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35 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen keine leichte Kost...
Ein Tag auf 220 Seiten.

Sorokin schreibt aus der ich-Perspektive, teils in einem stream-of-conciousness Stil, aus dem Leben eines Opritschniks, einer Art Gestapo Mann in einem zukünfitgen Russland. Die Sprache ist brutal aber auch poetisch, und das nicht nur in den gelegentlichen Gedichten, die meiner Meinung nach brilliant übersetzt sind - es...
Veröffentlicht am 25. Januar 2008 von M. Botts

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unnötige Verzettelung in Details zu Lasten des Gesamten
Sorokin entwirft in diesem Buch eine finstere Dystopie eines totalitären Russlands voller Terror, Gewalt und Korruption. Geschildert wird ein Tag im Leben des Inlandgeheimdienstmitarbeiters Alexej aus der Ich-Perspektive. Im Gegensatz zum Nachfolgewerk "Zuckerkreml" (quasi eine Fortsetzung von "Der Tag des Opritschniks") kann diese Dystopie aber nicht...
Vor 15 Monaten von schmechi veröffentlicht


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35 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen keine leichte Kost..., 25. Januar 2008
Von 
Ein Tag auf 220 Seiten.

Sorokin schreibt aus der ich-Perspektive, teils in einem stream-of-conciousness Stil, aus dem Leben eines Opritschniks, einer Art Gestapo Mann in einem zukünfitgen Russland. Die Sprache ist brutal aber auch poetisch, und das nicht nur in den gelegentlichen Gedichten, die meiner Meinung nach brilliant übersetzt sind - es fällt überhaupt nicht auf, dass hier eine Übersetzung vorliegt. Teilweise gerät der Roman ins Geschmacklose, was aber der Beschreibung des Terrorregimes in einem Russland des Jahres 2027 dienlich ist. Zusätzlich zu diesem ereignisreichen Tag erfährt man nebenbei auch viel über die Welt in der der Opritschnik lebt, dass das in Russland spielt wird ebenfalls gut übermittelt. Ich habe diese Buch schnell gelesen, weil es spannend geschrieben war und sich flüssig las, und das bei einer hohen Sprachqualität.

Eine Dystopie die leider nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Auch deshalb lesenswert.
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26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gekonnte bissige Satire mit Polit-touch, 30. Januar 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kraftvoll und poetisch schreiben kann dieser Sorokin. Mit überschäumendem phantastischem Realismus bis hin zu surrealistischen Szenen verlängert er die heute in Russland erkennenden Tendenzen in die Zukunft und schildert eine vom Westen durch eine Mauer abgeschottete Präsidialdiktatur in der eine gefürchtete Truppe von Schlägern und Mördern alles im Schach hält, was dem geliebten Diktator nicht gefällt, vor allem Oligarchen, die der Autor als Adlige darstellt, deren Schlösser vom Mob im Staatsdienst geschliffen werden.
Kein Wunder, dass der Autor vom Putin-Regime nicht unbedingt geliebt, ja der Pornografie bezichtigt wird. Kein Wunder auch, dass ihn im Westen viele lieben, denen ein erstarktes Russland, das sich der Hegemonie der USA immer deutlicher widersetzt, nicht in den Kram passt.
Viele Kleinigkeiten, die chinesischen Händler auf den Märkten, die Käuflichkeit und Bestechlichkeit der Speichellecker bis hin zum "Goldrubel", der neben die Fiatwährung getreten ist, dürften besonders dem Kenner des neuen Russland gefallen. Für alle anderen ist dieser Roman ein faszinierendes Stück Literatur, die den zeitgenössischen deutschen Autoren ein Armutszeugnis ausstellt. Mit Sorokins Arbeiten verglichen wird überdeutlich, wie einfallslos und langweilig ihre meist in der Vergangenheit angesiedelten Familiendramen sind, in denen die soziale Realität gewöhnlich ausgeblendet bleibt. Ja, Literatur kann große Kunst sein. Wir müssen sie aus dem Ausland beziehen und übersetzen lassen, was hier gleichfalls sehr gut gelungen ist.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessant, 22. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Tag des Opritschniks: Roman (Taschenbuch)
Ich fand das Buch interessant. Sicher manches ist mir zu überdreht oder pornographisch. Witzig ist übrigens, daß dieses Buch in Russland auch in Nichtdissidentenkreisen durchaus ankommt. Das mag daran liegen, daß Sorokin Europa zwar nur am Rande erwähnt aber in dem wenigen, das er andeutet für diesen Kontinent auch eine düstere Zukunft andeutet. Würde er übrigens einen Roman schreiben, in dem er in Westeuropa vorhandene und in seinem Roman angedeutete Entwicklungen in ähnlicher Weise extrapoliert und mit Pornographie garniert, ich würde bezweifeln, daß er zumindest in Deutschland so leicht einen Verleger finden würde. Somit, finde ich, relativiert sich das Gerede um die in Russland absente und bei uns so modellhafte Demokratie durchaus.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biss zum Ost-Grauen, 22. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Tag des Opritschniks: Roman (Taschenbuch)
Das Buch ist es nicht, aber der Inhalt ist stellenweise pervers. Das Buch ist es nicht, aber der Inhalt ist stellenweise grotesk und kann als blasphemisch empfunden werden. Das Buch ist ganz gewiss große Literatur, aber geschrieben in leichter, eingängiger Sprache. Man könnte seinen Ekel ausdrücken, wenn die Handlungen als Action-Kino gedacht sind. Man könnte es als hohe Form der Satire ansehen, wenn die Handlung als Parabel gedacht ist. Man kann sich fragen, ob das Regime - gekoppelt mit orthodoxer Frömmigkeit - solche Perversionen gebiert? Denn die Bibel - besonders die Offenbarung des Johannes - sollte man in Ansätzen kennen, will man Träume, einzelne Satzaussagen, Anspielungen verstehen.
Doch die Frage, die sich mir am Schluss stellt: Lieber Herr Sorokin, haben sie Putin vor Augen, haben sie die Oligarchen vor Augen? Und wenn ja, warum wird Russland christlich im Jahre 2027? Oder war es das schon immer - zumindest im Volk? Ist es allein Kritik am Regime oder auch Kritik an Väterchen Russland und seiner Geschichte, seinem Wesen, seiner Art? Werden hier Vorurteile zementiert oder differenziert? Was ist hier Mut und was eine literarische Walze? Um es kurz zu machen: hat die kommunistische Idee Russland im Jahre 2027 zu dem gemacht, was es bis dahin ist (oder schon heute?). Oder ist es die tiefe, russische Volksfrömmigkeit, die dieses Paradoxon gebar? Denn wenn die russisch orthodoxe Frömmigkeit diesen Zerberus zur Welt bringt, dürfte Sorokin in seinem Land solch ein scharfer Kritiker nicht sein. Trotzdem: great literature. Daran komm ich nicht vorbei.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großartiger Stefan Kaminski, 23. August 2010
Von 
Hoerspiel3 - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tag des Opritschniks (Audio CD)
Russland, im Jahr 2027.
Sonderlich futuristisch wirkt das Land nicht, wie wir feststellen, indem wir Andrej Danilowitsch bei seiner bedeutsamen Tätigkeit im Dienst der Opritschnina begleiten. Im Gegenteil: die Machtstruktur und Obrigkeitshörigkeit sowie die Abgrenzung von allen westlichen Einflüssen könnte kaum rückschrittlicher sein.

Die Erzählung um Andrej Danilowitsch Komjaga ist wahrhaftig ungewöhnlich. Und das nicht nur in inhaltlicher Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die zum Einsatz kommenden Stilmittel. Diese stellen hier eine besondere Herausforderung an die Vertonung, doch dazu später mehr.

Die Opritschnina, das ist eine Organisation von Männern, die direkt dem Gossudaren untersteht, dem obersten Führer Russlands, und sich für diesen um besonders diffizille Aufträge kümmert. Sei es die Entmachtung von Familien, von Regimegegnern oder ähnliche Dinge.
Die Opritschnina ist zudem eine streng hierarchische Organisation mit dem "Alten" an der Spitze, die eng zusammensteht. Verfehlungen des eigens gesetzten Ehrenkodex werden hier nicht gedultet. Wer sich wie Andrej zum inneren Zirkel zählen darf, kommt zudem in den Genuss manch außergewöhnlich erquickenden Zeremoniels, von denen es an diesem einen besonderen Tag gleich mehrere geben soll.

Das ungewöhnliche dieser Erzählung findet sich bereits im gewählten Stil. Das Ganze ist im Prinzip eine umfangreichen Schilderung aus der Sicht einer einzigen Person im Präsens-Stil, vermengt mit den ganz persönlichen Ansichten, die für die nötige Würze in dem ansonsten nicht immer ganz leicht zu verdauenden Sammelsurium sorgen.
Einen einfach zu bewältigen Stoff hat uns Vladimir Sorokin hier wahrlich nicht vorgelegt. Wer nicht gerade ein Experte in Sachen Russland bzw. Sowjetunion ist, der dürfte gewiss nicht alle Anspielungen verstehen. Doch das macht gar nichts, denn um den Kern der Sache zu erfassen, reicht durchaus ein profundes Wissen über den geschichtlichen Werdegang der Gesellschaft im Osten aus. Die nächste ungewöhnliche Komponente ist das Einbinden von zahlreichen Gedichten, Liedern, dadaistisch anmutenden Rundfunkübertragen und Theaterstücken.

Und genau an diesem Punkt kommen wir zur bereits angesprochenen besonderen Herausforderung an die Inszenierung. Eine reine Lesung ist bei diesem Stoff eigentlich unvorstellbar. Rückblickend umso mehr, als man Stefan Kaminski erst einmal erlebt hat, wie er dem ganzen eine ganz besondere Art von Lebendigkeit einhaucht.
Man hätte das ganze auch nach Schema F umsetzen können, aber dies hätte letztlich wohl nur einen einzigen Effekt gehabt: den Hörer angesichts der ohnehin schon schwierigen Thematik und Stilistik schnell zu verschrecken oder aber anzuöden.
Den Weg, den Stefan Kaminski unter der Regie von Johanna Steiner einschlägt ist dagegen goldrichtig. Der Mann wird nicht umsonst als Stimmen-Morpher bezeichnet und so kommt es, dass diese Lesung streckenweise viel eher schon Züge eines Ein-Mann-Hörspiels aufweist. Was Stefan Kaminski hier abliefert kann man nur als genial bezeichnen. Allein schon seinetwegen ist dieses Hörbuch ein absolutes Pflichtprogramm.
Er spricht, er singt, er spielt - sogar Mengen werden durch das Übereinanderlegen von unterschiedlich gesprochenen Takes real. Allein die Routine, die Kaminski an den Tag legt, wenn es darum geht die russischen Namen (von denen man hier nicht gerade wenige hört) zu bewältigen, verdient große Anerkennung. Aber damit allein gibt sich Kaminski hier nicht zufrieden.

Fazit: Erst der Mann mit den 1000 Stimmen, Stefan Kaminski nämlich, macht diese Lesung zu einem besonderen Genuss. Der Stoff per se ist alles andere als einfach und in vielerlei Hinsicht sehr ungewöhnlich, übt aber nichtsdestotrotz eine ganz eigene Form der Faszination aus. Die sich aber ohne Kaminski so wohl nicht ergeben hätte. Deshalb wäre diese Lesung ohne Kaminski für mich überhaupt gar nicht vorstellbar.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unnötige Verzettelung in Details zu Lasten des Gesamten, 5. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Tag des Opritschniks: Roman (Taschenbuch)
Sorokin entwirft in diesem Buch eine finstere Dystopie eines totalitären Russlands voller Terror, Gewalt und Korruption. Geschildert wird ein Tag im Leben des Inlandgeheimdienstmitarbeiters Alexej aus der Ich-Perspektive. Im Gegensatz zum Nachfolgewerk "Zuckerkreml" (quasi eine Fortsetzung von "Der Tag des Opritschniks") kann diese Dystopie aber nicht überzeugen: Im Vordergrund stehen drastische pornographische Schilderungen an Stelle einer überzeugenden Gesamtvision. Unnötig brachiale Passagen, rohe Wortwahl und die detailierte Schilderung von Sexualpraktiken und Vergewaltigungen verdrängen die durchaus vorhandene Systemkritik am heutigen Russland und dessen Fehlentwicklungen.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Tag des Opritschniks, 28. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Tag des Opritschniks: Roman (Taschenbuch)
Vladimir Sorokin: Der Tag des Opritschniks /Wilhelm Heyne Verlag München 2009

Die Handlung setzt Sorokin in das Jahr 2027. Eine Elite bestimmt das wirtschaftliche und politische Leben Rußlands. Den Begriff Opritschnik entnimmt er aus der Geschichte, wo man Adlige oder Krieger, die als Spezialtruppen zur Zeit Iwans des IV. Dienst taten. Die Opritschnina ist jener Apparat, der in Verwaltung und Militär dem Zaren unterstand und die Zentralgewalt festigte und verteidigte.
Projiziert in das Jahr 2027 beschreibt Sorokin eine solche Elite, die dem Führer /Machthaber bedingungslos folgt und damit selbst in den Vorzug von Status und Macht gelangt. Diese brutale und korrupte Elite stellt sich all jenen entgegen, die eine Gefahr für das herrschende System werden können. Andersdenkende, Intellektuelle, Wirtschaftler mit eigenen Konzeptionen werden verfolgt, bestraft oder vernichtet.
Eine besondere Rolle spielen in der Auseinandersetzung mit der Herrschaft im Inland die Chinesen. Darin spiegelt sich die gegenwärtig tatsächlich kritisch gesehene relativ unkontrollierte Einwanderung chinesischer Bevölkerung in Sibirien wider. Im Roman sind es die Chinesen mit denen man in Zollverwicklungen kommt und wie man sie austrickst.
Wenn auf der Rückseite des Buches darauf hingewiesen wird, dass Sorokin der schärfste Kritiker der gegenwärtigen politischen Elite Rußlands sei, so mag man das gelten lassen.
Das Buch wird aber jenen verständlicher, die den Beitrag des SWR-Dokumentarfilms im Ersten sahen: 'Die Ehre der Paten ' Rußlands Mafia'. Oft fragt man sich, warum und über welche Wege sind oder wurden manche in Rußland so extrem reich. Zum Teil waren es Schwerstverbrecher, die in den russischen Strafgefangenenlagern bereits ihre Struktur bildeten und im zivilen Leben fortsetzten. Gerade die 90er Jahre, die Zeit der Auflösung der Sowjetunion, die völlig ungeordnete Privatisierung von ehemals staatlichen Betrieben öffnete für jene Umtriebigen geradezu den Einstieg in Besitz und Kapital, auch mit Gewalt. Aus jener Zeit gibt es viele Tote. Die Friedhöfe verweisen auf Geschehenes.
Heute haben sich diese Personen etabliert, zum Teil im Ausland und rühmen sich ihrer Gesellschaftsfähigkeit, ihrer Wohltätigkeit in Kunst und Religion. Ihr Einfluß reicht in höchste politische Kreise. Wer eingeschlossen ist in diesen Apparat, kann einerseits nicht ausbrechen ohne Gefahr zu laufen vernichtet zu werden. Andererseits gibt die Opritschnina das Dach, den Schirm, der dem einzelnen Schutz gibt.
Diese Strukturen existieren weiterhin und Macht- und Herrschaft werden damit begründet und gefestigt.
Indem Sorokin den Roman in die Zukunft verlegt entgeht er der Gefahr, für offene Kritik an den politischen Strukturen Rußlands kritisiert und belangt zu werden.
Ein interessantes Buch vor allem für jene, die sich mit Geschichte und Gegenwart russischer Machtverhältnisse beschäftigen.
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4.0 von 5 Sternen Beeindruckend, 22. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sorokin beschreibt einen undenkbaren Zukunft für Russland, und doch gleichzeitig denkt man kurz nach ob sowas irgendwann doch möglich sein könnte. Die Welt der Zukunft d doch so primitiv wie vor hunderte von Jahren, regiert von männer, für männer, blinde gehorsamkeit gepaart mit ignoranz, und doch sind es immer noch die mächtigsten unter uns...
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ziemlich krass, aber faszinierend..., 18. Juli 2009
Von 
S. Kapper (Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tag des Opritschniks (Audio CD)
Achtzehn Jahre in der Zukunft...
Russland wird vom "Gossudar" beherrscht, dem alleinigen Machtinhaber. Seine Leibgarde, die Opritschnina, hilft ihm treu ergeben, seine Wünsche zu erfüllen und durchzusetzen. Dafür ist ihnen so gut wie jedes Mittel recht, sei es noch so grausam oder brutal. Vladimir Sorokin lässt uns einen der gnadenlosen Männer begleiten. Einen ganzen Tag verbringt man mit Andrej Danilowitsch, einem hochrangigen Opritschnik, begleitet ihn zu einer Hausräumung, in die Sauna, auf einen Trip oder gar bis in die Gemächer der allseits gehassten Gossudarin. Andrej selbst schildert als Ich-Erzähler seine Erlebnisse, nimmt uns mit in seine wild verschlungenen Gedanken, um im nächsten Moment wieder die totale Selbstbeherrschung zu demonstrieren. Gemeinsam mit seinen Kameraden feiert er wilde Drogenpartys und geht seinen geheimsten Gelüsten nach. Der Glaube an die Macht seines Gossudaren begleitet ihn jedoch überall hin...

Hart, direkt und mitten ins Hirn trifft einen diese Geschichte Sorokins. Interessiert lauscht man den ersten Tracks, ist leicht irritiert, aber auch seltsam fasziniert. Man lässt sich auf den vorgegebenen Weg ein und reißt manches Mal ungläubig die Augen auf, um schließlich kopfschüttelnd die nächste Cd einzulegen und weiterhin gebannt zu lauschen. Sorokin beschreibt ein Russland, dass erstaunlich glaubwürdig und real erscheint, eher rückständig wirkt, als Zukunftsvision zu sein. Vielleicht liegt es u.a. daran, dass die Opritschnina bereits im Jahre 1565 unter der Herrschaft des Zaren Iwan des Schrecklichen ihr Unwesen trieb. Sorokin ist es gelungen, diese uralte Ausstrahlung einzufangen und zu nutzen. Die frei gelebte Brutalität der Opritschniks wirkt durch ihre offene Art damit umzugehen, weniger bedrohlich als es im wahren Leben der Fall wäre. Andrej Danilowitsch ist ein auf seine Weise interessanter Mann, der einen zwar beunruhigt, aber gleichzeitig mit seinem etwas herben Charme betört. Die Auswirkungen der Droge Macht wird hier sehr eindruckvoll dargestellt.

Das Ganze wird aber erst zu einem wahren Hörerlebnis durch den Vortrag Stefan Kaminskis. Dieser Mann ist ein wahres Genie, wenn es darum geht, die unterschiedlichsten Personen zu spielen, oder in seinem Fall, zu leben. Als menschlicher "Stimmenmorpher" verwandelt er sich auf diesen 6 Cds über sechs Stunden in die unterschiedlichsten Personen. Egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, egal welche Stimmlage gerade erforderlich ist, Kaminski kann alles und zeigt das auch. Man merkt als Zuhörer deutlich, wie begeistert Kaminski selbst von Sorokin und seinen Werken ist und kann dies im Booklet auch in seinen eigenen Worten lesen. Seine Wertschätzung hätte Kaminski durch seine großartige Darbietung nicht deutlicher klar machen können.

Ein teilweise recht schwer verdauliches Hörerlebnis, das noch lange nach dem Lauschen im Kopf rotiert und gleichzeitig so herrlich ungewöhnlich ist, dass man es immer wieder hören will, auch, wenn es einem anfangs vielleicht ein paar Bauchschmerzen bereitet.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brutal, heftig, krass....gut., 17. März 2008
Wie meine Vorredner schreiben - das Buch ist keine leichte Kost, ist brutal, aber es ist auch echt gut geschrieben. Wer sich für Politik, für Geschichte, für Gesellschaft und für Russland interessiert, ist hier aufgehoben.
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Der Tag des Opritschniks: Roman
Der Tag des Opritschniks: Roman von Vladimir Sorokin (Taschenbuch - 3. August 2009)
EUR 8,95
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