Fashion Sale Hier klicken Kinderfahrzeuge calendarGirl Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More fissler Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen140
4,0 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 31. März 2011
Nachdem ich dieses Buch (in der von Daniel Brühl gelesenen Fassung als Hörbuch) hinter mich gebracht hatte, blieb ein äußerst schaler Nachgeschmack. Kann man zu Beginn noch die Nöte und Ängste der beiden Protagonisten im Kinder- und Teenager-Alter nachvollziehen und interessiert sich für den Werdegang, so ist deren Verhalten als Erwachsene schlichtweg eine Qual zu lesen bzw. anzuhören. Eine große Zahl unaufgelöster Konflikte lädt sich bleiern über die Handlung, jedes Mal, wenn man meint, es passiert etwas Entscheidendes, bricht das Kapitel entweder ab, oder einer der beiden zieht sich aufgrund nur schwer nachvollziehbarer Motive in sein persönliches Schneckenhaus zurück. Weswegen reist Mattia z.B. Hals über Kopf aufgrund einer einzigen Briefzeile nach Italien zurück, nur um beim Anblick der Initialen auf Handtüchern sofort wieder eine Kehrtwendung zu machen, ohne dass das auch nur die Spur einer Verwunderung bei einem der beiden hervorruft? Warum reagiert Alice beim Anblick des Mädchens im Krankenhaus so, dass es vollkommen klar ist, dass das zu nichts führen wird (das "Gespräch" mit dem Pförtner)? Von diesen Beispielen könnte man sicher ein Dutzend und mehr aufzählen.

Als Leser/Hörer finde ich das auch deswegen ärgerlich, weil ich das unbestimmte Gefühl hatte, man müsste aufgrund des schon Gelesenen/Gehörten verstehen, warum die beiden nicht zusammenkommen und warum sie so sind wie sie sind - mir erschließt sich das jedoch nicht. Wenn diese quälende, deprimierende Unsicherheit und Ungewissheit vom Autor beabsichtigt war, dann ist ihm dies zweifellos gelungen. Es ist schon klar, dass dieser Roman nicht "schön" oder "unterhaltsam" sein soll. Mich hat die zähe, von Zeitsprüngen durchsetzte und episodenhafte Geschichte aber nicht überzeugt.
0Kommentar|13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
In einem Seminar im zweiten Semester hatte Mattia gelernt, dass einige Primzahlen noch spezieller als die anderen sind. Primzahlzwillinge werden sie von Mathematikern genannt: Paare von Primzahlen, die nebeneinander stehen oder genauer, fast nebeneinander, denn zwischen ihnen befindet sich immer noch eine gerade Zahl, die verhindert, dass sie sich tatsächlich berühren. Zahlen wie 11 und 13, wie 17 und 19 oder 41 und 43. Bringt man die Geduld auf, weiter und weiter zu zählen, stellt man fest, dass solche Pärchen immer seltener werden. Man stößt auf immer weniger Primzahlen, die verloren dastehen in diesem lautlosen, monotonen, nur aus Ziffern bestehenden Raum und es beschleicht einen das beklemmende Gefühl, dass die Pärchen, die einem bis dahin begegnet sind, rein zufällig zusammenstanden und dass es eigentlich ihr Schicksal ist, allein zu bleiben. Aber dann, wann man schon aufgegeben und nicht mehr weiterzählen will, stößt man auf ein weiteres Pärchen von Zwillingen, die sich, eng umschlungen, aneinander festhalten. Mathematiker sind davon überzeugt, dass man, egal wie weit man fortschreitet, immer wieder solchen Zwillingen begegnen wird, obwohl niemand sagen kann, wo sie stecken, bis man sie tatsächlich gefunden hat.
Für Mattia waren sie beide, Alice und er, genau dies, Primzahlzwillinge, allein und verlo-ren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um sich wirklich berühren zu können.
("Die Einsamkeit der Primzahlen", Seite 155, 156).

Es ist eine stille Art der Faszination die diesen melancholisch, schönen Roman des italienischen Debütanten Paolo Giordano auszeichnet. Der Schmerz seiner Helden ist fast schon körperlich spürbar und geht unglaublich nahe. Doch dieses Gefühl, das der Autor bis zur Neige auskostet, verwandelt sich auf beinahe wunderbare Weise vor den Augen des Lesers und vermittelt eine Botschaft der Hoffnung. Nicht die Liebe allein, die zwei besondere Menschen verbindet, sondern das Leben selbst steht im Mittelpunkt. Alice und Mattia, die man jeweils ab einem einschneidenden Kindheitserlebnis bis zum Erwachsenenalter begleiten darf, scheinen beide auf dem Pfad der Tränen festzukleben. Ihre Einsamkeit zu einer behaglichen Zweisamkeit zu machen scheint ebenso unmöglich zu sein, wie das Band vollkommen zu lösen, welches sie unsichtbar miteinander verbindet. Gibt es für die verkorksten Seelen der Kindheit eine Möglichkeit sich von der Vergangenheit zu lösen und ein unabhängiges und freies Leben zu führen?

Alice Della Rocca hasst das Skifahren. Und auch ihren Vater, der sie dazu zwingt, in diesem Sport das Beste zu geben. An diesem einen nebligen Tag wird sie einen Unfall haben, der sie mit Narben auszeichnet, die sie ihr Leben lang tragen wird.
Mattia Balossini ist ein Zwilling. Aber seine Schwester Michela ist ganz anders als alle anderen Kinder. Sie kann nicht sprechen, sie hat seltsame Anfälle und sie malt auf den Bildern die Haut der Leute blau an. Kein Wunder, dass die Zwillinge in der Schule keine Freunde finden. Als die beiden zu einer Geburtstagsfeier eines Klassenkameraden eingeladen werden, ist Mattia sich sicher, dass der Gastgeber von seinen Eltern zu dieser Geste gezwungen wurde. Als er sich mit seiner Schwester zu der Fete aufmacht, graut ihm bereits davor, was Michela Peinliches anstellen wird. Er trifft daraufhin eine folgenschwere Entscheidung und lässt die Zwillingsschwester allein in ihrem geliebten Park zurück. Aber als er viel zu spät wieder dorthin zurück kehrt, ist Michela spurlos verschwunden. Voller Panik erkennt Mattia, dass er einen großen Fehler gemacht hat.
Jahre danach treffen Mattia und Alice in der Schule zum ersten Mal aufeinander.
Die Lehrer von Mattia hatten den Eltern geraten, den hochbegabten Sohn auf ein Gymnasium zu schicken, wo seine Fähigkeiten mehr gefördert werden. Die soziale Kompetenz des sensiblen Jungen, der einen starken Hang zur Selbstverletzung entwickelt hat, ist dagegen eher unterentwickelt. Auch Alice ist ein Außenseiter, aber im Gegensatz zu Mattia würde sie liebend gerne dazugehören. Besonders die coole Viola hat es ihr angetan. Am liebsten hätte sie wie die kühle Schönheit ein Blümchentatoo auf dem Bauch, auch wenn darunter die hässlichen Narben nach wie vor sichtbar sind. Zu Alice Erstaunen möchte Viola ihr helfen, einen Typen zu finden. Alice Wahl fällt auf den seltsamen Mattia, dessen traurige Aura sie fasziniert. Es ist erneut eine Geburtstagsfeier, die eine Veränderung in Mattias Leben anstößt, auch wenn das Ergebnis ein anderes ist, wie von den Beteiligten erwartet...

Die Sprachbilder des Autors sind oft ungewöhnlich und doch nachvollziehbar. Zum Beispiel veranschaulicht er das allmähliche Verschwinden der Ehefrau und Mutter Della Rocca mit dem langsam verblassenden Wasserfleck auf einem T-Shirt. Ein alltägliches Bild wird mit einer ebenso realistischen wie ernüchternden Tatsache verbunden und prägt sich tief ein.
Die verschiedenen Konflikte der Protagonisten werden ebenso anschaulich geschildert, wobei eine gewisse Nüchternheit beibehalten wird. Fakten zu den Nebenfiguren werden nur insoweit angeführt, wie sie für die jeweilige Situation erforderlich scheinen. Trotzdem oder vielleicht gerade darum fühlt man auch mit ihnen. Außerdem ergibt sich ein differenzierteres Bild, was die Helden dieser Geschichte betrifft.
Die klare Struktur des Romans, die sehr gut zu der Themastellung passt, der leicht lesbare Schreibstil und die Eindringlichkeit, mit der das Gefühlsleben der Beteiligten beschrieben wird, sind eindeutige Pluspunkte des beeindruckenden Debüts.

Dieser ausdrucksstarke Roman ist tatsächlich eine ganz besondere Entdeckung.
22 Kommentare|30 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. August 2009
Zwei junge Menschen sind gezeichnet von einschneidenen, traumatischen Erlebnissen der Kindheit: hier geht es jedoch nicht um die Suche nach dem oder den Schuldigen sondern eher darum, dass und wie jeder seine Bürde zu tragen hat. Die zunächst getrennten Schicksale der beiden Protagonisten Mattia (er) und Alice (sie) nähern sich allmählich aneinander, kreisen umeinander, um sich dann wieder zu trennen - doch eine unsichtbare, fragile Verbindung bleibt bestehen, über die Zeit, über den Raum.
Vom Schmerz, einzeln zu sein und einzeln zu bleiben - wie die Primzahlen - handelt dieser Roman, der mit seiner im poetischen Sinne einfachen Sprache so leicht daherkommt und doch zugleich eine Metapher ist für das menschliche Schicksal im Allgemeinen. Man fragt sich unweigerlich, wie ein so junger Autor so viel vom Leben wissen kann?
Ein Kompliment auch für die Übersetzung, die dem italienischen Original in nichts nachsteht.
0Kommentar|110 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. Dezember 2009
Wenn man sich die bisher hier vertretenen Positionen so anschaut, gewinnt man den Eindruck, dass Paolo Giordano mit seinem Roman polarisiert: Man liebt ihn oder man langweilt sich. Vielleicht hilft es manchen Unentschlossenen ja weiter, wenn jemand, der weder enttäuscht noch euphorisch ist, eine Stellungnahme abgibt...

Die Einsamkeit der Primzahlen schildert zwei junge (später nicht mehr ganz so junge) Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation auf sehr eindringliche Weise. Die Sprache besticht durch Schlichtheit, der Aufbau ist chronologisch mit mehreren Zeitsprüngen. Dem gegenüber steht die komplexe Thematik von Schuld. Verletzung, Einsamkeit, Magersucht. Insgesamt ist es ein Buch, über das man länger nachdenkt als man darin liest (was ja positiv ist).
Gerade weil hier ernste Themen so aufmerksam geschildert werden, ist es allerdings ein bisschen irritierend, dass man manchmal das Gefühl hat, wichtige Erklärungen blieben einem vorenthalten. Sich zu fragen, ob es im Italien der 80er Jahre üblich war, schwer behinderte Kinder (das fragliche Mädchen kann nicht sprechen und kaum auf seine Umwelt reagiern) einfach in die Grundschule zu schicken, kann schlicht auf eigene Wissenslücken hindeuten. Warum aber ein gehbindertes Mädchen am Sportunterricht teilnimmt, ist schon weniger einfach wegzuerklären. Und wieso hat sie eigentlich ein steifes Knie, aber eine Operationsnarbe an der Hüfte? Und, was den Protagonisten Mattia angeht: Wieso kommt seine ganze, von gravierenden Selbstverletzungen geprägte Jugend über niemand- weder Eltern, noch Lehrer, noch Ärzte- auf die Idee, ihn mal zu einem Therapeuten zu schicken?
Oder ist das vielleicht passiert, und wir erfahren es nur nicht? Zwischen den detailgetreu geschilderten Episoden lässt der Autor nämlich große Lücken. Nur selten bekommt man einen Hinweis darauf, was in der Zwischenzeit passiert ist, und diese spärlichen Informationen kommen irgendwie nicht gegen den Eindruck an, dass die Geschichte zwischendurch einfach still steht. Alices Mann, ein Arzt, bekommt zum Beispiel schon beim ersten Date einen mehr als deutlichen Hinweis auf ihre Magersucht, ist aber erst im nächsten Abschnitt (einige Jahre später) bereit darauf zu reagieren.
Abgesehen von den offenen Fragen ist es vor allem das Verhältnis zwischen den Hauptpersonen, das meine Begeisterung für das Buch etwas dämpft. Für sich genommen erscheinen Mattia und Alice als glaubwürdige Charaktere, einsam und abgeschieden von den anderen (und das übrigens von Anfang an). Was sie dagegen aneinander finden, erschließt sich nicht wirklich. Mattia hängt zwar seinen Gedanken zufolge an Alice, in ihrer Gegenwart erscheint er aber immer genervt und abwesend. Und sie hält die Beziehung trotz ständiger Ablehnung seinerseits aufrecht, kommt aber in zehn Jahren nicht auf die Idee, herauszufinden, was ihn zu seiner Selbstverstümmelung treibt? Mit anderen Worten: Was die beiden Protagonisten trennt, ist deutlich genug, was sie zusammenhält bleibt im Dunkeln- und erweist sich am Ende auch als nicht besonders stabil.

Mein Fazit: Ein Buch, das berührt und nachdenklich macht, in mancher Hinsicht aber noch nicht ganz überzeugen kann.
44 Kommentare|86 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 7. Oktober 2009
Ich weiß, man soll ja eigentlich nicht vergleichen, denn alle Vergleichen hinken irgendwie. Aber ich muss trotzdem sagen, dass dieses Buch so etwas wie eine moderne Version der "Sturmhöhe" für mich ist. Charaktere und Handlung sind völlig unterschiedlich, aber diese bittere Tragik der Liebe zweier Menschen, die nicht zusammen finden, habe ich zuletzt so toll und nachfühlbar in der Sturmhöhe von Emily Bronte gelesen.

Alice und Mattia haben beide schwere Schicksalschläge in der Kindheit hinnehmen müssen, die die beiden für den Rest ihres Lebens zeichnen und zu Außenseitern machen. Sie fühlen sich, wahrscheinlich gerade deswegen, zueinander hingezogen, aber auch genau das ist es, was die beiden voneinander trennt.
Die Sprache dieses Buches ist großartig! Schon von der allerersten Seite an, ist man mitten in der Geschichte drin:
"Alice Della Rocca hasste die Skischule. Sie hasste den Wecker, der auch in den Weihnachtsferien morges früh um halb acht klingelte, und ebenso ihren Vater, der ihr beim Frühstücken zusah und dabei nervös mit einem Bein wippte, wie um zu sagen: Los, beeil dich endlich. Sie hasste die Strumpfhose, die an den Oberschenkeln kratzte, die Skihandschuhe, in denen sie die Finger nicht bewegen konnten, den Helm, der ihre Wangen zusammenkniff und dessen Metallschnalle sich in ihren Unterkiefer bohrte, und vor allem diese Skischuhe, die viel zu eng waren und in denen sie wie ein Gorilla lief."
Die beiden Hautprotagonisten bleiben keine blassen Figuren zwischen den Seiten sondern werden zu Menschen, die man wirklich zu kennen glaubt. Man leidet mit ihnen und kann das Buch nicht aus der Hand legen. Aber nicht falsch verstehen: hier handelt es sich nicht um ein deprimierendes Drama, bei dem man am Ende heult. Es ist traurig, lustig, hoffnungsvoll und tragisch zugleich - wie das wirkliche Leben eben.
Da ich sehr viel lese, kaufe ich mir meistens Taschenbücher. In diesem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht und es absolut nicht bereut. Dieses Buch kann man ohne Probleme noch einmal lesen. Wer auf der Suche nach einem Geschenk ist, kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendjemandem nicht gefallen könnte.
0Kommentar|54 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Januar 2012
Wer aufgrund des Buchtitels Mathematik erwartet, wird enttäuscht sein; andere werden sich hingegen freuen. Die Analogie zu den Primzahlen (ganze Zahlen, die ohne Rest nur durch sich selbst und die 1 teilbar sind, wobei die 1 selbst keine Primzahl ist) besteht darin, dass es mit Ausnahme der Zahlen 2 und 3 keine weiteren Primzahlen gibt, die unmittelbare Nachbarzahlen sind. Es ist sonst immer mindestens eine weitere Zahle zwischen ihnen. Primzahlen können sich somit nahe kommen, aber mit Ausnahme der 2 und 3 eben nicht berühren.

So ähnlich geht es den beiden Hauptfiguren dieses Romans, Alice und Mattia. Man wird beide wohl als stark beziehungsunfähig bezeichnen müssen, wobei in beiden Fällen dramatische Ereignisse dazu wesentlich beigetragen haben. Bei Alice drängt der überambitionierte Vater seine Tochter zum Skirennlaufen. Sie verunglückt, erfriert fast und behält ein steifes Bein ' Schuldvorwürfe dem Vater gegenüber inklusive. Magersucht stellt sich ein, an der Alice so lange wir sie im Buch begleiten leidet. Mattia hat eine geistig behinderte Schwester, die ihm bei freundschaftlichen Kontakten im Mitschülerkreis immer wieder Probleme macht. Bei einer gemeinsamen Einladung zu einer Geburtstagsfeier lässt Mattia sie im Park auf einer Bank zurück. Sie verschwindet spurlos und weder sie noch ein Leichnam werden je gefunden. Mattia fängt mit Selbstverstümmelung und mit einer fast autistischen Haltung an.

Beide, Mattia und Alice, begegnen sich auf der Schule. Die Primäraffektion geht von Alice aus, wie im Grunde auch alle weiteren Schritte des Kontaktes. Dieses Miteinander ist manchmal enger, dann wieder lockerer, aber beide können nicht von einander lassen. Und sei es nur, dass beispielsweise während einer mehrjährigen Abwesenheit Mattias, ihre Gedanken täglich umeinander kreisen. Mattia lebt alleine, zurückgezogen, wird ein sehr guter Mathematiker, aber alle halbherzig gemachten Beziehungsversuche bleiben im Keim erstickt. Alice wird Fotografin, lernt einen Arzt kennen und heiratet ihn, aber die Ehe geht in die Brüche.
Das Buch kann als Roman einer unerfüllten Liebe gesehen werden, ich persönlich halte es aber eher für einen ' zugegebenermaßen übertriebenen - Spiegel der in unserer Gesellschaft so weit verbreiteten Unfähigkeit, sich zu öffnen und der Angst, Bindungen einzugehen.

Fazit : Sehr lesenswert, voller komplizierter Gefühle und voller Melancholie. Sprachlich sehr beeindruckend durch die präzise Beschreibung dessen, was das Innenleben der Akteure ausmacht.
0Kommentar|4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Dezember 2009
Paolo Giordano beschreibt die Lebensgeschichten von Alice und Mattia, beide 1976 geboren. Beide wachsen in ihrer jeweiligen Familie in Italien auf - wo genau, erfährt man nicht. Überhaupt spielen äußere Fakten in diesem Buch keine große Rolle.
Wodurch es vor allem hervorsticht, sind zwei Dinge:
1. die plastische Schilderung der Innenansichten der verschiedenen Personen - im Mittelpunkt Alice und Mattia, aber auch Randpersonen wie Mattias Schulfreund Denise oder die spanische Haushälterin Soledad werden mit ihren Gedanken und Gefühlen sehr persönlich dargestellt.
2. die klare, eindringliche, bezaubernde Sprache mit poetischen Vergleichen und Bildern wie dem der Primzahlen, die zwar nah beeinander stehen, aber doch nie zusammenkommen können.
Diese zwei Dinge sind mir vier Sterne wert.
Das Buch liest sich flüssig und ich habe es in einem Zug durchgelesen - jedoch blieb mir danach ein schweres, bedrückendes, deprimierendes Gefühl zurück. Die zwei Hauptpersonen erstarren in ihrer Hilflosigkeit, bis ins Erwachsenenleben hinein (das Buch endet 2007, als beide 31 sind), beide können ihre Kindheitstraumata auch nicht ansatzweise verarbeiten. Ich litt mit ihnen mit - wenn Mattia sich immer wieder absichtlich in die Hand schneidet - wenn Alice nur Salatblätter und Mineralwasser hinunterbekommt, obwohl der Hunger in ihr brennt - doch es ändert sich über Jahre hinweg praktisch nichts. Eltern, Lehrer, Mitschüler sind seltsam gleichgültig oder kommen gar nicht vor. Sowohl Mattia als auch Alice lernen einen Beruf, haben Kontakt zu anderen Menschen, doch keinem aus ihrem Umfeld gelingt es, nahe genug an sie heranzukommen, um irgendeine Änderung anzustoßen. In gewisser Weise sind alle Personen in dem Buch wie Primzahlen. Es gibt nur Innenansichten, ausgesprochen werden wichtige Dinge praktisch nie. Nur einmal erzählt Mattia Alice sturzbachartig sein Trauma mit der Zwillingsschwester, aber dabei bleibt es dann auch. Im Inneren toben die Kämpfe, die Verletzungen, der Schmerz, doch mitgeteilt werden diese Gefühle nie. Das letzte Kapitel heißt "Was bleibt" - doch was bleibt denn nun? Es bleibt das Schweigen, die Selbstbestrafung, der Rückzug, das Unverständnis. Ist Literatur eigentlich nur gut, wenn das Leid siegt?
0Kommentar|18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Mai 2011
Von guter Besprechung angeregt, freute ich mich auf die Lektüre und wurde zunächst gefesselt, da das Buch spannend beginnt mit intensiven Schilderungen der traumatischen Kindheitserlebnisse der beiden Protagonisten.
Leider verliert sich die Geschichte anschließend oft in verschiedenen (machnmal sogar banalen oder langweiligen) Episoden. Zunächst sieht es so aus, als würden sie weiterführen und das könnte interessant werden. Aber der Faden wird weder weitergesponnen noch wieder aufgenommen, so dass man sich fragt "Ja, und jetzt?" Die Hauptpersonen (auch ihre Eltern) bleiben seltsam unlebendig, eindimensional.
Ein zu dickes Buch über die Unfähigkeit, miteinander zu sprechen und zumindest zu versuchen, zwischenmenschliche Probleme zu lösen. Nicht nachvollziehbar, dass dem steifen Knie des Mädchens nicht besser physiotherapeutisch oder operativ geholfen wird, wobei das beim Autofahren offenbar überhaupt keine Probleme bereitet! Und der junge Mann wird trotz seines gestörten Verhaltens nie einem Psychiater vorgestellt! Dazu ein Arzt, der mehrere Jahre braucht um festzustellen, dass seine Frau an Magersucht und Bulimie leidet, was natürlich eine Schwangerschaft verhindert. Das ist nicht übezeugend. Der offene Schluss ist irritierend und unverständlich: die junge Frau lässt ihren Jugendfreund dringend kommen, da sie annimmt, seine verschwundene Schwester gesehen zu haben, erklärt es ihm aber nicht, zwingt ihm stattdessen eine absurde Fahrstunde auf und lässt ihn unverrichteter Dinge wieder abreisen.
0Kommentar|10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 26. September 2011
Zum Inhalt:

Parallel werden hier zwei Geschichten erzählt:

Zum einen die von Alice, die als Kind von ihrem Vater dazu genötigt wird, Skifahrerin zu werden. Alice aber mag das Skifahren und das frühe Aufstehen, auch in den Ferien, nicht. Ihr ist kalt und jedes Mal, wenn sie dann den Berg mit dem Lift hochgefahren ist, muss sie wieder, obwohl sie vorher wirklich versucht hat, alles aus ihrer Blase heraus zu drücken. Also hockt sie sich abseits der Piste hin und macht sich in den Schneeanzug. Aber an einem dieser Tage ist alles anders. Alice hockt sich hin, aber dieses Mal kommt auch etwas Hartes dabei heraus. Beschämt versteckt sie sich im Nebel und lässt die Anderen, nachdem sie viele Male nach ihr gerufen haben, allein weiter den Berg hinauffahren. Nun macht sie sich allein auf den Weg nach unten, hat es ja doch schon so viele Male schon gemacht. Dann aber passiert das Unvermeidliche, sie stürzt in einen Abhang.

Zum anderen ist da Mattia, der gerne wie auch die anderen Schüler seiner Klasse, aus sich herausgehen würde. Aber da ist noch Michela, seine Zwillingsschwester, die geistig zurückgeblieben, immer an seiner Seite klebt. Als dann endlich eine Einladung zum Kindergeburtstag kommt, auf die er schon soooo lange gewartet hat, er aber auch Michela mitbringen soll, entscheidet er sich, dieses eine Mal seine Schwester einfach im Park auf einer Bank zurückzulassen. Sie soll sich nicht vom Platz bewegen, bis er wieder zurück ist. Dieser fatale Fehler begleitet ihn sein ganzes Leben; denn als er zurückkommt, ist Michela wie vom Erdboden verschluckt.

Die Geschichte wird nun in der Schule zusammengeführt. Dort begegnen sich Alice und Mattia, beide ja Außenseiter und ohne Freunde, das erste Mal. Alice, die glaubt inzwischen in Viola eine Freundin gefunden zu haben, wird von dieser allerdings nur gemoppt. Auch Mattia glaubt in Denis einen Freund gefunden zu haben, aber dieser ist nicht nur freundschaftlich an ihm interessiert. In diesem Stadium der Enttäuschungen und des Alleinseins, treffen die Beiden aufeinander und werden sich langsam einander annähern.

Hier nun werde ich meine Zusammenfassung beenden; denn sonst braucht ihr dieses überaus sensibel geschriebene tolle Buch ja nicht mehr selbst zu lesen.

Fazit:

Der junge Autoren Paolo Giordano hat mit "Die Einsamkeit der Primzahlen" ein wirklich super sensibles Buch geschrieben. Er weiß auf jeder Seite genau das zu schreiben, was das Herz des Lesers berührt. Den Protagonisten haucht er dabei so viel Leben ein, dass man beim Lesen wirklich ständig und immer wieder von Gänsehaut überzogen wird. Absolut real und identisch beschrieben werden die Charaktere und ihre Eigenarten, wenn man sie denn so nennen mag. Alice, die nach dem Unfall unter vielen Begleiterscheinungen leidet, genauso wie Mattia, der ständig an die Abwesenheit seiner Zwillingsschwester erinnert wird und sein Gewissen nicht befreien kann. Beide haben nur eins im Sinn, sich zu zerstören. Als sie sich dann kennenlernen, können sie weder mit einander noch ohne einander auskommen. Mit dem Satz ''Für Mattia waren sie beide, Alice und er, genau dies, Primzahlzwillinge, allein und verloren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um sich wirklich berühren zu können'' hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Hierin ist alles gesagt.

Ich war wirklich total begeistert und konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Ich wollte wirklich nur wissen, wie es weitergeht mit diesen Beiden. Eine rührende und unter die Haut gehende Geschichte, die keineswegs kitschig und überzogen erscheint. Nein, so kann es wirklich sein, wenn man vom Schicksal dermaßen gebeutelt wird. Ich litt und freute mich mit Alice und Mattia, hatte Tränen in den Augen aber auch ein Lächeln auf den Lippen, wenn sie sich wieder trafen. Man ist stets mitten im Geschehen dabei. Am Ende des Buches war ich traurig, das es zu Ende war. Auch den Ausgang hatte ich mir anders vorgestellt und gewünscht, aber so ist er auch perfekt.

Hier vergebe ich volle 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung. Dieses Buch gehört in jede Bibliothek.
22 Kommentare|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 14. September 2010
Paolo Giardano 'Die Einsamkeit der Primzahlen'
Alice hasste das Schifahren, und sie hasste es noch mehr als sie als kleines Mädchen im Schnee liegen blieb und seit dem ein lahmes Bein hinter sich herziehen musste. Nie hat sie ihrem Vater vergeben, dass er sie dazu gezwungen hatte.
Mattia hatte eine Zwillingsschwester, die geistesbehindert war und weil er sich so für sie schämte, ließ er sie allein im Park und ging allein auf die Geburtstagsfeier eines Schulkollegen, als er zurück ging um Michela zu suchen, war sie verschwunden.

Diese zwei Ereignisse in den Leben dieser jungen Menschen haben sie für immer verändert. So wie Alice es treffend auf den Punkt brachte 'Mattia verweigert die Welt, und sie wurde von der Welt verweigert'. Während sie verzweifelt versucht, Anschluss an eine Mädchenclique zu finden, versucht Mattia sich unsichtbar zu machen und verletzt sich selbst.
Er ritzt sich und Alice beginnt zu hungern.
Als die beiden sich mit 15 kennenlernen, fühlen sie sofort diese merkwürdige Verbundenheit, aber gleichzeitig begreifen sie, dass sie nie zusammen kommen können, ihre Einsamkeit, die wie eine Wand um sie herum steht, verhindert das. 'Wie ein Primpaarzwilling, das stets durch eine andere Zahl getrennt ist', wie Mattia feststellt.
Beide werden älter und versuchen am Leben teilzunehmen. Mattia flüchtet in sein Mathematikstudium, schließt es zügig ab und verschwindet dann ins Ausland, nachdem er vergeblich versucht hat Alice zu erklären, dass er wegen ihr bleiben würde. Alice schaukelt durchs Leben, hat keine Ziele, und auch das Fotografieren ist irgendwie nur eine Notlösung und dann ist da auch noch der Kuss mit Mattia. Danach sollten sie sich 9 Jahre nicht mehr wiedersehen.
Giardano bedient sich einer sehr poetischen, einfachen und unaufdringlichen Sprache. In nicht überbordenden Gesten beschreibt das Leben zweier traumatisierter Menschen, die keinen Weg finden mit ihrer Geschichte umzugehen, als sich selbst zu bestrafen. Obwohl sie versuchen mit Menschen in ihrer Umgebung Kontakt aufzunehmen, geschieht doch nur, dass diese sich von ihnen abwenden. An Mattia prallen seine Eltern und seine wenigen Freunde ungehallt ab, und Alice lässt sich nur bedingt in Beziehungen ein um dann doch für sich zu bleiben.

Ein Roman zum Genießen, schwelgen und traurig sein.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden