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54 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltgeschichtlich bedeutendes Fiasko
"Aber ich bin nicht so einfältig, den Ehrgeiz zu unterschätzen, der diesen Arminius antreibt, und den Stolz, der in ihm brennt".
(Publius Quinctilius Varus; Seite 36)

Das Cover, des im Oktober 2008 in seiner Erstauflage erschienenen Romans, zeigt den Helm eines römischen Optio in seiner Formvollendung, wie er sie jedoch erst in der zweiten...
Veröffentlicht am 20. Juli 2009 von timediver®

versus
12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Aufgeblasener Groschenroman
Im Wesentlichen wird hier eine Liebesgeschichte auf Groschenroman-Niveau erzählt. Stereotype und schablonenhafte Charaktere stolpern (teilweise im Wortsinn) durch eine holprige Geschichte ohne großen inneren Zusammenhang.

Wenn ich ein Buch über eine der bekanntesten militärischen Auseinandersetzungen der Weltgeschichte lese, erwarte ich...
Vor 21 Monaten von Sebastian Meckesheimer veröffentlicht


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54 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltgeschichtlich bedeutendes Fiasko, 20. Juli 2009
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
"Aber ich bin nicht so einfältig, den Ehrgeiz zu unterschätzen, der diesen Arminius antreibt, und den Stolz, der in ihm brennt".
(Publius Quinctilius Varus; Seite 36)

Das Cover, des im Oktober 2008 in seiner Erstauflage erschienenen Romans, zeigt den Helm eines römischen Optio in seiner Formvollendung, wie er sie jedoch erst in der zweiten Hälfte des 1 nachchristlichen Jahrhunderts erreichen sollte. Für den schmucken, für den Spatsommer des Jahres 9 zu früh gekommenen Helm ist der Heyne Verlag verantwortlich.

Iris Kammerer beginnt ihren Roman mit einem lateinischen Zitat aus Velleius Paterculus' Römischer Geschichte (das erst auf Seite 452 ins Deutsche übersetzt wird) und zwei historischen Landkarten der "Germania Magna" und Belgica mit Städten, Militäranlagen, Flüssen und den ansässigen Stämmen....

....um zwei Seiten später sofort in das erste, ihrer insgesamt 15 Kapitel einzusteigen. Neben einer angemessenen Anzahl historischer Personen, macht der Leser Bekanntschaft mit fiktiven Gestalten, allen voran den Protagonisten Titus Annius, einem Legionär und seiner Sklavin Thiudgif aus dem Stamm der Brukterer. Originell ist auch Flavia Amra, deren Familie aus Tarsos stammt und deren Vater römischer Bürger ist. Weitere Andeutungen (S. 176, 288, 361) lassen den Schluss zu, dass sie mit ihrer Tochter Sura und Eheman Lucius Statilus in der Diaspora lebt.

Die Stärke des Romans liegt neben der stimmigen Geschichte seiner fiktiven Protagonisten in den Schilderungen der germanischen Guerillataktik und der schonungslosen Kampfbeschreibungen. Barbaren, die aus dem Nichts auftauchen, über kleine Truppenteile herfallen wie Marder über ihre Beute und ebenso wieder in den Wäldern verschwinden (S. 208). Nur vereinzelt, in kleinen Gruppen auftretend, versuchen sie den Heereszug zu spalten (S. 210). Zur psychologische Kriegsführung (S. 257) dieses Buschkrieges (S. 450) gehört auch eine besondere Grausamkeit. Beim gewaltsamen requirieren von Vieh und Getreide wird auch das eigene germanische Volk nicht geschont (S. 431). Gezielt wird das römische Schanzzeug zerstört (S. 271) und Hauptleute gefangen genommen (S. 301). Das Geschehen wird den Römern aufgezwungen, denen keine Möglichkeit für eine offenen Feldschlacht geboten wird. Wetter und Gelände tun ein Übriges, dass die Legionen nicht kämpfen können, wie sie es gewohnt sind. Das schonungslos beschriebene Kampfgeschehen (S. 232, S. 278 ff., S. 323) mit seinen dramatischen Einzelkämpfen, bei dem die Nässe durch alle Fasern dringt, ist jedoch nicht das Ende. Noch auf dem Schlachtfeld und später in den Heiligen Hainen erfüllt sich die barbarische Drohung "Ich war was Du bist. Ich bin was Du sein wirst".....

In ihrem Nachwort (S. 446 ff.) schreibt die Autorin, wie aus Arminius schließlich "Hermann der Cherusker" geworden ist. Diese Geschichte beginnt bei Ulrich von Hutten und Martin Luther, die den "Kult des deutschen Helden, an dem die welsche Tücke zerbrach" begründeten, bis dieser erst für den preußischen Kulturkampf und schließlich durch NS-Ideologie missbraucht wurde. Weiterhin nennt sie die antiken Quellen. Während die Annalen des Tacitus den Boden für die Heldenverehrung des Arminius bereiteten, schmähte Velleius Paterculus die "clades varianae". Dem gegenüber bezeichnete Flavius Josephus Varus als einen strengen, überlegt handelnden Statthalter. Diesem Ansatz und dem literarisch besonders interessanten Aspekt des Verrats ist Iris Kammerer gefolgt. So wird Varus als umsichtiger Mensch, der es bevorzugte, anstelle der Waffen, das Recht sprechen zu lassen, vorgestellt (S. 121). Während sich Tauta, der Brukterer bei Varus über die Forderungen der Steuerpächter und die Praxis römischer Rechtssprechung beklagt (S. 63), hatte der Cherusker Iulius Arminius in römischen Diensten eine beispiellose Karriere bis zum "tribunus militum" hingelegt, bevor er mit anderen Führern des germanischen Kriegsadels den römischen Gegner mit dessen eigenen Waffen schlug. Aus ihrer konsequent römischen Sicht gerät die Tat des Arminius - entgegen in einer großen Zahl von Vorläuferromanen - nicht zu einer patriotischen Heldentat, sondern zu einem niederträchtigen Verrat, der im bloßen Interesse einer germanischen Führungsschicht lag.

Als kleine Schönheitsfehler haben sich in die direkte Rede der Akteure zwei Anachronismen eingeschlichen, wenn Varus von einer "Schlappe" (S. 267), einem militärischen Begriff aus dem 16. Jahrhundert, und Fausta von "schäkern" (S. 363), einem im 18. Jahrhundert aus dem jiddischen entwickelten Terminus, sprechen. Auch Varus Aussage, dass Arminus aus "königlichem Geblüt" stamme (S. 81) ist unzutreffend, denn außer dem Markomannen Marbod gab es keinen "germanischen" König. Die im Roman häufig verwendeten Begriffe "Gefreiter", "Obergefreiter", "Mannschaftsoffiziere" lassen eher an spätere Armeen der Weltgeschichte erinnern. Miles gregarius, Immunes, Principales, Tessarius und Cornicen wären im Hinblick auf die anderen gewählten Bezeichnungen authentischer.

"Varus" endet mit einem 10seitigen Anhang. Hierzu gehören ein Personenverzeichnis, in dem die historischen und die fiktiven Personen besonders gekennzeichnet sind, eine Zeittafel (historische Daten) und ein Glossar, das leider die Begriffe Austro (S. 37), Bellona (S. 211), Idisen (S. 37), Moretum (S. 109), Publicani (S. 64), Vexillum (S. 51), Valetudinarium (S. 438), Voluntarier (S. 119) vermissen lässt.

Zum 2000ten Jahrestag einer Schlacht, deren genaue Lokalität noch immer lebhaften Diskussionen unterliegt, ist Iris Kammerer ein spannender, begeisternder und sehr gut recherchierter Roman gelungen, der das Attribut "historisch" voll und ganz verdient hat. Es könnte durchaus so gewesen sein! Die bekrittelten Kleinigkeiten fallen nicht ins Gewicht , so dass eine Bewertung mit 5 Amazonsternen adäquat ist.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Aufgeblasener Groschenroman, 16. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Im Wesentlichen wird hier eine Liebesgeschichte auf Groschenroman-Niveau erzählt. Stereotype und schablonenhafte Charaktere stolpern (teilweise im Wortsinn) durch eine holprige Geschichte ohne großen inneren Zusammenhang.

Wenn ich ein Buch über eine der bekanntesten militärischen Auseinandersetzungen der Weltgeschichte lese, erwarte ich wenigstens minimale Aufklärung über die militärischen Vorgänge und Zusammenhänge. Im optimalen Fall würden die Motive, die Strategie und die Taktiken beider Seiten beschrieben. In diesem Buch wird sich vollständig auf eine Seite konzentriert, die Germanen wirken wie eine Naturgewalt. Aber selbst die römische Strategie und Taktik werden nicht erklärt, in den wenigen Kampfesszenen wirkt die Autorin ebenso verwirrt wie ihre Figuren. Natürlich ist eine Schlacht verwirrend, und als Schilderung der Erlebnisse eines einzelnen Soldaten ist diese Verwirrung sogar richtig gut und ein Stück weit innovativ. Wenn das aber alles ist, und keinerlei Versuch unternommen wird, ein größeres und verständliches Gesamtbild zu entwerfen, fehlt der wichtigste Teil. Zum Beispiel taucht die Phrase, dass die Germanen "die römischen Schwächen kennen und ausnutzen" mehrmals auf, ohne dass jemals genauer erklärt würde, welche diese Schwächen wären und wie ihre Ausnutzung konkret aussieht.

Militärisch ist das Buch eine große Enttäuschung. Bleibt die Liebesgeschichte und die Beschreibung der römischen Gesellschaft. Obwohl hier offensichtlich das Hauptinteresse der Autorin liegt, versagt sie auch hier. Die Figuren wirken teilweise als ob sie ihr eigenes Handeln nicht verstünden, jedenfalls ist das Szenario reich an unbeteiligten Beobachtern, über die ein unerklärliches und schweres Schicksal hereinbricht.

Eines der wenigen Büchern die ich direkt nach dem Lesen ins Altpapier getan habe.
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22 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannend, mitreißend, historisch genau, 12. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Kurz und bündig: Mir hat der Roman um die historisch belegte Varusschlacht ausgezeichnet gefallen!
Gebannt folgte ich den drei römischen Legionen, samt Tross, durch den Dreck und Morast Germanias; bis an ihr bitteres, blutiges Ende ließ mich die Spannung um ihr trauriges Schicksal nicht los. In farbenprächtigen, lebendigen Bildern schildert Kammerer den Verlauf der Schlacht; man spürt den unaufhörlich herabprasselnden Regen, hört die Schreie der Sterbenden, riecht den Gestank von Blut und verbranntem Fleisch. Dem gegenüber steht die mit der Handlung verwobene, zarte Liebesgeschichte des verschleppten Mädchens Thiudgif und ihres Befreiers und Verehrers, des römischen Gefreiten Annius. Beide Figuren erhalten gegen Ende der Schlacht Schlüsselfunktionen. Während Annius zum finalen Vertrauten des Statthalters Varus gerät und seinen letzten Befehl ausführen muss, führt Thiudgif eine Gruppe von Frauen, weg vom Schlachtfeld, durch die Wildnis Germaniens in die Sicherheit einer römischen Befestigungsanlage. Nachdem Entsatz eingetroffen ist, macht sie sich auf den Weg in ihr Heimatdorf, unsicher, ob ihr Geliebter den Kampf überlebt hat und sie ihn jemals wiedersehen wird.
Das Buch ist unglaublich packend geschrieben, strotzt vor Detailreichtum und beeindruckt durch die enorme historische Kenntnis der Autorin. Die Geschichte enthält meiner Ansicht nach alle Zutaten, die ein erfolgreicher Schlachtenroman braucht: Spannende Kämpfe, ehrenvollen Ruhm, gemeinen Verrat, und natürlich eine große Liebesgeschichte. Auch der sprachliche Ausdruck Kammerers gefiel mir außerordentlich.
Mag sein, dass manche Leser die etwas einäugige Darstellung der historischen Geschehnisse kritisieren werden. Hier die humanen, zivilisierten Römer, da die unvorstellbar brutalen, menschenverachtenden Germanen, die nur durch den gemeinen Verrat und die Tücke des Arminius, (Herman) gegen die überlegene Kultur obsiegten. Wie auch immer. Bestimmt ist Iris Kammerers Varus" ein ausgezeichneter Historien-Roman, der sein (hoffentlich großes) Publikum finden wird. Ich habe ihn sehr gerne gelesen und kann ihn nur weiterempfehlen.
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichtsunterricht auf höchstem Niveau; packend, fesselnd und emotional, 3. Dezember 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Publius Quinctilius Varus ist ein Mann von Charakter, Stärke und zu viel Vertrauen in die Seinen. Denn sonst hätte der römische Statthalter die Zeichen gedeutet, die er übersehen will: Hinweise darauf, dass Arminius, der Cherusker, einen Aufstand gegen die römischen Besatzer plant. Varus kann der bitteren Wahrheit nicht ins Auge sehen, dass ausgerechnet sein engster Vertrauter ihn zu vernichten sucht.
Können die germanische Sklavin Thuidgif und der römische Schreiber Annius den Tod zahlloser Menschen verhindern?

Varus und Arminius. Wer kennt diese Namen nicht oder ist nicht die legendäre Schlacht ein Begriff. Arminius wurde in den vergangenen Jahrhunderten als wahrer Held, ja, als der Retter der Germanen gesehen und förmlich in den Himmel gelobt. Wer nun war aber sein Gegenspieler? Über Arminius gibt es zahlreiche Bücher, die sein Heldentum preisen. Was aber ist über den großen Verlierer Varus zu finden?
Iris Kammerer hat sich des geschlagenen Statthalters angenommen und die entscheidenden Tage und Stunden vor und während der Schlacht in einem einzigartigen Roman festgehalten. Natürlich weiß man, wie die Schlacht endet und man weiß, dass Krieg immer grausam ist. Was aber im Kopf Varus` vorgegangen ist und wie er die Dinge gesehen und gedeutet haben KÖNNTE, dies hat die Autorin mit ihrem Buch mit viel Feingefühl und profundem Fachwissen festgehalten.
Das Buch ist bedrückend. Da man um das Ende weiß, begleitet den Leser stets ein dunkler Schatten und durch die empathische und authentische Darstellung kommt einem oft ganz leise der Gedanke, die Schlacht möge doch anders ausgegangen sein.
Um der schon düsteren und schweren Atmosphäre doch auch einen Lichtblick zu gewähren, hat Iris Kammerer mit den (fiktiven) Figuren des Schreibers Publius Annius und seiner Sklavin Thiudgif eine feine, zarte und warme Liebesgeschichte mit eingebaut. Der Leser betrachtet die Ereignisse rund um die tragischen Stunden aus dem Blickwinkel der beiden Figuren und steht dadurch mitten im Geschehen.
Eine Schlacht zu beschreiben erfordert vom Autor immenses Feingefühl, denn er begibt sich auf eine Gratwanderung. Schlachten sind brutal und grausam, aber man kann nicht jedes noch so grausame Gemetzel schriftlich festhalten. Der Autor kann aber auch nichts beschönigen, wenn er glaubhaft wirken will. Iris Kammerer hat diese Klippe mit Bravour gemeistert! Unnötige und voyeuristische Grausamkeiten hat sie vermieden, aber es dennoch geschafft, die Ereignisse so packend und dramatisch wiederzugeben, dass einem die Geschichte noch lange nach dem Lesen des Buches gefangen hält.

Fazit:
Ein hervorragendes, aber durch die Kompetenz der Autorin auch bedrückendes Werk, hat Iris Kammerer mit diesem Buch geschaffen. Wer sich für deutsche Geschichte interessiert und nicht nur trockene Fachliteratur lesen möchte, wird mit diesem Buch ein Stück Geschichte in den Händen halten, das einmal eine andere und auch interessante Seite beleuchtet.
Nicht einfach, nicht unterhaltsam, nicht leicht; aber ein wunderbares Buch mit großen Emotionen und hervorragender Sachkenntnis. Unbedingt lesen!
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54 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Untergang im Schlamm - beklemmend und spannend!, 8. November 2008
Von 
Frank Stefan Becker (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Was Kammerer in ihren ,Tribun' ausspart, serviert sie uns Lesern nun im Vorfeld des 2000-jährigen Jubiläums der ,Schlacht im Teutoburger Wald' (9 n.Chr.): Eine beklemmend-eindringliche Schilderung des Untergangs dreier römischer Legionen unter dem Statthalter Varus. Man spürt förmlich den Regen vom Helmrand tropfen, hört die Pfeile aus dem Hinterhalt heransurren, sieht die düsteren Wälder drohen und riecht den Angstschweiß der Soldaten, die unter einem leichtgläubigen Feldherrn ihrem Ende entgegen marschieren.
Diese in antiken Quellen überlieferte Agonie eines Heerwurms, die sich über mehrere Tage hinzog, bildet den Kern des Buches. Auf Hunderten von Seiten werden die immer wiederkehrenden Scharmützel beschrieben, erlebt man in gleichsam sezierender Detailschärfe, wie disziplinierte, siegesgewohnte Legionen sich in Häufchen verzweifelter Männer auflösen, wie eine Hauptfigur nach der anderen fällt, wie parallel dazu die Frauen und Zivilisten des Trosses abgeschlachtet werden. Trotzdem wirkt der Roman keinen Augenblick voyeuristisch, weidet sich nicht am Elend oder schwelgt in Grausamkeiten. Obgleich man den Ausgang kennt, fiebert man mit den Hauptfiguren, vor allem dem Benefiziarier Annius, der (in einem früheren Krieg verwundet) nun als Schreiber dient, und seiner kurz vor dem Abmarsch beim Würfelspiel gewonnen germanischen Sklavin Thiudgif, die ihn im Tross begleitet. Dazu kommen noch weitere Personen, deren Anzahl (samt ihrer Namen) anfangs etwas verwirren mag, doch die dann jeder ihr eigenes Schicksal erleiden - bis hin zum Statthalter Varus, der alle Warnungen vor dem Verrat seines Vertrauten Arminius in den Wind schlägt. Der Gegensatz dieser beiden Anführer bildet gleichsam die zweite, politische Ebene, und hier rückt Kammerer so manches nationale Klischee zurecht. Weder war Varus der unfähige, überhebliche Vertreter einer repressiven Imperialmacht noch Arminius, der zuvor im römischen Heer zu höchsten Würden aufgestiegen war, der edle Held und Retter deutscher Stammesfreiheit. Nicht nur, dass er allein durch Verrat rund 20 000 Menschen in den Tod schicken konnte, auch die Tatsache, dass die geschlagenen Überlebenden grausam umgebracht wurden (wie im Buch am Beispiel des Tribuns Caldus angedeutet), lassen seinen Charakter in einem düsteren Licht erscheinen. Hier ist die einzige Stelle, an der Kammerer vielleicht etwas mehr auf seine Motive hätte eingehen können, auf seine (keineswegs unumstrittene) Stellung unter den Stämmen, vielleicht sogar auf seine Frau Thusnelda (im heutigen Sprachgebrauch zur 'Tussi' verkommen), die später den Römern in die Hände fallen wird.
Vor allem die Folgen der Schlacht sind es jedoch, die Arminius' Verrat im Urteil der Geschichte so negativ erscheinen lassen: Er zerstörte, ohne Besseres zu schaffen zu können. Durch den Rückzug der Römer auf Rhein und Donau bleibt Germanien zwar für viele Jahrhunderte ,frei' - frei aber auch von allen Elementen der Mittelmeerzivilisation, die unsere europäische Kultur ausmachen: Keine Städte, kein Steinbau, keine Münzen, keine Schrift, kein Gesetzwesen, keine Brücken und Straßen, keine antike Philosophie (und kein Christentum, das erst Karl der Große in die Sachsenschädel prügeln wird.)
Reizvoll ist es zu spekulieren, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn Rom die bereits bis zur Elbe eingerichteten Provinzen hätte integrieren und entwickeln können. Möglicherweise wäre es nie von Germanenstämmen überrannt worden, wären Europa die düsteren Jahrhunderte der Völkerwanderung und die zahllosen Kriege um das Elsass erspart geblieben - und würde stattdessen vielleicht heute eine Frau Cameriera ein Buch über den Sieg des Varus in einer romanischen Nachfolgesprache verfassen. Aber das führt nun wirklich zu weit.
,Varus' ist ein großartiger historischer, zutiefst menschlicher Roman, an dem ich, ehrlich eingestanden, allenfalls eines bedauerlich finden könnte: Dass ich ihn nicht selbst geschrieben habe!
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Für Liebhaber verdünnten Weins, 2. April 2010
Von 
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Welches sind die Erwartungen an ein solches Buch? Angesichts des Varus-Jahres nähere ich mich über ein Grundgerüst an Fakten-Wissen über diese Schlacht (Delbrück) und vielleicht auch etwas Interesse an der römischen Kaiserzeit. Dieses Buch soll nun für einige Abende die wenigen historischen Erkenntnisse mit Leben füllen und - gerne mit einigen Fiktionen - eine große Geschichte spannend erzählen.

Am Ende ist es dann nur ein Kammerspiel mit lustlosen Laiendarstellern geworden.
Die Protagonisten werden angeführt durch den Helden Annius. Der durch den Roman irrlichternde Gefreite ist immer dann zur Stelle, wenn es etwas historisch Bedeutsamens zu erzählen gilt. Der Gerichtsschreiber hat von Beginn an Kenntnis über die Verschwörung, steht durch Zufälle in ständigem Austausch mit den römischen Generälen und wird Zeuge als Varus sich selbst richtet. Nicht nur das. Die Autorin arrangiert es so, dass Annius beim entscheidenden Stoß hilfsbereit Hand anlegt. Dazwischen mäht der Invalide auch einmal eine Horde Wilder mit seinem Schwert nieder.
In einer weiteren Rezension las ich, die Autorin ließe Annius nach christlichen Wertvorstellungen handeln. Dies trifft vollständig zu und macht den Vertreter der römischen Sklavenhaltergesellschaft unglaubwürdig. Die Figur Varus, die dem Buch ihren Namen leiht, bleibt farblos. Seine penetrante und unsichere Fragerei an Untergebene, was er denn nun als Nächstes tun solle, ist eine Charakterisierung, die zu diesem erfahrenen Kommandanten wenig passt. Von beginnenden Zweifeln an seinem Schützling Arminius, der inneren Zerissenheit nach der Offensichtlichkeit des Verrats oder strategischen Überlegungen nach den ersten Angriffen erfährt der Leser nichts. Diese historische Figur wurde lustlos und uninspiriert beschrieben. Von Arminius erfahren wir im Wesentlichen, dass er groß und blond ist. Ansonsten werden die Germanen gesichtslos und als grölende, bestialische Wilde dargestellt.
Die Figuren bewegen sich letztlich weniger in einem Monumentalfilm als vielmehr in einer Schulaufführung. Die Kulisse wirkt künstlich und wenig atmosphärisch. Die sprachlichen Mittel der Autorin reichen nicht aus, Gefühle wie Beklommenheit oder eine Nähe zum Geschehen zumindest bei mir entstehen zu lassen. Wenn das Buch immer wieder den Klang Tausender genagelter Sandalen auf dem Marsch bemüht während sich die Wissenschaft darüber streitet, ob der Zug nun im Morast 2 oder 4 Meilen am Tag zurücklegen konnte, frage ich mich, ob es da mit der Fiktion nicht übertrieben wurde. Die Antwort darauf gibt die Autorin am Ende selbst, wenn es einer Garnison gelingt, ein vom Feind belagertes Lager unbemerkt zu verlassen. Wie man das schafft? Man warte bis zur Nacht, ziehe die genagelten Sandalen aus und schleiche auf Zehenspitzen zum Hintertor hinaus. Ungelogen. Steht so im Buch.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gut recherchiert - schwach erzählt, 11. Januar 2010
Von 
Pollmann (Augsburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Die Autorin hat sorgfältig recherchiert und folgt dem aktuellen Stand der Forschungen. Der Angriff der Legionen auf den von den Germanen errichteten Wall, begleitet durch eine (mißglückte) Kavallerie-Attacke hat mich sofort an Kalkriese denken lassen. Bei aller Sorgfalt in den historischen Hintergründen waren doch die Figuren merkwürdig eindimensional, die Verhaltesnmuster folgen den modernen Menschen, weniger denen der antiken Menschen. Insgesamt ganz nett geschrieben, aber man vergißt die Story sofort nach dem Weglegen. Daher meine Resumee:
Gut recherchiert - schwach erzählt!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Kehrseite des "Hermann- Denkmals", 30. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Kurz gefasst: Ich fand den Roman äußerst spannend- keineswegs langatmig- geschrieben. Für mich besonders beeindruckend und geradezu erfrischend, endlich einmal auch die umgekehrte Sicht (nämlich aus der der Römer) und wohl auch ein gewisses Zurechtrücken des "deutschtümelnden", romantisierenden Arminius/Hermann- Bildes der Chauvinisten des ausklingenden 19. Jahrhunderts.
Auch das Hermann- Denkmal in der Nähe von Detmold hat eine "Kehrseite"!
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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Autorin übertrifft sich selbst!, 6. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
2009: Zweitausend Jahre Varusschlacht. Ein Jubiläum, das sicher einige Romane und Filme nach sich ziehen wird, die mit heißer Nadel gestrickt wurden.

Aber es geht auch anders: Dass Iris Kammerer zu den besten Autoren im üppig bestückten Genre "historischer Roman" gehört, ist für mich vor allem nach ihrer Trilogie um den römischen Feldherren Gaius Cinna unbestritten. Mit "Varus" hat sie sich meiner Meinung nach aber selbst noch einmal übertroffen.

Dieses Buch ist sehr gute, sehr spannende Unterhaltung, ein Pageturner im wahrsten und besten Sinne des Wortes - und beweist, dass man dabei nicht auf ein hohes Niveau was Sprache, Dramaturgie, Plot-und Figurenzeichnung angeht, verzichten muss. Im Gegenteil: Kammerer bleibt sich treu und setzt ihr Können wie immer voll und ganz ein.

Mit der Entscheidung, diese legendäre Schlacht aus Sicht der Römer zu erzählen, versetzt die Autorin den Leser in eine emotionale Achterbahn. Denn der Leser kennt das Ende bereits, er weiß, dass die Römer vernichtend geschlagen werden - und das verleiht dem Roman von der ersten Zeile an eine Grundspannung. Egal in welcher Figurenperspektive man sich beim Lesen gerade befindet, man ist hellwach und achtet auf die kleinsten Details, zieht Verbindungen und hegt Befürchtungen. Und da die Autorin ihre Figuren wie immer äußerst lebendig und psychologisch genau zeichnet, bangt man mit diesen und vor allem um diese. Auch in diesem Punkt bleibt sich die Autorin wohltuend treu: Es wird nichts geschönt dargestellt - und niemand wird geschont.

Ich habe selten so gute Schlachtszenen gelesen (aus der Feder einer AutorIN!), wie in diesem Buch. Allein die Szene, in der Vala vor den Germanen flieht, offenbart für mich das Können der Autorin. Wie sie zum Teil in Ein-Wort-Sätzen beschreibt, wie Valas Stute den Abhang hinunterhetzt, ist für mich großes "Kino": Ich sehe alles förmlich vor mir.

Bitte weiter so, Frau Kammerer!
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Interessante Geschichte, schlechte Umsetzung, 24. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Die Varus-Geschichte ist total interessant und Geschichten-Liebhaber sollten schon wissen, worum es hier geht.
Die Umsetzung dieser Geschichte fand ich persönlich jedoch leider mit diesem Buch nicht gelungen. Sei es vom Lesestil oder auch von den Protagonisten her. Da fehlte schon sehr viel. Es gibt sicherlich bessere Varus-Romane..
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Varus: Historischer Roman
Varus: Historischer Roman von Iris Kammerer (Taschenbuch - Oktober 2008)
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