr Substanz hat als der Zeitungsartikel. Was im Artikel noch spannend war, ist im Buch leider zäh und manchmal nervtötend oft wiederholend. Was im Artikel kompakt und unterhaltsam rüberkommt, verliert sich im Buch zwischen zu vielen Seiten.

Man könnte den Eindruck bekommen, das Thema war als Artikel geschrieben und wurde dann aufgrund des Erfolgs als Buch lanciert.

Die Idee ist interessant, viele Aspekte stimmen zum Nachdenken an, insgesamt würde ich das Buch aber nicht empfehlen, da es zu lang ist und die Moral von der Geschicht zu platt gestrickt ist.
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am 10. September 2012
Meine Tochter, Absolventin einer öffentlichen Uni, hat das Buch gekauft, weil dieses 5 Jahre nach der Erstausgabe immer noch zu der Pflichtlektüre der Arbeitssuchenden Akademikern zu gehören scheint – leider als neues Exemplar zum vollen Preis. Inzwischen gibt es gebraucht für 0,35 €.
Das Buch ist unterhaltsam, bringt interessante Schlüssellochinformationen, sehr professionell geschrieben und lektoriert, und war somit eine gute Urlaubslektüre für mich.
Am interessantesten fand ich die Danksagung am Ende. Die Autorin wird von einer bekannten Agentur betreut und nach kurzer Recherche im Internet entsteht ein Bild von einem mächtigen Netzwerk, zu dem man nur auf Empfehlung Zutritt hat, also wieder eine Art von Elite. Die Agentur hat etwa 90 Autoren unter Vertrag und sucht sich neue nach dem Prinzip aus: Was lässt sich nach zwei Jahren gut verkaufen? Ideologisch sind die mir bekannten eher links, aber nicht zu sehr, gesellschaftskritisch, jedoch nicht extrem. Ich wäre nicht überrascht, wenn sich darunter einen Spiegel-Bestseller finden würde, mir fehlt aber die Zeit für weiteren Recherchen.
Kaufempfehlung – bedingt. Wenn man sich über unsere Gesellschaft aufregen möchte, ist man gut bedient. Wer aber ein echtes Interesse an Soziologie hat, wird eher enttäuscht.
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am 24. August 2009
Um eines gleich vorweg zu nehmen: gott-sei-Dank stellt die Autorin hier nicht wirklich die Elite von morgen vor, sondern nur die, die sich dafür halten. Das interessante an Deutschland ist, dass es eben im Vergleich zu vielen anderen Ländern genau die Elite Kaderschmieden nicht gibt. In den USA z.B. kommen die meisten erfolgreichen Manager von einer kleinen Uni im Mittleren Westen, die definitiv nicht Elite verdächtig ist. So stellte die Autorin hier eine Sub-Kultur vor, mit einem Konstrukt von sich selbst und Ritualen, die auf Normalsterbliche nur befremdlich wirken. Genau deshalb aber tun Besucher von Elitehochschulen sich im Berufsleben aber auch oft sehr schwer, weil keiner mehr von der Diskrepanz zwischen Schein und Sein überrascht ist als sie selber.
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am 26. März 2008
Wer eine tiefere soziologische oder gar eine philosophische Abhandlung erwartet,
wird enttäuscht sein. Doch ist das Buch so schlecht nicht. Es ist mit leichter
Hand, fast rotzig und nicht ohne Sachkenntnis geschrieben.
Manchem Talkshowgerede und auch der Suggestion des "Elite"-Begriffs wird man nach
der Lektüre souveräner begegnen können.
Der Grundgedanke ist simpel, doch nicht dumm: Wer von Elite spricht, spricht damit
auch von der Nicht-Elite, der Masse. Damit wird die Gesellschaft geteilt. Und wenn
man ausserdem davon ausgeht, dass Eliten, vor allem durch eine (Selbst)Zuschreibung
entstehung, ist nahegelegt, dass der Elite-Begriff eine Legimitation einer ökonomischen
Ungleichheit dient.
Es geht, das sei betont, um eine sehr beschränkte Form von Elite. Es geht um
Unternehmensberater, nicht um Mathematiker, es geht um Millionärssprösslinge, nicht um
Unternehmer, die sich selbst ihre Millionen verdient haben. Bei alledem ist der Blick
der Autorin von einer gesunden Distanz. Fast möchte man Mitleid haben mit den Kindern
der Reichen, die wissen, dass sie "nie besser sein werden als ihre Eltern."
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