Kundenrezensionen


43 Rezensionen
5 Sterne:
 (18)
4 Sterne:
 (8)
3 Sterne:
 (5)
2 Sterne:
 (7)
1 Sterne:
 (5)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


53 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltgeschichtlich bedeutendes Fiasko
"Aber ich bin nicht so einfältig, den Ehrgeiz zu unterschätzen, der diesen Arminius antreibt, und den Stolz, der in ihm brennt".
(Publius Quinctilius Varus; Seite 36)

Das Cover, des im Oktober 2008 in seiner Erstauflage erschienenen Romans, zeigt den Helm eines römischen Optio in seiner Formvollendung, wie er sie jedoch erst in der zweiten...
Veröffentlicht am 20. Juli 2009 von timediver®

versus
13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Für Liebhaber verdünnten Weins
Welches sind die Erwartungen an ein solches Buch? Angesichts des Varus-Jahres nähere ich mich über ein Grundgerüst an Fakten-Wissen über diese Schlacht (Delbrück) und vielleicht auch etwas Interesse an der römischen Kaiserzeit. Dieses Buch soll nun für einige Abende die wenigen historischen Erkenntnisse mit Leben füllen und - gerne...
Veröffentlicht am 2. April 2010 von P. Umlauf


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

53 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weltgeschichtlich bedeutendes Fiasko, 20. Juli 2009
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
"Aber ich bin nicht so einfältig, den Ehrgeiz zu unterschätzen, der diesen Arminius antreibt, und den Stolz, der in ihm brennt".
(Publius Quinctilius Varus; Seite 36)

Das Cover, des im Oktober 2008 in seiner Erstauflage erschienenen Romans, zeigt den Helm eines römischen Optio in seiner Formvollendung, wie er sie jedoch erst in der zweiten Hälfte des 1 nachchristlichen Jahrhunderts erreichen sollte. Für den schmucken, für den Spatsommer des Jahres 9 zu früh gekommenen Helm ist der Heyne Verlag verantwortlich.

Iris Kammerer beginnt ihren Roman mit einem lateinischen Zitat aus Velleius Paterculus' Römischer Geschichte (das erst auf Seite 452 ins Deutsche übersetzt wird) und zwei historischen Landkarten der "Germania Magna" und Belgica mit Städten, Militäranlagen, Flüssen und den ansässigen Stämmen....

....um zwei Seiten später sofort in das erste, ihrer insgesamt 15 Kapitel einzusteigen. Neben einer angemessenen Anzahl historischer Personen, macht der Leser Bekanntschaft mit fiktiven Gestalten, allen voran den Protagonisten Titus Annius, einem Legionär und seiner Sklavin Thiudgif aus dem Stamm der Brukterer. Originell ist auch Flavia Amra, deren Familie aus Tarsos stammt und deren Vater römischer Bürger ist. Weitere Andeutungen (S. 176, 288, 361) lassen den Schluss zu, dass sie mit ihrer Tochter Sura und Eheman Lucius Statilus in der Diaspora lebt.

Die Stärke des Romans liegt neben der stimmigen Geschichte seiner fiktiven Protagonisten in den Schilderungen der germanischen Guerillataktik und der schonungslosen Kampfbeschreibungen. Barbaren, die aus dem Nichts auftauchen, über kleine Truppenteile herfallen wie Marder über ihre Beute und ebenso wieder in den Wäldern verschwinden (S. 208). Nur vereinzelt, in kleinen Gruppen auftretend, versuchen sie den Heereszug zu spalten (S. 210). Zur psychologische Kriegsführung (S. 257) dieses Buschkrieges (S. 450) gehört auch eine besondere Grausamkeit. Beim gewaltsamen requirieren von Vieh und Getreide wird auch das eigene germanische Volk nicht geschont (S. 431). Gezielt wird das römische Schanzzeug zerstört (S. 271) und Hauptleute gefangen genommen (S. 301). Das Geschehen wird den Römern aufgezwungen, denen keine Möglichkeit für eine offenen Feldschlacht geboten wird. Wetter und Gelände tun ein Übriges, dass die Legionen nicht kämpfen können, wie sie es gewohnt sind. Das schonungslos beschriebene Kampfgeschehen (S. 232, S. 278 ff., S. 323) mit seinen dramatischen Einzelkämpfen, bei dem die Nässe durch alle Fasern dringt, ist jedoch nicht das Ende. Noch auf dem Schlachtfeld und später in den Heiligen Hainen erfüllt sich die barbarische Drohung "Ich war was Du bist. Ich bin was Du sein wirst".....

In ihrem Nachwort (S. 446 ff.) schreibt die Autorin, wie aus Arminius schließlich "Hermann der Cherusker" geworden ist. Diese Geschichte beginnt bei Ulrich von Hutten und Martin Luther, die den "Kult des deutschen Helden, an dem die welsche Tücke zerbrach" begründeten, bis dieser erst für den preußischen Kulturkampf und schließlich durch NS-Ideologie missbraucht wurde. Weiterhin nennt sie die antiken Quellen. Während die Annalen des Tacitus den Boden für die Heldenverehrung des Arminius bereiteten, schmähte Velleius Paterculus die "clades varianae". Dem gegenüber bezeichnete Flavius Josephus Varus als einen strengen, überlegt handelnden Statthalter. Diesem Ansatz und dem literarisch besonders interessanten Aspekt des Verrats ist Iris Kammerer gefolgt. So wird Varus als umsichtiger Mensch, der es bevorzugte, anstelle der Waffen, das Recht sprechen zu lassen, vorgestellt (S. 121). Während sich Tauta, der Brukterer bei Varus über die Forderungen der Steuerpächter und die Praxis römischer Rechtssprechung beklagt (S. 63), hatte der Cherusker Iulius Arminius in römischen Diensten eine beispiellose Karriere bis zum "tribunus militum" hingelegt, bevor er mit anderen Führern des germanischen Kriegsadels den römischen Gegner mit dessen eigenen Waffen schlug. Aus ihrer konsequent römischen Sicht gerät die Tat des Arminius - entgegen in einer großen Zahl von Vorläuferromanen - nicht zu einer patriotischen Heldentat, sondern zu einem niederträchtigen Verrat, der im bloßen Interesse einer germanischen Führungsschicht lag.

Als kleine Schönheitsfehler haben sich in die direkte Rede der Akteure zwei Anachronismen eingeschlichen, wenn Varus von einer "Schlappe" (S. 267), einem militärischen Begriff aus dem 16. Jahrhundert, und Fausta von "schäkern" (S. 363), einem im 18. Jahrhundert aus dem jiddischen entwickelten Terminus, sprechen. Auch Varus Aussage, dass Arminus aus "königlichem Geblüt" stamme (S. 81) ist unzutreffend, denn außer dem Markomannen Marbod gab es keinen "germanischen" König. Die im Roman häufig verwendeten Begriffe "Gefreiter", "Obergefreiter", "Mannschaftsoffiziere" lassen eher an spätere Armeen der Weltgeschichte erinnern. Miles gregarius, Immunes, Principales, Tessarius und Cornicen wären im Hinblick auf die anderen gewählten Bezeichnungen authentischer.

"Varus" endet mit einem 10seitigen Anhang. Hierzu gehören ein Personenverzeichnis, in dem die historischen und die fiktiven Personen besonders gekennzeichnet sind, eine Zeittafel (historische Daten) und ein Glossar, das leider die Begriffe Austro (S. 37), Bellona (S. 211), Idisen (S. 37), Moretum (S. 109), Publicani (S. 64), Vexillum (S. 51), Valetudinarium (S. 438), Voluntarier (S. 119) vermissen lässt.

Zum 2000ten Jahrestag einer Schlacht, deren genaue Lokalität noch immer lebhaften Diskussionen unterliegt, ist Iris Kammerer ein spannender, begeisternder und sehr gut recherchierter Roman gelungen, der das Attribut "historisch" voll und ganz verdient hat. Es könnte durchaus so gewesen sein! Die bekrittelten Kleinigkeiten fallen nicht ins Gewicht , so dass eine Bewertung mit 5 Amazonsternen adäquat ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Für Liebhaber verdünnten Weins, 2. April 2010
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Welches sind die Erwartungen an ein solches Buch? Angesichts des Varus-Jahres nähere ich mich über ein Grundgerüst an Fakten-Wissen über diese Schlacht (Delbrück) und vielleicht auch etwas Interesse an der römischen Kaiserzeit. Dieses Buch soll nun für einige Abende die wenigen historischen Erkenntnisse mit Leben füllen und - gerne mit einigen Fiktionen - eine große Geschichte spannend erzählen.

Am Ende ist es dann nur ein Kammerspiel mit lustlosen Laiendarstellern geworden.
Die Protagonisten werden angeführt durch den Gerichtsschreiber und Invaliden Annius. Der durch den Roman irrlichternde Gefreite ist immer dann zur Stelle, wenn es etwas historisch Bedeutsamens zu erzählen gilt. Annius erhält von Beginn an Kenntnis über die Verschwörung, steht durch Zufälle in ständigem Austausch mit römischen Generälen und ist Zeuge als Varus sich selbst richtet. Die Autorin arrangiert es so, dass Annius beim entscheidenden Stoß hilfsbereit Hand anlegt. Zwischendurch mäht der Invalide auch einmal eine Horde Wilder mit seinem Schwert nieder. In einer weiteren Rezension las ich, die Autorin ließe Annius nach christlichen Wertvorstellungen handeln. Dies trifft vollständig zu und macht den Vertreter der römischen Sklavenhaltergesellschaft unglaubwürdig.
Die Figur Varus, die dem Buch ihren Namen leiht, bleibt farblos. Seine aufdringliche Fragerei an Untergebene, was nun als Nächstes zu tun sei, ist eine Charakterisierung, die zu diesem erfahrenen Kommandanten wenig passt. Von den beginnenden Zweifeln an seinem Schützling Arminius, der inneren Zerissenheit nach der Offensichtlichkeit des Verrats oder taktischen Überlegungen nach den ersten Angriffen erfährt der Leser nichts. Diese historische Figur wird lustlos und uninspiriert wiedergegeben.
Von Arminius erfahren wir im Wesentlichen, dass er groß und blond ist. Ansonsten werden die Germanen gesichtslos und als grölende, bestialische Wilde dargestellt.

Die Figuren bewegen sich letztlich in einer Schulaufführung. Die Kulisse wirkt künstlich und wenig atmosphärisch. Die sprachlichen Mittel der Autorin reichen nicht aus, Gefühle wie Beklommenheit oder eine Nähe zum Geschehen - zumindest bei mir - entstehen zu lassen. Wenn das Buch immer wieder den Klang Tausender genagelter Sandalen auf dem Marsch bemüht während sich die Wissenschaft darüber streitet, ob der Zug nun im Morast 2 oder 4 Meilen am Tag zurücklegen konnte, frage ich mich, ob es da mit der Fiktion nicht übertrieben wurde. Die Antwort darauf gibt die Autorin am Ende selbst, wenn es einer Garnison gelingt, ein vom Feind belagertes Lager unbemerkt zu verlassen. Wie man das schafft? Man warte bis zur Nacht, ziehe die genagelten Sandalen aus und schleiche auf Zehenspitzen zum Hintertor hinaus. Ungelogen. Steht so im Buch.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Aufgeblasener Groschenroman, 16. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Im Wesentlichen wird hier eine Liebesgeschichte auf Groschenroman-Niveau erzählt. Stereotype und schablonenhafte Charaktere stolpern (teilweise im Wortsinn) durch eine holprige Geschichte ohne großen inneren Zusammenhang.

Wenn ich ein Buch über eine der bekanntesten militärischen Auseinandersetzungen der Weltgeschichte lese, erwarte ich wenigstens minimale Aufklärung über die militärischen Vorgänge und Zusammenhänge. Im optimalen Fall würden die Motive, die Strategie und die Taktiken beider Seiten beschrieben. In diesem Buch wird sich vollständig auf eine Seite konzentriert, die Germanen wirken wie eine Naturgewalt. Aber selbst die römische Strategie und Taktik werden nicht erklärt, in den wenigen Kampfesszenen wirkt die Autorin ebenso verwirrt wie ihre Figuren. Natürlich ist eine Schlacht verwirrend, und als Schilderung der Erlebnisse eines einzelnen Soldaten ist diese Verwirrung sogar richtig gut und ein Stück weit innovativ. Wenn das aber alles ist, und keinerlei Versuch unternommen wird, ein größeres und verständliches Gesamtbild zu entwerfen, fehlt der wichtigste Teil. Zum Beispiel taucht die Phrase, dass die Germanen "die römischen Schwächen kennen und ausnutzen" mehrmals auf, ohne dass jemals genauer erklärt würde, welche diese Schwächen wären und wie ihre Ausnutzung konkret aussieht.

Militärisch ist das Buch eine große Enttäuschung. Bleibt die Liebesgeschichte und die Beschreibung der römischen Gesellschaft. Obwohl hier offensichtlich das Hauptinteresse der Autorin liegt, versagt sie auch hier. Die Figuren wirken teilweise als ob sie ihr eigenes Handeln nicht verstünden, jedenfalls ist das Szenario reich an unbeteiligten Beobachtern, über die ein unerklärliches und schweres Schicksal hereinbricht.

Eines der wenigen Büchern die ich direkt nach dem Lesen ins Altpapier getan habe.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichtsunterricht auf höchstem Niveau; packend, fesselnd und emotional, 3. Dezember 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Publius Quinctilius Varus ist ein Mann von Charakter, Stärke und zu viel Vertrauen in die Seinen. Denn sonst hätte der römische Statthalter die Zeichen gedeutet, die er übersehen will: Hinweise darauf, dass Arminius, der Cherusker, einen Aufstand gegen die römischen Besatzer plant. Varus kann der bitteren Wahrheit nicht ins Auge sehen, dass ausgerechnet sein engster Vertrauter ihn zu vernichten sucht.
Können die germanische Sklavin Thuidgif und der römische Schreiber Annius den Tod zahlloser Menschen verhindern?

Varus und Arminius. Wer kennt diese Namen nicht oder ist nicht die legendäre Schlacht ein Begriff. Arminius wurde in den vergangenen Jahrhunderten als wahrer Held, ja, als der Retter der Germanen gesehen und förmlich in den Himmel gelobt. Wer nun war aber sein Gegenspieler? Über Arminius gibt es zahlreiche Bücher, die sein Heldentum preisen. Was aber ist über den großen Verlierer Varus zu finden?
Iris Kammerer hat sich des geschlagenen Statthalters angenommen und die entscheidenden Tage und Stunden vor und während der Schlacht in einem einzigartigen Roman festgehalten. Natürlich weiß man, wie die Schlacht endet und man weiß, dass Krieg immer grausam ist. Was aber im Kopf Varus` vorgegangen ist und wie er die Dinge gesehen und gedeutet haben KÖNNTE, dies hat die Autorin mit ihrem Buch mit viel Feingefühl und profundem Fachwissen festgehalten.
Das Buch ist bedrückend. Da man um das Ende weiß, begleitet den Leser stets ein dunkler Schatten und durch die empathische und authentische Darstellung kommt einem oft ganz leise der Gedanke, die Schlacht möge doch anders ausgegangen sein.
Um der schon düsteren und schweren Atmosphäre doch auch einen Lichtblick zu gewähren, hat Iris Kammerer mit den (fiktiven) Figuren des Schreibers Publius Annius und seiner Sklavin Thiudgif eine feine, zarte und warme Liebesgeschichte mit eingebaut. Der Leser betrachtet die Ereignisse rund um die tragischen Stunden aus dem Blickwinkel der beiden Figuren und steht dadurch mitten im Geschehen.
Eine Schlacht zu beschreiben erfordert vom Autor immenses Feingefühl, denn er begibt sich auf eine Gratwanderung. Schlachten sind brutal und grausam, aber man kann nicht jedes noch so grausame Gemetzel schriftlich festhalten. Der Autor kann aber auch nichts beschönigen, wenn er glaubhaft wirken will. Iris Kammerer hat diese Klippe mit Bravour gemeistert! Unnötige und voyeuristische Grausamkeiten hat sie vermieden, aber es dennoch geschafft, die Ereignisse so packend und dramatisch wiederzugeben, dass einem die Geschichte noch lange nach dem Lesen des Buches gefangen hält.

Fazit:
Ein hervorragendes, aber durch die Kompetenz der Autorin auch bedrückendes Werk, hat Iris Kammerer mit diesem Buch geschaffen. Wer sich für deutsche Geschichte interessiert und nicht nur trockene Fachliteratur lesen möchte, wird mit diesem Buch ein Stück Geschichte in den Händen halten, das einmal eine andere und auch interessante Seite beleuchtet.
Nicht einfach, nicht unterhaltsam, nicht leicht; aber ein wunderbares Buch mit großen Emotionen und hervorragender Sachkenntnis. Unbedingt lesen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


54 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Untergang im Schlamm - beklemmend und spannend!, 8. November 2008
Von 
Frank Stefan Becker (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Was Kammerer in ihren ,Tribun' ausspart, serviert sie uns Lesern nun im Vorfeld des 2000-jährigen Jubiläums der ,Schlacht im Teutoburger Wald' (9 n.Chr.): Eine beklemmend-eindringliche Schilderung des Untergangs dreier römischer Legionen unter dem Statthalter Varus. Man spürt förmlich den Regen vom Helmrand tropfen, hört die Pfeile aus dem Hinterhalt heransurren, sieht die düsteren Wälder drohen und riecht den Angstschweiß der Soldaten, die unter einem leichtgläubigen Feldherrn ihrem Ende entgegen marschieren.
Diese in antiken Quellen überlieferte Agonie eines Heerwurms, die sich über mehrere Tage hinzog, bildet den Kern des Buches. Auf Hunderten von Seiten werden die immer wiederkehrenden Scharmützel beschrieben, erlebt man in gleichsam sezierender Detailschärfe, wie disziplinierte, siegesgewohnte Legionen sich in Häufchen verzweifelter Männer auflösen, wie eine Hauptfigur nach der anderen fällt, wie parallel dazu die Frauen und Zivilisten des Trosses abgeschlachtet werden. Trotzdem wirkt der Roman keinen Augenblick voyeuristisch, weidet sich nicht am Elend oder schwelgt in Grausamkeiten. Obgleich man den Ausgang kennt, fiebert man mit den Hauptfiguren, vor allem dem Benefiziarier Annius, der (in einem früheren Krieg verwundet) nun als Schreiber dient, und seiner kurz vor dem Abmarsch beim Würfelspiel gewonnen germanischen Sklavin Thiudgif, die ihn im Tross begleitet. Dazu kommen noch weitere Personen, deren Anzahl (samt ihrer Namen) anfangs etwas verwirren mag, doch die dann jeder ihr eigenes Schicksal erleiden - bis hin zum Statthalter Varus, der alle Warnungen vor dem Verrat seines Vertrauten Arminius in den Wind schlägt. Der Gegensatz dieser beiden Anführer bildet gleichsam die zweite, politische Ebene, und hier rückt Kammerer so manches nationale Klischee zurecht. Weder war Varus der unfähige, überhebliche Vertreter einer repressiven Imperialmacht noch Arminius, der zuvor im römischen Heer zu höchsten Würden aufgestiegen war, der edle Held und Retter deutscher Stammesfreiheit. Nicht nur, dass er allein durch Verrat rund 20 000 Menschen in den Tod schicken konnte, auch die Tatsache, dass die geschlagenen Überlebenden grausam umgebracht wurden (wie im Buch am Beispiel des Tribuns Caldus angedeutet), lassen seinen Charakter in einem düsteren Licht erscheinen. Hier ist die einzige Stelle, an der Kammerer vielleicht etwas mehr auf seine Motive hätte eingehen können, auf seine (keineswegs unumstrittene) Stellung unter den Stämmen, vielleicht sogar auf seine Frau Thusnelda (im heutigen Sprachgebrauch zur 'Tussi' verkommen), die später den Römern in die Hände fallen wird.
Vor allem die Folgen der Schlacht sind es jedoch, die Arminius' Verrat im Urteil der Geschichte so negativ erscheinen lassen: Er zerstörte, ohne Besseres zu schaffen zu können. Durch den Rückzug der Römer auf Rhein und Donau bleibt Germanien zwar für viele Jahrhunderte ,frei' - frei aber auch von allen Elementen der Mittelmeerzivilisation, die unsere europäische Kultur ausmachen: Keine Städte, kein Steinbau, keine Münzen, keine Schrift, kein Gesetzwesen, keine Brücken und Straßen, keine antike Philosophie (und kein Christentum, das erst Karl der Große in die Sachsenschädel prügeln wird.)
Reizvoll ist es zu spekulieren, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn Rom die bereits bis zur Elbe eingerichteten Provinzen hätte integrieren und entwickeln können. Möglicherweise wäre es nie von Germanenstämmen überrannt worden, wären Europa die düsteren Jahrhunderte der Völkerwanderung und die zahllosen Kriege um das Elsass erspart geblieben - und würde stattdessen vielleicht heute eine Frau Cameriera ein Buch über den Sieg des Varus in einer romanischen Nachfolgesprache verfassen. Aber das führt nun wirklich zu weit.
,Varus' ist ein großartiger historischer, zutiefst menschlicher Roman, an dem ich, ehrlich eingestanden, allenfalls eines bedauerlich finden könnte: Dass ich ihn nicht selbst geschrieben habe!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


22 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannend, mitreißend, historisch genau, 12. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Kurz und bündig: Mir hat der Roman um die historisch belegte Varusschlacht ausgezeichnet gefallen!
Gebannt folgte ich den drei römischen Legionen, samt Tross, durch den Dreck und Morast Germanias; bis an ihr bitteres, blutiges Ende ließ mich die Spannung um ihr trauriges Schicksal nicht los. In farbenprächtigen, lebendigen Bildern schildert Kammerer den Verlauf der Schlacht; man spürt den unaufhörlich herabprasselnden Regen, hört die Schreie der Sterbenden, riecht den Gestank von Blut und verbranntem Fleisch. Dem gegenüber steht die mit der Handlung verwobene, zarte Liebesgeschichte des verschleppten Mädchens Thiudgif und ihres Befreiers und Verehrers, des römischen Gefreiten Annius. Beide Figuren erhalten gegen Ende der Schlacht Schlüsselfunktionen. Während Annius zum finalen Vertrauten des Statthalters Varus gerät und seinen letzten Befehl ausführen muss, führt Thiudgif eine Gruppe von Frauen, weg vom Schlachtfeld, durch die Wildnis Germaniens in die Sicherheit einer römischen Befestigungsanlage. Nachdem Entsatz eingetroffen ist, macht sie sich auf den Weg in ihr Heimatdorf, unsicher, ob ihr Geliebter den Kampf überlebt hat und sie ihn jemals wiedersehen wird.
Das Buch ist unglaublich packend geschrieben, strotzt vor Detailreichtum und beeindruckt durch die enorme historische Kenntnis der Autorin. Die Geschichte enthält meiner Ansicht nach alle Zutaten, die ein erfolgreicher Schlachtenroman braucht: Spannende Kämpfe, ehrenvollen Ruhm, gemeinen Verrat, und natürlich eine große Liebesgeschichte. Auch der sprachliche Ausdruck Kammerers gefiel mir außerordentlich.
Mag sein, dass manche Leser die etwas einäugige Darstellung der historischen Geschehnisse kritisieren werden. Hier die humanen, zivilisierten Römer, da die unvorstellbar brutalen, menschenverachtenden Germanen, die nur durch den gemeinen Verrat und die Tücke des Arminius, (Herman) gegen die überlegene Kultur obsiegten. Wie auch immer. Bestimmt ist Iris Kammerers Varus" ein ausgezeichneter Historien-Roman, der sein (hoffentlich großes) Publikum finden wird. Ich habe ihn sehr gerne gelesen und kann ihn nur weiterempfehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gut recherchiert - schwach erzählt, 11. Januar 2010
Von 
Pollmann (Augsburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Die Autorin hat sorgfältig recherchiert und folgt dem aktuellen Stand der Forschungen. Der Angriff der Legionen auf den von den Germanen errichteten Wall, begleitet durch eine (mißglückte) Kavallerie-Attacke hat mich sofort an Kalkriese denken lassen. Bei aller Sorgfalt in den historischen Hintergründen waren doch die Figuren merkwürdig eindimensional, die Verhaltesnmuster folgen den modernen Menschen, weniger denen der antiken Menschen. Insgesamt ganz nett geschrieben, aber man vergißt die Story sofort nach dem Weglegen. Daher meine Resumee:
Gut recherchiert - schwach erzählt!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen Varus und Arminius, 1. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Kindle Edition)
Varus, gib mir meine Legionen zurück", soll Kaiser Augustus gerufen haben, als er von der Vernichtung seiner drei Legionen im fernen Germanien hörte. Im Herbst 2009 jährt sich die Varusschlacht zum zweitausendsten Male. Die Diskussion um den Schauplatz der Schlacht wird immer wieder kontrovers geführt. Die heutige Forschung favorisiert Kalkriese bei Bramsche im Landkreis Osnabrücks als den Ort, an dem die dreitägige Vernichtungsschlacht stattgefunden haben soll. Doch auch andere Landkreise und Gemeinden lassen die Diskussion um die Lokalisierung immer wieder aufleben.

Spektakulär und aufregend sind in jedem Fall die Funde an Waffen, Münzen, Ausrüstung und Alltagsgegenstände in Kalkriese, die auch dort im Museum zu bestaunen sind. Auch Knochen von Tieren und Menschen hat man in verschiedenen Gruben auf dem Gelände in der unmittelbaren Nähe eines künstlich errichteten Walles gefunden. Diese Schädel tragen eindeutige Kampfspuren - ein Beweis für die Theorie des endlich gefundenen Schlachtfeldes oder nur ein Indiz dafür, dass hier eine kleinere Gruppe von versprengten Legionären den Tod fand?
Als gesichert kann es angesehen werden, dass drei Legionen des Statthalters Publius Quinctilius Varus sowie Hilfstruppen und ziviles Personal, Handwerker, und auch der Tross des Zuges, der aus Frauen und Kindern der Legionäre bestand, bis auf wenige Überlebende abgeschlachtet wurden. Drei Legionen zusammen mit den Hilfstruppen (drei Reiterabteilungen und sechs Kohorten) entsprechen ca. 20.000 Mann, wie es die Quellenlage berichtet, dazu kommt noch der Tross mit mehreren tausend Zivilisten. Römische Historiker berichten von einer beispiellos grausamen Schlacht, in der keine Gnade gewährt wurde. Römische Offiziere, die lebend in die Hände der Germanen fielen, wurden als Blutopfer den germanischen Göttern geweiht. Es gehörte wohl zur Strategie des Arminius, die besiegten Gegner abzuschrecken.

Die eigentliche Frage, die sich stellt, ist jedoch: Wie konnte diese Vereinigung der germanischen Stämme, die auch untereinander, alles andere als friedlich miteinander umgingen, gelingen? Welch tiefes Vertrauen muss Varus gegenüber Arminius - der immerhin die römische Staatsbürgerschaft besaß und dort den Rang eines Ritters innehatte - empfunden haben, galt Varus doch als politisch erfahrener Stratege, der schon im fernen Osten ein Gebiet sozusagen 'befriedet' hatte? War es Blindheit, Dummheit oder pure Arroganz und Überheblichkeit?
Die Autorin Iris Kammerer hat sich in ihrem Roman "Varus", erschienen im Heyne-Verlag, genau diese Frage gestellt und nach einer Antwort darauf gesucht.

Inhalt
Im Herbst des Jahres 9 n. Chr. war Germanien mit seinen vielen unterschiedlichen Stämmen zwar nicht befriedet, aber doch von der römischen Weltmacht unterworfen. Es entstanden die ersten Siedlungen, die sich später zu großen Städten entwickeln sollten, z. B. Bonna (Bonn), Confluentes (Koblenz) und Bingium (Bingen). Germanische Hilfstruppen dienten an der Seite der römischen Legionen, und selbst junge Anführer aus den Reihen der Germanen erhielten hohe Dienstgrade, Macht und Geld, so dass sie juristisch faktisch römische Bürger, gar Ritter wurden.

Arminius, ein Fürst der Cherusker, wurde schon als Jugendlicher den Armen seiner germanischen Eltern entrissen und als Geisel einer römischen Erziehung unterzogen. Als ausgebildeter römischer Offizier erkämpfte er sich in einigen Feldzügen Loyalität und hohes Ansehen in den Augen seiner Vorgesetzten und Gönner. Trotz seiner militärischen Ausbildung und seiner in Kämpfen erlernten römischen Strategien und Taktiken vergaß er doch nie seine cheruskerischen Wurzeln.
Als er den römischen Staathalter Publius Quinctilius Varus in Germanien kennenlernte, gewann er nach und nach das Vertrauen des älteren und erfahrenen römischen Senators und Politikers. Varus setzte in Germanien unter seinem Oberbefehl strikt seinen eigenen Willen durch; Gesetze, Steuern und Tribut wurden von den Stämmen eingefordert, und ehemalige Bundesgenossen wurden durch die Repressalien zunehmend kritischer und unzufriedener.

Als Segestes, ebenfalls ein Fürst der Cherusker, Varus davor warnt, dass germanische Fürsten vereint unter Arminus den Aufstand gegen die römische Besatzung planen, glaubt Varus ihm kein Wort. Im Gegenteil, er wird sogar ärgerlich, und auch seine hellhörigen Stabsoffiziere, die diese Warnung ernster als der Statthalter nehmen, werden ignoriert. Selbst als Varus den vermeintlichen Verräter zur Rede stellt und dieser die Anklage ins Lächerliche zieht, kommen dem Statthalter keine Zweifel.
Annius, ein ehemaliger römischer Legionär, der nach einer Verletzung nun als Schreiber im Generalsstab tätig ist, findet ebenfalls Hinweise und ihm fallen Merkwürdigkeiten auf, und auch einzelne ihm bekannte Offiziere sehen sich hilflos einem möglichen Aufstand ausgesetzt. Als Annius Mitleid mit der germanischen Sklavin Thiudgif hat und diese bei einem Würfelspiel gewinnt, sieht er endlich in seinen Leben wieder eine Aufgabe, vielleicht sogar eine Zukunft, für die es sich zu leben lohnt.

Trotz aller Warnungen, Anzeichen, Hinweise und laut ausgesprochenen Zweifeln der Offiziere setzt sich Varus durch und zieht mit seinen drei Legionen und den germanischen Hilfstruppen in das Winterhauptquartier in der Nähe von Xanten. Langsam und schwerfällig setzen sich die Legionen mitsamt dem Tross in Bewegung. Der Weg ist beschwerlich und führt über schmale Pfade durch Moore und an Sümpfen vorbei. Dichte Wälder machen es unmöglich, das Gelände strategisch klug überblicken zu können. Hinzu kommt noch der anhaltende Regen, der die Wege schlüpfrig und die Kleidung der reisenden Legionen schwer und klamm macht.
Es kommt zu schweren Kämpfen, die Nachhut der Legionen wird immer wieder in kleinere Kämpfe verwickelt. Germanische Bogenschützen nehmen aus dem Schutz der Wälder heraus den Tross und die Soldaten unter Beschuss und machen keinen Unterschied zwischen Römern und Germanen, die als Angehörige den Zug begleiten.

Diese Taktik erschrickt die römischen Veteranen, und sie ahnen, dass sich die Warnungen des Segestes nun bewahrheiten. Das mitgeführte Kriegsgerät und die Wagen mit Materialien für eventuelle Befestigungsanlagen werden von den aufständischen Germanen vernichtet. Angst macht sich breit, nicht nur unter den Legionären, denn auch ihre Frauen und Kinder sind Ziel der brutalen und rücksichtslosen Angriffe, die oftmals aus dem Hinterhalt kommen.
Auch Annius wird in die Kämpfe verstrickt und muss sich vom Tross und von Thiudgif trennen, um einen letzten Befehl des Varus zu befolgen. Thiudgif dagegen flieht zusammen mit einer Schar Frauen in die Wälder, um auf eigene Faust entweder zu ihrem Vater zu gelangen oder aber eine römische Festung erreichen zu können. Die Verluste an Soldaten und Ausrüstung nehmen dramatisch zu, und durch einen Boten des Arminius wird Varus nun auch klar, dass er zusammen mit über 20.000 Männern, Frauen und Kindern mit einer gnadenlosen Schlacht konfrontiert werden wird, die in einer tödlichen Falle enden muss, und er allein ist dafür verantwortlich ...

Kritik
Iris Kammerer hat der Tragödie um Varus eine erzählerische Wucht verliehen, die unter die Haut geht. Eher langsam, aber vielseitig konfrontiert sie die Leser mit dem Verdacht eines Verrats und führt ihre dramatischen Protagonisten konzentriert und wohlüberlegt in die Handlung ein.

Aus fast jeder Perspektive kommen die Einzelschicksale vor dem Leser zur Entfaltung. Annius, der sich nach Ruhe innerhalb einer Familie sehnt und nach seiner Verletzung noch immer nicht weiß, welchen Weg er gehen muss, ist genauso verloren wie seine Vertraute Thiudgif, die zwischen den Kulturen leben muss und langsam ihre Sympathie für den Feind entdeckt. Anfänglich wirkt sie hilflos, verloren, unselbständig, aber mehr und mehr gewinnt sie an Selbstvertrauen hinzu, und als sie auf der Flucht in die Wälder eine Gruppe von Frauen anführt, erwachen ihre Stärke und ihr couragiertes Selbstbewusstsein.
In vielen kleinen Nebensequenzen wird dem Leser aus der Sicht von römischen Offizieren die Verzweiflung und die Angst bildlich vor Augen geführt, wenn beispielsweise ein Speerhagel auf die römischen Legionäre niedergeht oder der fast hilflose Tross unter vielen zivilen Opfern aufgerieben wird. Die Handlung, die stets spannende Dialoge bereithält, wechselt auch immer wieder in die Perspektive der kämpfenden römischen Soldaten, die atemberaubend geschildert wird.

Es gibt Momente im Buch, die den Schrecken in unserer Fantasie zum Leben erwecken. Sicherlich fehlen uns Zeitzeugen und Texte, welche die Grausamkeit dokumentieren, die die Legionäre erleben mussten, aber Iris Kammerer fängt die wahrscheinlichsten Empfindungen auf und beschreibt diese so atmosphärisch dicht, dass man fast glauben mag, selbst diese Hoffnungslosigkeit zu empfinden. Aber nicht nur die Kampfszenen, die im Detail erzählt werden, sind spannend dargestellt, sondern ebenso die Dialoge der Offiziere und einfachen Legionäre.
Arminius, der ja in seiner militärischen Laufbahn die Taktik und die Strategie der römischen Militärmacht kennengelernt und selbst erlernt hat, weiß auch um ihre Fehler und Schwächen. Selbst die psychologische Komponente ist ihm dabei nicht fremd, und er setzt gerade dieses Element skrupellos, aber bewusst ein. Eine Szene soll Beispiel von dieser Kampfsituation geben: Man stelle sich vor, es ist Nacht und die Legionen haben mehr schlecht als recht in dem unwegsamen Gelände versucht, ein Lager zu errichten; der Wald ist nur wenige hundert Meter entfernt, es regnet und ist stockfinster. Im Schein von Fackeln sieht man am Waldrand die Leichen der Frauen und Kinder in den Bäumen im Wind schaukeln, man hört die Schmerzensschreie von Frauen und Kindern, die vielleicht die eigenen sind; unter Folter werden diese verstümmelt und zur Schau gestellt. Die Legionäre können nicht viel tun; hilflos, wütend und erschreckt stehen sie erstarrt da und lauschen den letzten Lauten hilfloser Angehöriger. Ein Römer fragt den anderen: "Woher haben sie diese Grausamkeiten?" Woraufhin der römischer Gesprächspartner und Freund leise erwidert: "Von uns!" Wenig später werden die campierenden römischen Truppen von erbeuteten Katapulten mit Leichenteilen der Gefangenen beschossen.

Was diese Menschen durchmachten mussten in dieser mehrtägigen Schlacht, können wir uns nicht vorstellen, aber Iris Kammerer formt den Schrecken in erzählerischen Bildern, obwohl die Wahrheit noch schrecklicher gewesen sein mag, wenn wir den Historikern Glauben schenken möchten.
"Wer Wind sät, wird Sturm ernten" - das ist eine Botschaft, die deutlich auch in "Varus" transportiert wird. Die Eroberungspolitik und der Versuch, fremden Ländern seine Politik, Religion und gesamte Kultur aufzuzwingen, kann einfach kein gutes Ende nehmen. Die Selbstkritik der römischen Protagonisten und die Erkenntnis begangener Fehler treten auch in diesem Roman sehr hervor.

Für manche Menschen mag Arminius - oder "Hermann" wie er manchmal genannt wird - ein Held sein, ein heroischer Freiheitskämpfer, der sich der Besatzungsmacht entledigte. Diese Meinung allerdings wird im vorliegenden Buch nicht vertreten. Arminius wird ohnedies nur wenig Raum gegeben, was auch gut so ist. In "Varus" geht es primär um den titelgebenden Feldherrn, dessen Fehler, Dummheit oder Überheblichkeit tausende von Menschen das Leben kostete. Es geht aber auch um die Legionäre als Menschen, die feststellen, dass sie die nächsten Tage nicht überleben werden. Für Arminius empfindet man keinerlei Sympathie oder gar Verständnis, zu deutlich sind die von ihm hervorgerufenen Schrecken. Trotzdem weist die Autorin aber auch daraufhin, dass die Römer alles andere als unschuldig sind. Diese Botschaft hat Frau Kammerer wirklich großartig übermittelt.
Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass nicht erzählt wird, wie es weitergeht nach der Varusschlacht, welche Politik und welche Reaktionen es nach dieser Tragödie gibt und welchen weiteren Weg Arminius geht. Aber das könnte auch noch Inhaltsstoff für weitere Romane ergeben, auch wenn Frau Kammerer diese Geschichte eigentlich nicht weitererzählen möchte, beispielsweise aus der Sicht des Cheruskerfürsten Arminius. Wer mehr über die Zeit nach der Schlacht erfahren möchte, dem empfehle ich die Trilogie um den Tribun Cinna, der vor der eigentlichen Schlacht von Germanen gefangen genommen und festgehalten wird.

Fazit
"Varus" ist ein historischer Roman, der wirklich gut anhand der vorliegenden Quellen recherchiert und erzählt wurde. Er ist abwechslungsreich und spricht mit einer atmosphärischer Stimme, die nicht zu überhören ist. "Varus" ist kein leiser Roman, sondern ein Buch, das zwar Unterhaltung bietet, aber doch vielschichtig, informativ und spannend auf Aktion und Reaktion eingeht. So still auch die Einleitung zunächst erscheinen mag, so explosiv wuchtig eskaliert die Erzählung im Hauptteil, und auch der Schlussakt bildet ein gutes und nachvollziehbares Ende. Ein Nachwort, eine kleine Zeittafel und Erklärungen von Waffen und Ausrüstung sowie Alltagsgegenständen runden den Roman hervorragend ab.

Im Lauf der nächsten Monate wird es viele Romane, Sachbücher und auch Reportagen über die "Varusschlacht" geben, die immer noch Stoff für Mythen, Legenden und geschichtlichen Überraschungen bereithält. "Varus" von Iris Kammerer kann ich zu diesem Thema beruhigt weiterempfehlen, denn die Autorin versteht es, erzählerische Freiheiten mit Fakten zu vermischen, ihrer Leserschaft Hochspannung zu kredenzen und im Leser das Interesse daran zu wecken, mehr über das Schicksal des Publius Quinctilius Varus zu erfahren.

Die Autorin

Iris Kammerer, 1963 in Krefeld geboren, arbeitete nach dem Studium der Klassischen Philologie und Philosophie als Texterin, Redakteurin und Beraterin. Seit 2004 ist sie freie Autorin. Bisher erschienen die erfolgreiche Trilogie um den römischen Offizier Cinna ("Der Tribun", "Die Schwerter des Tiberius" und "Wolf und Adler") sowie der im Mittelalter angesiedelte Roman "Der Pfaffenkönig". Iris Kammerer lebt zusammen mit ihrem als Sachbuchautor tätigen Mann Helmut Kammerer in Marburg.

Michael Sterzik
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glitschiges Inferno und die Angst vor dem Ungewissen, 20. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Glitschiges Inferno und die Angst vor dem Ungewissen

Nach kurzer und notwendiger Einleitung (zur Einführung der handelnden Personen) schafft es Iris Kammerer in kürzester Zeit, den Leser - sozusagen mit der Schubkarre - in einem verregneten und schlammigen Inferno abzuladen.
Man befindet sich auf Augenhöhe mit dem Tross, mit den Legionären, mit dem Generalstab, und überall beginnt die Ungewissheit eines möglichen Angriffs um sich zu greifen und die ohnehin nassgeregneten und erschöpften Menschen scheinen vor Angst und Kälte zu erstarren.

Der römische Mythos der Unbesiegbarkeit wird von dem Cherusker Arminius auf kühle und berechnende Art zunichte gemacht. Der rund 30 000 Menschen umfassende und mehrere Kilometer lange Heereswurm wird von den Germanen Stück für Stück auseinander genommen. Dann fallen Horden wilder Aufständischer über Teile des Heeres her und verschwinden nach grausamem Gemetzel wieder in unwegsamem Gelände.
Wilde Schreie, reitende Boten, fliehende Menschen, verstümmelte Leichen: ein hochzivilisiertes, hochgerüstetes Heer wird von wilden Kreaturen besiegt und vernichtet.

Es ist vor allem diese mehrere Tage dauernde Ungewissheit, die den Leser packt. Iris Kammerer gelingt es hervorragend, die Angst der Angegriffenen auf den Leser zu übertragen und die Ausweglosigkeit der Situation zu veranschaulichen.

Dabei gibt der Antagonist Arminius im moralischen Sinne keine Gute Figur ab, er erhebt sich als blindwütiger Rachegott über ein geschlagenes Heer. Dennoch muss man ihm zugute halten, dass die römischen Besatzer stets hohe Steuern eintrieben und mit den unterentwickelten und schlecht organisierten Germanen sicherlich nicht zimperlich umgegangen sind. Insofern wird die Motivation des Cheruskers, an geeigneter Stelle ein Exempel zu statuieren, im nachhinein verständlich.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen Eine gute Aufarbeitung der Varus-Schlacht, 23. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Varus: Historischer Roman (Taschenbuch)
Das Buch erzählt die Zeitspanne bevor sich das römische Heer auf den Weg macht und die Schlacht selber, aber komplett aus der Sichtweise der Römer. Daher barg das Buch für mich einige üble Überraschungen und einige Szenen, in denen ich hart schlucken musste. Iris Kammerer hat sich getreu an die geschichtlichen Vorgaben gehalten und von daher muss man als Leser von Figuren, die einem doch sympathisch geworden sind und an die man sich gehängt hat, auf teilweise sehr grausame Weise Abschied nehmen.

Das Buch bietet teilweise sehr detaillierte Beschreibungen der Kämpfe und v. a. einen guten Einblick in die Taktik und Strategie der römischen Kämpfe. Bei den Kampfhandlungen fühlte ich mich teilweise so, als würde ich direkt mit auf dem Feld stehen und die Verzweiflung, Panik, aber auch der Mut der Verzweifelten war für mich oft quasi mit Händen greifbar.

Die Gründe, warum es zu der Schlacht und v. a. zu dem Verrat gekommen ist, sind jedoch nicht so eindeutig identifizierbar. Dem Leser wird keine genaue Begründung geliefert, sondern einfach nur Tatsachen aufgezeigt auf Basis derer er die Motive interpretieren kann. Jedoch wird wohl eine eindeutige Klärung der gesamten Motive nie möglich sein.

Die Charaktere sind sehr bildlich gezeichnet und waren für mich auch zu jeder Zeit nachvollziehbar in ihren Handlungen.

Trotz vieler Kampfszenen und teilweise sehr brutalen Beschreibungen, findet das Buch schließlich zu einem ruhigen Ende, das mich mit einem zufriedenen Gefühl zurück gelassen hat. Insgesamt ein Buch, an das ich noch lange denken werde und das mir ein gutes Stück Geschichte näher gebracht hat!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Varus: Historischer Roman
Varus: Historischer Roman von Iris Kammerer (Taschenbuch - Oktober 2008)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,48
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen