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Kundenrezensionen

44
3,6 von 5 Sternen
Olympos
Format: TaschenbuchÄndern
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87 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Oktober 2008
Spätestens nach der Lektüre von Dan Simmons Hyperion-Romanen wird jeder Liebhaber anspruchsvoller Science Fiction bestätigen, daß er zweifellos ein begnadeter Autor ist. Er versteht sein Handwerk und vermag es spannend und mit viel Einfallsreichtum zu erzählen. Stürzt man sich nach "Hyperion" auf "Ilium", den Vorgänger-Band von "Olympos", wird man in dieser Hinsicht ebenso wenig enttäuscht. Ein erstaunlich neues Universum voller Rätsel, fantasievoller Strukturen und poetischer Kraft scheint vor den Augen des Lesers zu erstehen, in dem Homers Ilias und der Trojanische Krieg eine seltsame, für den Anfang jedoch durchaus faszinierende Wiederbelebung erfahren. Wer sich jedoch in "Olympos" eine würdige Fortsetzung dieses vielversprechenden Epos erhofft und die Auflösung der gordischen Knoten erwartet hat, wird meiner Meinung nach ziemlich enttäuscht. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und können nicht in einem Satz zusammengefaßt werden, aber ich halte sie für triftig genug, sie hier einmal darzulegen.

Dan Simmons Art von Science Fiction, die er in "Olympos" verwendet, ist in ihren Mitteln beliebig wie jedes Märchen. Wer mehr von Simmons gelesen hat, weiß, daß er nicht an außerirdische Intelligenz glaubt (weswegen Aliens in seinem Werk so gut wie nie vorkommen), aber er scheint keine Schwierigkeiten damit zu haben, sich wahllos wie aus einem SF-Spielzeugladen zu bedienen und heraus kommt ein allzu problematisches Sammelsurium von Teleportations- und Gestaltwandlungsfähigkeiten, Zeitreisen, Paralleluniversen, Wiederbelebungen, Verjüngungen und dergleichen mehr. Die Geschichte verliert damit gewaltig an Glaubwürdigkeit, denn immer wenn irgendwas im Argen liegt oder eine gefährliche Situation eine Lösung benötigt, wird - zack - die richtige "Funktion" aus dem Ärmel gezaubert und Zaubern ist genau das, was die Helden des Romans in solchen Augenblicken tun. Zauberei ist Zauberei und kann ebenso spannend sein, aber Science Fiction bleibt Science Fiction und sollte sich nicht der weißen Kaninchen aus dem Hut bedienen müssen, um verschiedene Handlungsstränge in der Spur halten zu können.

Wie fast immer, wenn SF-Autoren zeitliche und räumliche Dimensionen außer Kraft setzen oder ihre Protagonisten gar zwischen verschiedenen Universen hin und her schicken, verheddert sich auch Simmons im Laufe der Handlung immer mehr in Paradoxa und läßt den am Anfang noch neugierigen Leser zum Schluß mit einer Menge unbeantworteter Fragen zurück. Die logischen Widersprüche häufen sich. Warum können 10 m hoch springende Voynixe nicht einfach über eine 4 m hohe Palisade springen? Warum gibt es eigentlich Odysseus zweimal und warum hat es keine Konsequenzen, daß die ältere Version sein jüngeres Alter Ego tötet? Was soll das für einen Sinn haben, menschliche Individuen in ziellos ins Weltall hinausreichenden Tachyonenstrahlen zu speichern? Wie können "Nachmenschen", die angeblich sogar die Körperlichkeit überwunden haben, von Caliban gefressen werden? Wie können Funktionen und Daten, deren Übermittlung Harman im Kristallenen Schrein fast das Leben gekostet hat, zum Schluß mal schnell in 30 Sekunden an Ada und andere Altmenschen weitergegeben werden? Eine weitere Aufzählung würde jedes Maß sprengen. Viele am Anfang noch spannende Handlungsstränge verlaufen buchstäblich im Nichts. Thomas Hockenberry, der dem (wie immer bei Heyne etwas einfältigen) Klappentext zufolge der Hauptheld sein soll, spielt nach wenigen Seiten in "Olympos" quasi keine Rolle mehr, genauso wie der Trojanische Krieg, der sich irgendwie in Wohlgefallen oder wenig mehr als reinen Selbstzweck auflöst. Wozu überhaupt "Scholiker" gebraucht werden, wo doch die Götter jederzeit an jedem beliebigen Ort auftauchen können und selbst am Krieg teilnehmen, bleibt rätselhaft, ebenso, wieso dazu nur Altphilologen, deren vollständige Person "aus ein paar Knochenresten und gespeicherten Daten" rekonstruiert wurde, taugen. Und der Kunstgriff, daß von menschlichen Literaten wie Shakespeare geschaffene Figuren auf einmal real auf der Bühne erscheinen, vermutlich aus dem Paralleluniversum der Fantasie menschlicher Dichter herbeigebeamt - Verzeihung, natürlich durch Bran-Löcher gereist, was immer das auch sein soll - ist doch, sorry - einfach nur albern. Die Identifikation des Lesers mit einer möglichst doch real erscheinenden Vision der Zukunft geht spätestens an dieser Stelle baden. Man bedenke, daß sich die Moravecs extra auf die Reise zur Erde machen, um die dortige extreme Quanteninstabilität, die das ganze Sonnensystem gefährdet, zu untersuchen und zu beseitigen - der Leser erwartet natürlich, daß diese Instabilität etwas mit der Handlung der Götter oder anderen Figuren der eigentlichen Geschichte zu tun hat. Doch weit gefehlt, sie finden schlußendlich lediglich ein U-Boot aus dem Untergegangenen Zeitalter, dessen Raketen mit Schwarzen Löchern als Sprengköpfen bestückt sind. Dieses U-Boot hat rein gar nichts mit der restlichen Handlung gemein und es nervt den aufmerksamen Leser, wenn sich der Autor offenbar nicht entscheiden kann, ob diese von islamischen Gotteskriegern installierten Schwarzen Löcher einfach nur da sind oder gerade entstehen oder sich kurz vor dem Kollaps befinden. Was denn nun? Und warum Moira Harman zu Fuß nach Westen zu diesem U-Boot schickt und ihn allein läßt, weiß auch nur der Barmherzige Gott, sprich der Autor. Auch der mit viel Tamtam in die Handlung eingeführte, ach so schreckliche Setebos und die von ihm ausgehende Bedrohung für den ganzen Planeten verlieren sich im Nirgendwo. Am Schluß ist er einfach "weggeqtet", tja wahrscheinlich ist dem Autor einfach nichts mehr dazu eingefallen oder er war einfach müde und wollte seinen Roman zu Ende bringen.

Die allergrößte Dummheit jedoch, die sich Dan Simmons leistet und die ihn in meinen Augen völlig disqualifiziert, besteht darin, daß er nicht davor zurückschreckt, falsch interpretierte schnöde Alltagspolitik unserer Tage in einer 4000 Jahre in der Zukunft spielenden Handlung vorkommen zu lassen. So nehmen wir erstaunt zur Kenntnis, daß die Altmenschen eigentlich alles vergessen haben, aber an den 11.9. wieder erinnert werden, ein Ereignis, daß allen Ernstes mit Auschwitz in eine Reihe gestellt wird. Und wir erfahren zu allem Überfluß, daß es palästinensische Ärzte waren, die mit dem Rubikon-Virus quasi die gesamte Erdbevölkerung vernichtet haben, während israelische Wissenschaftler heldenhaft bis zum Schluß für deren Errettung kämpften. Überhaupt strotzt der ganze Roman vor unterschwelliger Islamfeindlichkeit und das kriegslüsterne Kaliphat geht sang- und klanglos unter, während das friedliebende jüdische Volk aufgrund seiner besonderen genetischen Veranlagung alles übersteht. Abgesehen davon, daß hier Simmons wie viele andere die Begriffe Volk und Religion verwechselt, ist ihm wohl mal ein Besuch in einem palästinensischen Flüchtlingslager unserer Tage dringend zu empfehlen. Wie ein Pressesprecher der Bush-Administration klärt Simmons den Leser übrigens nebenbei noch über "Sozialismus und Kommunismus" auf, die als "Unsinn, der sie schon immer waren" verworfen werden. Über diesen Mischmasch aus neoliberaler Propaganda, typisch amerikanischer Halbbildung und angepaßter Political Correctness in einem SF-Roman kann man nur noch den Kopf schütteln ...

Wen wundert's dann noch, wenn die Gesamtheit der antiken Götter, die im Laufe der Handlung immerhin die Fähigkeit besitzen, beliebig vom Mars der Zukunft zur "Ilium-Erde" (welcher Zeit und Dimension auch immer) zu teleportieren, in einem monotheistischen Bravourstück sondergleichen, zu dem selbst der Papst gratulieren würde, am Schluß des Romans verschwinden und zwar, wie der Leser gleich belehrt wird, "für immer" und ihre Gegenwart, die der Autor auf annähernd zweitausend Seiten als töricht, gewalttätig und paranoid nicht müde wurde zu beschreiben, durch den einen und einzigen, barmherzigen und "ruhigen" Gott ersetzt wird. Amen, könnte man noch anfügen... Da Simmons in seinen Erzählungen des öfteren interessante und intelligente Aspekte des Taoismus und Zen verwendet, bleibt mir absolut rätselhaft, wieso er uns hier wieder ein so braves jüdisch-christliches Weltbild als die alleinseligmachende Wahrheit verkaufen will.

Die von mir vorgebrachten Einwände sind meines Erachtens keineswegs unwesentlich (erstrecht nicht für einen SF-Roman) und haben dazu geführt, daß ich mich nach mehreren Hundert Seiten "Olympos" dabei ertappte, wie ich mich unentwegt über Widersprüche ärgerte, die Handlung immer belangloser fand und den Wunsch verspürte, das Buch wegzulegen ohne es wieder anzurühren. Ich habe es dann wie eine Fleißarbeit zu Ende gelesen und das hat nun gute Science Fiction wirklich nicht nötig - wer schon mal einen Roman von Iain Banks gelesen hat, wird verstehen, was ich meine... Dan Simmons hat sich jedenfalls in "Olympos" nicht als kreativer und intelligenter Visionär bewiesen, sondern lediglich als etwas verwirrtes, allzu typisches Kind seiner Zeit...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Mai 2014
Nachdem Dan Simmons mit Hyperion und Endymion eine fantastische Saga niedergeschrieben hat sind die Erwartungen an sein zweites Zukunfts- und SciFi-Epos Ilium/Olympos natürlich sehr hoch. Trotz vieler teils sehr negativer Kritiken und Story-Schwächen finde ich dass Dan Simmons hier zwei sehr lesenswerte und spannende Romane geschrieben hat.

Die Geschichten rund um den Olymp, der alten Erde und ihrer Bewohner und den Moravecs als (anfangs) außenstehende Beobachter sind durch die Bank originell und für Dan Simmons typisch sehr lebendig und bildhaft beschrieben. Einzig die Beschreibung der griechischen/trojanischen Helden ist ab und an etwas zäh (Ilias-Kenner werden hier ihren Spaß haben), ansonsten nimmt die Geschichte sehr schnell Fahrt auf, viele Kapitel enden mit einem Spannungsbogen der mit einem Wechsel zu einem anderen Handlungsstrang aufrecht erhalten wird (neudeutsch "Cliffhanger"). So erzählt Simmons drei Handlungen parallel, die er später, ähnlich wie die Erzählungen der Pilger in Hyperion, zu einem großen Ganzen vereint.

Jedoch hat die Geschichte und vor allem Olympos auch ihre Schwächen und Fehler. Simmons verliert sicher meiner Meinung nach zu oft in wirres Technobabble das er gefühlt auch noch möglichst orthogonal zu seiner Hyperion/Endymion-Erzählung halten wollte. Gab es in Hyperion noch originelle und im SciFi-Kontext plausible Beschreibungen der Technologie (z.B. Farcaster, Raumschiffe, Waffen, den TechnoCore usw.) wird in der Ilium-Welt alles mit gefühlt zufällig durcheinander gewürfelten Begriffen aus der theoretischen Physik (Quanten-Graviation-Calabi-Yau-Bran-Loch-Superstring-Raumzeit-Teleportation etc.) erklärt und abgehakt, ein bisschen weniger wäre hier mehr gewesen.

Auch sind einige Handlungsschritte für den Leser nicht immer ganz nachvollziehbar (z.B. die Wanderung durch den Bruch und die Geschichte mit dem U-Boot), hier muss man sich zufrieden geben nach dem Motto "die (Quasi-)Götter werden schon wissen was und warum sie es tun".

Das Ende, obwohl es für mich ein paar schöne Erklärungen und Aha-Erlebnisse gab (Setebos und Prospero, der trojanische Krieg etc.) war es doch etwas unbefriedigend da zu viele Fäden offen gelassen werden, die Geschichte hätte locker noch das Potential mit einem Sequel ähnlich wie bei Hyperion weiter erzählt zu werden. Ich hatte irgendwie das Gefühl hier waren sich Verlag und Autor uneinig und Simmons musste mit Olympos einen Abschluss seiner Geschichte finden.

Ich empfehle trotz der eher durchwachsenen Kritiken und Schwächen jeden Simmons- bzw. SciFi-Fan der Geschichte und speziell Olympos eine Chance zu geben.
<SPOILER>Beispielsweise sind die Kapitel über die Reise von Achilles und Hephaistos in den Tartaros und dem anschließenden Angriff der Titanen und Demogorgon auf den Olymp, oder die Beschreibung der wahnsinnigen Macht der Setebos-Brut in ihrem Erdloch, um nur zwei zu nennen, Dan Simmons in Bestform!<SPOILER>
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Olympos ist der zweite Teil von Ilium:

Die Geschichte unserer Welt ca. 6000 Jahre nach Christus.

Sosehr ich vom ersten Buch und der Idee auch begeistert bin, so hat es der Autor in Olympos zu gut gemeint: Zu gut mit einer zu großen Seitenanzahl. Zu gut in dem er das Buch scheinbar recht schnell schrieb und dabei so manchen groben Logikfehler durchgehen ließ.

So wurde dieses Buch zum schwächsten von Dan Simmons.

Alles wirkt zu schnell, zu oberflächlich, zu wenig durchdacht. Der glanzvolle Abschluss wird zu einem auslaufenden Ende, ohne das wichtige Fragen geklärt bleiben.

Es wäre gut gewesen, das Buch noch einmal zu überarbeiten und um mindestens 200 Seiten zu kürzen.

Szenen, wie in denen Harmann, der 99 Jahre der freien Liebe gefrönt hat und jetzt eine nackte Frau bumsen muss, damit sie wieder erwacht, und das nur schafft, in dem er die Augen zumacht und an seine Frau denkt und das Ganze auf ca. 5 Seiten ausgedehnt, wären mir lieber erspart geblieben.

Auch ganz schlimm Folgendes: Ein Uboot mit Weltzerstörungswaffen (Schwarze-Loch-Bomben) liegt am Meer. Laut Simmons mussten diese Schwarze-Loch-Bomben, die bei Befreiung durch die Abschirmungsfelder einfach die Erde vernichtet hätten, zuerst von einem Uboot mit ballistischen Raketen abgeschossen werden. Das hat dann glücklicherweise jemand verhindert.

Abgesehen von solchen groben Schnitzern sind die drei Handlungsstränge:

-Die Roboterwesen von den äußeren Planeten, welche die Erde retten.

- Die Nachmenschen um Harmann und Daeman, welche sich gegen die von den Nachmenschen beschworenen Gefahren behaupten müssen.

- Den Göttern und ihren Kriegen gegeneinander und gegen Menschen und Moravacs

gut und spannend dargestellt. Besonders wer den ersten Teil (Ilium) gelesen hat, der muss dieses Buch auch lesen.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Februar 2009
Troja, die edle auch Ilium genannte Stadt, steht im Brennpunkt der gesamten Galaxis. Trojaner, Griechen und extraterrestrische Streitkräfte der Moravecs belagern den Olymp und seine einst hochverehrten Götter. Auf der ursprünglichen Erde haben die Altmenschen ganz andere Probleme und müssen sich der mörderischen Angriffe rebellierender Voynixe erwehren und verzweifelt nach einer Möglichkeit zum Überleben suchen. Thomas Hockenberry steht vor den Scherben seines nur zu erfolgreichen Versuchs, die Ilias umzuschreiben und kann nur noch bangen, wie dieser epische Konflikt ausgehen mag.

Immer wieder im Laufe dieses Buches stellte sich mir die Frage: Wie kommt der Mann nur auf solche Ideen? Das Buch erbebt förmlich von sprühendem Humor, tosenden Lachern, trockenem Sarkasmus und brillantem Witz. Der geneigte Leser sollte aber gewarnt ein, dass die Sprache - gerade bei den alten Griechen samt Gottheiten - regelmäßig meisterlich unflätig und mit unzüchtigen Direkt- und Doppeldeutigkeiten durchsetzt ist. Statt ein "O edler Achilles..." heißt es im noch harmlosen Fall "Du triefäugiger H****sohn...". Auch Simmons Faible für die weibliche Brust, ausschweifende sexuelle Erlebnisse und blutrünstige Schlachten werden äußerst plastisch zelebriert. Es ist schon eine pikante Art von Humor, die vielleicht nicht jedermann anspricht, die aber zumindest mich persönlich ungeheuer amüsiert und zum Lachen gebracht hat. Zwar stellt man sich unter der Ilias samt Helden und Göttern hehre Gestalten mit geschliffenen hochgestochenen Dialogen vor - aber mal ehrlich, das sind auch bloß Menschen und dazu noch grobschlächtiges Manns- und Soldatenvolk und insofern finde ich Simmons humorvoll übertriebene Sprachbalance höchst passend. Darüber hinaus hat er mit echtem Simmons'schen Genie erneut zahllose Handlungsstränge brillant verflochten, sie minutiös vorangetrieben und verblüfft stilistisch perfekt immer wieder mit originellsten Geniestreichen, blitzartigen Wendungen und einer wunderbar verknüpften Hommage an die Ilias, die Odyssee, Vergil und Shakespeare.

Mit einem hochgradig starken Anfang im Rücken begeht Dan Simmos dann aber völlig überraschend DEN Kardinalsfehler der schreibenden Zunft schlechthin: ein äußerst schwaches Ende. Ab Seite 600 ging es qualitativ in jeder Hinsicht abrupt bergab und wurde wirklich u wahrhaftig grottenschlecht. Sämtliche Handlungsfäden und Ideen, die Simmons so grandios vorangetrieben hat, fanden entweder ein jähes unausgegorenes Ende oder wurden ohne Sinn und Verstand links liegen gelassen. -- Spoiler Anfang -- Allein die Thematik mit den Juden, Moslems und dem Rubikon, die in Ilium so geheimnisvoll eingeleitet wurde, fand letztendlich (k)eine Auflösung auf drei Seiten und 20 Wörtern. Man hörte etwas von Krieg und Auslöschung, aber nichts, aber auch gar nichts wird vertieft. Der letzte Neumensch, Moira, wurde in Gestalt Savis erweckt. Wozu? Ihr Auftritt war nach einigen Seiten und geheimnisvollen Andeutungen vorbei, ihre einzige Leistung bestand in der Modifizierung von Harman, der kurz durch die Gegend torkelt und dessen Entdeckung des U-Bootes ebenso keine Rolle spielt, womit sein Charakter seine (ja welche?) Schuldigkeit getan hatte. Auf Prospero, Ariel und Calabani wurde kaum eingegangen, sie blieben blass, ohne Inhalt und wurden nach langer Einstimmung völlig verschenkt. "Noman" Odysseus' Anwesenheit über zwei Werke hinweg wurde zur völligen Enttäuschung, als er mit Sycorax fünf Worte wechselte und dann auf und davon war. Wer ist eigentlich Sycorax? Kein Hintergrund und im Endeffekt war sie ebenso wie Nomans Abtreten völlig belanglos. Die Voynixe - das halbe Buch bekämpften die Altmenschen sie - dass ein wenig mehr Tiefgang zu ihnen (oder auch zu den Unmengen an Calamani) empfehlenswert wäre, war bis auf eine lächerliche Notiz Fehlanzeige. Das urplötzlich aufgefundene U-Boot stand auf einmal im Mittelpunkt, ich warte immer noch darauf, dass mir jmd. die Bedeutung dieses völlig überflüssigen Zufallsfunds für die epische Handlung erklärt. Die Götterdämmerung in Verbund mit dem Tartarus war in wenigen Seiten im Schnelldurchlauf abgehandelt, Zeus' Ende war gruselig banal und das mit Hephaiston, bitte... Setebos, der große Böse, war am Schluss nur noch eine entbehrliche Fußnote, der mitsamt seiner Pläne ebenso wie der vielgepriesene und nie vertiefte "Stille Gott" aus den Augen und aus dem Sinn war. -- Spoiler Ende -- Ich könnte noch endlos so weitermachen, denn der Autor hat es wirklich und wahrhaftig geschafft, seine gesamte brillante Geschichte in den letzten 400 Seiten dilettantisch in Schutt und Asche zu legen. 60 Seiten vor Schluss fühlte ich mich, als hätte mir jemand eine eiskalte Dusche verpasst. Die Leselust verabschiedete sich unter Null und ich hoffte nur noch auf ein befriedigendes Ende. Mag sein, dass ich insoweit vielleicht zu enttäuscht war, denn selbst das Ende empfand ich als uninspirierte Totalenttäuschung. Eine übermäßig nörgelnde Amazone, unterirdischer Humor, endlose offene Fragen, hier ein schnelles Happy-Ende, dort eine sinnfreie Sexszene und dann noch eine fast märchenhaft anmutende banale Endsequenz, die aus dem Epos endgültig ein Laientheater machten. Simmons Genie' hatte sich tatsächlich ab Seite 600 irreversibel verabschiedet. Mir schien es, dass der Autor 400 Seiten vor Schluss entweder nicht weiter gewusst hat, sich im Dickicht seiner Handlungsfäden hoffnungslos verirrt hatte, kein drittes Buch schreiben wollte oder einfach nur von Sinnen war. Was für ein ambitioniertes Projekt - und was für eine kolossale Bruchlandung...

Fazit:

Dem Buch gebe ich noch zwei halbverhungerte Sterne, weil ich den ersten 600 Seiten noch viel abgewinnen konnte, ich der ursprünglichen Idee aus Ilium viel Respekt entgegen bringe und es das Werk immerhin verstand, mein Interesse an klassischer Literatur zu (er)wecken.
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37 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. März 2006
Reichlich anderthalb Jahre hat es gedauert, bis die ungeduldig erwartete Fortsetzung von ILIUM (Heyne, 2004) nunmehr erschienen ist – keine sehr lange Zeit, wenn man den veritablen Umfang (960 Seiten!) des neuen Bandes und die aufwendige Übersetzungsarbeit berücksichtigt. Peter Robert, der schon ILIUM übersetzt hatte, hat diese gewiß nicht leichte Aufgabe in sprachlich-stilistischer Hinsicht hervorragend gemeistert. Leider ist das auch schon das einzig Positive, was aus Sicht des Rezensenten zu OLYMPUS gesagt werden kann.
„Ein epochales Werk – nach seinem preisgekrönten Roman „ILIUM“ stellt Da Simmons mit „OlLYMPOS“ einmal mehr unter Beweis, dass er der bedeutendste mythenschaffende Schriftsteller unserer Zeit ist“, verkündet der vollmundig Verlag auf den Rücktitel – ein Anspruch, dem das vorliegende Werk leider zu keinem Zeitpunkt gerecht werden kann. Angeblich erzählt das Buch die Geschichte von Thomas Hockenberry, Philosophie-Professor und Homer-Experte aus ILIUM, weiter, was jedoch nur sehr eingeschränkt der Fall ist, denn Hockenberry spielt in der Fortsetzung eine eher untergeordnete Rolle. Andere Protagonisten wie der Altmensch Harmann und seine schwangere Freundin Ada werden weitaus intensiver und liebevoller geschildert, wie sich insgesamt das Geschehen weitgehend auf die „alte“ Erde verlagert. Bezog ILIUM seinen Charme aus dem Gegensatz zwischen der zumeist nur angedeuteten Hochtechnologie einer fernen Zukunft und dem antiken Gemetzel zwischen Griechen und Trojanern, wobei die Götter eine sehr undurchsichtige und deshalb geheimnisvolle Rolle spielten, so versteht es der Autor in der Fortsetzung nicht, weiter mit diesem Pfund zu wuchern. Zwar geht die Schlacht weiter – blutiger als je zuvor, nachdem die Menschen ihren Kampf gegen die Götter aufgegeben haben und der Kampf um ILIUM in scheinbar geordneteren Bahnen seine Fortsetzung nimmt (allerdings ohne den „Göttervater“ Zeus, der von Hera in eine Falle gelockt und in einen Dauerschlaf versetzt wurde) –, auf Dauer langweilen die exzessiven Schlachtszenen jedoch nur noch, zumal die zahlreichen Wendungen des Geschehens willkürlich und aufgesetzt erscheinen. Inzwischen haben sich die Moravecs (von Menschen konstruierte roboterähnliche Entitäten mit künstlicher Intelligenz) auf den Weg in Richtung Erde gemacht, da sie dort den Ursprung des Konflikts vermuten. Mit an Bord sind der von Ilium entführte Odysseus und (zeitweise) Thomas Hockenberry, dessen Rolle bis zuletzt unklar bleibt. Ebenso undurchsichtig erscheint das Geschehen auf der alten Erde, wo sich die Voynixe (ehemals dienstbare Roboterwesen) gegen die Altmenschen erhoben haben und diese zu Hunderten massakrieren. Harman, Daeman und Ada überleben den Angriff zunächst, allerdings scheint ihre Lage zunehmend aussichtslos, zumal sich zusätzlich zur Voynix-Plage eine ebenso mächtige wie übelwollende Gottheit namens Setebos auf Mutter Erde niedergelassen hat und einen Zufluchtsort der Altmenschen nach dem anderen unter tödlich-blauem Eis ersticken läßt. Auch der Magier Prospero ist wieder mit von der Partie, ebenso wie die blutgierige Kreatur Caliban, der bereits der überwiegende Teil der sogenannten „Nachmenschen“ zum Opfer gefallen ist. Einer bzw. eine dieser Nachmenschen hat allerdings in einem Sarkophag auf dem Gipfel des Himalaya überlebt, und es bleibt Harman im Rahmen einer äußerst rätselhaften Mission vorbehalten, diese jüngere Version der „ewigen Jüdin“ Savi wiederzuerwecken. Die junge Frau namens Moira verfügt über im Wortsinne unglaubliche Fähigkeiten, die – wie sich später herausstellt – zu großen Teilen auch den Altmenschen zur Verfügung stehen. Die Erklärung bleibt vage, sowohl von genetischer Manipulation als auch von Nanotechnologie ist die Rede, was z. B. angesichts der Fähigkeit zum „Freifaxen“ (sich an einen beliebigen Ort versetzen) mehr als fragwürdig erscheint. Überhaupt benutzt der Autor die spektakulärsten wissenschaftlichen Ideen der Neuzeit ohne erkennbare Skrupel oder den Versuch einer seriösen Begründung. Es wimmelt von Bran-Löchern, alternativen Universen, Logosphären-Avatars und sogar den guten alten Black Holes in Miniaturausführung, die Dan Simmons zu einem pseudowissenschaftlichen Cocktail mischt, der sich mit zunehmender Länge des Werkes als unverdaulich erweist. Spätestens nach der Hälfte des Buches fragt sich der Leser ernsthaft, was denn das Ganze nun eigentlich soll, und die Antwort – so man denn überhaupt von einer solchen sprechen kann – fällt leider alles andere befriedigend aus und offenbart einen gewissen Hang des Autors zur Metaphysik. Zu den metaphysischen Schrecken gesellt sich dann auch noch menschliche Bosheit, die zu allem Überfluß auch noch in ein ideologisches Gut-Böse-Raster gepreßt wird. Wie nach dem 11. September offenbar modern und mehrheitsfähig, sind es die bösen Moslems, die die Erde mittels einer Seuche fast vollständig entvölkert haben und nur durch unsere Helden daran gehindert werden können, die alte Erde sozusagen post mortem mittels einiger Hundert Schwarzer Löcher in eine Staubwolke zu verwandeln. Derartige ideologisch-politische Konstrukte mögen bei Near-Future.Szenarien ihre Berechtigung haben; bei einer Handlung, die angeblich mehrere Tausend Jahre in der Zukunft spielen soll, wirken sie etwa so glaubwürdig wie ein Mongolensturm auf den Asteroidengürtel und alles andere als „mythenschaffend“.
Beinahe noch ärgerlicher ist die Neigung des Autors, mittels exzessiver Sex- und Gewaltszenen ein Publikum zu erreichen, das wohl sonst keine Bücher lesen würde. Die entsprechenden Organe haben zumeist Unterarmlänge (nur kein Neid) und Körpersäfte werden mindestens literweise ausgeschüttet bzw. mit Hieb und Stichwaffen extrahiert. Die Figur des Achilles wird vermutlich einzig aus diesem Grund so ausgiebig geschildert, denn sinnvoll erscheinen die Aktivitäten des Achäerhelden zu keinem Zeitpunkt. Leider ist dieses Fazit der weitgehenden Sinnfreiheit des Gesamtwerkes das einzige, was dem geneigten Rezensenten nach der Lektüre der fast 1000 Seiten geblieben ist. Normalerweise werden inhaltliche Defizite bei Dan Simmons‘ Büchern durch ein hohes Maß an Spannung kompensiert (was bei ILIUM durchaus noch der Fall war), doch auch die fehlt bei OLYMPOS über weite Strecken. Die Protagonisten sind erstens zu zahlreich, um Interesse an den Geschicken des einzelnen aufkommen zu lassen, und der letztendliche Erfolg der Unternehmungen der „Guten“ scheint von Beginn an wenig zweifelhaft. So stellt sich OLYMPUS am Ende als eine ärgerliche Kombination von Seitenschinderei, Spannungsarmut, Pseudowissenschaftlichkeit und ideologischer Determiniertheit dar, mit der der Autor der genialen Hyperion-Gesänge weder sich noch dem Publikum einen Gefallen getan hat.
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am 22. August 2013
Die Lektüre von "Olympos" hinterlässt gemischte Gefühle. Denn der Spannungsbogen und die ungewöhnliche Handlung, die Dan Simmons im ersten Teil der Saga so meisterhaft in den Köpfen der Leser entstehen lässt, werden (wohl bewusst) nicht aufgelöst. Es gibt kein logisches Ende, keine Auflösung aller offenen Fragen. Der Roman endet einfach in Wohlgefallen, ohne dass der Sinn hinter alledem deutlich wird ... und genau dass ist der Clou der Ilium-Fortsetzung. Das Mysterium bleibt unberührt und alle Interpretationsversuche führen ins Leere.

Damit wird deutlich an welcher literarischen Vorlage sich Simmons wirklich orientiert hat: Es ist jedenfalls auf keinen Fall Homers "Ilias" - auch wenn ein Teil der Handlung sich mit dem Trojanischen Krieg befasst. Auch die Werke Shakespeares oder Marcel Prousts dienen nur der Staffage. In Wahrheit ist es das Voynich-Manuskript, das die Vorlage für die Ilium/Olympos-Saga abgibt. Denn dieses weltberühmte mittelalterliche Manuskript (das im Buch natürlich angesprochen wird) ist so seltsam verschlüsselt, dass es seinen Inhalt bis heute (trotz aller Bemühungen) nicht preisgegeben hat. Lesen kann es bis heute keiner - genau wie die olympischen Götter trotz all ihrer Macht nicht lesen können. Dan Simmons erwähnt in "Olympos", dass einige der Abbildungen im Manuskript womöglich außerirdische Pflanzen darstellen - aber so genau weiß das natürlich keiner. Das Geheimnis des mysteriösen Manuskripts bleibt also gewahrt - genau wie das der Ilium/Olympos-Saga.

Einzig ein Thema zieht sich durch den Zyklus wie ein roter Faden und das ist die Religion und der Mythos. Da spielen posthumane "Nachmenschen" als olympische Götter verkleidet den trojanischen Krieg nach. Ein von der Nachmenschen-Hexe Sycorax/Circe ins Land geholter teilnahmsloser außerirdischer Gott (der vielarmige Setebos) vernichtet die Menschen und ernährt sich als Schmarotzer von ihren Ängsten. Der Konflikt zwischen militantem Judentum und fanatischemIslamismus ums Heilige Land führt zur fast vollständigen Ausrottung der Menschheit durch den Rubikon-Virus und zur Beinahe-Vernichtung der Erde durch palästinensische Selbstmordattentäter und der sagenhafte Odysseus/Noman (wohl ebenfalls ein Nachmensch mit Jesus-Komplex) befindet sich auf seiner ganz persönlichen Odyssee. Und nicht zu vergessen der ruhige Gott, der am Ende alle Möchtegern-Götter vertreibt aber selbst nicht direkt in Erscheinung tritt.

... und was bleibt bei all dem Chaos, in dem Simmons sich verheddert - wohl nur das Fazit, dass sich für die Menschheit Rebellion gegen die Götter immer lohnt (außer für Achilles) … denn Wissen und Vernunft (der ruhige Gott?) siegen am Ende doch. Ist der ganze Roman also nur eine gigantische, anti-religiöse und letztlich auch anti-technische Allegorie, in das Gewand einer SF-Handlung gegossen? Das weiß wohl nur Dan Simmons, denn man stellt sich schon die Frage, ob es sich lohnt die halbgare poltische Weltanschauung und die pseudophilosophischen Ergüsse des Autors im einzelnen aufzudröseln. Schließlich handelt es sich ja nur um einen Unterhaltungsroman und nicht gerade um ein philosophisches Meisterwerk. Da ist es das Beste, das Ding einfach abzuhaken und zur Tagesordnung überzugehen. Schade, denn nach Hyperion/Endymion hätte ich von Simmons mehr erwartet ...
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Juni 2006
Das von Simmons geschaffene Universum, in dem Nachmenschen, Götter, Helden und Moravecs die Protagonisten sind, ist - wie in Hyperion und Endymion - wieder allererste Sahne. So detailreich, bunt und interessant sind andere SciFi-Schriftsteller nicht mal im Ansatz. Die Anzahl der Motive und interessanten Ereignisse sind enorm.

Was Dan Simmons in Olympos leider nicht gelingt und zwar gar nicht (!), ist die in Ilium aufgeworfenen Handlungsstränge unter einen Hut zu bringen und zufriedenstellend zu lösen. Auch nach knapp 2000 Seiten bleiben leider auch viele wichtige Fragen offen. Somit ist Olympos nach dem sehr guten Ilium eher enttäuschend, wenn auch immer noch gut.

Als Ausgleich dafür bietet, insbesondere Ilium, eine superinteressante Symbiose zwischen Science Fiction Roman und Homers Ilias. Wie hier Dan Simmons die Geschichte um die Belagerung Trojas aufgreift und in sein Universum verlegt, ist genial. Schön ist, dass die Helden der Ilias hier - jedenfalls zu Beginn der Geschichte - im Sinne Homers wiederbelebt werden. Das Ergebnis ist beispielsweise ein Achilles, der die Bezeichung größter Held aller Zeiten wirklich verdient. Wenn Dan Simmons diesen auf das Schlachtfeld führt, wird die Ilias lebendig. Dieser Handlungsstrang ist das Highlight dieses Wälzers und da es den Hauptteil der beiden Romane Ilium und Olympos bilden, sind beide Bücher insgesamt sehr zu empfehlen. Dan Simmons-typisch sind andere Passagen und Handlungsstränge dagegen weniger gelungen, trüben das Gesamtbild aber nicht entscheidend.

Fazit: Für alle diejenigen die sich von humanistischer Bildung und Science Fiction gleichsam angesprochen fühlen (insbesondere wenn Grundkenntnisse der Ilias vorhanden sind), kann ich Ilium/Olympos sehr empfehlen. All diejenigen, die diese Symbiose nicht interessiert lesen entweder die Ilias im Original (kann ich durchaus empfehlen) oder die Hyperion-Gesänge, die nochmal mindestens eine Klasse besser sind.

Illium verdient fünf Sterne, Olympos vier. Insgesamt vergebe ich vier Sterne, da ich bei zweitausend Seiten eine bessere Auflösung erwarten kann und ich nicht alle Handlungsstränge gut finde. Insgesamt aber wieder Daumen hoch!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Juli 2008
Ich will meine Vor-Rezensenten nicht wiederholen. Zum Inhalt des Buches ist alles gesagt.

Ich habe die Hyperion Gesänge gelesen und danach Endymion. Das zweite Buch war schlechter. Ich habe Ilium gelesen und Olympos war schlechter. Aber, wenn man bei Ilium durch ist, drängt sich die Fortsetzung auf.

Ich habe die Ilias und Odyssee von Homer einige Male gelesen und bin recht interessiert an griechischer Mythologie. Ich kann mir vorstellen, dass die Lektüre langatmig wird, wenn die Charaktere nicht bekannt sind.

Weshalb ich aber wirklich nur drei Punkte geben kann, ist die Tatsache, dass in dem Buch tatsächlich Moslems einen Endschlag in einem unscharf geschilderten Krieg führen wollten, der zur Vernichtung der Welt geführt hätte, wenn aus unklaren Gründen die Technik nicht versagt hätte.

Was soll das in einen Sci-Fi? Krieg ist schlecht. Fanatismus ist schlecht. Selbstmordattentäter sind schlecht. Ja, September, 11. war ein traumatisches Erlebnis. Soweit - so gut. Aber bitte, wenn man einen SciFi schreibt, der mehrere tausend Jahre der Weltgeschichte umfasst, dann ist es mehr als ärmlich, wenn man sich gerade Moslems als die fiktiven Täter aussucht.

Wäre ein solches Buch im Mittelalter entstanden (ok, nicht wirklich möglich), dann wären sicherlich die eher blutrünstigen hexenverfolgenden Christen als Täter fällig gewesen. Wäre ebenso unpassend gewesen.

Hat mir derb aufgestoßen und den Spaß am Lesen etwas genommen. Das ist einfach zu platt und für den Autor von Hyperion unnötig.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. März 2006
Mit Spannung erwartet, liegt der 2. Teil der Geschichte, die mit Ilium begann, endlich vor. Und umfangreich ist er auch geworden, was darauf hoffen lässt, das alles zu einem befriedigenden Ende kommt.
Und diese Hoffnung wird -leider- nicht erfüllt. Das Buch ist schön zu lesen. Es passieren ganz viele Sachen. Es wird viel erklärt. Es gibt viele Bezüge zu der "Ilias" von Homer und zu "Der Sturm" von Shakespeare. Es wird jede Menge High-Tech beschrieben. Und -natürlich- werden ganze Horden von griechischen Nicht-Handlungsträgern namentlich benannt.
Was Simmons nicht vermittelt, ist die Motivation der handelnden Personen. Diese bleibt dem Leser verborgen, ebenso wie der Sinn mancher Handlungsbögen.
Beispiele gefällig (Achtung, Spoiler)?
Die umständlich Reise von Harmann zum Mt. Everest.
Die Geschehnisse in Paris-Krater.
Das Auftauchen und Verschwinden von Setebos.
Das Ei von Setebos, das Daeman klaut.
Die Erkundung des U-Boots durch Daeman.
Das Entschärfen der Black-Hole-Sprengköpfe.
Die kleinen grünen Männchen.
etc.
Nichts davon ist für die Handlung von Bedeutung, sondern lediglich schmückendes Beiwerk, vieles wird dem Leser hingeworfen und nicht erklärt (wozu auch, er hat das Buch ja schon gekauft und kann sich nicht wehren).
Auch bleibt das Verhalten wichtiger Figuren wie Moira, Prospero, des Demigorgon, der Götter allgemein, für den Leser unverständlich. Zu wenig wird erklärt, obwohl jede Menge geschrieben wird, zu vieles bleibt zwar schön erzählt, aber im Endeffekt bedeutungslos.
Das Ende ist sehr vage gehalten, die eigentlich wichtigste Sequenz (mit Odysseus) wird zu kurz und nur am Rande abgehandelt, wesentlich zu wenig wird erklärt.
Was nach über 900 Seiten, die der Autor benötigt, um bis dorthin zu kommen, eine schwache Leistung ist. Man hat irgendwie das Gefühl, dass Simmons zu viele Ideen in seine Geschichte gepackt hat und am Ende selbst nicht mehr wusste, wie er die einzelnen Fäden verknüpfen sollte (was er dann auch nicht mehr gemacht hat).
Das Buch ist -trotz aller Kritikpunkte- gut zu lesen und macht auch Spaß, nur wird der Leser nachher mit der Frage, was der Autor uns eigentlich sagen wollte, allein gelassen.
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43 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Dezember 2006
Trojanische und griechische Helden lehnen sich gegen nanotechnisch geupgradete Göttermenschen auf! Ein wieder zum Leben erweckter Professor aus dem 20. Jahrhundert steigt mit Helena von Troja ins Bett! Tierähnliche Roboterwesen streiten sich, ob nun Proust oder Shakespeare der bessere Dichter war! Ganz so wie es Dan Simmons in seinem Vorwort zu "Ilium" 2003 erwähnt hatte, wirkte der erste Roman, als würde ein Literaturexperte mit seinen Kindern mit Actionfiguren aller Arten spielen und dabei ein gigantisches Sci-Fi-Epos sowohl voller Action und Abenteuer, als auch voller Poesie, Anspruch und literarischer Tiefe erschaffen. Die Rechnung ging voll auf: "Ilium" war höchst unterhaltsame Space Opera, sprachlich und erzählerisch sowieso nie so gut wie die übermenschlich schönen "Hyperion-Gesänge", aber doch ein echter Winner voller Fantasie und Humor. Wohl davon beflügelt, immer noch ganze Universen voller Wunder erschaffen zu können, haute Simmons die Fortsetzung nur 2 Jahre später raus und das Buch ist einfach gesagt nicht mal schlecht: es ist eine Katastrophe. Wenn es einfach nur eine Enttäuschung wäre, wenn die Story unspektakulär, langatmig, aber in sich stimmig zu Ende gehen würde, könnte man dies Simmons kaum ankreiden, zu gewaltig wäre sein Weltenentwurf und dessen Nachhall trotzdem. "Olympos" aber ist anders. Unglaublich, aber wahr: Nach 950 Seiten ist nicht nur einfach nichts passiert, was die Story in irgendeiner Form bereichert oder vertieft hätte, nein, der Autor entlarvt sich auch noch als pervers, notgeil, homophob und rassistisch. So eine Bruchlandung muss ihm erstmal einer nachmachen. Die Story ist nichtssagend: Simmons kündigt an jeder Ecke abenteuerliche Wendungen an (z.B. Flug zur Erde, Rolle von Odysseus, das am Ende sinnfreie Auftauchen von Setebos), löst aber keins dieser Versprechen ein. Die Altmenschen müssen sich gegen die Voynixe zur Wehr setzen, der Kampf gegen die Götter ist ein ständiges, episodenhaften Hin-und-Her ohne Ziel und Entwicklung, Hockenberry und die Moravecs bekommen zwar viel Seiten Text, aber kaum neue relevante Aufgaben und müssen sich daher mit besseren Statistenrollen zufrieden geben. Kurz: Die Ideen für sein Universum hat Simmons alle bereits in "Ilium" aufgebraucht. Lieb-und lustlos bringt er sein Werk zu einem nichtssagenden Ende, schreibt schlampig wie nie (das Buch steckt voller Satzwiederholungen, mieser Dialoge und dämlicher Fehler). Die Erklärungen, die er für all seine Ideen und Szenarien anbietet, werden kaum explizit genannt, es bleibt bei Andeutungen, die man ob ihrer Lieblosig- und politischen Fragwürdigkeit (Mulime als Bösewichte, und das in zigtausend Jahren, einfältige 9/11-Anspielungen) kaum zu Ende denken möchte, oder völligem Ignorieren einer Erklärung (Setebos, Prospero, Moira?). Auf die Fragen, warum Simmons die Beziehung zwischen Ada und Harman am Ende nur noch auf Sex und Geilheit reduziert, Achilles' Besessenheit von einer toten Amazone gefühlte 300 Seiten gewidmet wird, Harman eine im Koma liegende Replikation von Savi vögeln muss, um diese aus ihrem Schlaf zu erwecken, oder Zeus meterlanges Glied in Softporno-artigen Episoden zum Thema wird, will man sich die offensichtliche Antwort kaum eingestehen. Simmons ist ein kritikunempfänglicher Egomane geworden, der sich nach Hyperion so sicher als Genie fühlt, dass er meint, alles schreiben zu können, und es sowieso schon ein Meisterwerk werden wird. Am Ende des Buches wird Odysseus zum sexbesessenen Zeitreisenden und die arme Hannah macht ne Kneipe auf. Prost!
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