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4.0 von 5 Sternen Ein Buch über Schein und Sein
Julia Friedrichs versucht mit diesem Buch ein Gefühl zu vermitteln. Ein Gefühl des Unbehagens, das inzwischen viele beschleicht, wenn sie das Wort 'Elite' hören. Was ist damit gemeint, wer bestimmt wer zur Elite gehört? Gibt es eine verbindliche Definition des Wortes 'Elite'? Werden in den sogenannten 'Eliteschulen' wirklich hochintelligente und...
Veröffentlicht am 29. Oktober 2009 von Brueck

versus
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2.0 von 5 Sternen Eine simple Polemik
Dass Deutschland ein verkorkstes Verhaeltnis zum Elitebegriff hat ist ja weitgehend unstrittig. Ganze Universitaeten per Dekret aus Berlin zur Elite zu kueren wuerde anderen Nationen kaum einfallen, genauso wenig wie 18jaehrige auf Basis von Wochenendkursen (in der Eliteakademie) zur Elite der Zukunft zur erklaeren. Der gedankliche Ausgangspunkt dieses Buches, dass wir...
Veröffentlicht am 1. Januar 2010 von Heiner Keiner


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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Buch über Schein und Sein, 29. Oktober 2009
Julia Friedrichs versucht mit diesem Buch ein Gefühl zu vermitteln. Ein Gefühl des Unbehagens, das inzwischen viele beschleicht, wenn sie das Wort 'Elite' hören. Was ist damit gemeint, wer bestimmt wer zur Elite gehört? Gibt es eine verbindliche Definition des Wortes 'Elite'? Werden in den sogenannten 'Eliteschulen' wirklich hochintelligente und außergewöhnlich begabte Menschen unterrichtet oder sind sie eine Kaderschmiede für den Klassenkampf von Oben gegen Unten?

Sicherlich ist dieses Buch keine tiefschürfende, umfassende, wissenschaftliche Untersuchung der deutschen Wirtschafts-Eliten und ihrer Zöglinge. Es ist eine Momentaufnahme, ein Blick durchs Schlüsselloch. Es gibt einem eine Ahnung oder bestätigt sie, wie sich gewisse Gruppen in unserer Gesellschaft heute selbst sehen - nämlich als eine Art Adel, für den die Gesetze, die das Leben und Miteinander des Normalbürgers regeln, nur eingeschränkt gültig sind. Klaus Zumwinkel, Heinrich von Pierer und Hartmut Mehdorn nur als Beispiel. Spätestens seit der Krise 2008 wissen wir, dass das Verhalten dieser Männer nicht die große Ausnahme ist, sondern Folge eines Systems, das sich in den letzten 20 Jahren weltweit durchgesetzt hat und das man feudal nennen könnte.

Leider haben die oben erwähnten Herren und ihre Kollegen in den Vorstandsetagen eine enorme Vorbildfunktion. Ein Verhalten, das vor Jahren noch als asozial bezeichnet wurde, ist nun hoffähig. So wie Teenager ihrem Popstar nacheifern, so wirkt diese 'erfolgreiche Elite' (von Pierer war sogar zeitweise Berater der Kanzlerin) als Vorbild für viele Geschäftsführer, auch in kleinen und mittelständischen Firmen. Und hier setzt, so glaube ich, auch Frau Friedrichs Buch an. Ein diffuser Elitebegriff, von einer kleinen Oberschicht dazu benutzt sich abzugrenzen, sich besser und wichtiger zu fühlen als andere, bedient niedere menschliche Bedürfnisse. Man will dazu gehören. Die Hersteller von Luxus-Produkten und eben auch die sogenannten 'Eliteschulen' wissen das zu nutzen. Aber damit ist natürlich, im wahrsten Sinne, kein Staat zu machen. Die Förderung von Talent und Begabung darf eben nicht von Herkunft und Geldbeutel abhängen. Selbsternannte Eliten und Demokratie passen nicht zusammen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer ist Elite? Was ist Elite?, 8. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
Was zeichnet die Elite aus und wozu das ganze ?

Eine Gesellschaft im Elitestreß. Die befragten Menchen geben darauf selbst

keine erklärenden Antworten. Wie auch , echte Wertvorstellungen hat die Elite eh

nicht.

Es gibt sogar Elitekindergärten , was für ein Wahnsinn.

Die Elite als Selbstzweck ohne gesellschaftlichen Nutzen.

Es wird die berechtigte Frage aufgeworfen , wozu sind Eliten gut ?

Das Buch ist sehr unterhaltsam Geschrieben und gibt ein gutes Stimmungsbild

unserer Gesellschaft.
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lockerer Erfahrungsbericht zum Thema "Was ist Elite?", 14. Oktober 2008
Also ich finde das Buch ziemlich gelungen. Und zwar nicht trotz, sondern wegen seiner Subjektivität. Wer soziologische Analysen oder politisch korrektes sowohl-als-auch Geschwurbel lesen will, kann das ja auch haben, nur halt nicht hier.

Die Autorin hat eigene Erfahrungen mit Unternehmensberatern mit einer ca. einjährigen Vor-Ort-Recherche bei verschiedenen eliteverdächtigen Institutionen zu einer unterhaltsam locker geschriebenen Spurensuche des Begriffs "Elite" verbunden. Wie der Untertitel verrät handelt es sich dabei in allererster Linie um die Frage, wie die zukünftigen politischen und wirtschaftlichen Führungskräfte herangebildet werden, bzw. was bestimmte Menschen dafür qualifiziert, diese Ausbildung zu durchlaufen und im Anschluss entsprechende Positionen zu besetzen.
Diese Frage ist ja insbesondere in Zeiten der globalen Finanzkrise mehr als überfällig und wurde in der einschlägigen Forschungsliteratur (auf die die Autorin auch hinweist) bereits ausgiebig untersucht.

Einige Rezensenten erwecken den Eindruck, Frau Friedrichs schreibe aus der neidverzerrten Froschperspektive einer Zukurzgekommen, die sich für die ihr widerfahrenen Ungerechtigkeiten durch die da oben nun endlich mal schreibenderweise rächen will.
Das sehe ich allerdings ganz und gar nicht so. Der Leitfaden des Buches besteht darin, herauszufinden, wie Elite zu definieren sei und nicht darin, den sog. Eliten ihre Elitezugehörigkeit abzusprechen.
Liest man darüberhinaus einschlägige wissenschaftliche Literatur zum Thema kommt man zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie die Autorin: Dass es sich bei der sog. Führungselite um eine selbstreproduzierende und damit relativ hermetische Schicht aus höheren Akademikern, Wirtschaftsführern und Politikern etc. handelt.

Dass das Selbstverständnis der Eliten zum Großteil auf Fleiß und Leistungsbereitschaft beruht, erwähnt die Autorin so oft, dass ich nicht verstehe, wie man das beim Lesen übersehen kann. Darüberhinaus bemerkt sie mehrmals, dass der Gerechtigkeitsgedanke auf Leistung basiert: Wer mehr leistet, darf höhere Ansprüche stellen, muss dafür aber eben auch größere Opfer bringen.
Dass die Autorin sich dazu bekennt, sich ihren größeren persönlichen Freiraum mit geringeren Ansprüchen an materiellen Wohlstand zu erkaufen, macht sie sympathisch und zeigt, dass sie offensichtlich zufrieden ist, nach ihren eigenen Wertmaßstäben leben zu können.

In gleicher Weise erwähnt sie den sozialen Auftrag, dem sich die Eliten verpflichtet fühlen. Die Frage, wie ernst es der Einzelne damit jeweils nimmt, darf in Zeiten, in denen das Versagen von Führungskräften kräftig finanziell belohnt wird, durchaus einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.

Ebenso ist der implizite Warnung vor einer Erosion der stabilisierenden Mittelschicht in unserer Gesellschaft richtig und notwendig.
Dass ihr für diese Probleme keine genialen Lösungen einfallen kann man ihr nicht zum Vorwurf machen, das geht unseren Politikern genau so.

Fazit: Das Buch bringt zwar keine neuen Fakten, trägt aber dazu dabei, das nicht enden wollende Elite-Geplauder allenthalben als das zu identifizieren, was es ist: Ausdruck der erfolgreichen Vermarktung eines neuen Produkts der Heißluftfabrik McKinsey, Berger & Co.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, erkenntnisreich aber wohlfeil..., 29. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
Die wichtigste Erkenntnis, die man wohl mitnehmen kann aus diesem Bändchen, ist die, daß "Elite" immer Ausschluß bedeutet. "Elite" kann es nur in Abgrenzung zu einer Masse geben, die eben nicht "Elite ist, nicht Elite sein kann. Stellt sich also die Frage, was "Elite" bedeutet heutzutage, worauf sich der Begriff bezieht und wie diejeingen, die zur Elite gezählt werden, dies selber beurteilen.

Julia Friedrichs - die an einem McKinsey-Test teilgenommen, bestanden und ein hohes Einstiegsgehalt geboten bekommen hatte - stellt sich diese Fragen und macht sich auf, die Stätten abzuklappern, an denen Elite gebildet wird: Die Schulen und Universitäten und Privathochschulen, die nach scheinbar strengen und objektiven Auswahlkriterien die besten Schüler des Landes an sich binden um die zukünftigen Kader heranzubilden, die dieses Land führen sollen...

Ist das so? Friedrichs macht die Erfahrung, daß der Begriff der "Elite", knapp 70 Jahre nach Kriegsende und nachdem er in Deutschland unter Generalverdacht gestellt wurde, war er doch zu stark konnotiert mit dem, was die Nazis daraus machten, bis hin zu ihrem Herren- und Übermenschdenken, wieder hof- und salonfähig geworden ist. Unter neuen, scheinbar besseren, weil gerechteren Konnotationen - Leistungseliten bräuchte das Land, heißt es jetzt. Also Eliten, gebildet aus jenen (jungen) Menschen, die bereit sind, bis an ihre Leistungs- und Belastbarkeitsgrenze zu gehen, die ihre Kraft in den Dienst einer guten, großen, der Allgemeinheit dienenden Sache stellten.

Doch ist dem eben nicht so: Zum einen, so stellen das Bändchen und seine Autorin fest, bestimmt immer noch das Portemonnaie der Eltern, wer zur Elite gehört (natürlich gibt es Abstufungen, natürlich Stipendien, doch im Großen und Ganzen ist es die Zahlfähigkeit und -willigkeit der Eltern, die darüber bestimmen, ob man eine jener Privatschulen oder -universitäten besuchen kann, deren Jahresbeitrag schon mal an die 40.000€ kostet), zum anderen haben die wenigsten derer, die sie traf und mit denen sie sprach, überhaupt Lust, sich in den Dienst der "großen Sache" zu stellen. Nein, viel lieber wollen die meisten bei eben jenen McKinseys und Roland Bergers und wie sie alle heißen, unterkommen, die Beratung betreiben, die den Betrieben, Firmen und Unternehmen (und neuerdings dem Staat) erklären, wie man alles effizienter und kostengünstiger durchziehen könne. Und die, die nicht bei diesen Firmen unterkommen wollen, die suchen ihr Heil im Inverstmentbanking et al. Es sind die wenigsten, die ihre Begabung, Möglichkeiten und Ausbildungen als ein Privileg begreifen, das ihnen auch Pflichten, also Verantwortungen auferlegt. Die meistens cheinen schon im Jugendalter und jungen Erwachsenenalter zu glauben,d aß ihnen zustünde, was sie erhalten, daß andere, die wneiger haben,d ies auch verdienten und daß es ihnen - also den Elitezugehörigen - eben auferlegts ei, mehr zu bekommen: Mehr VErdienst, mehr VErantwortung, mehr Leben letztlich. Eine neoliberale Grundhaltung von Kindesbeinen an.

Nun ist festzuhalten, daß dieser Band aus dem Jahre 2008 stammt, die Recherchen also zu einer Zeit durchgeführt wurden, als das, was die jungen Leute, die hier zu Wort kommen, immerhin noch "common sense" war und die paar Spinner, die damals schon davor warnten, daß dieser Tanz nur im Abgrund enden könne, eben als das bezeichnet wurde: Spinner. Spinner und Schwarzseher. Heute, knapp fünf Jahre später, wissen wir natürlich, WIE Recht diese "Spinner" hatten. Es wäre also interessant, wenn die Autorin nachlegen würde und uns erzählte, was aus all diesen Jungelitären wurde in den Krisen seit 2008 und wie sie heute darüber denken.

Natürlich - das muß man in aller Ehrlichkeit sagen - ist dieser Band auch wohlfeil. Wer liest das? Offensichtlich die Kulturredaktion des "Manager Magazins", aber wieviele derer Konsumenten? Denn Leute wie der hiesige Rezensent sehen sich schlichtweg bestätigt in dem, was sie eh angenommen haben (inklusive der teils unerträglichen Statements von Eliteschülern und -studenten darüber, was von denen zu halten sei, die nicht ganz oben angekommen sind und was denen gelten soll, die sie als "Minderleister" oder "Mobilitätsproletariat", also Bahnfahrer, bezeichnen).

Interessant war für mich dann, wie Friedrichs die "linke Elite" beschreibt und daß es da ebensolche Netzwerker und Hechler gibt, die unbedingt von dem leben wollen, was sie da tun. "Berufsrevolutionäre" wurden die früher geschimpft. Davor waren es wirklich welche, aber das ist eine andere Geschichte...

Alles in allem kann man den Band empfehlen, ist er doch gut und flüssig geschrieben, durchaus unterhaltsam, legt noch einmal die damals gültigen Zahlen für Bildungseinrichtungen vor, Zahlen darüber, wie viele Schüler mit und ohne Migrationshintergrund zum Beispiel Schulen besuchen und abbrechen, bzw. mit welchen Abschlüssen abschließen, wieviele davon welche Studiengänge beginnen usw. Er gibt sich große Mühe, sich dem Thema unvoreingenommen zu nähern (und der Autorin sei an dieser Stelle ausdrücklich für die selbstkritischen Anmerkungen und die selbsreflektierenden Passagen gedankt) und denen, die es sucht und zu portätieren sucht, auch gerecht zu werden.

Es ist heute veraltet, aber das ist einem Buch schließlich nie vorzuwerfen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut lesenswert und zum Nachdenken anregend!, 20. Oktober 2011
Interessant, wie viele Lobbyisten z.B. auf Zeit-Online versuchen, die Schilderungen der Autorin zu diskreditieren. Dabei beschreibt sie lediglich ihre realen Beobachtungen, und auch hier scheint dies manchen Personen gewaltig gegen die eigenen Interessen zu stoßen...

Deshalb: Absolut lesenswert und zum Nachdenken anregend!
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151 von 192 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine simple Polemik, 1. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
Dass Deutschland ein verkorkstes Verhaeltnis zum Elitebegriff hat ist ja weitgehend unstrittig. Ganze Universitaeten per Dekret aus Berlin zur Elite zu kueren wuerde anderen Nationen kaum einfallen, genauso wenig wie 18jaehrige auf Basis von Wochenendkursen (in der Eliteakademie) zur Elite der Zukunft zur erklaeren. Der gedankliche Ausgangspunkt dieses Buches, dass wir uns naemlich fragen muessen was Elite eigentlich bedeutet, und wen wir gerne zur Elite machen wollen, macht also schon Sinn.

Leider macht Frau Friedrichs es sich aber viel zu leicht. Sie sucht sich fuer ihre Recherche gezielt die einfachen Ziele des Sozialneids aus: Duemmliche Kinder des Geldadels die in Nachhilfeinternaten fuer viel Geld zum Abitur getrieben werden muessen. Die Babys Prominenter, die sich in einem Potsdamer Nobelkindergarten "am Buffet bedienen" koennen. Kinder reicher Eltern die ihre private Wirtschaftsschule ohne viel Nachdenken zur Elite-Universitaet erheben. Die Mitglieder eines geldgeilen Internetforums, die sich vorhersagbar inakzeptabel ueber Geringverdiener aeussern.
Die durch die Eliteuniversitaets-Gelder gefoerderten Juniorprofessoren, die Studienwerke der Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, oder gar JuSos, JuLis, RCDS und Gruene Jugend zu besuchen kam Julia Friedrichs nicht in den Sinn. Ob die vielleicht nicht so recht in ihr simples Bild von oben und unten gepasst haetten?

Man mag es dem Alter der Autorin zugestehen, dass sich das Buch ausschliesslich mit jungen Menschen in der Ausbildung befasst. Schliesslich ist sie auch nicht allein mit diesem seltsamen Verstaendnis, dass Elite irgendwie immer aus Leuten besteht die im Leben noch nichts geleistet haben. Politiker wie Journalisten lassen sich regelmaessig dazu hinreissen, Schulabgaenger unverdienterweise als "die Elite von morgen" zu titulieren. Auch dass sie aus ihrer sozialdemokratischen Gesinnung keinen Hehl macht, und immer wieder geschockt feststellt, dass reiche Menschen vorrangig konservativ waehlen, mag man einer 28jaehrigen WG-Bewohnerin aus Kreuzberg verstaendnisvoll anrechnen.
Das groessere Problem dieses Buches sind die Widersprueche in Friedrichs' Argumentation. Einerseits bemerkt sie regelmaessig beinahe unglaeubig die 16-Stunden-Tage der "Elitestudenten", zeichnet aber gleichzeitig das Bild von den ueberprivilegierten reichen Pinkeln, denen alles in den Schoss gelegt wird. Sie bemaengelt ein ums andere mal das politische Desinteresse der BWL-Studenten, die ihr auf ihren Recherchen begegnen, kommt aber nicht auf die Idee, mal bei der Ebert-, Adenauer-, Naumann- oder Boell-Stiftung anzufragen, wo man politisch interessierte Jungelite vielleicht eher vermuten wuerde. Stattdessen trifft sie sich mit einem Organisator von attac, um zu bemaengeln dass dieser politisch engagierte junge Mensch fuer die Organisation von Sitzblockaden in Heiligendamm keinerlei staatliche Foerderung erhaelt.

Und dann, immer wieder: McKinsey. Vermutlich weil sich mit Hass auf diese Firma gut Buecher verkaufen lassen, taucht der Name fast so oft auf wie das Wort "Elite"; dabei beschraenken sich Friedrichs' Eindruecke bei McKinsey auf ein weinseliges Gespraech mit einem Berater waehrend einer Recruiting-Veranstaltung, und auf ein Jobinterview (mit ihrem Erfolg in letzterem immer mal wieder zu kokettieren kann sich die Autorin nicht verkneifen). McKinsey muss staendig als Platzhalter fuer die boese vernetzwerkte Oberschicht herhalten, in die man nur mit Vitamin B reinkommt. Dass Recruiting-Einladung und Jobangebot McKinseys an die ach so unelitaere Frau Friedrichs mit dieser These nicht so recht vereinbaren lassen entgeht der Autorin leider.

Wer nach dem wohligen "Die da oben"-Schauer auf dem Ruecken sucht, kann sich mit Julia Friedrichs' "Gestatten: Elite" zwei nette Abende machen. Wer sich ernsthaft mit der Frage auseinander setzen moechte, wem und wie wir in dieser Gesellschaft Verantwortung vergeben, wie viel Einfluss das Geld der Eltern auf zukuenftige Karrieren hat, vor allem aber wie man dieses System fairer gestalten koennte, der sollte sich nach etwas mehr durchdachten Texten umsehen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Erfolg der "Auserwählten Generation", 1. März 2010
Den erstaunlichen Wurf von Julia Friedrichs habe ich bestellt, bevor er noch in Österreich lieferbar war, habe den erfrischenden Text mit einem Mischgefühl aus Begeisterung und wachsender Besorgnis gelesen, dennoch an vielen Stellen, die meinen eigenen Erfahrungshorizont berührten, herzlich gelacht und das Buch daraufhin in einer meiner Vorlesungen thematisiert.

Erfreulich ist, dass es in einem enger werdenden, exzessiv kontrollierenden, wirtschaftspolitischen Machtsystem noch möglich ist einen öffentlichen Blick auf diskrete Rituale und elitäre Zeichengebung derer zu werfen, die längst eine über Generationen abgeschlossene Kaste der erfolgreich Vernetzten, vernetzt-Erfolgreichen gebildet haben; aufzuklären, was evident, aber bisher kaum durch Material belegbar war.

Dieses Buch wird - was erstaunt - nur halbherzig bekämpft, aber auch nicht ignoriert, sondern gelesen: ein Sonderfall glücklicher Wort- und Stilwahl. Frau Friedrichs' fundierte, engagierte Recherche halte ich für eine Voraussetzung zum Verständnis solcher, sich ausbreitender, auch immer öfter korrupter, zunehmend hermetischer, Parallelgesellschaften.

Basis einer gesellschaftlichen Fehlhaltung (der Abkehr von sozialer Durchlässigkeit zu exklusiven Gunsten der je eigenen, gegenüber der Mehrheit geheim gehaltenen, Interessen) ist allerdings eine Grundeinstellung. Diese wird vermutlich sehr früh beim Säugling vorgenommen, indem sie fundamentale Abhängigkeiten fixiert:
Manifeste Sätze wie "weil ich es sage" werden internalisiert und stehen hernach einigermaßen freien Entscheidungen oder bloßen Willensäußerungen dadurch entgegen, dass alternatives, sozial kompetentes Denken und Handeln für "untersagt" oder zumindest "unschicklich" oder einer "Karriere" abträglich gilt.

Das Selbst wird über "Erfolg" definiert, und - in Abwehr der logischen Existenzangst - kein Misserfolg geduldet, bzw. gemeinsamer Erfolg nur im Rahmen des vordefinierten gesellschaftlichen Substrats (der eigenen Kaste). Große Karrieren entfalten sich eher bei jenen, die sich über "Leistung" und das "Haben" - nicht über ihr "Sein" - definieren und daher in Beziehungen Macht als Surrogat für zugewandte Befriedigung suchen.

Es wäre hoch an der Zeit, Menschen im kreativen, sozialen "Sein" - im Mensch-, nicht im kurzfristigen Erfolgreichsein auf Risiko und Kosten Anderer - auszubilden.

Der Verlag ist für die Verbreitung eines solchen Textes zu würdigen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Provocation sells, 24. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
Das Buch ist sehr unterhaltsam, jedoch überspitzt plakativ geschrieben.

Als Masterstudent an der EBS und einem vorherigem Studium an einer öffentlichen FH habe ich im Vergleich zur Autorin bisher beide "Welten" gesehen und konnte mir einen Eindruck des Studentenalltages - sowohl an einer staatlichen Einrichtung auch als an einer privaten "Turbo-Machine" - machen.

Die Autorin betrachtet die EBS und andere Institutionen ihres Buches durch eine verzerrte und voreingenommene externe Brille. Wer die Füler ausstreckt, findet mit Sicherheit schnell Bestätigung auf viele Vorurteile, die über manche "Elite-Studenten" kursieren. So ist zum Bespiel ein Besuch des EBS-Symposiums mit Sicherheit nicht ausreichend, um den wahren Studentenalltag kennenzulernen, der sich in Hörsäalen, Bibliotheken, Lerngruppen und Diskussion abspielt.

Dennoch kann ich verstehen, dass eine breite Leserschaft nur zu erreichen ist und ein entsprechendes Medien-Echo nur dann erzeugt wird, wenn der Stoff selektiv und provokativ aufbereitet wird; das dies teilweise zulasten der Seriösität geht, ist schade, aber eine logische Konsequenz.

Letztendlich hat die Autorin das Ziel erreicht, dass sie den Akteuren des Buches vorwirft, nämlich möglichst schnell möglichst viel Geld zu machen. Paradoxerweise erreicht sie dies nur durch eben jene Institutionen, die sie scharf kritisiert.

Ich hatte mir das Buch gekauft, bevor ich mich für Masterstudiengänge beworben hatte. Eigentlich wollte ich es vorab lesen, habe mich aber dagegen entschieden. Und darüber bin ich froh! So habe ich mich nämlich nicht von meiner Studienentscheidung abbringen lassen und werde - wie viele meiner Kommilitonen, die ebenfalls aus einem "normalen" Elternhaus kommen - in den ersten Berufsjahren meinen Studienkredit abbezahlen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Naive Argumente, aber flott zu lesen, 28. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
Mit dem Buch ist der Autorin eines der lesbaren sozialkritischen Bücher des Jahres gelungen. Sie schildert ihre eher persönlichen Erfahrungen bei Recherchen zum Elitebegriff (und Eliteverhalten) junger Leute. Ein einigermaßen aufgeweckter Zeitungsleser dürfte zwar alle Einsichten und Informationen des Buches bereits hinlänglich kennen. Doch seine Spannung bezieht das Buch aus der sehr gekonnten Schilderung der Begegnungen mit Hoffnungsträgern und der Vorfreude auf kräftige Blamagen (die dann auch meist prompt eintreten). Das Fazit des Buches, dass Elite gleich Netzwerk ist, war seit Jahrzehnten bekannt -- spätestens seit den Forschungen von Heitmann. Dass er relativ schlecht wegkommt, teilweise als esoterisch bezeichnet wird, ist ein großes Manko des Buches. Überall wo die Autorin analytisch werden möchte, bleibt sie denn auch auffallend diffus. Dort kommt sie ebenso wie ihre Elite-Interviewpartner über ein naives journalistisches Allerlei nicht hinaus. Geschichten erzählen liegt ihr sicher mehr. Auch ihr Umgang mit dem eigenen klassischen Bildungsbürgerhintergrund wirkt teilweise etwas naiv. Man nimmt ihr absolut ab, dass sie sich für Elite dringend interessiert (wer bewirbt sich schon bei McKinsey?). Dass sie sich als nächstes auch mal um Chancen am unteren Ende der Skala interessieren könnte, scheint jedoch wenig wahrscheinlich. Wer aus der Mittelschicht kommt, eine gesunde Skepsis gegen Eliten und Vitamin B hat, kein Ausländer ist und nicht reich, einem 80er Jahre Gleichheitsdenken durchaus etwas abgewinnen kann, dem wird das Buch gefallen und die oder der sollte es kennen. Trotz aller Unzulänglichkeiten ist es endlich mal ein erfrischendes und flott zu lesendes Buch.
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101 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schwammige Eliten, 3. März 2008
Der Elite auf der Spur begab sich Julia Friedrichs an so illustre Orte wie Schloß Salem, dem Münchner Maximilianeum, Harvard oder zum Hauptquartier der Anti-G8-Demonstration in Rostock. Gegen Ende des Buchs stellt sie resigniert fest, der Elite-Begriff sei "schwammig".

Diesem Buch hätte es sehr gut getan, wenn die Autorin sich vielleicht schon am Anfang ihrer Recherche die Frage gestellt hätte, über was ihr Buch eigentlich handeln soll, was sie unter "Elite" überhaupt versteht. So werden hier recht unterschiedliche Institutionen wie Internate für Kinder reicher Eltern mit schulischen Problemen (Salem, Neubeuren), BWL-Hochdruckkaderschmieden (WHU, EBS) und Einrichtungen der klassischen Begabtenförderung (Maximilianeum, Bayerische Elite-Akademie) munter in einen Topf geworfen. Und um die "Die da oben, wir da unten"-Haltung zu bekräftigen, werden die Lehrerkinder des Maximilianeums auch gleich noch zur oberen Mittelschicht erklärt.

Hier und da gelangen der Autorin durchaus erhellende Einblicke - zum Beispiel wenn sie die anglizistischen Schwurbeleien hochbezahlter Managementtrainer beschreibt. Doch warum das Hartz 4-Kind Melina dann letztlich nicht nach Salem und Harvard geht, da bleibt Frau Friedrichs in der Analyse dann bei "die da oben schotten sich ab" stecken. Dass der Fernseher den ganzen Tag läuft und das Kind schon eine solide Raucherlunge hat, erwähnt sie zwar pflichtschuldig, impliziert aber dann sogleich, dass das soziale Elend darin besteht, dass das Mädchen nicht in einen Elite-Kindergarten für 1000 Euro / Monat darf. Schuld sind schließlich nicht wir selber, schuld sind die anderen "da oben".

Und wenn im VIP-Bereich auf der Luxusparty auch nur ein paar pubertierende Jugendliche lungern und es so gar nicht nach der rauschenden Ballnacht aus der "Deinhard"-Werbung aussieht, dann kommen Frau Friedrichs die Tränen.

Mir hingegen kamen die Tränen bei der Qualität des Lektorats. Da wird bei einer abendlichen Gala "black tight" verlangt (statt "black tie" - also Smoking). Und der Saturn in München liegt in der "Kaufbeurer Straße" (gemeint ist offensichtlich die Kaufingerstraße, auch wenn der Elektromarkt in der Verlängerung der Fußgängerzone, der Neuhauser Straße, liegt).

Um das Buch nicht zu sehr zu verreißen: die einzelnen Beschreibungen der Besuche in Salem und Neubeuren, bei McKinsey und in Rostock sind durchaus lesbar. Nur der Gesamtzusammenhang des Buches ist unbefriedigend, die Autorin weiß nicht, wohin sie will geschweige denn, wie sie da hinkommt. Deswegen von mir drei Sterne mit Tendenz zu zwei.
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Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen
Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen von Julia Friedrichs (Taschenbuch - 6. April 2009)
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