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am 2. Dezember 2015
Was ist Elite?, was zeichnet sie aus?, wer gehört dazu?, wie wird man Elite?. Um diese Fragen zu klären reist die Autorin kreuz und quer durch Deutschland, besucht Eliteschulen, Internate, spricht mit Schülern, Studenten, Hochschul- und Internatsleitern, einem Lebenslauf-Forscher, nimmt an einem AC einer Unternehmensberatung teil und macht einen Abstecher nach Harvard.

Der Inhalt des Buches ist aus 3 Bausteinen zusammengesetzt:
1) zusammengefasste Wiedergabe der Interviews, ca. 45 % des Inhalts
2) Beschreibung von Begebenheiten auf ihrer Reise, ca. 10 %
3) Verarbeitung eigener Eindrücke, Literaturrecherche, ca. 45 %
diese Gliederung zieht sich mit geringen Gewichtungsunterschieden durch alle Kapitel.

Eliten sehen sich als Menschen, die besonders viel leisten und Verantwortung für andere übernehmen, dies ist die Essenz aus zahlreichen Gesprächen. Allerdings wachsen diese Menschen in einer anderen Lebenswelt auf als diejenigen, für die sie Verantwortung übernehmen wollen (Eliteschulen vs. Staatliche Schulen), für deren Lage sie zudem auch kein Verständnis aufbringen (auch Krankenschwestern haben lange Arbeitstage, fast wie Investmentbanker, gehören aber gerade einkommensmässig nicht zur Elite. Die Elite meint, Krankenschwestern müssten etwas mehr leisten, dann würden sie auch mehr verdienen). Sie sind also nicht in der Lage diese Verantwortung zu übernehmen. Das macht nichts, erklärt der Lebenslauf-Forscher, denn genau dazu gibt es ja die Elite-Bildungseinrichtungen. Es handelt sich schlicht um Netzwerke um den Nachwuchs in die entsprechende Position zu bringen. Es geht also nicht um geistige Elite sondern um Machtelite.

Ob es neben den „Wirtschaftseliten“ noch andere Eliten gibt erfährt man aus dem Buch leider nicht. Schade, dass die Autorin nicht mit Studenten von staatlichen Eliteunis spricht oder in die Uni-Labors geht wo Forschung (z.B. Heilverfahren gegen Krebs) betrieben wird anstatt nur primitivste Mainstream-BWL-Vorlesungen zu hören wie an der EBS. Hätte man den zu interviewenden Personenkreis erweitert wäre die Elitendefinition sicher anders ausgefallen. Einige Rezensenten vermuten, das Buch ist aus einem Anfall von Sozialneid geschrieben worden. Das denke ich nicht, die Autorin beschreibt Abstiegsängste die sich in der Mittelschicht breit machen, daher versuchen viele schon ihre Kindergartenkinder besonders zu fördern und sie in speziellen Einrichtungen unterzubringen. Das Vertrauen, dass das staatliche Bildungssystem für Chancengleichheit sorgt ist in der Realität schon ziemlich erschüttert. Der Vergleich mit einem Hartz-IV Kind, dass niemals eine Eliten-Bildungsbiografie und damit nie einen vernünftigen Job bekommen wird ist drastisch (man könnte mit Blick auf das Sozialneid-Argument auch sagen tendenziös) aber nicht vollkommen Realitätsfern da ein Monat an einer Eliteneinrichtung das staatliche Kindergeld deutlich übersteigt. Bildung und damit die Berufschancen sind abhängig vom Vermögen der Eltern, Eliteeinrichtungen fördern diese Ungleichheit.
Interessant ist die Verschiebung im Begriffsinhalt „Elite“, früher opponierte das Bürgertum (= Elite) gegen den herrschenden Adel, wollte verkrustete Strukturen aufbrechen, heute heisst Elite bestmögliche Anpassung und Einfügung ins Netzwerk einzig mit dem Ziel die individuelle Macht zu sichern, nicht um des Allgemeinwillens.
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am 24. Oktober 2009
Leicht und schnell zu lesen - ich habe jedoch dauernd auf noch mehr gewartet. Dass es nur um Unternehmensberater und Investmentbanker ging, war definitiv zu wenig. Was ist z.B. mit den Naturwissenschaftlern? Gibt's da etwa keine Elite? Oder protzt die einfach nicht so?

Außerdem finde ich es albern, so schwarz und weiss zu malen: Elite oder Hartz IV. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Autorin eher als Hartz IV Empfängerin fühlt, und das kann Sie ja wohl definitiv nicht sein. Da ist ein beliebtes sozialdemokratisches Thema zu Geld gemacht worden.
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am 24. August 2009
Um eines gleich vorweg zu nehmen: gott-sei-Dank stellt die Autorin hier nicht wirklich die Elite von morgen vor, sondern nur die, die sich dafür halten. Das interessante an Deutschland ist, dass es eben im Vergleich zu vielen anderen Ländern genau die Elite Kaderschmieden nicht gibt. In den USA z.B. kommen die meisten erfolgreichen Manager von einer kleinen Uni im Mittleren Westen, die definitiv nicht Elite verdächtig ist. So stellte die Autorin hier eine Sub-Kultur vor, mit einem Konstrukt von sich selbst und Ritualen, die auf Normalsterbliche nur befremdlich wirken. Genau deshalb aber tun Besucher von Elitehochschulen sich im Berufsleben aber auch oft sehr schwer, weil keiner mehr von der Diskrepanz zwischen Schein und Sein überrascht ist als sie selber.
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am 20. Oktober 2011
Interessant, wie viele Lobbyisten z.B. auf Zeit-Online versuchen, die Schilderungen der Autorin zu diskreditieren. Dabei beschreibt sie lediglich ihre realen Beobachtungen, und auch hier scheint dies manchen Personen gewaltig gegen die eigenen Interessen zu stoßen...

Deshalb: Absolut lesenswert und zum Nachdenken anregend!
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am 1. Januar 2010
Dass Deutschland ein verkorkstes Verhaeltnis zum Elitebegriff hat ist ja weitgehend unstrittig. Ganze Universitaeten per Dekret aus Berlin zur Elite zu kueren wuerde anderen Nationen kaum einfallen, genauso wenig wie 18jaehrige auf Basis von Wochenendkursen (in der Eliteakademie) zur Elite der Zukunft zur erklaeren. Der gedankliche Ausgangspunkt dieses Buches, dass wir uns naemlich fragen muessen was Elite eigentlich bedeutet, und wen wir gerne zur Elite machen wollen, macht also schon Sinn.

Leider macht Frau Friedrichs es sich aber viel zu leicht. Sie sucht sich fuer ihre Recherche gezielt die einfachen Ziele des Sozialneids aus: Duemmliche Kinder des Geldadels die in Nachhilfeinternaten fuer viel Geld zum Abitur getrieben werden muessen. Die Babys Prominenter, die sich in einem Potsdamer Nobelkindergarten "am Buffet bedienen" koennen. Kinder reicher Eltern die ihre private Wirtschaftsschule ohne viel Nachdenken zur Elite-Universitaet erheben. Die Mitglieder eines geldgeilen Internetforums, die sich vorhersagbar inakzeptabel ueber Geringverdiener aeussern.
Die durch die Eliteuniversitaets-Gelder gefoerderten Juniorprofessoren, die Studienwerke der Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, oder gar JuSos, JuLis, RCDS und Gruene Jugend zu besuchen kam Julia Friedrichs nicht in den Sinn. Ob die vielleicht nicht so recht in ihr simples Bild von oben und unten gepasst haetten?

Man mag es dem Alter der Autorin zugestehen, dass sich das Buch ausschliesslich mit jungen Menschen in der Ausbildung befasst. Schliesslich ist sie auch nicht allein mit diesem seltsamen Verstaendnis, dass Elite irgendwie immer aus Leuten besteht die im Leben noch nichts geleistet haben. Politiker wie Journalisten lassen sich regelmaessig dazu hinreissen, Schulabgaenger unverdienterweise als "die Elite von morgen" zu titulieren. Auch dass sie aus ihrer sozialdemokratischen Gesinnung keinen Hehl macht, und immer wieder geschockt feststellt, dass reiche Menschen vorrangig konservativ waehlen, mag man einer 28jaehrigen WG-Bewohnerin aus Kreuzberg verstaendnisvoll anrechnen.
Das groessere Problem dieses Buches sind die Widersprueche in Friedrichs' Argumentation. Einerseits bemerkt sie regelmaessig beinahe unglaeubig die 16-Stunden-Tage der "Elitestudenten", zeichnet aber gleichzeitig das Bild von den ueberprivilegierten reichen Pinkeln, denen alles in den Schoss gelegt wird. Sie bemaengelt ein ums andere mal das politische Desinteresse der BWL-Studenten, die ihr auf ihren Recherchen begegnen, kommt aber nicht auf die Idee, mal bei der Ebert-, Adenauer-, Naumann- oder Boell-Stiftung anzufragen, wo man politisch interessierte Jungelite vielleicht eher vermuten wuerde. Stattdessen trifft sie sich mit einem Organisator von attac, um zu bemaengeln dass dieser politisch engagierte junge Mensch fuer die Organisation von Sitzblockaden in Heiligendamm keinerlei staatliche Foerderung erhaelt.

Und dann, immer wieder: McKinsey. Vermutlich weil sich mit Hass auf diese Firma gut Buecher verkaufen lassen, taucht der Name fast so oft auf wie das Wort "Elite"; dabei beschraenken sich Friedrichs' Eindruecke bei McKinsey auf ein weinseliges Gespraech mit einem Berater waehrend einer Recruiting-Veranstaltung, und auf ein Jobinterview (mit ihrem Erfolg in letzterem immer mal wieder zu kokettieren kann sich die Autorin nicht verkneifen). McKinsey muss staendig als Platzhalter fuer die boese vernetzwerkte Oberschicht herhalten, in die man nur mit Vitamin B reinkommt. Dass Recruiting-Einladung und Jobangebot McKinseys an die ach so unelitaere Frau Friedrichs mit dieser These nicht so recht vereinbaren lassen entgeht der Autorin leider.

Wer nach dem wohligen "Die da oben"-Schauer auf dem Ruecken sucht, kann sich mit Julia Friedrichs' "Gestatten: Elite" zwei nette Abende machen. Wer sich ernsthaft mit der Frage auseinander setzen moechte, wem und wie wir in dieser Gesellschaft Verantwortung vergeben, wie viel Einfluss das Geld der Eltern auf zukuenftige Karrieren hat, vor allem aber wie man dieses System fairer gestalten koennte, der sollte sich nach etwas mehr durchdachten Texten umsehen.
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am 18. Januar 2010
Ich habe etwa 1 Jahr, bevor ich mir das Buch zugelegt habe, einen sehr spannenden Artikel in der Welt am Sonntag gelesen. Eine komplette Doppelseite, eng bedruckt. Ich fand den Srtikel inhaltlich faszinierend, kompakt und spannend geschrieben, witzig erzählt. Dieser Artikel war von Julia Friedrichs.

Als ich durch das Buch durch war, musste ich leider feststellen, das das Buch nicht mehr Substanz hat als der Zeitungsartikel. Was im Artikel noch spannend war, ist im Buch leider zäh und manchmal nervtötend oft wiederholend. Was im Artikel kompakt und unterhaltsam rüberkommt, verliert sich im Buch zwischen zu vielen Seiten.

Man könnte den Eindruck bekommen, das Thema war als Artikel geschrieben und wurde dann aufgrund des Erfolgs als Buch lanciert.

Die Idee ist interessant, viele Aspekte stimmen zum Nachdenken an, insgesamt würde ich das Buch aber nicht empfehlen, da es zu lang ist und die Moral von der Geschicht zu platt gestrickt ist.
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am 13. März 2009
Gestatten: Elite - Auf den Spuren der Mächtigen von morgen heißt das Buch von Julia Friedrichs, die mir vorher nur durch ihr erfolgreiches Einschleichen bei McKinsey bekannt war. Ein Titel, der mich sicher nicht zum Kaufen angeregt hätte, doch meine Schwester kaufte es sich für unseren Sommerurlaub, und da meine eigene Schule oft als Eliteschule bezeichnet wird, interessierte mich das Thema naturgemäß sehr. Und anscheinend ist der Titel von der Autorin, die eigentlich Journalistin ist, geschickt gewählt denn das Buch, das ich in den Händen halte ist bereits die 6. Auflage obwohl es erst dieses Jahr erschienen ist.

Ist dieser Erfolg berechtigt? Auf jeden Fall ist das Buch angenehm zu lesen. Journalistisch-interessant geschrieben, kann man sich nicht beklagen. Die 250 Seiten hat man schnell durch und das Buch liest sich eigentlich wie eine erweiterte Reportage, was es wohl auch ist.
Es ist eine Reportage über Julia Friedrichs` Suche nach der Elite. Der Leser verfolgt gespannt wie sie private Universitäten wie die EBS in Oestrich-Winkel besucht, Internate wie Schloss Salem am Bodensee, Stiftungen wie das Maximilianeum in Bayern und schließlich sogar die Reise nach Amerika, zur University of Harvard wagt. Dabei hat Frau Friedrichs ihre Karten schon relativ am Anfang offen auf den Tisch gelegt: sie ist als Teil des linken Mittelstandes aufgewachsen, schon als kleines Mädchen hat sie auf den Schultern ihres Vaters gegen Atomkraftwerke demonstriert. Da verwundert es nicht, dass sie Jörg Müller, dem Stiftungsvorstand von Schloss Neubeuern (einem der teuersten Internate Deutschlands) Fragen stellt wie: Berührt das ihr Gerechtigkeitsempfinden, dass Ihre Schüler Chancen haben, die andere nicht haben?" Eindeutig berührt es das Gerechtigkeitsempfinden von Frau Friedrichs, die in diesem Fall aber auch zu den anderen" zählt.

Und dennoch, obgleich sie ihre Meinung - eine starke Ablehnung der meisten Anstalten die sie besucht - nicht für sich behält ist das Buch auch für jemanden wie mich, der im konservativen Mittelstand aufgewachsen ist und ihre Meinung deswegen nur selten teilt, lesenswert gewesen. Weite Strecken des Buches sind nämlich einfach nur informativ. Man hat nie das Gefühl, dass Julia Friedrichs uns gemein und hinterhältig beeinflussen will. Oft beschreibt sie einfach nur, gibt Gespräche wieder und kontrastiert diese dann mit ihrer eigenen Meinung oft eingeleitet durch Floskeln wie Ich denke" oder Ich erinnere mich". Der Leser kann dann für sich selbst entscheiden ob er diese Meinung teilt, oder ob das behandelte Gespräch bei ihm andere Assoziationen hervorruft.

Dann gibt es aber auch die Strecken wo ich tatsächlich mit der Autorin über einstimme. Wenn sie zum Beispiel über ihre Ablehnung gegenüber Internate wie Salem und Neubeuern berichtet, deren Absolventen durch das Alumni Netzwerk ihrer Schule hohe Positionen in der Wirtschaft erhalten, obgleich sie sich von den Schulleistungen her eigentlich nicht für diese qualifizieren. Und die, schlimmer noch: so abgeschieden von der Welt aufwachsen, dass sie einen Arzt mit einem Harz IV Empfänger vergleichen. Auch ihr Ausflug in die Villa Ritz, eine Kindertagesstätte in der Kleinkinder deren Eltern das nötige Kleingeld haben, Chinesisch- und Ballettunterricht erhalten um danach im hauseigenen Wellnessbereich zu entspannen wirkt auf mich so abschreckend, dass ich mich bei Julia Friedrichs` Gedanken erwische. Jedoch erwähnt Frau Friedrichs leider nicht, dass die Internate, die sie besucht hat sich in erster Linie selber als Elite bezeichnen und dass ihr Ruf in Deutschlands Bildungskreisen eher zweifelhaft ist. Es fehlen auch Statistiken darüber welche Berufe ihre Absolventen denn nun wirklich ergreifen. Der Leser bekommt von Frau Friedrichs nur ihre Aussage, dass es diesen Schulklüngel gibt - keine Fallstudien. Auch muss ich ehrlich sagen, dass ich bezweifele ob sich KiTas wie die Villa Ritz durchsetzen werden. Mir scheinen sie eher als ein weiteres Mittel überforderten und verängstigten Eltern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein Zeichen, dass in Deutschland eben freier Markt herrscht.

Etwas was ich Frau Friedrichs jedoch wirklich vorwerfe, ist ihre Selektivität mit der sie nämlich ihre Leser doch klammheimlich negativ beeinflusst. Sie stellt fast ausnahmslos Institute da, die in ihr Schema passen. Die Bucerius Law School in Hamburg, die Jacobs University in Bremen werden jeweils in einem kurzen Nebenabsatz abgefertigt, obgleich beide als die Elite der Elite Universitäten gelten, oft auch von anderen und nicht (nur) von sich selbst als Elite bezeichnet werden und sich vor allem (was Frau Friedrichs davon abgehalten haben wird, sie näher zu beleuchten) nicht durch die Finanzen ihrer Studierenden finanzieren und damit wirklich need-blind" sind. Auch fehlen die Internate, die ihre Schüler nach Leistung auswählen und vom Staat getragen werden, wie die Landesschule Pforta in Thüringen oder Hessens Eliteinternat Schloss Hansenberg. Dadurch, dass sie solche Institute ausspart zeichnet Julia Friedrichs ein viel dunkleres Bild als in Deutschland eigentlich vorherrscht. Es fehlt die Feststellung, dass viele Institute die sich selber als Elite bezeichnen damit vor Allem das Geld der Eltern anlocken, die sie sich leisten können und nicht ihren Absolventen den Erfolg kaufen.

Bleibt die Aussage des Buches. Eigentlich gibt es eine solche nicht, eher ist es eine Feststellung. Nämlich dass der Elitebegriff in Deutschland nach und nach unbewusst enttabuisiert wurde. Und wie das so mit unbewussten Sachen ist, gleiten sie oft außer Kontrolle. Was Julia Friedrichs nämlich nach einem Jahr Recherche feststellen musste ist, dass Elite kein festgelegter Maßstab, keine Definition ist, sondern eher ein ungeprüftes Gütesigel. Ähnlich wie das Prädikat erlesen" in der Nahrungsmittelwerbung: keiner weiß was das eigentlich heißt, daher ist es schwer zu überprüfen, aber es klingt gut und verkauft sich deshalb auch gut. Und - Überraschung ! -genau von diesem Wort, nämlich vom Französischem elire" leitet sich der Begriff Elite auch tatsächlich ab. Julia Friedrichs geht aber noch einen Schritt weiter. Sie sieht dies als Gefahr, die es sicherlich gibt, welche sie aber (aus für mich völlig legitimen, marktwirtschaftlichen, nämlich dramatischen Gründen) sehr überspitzt. Dennoch ist das Buch informativ, teilweise unterhaltsam und auf jeden Fall ein Denkanstoß in eine für mich ungewohnte Richtung, daher mein Prädikat: nicht zu ernst zu nehmen, aber lesenswert.
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am 22. August 2010
Diese Rezension bezieht sich auf die neunte Auflage, der Taschenbucherstausgabe Mai 2009.

Was mir an diesem Buch besonders gefällt, ist der zugrunde gelegte Aufbau. Die persönlichen Eindrücke aus einem ungewöhnlichen Bewerbungsgespräch (oft finden diese ja in schmucklosen Büros oder Besprechungsräumen statt, und nicht in Nobelhotels an hübschen Stätten auf dieser Erde) führten bei der Verfasserin dazu, sich mit dem Thema "Elite" grundsätzlich auseinander zu setzen.
Im Buch werden die einzelnen Beobachtungen, Gespräche und Gedanken von der Autorin, ähnlich einer Reisebeschreibung, gekonnt aneinandergereiht. Wie bei einer Erzählung werden so Fragen miteinander verknüpft, Argumente abgewogen oder Folgerungen gebildet. So bindet die Autorin den Leser bei der Suche nach Erkenntnis und Wahrheit gekonnt mit ein. Einhergehend mit einer lockeren, modernen Art zu formulieren läßt sich das Buch flott lesen und man behält am Ende eines jeden Kapitels den Hunger auf das nächste. Ganz interessant waren für mich die Einblicke in die Welt der privaten Bildungseinrichtungen und die Argumente jener dort studierenden und lehrenden Personen.
Viele der positiven Beobachtungen anderer Rezensenten kann ich bestätigen und bekräftigen. Für meinen Geschmack allerdings erinnern manche Formulierungen an unbeholfene Artikulationsversuche eines selbstdarstellerischen Personenkreises (z.B. Beamer, Pool, Statement, Muskelshirt, gerankt usw. - so reden vielleicht manche Berater, aber so einen sprachlichen Sondermüll schreibt man einfach nicht). Ebenso fehlt für mich in dem Buch ein logischer Teil, in welchem gedanklich reflektierend auf den Begriff "Elite" an sich eingegangen wird. Ständig befindet man sich auf der Suche bei anderen Personen oder Einrichtungen nach der Deutung des Begriffs.
Es scheint mir bei der Lektüre logisch, daß es wohl mehrere bzw. unterschiedliche Eliten geben muß (bspw. im Kapitel "Die Besten oder die Reichsten" oder "Die alternative Elite").
So wird meines Erachtens herausgearbeitet um berechtigtes Mitglied einer Elite zu werden, kann man eigentlich nur durch Anerkennung von anderen Koryphäen auf dem jeweiligen Fachgebiet dazu erhoben werden. Es hängt vor allem davon ab, ob das Wirken einer Person die Gesellschaft weiterbringt oder nicht. Diese Form der Elite verdrängt man aber gern, denn man kann nicht geplant Zugang zu ihr finden.
Daher gehen wohl auch bei kaum einem der momentan aktiven Politiker solche Werke hervor, wie sie seinerzeit M.T. Cicero, J. Locke, usw. verfaßten. Selbst in der Praxis sind die heute wirtschaftlich und politisch Mächtigen eigentlich kein anzustrebendes Vorbild. Es handelt sich dabei vielmehr um eine vermeintliche Elite. Um hier dabei sein zu können muß der Elitebegriff gewissermaßen dehnbar bleiben. Dieser Umstand, finde ich, wird im Buch ganz gut herausgearbeitet. Für diese Art der Elite existiert das System der Elite und diese Elite lebt für dieses System. Deshalb bin ich auch der Auffassung, die Angehörigen dieser Gruppe werden ihre Position weiter festigen und verteidigen wollen. Die 150.000 USD Jahresgebühren fuer ein MBA Studium an der Harvard Business School (Quelle: aktuelle Reklame aus dem Manager Magazin) werden wohl seltener dafür investiert, ein bedeutender Wirschaftswissenschaftler (vom Schlage A. Smith, J.M. Keynes, J. Schumpeter) zu werden, sondern eher um Zugang ins gut dotierte Führungsgremium eines bedeutenden Konzerns zu bekommen.
Eine ganz besondere Aktualität gewinnt das Buch durch die gewachsene Bedeutung der kapitalintensiven, frühkindlichen Bildungsangebote. Jene wurden erst nach dem Erscheinen des Buchs vermehrt in Deutschland diskutiert (erste Hälfte des Jahres 2010). Doch erst in einigen Jahren wird man feststellen können, welchen Nutzen es für die Gesellschaft gebracht hat.
Vor diesem Hintergrund ist es fast schon unglaublich, daß ein solches Werk einer ganz gewöhnlich ausgebildeten Person gelungen ist. Für meinen Teil halte ich das Buch für eine Bereicherung und kann so auch über die abscheuliche neudeutsche Ortographie hinweg sehen. Diese tolle Leistung verdient meiner Meinung nach 5 Sterne und die bekommt es von mir auch.
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am 29. Oktober 2009
Julia Friedrichs versucht mit diesem Buch ein Gefühl zu vermitteln. Ein Gefühl des Unbehagens, das inzwischen viele beschleicht, wenn sie das Wort 'Elite' hören. Was ist damit gemeint, wer bestimmt wer zur Elite gehört? Gibt es eine verbindliche Definition des Wortes 'Elite'? Werden in den sogenannten 'Eliteschulen' wirklich hochintelligente und außergewöhnlich begabte Menschen unterrichtet oder sind sie eine Kaderschmiede für den Klassenkampf von Oben gegen Unten?

Sicherlich ist dieses Buch keine tiefschürfende, umfassende, wissenschaftliche Untersuchung der deutschen Wirtschafts-Eliten und ihrer Zöglinge. Es ist eine Momentaufnahme, ein Blick durchs Schlüsselloch. Es gibt einem eine Ahnung oder bestätigt sie, wie sich gewisse Gruppen in unserer Gesellschaft heute selbst sehen - nämlich als eine Art Adel, für den die Gesetze, die das Leben und Miteinander des Normalbürgers regeln, nur eingeschränkt gültig sind. Klaus Zumwinkel, Heinrich von Pierer und Hartmut Mehdorn nur als Beispiel. Spätestens seit der Krise 2008 wissen wir, dass das Verhalten dieser Männer nicht die große Ausnahme ist, sondern Folge eines Systems, das sich in den letzten 20 Jahren weltweit durchgesetzt hat und das man feudal nennen könnte.

Leider haben die oben erwähnten Herren und ihre Kollegen in den Vorstandsetagen eine enorme Vorbildfunktion. Ein Verhalten, das vor Jahren noch als asozial bezeichnet wurde, ist nun hoffähig. So wie Teenager ihrem Popstar nacheifern, so wirkt diese 'erfolgreiche Elite' (von Pierer war sogar zeitweise Berater der Kanzlerin) als Vorbild für viele Geschäftsführer, auch in kleinen und mittelständischen Firmen. Und hier setzt, so glaube ich, auch Frau Friedrichs Buch an. Ein diffuser Elitebegriff, von einer kleinen Oberschicht dazu benutzt sich abzugrenzen, sich besser und wichtiger zu fühlen als andere, bedient niedere menschliche Bedürfnisse. Man will dazu gehören. Die Hersteller von Luxus-Produkten und eben auch die sogenannten 'Eliteschulen' wissen das zu nutzen. Aber damit ist natürlich, im wahrsten Sinne, kein Staat zu machen. Die Förderung von Talent und Begabung darf eben nicht von Herkunft und Geldbeutel abhängen. Selbsternannte Eliten und Demokratie passen nicht zusammen.
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am 3. März 2008
Der Elite auf der Spur begab sich Julia Friedrichs an so illustre Orte wie Schloß Salem, dem Münchner Maximilianeum, Harvard oder zum Hauptquartier der Anti-G8-Demonstration in Rostock. Gegen Ende des Buchs stellt sie resigniert fest, der Elite-Begriff sei "schwammig".

Diesem Buch hätte es sehr gut getan, wenn die Autorin sich vielleicht schon am Anfang ihrer Recherche die Frage gestellt hätte, über was ihr Buch eigentlich handeln soll, was sie unter "Elite" überhaupt versteht. So werden hier recht unterschiedliche Institutionen wie Internate für Kinder reicher Eltern mit schulischen Problemen (Salem, Neubeuren), BWL-Hochdruckkaderschmieden (WHU, EBS) und Einrichtungen der klassischen Begabtenförderung (Maximilianeum, Bayerische Elite-Akademie) munter in einen Topf geworfen. Und um die "Die da oben, wir da unten"-Haltung zu bekräftigen, werden die Lehrerkinder des Maximilianeums auch gleich noch zur oberen Mittelschicht erklärt.

Hier und da gelangen der Autorin durchaus erhellende Einblicke - zum Beispiel wenn sie die anglizistischen Schwurbeleien hochbezahlter Managementtrainer beschreibt. Doch warum das Hartz 4-Kind Melina dann letztlich nicht nach Salem und Harvard geht, da bleibt Frau Friedrichs in der Analyse dann bei "die da oben schotten sich ab" stecken. Dass der Fernseher den ganzen Tag läuft und das Kind schon eine solide Raucherlunge hat, erwähnt sie zwar pflichtschuldig, impliziert aber dann sogleich, dass das soziale Elend darin besteht, dass das Mädchen nicht in einen Elite-Kindergarten für 1000 Euro / Monat darf. Schuld sind schließlich nicht wir selber, schuld sind die anderen "da oben".

Und wenn im VIP-Bereich auf der Luxusparty auch nur ein paar pubertierende Jugendliche lungern und es so gar nicht nach der rauschenden Ballnacht aus der "Deinhard"-Werbung aussieht, dann kommen Frau Friedrichs die Tränen.

Mir hingegen kamen die Tränen bei der Qualität des Lektorats. Da wird bei einer abendlichen Gala "black tight" verlangt (statt "black tie" - also Smoking). Und der Saturn in München liegt in der "Kaufbeurer Straße" (gemeint ist offensichtlich die Kaufingerstraße, auch wenn der Elektromarkt in der Verlängerung der Fußgängerzone, der Neuhauser Straße, liegt).

Um das Buch nicht zu sehr zu verreißen: die einzelnen Beschreibungen der Besuche in Salem und Neubeuren, bei McKinsey und in Rostock sind durchaus lesbar. Nur der Gesamtzusammenhang des Buches ist unbefriedigend, die Autorin weiß nicht, wohin sie will geschweige denn, wie sie da hinkommt. Deswegen von mir drei Sterne mit Tendenz zu zwei.
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